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Chapter 1

1 1 Jakobus, ein Sklave (Knecht, Diener) Gottes und des Herrn Jesus Christus, an die zwölf Stämme in der Zerstreuung (Diaspora).2 Grüße! 3

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. die zwölf Stämme in der Zerstreuung (Diaspora) – Der Ausdruck lässt sich auf zwei Weisen verstehen: (1) „Zerstreuung (Diaspora)“ bezeichnet die Orte, an denen die Angehörigen der „zwölf Stämme“ zerstreut sind; die Phrase ist dann restriktiv zu lesen: „[Nur] an diejenigen Angehörigen der zwölf Stämme Israels, die in der Diaspora leben.“ – der Brief richtete sich dann v.a. an die Heidenchristen außerhalb Israels. (2) „Zerstreuung (Diaspora)“ bezeichnet den Zustand des Zerstreut-seins; die Phrase ist dann deskriptiv zu lesen: „An die Angehörigen der zerstreuten zwölf Stämme“. Hier ist sehr wahrscheinlich letzteres die richtige Deutung; denn im Hintergrund steht eine etwas komplexere Vorstellung: Die „Zerstreuung“ eines Volkes war der Inbegriff seiner Niederlage und Vernichtung. In der Folge der verschiedenen Zerstreuungen Israels – v.a. der babylonischen Gefangenschaft – entwickelte sich daher im alten Judentum die Hoffnung, Gott würde am Ende der Zeiten das zerstreute Israel von „allen Enden der Erde“ wieder zusammensammeln und dann mit ihnen ein „Reich Gottes“ errichten, eine Art „Himmel auf Erden“ (s. z.B. Ps 147,2; Jes 11,12; 14,1; 54,5f; Jer 31,10; Ez 28,25 u.ö.). Diese Vorstellung wurde im Laufe der Zeit erweitert: (a) Der Zustand der Zerstreuung wurde als Strafe Gottes für die Sündhaftigkeit Israels verstanden (s. z.B. Neh 1,8f), (b) Jesus bringt die Sammlung des zerstreuten Israels mit seiner - des Menschensohns - Wiederkunft am Ende der Zeiten in Zusammenhang. Diese Vorstellung steht im Hintergrund des Jakobusbriefs; der weitere Inhalt besteht dann in einer Reihe ethischer Anweisungen, denen, anstatt zu sündigen, „geduldig bis zur Wiederkunft des Herrn“ (5,7) Folge zu leisten ist, damit ein so sich Bewährender am nahe bevorstehenden Ende der Zeit „das Leben als Siegeskranz empfangen“ wird (1,12). Unsicher allerdings ist, ob der Brief sich dann allgemein an alle Angehörigen der zwölf Stämme richtet, oder ob diese Vorstellung von der Sammlung der zwölf Stämme im Jakobusbrief auf die Christusgläubigen übertragen wird.
  3. Jakobus eröffnet seinen Brief mit dem Standard-Briefpräskript seiner Zeit, der in etwa dem Briefkopf heutiger Briefe entspricht: Absender (Nominativ), Adressat (Dativ), Gruß (imperativischer Infinitiv) (vgl. z.B. Burchard 2000, S. 47). In die LF muss das freier übersetzt werden; sehr gut z.B. BB: „Jakobus, Diener Gottes und des Herrn Jesus Christus. An das Volk Gottes, das wie die zwölf Stämme Israels über die ganze Welt verstreut lebt. Ich grüße euch.“

2 Haltet es für ganze (nichts als) Freude (Haltet es für nichts anderes denn als einen Grund zur Freude), meine Brüder (Geschwister) 1 , wenn (wann immer) ihr in verschiedenste (vielfältige) Prüfungen (Versuchungen) 2 fallt,

  1. Entsprechend dem Stil seiner Zeit spricht Jakobus hier nur die männlichen „Brüder“ an; die weiblichen „Schwestern“ sind aber sehr sicher mitgemeint (-> Generisches Maskulinum). Der Begriff bezeichnet Mit-angehörige der selben Gesellschaftsgruppe, zu der auch der Sprecher/Schreiber gehört, und stellt sie mit sich auf eine Stufe (so gut Hartin 2003, S. 56: „He does not address them from the status of authority, but from their own level“). Besonders interessant ist in unserem Kontext, dass mit diesem Begriff bisweilen auch die Zusammengehörigkeit gerade weit entfernter Personen oder Gruppen unterstrichen werden kann; s. z.B. 2Makk 1,1 (dazu vgl. ebd.). Gerade in einem Brief an die zerstreuten zwölf Stämme ist er daher besonders passend.
  2. Hinter dem Begriff πειρασμός Versuchung steht die altjüdische Vorstellung, dass Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen bringt, damit dieser sich in diesen Bewährungsproben als rechter Gottesdiener bewähren kann (s. z.B. Gen 22,1; Ex 16,4; Ri 3,1-4; Ps 26,2; Sir 2,1; vgl. auch Mt 6,12 FN m). Jakobus führt weiter aus: Wer diese Bewährungsproben besteht, gewinnt damit „Standhaftigkeit“, und impliziert ist wohl: Wer standhaft bleibt und sich außerdem „vollkommener Werke“ befleißigt, wird dann am Ende der Zeit auch aus der Zerstreuung gesammelt werden (s.o.; s. z.B. auch Mk 13,13; 1Pet 1,6f; ähnlich Röm 5,3-5). In Vv. 13-15 wandelt Jakobus diese Vorstellung jedoch ab: Es ist gerade nicht Gott, der diese Versuchungen über einen Menschen bringt; sie erwachsen allein aus den sündhaften Begierden des Menschen (vgl. z.B. Kloppenborg 2010, S. 68f; Wilson 2002, S. 159). Entsprechend wird Jakobus dann im Folgenden auch v.a. vor menschlichen Schwächen warnen (z.B.: Impulsivität (1,19-21), Voreingenommenheit (2,1-9), lose Zunge (3,2-12), Streitsucht (3,13-18), Liebe zur Welt (4,1-4) usw.) und ihnen tugendhaftes Verhalten entgegenstellen. Besonders wichtig: Es ist gerade nicht allein die Standhaftigkeit im Glauben (V. 3), die gerecht macht (wie z.B. Mk 13,4-13.21-23 das nahelegen könnte) - unabdingbar sind außerdem die Werke des Glaubens (2,14-26).

3 da ihr [ja] wisst (im Wissen, wisst!)1, dass die Erprobung (die Bewährung) eures Glaubens (das Erprobte an eurem Glauben) Standhaftigkeit (Ausharren, Geduld, Ausdauer, Standhaftigkeit)2 hervorbringt (bewirkt).

  1. Ptz. coni., hier als kausaler Nebensatz aufgelöst (oder als Präpositionalphrase, so Klammer). Einige Ausleger verstehen das Partizip auch imperativisches Partizip („wisst“).
  2. Der Begriff hat eine sehr aktive Bedeutung – es wird nicht nur abgewartet, sondern auch entsprechend gehandelt (Dibelius 1964, 101; Blomberg 2008, 49; Mußner 1964, 65f.).

4 Die Standhaftigkeit {aber} 1 soll ein vollkommenes Werk (vollkommenes Handeln)2 [zur Folge] haben (zu einem vollkommenen Werk führen) 3 , damit (:) 4 ihr vollkommen und vollständig und (indem, wenn, weil ihr) 5 in nichts mangelhaft seid.

  1. δέ aber zur Markierung der Klimax (Grosvenor/Zerwick): Es folgt nun die zentrale Aussage dieses ersten Abschnitts Vv. 2-4. In der LF sollte das kommunikativer übersetzt werden; gut z.B. NeÜ: „[... - und] die Standhaftigkeit wiederum soll...“.
  2. Oder sinngemäßer: „Ausgang“ (cf. Johnson 1995, 178).
  3. Der Imperativ Präsens markiert hier, dass nicht ein Mal ein vollkommenes Werk Folge der Standhaftigkeit sein soll, sondern dass vollkommene Werke prinzipiell die Folge der Standhaftigkeit sein sollen.
  4. ἵνα damit ließe sich auch als epexegetisches ἵνα (dazu z.B. Zerwick §410) verstehen: „Die Standhaftigkeit soll zu einem vollkommenen Werk führen: Ihr sollt vollkommen und vollständig und in nichts mangelhaft sein.“ Berücksichtigt man nur V. 4, läge das eigentlich sogar näher als die finale Deutung („... zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und vollständig seid...“), denn das Ausführen vollkommener Werke ist ja nicht die Voraussetzung der Vollkommenheit, sondern umgekehrt sollte man meinen, dass Vollkommenheit Voraussetzung vollkommener Werke ist. Doch siehe FN m.
  5. Auflösung eines Ptz. coni. durch und-Koordination. Möglich auch modal, temporal, kausal (so Klammer).

