reltext

Chapter 1

1 1 Jakobus, ein Sklave (Knecht, Diener) Gottes und des Herrn Jesus Christus, an die zwölf Stämme in der Zerstreuung (Diaspora).2 Grüße! 3

Original Greek

ἸάκωβοςIakōbosJamesG2385IN-NSM-P
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
καὶkaiandG2532CONJ
κυρίουkuriouof [the] LordG2962GN-GSM-T
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-GSM-P
ΧριστοῦChristouChristG5547N-GSM-T
δοῦλοςdoulosa servantG1401N-NSM
ταῖςtaisTo theG3588T-DPF
δώδεκαdōdekatwelveG1427A-NUI
φυλαῖςphulaistribesG5443N-DPF
ταῖςtais<the>G3588T-DPF
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
διασπορᾷdiasporaDispersionG1290N-DSF
χαίρειν.¶chaireinGreeting.G5463V-PAN
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. die zwölf Stämme in der Zerstreuung (Diaspora) – Der Ausdruck lässt sich auf zwei Weisen verstehen: (1) „Zerstreuung (Diaspora)“ bezeichnet die Orte, an denen die Angehörigen der „zwölf Stämme“ zerstreut sind; die Phrase ist dann restriktiv zu lesen: „[Nur] an diejenigen Angehörigen der zwölf Stämme Israels, die in der Diaspora leben.“ – der Brief richtete sich dann v.a. an die Heidenchristen außerhalb Israels. (2) „Zerstreuung (Diaspora)“ bezeichnet den Zustand des Zerstreut-seins; die Phrase ist dann deskriptiv zu lesen: „An die Angehörigen der zerstreuten zwölf Stämme“. Hier ist sehr wahrscheinlich letzteres die richtige Deutung; denn im Hintergrund steht eine etwas komplexere Vorstellung: Die „Zerstreuung“ eines Volkes war der Inbegriff seiner Niederlage und Vernichtung. In der Folge der verschiedenen Zerstreuungen Israels – v.a. der babylonischen Gefangenschaft – entwickelte sich daher im alten Judentum die Hoffnung, Gott würde am Ende der Zeiten das zerstreute Israel von „allen Enden der Erde“ wieder zusammensammeln und dann mit ihnen ein „Reich Gottes“ errichten, eine Art „Himmel auf Erden“ (s. z.B. Ps 147,2; Jes 11,12; 14,1; 54,5f; Jer 31,10; Ez 28,25 u.ö.). Diese Vorstellung wurde im Laufe der Zeit erweitert: (a) Der Zustand der Zerstreuung wurde als Strafe Gottes für die Sündhaftigkeit Israels verstanden (s. z.B. Neh 1,8f), (b) Jesus bringt die Sammlung des zerstreuten Israels mit seiner - des Menschensohns - Wiederkunft am Ende der Zeiten in Zusammenhang. Diese Vorstellung steht im Hintergrund des Jakobusbriefs; der weitere Inhalt besteht dann in einer Reihe ethischer Anweisungen, denen, anstatt zu sündigen, „geduldig bis zur Wiederkunft des Herrn“ (5,7) Folge zu leisten ist, damit ein so sich Bewährender am nahe bevorstehenden Ende der Zeit „das Leben als Siegeskranz empfangen“ wird (1,12). Unsicher allerdings ist, ob der Brief sich dann allgemein an alle Angehörigen der zwölf Stämme richtet, oder ob diese Vorstellung von der Sammlung der zwölf Stämme im Jakobusbrief auf die Christusgläubigen übertragen wird.
  3. Jakobus eröffnet seinen Brief mit dem Standard-Briefpräskript seiner Zeit, der in etwa dem Briefkopf heutiger Briefe entspricht: Absender (Nominativ), Adressat (Dativ), Gruß (imperativischer Infinitiv) (vgl. z.B. Burchard 2000, S. 47). In die LF muss das freier übersetzt werden; sehr gut z.B. BB: „Jakobus, Diener Gottes und des Herrn Jesus Christus. An das Volk Gottes, das wie die zwölf Stämme Israels über die ganze Welt verstreut lebt. Ich grüße euch.“

