Chapter 1
1 Was von Anfang1 war, was wir gehört und mit Augen gesehen, was wir geschaut und mit Händen betastet haben,2 das berichten wir von dem Wort des Lebens.3
- Also schon vor Erschaffung der Welt, d.h. von Ewigkeit her. vgl. Joh 1:1
- Johannes redet hier im Namen seiner Mitapostel, und seine Worte richten sich gegen jene Irrlehrer, die behaupteten, Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt.
- Der Sohn, das Wort Gottes, hat das Leben in sich Joh 1:4 und teilt es auch anderen mit.
2 Ja, das Leben1 ist erschienen,2 und jenes ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbar geworden ist, das haben wir gesehen, das bezeugen und verkünden wir euch.
- Vgl. Joh 1:4.
- Oder: es ist Fleisch geworden. Joh 1:14
3 Was wir gesehen und gehört, das verkündigen wir auch euch,1 damit auch ihr mit uns2 Gemeinschaft habt. Aber diese Gemeinschaft mit uns ist auch eine Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
- Wie wir es auch anderen verkündigt haben.
- Mit den Aposteln.
4 Dies1 schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.2
- Den folgenden Brief.
- Es dient zur Krönung der Freude der Apostel, wenn die Gemeinden in immer festere Gemeinschaft mit ihnen treten.
5 Dies ist die Botschaft, die wir von ihm1 gehört und euch verkünden: "Gott ist Licht,2 und in ihm ist keine Finsternis."
- Von Christus (dies weist zurück auf die Worte "Jesus Christus" am Schluß von V3).
- Sein Wesen ist Licht (vollkommene Heiligkeit und Wahrheit).
6 Behaupten wir, wir haben Gemeinschaft mit ihm, und wandeln trotzdem in der Finsternis, so lügen wir und betätigen die Wahrheit nicht.1
- D.h.: wir bezeugen die Wahrheit nicht durch unseren Wandel.
7 Wandeln wir aber im Licht, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander,1 und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.2
- Die Gemeinschaft mit Gott ist zugleich auch die Gemeinschaft mit den Brüdern, und zwar in der Liebe.
- Es ist hier an die fortwährende Reinigung zu denken, deren auch die Kinder des Lichts noch täglich bedürfen.
8 Behaupten wir: wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit wohnt nicht in uns.
9 Bekennen wir aber unsere Sünden, dann ist er1 treu und gerecht, so daß er uns die Sünden erläßt und uns reinigt von jeglichem Unrecht.
- Gott.
10 Behaupten wir: wir haben nicht gesündigt,1 so machen wir ihn zum Lügner,2 und sein Wort wohnt nicht in uns.
- Die Pneumatiker oder Geistbegabten der gnostischen Schulen hielten sich für sündlos.
- Denn schon im Alten Testament hat Gott verkündigt, daß alle Menschen Sünder sind (vgl. Röm. 1-3).
Chapter 2
1 Meine lieben Kinder! Dies1 schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und sündigt doch jemand, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten.2
- Das Vorhergehende.
- Nur ein Gerechter kann Fürsprecher und Versöhner sein.
2 Der ist die Sühne für unsere Sünden, und nicht für unsere allein, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.
3 Dies ist das Merkmal, daß wir ihn1 erkannt:2 wir halten seine Gebote.
- Gott.
- Also wahre Gnostiker oder Erkennende sind.
4 Wer behauptet: "Ich habe ihn erkannt"1 und seine Gebote nicht hält, der lügt; in solchem Menschen wohnt nicht die Wahrheit.
- Ein deutlicher Hinweis auf die Gnostiker.
5 Wer aber seinem Wort gehorcht, in dem ist wirklich die Liebe zu Gott vollkommen geworden. Daran zeigt sich, daß wir in ihm sind.