5 Wenn es [dafür] aber (Wenn es {aber}) 1 einem (jemandem)2 von euch an Weisheit 3 mangelt, soll er [sie] von Gott, der allen großzügig (vorbehaltlos)4 und ohne Vorwürfe 5 gibt, 6 erbitten - und sie wird ihm gegeben werden.7

  1. S. vorige FN.
  2. Wieder spricht Jakobus einzig männliche Leser an, meint aber auch die weiblichen Leser mit (-> Generisches Maskulinum). Für die LF sei jeweils - falls vorhanden - die Übersetzungsalternative in der Klammer empfohlen.
  3. Weisheit - Jakobus' Verständnis von „Weisheit“ entspricht v.a. dem Weisheitskonzept der frühjüdischen Schriften: (1) Weisheit ist nicht etwas, das man von selbst erlangen könnte, sondern zunächst eine Gabe Gottes (s. Vv. 5.17; vgl. z.B. Jes 11,2; Spr 1,7; 2,6; Sir 39,5; Weish 7,7.15.25f; 1Kor 2,13; 12,8; Eph 1,17 u.ö.). Und (2) führt sie anders als die „irdische Weisheit“ (i.S.v. „Wissenschaft“, vgl. z.B. 1Kor 1,19-22; 2,6f) nicht zunächst zu Erkenntnis und Wissen, sondern befähigt zu gottgefälligem Handeln (s. Jak 3,17; vgl. Weish 7,22f; Weish 8,6-8; 9,1-4.9-12.17f; 4Makk 1,18-35 u.ö.). Gerade dieser zweite Aspekt macht klar, warum Jakobus in seinem Brief die Weisheit so betont: Für Jakobus ist der Mensch zur Vollkommenheit berufen, und Vollkommenheit erlangt er, indem er den aus den sündhaften Begierden des Menschenherzens erwachsenden Versuchungen widersteht (s. FN e) - und hierfür ist nach dem Verständnis des altjüdischen Schrifttums Weisheit vonnöten, s. die obigen Stellen; besonders eindrücklich 4Makk 1,18f.28-30: : „Der Weisheit Arten sind Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigung. / Die Klugheit ist die trefflichste von allen; / durch sie beherrscht ja die Vernunft die Triebe. [...] Lust und Schmerz sind gleichsam zwei Bäume im Leib und in der Seele, / und so gibt es auch viele Nebenzweige dieser Triebe. / Nun putzt die Allgärtnerin Vernunft sie alle entweder aus / oder beschneidet, umwickelt und begießt sie / oder verpflanzt sie und veredelt so auf jede Weise / das Gestrüpp der Neigungen und Triebe. / Die Vernunft ist ja die Führerin der Tugenden, / aber die Selbstherrin über die Triebe.“ (Üs. nach Rießler 1928)
  4. großzügig (vorbehaltlos) - Beide Deutungen des Wortes sind möglich; Gott ist also je nach Verständnis entweder lediglich ein vorbehaltloser Geber (der also bedingungslos gibt) oder sogar ein großzügiger Geber. Die Deutung mit „großzügig“ könnte an die aus Lk 11,9-13 par Mt 7,7-11 bekannte Jesustradition anknüpfen und scheint außerdem besser in den Kontext zu passen.
  5. Auflösung eines adv. Ptz. durch Substantivierung und Koordination „und“. Das Wort heißt meistens eher „(be)schimpfen“. Es bezieht sich hier vermutlich darauf, dass Gott sich nicht darüber beklagt, dass er Weisheit geben „muss“ (BA).
  6. Auflösung eines attributiven Ptz. als Relativsatz.
  7. Sprichwörter 2,6; Matthäus 7,7

6 Er soll (Man muss) {aber} im Glauben [darum] bitten 1 [und dabei] keinesfalls zweifeln 2 (keinerlei Bedenken haben): Denn wer zweifelt 3 , gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin- und hergetrieben wird. 4

  1. Der Imperativ Präsens (statt Aorist) markiert hier, dass nicht ein Mal, sondern entweder prinzipiell oder immer wieder gebeten werden soll.
  2. Modales adv. Ptz., mit „und“-Konstruktion aufgelöst. Es sollen also keine Bedenken gegen die Bereitwilligkeit Gottes zu geben bestehen (Blomberg 2008, 52).
  3. Subst. Ptz. aufgelöst.
  4. Der letzte Nebensatz ersetzt im Deutschen zwei attributive Ptz., die sich wie Adjektive direkt auf die Meereswoge beziehen.

7 Jener (So ein, ein solcher) 1 Mensch soll nämlich nicht meinen, dass er etwas vom Herrn erhalten wird,

  1. ἐκεῖνος jener muss nicht auf τις einer, jemand in V. 5 zurückverweisen, sondern kann auch abschätzig auf die Beschreibung „dieser Art von Mensch“ in V. 6 Bezug nehmen: „Eine solche Person...“; „wenn man so drauf ist...“ (vgl. Burchard 2000, S. 61; so fast alle Üss.).

8 [er ist] ein Mann (Mensch) geteilten Herzens1,2 wankelmütig auf allen seinen Wegen 3

  1. Wörtlich: „zweiseeliger Mann/Mensch“ (cf. 4,8). Das heißt ungefähr: „mit geteiltem Herzen“ (SLT), „in seinem Innersten gespalten“ (NGÜ). Das Konzept bezeichnet das Gegenteil der ungeteilten Hingabe zu Gott (Mußner 1964, 72). Da der Begriff vor Jak nicht belegt ist, könnte der Autor ihn sogar erfunden haben, das Konzept ist aber schon im AT bekannt (Johnson 1995, 180). BA, NSS schlagen die Übersetzung „ein Zweifler“ vor.
  2. Jakobus 4,8
  3. Jakobus greift mit seiner Rede von den „Wegen“ des Zweiseeligen und den „Reisen“ des Reichen auf die Vorstellung vom „Lebensweg“ zurück: Gott hat dem Menschen den „Weg“ gezeigt, dem man folgen soll, und wenn man diesem von Gott gewiesenen Weg geradewegs folgt, verhält man sich gottgefällig. Kennzeichnend für Frevler oder Sünder dagegen ist, dass sie von diesen Wegen „abweichen“ (Ex 32,8; Dtn 9,16; 11,26-28; Ri 2,17; 1Kön 22,43 || 2Chr 20,32; 2Kön 22,2 || 2Chr 34,2), daher werden sie dann auch mitten auf ihren Wegen - d.i. mitten in ihrem Leben (vgl. Burchard 2000; Hartin 2003; McKnight 2011: „[mitten] in seinen Aktivitäten/seinem Leben“) - „vergehen“ (vgl. noch Ps 1,6; 2,12). Was nun die „Zweiseeligen“ tun, ist ganz absurd: Nicht nur weichen sie nach rechts oder links vom von Gott gewiesenen Weg ab - sondern sie übertorkeln ihn: Sie schwanken darauf herum; wenden sich mal nach hier und mal nach dort, folgen dann wieder für kurze Zeit dem Weg und beginnen dann wieder zu wanken - sie sind jene, denen die Richtung in ihrem Leben fehlt.

9 Stattdessen1 soll (darf) sich der geringe (demütige, arme) Bruder2 seiner hohen Stellung (Erhöhung) rühmen,

  1. Diese Übersetzung von δὲ wurde gewählt, um den doppelten Gegensatz auszudrücken, der durch die beiden δὲ in Vv. 9-10 entsteht.
  2. zu „Bruder“ s. FN d

10 der reiche [Bruder]1 aber seiner Erniedrigung, denn er wird wie eine Grasblüte2 vergehen.3

  1. Mußner 1964, 74; Moo; Blomberg 2008, 57 halten ὁ πλούσιος („der Reiche“) für ein Adjektiv, zu dem ὁ ἀδελφὸς („der Bruder“) aus dem vorherigen Satz zu ergänzen ist. Dagegen sieht etwa Dibelius 111964, 114f. ὁ πλούσιος als Substantiv. Hier wurde die erste Möglichkeit gewählt, weil es zynisch wäre anzunehmen, dass sich nach Jak jeder Reiche, nicht nur Christen, seiner kommenden Erniedrigung brüsten soll, auch wenn er gar nicht daran glaubt. Auch in den folgenden Kapiteln werden reiche Gemeindemitglieder erwähnt, sodass es natürlich erscheint, hier davon auszugehen, dass der „Reiche“ ebenso ein „reicher Bruder“ ist (cf. Diskussion bei Blomberg 2008, 57) - Allerdings legt der Autor möglicherweise gar kein Augenmerk auf diese Unterscheidung, sondern spricht, in der Tradition der Weisheitsliteratur, allgemein von den Reichen.
  2. Wörtlich: „Blume/Blüte des Grases“. Hat hier wohl die Bedeutung von Unkraut im Gegensatz zu kultivierten Pflanzen (BA). Das Bild von der Kurzlebigkeit des Grases wird auch im AT gerne als Bild für die Vergänglichkeit gebraucht (so Jes 40,6; Ps 90,5-7; Dibelius 111964, 115)
  3. Jesaja 40,6; Psalm 90,5

11 Denn die Sonne geht (ging )1 mit dem heißen Wind 2 auf und vertrocknet (vertrocknete) das Gras und seine Blüte fällt (fiel) ab, und die Schönheit ihres Aussehens vergeht (verging). Genau so wird auch der Reiche auf seinen Reisen (in seinem Lebenswandel) verwelken (dahinschwinden).3

  1. Im Griechischen steht hier die Verbform „Aorist“. Entweder wird dadurch markiert, dass V. 11 die Geschichte einer Blume erzählt („Die Sonne ging auf und mit ihr kam der heiße Wind, und sie vertrockneten das Gras... Ebenso wird der Reiche...“), oder - wesentlich wahrscheinlicher - die Verbform wird als „gnomischer Aorist“ verwendet und schildert das Verdorren der Blume als überzeitliches Gleichnis („So, wie wenn die Sonne aufgeht und der heiße Wind aufkommt und sie die Blume vertrocknen lassen..., wird auch der Reiche...“).
  2. Der verwendete Begriff kann sowohl für Hitze, als auch für sengend heißen Wind stehen. Aber die Hitze wird erst am frühen Nachmittag besonders drückend, während der heiße Wüstenwind den ganzen Tag über weht. Deshalb wurde diese Lösung vorgezogen (Blomberg 2008, 56).
  3. Alle präsentisch übersetzten Verben in diesem Vers stehen im Urtext im gnomischen Aorist.

12 Glücklich [ist] der Mensch (Mann)1, der eine Bewährungsprobe (Prüfung, Versuchung)2 [standhaft]3 erträgt, denn wenn (weil, indem)4 er sich [darin] bewiesen hat (bewährt), wird er den Siegeskranz des Lebens5 empfangen, den [Gott (Christus)]6 denen verheißen hat, die ihn lieben7.

  1. Die meisten Handschriften lesen hier „Mann“, jedoch mit klar generischer Bedeutung (Blomberg 2008, 69).
  2. Gemeint ist, wie oben, keine geistliche Versuchung, sondern allgemein eine Schwierigkeit, eine „Prüfung“ im Leben. S. Vv. 2-4 (Blomberg 2008, 69).
  3. Die Einfügung soll der Bedeutung des Verbs näher kommen.
  4. Adv. Ptz. Aor., temporal aufgelöst; alternativ auch kausal, modal. Wörtlich: „als ein erprobt (bewährt, tüchtig, angesehen) Gewordenener“.
  5. Gen. epexegeticus (NSS). „Siegeskranz, welcher das Leben ist“ (Blomberg 2008, 69).
  6. Viele Handschriften ergänzen an dieser Stelle zusätzlich als Subjekt „der Herr“ oder „Gott“; die schwierigere und kürzere (und damit wohl ursprüngliche) Lesart ist jedoch diejenige ohne explizites Subjekt (Johnson 1995, 188).
  7. Subst. Ptz., hier aufgelöst.

