reltext

Chapter 1

1 1 Worte Jeremias, Sohn des Hilkija, von den Priestern in Anatot im Land Benjamin.

  1. [Status: Ungeprüft]

2 An (zu) ihn erging (geschah) das „Wort JHWH s“1 in den Tagen Joschijas, Sohn Amons2, König von Juda, im 13. Jahr seiner Regentschaft3.

  1. „Wort JHWHs“ (dbr JHWH) ist Singular, es handelt sich aber natürlich um mehrere Worte resp. Sätze. Bei Jeremia wird dbr JHWH für das Gotteswort gebraucht. Es ist, wie Vers 9 zeigt, eine eigene Größe.
  2. 639-609 v. Chr.
  3. 627 v. Chr.

3 Und es geschah [weiter] in den Tagen Jojakims, Sohn Joschijas1, König von Juda, bis zum Ende des 11. Jahres [der Regentschaft] Zidkijas2, Sohn Joschijas, König von Juda; bis in die Verbannung gebracht wurde Jerusalem im 5. Monat3.

  1. 608-598 v. Chr.
  2. 597 v. Chr.
  3. Das ist der Monat „Ab“.

4 Und [es] erging (geschah) das „Wort JHWH s“ an (zu) mich {folgendermaßen}:

5 Bevor ich dich formte im Bauch [der Mutter], kannte ich dich, und bevor du herauskamst aus dem Schoß, habe ich dich geweiht; Prophet für die Völker ließ ich dich werden.

6 Aber ich sagte: Ach, Herr JHWH! Sieh, nicht habe ich gelernt zu reden. Denn ein Jugendlicher [bin] ich.

7 Aber sprach JHWH zu mir: Sprich nicht: 'Ein Jugendlicher [bin] ich', denn zu allen, zu denen ich dich schicken werde, wirst du gehen und alles, was ich dir befehlen werde, wirst du reden.

8 Fürchte dich nicht vor ihnen. Denn bei dir [bin] ich, [um] dich zu retten. Spruch JHWH s

9 Und JHWH streckte seine Hand aus und berührte meinen Mund. Und sprach JHWH zu mir: „Sieh, ich habe gelegt mein Wort in deinen Mund.

10 Werde gewahr: Ich habe dir anvertraut an diesem Tag Völker und Königreiche: auszureißen und abzubrechen und auszurotten und einzureißen und zu bauen und zu pflanzen.“

11 Und es erging (geschah) das „Wort JHWH s“ an (zu) mich {folgendermaßen}: Was siehst du, Jeremia? Da (und) antwortete ich: Einen Zweig des Mandelbaums1 sehe ich.

  1. Es handelt sich hier um ein Wortspiel mit dem Nomen schkd „Mandelbaum“ und dem Verb schkd „wachsam sein“, vgl. die Diskussionsseite.

12 Da (und) sprach JHWH zu mir: Du hast gut gesehen! Denn wachend[bin] ich über mein Wort, es zu tun.

13 Und es erging (geschah) das „Wort JHWH s“ an (zu) mich ein zweites Mal {folgendermaßen}: Was siehst du? Da (und) antwortete ich: Einen Topf, angefacht, sehe ich, und seine Oberfläche [neigt sich?] nach Norden.

14 Da (und) sprach JHWH zu mir: Von Norden1 wird entfesselt das Unheil über alle Bewohner des Landes.

  1. Wortspiel mit „Norden“ (zapon): Der Topf zeigt nach Norden (zapona), das Unheil kommt von Norden (mizapon). Von der Logik des Bildes (ein überkochender Topf) müsste der Topf sich eigentlich nach Süden neigen.

15 Denn sieh mich: ein Rufender bin ich alle Sippen, Königreiche des Nordens, Spruch JHWH s, und sie werden kommen und jeder seinen Thron in der Öffnung der Tore Jerusalems aufstellen und auf alle ihre Mauern ringsum und an alle Städte Judas.

16 Und ich werde sprechen meinen Rechtsentscheid über sie wegen all ihrer Bosheit, „von der gilt“1: sie haben mich verlassen und räucherten auf anderen Göttern und beteten an die Werke ihrer Hände.

  1. aschär ist eine Relativpartikel bzw. Konjunktion, die ich durchweg „von dem/der gilt“ wiedergebe; hier würde man mit „weil“ übersetzen.

17 Und du gürte deine Hüften und steh auf und rede zu ihnen alles, „von dem gilt“: ich habe [es] dir geboten. Erschrick nicht vor ihnen, damit nicht ich dich erschrecke vor ihnen1!

  1. Ein Wortspiel mipnehem („vor ihnen“ im Sinne von: der Schrecken kommt von ihnen (min heißt „von - aus“, „von - weg“) und lipnehem („vor ihnen“, le ist der Anzeiger für den Dativ, also: der Schrecken kommt von Gott in Gegenwart („vor“) derer, die Jeremia erschrecken)

18 Und sieh, ich habe dich heute gemacht zur Festungsstadt und zum eisernen Pfeiler und zur ehernen Mauer für das ganze Land, für die Könige Judas, für seine Fürsten, für seine Priester und für das „Volk des Landes“.1

  1. am haaräz („Volk des Landes“) bezeichnet die Führungsschicht der Landbevölkerung (den „Landadel“ ???), aus der später die Pharisäer hervorgingen - Quelle?

19 Und sie werden kämpfen gegen dich und dich nicht übermögen. Denn mit dir [bin] ich, Spruch JHWH s, um dich zu retten.

Chapter 2

1 1 Und es erging (geschah) „Wort JHWH s“ (das Wort JHWH s) an mich (zu mir) {folgendermaßen}:

  1. [Status: Ungeprüft]

2 Geh und rufe in die Ohren Jerusalems {folgendermaßen}: So spricht JHWH: ich erinnere mich (gedenke) an dich, an die Liebe (Treue, Verbundenheit) deiner Jugendzeit, die Liebe deines Brautstandes,dein Gehen hinter mir [her] in der Wüste, im Land, wo nicht gesät [wird].