6 Wer da behauptet, er bleibe in ihm,1 der muß auch wandeln, wie Er2 gewandelt.
- In Gott. Christus ist in des Vaters Liebe geblieben. Joh 15:10
- Das stark betonte Fürwort "Er," wörtlich "jener" (griechisch: ekeinos), wird im ersten Johannesbrief (vgl. auch Joh 19:35) nachdrücklich von Christus gebraucht (siehe außer dieser Stelle 2,6 noch 3,3.5.7.16; 4,17; vgl. auch 2Ti 2:12, 13, 26).
7 Geliebte, nicht ein neues Gebot schreibe ich euch nun, sondern ein altes Gebot,1 das ihr gehabt von Anfang an.2 Dies alte Gebot ist jenes Wort, das ihr bereits gehört.3
- Gemeint ist das Gebot der Bruderliebe.
- Von Anfang eures Christenstandes an.
- Gemeint ist hier die apostolische Predigt.
8 Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot; das ist es wirklich im Blick auf ihn1 und auf euch.2 Denn3 die Finsternis ist im Schwinden begriffen, und das wahre Licht hat zu leuchten begonnen.
- Auf Gott, der euch in einen neuen Lebenszustand versetzt hat.
- Die ihr in einem neuen Lebenszustand steht.
- Begründet die Worte "auf euch." vgl. Joh 1,5,9, Rö 13:12
9 Wer nun behauptet, er sei im Licht, und doch seinen Bruder1 haßt, der ist noch immer in Finsternis.
- Seinen christlichen Mitbruder.
10 Wer seinen Bruder liebhat, der ist fort und fort im Licht, und in seinem Geist ist nichts, das ihn zu Fall bringen könnte.
11 Wer aber seinen Bruder haßt, der lebt in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht; denn die Finsternis hat seine Augen blind gemacht.1
- Haß macht blind.
12 Ich schreibe euch, liebe Kinder, weil euch die Sünden um seines Namens willen vergeben sind.1
- Der Brief wendet sich also nicht an solche, die erst zur Bekehrung kommen sollen, sondern die in Christi Gemeinschaft auch die Gewißheit der Sündenvergebung haben. Die "lieben Kinder" teilt Johannes in V13 in die beiden Gruppen der "Väter" und der "Jünglinge".
13 Ich schreibe euch, ihr Väter, weil ihr den erkannt habt,1 der von Anfang ist.2 Ich schreibe euch, ihr Jünglinge, weil ihr den Bösen3 überwunden habt.
- Als wahre und echte Gnostiker.
- Nämlich: Christus. Joh 1:1
- Den Teufel.
14 Ich habe euch geschrieben,1 liebe Kinder,2 weil ihr den Vater erkannt habt, der von Anfang ist. Ich habe euch, ihr Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid durch das Wort Gottes3 unablässig in euch wohnt und ihr den Bösen überwunden habt.4
- Bezieht sich wohl auf den Inhalt des schon Geschriebenen.
- Damit meint er alle Christen (vgl. V12).
- Gottes Vaterliebe hat sich vor allem erwiesen in der Vergebung der Sünden (V12).
- Als die Quelle eurer Kraft.
15 Habt nicht lieb die Welt,1 noch was in der Welt ist!2 Wer die Welt liebhat, in dem wohnt nicht die Liebe zum Vater.
- Die Welt ist hier das Irdische und Vergängliche, sofern es im Gegensatz zu Gott steht und die böse Lust reizt.
- Z.B. Ehre, Reichtum usw.
16 Denn alles weltliche Wesen1 — die Fleischeslust,2 die Augenlust3 und das großtuerische Leben4 — stammt nicht von dem Vater, sondern von der Welt.5
- Das, wodurch sich die Weltmenschen beherrschen lassen.
- D.h. die böse Lust, die aus der ungöttlichen Willensrichtung hervorgeht. vgl. Ga 5:16
- Die Freude an solchen äußeren Dingen, wodurch die böse Lust in dem Herzen erregt wird.
- Alles übermütige, oft unwahre Großtun; aller Schein und Schwindel im äußeren Leben.