13 Niemand soll in einer Bewährungsprobe (niemand, der [gerade] versucht (geprüft) wird)1 sagen2, {dass}3: Ich werde von Gott auf die Probe gestellt (geprüft, versucht)! – denn Gott kann nicht vom Bösen auf die Probe gestellt (versucht) (zum Bösen versucht) werden4; er stellt selbst auch niemanden auf die Probe (versucht selbst auch niemanden).

  1. Wörtlich: „Kein Versuchter (Geprüfter, Auf-die-Probe-Gestellter)“ (Attr. Ptz. Präs.)
  2. 3. Sg. Imp.
  3. ὅτι recitativum.
  4. Die Bedeutung des Adjektivs ist an dieser Stelle nicht sicher zu ermitteln. Der Text ist auf zwei Arten deutbar: „Gott ist im [im] Bösen unerfahren“ oder „Gott ist des Bösen nicht versuchbar / ohne Versuchung / unversucht“. Hier wird der Genitiv „des Bösen“ als Gen. separationis gedeutet, Gott kann also nicht „zum Bösen“ versucht werden (Dibelius 111964, 122f.; Johnson 1995, 192f.; Mußner 1964, 87f.; NSS). Alternative Gen. der Richtung: „Gott kann nicht zum Bösen versucht werden“.

14 Vielmehr1 wird jeder auf die Probe gestellt (versucht), indem (weil, während, wenn) er von der eigenen Begierde fortgerissen und verlockt wird.2

  1. Diese Übersetzung von δὲ wurde gewählt, um den Argumentationsgang wie im Urtext aufrecht zu erhalten.
  2. Modale Auflösung zweier adv. Ptz. Alternativ kausal, temporal, konditional.

15 Daraufhin, wenn die Begierde schwanger geworden ist1, gebiert sie Sünde; und die Sünde, wenn sie ans Ziel gelangt (erwachsen geworden) ist2, gebiert Tod.

  1. Ptc. coni. Aor.; temporal aufgelöst.
  2. Eig. Futur. Die Alternative „erwachsen geworden“ passt in den Sinn der Metapher von der Begierde, dem Gebären und Erwachsenwerden der Sünde (Blomberg 2008, 72).

16 Lasst euch nicht täuschen1, meine geliebten Geschwister!

  1. Wörtlich: „Werdet nicht getäuscht“. Alternativ auch aktiv: „Täuscht euch nicht“.

17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt {herab} (ist) von oben1,2 vom Vater der Lichter3, bei dem es weder Veränderung noch Verfinsterung (Schatten) durch eine (nach einer) Wende4 gibt.

  1. Jakobus 3,15; Johannes 3,31
  2. Wörtlich: „von oben ist herabkommend vom...“ (Ptz. Präs. Akt.). Dabei ist nicht klar, ob „herabkommend“ zu „ist“ gehört oder einen abhängigen partizipiellen Nebensatz einleitet. Der erste Fall wurde hier angenommen; das Ptz. ist dann prädikativ und periphrastisch (so Dibelius, 111964, 130; Blomberg 2008, 73f.). Im zweiten Fall wäre das Ptz. entweder als kausales Ptc. coni.: „ist von oben, weil es … kommt“ (Mußner 1964, 91) oder attributiv zu verstehen: „ist von oben, welches … kommt“ (Johnson 1995, 196). Die periphrastische Deutung stützt sich auf die Wortstellung (Blomberg 2008, 74); für die als Nebensatz spricht, „daß es Jak nicht auf das ‚Herabsteigen‘ ankommt, sondern auf die Herkunft ‚von oben‘“ (Mußner 1964, 91).
  3. Gemeint sind wohl die Himmelskörper als natürliche Lichtquellen (vgl. Johnson 1995, 196).
  4. Wörtlich: „[der] Wende (Gen.) Verfinsterung“. Lt. BA war τροπῆ wohl einmal ein astrologischer Terminus technicus, der wohl „Sonnenwende“ bedeutete. Diese Denotation sei aber in der Koine verloren gegangen.

18 Aus [freiem] Willen (Weil er [es so] wollte)1 hat er uns [durch] das Wort der Wahrheit2 geboren, damit (um) wir gewissermaßen die Erstlingsgabe seiner Geschöpfe sind.

  1. Substantivische Auflösung eines kausalen oder modalen Ptz. Aor. Pass. (wörtlich „gewillt habend“).
  2. Dat. instrumentalis.

19 Denkt daran (Wisst [dies], Ihr wisst)1, meine geliebten Geschwister: Jeder Mensch soll schnell [dazu bereit] sein zuzuhören, [aber] langsam [bereit] zu sprechen [und] langsam [bereit] zum Zorn.

  1. So NSS. Wörtlich „Wisst“ (Imp.) oder „Ihr wisst“ (Ind., so Johnson 1995, 198). Hier als Imperativ gedeutet. Alternativ „Wisst dies:“ (Blomberg 2008, 85; Mußner 1964, 99).

20 Denn [der] Zorn eines Menschen1 bewirkt nicht [die] Gerechtigkeit vor Gott2.3

  1. Hier verwendet der Autor „Mann“ wieder im generischen Sinne als Synomym für „Mensch“ (Blomberg/Kamell).
  2. Gen. subi.: also die Gerechtigkeit vor Gott/nach der Gott urteilt. Kann umschrieben werden: „was vor Gott gerecht ist“ (So Lut, EU, NGÜ). Wörtlich „Gerechtigkeit Gottes“ (so bei RevElb, SLT).
  3. Alternativ nach NSS: „erfüllt nicht die von Gott gesetzte Gerechtigkeit.“

21 Deshalb legt alle Unsauberkeit und übermäßige Schlechtigkeit1 ab [und]2 nehmt das eingepflanzte Wort, das eure Seelen zu retten vermag, in Bescheidenheit3 auf.

  1. Wörtlich: „[alles] Übermaß der Schlechtigkeit“. Die Bedeutung ist eindeutig nicht „alle Schlechtigkeit, die ihr übrig habt“, sondern „von der es so viel gibt“.
  2. Das Verb des ersten Satzteils ist ein Ptz. Aor., das sowohl vorzeitig, als auch gleichzeitig gedeutet werden kann. Deshalb alternativ: „Nachdem/Wenn/Weil ihr ...abgelegt habt“.
  3. Oder: „in Freundlichkeit“. Weil dieser Teil im Griechischen zwischen genau zwischen den beiden imperativischen Teilsätzen steht, ist seine Zuordnung nicht ganz klar. Die meisten Übersetzer beziehen es jedoch auf den zweiten Teil (So auch bei Blomberg/Kamell).

22 Aber werdet Täter [des] Wortes und nicht nur [seine] Hörer, die sich selbst betrügen1!

  1. Attr. od. adv. (modales) Ptz.

23 Denn wenn jemand Hörer [des] Wortes ist, aber1 nicht [sein] Täter, gleicht dieser einem Mann, der sein natürliches Gesicht2 in einem Spiegel betrachtet34

  1. Adversatives καί, das entsprechend wiedergegeben wurde.
  2. Oder: „natürliches Aussehen“ (So NSS). Wörtlich: „Aussehen/Gesicht der Schöpfung“. Dabei handelt es sich um einen Semitismus, der auch einfach mit „Gesicht“ übersetzt werden kann.
  3. Attr. Ptz. Das Wort meint nicht ein flüchtiges, sondern ein genaues Betrachten (Blomberg/Kamell). Spiegel in der Antike waren gewöhnlich aus poliertem Metall. Denkbar ist ein Bezug, wonach man sich darin nicht besonders gut erkennen konnte, deshalb musste man schon genauer hinschauen. Andererseits cf. 2Kor 3,18, wo von einem ziemlich klaren Spiegel gesprochen zu werden scheint. Eine kommunikative Übersetzung könnte darum „studiert“ lauten. So auch im nächsten Vers.
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

24 denn er betrachtet sich1 und geht weg und vergisst sofort, wie er aussah2.

  1. Die ersten drei Verben dieses Satzes stehen eigentlich im gnomischen Aorist/Perfekt.
  2. Wörtlich: „wie er beschaffen war“

25 Wer sich aber in [das] vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft1 und dabei bleibt2, indem er kein vergesslicher Hörer3, sondern ein Täter des Werkes [Gottes] wird4, der wird durch sein Tun (in seinem Tun) selig sein.

  1. Wörtlich: „vorbeugt“. Alternativ vorzeitig: „vertieft hat“. Hier wieder gnomisch gedeutet.
  2. Oder vorzeitig: „geblieben ist“
  3. Gen. qualitatis. Wörtlich: „Hörer der Vergesslichkeit“
  4. Oder vorzeitig: „geworden ist“. Das modale Ptz. Aor. Pass. lässt sich analog zu den vorhergehenden Verben verschieden auflösen.

26 Wenn jemand gottesfürchtig (fromm) zu sein scheint (meint), aber [dabei]1 seine Zunge nicht im Zaum hält, sondern sein Herz betrügt2, dessen Gottesverehrung [ist] wertlos.3

  1. Eingefügt, um die durativ-iterative Bedeutung des aufgelösten attr. Ptz. Präs. besser zu erfassen.
  2. Attr. Ptz. Präs.
  3. Indefiniter Konditionalsatz.

27 Reine und unbefleckte Gottesverehrung vor [unserem] Gott und Vater besteht darin1, Waisen und Witwen in ihrer bedrängten Lage zu besuchen [und] sich selbst vor der Welt unbefleckt (fehlerlos, makellos, untadelig) zu bewahren.

  1. Wörtlich: „ist dies“

Chapter 2

1 1 Meine Geschwister (Brüder, Brüder [und Schwestern]), habt den Glauben [an] unseren Herrn2 der Herrlichkeit3, Jesus Christus, nicht in Parteilichkeit!