2 Haltet es für ganze (nichts als) Freude (Haltet es für nichts anderes denn als einen Grund zur Freude), meine Brüder (Geschwister) 1 , wenn (wann immer) ihr in verschiedenste (vielfältige) Prüfungen (Versuchungen) 2 fallt,

Original Greek

ΠᾶσανPasanAllG3956A-ASF
χαρὰνcharanjoyG5479N-ASF
ἡγήσασθε,hēgēsasthedo esteem [it],G2233V-ADM-2P
ἀδελφοίadelphoibrothersG0080N-VPM
μου,mouof mine,G3165P-1GS
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
πειρασμοῖςpeirasmoistrialsG3986HN-DPM
περιπέσητεperipesēteyou may fall intoG4045V-2AAS-2P
ποικίλοις,poikiloisvarious,G4164A-DPM
  1. Entsprechend dem Stil seiner Zeit spricht Jakobus hier nur die männlichen „Brüder“ an; die weiblichen „Schwestern“ sind aber sehr sicher mitgemeint (-&gt; Generisches Maskulinum). Der Begriff bezeichnet Mit-angehörige der selben Gesellschaftsgruppe, zu der auch der Sprecher/Schreiber gehört, und stellt sie mit sich auf eine Stufe (so gut Hartin 2003, S. 56: „He does not address them from the status of authority, but from their own level“). Besonders interessant ist in unserem Kontext, dass mit diesem Begriff bisweilen auch die Zusammengehörigkeit gerade weit entfernter Personen oder Gruppen unterstrichen werden kann; s. z.B. 2Makk 1,1 (dazu vgl. ebd.). Gerade in einem Brief an die zerstreuten zwölf Stämme ist er daher besonders passend.
  2. Hinter dem Begriff πειρασμός Versuchung steht die altjüdische Vorstellung, dass Gott immer wieder Unheil über den gläubigen Menschen bringt, damit dieser sich in diesen Bewährungsproben als rechter Gottesdiener bewähren kann (s. z.B. Gen 22,1; Ex 16,4; Ri 3,1-4; Ps 26,2; Sir 2,1; vgl. auch Mt 6,12 FN m). Jakobus führt weiter aus: Wer diese Bewährungsproben besteht, gewinnt damit „Standhaftigkeit“, und impliziert ist wohl: Wer standhaft bleibt und sich außerdem „vollkommener Werke“ befleißigt, wird dann am Ende der Zeit auch aus der Zerstreuung gesammelt werden (s.o.; s. z.B. auch Mk 13,13; 1Pet 1,6f; ähnlich Röm 5,3-5). In Vv. 13-15 wandelt Jakobus diese Vorstellung jedoch ab: Es ist gerade nicht Gott, der diese Versuchungen über einen Menschen bringt; sie erwachsen allein aus den sündhaften Begierden des Menschen (vgl. z.B. Kloppenborg 2010, S. 68f; Wilson 2002, S. 159). Entsprechend wird Jakobus dann im Folgenden auch v.a. vor menschlichen Schwächen warnen (z.B.: Impulsivität (1,19-21), Voreingenommenheit (2,1-9), lose Zunge (3,2-12), Streitsucht (3,13-18), Liebe zur Welt (4,1-4) usw.) und ihnen tugendhaftes Verhalten entgegenstellen. Besonders wichtig: Es ist gerade nicht allein die Standhaftigkeit im Glauben (V. 3), die gerecht macht (wie z.B. Mk 13,4-13.21-23 das nahelegen könnte) - unabdingbar sind außerdem die Werke des Glaubens (2,14-26).

3 da ihr [ja] wisst (im Wissen, wisst!)1, dass die Erprobung (die Bewährung) eures Glaubens (das Erprobte an eurem Glauben) Standhaftigkeit (Ausharren, Geduld, Ausdauer, Standhaftigkeit)2 hervorbringt (bewirkt).

