reltext

Chapter 9

8 Tatsächlich gingen die Bäume, um einen König über sich zu salben; und dann sprachen sie zu dem Ölbaum: Herrsche du doch als König über uns!

9 Und dann sprach der Ölbaum zu ihnen: Soll ich [etwa] auf mein Fett verzichten, das in mir ist [und] Götter und Menschen ehrt, [damit] ich gehe, um über die Bäume zu herrschen?

10 Und dann sprachen die Bäume zu dem Feigenbaum: Komm, herrsche du als König über uns!

11 Und dann sprach der Feigenbaum zu ihnen: Soll ich [etwa] auf meine Süße und meinen guten Ertrag verzichten, [damit] ich gehe, um über die Bäume zu herrschen?

12 Und dann sprachen die Bäume zu dem Weinstock: Komm, herrsche du als König über uns!

13 Und dann sprach der Weinstock zu ihnen: Soll ich [etwa] auf meinen Wein verzichten, [der] Götter und Menschen erfreut, [damit] ich gehe, um über die Bäume zu herrschen?

14 Und dann sprachen alle Bäume zu dem Dornbusch: Komm, herrsche du als König über uns!

15 Und dann sprach der Dornbusch zu den Bäumen: Wenn ihr mich wirklich zum König über euch salbt, kommt ihr [und] beugt euch in meinen Schatten; und wenn [das] nicht [so] ist, wird Feuer aus dem Dornbusch hervorbrechen und die Zedern des Libanons verzehren.

Chapter 14

1 1 Und (als, während) Simson ging hinab nach Timna und sah eine Frau in Timna von den Töchtern der Philister.

  1. [Status: Zuverlässig]

2 Da (und) ging er hinauf und erzählte seinem Vater und seiner Mutter {und sagte}: „Ich habe in Timna eine Frau von den Töchtern der Philister gesehen. Darum (und) nehmt sie mir jetzt zur Frau!“

3 Da (und) sagten1 sein Vater und seine Mutter zu ihm: „Gibt es (ist) unter den Töchtern deiner Brüder und im ganzen Volk keine Frau, dass du jetzt [hin]gehst, um [dir] eine Frau von den Philistern, den Unbeschnittenen zu nehmen?“ Da (und) sagte Simson zu seinem Vater: „Nimm mir diese, denn sie ist schön (richtig, gut) in meinen Augen.“

  1. Eigentlich Singular.

4 Allerdings (ja; und)1 wussten (verstanden, erkannten) sein Vater und seine Mutter nicht, dass dies von JHWH [kam], denn er suchte eine Gelegenheit (Anlass) gegen die Philister. In jener Zeit herrschten nämlich (und)2 die Philister in Israel.

  1. Durch einen die Satzfolge unterbrechenden Teilsatz markierter, erklärender Einschub – daher die Übersetzung.
  2. Durch einen die Satzfolge unterbrechenden Teilsatz markierter, erklärender Einschub – daher die Übersetzung.

5 Daraufhin (also; und) gingen1 Simson und sein Vater und seine Mutter hinab nach Timna und kamen bis zu den Weinbergen [von] Timna, als (und) plötzlich2 ein junger Löwe {der Löwen}3 ihm brüllend entgegen[kam] (brüllte, um ihn zu treffen/ihm entgegen brüllte)4.

  1. Eigentlich Singular. Alternativ könnte man folgendermaßen übersetzen: „kam Simson mit seinem Vater ...“
  2. Wörtlich „Siehe“.
  3. Offenbar eine typisch hebräische Gattungsbezeichnung. Das erste Wort bezeichnet möglicherweise nicht nur junge Löwen.
  4. Wörtlich: „ein junger Löwe … brüllend ihm entgegen“. לִקְרָאת, gewöhnlich als „entgegen“ übersetzt, ist eigentlich ein Infinitivus constructus mit Präfix und heißt ungefähr „um zu treffen/begegnen“. Je nach Herangehensweise muss ein Verb ergänzt werden: „stand … vor ihm“ (GNB), „sprang“ (REB).