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Wörtlich: „Glauben unseres Herrn“. Gen. subi.
  3. Im Urtext: „unseren Herrn Jesus Christus der Herrlichkeit“. Es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten: 1. als Gen. qualitatis: „unseren herrlichen Herrn Jesus Christus“ (Dibelius, Johnson). In manchen Übersetzungen zu finden. 2. Grammatikalisch möglich, wenn auch im Rest der Bibel nicht anzutreffen wäre die Deutung als Apposition – der „Herr Jesus Christus“ würde also als „Herrlichkeit“ bezeichnet. Blomberg/Kamell ziehen diese Übersetzung vor. 3. als Gen. obiectivus; dann Glauben an die „Herrlichkeit des Herrn...“. 4. Als Titel Jesu, dann „Herrn Jesus Christus der Herrlichkeit“ (Bauckham). 5. Als attributiver Genitiv, wie hier gewählt (Mußner). Das erscheint am natürlichsten, außerdem haben sich die Übersetzer aller wichtigen deutschen Bibelübersetzungen für diese Variante entschieden. Nur Menge differenziert: „unsern Herrn Jesus Christus, (den Herrn) der Herrlichkeit“. Die nächstbeste Lösung ist wohl Option 1.

2 Denn wenn in eure Synagoge1 ein Mann mit goldenen Ringen an den Fingern2 in prächtiger3 Kleidung kommt, {es kommt} aber auch ein Armer in schmutziger Kleidung,

  1. Oder neutraler „Versammlung“, dann wohl als christlicher Gottesdienst (cf. Dibelius, Mußner, Johnson, Blomberg/Kamell). Blomberg sieht hier eine christliche Gerichtsszene. So werde in Vv. 1-4 Gerichtssprache verwendet. Weiter verwende der Autor συναγωγή und nicht ἐκκλησία (wie in 5,14) – das wäre der einzige Fall im NT, wo das Wort einen christlichen Gottesdienst meint. Auch könne der Autor auf 3. Mose 19,15 angespielt haben, was wieder auf eine Gerichtssituation hinweisen könnte. Und in V. 6 wird erwähnt, wie die Reichen die Armen verklagen. Andererseits könne der Gebrauch von συναγωγή auf den jüdischen Kontext oder ein frühes Entstehungsdatum des Briefs hinweisen, und die Szene wäre sehr leicht auch in einem Gottesdienst vorstellbar (Blomberg/Kamell). Dibelius wendet aber ein, dass es nicht als Beleg für einen jüdischen Hintergrund herhalten kann.
  2. Auf Griechisch ein einziges Adjektiv, „goldfingrig“.
  3. Wörtlich: „strahlender“, „glänzender“

3 und (doch) ihr kümmert euch um denjenigen, der die prächtige Kleidung trägt1, und sagt: Setze du dich hier auf den guten Platz2!, doch (und) zu dem Armen sagt ihr: Stelle du dich [dorthin] oder setze dich da3 unten [auf] meinen Fußschemel!,

  1. Subst. Ptz.
  2. Wörtlich: „hierher [auf diesen] gut[en Platz]“
  3. Variante im Urtext: ἐκεῖ („da“) steht in manchen Handschriften hinter κάθου („setze dich“). Übersetzung dann: „Du stehe oder setze dich dort...“ (gefunden im NSS; sollte noch belegt werden).

4 habt ihr da nicht in eurem Inneren (in eurem Herzen; untereinander)1 unterschieden2 und seid Richter [mit] böser Gesinnung3 geworden?4

  1. Wörtlich „in euch selbst“ oder „untereinander“. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich für die reziproke Deutung. So etwa Menge: „seid ihr da nicht in Zwiespalt (oder: Widerspruch) mit euch selbst geraten“. HfA: „Habt ihr da nicht mit zweierlei Maß gemessen.“
  2. Dasselbe Wort wird weiter oben für „zweifeln, Bedenken haben“ verwendet, kommt hier aber in seiner Grundbedeutung vor.
  3. Wörtlich „Richter schlechter Gedanken“. Kann auch als „eine schlechte Entscheidungen fällen“ interpretiert und frei übersetzt werden (NSS). Die „Gesinnung“ kann sowohl für „leise“ wie „laute“ Gedanken stehen (Blomberg/Kamell).
  4. Vv. 2-4 sind ein gewöhnlicher, prospektiver Konditionalsatz.

5 Hört, meine geliebten Geschwister (Brüder, Brüder [und Schwestern]): Hat (Erwählt nicht) Gott sich nicht die [in den Augen] der Welt1 Armen [dazu] erwählt2, [um] Reiche im (durch den) Glauben und Erben des Reiches [zu sein]3, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?

  1. „[in den Augen] der Welt“: Hier als „ethischer Dativ“ (Blomberg/Kamell) interpretiert, was das Augenmerk nicht auf ihre materielle Armut, sondern ihre niedrige Stellung lenkt. Möglich wäre auch die Deutung als lokaler („die Armen, die in der Welt sind“) oder „Dativ der Hinsicht“ („die Armen in Hinsicht auf weltliche Güter“).
  2. Der Aorist könnte gnomisch sein. Dann: „Erwählt Gott nicht...?“ (Blomberg/Kamell).
  3. Alternativ: „als Reiche...“. LUT bezieht „erwählt“ auch auf die „Reichen“ und „Erben“.

6 Doch ihr habt den Armen verachtet (verächtlich behandelt). Unterdrücken (Behandeln ... gewalttätig) euch nicht die Reichen, und schleppen [nicht]1 sie euch vor Gericht?

  1. Das οὐχ am Satzanfang bezieht sich auch auf dieses Verb.

7 Lästern nicht [gerade] sie den guten Namen, der über euch ausgerufen wurde?

8 Wenn ihr wirklich [das] königliche Gesetz gemäß der Schrift erfüllt, „Liebe1 deinen Mitmenschen (Nächsten) wie dich selbst!“,2 [dann] handelt ihr gut (richtig)3.4

  1. Eigentlich ein Futur; drückt ein besonders starkes Gebot aus.
  2. Levitikus 19,18
  3. Das Adverb καλῶς bezeichnet hier das moralisch Richtige. In V. 3 bezeichnet es dagegen einen angemessenen, bequemen Sitzplatz...
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

9 Wenn ihr aber bestimmte Menschen bevorzugt („parteiisch handelt/urteilt“, „die Person anseht“1), begeht ihr Sünde, indem ihr vom Gesetz als Übertreter2 überführt werdet3.4

  1. so NSS
  2. So wörtlich. Lt. B/A hier auch „Sünder“.
  3. Modale Auflösung des Ptc. coni. Möglicherweise auch kausal („weil … ihr überführt werdet“) bzw. einfach mit „und“
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

10 Denn wer das ganze Gesetz einhält (bewahrt), aber in einem [einzigen Punkt (Gebot)] strauchelt1, ist [dadurch an] allen [Geboten] schuldig geworden2.

  1. Bedeutung: „auch nur gegen ein Gebot verstößt“
  2. Hier steht im Urtext ein Pf., das das Resultat einer Handlung betont; daher die Einfügung „[dadurch]“.Es ist unklar, ob mit „in Einem“ – „in Allen“ einzelne Gebote oder ähnliche Bereiche gemeint sind.

11 Denn derjenige, der sagte: „Brich die Ehe nicht!“, der sagte auch: „Morde nicht!“12 Wenn du aber [jetzt zwar] keinen (nicht) Ehebruch begehst, aber mordest, bist du [dadurch] ein Gesetzesbrecher geworden3.4

  1. Exodus 20,13
  2. Aus 2. Mose 20,14.13. Beide Gebote stehen hier im prohibitiver Konjunktiv, während sie in der LXX – analog zum Hebräischen – im verneinten Futur stehen, was eine ähnlich starke Verneinung ist. Hier also etwas sinngemäßer wiedergegeben.
  3. Hier steht im Urtext ein Pf., das das Resultat einer Handlung betont; daher die Einfügung „[dadurch]“.
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

12 Sprecht {so} und handelt {so} wie [Menschen] (als [solche]), die einmal nach1 dem Gesetz der Freiheit gerichtet (werden wollen)2.

  1. Wörtlich „durch“. Alternativ „anhand“, „auf Grundlage“.
  2. Attr. Ptz.

13 Denn das Gericht [ist] („[soll … sein]“, „[wird … sein]“) unbarmherzig [gegenüber] demjenigen, der keine Barmherzigkeit geübt hat – [die] Barmherzigkeit triumphiert über [das] Gericht.

14 Was nützt es,1 meine Geschwister, wenn jemand Glauben zu haben behauptet, aber keine Werke hat?2 Vermag der Glaube etwa, ihn zu retten?

  1. Wörtlich: „Was [ist] der Nutzen“.
  2. Prospektiver Konditionalsatz.

15 Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt (dürftig gekleidet) sind und ihnen die tägliche Nahrung fehlt,

16 aber einer von euch zu ihnen sagt: „Geht hin in Frieden1, wärmt euch und esst euch satt!“, aber ihr gebt ihnen nicht, was für den Leib erforderlich ist2, was nützt das3?4

  1. Griechischer Abschiedsgruß. Lt. B/A entspricht das etwa dem Dt. »Bleiben Sie gesund!«. Alternativ sicher auch »Leb wohl!« o. ä.
  2. Vulgo: „was sie zum Leben brauchen“, „das Lebensnotwendige“
  3. Wörtlich: „Was [ist] der Nutzen“ (cf. 14).
  4. Vv. 15-16: Wieder ein prospektiver Konditionalsatz.