Original Greek

γινώσκοντεςginōskontesknowingG1097V-PAP-NPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
τὸtotheG3588T-NSN
δοκίμιονdokimiontestingG1383N-NSN
ὑμῶνhumōnof yourG4771P-2GP
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
πίστεωςpisteōsfaithG4102GN-GSF
κατεργάζεταιkatergazetaiproducesG2716V-PNI-3S
ὑπομονήν·hupomonēnendurance;G5281N-ASF
  1. Ptz. coni., hier als kausaler Nebensatz aufgelöst (oder als Präpositionalphrase, so Klammer). Einige Ausleger verstehen das Partizip auch imperativisches Partizip („wisst“).
  2. Der Begriff hat eine sehr aktive Bedeutung – es wird nicht nur abgewartet, sondern auch entsprechend gehandelt (Dibelius 1964, 101; Blomberg 2008, 49; Mußner 1964, 65f.).

4 Die Standhaftigkeit {aber} 1 soll ein vollkommenes Werk (vollkommenes Handeln)2 [zur Folge] haben (zu einem vollkommenen Werk führen) 3 , damit (:) 4 ihr vollkommen und vollständig und (indem, wenn, weil ihr) 5 in nichts mangelhaft seid.

Original Greek

ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdeAndG1161CONJ
ὑπομονὴhupomonēenduranceG5281N-NSF
ἔργονergonworkG2041N-ASN
τέλειονteleion[its] perfectG5046A-ASN
ἐχέτω,echetōshould have,G2192V-PAM-3S
ἵναinaso thatG2443CONJ
ἦτεēteyou may beG1510V-PAS-2P
τέλειοιteleioiperfectG5046A-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ὁλόκληροιholoklēroicompleteG3648A-NPM
ἐνeninG1722PREP
μηδενὶmēdeninothingG3367A-DSN
λειπόμενοι.leipomenoilacking.G3007V-PMP-NPM
  1. δέ aber zur Markierung der Klimax (Grosvenor/Zerwick): Es folgt nun die zentrale Aussage dieses ersten Abschnitts Vv. 2-4. In der LF sollte das kommunikativer übersetzt werden; gut z.B. NeÜ: „[... - und] die Standhaftigkeit wiederum soll...“.
  2. Oder sinngemäßer: „Ausgang“ (cf. Johnson 1995, 178).
  3. Der Imperativ Präsens markiert hier, dass nicht ein Mal ein vollkommenes Werk Folge der Standhaftigkeit sein soll, sondern dass vollkommene Werke prinzipiell die Folge der Standhaftigkeit sein sollen.
  4. ἵνα damit ließe sich auch als epexegetisches ἵνα (dazu z.B. Zerwick §410) verstehen: „Die Standhaftigkeit soll zu einem vollkommenen Werk führen: Ihr sollt vollkommen und vollständig und in nichts mangelhaft sein.“ Berücksichtigt man nur V. 4, läge das eigentlich sogar näher als die finale Deutung („... zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und vollständig seid...“), denn das Ausführen vollkommener Werke ist ja nicht die Voraussetzung der Vollkommenheit, sondern umgekehrt sollte man meinen, dass Vollkommenheit Voraussetzung vollkommener Werke ist. Doch siehe FN m.
  5. Auflösung eines Ptz. coni. durch und-Koordination. Möglich auch modal, temporal, kausal (so Klammer).

5 Wenn es [dafür] aber (Wenn es {aber}) 1 einem (jemandem)2 von euch an Weisheit 3 mangelt, soll er [sie] von Gott, der allen großzügig (vorbehaltlos)4 und ohne Vorwürfe 5 gibt, 6 erbitten - und sie wird ihm gegeben werden.7