6 Da (und) drang der Geist JHWH s in ihn ein1, und er zerriss ihn2, wie [man] ein Böckchen zerreißt3, obwohl (wobei; und) er nichts in seiner Hand hatte. Aber (und)4 er erzählte (berichtete) seinem Vater und seiner Mutter nicht, was er getan hatte (tat).

  1. So THAT, צלך, 2. Das Wort bezeichnet hier offenbar ein machtvolles oder „gewaltsames“ Eindringen des Geistes (Windes) JHWHs in Simson, so dass „[mit Macht]“ ergänzt werden könnte.
  2. D.h. Simson den Löwen.
  3. Wörtlich: „wie zu zerreißen ein Böckchen“. Alternativ „wie [beim] Zerreißen eines Böckchens“ (LBBH).
  4. Durch einen die Satzfolge unterbrechenden Teilsatz markierter, erklärender Einschub – daher die Übersetzung.

7 Danach (als; und) ging er hinab und redete mit der Frau, und sie war schön (richtig, gut) in Simsons Augen.

8 Als (und) er nach [einigen] Tagen zurückkam, um sie zu heiraten ([sich zur Frau] zu nehmen), {und} wich er [von seinem Weg] ab, um den Kadaver des Löwen zu sehen. Er erblickte1 ein Bienenschwarm2 im Körper (Kadaver) des Löwen und Honig.

  1. Wörtlich: „Und siehe“. Diese Wendung wird im Hebräischen häufig verwendet, um direkt Gesehenes oder Geschehendes einzuführen.
  2. Wörtlich: „Schwarm/Volk/Gruppe Bienen“

9 {Und} Er löste ihn heraus auf seine Handflächen (Hände) und aß beim Weitergehen1. Er ging zu seinem Vater und seiner Mutter und gab ihnen [etwas Honig], und sie aßen [ihn]. Allerdings (und) erzählte (berichtete) er ihnen nicht, dass er den Honig aus dem Körper (Kadaver) des Löwen herausgelöst hatte (herauslöste).2

  1. Idiomatische Phrase. Wörtlich: „Er ging, gehen und essen (beide Inf. abs.)“. Dies drückt typischerweise aus, dass beide zur gleichen Zeit geschehen und kann wie die gewählte Übersetzung verstanden werden.
  2. Das berühren von Totem verletzte Simsons Gelübde als Nasiräer. S. Ri 13,5; Num 6,6; vgl. NET Ri 14,9 Fußnote 20. Offenbar sah die Familie den Honig als gutes Zeichen, vielleicht betrachtete ihn Simson als Aphrodisiakum (vgl. NET Ri 14,9 Fußnote 19).

10 Danach (und) ging sein Vater zu der Frau, und (während) Simson veranstaltete (machte) dort ein Fest, weil (wie) [es] die jungen Männer so machten (machen)1.

  1. Duratives Imperfekt. Alternativ zur Verdeutlichung „zu machen pflegten“/ „immer so machten“, etc.

11 {Und es geschah} Als sie (man)1 ihn sahen, da (und) holten (nahmen) sie (man) dreißig Gefährten, und (damit) sie waren bei ihm.2

  1. Unpersönlicher Gebrauch (LBBH).
  2. Der Satz bezieht sich wohl auf die Philister. Der letzte Teilsatz kann sich theoretisch auch auf die erste Gruppe beziehen, semantisch sinnvoller ist allerdings die Gruppe der „Gefährten“.

12 Und (da) Simson sagte zu ihnen: „Ich will (möchte; lasst mich)1 euch ein Rätsel geben. Wenn ihr mir [die Lösung]2 [innerhalb der] sieben Tage des Festes (Festmahls) tatsächlich3 verraten könnt4 und [sie] findet, dann (und) werde ich euch dreißig Leinenhemden5 und dreißig Wechselkleider6 geben.