3 Heiliges (Heiligtum) [war] Israel für JHWH, Erstling seines Ertrages.Alle ihn Essenden (Fressenden) werden sich verschulden, Unheil wird über sie kommen. Spruch (spricht) JHWH s.

4 Hört „Wort JHWH s“ (das Wort JHWH s), Haus Jakob und alle Sippen (Familien) des Hauses Israel.

5 So spricht JHWH: Was fanden eure Väter an mir [für] Unrecht, dass sie sich fernhielten von mir und gingen hinter den Nichtsen (Nichtigkeit, Hauch; Götzen) [her] und wurden [selbst] nichtig?

6 Und fragten (sprachen) nicht: Wo [ist] JHWH?, der uns heraufbrachte1 aus dem Land Ägypten,der uns führte2 in der Wüste, im Land der Steppe (Wüste) und des Abgrunds (Fanggrube),im Land der Trockenheit und des Todesschattens, im Land nicht durchzieht es jemand (ein Mensch) und nicht wohnt ein Mensch dort.

  1. Partizip temporal aufgelöst
  2. Partizip temporal aufgelöst

7 Und ich brachte euch ins Land des Fruchtgartens, um zu essen seine Früchte (Ertrag) und seine Güter (Bestes).(Und =) Aber ihr kamt und verunreinigtet (entweihtet) mein Land, und mein Erbe machtet ihr zu Abscheulichem.

8 Die Priester (sagten =) fragten nicht: Wo [ist] JHWH?(Und =) Als Handhabende (Gebrauchende) die Torah (Gesetz)1 verstehen (kennen) sie mich nicht, und die Hirten sind von mir abgefallen.Und die Propheten prophezeien dem Baal und hinter Nichtsnutzen2 gehen sie (laufen sie her).

  1. Das „Gesetz“ oder die „Weisung“ (Martin Buber). Da es ein t.t. ist, der weit über die lutherische Verengung des „Gesetzes“ hinausgeht, würde ich gern den Namen „Torah“ belassen. Man kann ihn durch eine Fußnote erklären.
  2. Wörtl.: nicht nützen, nicht helfen

9 Darum: Weiter will (werde) ich rechten (einen Rechtsstreit führen) mit euch, Spruch (spricht) JHWH s,und mit den Kindern eurer Kinder will (werde) ich rechten (einen Rechtsstreit führen).

10 Denn geht hinüber zu den Inseln der Kittäer (Zyprioten) und seht, und nach Kedar1 und gebt (sehr =) genau acht und seht, siehe!, geschah2 [je] Solches?

  1. Ein Beduinenstamm.
  2. W.Rudolph schlägt im Apparat z.St., wahrscheinlich wegen des hier doppelt erscheinenden „Sieh!“, vor, aus „hen hajeta“ die Frage zu lesen: „hanijeta“, „hat sich (je) begeben?“

11 Hat [je] ein Volk Götter (Gott)1 geändert (vertauscht)? Dabei (und) [sind] sie keine Götter (Gott)!(Und =) Aber mein Volk vertauscht seine Herrlichkeit (Ansehen, Ehre, Pracht)2 mit (nicht nützen =) Nichtsnutzen.

  1. Elohim bezeichnet sowohl den einen Gott als auch die Vielzahl der (anderen) Götter.
  2. „Kabod“ hat ein großes Bedeutungsspektrum: Schwere, Last; Gewicht, Besitz, Ansehen; Person, Ich; Ansehnlichkeit, Pracht; Auszeichnung, Ehre, Herrlichkeit (G.Fohrer, Wörterbuch).

12 Entsetze1 dich Himmel darüber!{Und} Empfinde Schauder, trockne2 (sehr =) völlig aus! Spruch (spricht) JHWH s.

  1. „Himmel“ ist im Dt. Singular, im Hebräischen Plural.
  2. Das Verb „charab“, austrocknen, steht hier unvermittelt. Die Septuaginta hat hier 'dpi pleion' = 'harba', groß machen, viel haben, also etwa: erschaudere in hohem Maße. W.Rudolph schlägt im Apparat z.St. vor, „chirdu“ zu lesen, schrecken, also: „Erschaudere (und) schrecke sehr!“

13 Denn zwei (zweifach) Übel (Böses) tut mein Volk: Mich verlassen sie,[die] Quelle lebendigen Wassers, um sich [eigene] Brunnen auszuhauen -Brunnen, die rissig werden1, so dass sie das Wasser nicht halten können.

  1. Ptz. als Relativsatz aufgelöst.

14 Ist Israel ein Knecht (Sklave)? Oder [ist] er ein (im Haus =) unfrei (?) Geborener?Warum wurde er [zum] Plündergut?

15 Gegen ihn brüllen junge Löwen, erheben ihre Stimmen und machten sein Land zu [etwas] Schauerlichem (Entsetzlichem); seine Städte wurden verbrannt, [sind] ohne Bewohner.

16 Auch (die Söhne Nophs =) die Bewohner Nophs1 und Tachpanches2 werden dir den Scheitel [kahl] (weiden=) fressen3.

  1. Die Stadt Memphis, Hauptstadt von Unterägypten, am westl. Nilufer südl, von Kairo
  2. Ebenfalls eine ägyptische Stadt, eine Grenzfestung östl. vom Nildelta bei Pelusium (Rudolph, Kommentar, S. 18), das heutige Tell-ed-Defenne (Gesenius, Wörterbuch 15. Aufl., S. 875. Siehe außerdem auch die Diskussionsseite.
  3. Das Verb bedeutet sowohl weiden=Schafe hüten als auch weiden=das Fressen der Schafe. Wir kennen im Deutschen den Ausdruck „jemandem die Haare vom Kopf fressen“; das scheint hier gemeint zu sein

17 Hast du dies nicht dir selbst (getan =) zu verdanken,als1 du verließest JHWH, deinen Gott,zu der Zeit, als2 er dich führte auf dem Weg?

  1. Ptz. temporal aufgelöst
  2. Ptz. temporal aufgelöst

18 Und nun! Was [willst] du mit dem Weg [nach] Ägypten?[Willst du] (Fluss1-wasser =) Nilwasser trinken?Und was [willst] du mit dem Weg [nach] Assyrien?[Willst du] (Strom=) Euphratwasser trinken?