Original Greek

εἰeiIfG1487GCOND
δέdenowG1161CONJ
τιςtisanyG5100X-NSM
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
λείπεταιleipetailacksG3007V-PMI-3S
σοφίας,sophiaswisdom,G4678N-GSF
αἰτείτωaiteitōhe should askG0154V-PAM-3S
παρὰparafromG3844PREP
τοῦtouthe [One]G3588T-GSM
διδόντοςdidontosgivingG1325V-PAP-GSM
θεοῦtheouGodG2316N-GSM-T
πᾶσινpasinto allG3956A-DPM
ἁπλῶςhaplōsgenerouslyG0574ADV
καὶkaiandG2532CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
ὀνειδίζοντος,oneidizontosfinding fault,G3679V-PAP-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
δοθήσεταιdothēsetaiit will be givenG1325V-FPI-3S
αὐτῷ.autōto him.G0846P-DSM
  1. S. vorige FN.
  2. Wieder spricht Jakobus einzig männliche Leser an, meint aber auch die weiblichen Leser mit (-&gt; Generisches Maskulinum). Für die LF sei jeweils - falls vorhanden - die Übersetzungsalternative in der Klammer empfohlen.
  3. Weisheit - Jakobus' Verständnis von „Weisheit“ entspricht v.a. dem Weisheitskonzept der frühjüdischen Schriften: (1) Weisheit ist nicht etwas, das man von selbst erlangen könnte, sondern zunächst eine Gabe Gottes (s. Vv. 5.17; vgl. z.B. Jes 11,2; Spr 1,7; 2,6; Sir 39,5; Weish 7,7.15.25f; 1Kor 2,13; 12,8; Eph 1,17 u.ö.). Und (2) führt sie anders als die „irdische Weisheit“ (i.S.v. „Wissenschaft“, vgl. z.B. 1Kor 1,19-22; 2,6f) nicht zunächst zu Erkenntnis und Wissen, sondern befähigt zu gottgefälligem Handeln (s. Jak 3,17; vgl. Weish 7,22f; Weish 8,6-8; 9,1-4.9-12.17f; 4Makk 1,18-35 u.ö.). Gerade dieser zweite Aspekt macht klar, warum Jakobus in seinem Brief die Weisheit so betont: Für Jakobus ist der Mensch zur Vollkommenheit berufen, und Vollkommenheit erlangt er, indem er den aus den sündhaften Begierden des Menschenherzens erwachsenden Versuchungen widersteht (s. FN e) - und hierfür ist nach dem Verständnis des altjüdischen Schrifttums Weisheit vonnöten, s. die obigen Stellen; besonders eindrücklich 4Makk 1,18f.28-30: : „Der Weisheit Arten sind Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigung. / Die Klugheit ist die trefflichste von allen; / durch sie beherrscht ja die Vernunft die Triebe. [...] Lust und Schmerz sind gleichsam zwei Bäume im Leib und in der Seele, / und so gibt es auch viele Nebenzweige dieser Triebe. / Nun putzt die Allgärtnerin Vernunft sie alle entweder aus / oder beschneidet, umwickelt und begießt sie / oder verpflanzt sie und veredelt so auf jede Weise / das Gestrüpp der Neigungen und Triebe. / Die Vernunft ist ja die Führerin der Tugenden, / aber die Selbstherrin über die Triebe.“ (Üs. nach Rießler 1928)
  4. großzügig (vorbehaltlos) - Beide Deutungen des Wortes sind möglich; Gott ist also je nach Verständnis entweder lediglich ein vorbehaltloser Geber (der also bedingungslos gibt) oder sogar ein großzügiger Geber. Die Deutung mit „großzügig“ könnte an die aus Lk 11,9-13 par Mt 7,7-11 bekannte Jesustradition anknüpfen und scheint außerdem besser in den Kontext zu passen.
  5. Auflösung eines adv. Ptz. durch Substantivierung und Koordination „und“. Das Wort heißt meistens eher „(be)schimpfen“. Es bezieht sich hier vermutlich darauf, dass Gott sich nicht darüber beklagt, dass er Weisheit geben „muss“ (BA).
  6. Auflösung eines attributiven Ptz. als Relativsatz.
  7. Sprichwörter 2,6; Matthäus 7,7

6 Er soll (Man muss) {aber} im Glauben [darum] bitten 1 [und dabei] keinesfalls zweifeln 2 (keinerlei Bedenken haben): Denn wer zweifelt 3 , gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin- und hergetrieben wird. 4