- Es hat nichts zu tun mit dem wahren Leben, das nur in dem himmlischen Vater zu finden ist; sondern es gehört dem von Gott abgewandten, ja ihm feindlichen Weltleben an.
17 Und die Welt fährt dahin mit ihrer Lust;1 wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.2
- Und mit ihr fährt dahin, wer sie liebt. vgl. 1Kor 7:31
- Vgl. Mt 7:21, 1Pe 4:2.
18 Kinder!1 Die letzte Stunde ist da!2 Ihr habt gehört, ein Widerchrist soll kommen.3 Jetzt aber sind schon Widerchristen in großer Anzahl aufgetreten.4 Daran erkennen wir: die letzte Stunde ist da.
- Eine zärtliche Anrede an alle Leser (vgl. V13).
- Vgl. 1Pe 4:7.
- Vgl. Mt 24:5,23,24, 2Th 2:3-4. Das Wort "Widerchrist" findet sich im Neuen Testament nur hier und 2Jo 1:7.
- Diese Widerchristen sind die Irrlehrer, die dem letzten Widerchrist den Weg bereiten.
19 Sie sind aus unserer Mitte hervorgegangen,1 aber sie haben uns innerlich nicht angehört. Denn hätten sie uns angehört, so wären sie bei uns geblieben. Doch sie haben uns verlassen, damit es sich zeige, daß nicht alle zu uns gehören.2
- Vgl. Apg 20:30; auch 1Ti 1:20, 2Ti 2:17-18.
- D.h. daß nicht alle äußeren Bekenner auch innerlich zu uns gehören. vgl. 1Kor 11:19
20 Ihr aber habt die Salbung1 von dem Heiligen2 empfangen und wißt alles.3
- Die Gabe des Heiligen Geistes.
- Von Christus. vgl. Joh 6:69, 10:36
- Die Gnostiker sprachen den einfachen Christen die Erkenntnis ab.
21 Ich habe euch1 nicht geschrieben, weil ihr sie kennt und deshalb auch wissen müßt, daß keine Lüge aus der Wahrheit kommt.
- Wegen dieser Irrlehrer.
22 Wer sonst ist der Lügner, als der da leugnet, Jesus sei auch der Christus?1 Ein solcher Leugner ist der Widerchrist:2 er leugnet den Vater und den Sohn.
- Gerade die Gnostiker leugneten dies, indem sie zwischen dem irdischen Jesus und dem himmlischen Christus schieden.
- Der damals schon in den gnostischen Irrlehrern auftrat.
23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.1
- Vgl. Joh 5:23, 14:9, 15:23.
24 Was ihr von Anfang an1 gehört, das soll in euern Herzen bleiben! Bleibt aber das in euch, was ihr von Anfang an gehört, so werdet auch ihr in dem Sohn und dem Vater bleiben.2
- Vgl. V7.
- Nur in dieser Gemeinschaft ist auch das verheißene Erbe des ewigen Lebens (V25) zu erlangen.
25 Und dies hat er selbst uns verheißen: das ewige Leben.
26 So viel schreibe ich über die, die euch verführen wollen.
27 Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, die bleibt in euch. Ihr habt nicht nötig, daß euch jemand belehre. Sondern wie euch seine Salbung über alles belehrt, so ist's auch wahr und keine Lüge. Wie sie euch belehrt, so bleibt in ihm!1
- In Christus.
28 Nun, liebe Kinder, bleibt in ihm! Dann haben wir, wenn er1 erscheint, auch freudige Zuversicht,2 und wir brauchen bei seiner Wiederkunft nicht mit Scham und Schande von ihm zu weichen.3
- Christus.
- D.h. den frohen Mut eines guten Gewissens.
- Vgl. Mt 7:23, 25:12,30,41.
29 Wenn ihr wißt, daß er1 gerecht ist, so bedenkt auch: jeder, der Gerechtigkeit übt, ist aus ihm erzeugt.
- Gott.