  1. 'schichor' kommt nur Jes 23,3 und hier vor. Lt. Gesenius, Wörterbuch, S. 822 ist es ein Name für verschiedene Kanäle und Flussarme. Lt. Rudolph, Kommentar, S.18 einer der östlichsten Nilarme. 'Schichor' bedeutet ägypt. „Teich des Horus“

19 Ich züchtige1 dich [wegen] deiner Bosheit und [wegen] deiner Abtrünnigkeit weise ich dich zurecht.(Und) du sollst spüren und sehen, dass es schlecht (schädlich, unglückbringend) und bitter2 [ist], dass du JHWH, deinen Gott, verlassen hast und (mein Schrecken =) Ehrfurcht vor mir nicht bei dir ist3,Spruch des Herrn JHWH der Heerscharen (Zebaot)4.

  1. Vgl. Diskussionsseite.
  2. W.Rudolph, Kommentar, S. 18 zieht beide Adjektive zu „bitterböse“ zusammen
  3. W. Rudolph, Kommentar, S. 18 schlägt vor, statt 'pachda', Schrecken das Verb „pachad“, sich fürchten, zu lesen: „Und dich nicht in Ehrfurcht an mich gewendet hast“
  4. Vgl. Diskussionsseite und Seite Gottesnamen.

20 Denn (von Ewigkeiten her =) schon immer habe ich1 dein Joch zerbrochen und deine Fesseln zerrissen,aber du sprichst: Ich will nicht dienen! Sondern auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum legst du dich hin und treibst Hurerei.2

  1. So der Text. W. Rudolph, Kommentar, S. 18 macht aus der 1.Sg. der Verben in diesem Satz die 2.Sg.
  2. Ein stereotyper Ausdruck, mit dem Israel kritisiert wird, weil es „Götzen“ anbetet, vgl. Dtn 12,2; 1.Kön 14,23; 2.Kön 17,10; Jes 57,5; Jer 3,6.13; Ez 6,13

21 Ich aber pflanzte dich [als] edle Traube, [als] völlig zuverlässige Pflanzung.Aber wie hast du dich mir [gegenüber] verändert? [Zu] wilden (aus der Art geschlagenen) Weinranken eines fremden Weinstocks.1

  1. W. Rudolph meint, dass hier die Worte falsch getrennt wurden, und liest 'lesoriah gäphän', zu einer stinkenden Rebe.

22 Denn [selbst] wenn du dich reinigst (abwäscht) mit Natron und dir viel Laugensalz verschaffst,Deine Vergehen (Sünden) sind ein Schmutzfleck vor mir, Ausspruch des Herrn JHWH s.

23 Wie sprichst du: „Ich habe mich nicht verunreinigt, hinter den Baalen bin ich nicht [her]gelaufen“?Sieh deinen Weg im Tal [an]! Erkenne, was du getan hast!Eine schnelle junge Kamelstute läuft hin und her1 [auf] ihrem Weg

  1. Partizip, wörtl.: „ihre Wege verflechtend“

24 Ein[e] Wildesel[in], gewöhnt [an] die Wüste1,im Verlangen ihrer Seele schnappt sie nach Luft. Ihre Brunst: wer drängt sie zurück (besänftigt sie)?Alle, die sie suchen2 werden nicht müde; in ihrem Monat3 werden sie sie finden.

  1. W.Rudolph, S.20: „lies: 'ausbricht in die Steppe hinaus' ... 'ein Wildesel ..., an die Steppe gewöhnt', ist sinnlos“
  2. Partizip relativisch aufgelöst
  3. d.h. in ihrer Brunftzeit, W.Rudolph, S.20

25 Halte deinen Fuß ab von Barfüßigkeit und deine Kehle vom Durst!Aber du sprachst: Es ist vergeblich, nein!1 Denn ich liebe die Fremden und (hinter ihnen will ich hergehen =) ihnen will ich nachlaufen.

  1. Ein besonders starkes Nein?, vgl. Jer 18,12

26 Wie Schande (Scham) eines Diebes, wenn er erwischt wird, so soll sich das Haus Israel schämen:Ihr, Könige, Beamte (Befehlshaber, Edle, Vornehme, Vorsteher, Oberste) und Priester und Propheten1.

  1. Diese „Viererkette“ kommt häufiger bei Jeremia vor

27 Sie sprechen1 zum Holz: Du bist mein Vater! und zum Stein: Du hast uns geboren!{Denn} sie wenden mir den Rücken zu und nicht das Gesicht aber zur Zeit des Unheils sprechen sie: Erhebe dich doch und rette uns!

  1. Partizip

28 Wo [sind] deine Götter, die du für dich (dir) gemacht hast? Sie sollen aufstehen, wenn sie dir helfen (dich retten) in der Zeit deines Unheils (Not, Unglück, Übel); denn wie die Zahl deiner Städte sind deine Götter, Juda.1

  1. Die Seputaginta setzt fort: und nach der Zahl der Gassen Jerusalems opfern sie dem Baal, so Jer 11,13

29 Warum streitet (prozessiert) ihr mit mir?Ihr alle seid abgefallen von mir, Spruch JHWH s.

30 Vergeblich schlug ich die Söhne1, die Warnung nahmen sie nicht an.Das Schwert fraß eure Propheten, wie ein verderbender (tötender)2 Löwe.

  1. W. Rudolph schlägt vor, wie in Jer 6,21 „Väter und Söhne“ zu lesen
  2. Partizip

31 Du1 Generation (Geschlecht, Gemeinschaft)2, sieh3 das Wort JHWH s.4War ich eine Wüste für Israel, oder ein Land der Finsternis?Warum hat5 mein Volk gesagt: Wir schweifen umher, wir kommen nicht mehr zu dir?