17 So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke [zur Folge] hat, für sich allein tot.1

  1. Prospektiver Konditionalsatz.

18 Aber jemand wird sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke – zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken meinen Glauben zeigen.1

  1. Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie weit die direkte Rede reicht. Davon ist die Bedeutung der Stelle abhängig. Blomberg zählt verschiedene Möglichkeiten auf: 1. Lässt Jakobus hier einen fiktiven Gegner zu Wort kommen? 2. Wie weit verläuft seine Rede? 3. Kommt dazu noch ein fiktiver Verbündeter? 4. Oder handelt es sich um einen fiktiven, etwas langsamen Zuhörer, der weiterer Erklärung bedarf? (So bei Bauckham; von Blomberg unberücksichtigt.) 5. Denkbar wäre auch, „Du hast Glauben?“ als Frage zu formulieren; alles weitere wäre dann die Antwort des Autors. Blomberg entscheidet sich dafür, dass der Autor indirekte Rede verwendete – das „ich“ beziehe sich also auf ihn, das „du“ auf sein Gegenüber (Blomberg/Kamell).

19 Du glaubst, dass es [nur] einen Gott gibt1 – Du hast recht!2 Auch die Dämonen glauben [das] und zittern (schaudern)!

  1. Wörtlich „dass nur [einer] Gott ist?“. Alternativ als Frage: „Glaubst du, dass es nur einen Gott gibt?“
  2. Wörtlich: „Du handelst gut/richtig!“

20 Willst du [wohl] einsehen1, o törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?

  1. Oder in Form einer echten Frage: „Willst du wissen/einsehen...“ (so bei Blomberg/Kamell).

21 Wurde nicht Abraham, unser Vater, aufgrund [seiner] Werke für gerecht erklärt (freigesprochen1), als er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar [als Opfer] darbrachte2?

  1. Von B/A präferiert.
  2. Hier temporale Auflösung des attributiven Ptz. Alternativ modal „indem er … darbrachte“, möglicherweise auch kausal „weil/da“. Neben der gleichzeitigen Übersetzung kann das Ptz. Aor. auch vorzeitig übersetzt werden.

22 Du siehst, dass der Glaube mit seinen1 Werken zusammenwirkte2 und durch die3 Werke der Glaube zur Vollendung gelangte,

  1. I.e. Abrahams.
  2. Imperfekt; mit durativer/iterativer Bedeutung; hier vielleicht als schrittweise Prozess zu deuten.
  3. Oder dem Kontext nach „[seine]“.

23 und die Schrift wurde erfüllt, die besagt1: „Abraham {aber} glaubte Gott, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“2, und er wurde „Freund Gottes“ genannt.

  1. Attr. Ptz.
  2. Genesis 15,6; Galater 3,6; Römer 4,3; Römer 4,22

24 Ihr seht, dass [der] Mensch aufgrund seiner Werke für gerecht erklärt (freigesprochen1) wird und nicht aufgrund [des] Glaubens allein.

  1. So B/A.

25 Wurde {aber} nicht genauso auch die Prostituierte Rahab aufgrund von Werken für gerecht erklärt (freigesprochen1), als sie die Boten gastlich aufnahm und [auf] einem anderen Weg2 hinausführte?3

  1. So B/A.
  2. Dat. modi.
  3. Hier temporale Auflösung zweier Ptc. coni. Alternativ auch modal: „indem“ oder kausal: „weil“

26 Denn genau wie der Körper ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Chapter 3

1 1 Nicht viele [von euch sollen] Lehrer werden,2 meine Geschwister, denn ihr wisst,3 dass wir [Lehrer] ein strengeres Urteil empfangen werden.

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. In der deutschen Übersetzung ist es schwierig, die beiden Teile des Imperativs, „nicht viele [von euch]“ („[von euch]“ impliziert durch die Form des Verbs) und „werdet Lehrer“ zusammenzubringen. Die eheste wörtliche Entsprechung wäre „Nicht viele [von euch] werdet Lehrer[!]“. Als die nächstliegende Auflösung erschien die Umwandlung in einen indirekten Befehl.
  3. Kausal aufgelöstes attributives Ptz. Hier bieten sich wohl keine alternativen Sinnrichtungen zur Auflösung an.

2 Denn wir alle straucheln (stoßen an)1 vielfach (in vieler Hinsicht). Wenn jemand beim Reden2 nicht strauchelt, [ist] er ein vollendeter (reifer, erwachsener) Mensch (Mann)3, fähig, auch den ganzen Körper zu zügeln (in Zaum zu halten).4

  1. Im geistlichen Sinn auch als „fehlen“, „sündigen“. Vorgeschlagene Bedeutung hier: „wir alle begehen viele Sünden“ (B/A, NSS).
  2. Wörtlich: „im Wort“
  3. Generisches Maskulinum.
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

3 {aber} Wenn wir den Pferden1 {das} Zaumzeug (Zügel) ins Maul2 legen, damit sie uns gehorchen,3 dann4 lenken wir ihren ganzen Körper.5

  1. Ursprünglich ein Genitiv.
  2. Ursprünglich im Plural.
  3. Auflösung eines „εἰς τὸ“ + Inf.
  4. Konsekutives καί.
  5. Indefiniter Konditionalsatz.

4 Seht (Siehe) auch die Schiffe: Obwohl sie so groß sind und von rauen Winden getrieben werden,1 werden sie von einem winzigen2 Steuerruder gelenkt, wohin die Absicht (Drang, Eifer, Trachten)3 des Steuermanns wünscht.

  1. Im Urtext zwei Ptc. coni., hier konzessiv aufgelöst.
  2. Wörtlich „von [dem] kleinsten“. Muss hier elativisch verstanden werden: „sehr klein“, „winzig“
  3. Eine gute kommunikative Übersetzung könnte „Belieben“ sein.

5 So ist auch die Zunge ein kleines Glied und prahlt [doch mit] großen [Dingen]. Seht (Siehe), welch kleines Feuer welch großen Wald (Holz) anzündet!

6 Auch die Zunge [ist] ein Feuer: [Als] die Welt des Unrechts1 steht2 die Zunge unter unseren Gliedern da;3 sie, die den ganzen Körper beschmutzt und das Rad4 des Werdens5 in Brand setzt,6 wird [selbst] von der Hölle7 in Brand gesetzt.8

  1. Gen. qualitatis. Kommunikativ kann „Welt voller Unrecht“, „von Unrecht beherrschte Welt“, etc. übersetzt werden.
  2. Wörtlich „sich hinstellen“ (cf. 4,4). Die Form kann sowohl medial (Blomberg/Kamell), als auch passivisch (Mußner, Johnson, NSS) sein. Die mediale Deutung betont die Rolle der Zunge, die passivische diejenige Gottes oder ähnlicher Größen. Weil letztere Lösung aber Fragen offen ließe, entscheidet sich Blomberg für eine mediale Deutung. Johnson präferiert im Blick auf 4:4 die passivische Lösung. Meine Übersetzung (nach einem Vorschlag im NSS) lässt das Problem ein Stück weit offen, weil sie sich auf das Ergebnis konzentriert („dastehen“ kann das Resultat des Hinstellens oder des sich Hinstellens sein). Alternativ zu „dastehen“ kann auch übersetzt werden: „sich erweisen als“ (NSS), „sich darstellen“ (Dibelius), „sich machen/ernennen zu“ (Blomberg/Kamell, Johnson, B/A). Der überlieferte Text ist an dieser Stelle vermutlich fehlerhaft (Dibelius, B/A).
  3. Oder „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt des Unrechts unter unsere Glieder gesetzt.“ (Mußner, Martin (zitiert bei Blomberg/Kamell).) Dazu wäre alternative Zeichensetzung vonnöten: Statt dem Semikolon (hochgesetzter Punkt) wie im NTG wäre dann hinter „πῦρ“ ein Komma zu setzen. Dadurch könnte der zweite Satz des Verses als Apposition verstanden werden: „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt des Unrechts unter unsere Glieder gesetzt.“ Diese Variante sei u.a. von der TNIV und in früheren Edition des UBS-Testaments gewählt worden (Blomberg/Kamell).
  4. Je nach Akzentsetzung entweder „Rad“ oder „Bahn/Kurs“; bezeichnet allgemein etwas Rundes (Johnson; dort auf Englisch „course“; von mir entsprechend übersetzt).
  5. NSS: „Rad des Werdens/Daseins, hier wohl sprichwörtl. für Umkreis des Lebens (Mußner, Jak, S. 164f), Lebenslauf“. Aus „dem Sprachgebrauch der orphischen Mysterien“ (B/A) (cf. Dibelius, Kittel) → „Rad des Werdens“, „Lebenslauf“; klares Zeugnis für griechischen Einfluss (Johnson). Blomberg merkt an, dass der Begriff zur Abfassungszeit wohl schon abgegriffen war und hier nicht zu technisch gesehen werden sollte (seine Übersetzung: „Lauf des Daseins/der Existenz“). Menge: „das (rollende) Rad des Seins (d.h. den ganzen Lauf des Lebens = die ganze Lebensbahn)“, LUT „die ganze Welt“, ELB „Lauf des Daseins“, SLT „Umkreis des Lebens“, NGÜ „die ganze menschliche Existenz“, GNB „unser Leben von der Geburt bis zum Tod“.
  6. Auflösung zweier attributiver Partizipien als Relativsatz.
  7. Oder „Gehenna“. Hier werden die sehr semitischen Wurzeln des Schreibens offensichtlich.
  8. Das dritte attr. Ptz. Präs., hier im Pass., scheint semantisch von den übrigen getrennt zu sein. Alternativ: „sie beschmutzt ... und ... setzt ... in Brand und wird...“. Wörtlich: „die ... beschmutzende ... und ... in Brand setzende ... und ... in Brand gesetzt werdende.“

7 Jede1 Art [der] Säugetiere2 wie auch [der] Vögel, [der] Kriechtiere wie auch [der] Meerestiere wird gezähmt und ist [durch] die menschliche Art (Natur)3 gezähmt worden4,

  1. Dieses unbestimmte „πασα“ kann auch allgemeiner als „alle möglichen...“ übersetzt werden.
  2. Eigentlich nur „Tiere“; im Kontrast zu den anderen Tierarten im Kontext muss hier jedoch genauer übersetzt werden. Möglich: „Vierfüßler“ (B/A), „Säugetiere“, „Landtiere“, „vierfüßige Tiere“ (NSS).
  3. Dat. auctoris.
  4. Hier steht im Urtext ein Pf., das „worden“ tritt also hinter das Resultat des „ist“ zurück.