Chapter 3
1 Seht, welch große Liebe hat uns der Vater1 bewiesen! Wir sollen Gottes Kinder heißen und sind es auch. Darum erkennt die Welt uns nicht, denn sie hat ihn nicht erkannt.2
- "Vater" ist unendlich mehr als der "Urgrund" aller Dinge, wie die Gnostiker Gott nannten.
- Vgl. Joh 17:25.
2 Geliebte, jetzt schon sind wir Gottes Kinder. Aber es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein sollen. Wir wissen jedoch: wenn er1 erscheint,2 so werden wir ihm ähnlich sein;3 denn wir werden ihn sehen.4
- Christus.
- Vgl. 2,28.
- An Herrlichkeit; vgl. Kol 3:4, 1Kor 15:49, Php 3:21, Rö 8:19,23.
- Vgl. Joh 17:24. Die Ähnlichkeit ist die Folge des Sehens.
3 Wer solche Hoffnung hat im Vertrauen auf ihn,1 der reinigt sich, wie Er2 rein ist.3
- Gott.
- Christus.
- Diese Hoffnung ist der stärkste Antrieb zur Heiligung. vgl. Heb 12:14, Mt 5:8
4 Wer die Sünde tut, der frevelt auch gegen das Gesetz; denn die Sünde ist Gesetzlosigkeit.1
- Die Sünde ist ihrem Wesen nach Gesetzlosigkeit. Die Gnostiker lehrten, der Geistbegabte müsse dem Gesetz, das von dem Weltschöpfer, aber nicht von dem höchsten Gott stamme, als etwas ihm Feindlichem trotzen, und man müsse das Fleisch, um seine Macht zu brechen, durch Lüste schwächen und töten.
5 Ihr wißt aber: Er ist erschienen, um die Sünden zu tilgen, und in ihm ist keine Sünde.1
- Vgl. 2Kor 5:21, 1Pe 2:22.
6 Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht.1 Wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt.
- Bei ihm findet sich in Wahrheit, was sich der Gnostiker nur einbildet. V6 ist übrigens unter Voraussetzung von 1,8.10; 2,1 zu verstehen.
7 Liebe Kinder, laßt euch von niemand irreführen. Wer Gerechtigkeit übt, der ist gerecht, wie Er gerecht ist.
8 Wer die Sünde tut, der stammt vom Teufel;1 denn der Teufel sündigt von Anfang an.2 Dazu ist Gottes Sohn erschienen, daß er des Teufels Werke zerstöre.
- Vgl. Joh 8:44.
- "Von Anfang an" kann heißen: von Anfang der Menschengeschichte an, schon zu Kains Zeiten (vgl. 3,12), oder: die Sünde (sowohl seine eigene wie die Sünde jedes Menschen) hat in dem Teufel ihren Anfang oder Ausgangspunkt.
9 Jeder, der aus Gott gezeugt ist, tut keine Sünde; denn sein Same1 bleibt in ihm. Ja er kann nicht sündigen, denn er ist aus Gott gezeugt.
- Gottes Same: die durch den Heiligen Geist gewirkte Lebenskraft der Wiedergeburt.
10 Daran1 erkennt man Gottes Kinder und des Teufels Kinder. Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, stammt nicht von Gott, ebenso auch, wer seinen Bruder nicht liebt.
- An dem, was V8 und 9 gesagt ist.
11 Denn dies ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört: wir sollen einander lieben.
12 Wir sollen nicht Kain gleichen,1 der von dem Bösen2 stammte und seinen Bruder mordete. Und warum hat er ihn ermordet? Weil seine Taten böse waren, seines Bruders Taten aber gerecht.
- Kain ist ein Bild der Welt in ihrer Feindschaft gegen die Kinder Gottes, deren Vorbild Abel ist.
- Der Böse ist der Teufel.
13 Wundert euch nicht, meine Brüder, wenn die Welt euch haßt.
14 Wir wissen: wir sind aus dem Tod zum Leben gelangt, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, der bleibt im Tod.