  1. wörtl.: Ihr
  2. Gemeint sind die Hörer/Leser Jeremias
  3. Im Hebräischen steht der Plural = seht!
  4. Da dieser Satz keinen Zusammenhang mit dem Text hat, in dem es steht, hält W.Rudolph es für die Glosse eines Schreibers und schlägt vor, diesen Satz zu streichen
  5. Im Hebräischen steht der Plural

32 Vergisst eine Jungfrau ihren Schmuck, eine Braut ihren Gürtel?Aber mein Volk hat mich vergessen Tage ohne Zahl.

33 Wie gut führst du (deinen Gang =) es aus, eine Liebschaft zu suchen!Darum auch hast du an Böses (Unheil, Verbrechen) (deine Wege =) dein Leben gewöhnt (eingeübt):

34 Sogar an deinem Gewandsaum wird das Blut armer, schuldloser Leute gefunden,die du nicht beim Einbruch ertappt hast1, denn all diesem waren sie entgegen (= haben sie widerstanden).

  1. Partizip relativisch aufgelöst

35 Aber du sagst: so rein bin ich, sein Zorn hat sich ja von mir abgewandt!- Siehe, ich rechte (führe einen Prozess) mit dir, weil du gesagt hast1: ich habe nichts Böses getan (mich nicht verfehlt, nicht gesündigt).

  1. Partizip

36 Wie sehr (weit?) gehst du weg1, zu ändern deinen Weg?Auch von Ägypten wirst du enttäuscht (oder: auch Ägyptens wirst du dich schämen), wie du enttäuscht wirst von Assur (oder: wie du dich Assurs schämen wirst).

  1. W. Rudolph möchte hier hi. von 'zll' lesen und übersetzt „wie leicht nimmst du es“

37 Auch von dort wirst du ausziehen (herauskommen), {und} deine Hände auf deinem Kopf,denn abgelehnt hat JHWH dein Vertrauen (Sicherheit)1, und du wirst kein Glück haben mit ihnen.

  1. gemeint sind Ägypten und Assur

Chapter 3

1 1 [Gott] spricht:2 Wenn3 ein Mann seine Frau fortschickt (entlässt),und sie geht weg von ihm und gehört einem anderen Mann,kann sie [dann] noch zu ihm zurückkehren?Würde [dann] nicht jenes Land völlig (gewiss)4 entweiht?Und du gingst fremd (buhltest, triebst Hurerei) mit vielen (zahlreichen) Fremden und willst zurückkehren5 zu mir? Spruch JHWH s.

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. [Gott] spricht - W.: „besagend“. Rudolph meint, hier sei der erste Teil der häufigen ein Gotteswort einleitende Formel: „Und es erging das Wort JHWHs an mich, besagend:“ ausgefallen, wobei das lemor („besagend“) meist mit „folgendermaßen“ oder dem Doppelpunkt wiederzugegeben ist, weil es eine wörtliche Rede einführt (Rudolph 1968, S. 24).
  3. wenn - הן heißt im Hebr. "siehe!", im Aramäischen "wenn". Rudolph vermutet, dass die Vokabel hier wie in 2,10b in aramaisierender Weise verwendet wird (Rudolph 1968, S. 24).
  4. völlig (gewiss) - Der absolute Infinitiv nach einer Verbform desselben Stammes hebt hier die Gewissheit oder Nachdrücklichkeit eines Geschehens hervor.
  5. Inf. abs.

2 Hebe deine Augen auf (Blicke hin) zu den Hügeln und sieh: wo hast du dich nicht schänden lassen (bist du nicht geschändet worden)?1Auf den Wegen hast du für sie gesessen, wie ein Beduine (Araber) in der Wüste.Und du hast entweiht das Land (die Erde) durch deine Unzucht2 und durch dein Böses3 (= das Böse, das du getan hast).

  1. hast du dich nicht schänden lassen (bist du nicht geschändet worden) - So das Ketib. Das Qere שכב bedeutet "sich legen, liegen". In der Vokalisation der Stelle wäre die Form Pu'al und müsste mit "beschlafen" übersetzt werden (Ges17, S. 825). Rudolph vermutet, dass das Qere "das als zu gemein empfundene שגל überall durch שכב ersetzt" habe; daher ist hier dem Ketib zu folgen (Rudolph 1968, S. 24)
  2. Unzucht - Im Hebr. Plural, einige Übersetzungen haben den Singular.
  3. Böses - Im Hebr. Plural, die LXX und VUL haben den Singular.

3 [Daher, deshalb] wurden versagt (entzogen)1 die Regen,und der Spätregen fiel2 nicht.3[Aber] die Stirn einer Frau, die hurt4 hast du,die sich weigert5, sich zu schämen.

  1. [Daher (deshalb)] wurden versagt (entzogen) - Im Hebräischen Wayyiqtol, daher ist im Dt. am sinnvollsten mit „daher“ oder „deshalb“ anzuschließen.
  2. fiel - W.: "war", „geschah“.
  3. Spätregen fällt in Israel im März/ April.
  4. die hurt - Partizip Qal Sg. fem., relativisch aufgelöst. Man könnte auch zusammenziehen: „die Hure“.
  5. die sich weigert - Partizip Hif'il Sg. fem., relativisch aufgelöst.

4 Rufst1 du nicht von jetzt an2 zu mir „mein Vater!3,Freund meiner Jugend (Jugendfreund) [bist] du!“?

  1. Rufst - Das Ketib hat die 1.Sg. = „ich rufe“; zu lesen ist mit dem Qere die 2.Sg.fem.
  2. von jetzt an - Rudolf meint, "von jetzt an" sei schwer zu erklären; er will daher גם־עתה lesen: "sogar da, selbst unter diesen Umständen" (Rudolph 1968, S. 24). Die LXX liest "Aufenthalt, Wohnung" = מְעׂנָה.
  3. mein Vater - Rudolf meint, dieses Wort sei zu streichen, da es aus V. 19 hier eingefügt wurde (Rudolph 1968, S. 24).

5 „Er wird [doch] nicht für ewig zürnen oder bewahren (aufbewahren, im Gedächtnis behalten, nachtragen) für immer?“Sieh1 du hast geredet2 und getan das Böse3 und du brachtest es fertig (vermochtest, konntest es).