8 aber die Zunge vermag kein Mensch1 zu bändigen, [das]2 ruhelose (unruhige3, unkontrollierte4, wankelmütige5) Übel, voller tödlichen (todbringenden) Gifts.

  1. Gen. partitivus. Wörtlich: „keiner/niemand [der] Menschen“
  2. Alternativ: „[sie ist] ein“
  3. B/A
  4. Blomberg/Kamell
  5. Cf. 1,8

9 Mit ihr1 loben (reden wir gut von) wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen die Menschen, die nach der Ähnlichkeit (Gleichheit, Übereinstimmung. Klassisch: Bild, Ebenbild) Gottes erschaffen sind2:3

  1. Instrumental (NSS). Wörtlich: „Durch sie“. Analog später im Vers.
  2. Attr. Ptz. Pf. Pass. Das griechische Pf. wurde hier, wie es seiner Bedeutung am ehesten entspricht, als Zustandsperfekt übersetzt.
  3. Frei zitiert nach 1 Mose 1,26f.

10 aus demselben Mund kommt Segen und Fluch. Es darf nicht sein, meine Geschwister, [dass]1 dies so geschieht!

  1. Auflösung eines AcI.

11 Lässt etwa die Quelle aus derselben Öffnung süßes und bitteres [Wasser]1 quellen?

  1. Wörtlich: „das Süße und das Bittere“

12 Meine Geschwister, kann etwa ein Feigenbaum Oliven hervorbringen, oder ein Weinstock Feigen? Auch eine salzige [Quelle]1 [kann] kein Süßwasser2 hervorbringen.

  1. Wörtlich: „das Salzige“
  2. Wörtlich: „süßes Wasser“

13 Wer [ist] weise und kundig (verständig, gebildet)1 unter euch? Er soll durch2 {die} gute Lebensführung seine Werke in (durch) Bescheidenheit (Demut, Sanftmut)3 [aus] Weisheit4 erweisen (muss erweisen5)6!

  1. Die Bedeutung des Wortes ist die von anwendbarer Kundigkeit (Blomberg/Kamell). Kommunikativ vielleicht „erfahren“.
  2. Wörtlich: „aus“
  3. ie eigentliche Bedeutung ist wohl die eines „sanften Charakters“ im Gegensatz einem aufbrausenden Charakter (cf. Louw/Nida).
  4. Wörtlich „Bescheidenheit [der] Weisheit“; Gen. pertinentiae, also „Bescheidenheit, die von Weisheit kommt“.
  5. Blomberg/Kamell.
  6. Da der deutsche Imperativ in der 3. Person nicht vorkommt, muss mit „soll“ oder „muss“ umschrieben werden.

14 Aber wenn ihr bittere Eifersucht und Selbstsucht in eurem Herzen habt, rühmt euch nicht1 und lügt [nicht] wider die Wahrheit!2

  1. Dies ist ein Imperativ Präsens. Im Gegensatz zum unmarkierten Imp. Aor. kann dieser auch die Bedeutung „hört auf, … zu tun“ haben. Blomberg merkt hier an, dass diese Bedeutungsnuance nicht unbedingt vorkommen muss.
  2. Indefiniter Konditionalsatz.

15 Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt1, sondern [ist] irdisch, weltlich, natürlich2 [und] dämonisch.

  1. Attributive Auflösung. Wörtlich „ist … herabkommend“. Alternativ periphrastisch: „Diese Weisheit kommt nicht von oben herab...“
  2. So Dibelius u.a.; bei ihm Herleitung aus Parallelen zur gnostischen Frömmigkeit. Wörtlich „seelisch“. Im NT wird der Begriff aber nur für das Diesseitige im Gegensatz zum Geistlichen verwendet (B/A, Dibelius, Johnson). Oder „irdisch gesinnt“ (NSS), „sinnlich“ (Menge, ELB; aber missverständlich, da es hier eben nur um den Kontrast zum Geistlichen geht), „niedrig“ (LUT), „eigennützig“ (EU). Kommunikativ vielleicht „weltlich/diesseitig ausgerichtet“.

16 Denn wo [immer es] Eifersucht und Selbstsucht [gibt], dort [gibt es] Unordnung (Unruhe) und jede [Art von]1 gemeinem (niederem, schlimmem)2 Tun (Sache, Tat; Rechtsstreit3).

  1. Nach der Bedeutung dieses unbestimmten „πάν“ eingefügt (Johnson).
  2. Der Begriff drückt Niedrigkeit, Gemeinheit, Gewöhnlichkeit in einem sehr negativen Sinn aus (Johnson).
  3. Johnson

17 Doch die Weisheit, [die] von oben [kommt], ist {zwar} zuerst rein, dann friedfertig, gütig (nachgiebig, milde), folgsam (belehrbar, gehorsam1), voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch [und] ohne Heuchelei.

  1. LUT u.a. (SLT, NGÜ): „lässt sich etwas sagen“

18 Und (aber)1 [die] Ernte2 [der] Gerechtigkeit3 wird in Frieden gesät für4 jene, die Frieden stiften5.

  1. Hier als koordinierender Textkonnektor (Blomberg/Kamell). Alternativ adversativ. Könnte auch einen leichten Kontrast als Aufruf zum Handeln darstellen (Johnson).
  2. So Blomberg/Kamell. Wörtlich „Frucht“.
  3. Wohl ein Gen. subiectivus: die Frucht ist Gerechtigkeit.
  4. Hier als Dat. commodi verstanden (Dibelius, Johnson, Blomberg/Kamell). Alternativ als Dat. auctoris: „von jenen, die...“. Dann käme aber der Frieden doppelt vor (Dibelius).
  5. Attributives/substantiviertes Ptz.

Chapter 4

1 1 Woher [kommen] denn die Kämpfe (Kriege, Streitereien), und woher der Streit2 unter euch? [Kommen sie] nicht von3 euren Gelüsten, die [ständig] in euren Gliedern streiten4?

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Wörtlich: „die Streite“
  3. Wörtlich: „[Kommen sie] nicht daher: aus euren...“. Alternativ: „[Kommen sie] nicht daher, dass eure Gelüste...“
  4. Der deutsche Relativsatz stellt die Auflösung eines attributiven Ptz. Präsens dar. Wegen der möglichen iterativen/durativen Aspektbedeutung des griechischen Ptz. Präsens wurde „[ständig]“ eingefügt. Möglich wäre etwa auch „unaufhörlich“, „unausgesetzt“, etc.

2 Ihr begehrt und habt [doch]1 nicht, ihr mordet (tötet; beneidet)2 und seid eifersüchtig und könnt [doch] nichts3 erreichen; ihr kämpft (streitet, zankt) und führt Kriege (kämpft); ihr habt nicht, weil ihr nicht (nichts) für euch bittet (fordert)4;5

  1. Hier (wie weiter unten im Vers) wurde das „doch“ eingefügt, um den adversativen Charakter der Konjunktion zu unterstreichen.
  2. Dieses Wort will sich nicht so recht in den Kontext einfügen, schon gar nicht in ein Paar mit „ihr seid eifersüchtig“. Eine Vergeistlichung oder Abschwächung des Begriffs würde Schwierigkeiten aufwerfen. Blomberg schlägt darum eine alternative Zeichensetzung vor, die den Vers nach „φονεύετε“ trennt. So käme man zu zwei Wortpaaren, die ein drittes zur Folge haben: „Ihr begeht und habt [doch] nicht, [also] mordet ihr“ Das Problem dieser Auslegung ist, dass sie 1. „φονεύετε“ immer noch nicht erklären kann (Dibelius), 2. dass der konsekutive Zusammenhang schwer im Text zu finden wäre. Dibelius u.a. vermuten eine Textverderbnis und lesen „φθονεῖτε“ („ihr beneidet“), einen semantischen Nachbarn von „ζηλοῦτε“ („ihr begehrt“). Johnson wendet sich dagegen und schließt sich Blomberg an. In unserer Übersetzung bleibt das Problem bewusst offen (cf. Mußner).
  3. Wörtlich „nicht“. Bei allen Erwähnungen von „nicht“ in Vv. 2f. bleibt das Objekt im Text unerwähnt. Das macht beim Übersetzen manchmal das Einsetzen von „nichts“ erforderlich.
  4. Das Wort steht im Medium; alternativ könnte es auch als „weil ihr selbst nicht bittet“ verstanden werden (Blomberg/Kamell). Dibelius ignoriert das Medium ganz, Mußner lässt offen. Selbiges gilt für 3b.
  5. Alle Verben der 2. Ps. Pl. im Vers stehen im Präsens. Der Text deutet damit an, dass dies ein Vorgang ist, der unablässig bzw. immer wieder zu beobachten ist.

3 ihr bittet und erhaltet [doch] nichts1, weil ihr [in] böser [Absicht]2 für euch bittet (fordert), um (damit) [es] für eure Gelüste auszugeben.

  1. Wörtlich „nicht“. Vgl. dritte Fußnote in V. 2.
  2. Wörtlich „böse“, „schlecht“ (Adverb). Im Deutschen muss umschrieben werden; der letzte Satzteil macht klar, dass das Adverb sich auf böse Hintergedanken bezieht. Denkbar auch „[mit] bösen [Hintergedanken]“ u.ä. oder schlicht „falsch“ (so Blomberg/Kamell).

4 [Ihr] Ehebrecher1, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft (Liebe) [zur] Welt Feindschaft [mit] Gott ist? Also erweist (macht) sich2 jeder, der3 ein Freund der Welt sein will, [als] Feind Gottes.