15 Wer seinen Bruder haßt, der ist ein Mörder; und ihr wißt:1 in einem Mörder wohnt nicht das ewige Leben.
- "Ihr wißt" aus dem allgemeinen christlichen Bewußtsein.
16 Daran haben wir das wahre Wesen der Liebe erkannt, daß Er sein Leben zu unserem Heil dahingegeben hat. So ist's auch unsere Pflicht, unser Leben zum Besten der Brüder einzusetzen.
17 Wer irdische Güter hat und seinen Bruder Not leiden sieht, aber sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe zu Gott noch wohnen?1
- Die Bruderliebe, wodurch sich die Liebe zu Gott offenbart, übt Wohltätigkeit.
18 Liebe Kinder, laßt uns nicht lieben mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und in Wahrheit!1
- Unbarmherzigkeit gegen den Bruder kann sich auch bei solchen finden, die in Worten Bruderliebe zur Schau tragen.
19 Daran1 werden wir dann auch erkennen, daß wir aus der Wahrheit sind,2 und dadurch3 können wir unser Herz vor seinem Angesicht4 zur Ruhe bringen,
- An dem, was V20 folgt.
- D.h. daß wir der Wahrheit angehören und in ihr leben.
- Durch die in V20 ausgesprochene Gewißheit.
- Wenn wir uns vor Gott, dem Herzenskünder, prüfen.
20 daß wir bedenken, wenn unser Herz uns anklagt: Gott ist größer als unser Herz,1 und er weiß alles.2
- Gott in seiner vergebenden Liebe bringt das von Schuldbewußtsein gequälte Herz zur Ruhe und schenkt ihm seinen Frieden.
- Gott, der die Sünden vergibt, kann, weil er alles weiß, auch alles recht beurteilen.
21 Geliebte, wenn unser Herz uns nicht anklagt, so haben wir freudige Zuversicht zu Gott.1
- Vgl. Rö 5:1.
22 Und was wir erbitten, das empfangen wir auch von ihm;1 denn wir halten seine Gebote und tun, was ihm wohlgefällig ist.2
- Mit der freudigen Zuversicht ist die beständige Erfahrung der Gebetserhörung verbunden.
- Das Halten der göttllichen Gebote ist die notwendige Vorbedingung aller Heilsgewißheit.
23 Und dies ist sein Gebot: Wir sollen glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und einander lieben, wie er uns geboten.
24 Wer seine Gebote hält, der bleibt in ihm1 und er in ihm. Und daß er bleibend in uns wohnt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben.2
- In Gott.
- Vgl. Rö 8:9,16, 2Kor 1:22.
Chapter 4
1 Geliebte, schenkt nicht jedem Geist Glauben! Prüft vielmehr die Geister,1 ob sie aus Gott sind! Denn viele Lügenpropheten sind ausgezogen in die Welt.2
- Vgl. 1Kor 12:10, 14:29, 1Th 5:20-21.
- Sie haben die Kirche verlassen (2,18-19) und sind in die gottentfremdete Menschenwelt hinausgezogen, um dort ihre verderbliche Wirksamkeit auszuüben.
2 Daran erkennt Gottes Geist: Jeder Geist, der Jesus Christus als den im Fleisch1 Erschienenen bekennt, der ist aus Gott.
- In wahrhaftiger Menschheit.
3 Doch jeder Geist, der Jesus nicht bekennt,1 ist nicht aus Gott: das ist der Geist des Widerchrists. Ihr habt gehört, daß er kommt; und er ist schon jetzt in der Welt.
- Oder, wie die Worte nach einer alten und wahrscheinlich ursprünglichen Lesart lauten: "der Jesus trennt" (λθει). Die Gnostiker schieden ja zwischen dem irdischen Jesus und dem himmlischen Christus. Ähnlich lehrt auch Mohammed im Koran, die Juden hätten Jesus nicht in Wirklichkeit getötet, da nicht er selbst, sondern nur sein Scheinbild am Kreuz hing. Allah erhöhte vielmehr Jesus zu sich (Sure 4, V156; 3,48).