  1. Sieh - Rudolph 1968 will hier הֵנָּה lesen und übersetzt es mit "so", das kann ich aber mit meinen Lexika nicht nachvollziehen (es wird mit "hier, hierher" übersetzt).
  2. hast du geredet - Das Ketib hat die 1.Sg. = „ich habe geredet“; zu lesen ist mit dem Qere die 2.Sg.fem.
  3. das Böse - Im Hebr. Pl.

6 (Und) Da sprach JHWH zu mir in den Tagen des Königs Josia: hast du gesehen, was das1 abtrünnige2 Israel tut? Wie es auf auf jeden hohen Hügel steigt3 und unter jedem grünen Baum {dort} fremdgeht (Unzucht treibt, hurt)?4

  1. das - W.: „die“; Israel ist im Hebr. fem.
  2. abtrünnige - im Heb. Nomen statt Adjektiv: „Israel, die Abtrünnige“; Rudolph 1968 sieht darin sogar einen Abstraktbegriff, der wie ein alternativer Eigenname für „Israel“ fungiert: „Israel, die Abrünnigkeit“.
  3. steigt - W.: „geht“, Partizip Sg. fem. Qal
  4. fremd geht (Unzucht treibt, hurt) - Rudolph bezieht das Verb זנה („huren, Unzucht treiben“) auf beide Satzteile. Man könnte wohl besser (allerdings etwas freier) "fremdgehen" übersetzen, denn es ist das Darbringen von Opfern für die kanaanäischen Götter Ba'al (auf den Bergen, den sog. "Höhen") und Astarte (unter den grünen Bäumen) gemeint.

7 [Da] sagte (dachte)1 ich2: Nachdem es das alles getan hat, wird es zu mir zurückkehren. Aber es kehrte nicht [wieder] zurück. [Das] sah [seine] treulose3 Schwester Juda.

  1. [Da] sagte (dachte) - Im Heb. Wayyiqtol; im Dt. ist daher besser mit „Da“ anzuschließen.
  2. ich - Sprecher ist JHWH.
  3. treulose - Im Hebr. ein Nomen; Rudolph übersetzt es wie V. 6 als Eigenname.

8 [Da] sah1 es, dass, weil das abtrünnige Israel fremdging (die Ehe brach)2, ich es wegschickte und ihm den Scheidebrief gab. Aber das treulose Juda, seine Schwester, fürchtete sich nicht, sondern auch es ging hin und ging fremd (trieb Unzucht).

  1. [Da] sah - Im Heb. Wayyiqtol; im Dt. ist daher besser mit „Da“ anzuschließen. Das Ketib 1.Sg. („ich sah“) ist zu ersetzen durch das Qere 2.Sg.
  2. weil das abtrünnige Israel fremging (die Ehe brach) - W.: „Da sah es, dass wegen dessen, wovon gilt: das abtrünnige Israel brach die Ehe“.

9 Und {es geschah} durch sein leichtfertiges1 Fremdgehen (Huren, Unzucht) wurde entweiht das Land (die Erde), und es ging fremd (hurte, trieb Unzucht) mit Stein2 und Holz3.

  1. leichtfertiges - Rudolph verweist auf die Randmasorah, die קׂל vom Verb קלל („leichthin, leichtfertig“) ableitet. Das Nomen קׂל bedeutet eigentlich „Lärm, Stimme“.
  2. Stein = die dem Ba'al geweihten "Höhen"
  3. Holz = die der Astarte geweihten Bäume. Rudolph zieht diesen letzten Satz zu Vers 10 und übersetzt "Und auch als sie Stein und Holz verwarf" und liest dafür statt ותנאף, ehebrechen ותנאץ, verschmähen, verwerfen. Er begründet seine Entscheidung: „1. kommt das [= der Satz] hinter dem vorhergehenden Satz, der die Folge schildert, zu spät, und 2. setzt 10 ein bestimmtes Handeln Judas voraus, das als Umkehr gedeutet werden könnte.“ (Rudolph 1968, S. 26)

10 Trotzdem1 kehrte nicht zu mir um seine treulose Schwester Juda mit ihrem ganzen Herzen, außer zum Schein, Spruch JHWH s.

  1. Trotzdem - W.: „auch wegen all diesem“.

11 Da sprach JHWH zu mir: als gerecht erweist sich die Seele des abtrünnigen Israels (das abtrünnige Israel) gegenüber dem (im Vergleich zum) treulosen Juda.

12 Geh und rufe diese Worte nach Norden {und sprich}: „Kehr zurück, abtrünniges Israel!“ Spruch JHWH s. Ich lasse nicht fallen mein Antlitz gegen euch (Ich schaue euch nicht mehr ungnädig an), denn ich bin gnädig (gütig). Spruch JHWH s. Ich grolle nicht für immer (ewig).

13 Nur (jedoch) erkenne deine Schuld (Sünde, Vergehen)1, denn gegen JHWH, deinen Gott, hast du dich aufgelehnt, da du deine Wege zerstreut hast (herumgeschweift bist) mit den Fremden unter jedem grünen Baum 2 3 und auf meine Stimme habt ihr4 nicht gehört. Spruch JHWH s.

  1. Schuld (Sünde, Vergehen) - Der Begriff „Sünde“ ist problematisch, weil er für heutige Menschen übersetzungsbedürftig ist. Hier soll „Schuld“ als Begriff für Vergehen gegen JHWH verstanden und verwendet werden.
  2. Jeremia 2,20
  3. Jeremia 3,6
  4. habt ihr - Wechsel der Person von 2.Sg. auf 2.Pl., weshalb Rudolph vorschlägt, mit der LXX die 2.Sg. = „שֶׁמֵעֵתְּ“ („du hörst“) zu lesen.

14 Kehrt um, meine abtrünnigen Kinder 1! Spruch JHWH s. Denn ich habe euch zu Besitz genommen (bin euer Herr)2 und ich nehme (hole) euch, einen aus einer Stadt und zwei aus einer Familie (Sippe), und ich bringe euch [zum] Zion.

  1. Kinder - W. „Söhne“.
  2. habe euch in Besitz genommen (bin euer Herr) - Das Verb בעל hat die selben Konsonanten wie das Nomen, das „Herr, Besitzer“ bedeutet und wiederum ebenso geschrieben wird wie der kanaanäische Gott Ba'al. Es liegt hier also ein Wortspiel vor, das allerdings im Deutschen nicht wiederzugeben ist.