  1. Kohortativ.
  2. Wörtlich »sie«, womit das Rätsel gemeint ist.
  3. Eingefügt, um die idiomatische Konstruktion mit Inf. Abs. + Ipf.
  4. Das hier verwendete Verb bezeichnet die Weitergabe von Informationen oder Inhalten und wird meist im Sinn von »erzählen« oder »berichten« verstanden. Im Fall der Lösung eines Rätsels sollte »verraten« aber ebenso im Bedeutungsumfang enthalten sein. Da hier wörtlich ein »Rätsel verraten« werden soll, muss im Deutschen mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden.
  5. Ein Kleidungsstück aus Leinen, das offenbar als Untergewand diente und ständig getragen wurde. Vgl. DBL Hebrew 6041 סָדִין.
  6. Wörtlich »Ersätze [der] Gewänder/Kleider«. Wird im Deutschen meist als »Festgewand« o.ä. wiedergegeben, kann aber aufgrund seiner Herkunft auch allgemeiner als »Ersatz-« oder »Wechselgewand« oder »Satz Kleidung« (so in vielen englischen Übersetzungen) verstanden werden. Vgl. u.a. DBL Hebrew 2722 חֲלִיפָה.

13 Doch (und) wenn ihr mir [die Lösung] nicht verraten1 könnt, dann (und) müsst (werdet) (gebt) ihr mir dreißig Leinenhemden und dreißig Wechselkleider2 geben.“ Darauf (und) antworteten (sagten) sie ihm: „Gib uns dein Rätsel, {und} wir wollen es hören!“

  1. Das hier verwendete Verb bezeichnet die Weitergabe von Informationen oder Inhalten und wird meist im Sinn von »erzählen« oder »berichten« verstanden. Im Fall der Lösung eines Rätsels sollte »verraten« aber ebenso im Bedeutungsumfang enthalten sein. Da hier wörtlich ein »Rätsel verraten« werden soll, muss im Deutschen mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden.
  2. Für Näheres über die Kleider s. V. 12.

14 {und} Er sagte zu ihnen: „Vom Fresser (Essenden) kam (ging aus) Nahrung und vom Starken kam (ging aus) Süßes.“ Aber (und) sie konnten das Rätsel drei Tage [lang] ([in]) nicht lösen (verraten)1.

  1. Das hier verwendete Verb bezeichnet die Weitergabe von Informationen oder Inhalten und wird meist im Sinn von „erzählen“ oder „berichten“ verstanden. Im Fall der Lösung eines Rätsels sollte „verraten“ aber ebenso im Bedeutungsumfang enthalten sein. Da hier wörtlich ein „Rätsel verraten“ werden soll, muss im Deutschen mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden.

15 {Und es geschah} Am vierten1 Tag sagten sie zu Simsons Frau: „Verleite (betöre) deinen Mann, damit (und) er für uns das Rätsel löst (verrät)2, sonst verbrennen3 wir dich und das Haus (Familie) deines Vaters {im Feuer}! Habt ihr uns eingeladen, um uns arm zu machen (zu vertreiben)? [Oder etwa] nicht (Nicht wahr)?4

  1. Im MT steht hier „siebten“, in der LXX und anderen Manuskripten „vierten“. Das passt besser zum vorhergehenden Vers und in den Gesamtkontext.
  2. Das hier verwendete Verb bezeichnet die Weitergabe von Informationen oder Inhalten und wird meist im Sinn von »erzählen« oder »berichten« verstanden. Im Fall der Lösung eines Rätsels sollte »verraten« aber ebenso im Bedeutungsumfang enthalten sein. Da hier wörtlich ein »Rätsel verraten« werden soll, muss im Deutschen mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden.
  3. Ipf.
  4. Dieses Wort steht ganz am Ende des hebräischen Textes und ist in dieser Form schwer erklärbar. Die meisten Übersetzungen (Ausnahmen: REB, NASB) gehen deshalb von einem (textkritisch bezeugten) Schreibfehler aus und setzen stattdessen הֲלֹם (»hier/hierher« → »Hast du uns hierher eingeladen...«) voraus.