4 Ihr seid aus Gott, liebe Kinder, und habt sie1 überwunden. Denn der in euch wirkt,2 ist stärker, als der in der Welt sein Wesen treibt.3
- Die Lügenpropheten V1.
- Gott.
- Das ist der Teufel. vgl. Joh 12:31, 14:30, 16:11, 2Kor 4:4
5 Sie gehören der Welt an. Darum reden sie nach Art der Welt, und die Welt hört auf sie.
6 Wir1 sind von Gott gesandt. Wer Gott erkennt, der hört auf uns. Wer nicht aus Gott ist, der hört nicht auf uns.2 Hieran3 erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.
- Johannes und seine Mitapostel.
- Nur Wesensverwandtes versteht sich.
- D.h. daran, ob jemand auf die Apostel hört oder nicht.
7 Geliebte, laßt uns einander lieben! Denn die Liebe stammt von Gott, und wer Liebe hat, der ist aus Gott erzeugt und erkennt Gott.1
- Der ist der wahre Gnostiker.
8 Wer keine Liebe hat, der hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe.1
- Gott ist seinem Wesen nach Liebe, und er wird nur so weit erkannt, als er geliebt wird.
9 Dadurch ist Gottes Liebe bei uns offenbar geworden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn das Leben hätten.1
- Wäre Jesus nicht der Sohn Gottes, so hätte sich Gottes Liebe nicht vollkommen offenbart; ja es wäre dann nicht unmöglich, daß wir noch eine höhere Offenbarung Gottes als die durch Jesus gebrachte zu erwarten hätten.
10 Darin zeigt sich die (wahre) Liebe: nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt und seinen Sohn gesandt als Sühne für unsere Sünden.1
- Vgl. Joh 10:17.
11 Geliebte, hat uns Gott so sehr geliebt, dann müssen auch wir einander lieben.
12 Keiner hat Gott je gesehen. Lieben wir aber einander, so wohnt Gott bleibend in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.1
- Der Sinn ist wohl: weil Gott in uns wohnt, deshalb wohnt auch seine Liebe in uns; die Liebe der Gläubigen ist die Liebe Gottes, denn sie geht von Gott aus.
13 Daß wir aber bleibend in ihm wohnen und er in uns, erkennen wir daran, daß er uns von seinem Geist gegeben hat.
14 Und wir1 haben gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.
- Johannes und seine Mitapostel.
15 Wer nun bekennt, daß Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.
16 Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt auch in ihm.
17 Darin vollendet sich bei uns die Liebe,1 daß wir freudige Zuversicht2 haben am Tag des Gerichts; denn so, wie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.3
- D.h. die Liebe, die in uns wohnt.
- Oder: Furchtlosigkeit.
- Wie Christus, der im Himmel wohnt, voller Liebe ist (3,16), so sind auch wir es hier in der Welt: die Liebe macht uns Christus ähnlich. Darum können wir auch am Gerichtstag furchtlos sein; denn alle, die Christus an Liebe ähnlich sind und die jetzt in Liebe dienen, die erkennt er auch einst als die Seinen an. vgl. Mt 25:34-40
18 Furcht ist nicht in der Liebe; die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.1 Die Furcht denkt ja an Strafe.2 Wer sich also fürchtet, der ist in der Liebe noch nicht vollkommen.3
- Duldet sie nicht neben sich.
- Und wo Strafe ist, da muß auch Sünde sein.
- Vgl. Rö 8:15.
19 Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt.1
- Gott hat den Anfang mit der Liebe gemacht. vgl. Rö 5:8
20 Wer da behauptet: "Ich liebe Gott", und doch seinen Bruder haßt, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er leibhaftig sieht, der kann Gott, den er gar nicht sieht, unmöglich lieben.