15 Und ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen, und sie weiden euch [mit] Erkenntnis und Verstand.

16 Und es wird geschehen, wenn ihr zahlreich werdet und fruchtbar sein werdet im Lande (auf Erden) in jenen Tagen, Spruch JHWH s, werden sie nicht mehr sprechen von der Lade des Bundes JHWHs1 und sie wird [ihnen] nicht aufs Herz (in den Sinn)2 kommen, und sie werden ihrer nicht gedenken, und sie werden [sie] nicht vermissen (suchen) und keine [neue] mehr anfertigen (machen).

  1. Lade des Bundes JHWHs - Nicht die Bundeslade, sondern die Lade des JHWH-Bundes!
  2. aufs Herz (in den Sinn) - Im alten Israel wurde das „Herz“ oft nicht als Sitz der Emotionen, sondern als Sitz der Gedanken angesehen; daher besser: „in den Sinn“.

17 Zu dieser Zeit werden sie Jerusalem nennen „Thron JHWH s“, und alle Völker werden sich in ihr sammeln, beim Namen JHWH s in Jerusalem. Und sie werden nicht mehr wandeln (leben) nach der Verstocktheit (Starrsinn) ihres bösen Herzens.

18 In jenen Tagen wird das Haus Juda zum Haus Israel gehen, und sie werden zusammen (miteinander) kommen vom Land im Norden (Nordland) zum Land, das ich ihren Vätern zum Besitz (Erbe) gab.

19 Aber (Und) ich dachte (sprach)1: Wie will ich dich machen zu (herausstellen unter den) Kindern2!,und dir kostbares (begehrenswertes) Land geben,herrlichsten3 Erbbesitz [unter den] Völkern.Darum meinte ich, „mein Vater“ würdet ihr mich nennen4, und von {hinter} mir würdet ihr euch nicht kehren5.

  1. Ab hier spricht wieder JHWH.
  2. Kindern - W.: Söhnen
  3. herrlichsten - W.: "Herrlichkeit der Herrlichkeiten", eine der hebr. Möglichkeiten, den Superlativ auszudrücken (Rudolph 1968, S. 28).
  4. ihr mich nennen - Das Qere will 2.fem.Sg. lesen; richtig ist das Ketib 2.Pl. (Rudolph 1968, S. 28).
  5. ihr euch nicht kehren - Das Qere will 2.fem.Sg. lesen; richtig ist das Ketib 2.Pl.

20 Aber (fürwahr, gewiss) [wie] eine Frau treulos ist von1 ihrem Geliebten, so seid ihr treulos zu mir, Haus Israel. Spruch JHWH s.

  1. Aber [wie] eine Frau treulos ist von - Schwer zu verstehen; W.:„ Wenn es eine verheiratete Frau ist, betrügt sie ihren Mann mit ihrem Geliebten (רֵעַ)“, man müsste übersetzen: „wegen ihres Geliebten“. Aber die Präposition מִן bedeutet „von - weg“, also ist sie ihrem Geliebten gegenüber untreu? Deutlich ist, dass es - wie in den oben gebrauchten Bildern - um die Untreue einer Frau ihrem Mann gegenüber - ob Geliebter oder Ehemann - geht.

21 Man hört Lärm (Geräusch, Stimme, Laut) auf kahlem Hügel:Weinen, Flehen der Kinder1 Israels.Denn verkehrt haben sie ihren Weg,vergessen JHWH, ihren Gott.

  1. Kinder - W.: Söhne

22 „Kehrt um, meine abtrünnigen Kinder1,ich will euch von eurer Abtrünnigkeit heilen.Da sind wir, wir kommen zu dir,denn du bist JHWH, unser Gott.“

  1. wörtl.: Söhne

23 Fürwahr (gewiss, aber), Lüge (Trug, Täuschung) [kommt] von den Hügeln,Getöse [von] den Bergen.Gewiss (fürwahr, aber) bei JHWH, unserem Gott,[ist] Rettung [für] Israel.

24 Aber (Und) „der Schändliche“1 fraß den Erwerb (Gewinn) unserer Väter, von unserer Jugend [an]2,ihr Kleinvieh3 und ihre Rinder,ihre Söhne und ihre Töchter.

  1. der Schändliche - Heb. בֹשֶׁת, Schimpfname Ba'als; ähnlich in „Isch-Boschät“, dem Namen von Sauls Sohn in 2 Sam 2,4.
  2. von ... [an] - מִן hier zeitlich aufgefasst.
  3. Kleinvieh - W.: „Schafe und Ziegen“

25 Wir legen uns hin in unserer Schande,wir decken uns zu mit unserer Schmach,denn an JHWH, unserem Gott, haben wir uns versündigt,wir und unsere Väter, von unserer Jugend an bis zu diesem Tag,und nicht haben wir gehört auf die Stimme JHWHs, unseres Gottes.

Chapter 4

1 Wenn du umkehrst, Israel, Spruch JHWH s,wirst du zu mir zurückkehren.Und wenn du beseitigen wirst deine Abscheulichkeit1 vor mir,dann wirst du nicht schwanken2 (ziellos sein). (vgl. Genesis 4,14)

  1. gemeint ist das Kultbild des "heidnischen" Gottes
  2. vor Angst

2 Und schwörst du: [So wahr] JHWH lebt!in Treue, in Recht und in Gerechtigkeit,dann werden Völker sich in ihm1 glücklich preisen,und in ihm sich rühmen.

  1. Statt "ihm" (= JHWH) schlägt Rudolph vor, בְךָ zu lesen, "in dir", vgl. Kommentar S. 28

3 Denn so spricht JHWH zu den Leuten Judas und zu Jerusalem:macht euch Neubruch urbar und sät nicht auf Dornen.

4 Lasst euch beschneiden für JHWH und beseitigt die Vorhäute eures Herzens,Leute Judas und Einwohner Jerusalems,dass nicht komme wie Feuer mein Zorn,und er brennt, und keiner löscht wegen der Schlechtigkeit eurer Taten.