  1. Wörtlich „Ehebrecherinnen“. Es ist unklar, warum hier die weibliche Form gewählt wurde. In einem semitischen Schreiben wie Jak ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass der Autor auf atl. Prophezeiungen anspielt, in denen Israel als Ehebrecherin bezeichnet wird. Alternativ könnte sich die feminine Form auch auf die Gemeinde als Braut Christi beziehen, die durch die Freundschaft mit der Welt Ehebruch begeht (nach Blomberg/Kamell cf. Dibelius, Johnson).
  2. Wörtlich „stellt sich hin“ (cf. 3,6). Auch hier kann die Form sowohl medial, als auch passiv sein. Das Medium würde die Rolle des Menschen hervorheben, das Passiv die zwingende Konsequenz: Ein Freund der Welt muss dann zwangsläufig ein Feind Gottes sein. Beides erscheint plausibel; hier wurde die Auflösung als Medium gewählt, die wie in 3,6 etwas plausibler erscheint. Weitere Übersetzungsmöglichkeiten: „macht sich“ (B/A, Blomberg), „stellt sich auf“, „erweist sich“ (NSS), „wird“ (falls passiv; NSS).
  3. Oder: „Wer immer also ... sein will, erweist...“

5 Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst sagt: Eifersüchtig1 verlangt [es] ihn [nach] dem Geist,2 den er in uns wohnen ließ,3

  1. Wörtlich: „Zur Eifersucht“ = „eifersüchtig“ (nach NSS).
  2. So die meisten Übersetzer. Alternativ: „Der Geist, den ..., verlangt eifersüchtig“ → „Der Geist ... hat ein eifersüchtiges Verlangen“. Diese Deutung wird von einer Minderheit vertreten (SLT, Luther 1912, NIV, NET, cf. NET Fußnote 4 zu 4,5). Oder: „Den [menschlichen] Geist verlangt es nach Eifersucht“ (nach Maier). Dies würde den Übergang zu V. 6 deutlich natürlicher machen.
  3. Oder „dem er in uns eine Wohnung gab“. Der byzantinische Text bezeugt hier „wohnt“ (Ein Unterschied von wenigen Buchstaben). Weil der vorher erwähnte Geist sowohl Subjekt als auch Objekt sein kann, stünde dann „der in uns wohnt“ (NET Fußnote 3 zu 4,5).

6 aber er gibt umso größere Gnade?1 Deswegen sagt sie [auch]: „Gott stellt sich den Hochmütigen entgegen, den Geringen (Unbedeutenden; Demütigen2) aber gibt er Gnade.“3

  1. Die Zuordnung des Zitats ist kaum möglich. Mußner vermutet ein Zitat aus einem unbekannten Apokryphon. Es gibt Anleihen an 2Mose 20,5, wo allerdings der Geist nicht erwähnt wird. Genauso umstritten ist die Länge des Zitats – wahlweise mit oder ohne 6a. Einige Kommentatoren glauben, dass 5a sich auf das bisher Gesagte bezieht, 5b also nicht das Zitat ist. Die Deutung hängt von der Interpretation von „Geist“ sowie, damit verbunden, dem Verständnis des Subjekts des Zitats ab. NA27 deutet – mit dem Fragezeichen am Ende von 6a – die längere Variante des Zitats an (Blomberg/Kamell). Andere vermuten einen ausschließlichen Bezug zum Schriftzitat in V. 6 (Dibelius, Johnson).
  2. Dann im Gegensatz zu den »Hochmütigen«
  3. Sprichwörter 3,34 nach der Septuaginta.

7 Also ordnet [euch] Gott unter, doch widersteht dem Teufel, dann (und) er wird von euch fliehen1;

  1. Hier medial, was sich aber nicht ohne Weiteres ins Deutsche übertragen lässt.

8 nähert euch1 Gott, dann (und) nähert er sich euch. Reinigt [eure] Hände, [ihr] Sünder, und läutert (reinigt, heiligt) [eure] Herzen, [ihr] Zweisinnigen2!

  1. B/A: „tretet vor Gott“. Mit dieser Übersetzung würde aber die parallele Übersetzung des zweiten Satzteils nicht funktionieren.
  2. Wörtlich: „Zweiseelige“ (cf. 1,8). Das heißt ungefähr: „mit geteiltem Herzen“ (SLT), „in seinem Innersten gespalten“ (NGÜ); einer, der in religiös-sittlicher Unentschiedenheit lebt (Mußner). Es ist das Gegenteil der Einheit Gottes, die im Brief betont wird und die nach Jak unser Ziel sein soll.

9 Seid bedrückt (wehklagt), {und} klagt (trauert) und weint! Euer Lachen soll sich in Trauer verwandeln1 und eure Freude in Niedergeschlagenheit!

  1. 3. Sg. Imp.

10 Demütigt (erniedrigt)1 euch vor [dem] Herrn, dann (und) wird er euch erhöhen!

  1. Wörtlich „Werdet erniedrigt“.

11 [Hört auf], einander zu verleumden (schlecht zu machen, schlecht über einander zu reden) (Verleumdet einander nicht)1, Geschwister! Wer [seinen] Bruder2 verleumdet oder seinen Bruder verurteilt3, der verleumdet [das] Gesetz und verurteilt [das] Gesetz — wenn du aber [das] Gesetz verurteilst, bist du nicht Täter [des] Gesetzes, sondern [sein] Richter.4

  1. Wörtlich: μή + Imperativ Präsens. Im Gegensatz zum unmarkierten Imp. Aor. fordert dieser häufig dazu auf, mit einer Handlung weiterzumachen bzw. aufzuhören, oder etwas immer wieder bzw. niemals zu tun. Dies ist aber nicht zwingend.
  2. Hier sind selbstverständlich auch die Schwestern (im Herrn) gemeint. Aus Gründen der Genauigkeit und Einfachheit wurde hier aber auf eine Paraphrasierung verzichtet. In der Lesefassung sollte man dann „oder seine Schwester“ hinzufügen oder „seinen Mitchristen“ daraus machen.
  3. Hier Auflösung zweier attributiver Partizipien. Alternativ kann substantiviert aufgelöst werden: „Der Verleumdende … der Richtende“ (wörtlich).
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

12 Einer ist1 der Gesetzgeber und Richter, der die Macht hat (vermag, kann) zu retten und zu vernichten. Du aber, wer bist du, der [du deinen] Mitmenschen (Nächsten) verurteilst2?

  1. Oder: „Es gibt einen...“
  2. Attr. Ptz.

13 Jetzt zu euch1, die ihr sagt2: „Heute oder morgen wollen3 wir in die oder die (diese oder jene) Stadt gehen und dort ein Jahr verbringen, {und} Handel treiben und Gewinn machen“;

  1. Wörtlicher: „Wohlan nun“ (B/A, NSS)
  2. Attr. Ptz.
  3. Alle folgenden Verben modales Futur: Eine Absichtserklärung (NSS).

14 die ihr ([als] solche, die)1 nicht wisst, wie euer Leben morgen [sein wird]2 — ihr seid nämlich3 Dampf (Rauch), der [nur] kurze Zeit sichtbar ist (sichtbar wird4)5 und dann (danach) verschwindet6.

  1. Mit kausalem Nebensinn: „da ihr nicht wisst...“ (NSS)
  2. Wörtlich „...wisst die [Dinge] des morgigen [Tages] wie {beschaffen} [ist] euer Leben“. Alternativ (unter Vernachlässigung der im NA27 gesetzten Interpunktion): „...wisst, [was] morgen [sein wird]. Was ist euer Leben?“
  3. Hier folgt die Übersetzung dem Standardtext (NA27). Gewichtige ständige Zeugen erster Ordnung stehen hier nebeneinander, sodass eine Entscheidung anhand innerer Kriterien (Standardtext als lectio brevior und difficilior) möglich ist, wenn auch unsicher. Eine inhaltliche Verschiebung ergibt sich nicht.
  4. B/A, NSS.
  5. Attr. Ptz.
  6. Wörtlich: „wird er unsichtbar gemacht“

15 Dagegen (stattdessen) [sollt]1 ihr sagen: „Wenn der Herr will, dann werden wir leben und dieses oder jenes tun.“2

  1. Hier steht im Griechischen ein τοὺ + Inf., was, wenn es unabhängig steht, imperativisch verwendet werden kann (Blomberg). Alternativ „statt dass ihr sagt“ (so REB).
  2. Spezieller (im Gegensatz zum generellen) prospektiver Konditionalsatz: Versuch der Berechnung der Folgen einer zukünftigen Handlung.

16 Nun (jetzt) aber rühmt ihr euch in1 euren Prahlereien. Alles (jede Art) deartige (solche) Rühmen ist böse!

  1. Vielleicht „mit“ (cf. NSS).

17 Also (nun)1 ist es [für den], der weiß (versteht2), [was] Gutes zu tun [ist] (Gutes zu tun weiß) und es nicht tut3, {ihm} Sünde.

  1. Der durch die Verwendung von „οὖν“ („also“) implizierte Zusammenhang zu den vorhergehenden Sätzen ist schwer zu erkennen. Der Zusammenhang besteht wohl zum vorhergehenden Text; alternativ auch zum darauffolgenden. Der Satz dient als Scharnier zwischen den beiden Textabschnitten, wobei er gleichzeitig recht allgemein formuliert ist. (Belege nötig.)
  2. Johnson.
  3. Beide Verben der 3. Ps. sind subst. Ptz.

Chapter 5

1 1 Wohlan nun, [ihr] Reichen, weint [und] heult2 über eure Nöte (Elende, Mühsale. Alternativ: „über euren Nöten“), die [euch] bevorstehen3.

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Modal aufgelöstes Ptc. coni.
  3. Das hier gebrauchte Ptz. Präsens hat normalerweise eine durative/iterative Aspektbedeutung, die hier vermutlich aber in den Hintergrund tritt.

2 Euer Reichtum ist vermodert1 und eure Gewänder sind [von] Motten zerfressen {worden}2.

  1. Hier und im Folgenden (bis einschließlich 3a) steht das Perfekt, das den Ist-Zustand hervorhebt. Hier wird es möglicherweise futuristisch gebraucht (NSS), analog zum hebräischen Perfekt. Durch die Hervorhebung des Zustands im griechischen Perfekt wird betont, dass der beschriebene Sachverhalt noch nicht eingetroffen ist, aber schon verbindlich festgelegt wurde.
  2. Wörtlich: „mottenzerfressen geworden“

3 Euer Gold und Silber sind verrostet1 und ihr Rost (Gift) wird [gegen] euch zum Beweis (Zeugnis) sein2 und euer Fleisch3 wie Feuer fressen. Ihr habt in den letzten Tagen [Reichtümer]4 gesammelt.