21 Ja, dies Gebot haben wir von ihm:1 Wer Gott liebt, der muß auch seinen Bruder lieben.2
- Von Gott.
- Vgl. Mr 12:29-31.
Chapter 5
1 Jeder, der glaubt, daß Jesus der Christus ist,1 der ist aus Gott gezeugt. Und wer seinen Erzeuger2 liebt, der liebt auch den von ihm Erzeugten.3
- Gerade dies leugnet ja Cerinth.
- Oder: seinen Vater.
- D.h. seinen Bruder.
2 Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.1
- Das Kennzeichen und die Quelle der echten Bruderliebe ist der aus der kindlichen Liebe zu Gott entspringende Gehorsam gegen Gottes Gebote.
3 Denn darin zeigt sich die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten. Und seine Gebote sind nicht schwer.
4 Denn alles, was aus Gott erzeugt ist,1 überwindet die Welt.2 Und die Siegesmacht, die die Welt überwunden hat, ist unser Glaube.
- Und was deshalb auch wahres, ewiges Lieben in sich trägt.
- Die Gott feindliche Welt.
5 Wer ist der Weltüberwinder? Nur wer da glaubt: Jesus ist Gottes Sohn.
6 Dieser hat seinen Weg genommen durch Wasser und Blut.1 Jesus ist als der Christus2 auch immer noch wirksam, nicht durch das Wasser allein, sondern durch das Wasser und das Blut.3 Auch der Geist4 legt Zeugnis für ihn ab,5 denn der Geist ist die Wahrheit.6
- Das Wasser ist die Taufe Jesu im Jordan, das Blut ist sein blutiger Kreuzestod. Cerinth leugnete, daß Jesus, der Sohn Gottes, hier auf Erden seinen Weg durch Wasser und Blut genommen habe; denn er lehrte, der himmlische Christus habe sich zwar bei der Taufe im Jordan mit dem Menschen Jesus vereinigt, aber vor dem Kreuzestod habe er ihn wieder verlassen. — Der Text von V6 ist übrigens sehr verschieden überliefert worden. Ich lese: ουτος εστιν ο ελθων δι υδατος και αιματος. Ιησους ο Χριστος ουκ εν υδατι μονον κτλ.
- Als der mit dem Heiligen Geist gesalbte und durch den Heiligen Geist in der Kirche wirkende Herr. vgl. Apg 2:36
- Das Wasser und das Blut sind, genauer übersetzt, das bekannte Wasser und das bekannte Blut, d.h. die beiden Sakramente der Taufe und des Abendmahls (vgl. Joh 3:5-8 und Joh 6:53-56; auch 1Kor 10:1-4, Joh 19:34-35). In Taufe und Abendmahl ist Jesus fort und fort als der Christus wirksam.
- Der am Pfingsttag in die Kirche gesandte Heilige Geist.
- Off 19:10.
- Der Geist ist die Wahrheit, wie Christus selbst die Wahrheit ist. Joh 14:17, 16:13 Auch nach der Rechtsregel 5Mo 17:6, 19:15 ist das Zeugnis wahr.
7 So sind's denn drei, die Zeugnis geben:1
- V7 und 8 lauten in der gewöhnlichen Lesart: "Denn drei legen Zeugnis ab (im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei legen Zeugnis ab auf Erden): der Geist, das Wasser und das Blut" usw. Aber die eingeklammerten Worte finden sich bei keinem der alten Kirchenväter, die vom dritten bis zum fünften Jahrhundert die Lehre von der Dreieinigkeit behandelt haben; sie stehen auch vor dem 15. Jahrhundert in keiner griechischen Handschrift. Erst gegen 400 n.Chr. tauchen die Worte auf, und zwar in der abendländischen Kirche. Diese hat dann die Worte im Mittelalter in die lateinische Vulgata und von da auch in den griechischen Text eingeführt. Die Worte fehlen ferner in allen alten Übersetzungen, sogar in den Handschriften der Vulgata vor dem zehnten Jahrhundert.