Chapter 7

1 Das Wort, das an Jeremia von JHWH geschah:

2 Stell dich in das Tor des Hauses JHWH s und rufe dort dieses Wort und sage: Hört das Wort JHWHs, ganz Juda, die ihr kommt durch diese Tore, um JHWH anzubeten.

3 So spricht JHWH, Herr der Heerschaaren, Gott Israel: Macht gut eure Wege und eure Taten, dann werde ich euch wohnen lassen an diesem Ort.

4 Verlasst euch nicht auf Worte der Lüge, wenn sie sagen: Der Tempel JHWH s, der Tempel JHWHs, der Tempel JHWHs ist dieser.

Chapter 8

4 Sprich zu ihnen, so hat JHWH gesprochen:Fällt man und steht nicht wieder auf?Oder wendet1 sich einer ab und kehrt2 nicht wieder zurück?3

  1. Grundbedeutung: „kehren, wenden“. Die Bewegunsrichtung ist offen, lässt sich aber erschließen. Eindeutig ist der Gegensatz bei Fallen und aufstehen. In den VV 5-7 wird das Thema variiert.
  2. Siehe Anmerkung zu „wenden“
  3. Das Subjekt der Verben הֲיִפְּלוּ mit יָקוּמוּ und יָשׁוּב mit יָשׁוּב ist unklar. Man kann ein implizites Subjekt annnehmen.Dann lautet die Übersetzung: „Fallen Sie und stehen nicht wieder auf oder wendet er/sie sich ab und kehrt nicht wieder um?“.Das ist möglich, aber entsprechende Subjekte sind nicht vorher eingeführt, auch machen die Zeilen einen sentenzenartigen Eindruck. Deshalb besser Übersetzung mit unpersönlichem Subjekt: „Fällt man ..., wendet sich einer“ Bei Buber/Rosenzweig „Bücher der Kündung“ zur Stelle findet sich die Lösung mit "man" und "einer". das gibt wenigstens im Ansatz den Wechsel vom Plural zum Singular wieder. Zur unpersönlichen Konstruktion siehe: Ernst Jenni,„Lehrbuch der Hebräischen Sprache“, 14.3.3

5 Warum hat sich dieses Volk Jerusalems1 abgewendet in beharrlicher Abkehr?Sie halten fest an der Täuschung(Trug)2 und weigern sich, umzukehren.

  1. 'Jerusalem" fällt aus der Satzkonstruktion. Wahrscheinlich eine spätere Ergänzung, siehe Schmidt 2008, S. 191
  2. als Übersetzung wird oft 'Trug' verwendet. Dieses Wort wird außer im Sprichwort aber nicht mehr verwendet. In einer Lesefassung sollte eine freiere Übersetzung daher die Variante wählen, die den Zusammenhang mit dem Prädikat 'festhalten' beachtet.

6 Ich horche hin und höre:Sie sprechen nicht recht,nicht einer1 bereut seine Bosheit und sagt2: „Was habe ich getan!“Alle rennen noch weiter fort,(sie kehren sich ab in ihrem Rennen3)wie ein Pferd (Hengst)4 galoppiert(strömt)5 in die Schlacht.

  1. wörtlich: „kein Mann bereut seine Bosheit“
  2. לֵאמֹר darf ausnamswiese übersetzt werden, weil sonst die wörtliche Rede ohne nötige Einleitung bliebe.
  3. dies ist die wörtliche Übersetzung, die im deutschen allerdings schlecht zum Ausdruck bringt, dass es sich wohl um ein Fortlaufen in die falsche Richtung handelt.
  4. Grundbedeutung „Pferd“, Luther bietet „Hengst“, Menge und W. H. Schmidt „Ross“. Ross ist vom militärischen Umfeld erschlossen, aber doch ungebräuchlich geworden. "Hengst" bringt die dynamische Agressivität des Vorgangs gut zum Ausdruck, ist aber eine Deutung.
  5. Grundbedeutung „strömen, fließen“, von da aus Teil der Militärsprache: ein Heer, das überschwemmt, Dan 11,10.40. Die Schwierigkeit liegt darin, das Pferd im Singular mit „strömen, fließen“ in Verbindung zu bringen - entweder wird man dem Substantiv oder dem Verb nicht gerecht. Hier ist deshalb die freiere Übersetzung "galoppieren" gewählt, um das schnelle, überwältigende des „Strömens“ auch bei einem Pferd zum Ausdruck bringen zu können.

7 Auch der Storch(Kranich) am Himmel kennt seine festgesetzten Zeiten (kennt die Zeit der Rückkehr),Taube, Schwalbe und Kranich hören auf die Zeit ihres Kommens aber1 mein Volk kennt nicht die Rechtsordnung(Recht,Rechtsbestimmung) JHWH s.

  1. Waw adversativum

9 ...Siehe, das Wort JHWH s haben sie verschmäht (verworfen), aber welche Weisheit haben sie1?

  1. Wörtlich: „für sie“.

Chapter 10

11 1 2Folgendes solltet (könnt, dürft) ihr zu ihnen sagen: „Die Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, werden (sollen, müssen) verschwinden (vergehen) von der Erde und von unter diesem3 Himmel!“4

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Dieser Vers ist auf Aramäisch verfasst (sonst Dan 2,4b-7,28; Esr 4,8-6,18; 7,12-26 und Teile von Gen 31,47). Manche nehmen an, es handele sich um eine spätere Einfügung, doch er scheint gut in den Kontext zu passen. Für eine gute Zusammenfassung siehe NET Jer 10,11, Fußnote 23.
  3. diesem Das einzige hebräische Wort im Satz steht ganz am Ende und bezieht sich wohl auf den Himmel (so Fischer), alternativ auf die Götter (so Keil, zitiert bei Fischer; Fischer 2005, 376). Bauer und Leander verstehen es dagegen als »soweit (reicht die aram. Glosse)« (Bauer, Grammatik, 68).
  4. Im Aramäischen ist der Satz sorgfältig chiastisch aufgebaut (Fischer 2005, 384), hin zur Mitte, die aus den beiden Verben עֲבַדוּ gemacht haben und יֵאבַדוּ werden verschwinden besteht, die unmittelbar aufeinander folgen und sehr ähnlich klingen (avadu–jehvadu).