  1. Da Gold weder rostet noch anläuft, ist dies entweder eine stilistische Übertreibung oder es müsste alternativ etwa „angelaufen“ oder „matt/stumpf geworden“ heißen (Blomberg/Kamell).
  2. Kommunikativ: „dienen“
  3. Im Original im Plural.
  4. Durch das Verb impliziert (cf. B/A, NSS).

4 Seht (Siehe), der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abmähen1, der [ihnen] von euch vorenthalten wurde2, schreit,3 und die Schreie der Erntearbeiter sind zu den Ohren [des] Herrn Zebaot4 hingekommen.

  1. Attr. Ptz.
  2. Ptz. Pf. Pass.; attributives Ptz.
  3. Alternativ: „der [ihnen] vorenthalten wurde, schreit von euch...“
  4. Transkribiert „Sabaoth“. Alternativ auch mit Übersetzung des hebräischen Worts: „Herr der Heerscharen“

5 Ihr habt geschwelgt1 auf der Erde und üppig gelebt2, ihr habt eure Herzen am3 Schlachttag4 gemästet (ernährt, gefüttert),

  1. Oder kommunikativer: „habt ein üppiges Leben geführt“ (NSS)
  2. Oder kommunikativer: „habt euch dem Vergnügen hingegeben“ (NSS)
  3. Wörtlich: „an [einem]“
  4. Wörtlich „Tag der Schlachtung“. Dies kann sich konkret auf einen gewöhnlichen Schlachttag beziehen, der im Leben der Reichen sicherlich regelmäßig vorkam, spielt aber auf den Tag von Gottes Gericht an.

6 ihr habt den Gerechten1 verurteilt [und] ermordet (getötet),2 er leistet euch keinen Widerstand.3

  1. Die Deutung dieses Begriffs bestimmt, ob es sich um ein generisches Maskulinum oder ein bestimmtes Individuum handelt. In jedem Fall geht es hier um einen prototypischen „Gerechten“. „Der Gerechte“ bezeichnet im frühen Christentum häufig Jesus. Das größte Problem mit dieser Deutung ist jedoch, dass der letzte Satzteil im Präsens steht – was auf einen fortlaufenden oder kurz zurückliegenden Vorgang hinweist. Der Kontext weist aber eher auf Tagelöhner oder Leibeigene hin, die auf den täglichen Lohn zum Überleben angewiesen sind. Wird der Lohn vorenthalten, muss der Arbeiter verhungern (cf. Blomberg/Kamell).
  2. Oder „ihr habt verurteilt, ihr habt den Gerechten ermordet“ (so die wortlautgetreue REB).
  3. Der letzte Satzteil ist vom vorherigen eigentümlich abgetrennt. Manche Exegeten sehen das als Grund, ein „obwohl“ zu ergänzen.

7 Deshalb (Nun) wartet geduldig, Geschwister, bis zur Wiederkunft1 des Herrn. Seht (Siehe), der Bauer erwartet die kostbare Frucht der Erde, indem er geduldig auf sie wartet,2 bis sie den Früh- und den Spätregen empfangen hat.3

  1. Im NT Terminus technicus für die Parusie (Wiederkunft Christi). Bezeichnet außerbiblisch den offiziellen Besuch eines hohen Amtsträgers (z.B. des Kaisers) an einem Ort oder die Epiphanie eines Gottes (so NSS; dort Bezug auf „EWNT 3, Sp. 103“). In der Normalbedeutung „Anwesenheit, Kommen, Ankunft“.
  2. Auflösung eines modalen Ptc. coni., alternativ temp. Oder „und geduldig auf sie wartet“.
  3. Anspielung auf Hos 6,4 (Bauckham).

8 Auch ihr, wartet geduldig, stärkt eure Herzen, weil die Wiederkunft des Herrn nahe {gekommen} ist1!

  1. Das hier verwendete griechische Perfekt betont das Resultat eines Vorgangs, weswegen hier mit Zustandspassiv übersetzt wurde.

9 Murrt nicht gegen einander,1 Geschwister, damit ihr nicht verurteilt werdet; seht (siehe), der Richter steht [schon] vor den Türen.

  1. Imperativ Präsens. Oder: „Hört auf, …“ Im Gegensatz zum unmarkierten Imp. Aor. hat dieser häufig negativ die Bedeutung „hör(t) auf, … zu tun“ bzw. positiv „Tu(t) … weiterhin/immer wieder“ haben.

10 Nehmt euch, Geschwister, im Leiden und im Ausharren die Propheten [zum] Vorbild (Beispiel), die im Namen des Herrn sprachen.

11 Seht (Siehe), wir preisen jene glücklich, die durchgehalten haben1: Ihr habt [vom] Durchhalten (Ausdauer, Standhaftigkeit)2 Hiobs gehört und das [vom] Herrn [herbeigeführte] Ende3 gesehen, dass der Herr voller Erbarmen und mitleidig ist.

  1. Auflösung eines subst. Ptz. Aor. Kann ein Rückbezug auf die Propheten sein, ist aber offen formuliert.
  2. Cf. 1,3
  3. Wörtlich „das Ende [des] Herrn“. Genitivus auctoris (NSS). Oder „vom Herrn [bewirkte] Ende“, etc (so alle wichtigen deutschen Übersetzungen, NASB, NIV). Dies passt am besten in den Kontext und würde dann auf das Ende hindeuten, für das Gott in Hiobs Geschichte gesorgt hat. Dann würde „Herr“ für Gott den Vater stehen. Alternativ „das Ziel/den Zweck des Herrn gesehen, dass... “ (ESV, NET). Eine alternative Deutung würde den ersten κυριος als Jesus verstehen; die Übersetzung wäre dann „das Ende des Herrn“, also Jesu Kreuzestod. Dies würde erklären, warum, nachdem in V. 10 Propheten (Pl.) erwähnt wurden, in V. 11 dann nur Hiob genannt wird (die spätere Erwähnung von Elija passt nicht mehr in den Kontext). Das größte Problem mit dieser Deutung ist aber, dass κυριος im selben Vers einmal Jesus und einmal Gott den Vater bezeichnen würde.

12 Vor allen [Dingen] aber, meine Geschwister, schwört1 weder beim Himmel, noch bei der Erde, oder bei irgendeinem anderen Eid. Vielmehr soll euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein sein2, damit ihr nicht dem Gericht verfallt3.

  1. Imp. Präs. Dieser markiert gelegentlich die Aufforderung, etwas weiterhin/immer wieder zu tun bzw.(endgültig) mit etwas aufzuhören.
  2. 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
  3. Wörtlich: „damit ihr nicht unter das Gericht fallt“

13 Erleidet einer von (unter) euch ein Unglück, soll er beten1; ist einer guten Mutes, soll er Loblieder singen2;3

  1. 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
  2. 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
  3. Die drei Bedingungssätze in diesem und dem folgenden Vers können auch als direkte Fragen verstanden werden. Meine Übesetzung folgt der Zeichensetzung im NA27.

14 Ist einer von (unter) euch krank (schwach)1, soll er die Ältesten der Gemeinde herbeirufen2 und sie sollen über ihn (für ihn) beten3 [und] ihn [mit] Öl4 im Namen des Herrn salben5.

  1. Die Definition des Wortes wäre wohl „durch Krankheit geschwächt“ (Cf. B/A)
  2. 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
  3. 3. Pl. Imp. Aor. Med.
  4. Instrumentaler Dativ.
  5. Adv. Ptz. Aor., das vorzeitig oder gleichzeitig übersetzt werden kann; hier modal interpretiert und mit „und + Verb“ übersetzt. Oder „indem sie ihn ... salben“. Alternativ temporal: „nachdem sie ihn … gesalbt haben“, „während sie ihn … salben“.

15 Und das Gebet [im]1 Glauben wird den Kranken (Ermüdeten) retten und der Herr ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat2, wird ihm vergeben werden.3

  1. Wörtlich: „des Glaubens“; Gen. pertinentiae (Das Gebet geschieht im Glauben.; NSS).
  2. Wörtlich: „wenn er ein Sünden begangen habender ist“ (Ptz. Pf.); periphrastisch (umschreibend; NSS).
  3. Prospektiver Konditionalsatz (Eventualis). Der Vers sieht Krankheit also nicht im Zusammenhang mit Sünde.

16 Also bekennt einander [eure] Sünden und betet für einander, dass (damit) ihr geheilt werdet. [Das] wirksame1 Gebet (Bitte) eines Gerechten vermag viel.

  1. Ptz. Med., hier attributiv aufgelöst (B/A, NSS, REB, EÜ, NGÜ). Oder: „das wirksame Gebet...“, „das Gebet …, das wirksam ist“. Adverbial konditional: „wenn es ernstlich ist“ (LUT, Menge, SLT). NSS deutet kausal-begründend: „da es [ja] wirksam ist“. Blomberg deutet temporal/konditional (dann als Ermunterung für die Leser) und übersetzt „wenn es ausgeführt wird“. Hierzu müssten noch Stimmen weiterer Kommentare ergänzt werden.

17 Elija war ein Mensch von gleicher Art [wie] wir, und er betete inständig1, dass es nicht regnen würde2, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde (auf die Erde);

  1. Wörtlich: „er betete [dem] Gebet“; dies ist ein Dat. modi, also „er betete mit einem Gebet“ (Semitismus). Übersetzung nach Blomberg, NSS.
  2. Hier offenbar eine „Nachbildung des hebr. infinitivus absolutus“ (NSS).

18 und er betete wieder, und der Himmel ließ es regnen1 und die Erde brachte ihre Frucht hervor.

  1. Wörtlich: „gab Regen“

19 Meine Geschwister, wenn einer von (unter) euch von der Wahrheit abirrt (in die Irre geht) und jemand ihn [wieder] auf den rechten Weg bringt,

20 soll er wissen1, dass derjenige, der einen Sünder von seinem Irrweg2 auf den rechten Weg zurückgeführt hat,3 seine Seele (Leben) vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken wird.4

  1. 3. Sg. Imp.
  2. Wörtlich: „von [der] Verirrung/vom Irrtum seines Weges“
  3. Auflösung eines subst. Ptz.
  4. Vv. 19-20: Gewöhnlicher, prospektiver Konditionalsatz.