8 der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei bezeugen die eine Wahrheit.1
- Die Wahrheit, die Jesus der Christus ist.
9 Nehmen wir schon der Menschen Zeugnis an, so steht Gottes Zeugnis1 noch viel höher.2 Denn dies ist Gottes Zeugnis: er hat Zeugnis abgelegt von seinem Sohn.3
- Das eben erwähnte dreifache Zeugnis.
- Und muß deshalb auch weit eher angenommen werden.
- Gemeint ist das Zeugnis von Jesu Gottessohnschaft. Wo diese bekannt wird, ist Gott die Ursache des Bekenntnisses. vgl. Mt 16:16-17
10 Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat in der Gemeinschaft mit ihm1 dies Zeugnis. Wer Gott nicht glaubt, der hat ihn damit zum Lügner gemacht: er hat ja nicht geglaubt an das Zeugnis, das Gott von seinem Sohn abgelegt.
- Mit dem Sohn Gottes.
11 Und dies ist der Inhalt des Zeugnisses: "Gott hat uns das ewige Leben gegeben, und dieses Leben ist zu finden in der Gemeinschaft mit seinem Sohn."
12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben. Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
13 Dies1 schreibe ich euch, damit ihr wißt, daß ihr ewiges Leben habt: denn ihr glaubt ja an den Namen des Sohnes Gottes.2
- Was in V11 und 12 gesagt wird.
- Vgl. Joh 20:31.
14 Dies zuversichtliche Vertrauen haben wir zu ihm:1 Wenn wir nach seinem Willen um etwas bitten, so erhört er uns.
- Zu Gott.
15 Und wie wir wissen, daß er uns erhört auf unser Bitten, so wissen wir zugleich: wir werden das von ihm Erbetene auch sicherlich empfangen.
16 Sieht einer, daß sein Bruder eine Sünde tut, die nicht zum Tod führt, so bete er für ihn, und Gott wird diesem Bruder Leben geben — das heißt solchen, die nicht eine Sünde tun, die zum Tod führt. Es gibt wirklich Sünde, die zum Tod führt. Ich rede nicht davon, daß man bei solcher Sünde bitte.
17 Jede Ungerechtigkeit ist Sünde. Aber es gibt Sünde, die nicht zum Tod führt.1
- Wer sich von der göttlichen Lebensquelle trennt (vgl. 1,7; 5,6), der fällt dem Tod anheim. Und solange jemand in solchem Zustand unbußfertig beharrt, vereitelt er durch seine Schuld die Fürbitte der Gläubigen. vgl. Heb 6:4-6, Mr 3:28-30
18 Wir wissen: wer aus Gott erzeugt ist, sündigt nicht; sondern der aus Gott Erzeugte ist auf seiner Hut, und der Böse tastet ihn nicht an.
19 Wir wissen: wir sind aus Gott, und die ganze Welt liegt in der Gewalt des Bösen.1
- D.h. des Teufelsder vgl. Joh 14,30 Weltbeherrscher" und 2Kor 4,4 "der Gott dieser Welt").
20 Wir wissen aber: der Sohn Gottes ist gekommen und hat uns Verständnis gegeben,1 den Wahrhaftigen2 zu erkennen. Und wir stehen in Gemeinschaft mit dem Wahrhaftigen, weil wir in Gemeinschaft sind mit seinem Sohn Jesus Christus. Dieser3 ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.4
- Vgl. Eph 1:18.
- Nämlich: Gott. Vgl. Joh 17:3.
- "Dieser" von dem Apostel verkündigte Jesus Christus.
- Vgl. Joh 20,28 "Mein Herr und mein Gott!"
21 Liebe Kinder, hütet euch vor den Truggebilden!1
- Gemeint sind wohl zunächst die Truggebilde, die die Gnostiker an die Stelle des wahren, lebendigen Christus setzten.