Chapter 20

7 Du hast mich, JHWH, überredet1 und ich ließ mich überreden. Du bist mir zu stark geworden und hast gesiegt. Ich bin zum Gespött geworden den ganzen Tag; jeder [ist] mir ein Spötter.

  1. Hebr. פתה.

8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien, „Gewalttat“ und „Bedrohung“ muss ich rufen. Ja, das Wort JHWH s wurde mir zu Hohn und Spott den ganzen Tag.

9 Und ich habe [mir] gesagt: Ich will nicht an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen reden; aber es wurde in meinem Herzen1 wie brennendes Feuer, verschlossen in meinen Knochen. Und ich habe mich vergeblich abgemüht es auszuhalten, aber ich konnte nicht!

  1. In der LXX fehlt בְלִּבִי. Im Sinne der lectio difficilior wird hier jedoch dem hebr. Text gefolgt; vgl. auch Jer 23,9.

10 Denn ich habe die Verleumdung von vielen gehört: „Schrecken ringsherum!“, „Zeigt ihn an!“ und „Lasst uns ihn anzeigen!“ Alle meine Freunde1 erwarten meinen Untergang: „Vielleicht lässt er sich verleiten, damit wir ihn besiegen und unsere Rache nehmen an ihm.“

  1. Wörtlich: „Jeder Mensch meines Friedens“ (כֹּל אֱנֹושׁ שְׁלֹומִי).

11 Aber JHWH [ist] bei mir wie ein starker Held, deshalb werden meine Verfolger straucheln und nicht siegen! Sie werden sich sehr schämen, denn sie sind nicht einsichtig; eine ewige Schande - sie wird nicht vergessen werden.

12 Und [du], JHWH der Heerscharen (Zebaot), der du den Gerechten1 prüfst und siehst Nieren und Herz: Lass mich sehen deine Rache an ihnen! Denn dir habe ich anvertraut2 meinen Streit.

  1. Im Parallelvers Jer 11,20 steht hier das attributive צֶדֶק („gerecht“) statt צַדִּיק („Gerechter“). Das attributiv zu einem dann substantivierten בֹּחֵן zu lesende צֶדֶק ‫‬‬ wird für V. 12aα durch wenige Mss. und spätere Übersetzungen bezeugt.
  2. Pi’el-Form von גלה.

13 Singt JHWH, lobt JHWH, denn er hat die Seele des Unglücklichen gerettet aus der Hand der Übeltäter!

Chapter 23

5 Siehe: Tage kommen – Spruch JHWH s. Ich werde für David einen gerechten Sproß wachsen (aufgehen) lassen. Er wird als König regieren (herrschen) und Einsicht haben. Er wird Recht tun und Gerechtigkeit im Land (auf der Erde).

6 In seinen Tagen (zu seiner Zeit) wird Juda geholfen werden1 und Israel wohnt in Sicherheit.

  1. von der hebr. Wurzel yš' „helfen“ ist auch der Name Josua/ Jeshua/ Jesus gebildet

7 Daher siehe: Tage kommen – Spruch JHWH s. Sie werden nicht mehr sagen: So wahr JHWH lebt, der die Söhne Israels (Israeliten) aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat.

8 Sondern: So wahr JHWH lebt, der heraufgeführt hat, und der gebracht hat die Nachkommenschaft des Hauses Israel aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt (fortgetrieben) habe. Sie werden zu ihrem Ackerland (Landbesitz) zurückkehren.

Chapter 29

4 So spricht JHWH der Heerscharen (Zebaot), der Gott Israels zu allen Weggeführten 1, die ich von Jerusalem [nach] Babel in Verbannung geführt habe:

  1. d.h. jüdische Exulanten

5 „Baut Häuser und wohnt [darin] und pflanzt Gärten und esst ihre Früchte!

6 Nehmt [euch] Frauen und zeugt Söhne und Töchter, und nehmt für eure Söhne Frauen und gebt Männern eure Töchter – sodass (und) sie Söhne und Töchter gebären werden und werdet dort groß und nicht weniger!

7 Und sucht der Stadt Wohlergehen, [in] die ich euch in Verbannung geführt habe und betet für sie zu JHWH: Denn in ihrem Frieden wird für euch Frieden sein!“

8 Fürwahr, so spricht JHWH der Heerscharen (Zebaot), der Gott Israels: „Und [es] sollen euch nicht eure Propheten täuschen, die in eurer Mitte sind und eure Wahrsager und ihr [sollt] (werdet) nicht [auf die] hören, die euch zum Träumen verleiten!

9 Denn in Lüge reden sie prophetisch zu euch in meinem Namen – ich habe sie nicht gesandt“, Ausspruch JHWH s.

10 Fürwahr, so spricht JHWH: „Wenn (denn) für Babel siebzig Jahre gänzlich erfüllt sind, werde ich mich eurer annehmen und […] (ich) mein gutes Wort über euch erfüllen um euch zu diesem Ort zurückzubringen!

11 Denn ich kenne die Pläne, die ich über euch dachte“, Ausspruch JHWH s. „Heilsgedanken und nicht […] (für) Böses um […] (für) euch Zukunft und Hoffnung zu geben!

12 Wenn (und) ihr mich anruft und ihr geht, [dass] (und) ihr zu mir betet: Und ich werde euch erhören!

13 Wenn (und) ihr mich sucht […] (und) werdet ihr [mich] finden, denn [wenn] ihr mich suchen werdet mit eurem ganzen Herzen, [so] (und) werde ich mich finden lassen

14 von euch“, Ausspruch JHWH s. „Und ich werde eure Gefangenschaft wenden und ich werde euch sammeln aus allen Völkern und aus allen Orten von wo ich euch vertrieben habe“, Ausspruch JHWH s. „Und ich werde euch zurückbringen an (nach) den Ort, […] (der) von dort [aus] ich euch in Verbannung geführt habe.“