16 Da (und) weinte Simsons Frau vor (auf, über)1 ihm und sagte: „Du hasst2 mich nur, und du liebst mich nicht3! Du hast den Söhnen meines Volkes ein Rätsel aufgegeben, aber mir hast du [die Lösung]4 nicht verraten!“ Da (und) sagte er zu ihr: „Nicht einmal5 meinem Vater und meiner Mutter habe ich [sie] verraten. Sollte ich [sie] da (und) dir verraten?“

  1. Das kann so verstanden werden, dass sie sich auf ihn warf oder an seiner Schulter weinte.
  2. Das Wort kann auch weniger krass verstanden werden: »Du bist meiner überdrüssig« (LUT), »Du hast eine Abneigung gegen mich« (EU).
  3. Durch die etwas abgesetzte Fortsetzung wurde versucht, die (einen Gegensatz ausdrückende) Satzfolgeunterbrechung zu berücksichtigen.
  4. In Wirklichkeit bezieht sich das Verb direkt zurück auf das Rätsel.
  5. Idiomatische Wiedergabe von »Siehe«.

17 Da (und) weinte sie sieben Tage [lang] vor (auf, über)1 ihm, während2 sie das Fest veranstalteten. {da geschah es} Am siebten Tag verriet er ihr [die Lösung des Rätsels], weil sie ihn [so] unter Druck setzte (zwang, drängte), und sie verriet [die Lösung] des Rätsels3 den Söhnen ihres Volkes.

  1. Das kann so verstanden werden, dass sie sich auf ihn warf oder an seiner Schulter weinte.
  2. Wörtlich „[in] denen“ (bezogen auf die Tage).
  3. Wörtlich: „das Rätsel“.

18 Da (und) sagten die Männer der Stadt zu ihm am siebten Tag, bevor die Sonne unterging1:2 „Was [ist] süßer als Honig? Und was [ist] stärker als ein Löwe?“ Da (und) sagte er zu ihnen: „Wenn ihr nicht mit meinem Kalb3 gepflügt hättet, dann hättet ihr die [die Lösung] des Rätsels4 nicht gefunden!5

  1. Eigentlich Imperfekt, das aber mit dem vorhergehenden Wort Vergangenheitsbedeutung hat.
  2. Idiom. Im Hebräischen „kommt die Sonne“, wenn sie untergeht (DBL Hebrew 995 בֹּוא, 13.).
  3. Der Begriff bezeichnet ein weibliches Kalb.
  4. Wörtlich: »das Rätsel«.
  5. Die irreale Form des Konditionalsatzes wird durch die Konjunktion vorgegeben (vgl. Davidson, Hebrew Syntax, §130).

19 {und} Der Geist JHWH s drang in (auf) ihn ein1, {und} er ging {hinab} nach Aschkelon und tötete (erschlug) von ihnen2 dreißig Mann3. {und} Er nahm ihre Ausrüstung (das, was sie anhatten)4 und gab die Wechsel[kleider]5 denen, die das Rätsel gelöst (gesagt)6 hatten7. {und} Sein Zorn (Gesicht) brannte8 und er ging {hinauf} zum Haus seines Vaters.

  1. S. V. 6.
  2. Bezieht sich auf die Stadtbewohner.
  3. Hier steht im Hebräischen tatsächlich ein kollektiver Singular.
  4. Hier im Plural. Gemeint sind die Gegenstände, die ein getöteter Feind bei sich trägt – also etwa seine „Habseligkeiten“(DBL Hebrew, 2723 חֲלִיצָה). Viele verstehen das in diesem Kontext als die „Kleider“, die Simson den Siegern im Rätselwettbewerb geben schuldete.
  5. Oder „Kleidungssätze“, wörtlich „Ersatze“. Details s. Fußnote V. 12.
  6. Das hier verwendete Verb bezeichnet die Weitergabe von Informationen oder Inhalten und wird meist im Sinn von „erzählen“ oder „berichten“ verstanden. Im Fall der Lösung eines Rätsels sollte „verraten“ aber ebenso im Bedeutungsumfang enthalten sein. Da hier wörtlich ein „Rätsel verraten“ werden soll, muss im Deutschen mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden.
  7. Auflösung eines substantivierten Partizips.
  8. Idiom für „Er war zornig“.

20 Daraufhin (und) wurde Simsons Frau [die Frau] seines Begleiters (Freundes), der für ihn Brautführer (Gefährte) [gewesen war].