Original Greek

αἰτείτωaiteitōhe should askG0154V-PAM-3S
δὲdehoweverG1161CONJ
ἐνeninG1722PREP
πίστειpisteifaithG4102GN-DSF
μηδὲνmēdennothingG3367A-ASN-N
διακρινόμενος·diakrinomenosdoubting;G1252V-PMP-NSM
ὁhoThe [one]G3588T-NSM
γὰρgarforG1063CONJ
διακρινόμενοςdiakrinomenosdoubtingG1252V-PMP-NSM
ἔοικενeoikenhe has been likenedG1503V-RAI-3S
κλύδωνιkludōnito a waveG2830N-DSM
θαλάσσηςthalassēsof [the] seaG2281N-GSF
ἀνεμιζομένῳanemizomenōbeing blown by the windG0416V-PPP-DSM
καὶkaiandG2532CONJ
ῥιπιζομένῳ.rhipizomenōbeing tossed by the wind.G4494V-PPP-DSM
  1. Der Imperativ Präsens (statt Aorist) markiert hier, dass nicht ein Mal, sondern entweder prinzipiell oder immer wieder gebeten werden soll.
  2. Modales adv. Ptz., mit „und“-Konstruktion aufgelöst. Es sollen also keine Bedenken gegen die Bereitwilligkeit Gottes zu geben bestehen (Blomberg 2008, 52).
  3. Subst. Ptz. aufgelöst.
  4. Der letzte Nebensatz ersetzt im Deutschen zwei attributive Ptz., die sich wie Adjektive direkt auf die Meereswoge beziehen.

7 Jener (So ein, ein solcher) 1 Mensch soll nämlich nicht meinen, dass er etwas vom Herrn erhalten wird,

Original Greek

μὴmēNotG3361PRT-N
γὰρgarforG1063CONJ
οἰέσθωoiesthōshould supposeG3633V-PNM-3S
ὁhotheG3588T-NSM
ἄνθρωποςanthrōposmanG0444N-NSM
ἐκεῖνοςekeinosthatG1565D-NSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
λήμψεταίlēmpsetaihe will receiveG2983V-FDI-3S
τιtianythingG5100X-ASN
παρὰparafromG3844PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
κυρίου·kuriouLord;G2962GN-GSM-T
  1. ἐκεῖνος jener muss nicht auf τις einer, jemand in V. 5 zurückverweisen, sondern kann auch abschätzig auf die Beschreibung „dieser Art von Mensch“ in V. 6 Bezug nehmen: „Eine solche Person...“; „wenn man so drauf ist...“ (vgl. Burchard 2000, S. 61; so fast alle Üss.).

8 [er ist] ein Mann (Mensch) geteilten Herzens1,2 wankelmütig auf allen seinen Wegen 3

Original Greek

ἀνὴρanēr[He is] a manG0435GN-NSM
δίψυχοςdipsuchosdouble-mindedG1374A-NSM
ἀκατάστατοςakatastatosunstableG0182A-NSM
ἐνeninG1722PREP
πάσαιςpasaisallG3956A-DPF
ταῖςtaistheG3588T-DPF
ὁδοῖςhodoiswaysG3598N-DPF
αὐτοῦ.autouof him.G0846P-GSM
  1. Wörtlich: „zweiseeliger Mann/Mensch“ (cf. 4,8). Das heißt ungefähr: „mit geteiltem Herzen“ (SLT), „in seinem Innersten gespalten“ (NGÜ). Das Konzept bezeichnet das Gegenteil der ungeteilten Hingabe zu Gott (Mußner 1964, 72). Da der Begriff vor Jak nicht belegt ist, könnte der Autor ihn sogar erfunden haben, das Konzept ist aber schon im AT bekannt (Johnson 1995, 180). BA, NSS schlagen die Übersetzung „ein Zweifler“ vor.
  2. Jakobus 4,8
  3. Jakobus greift mit seiner Rede von den „Wegen“ des Zweiseeligen und den „Reisen“ des Reichen auf die Vorstellung vom „Lebensweg“ zurück: Gott hat dem Menschen den „Weg“ gezeigt, dem man folgen soll, und wenn man diesem von Gott gewiesenen Weg geradewegs folgt, verhält man sich gottgefällig. Kennzeichnend für Frevler oder Sünder dagegen ist, dass sie von diesen Wegen „abweichen“ (Ex 32,8; Dtn 9,16; 11,26-28; Ri 2,17; 1Kön 22,43 || 2Chr 20,32; 2Kön 22,2 || 2Chr 34,2), daher werden sie dann auch mitten auf ihren Wegen - d.i. mitten in ihrem Leben (vgl. Burchard 2000; Hartin 2003; McKnight 2011: „[mitten] in seinen Aktivitäten/seinem Leben“) - „vergehen“ (vgl. noch Ps 1,6; 2,12). Was nun die „Zweiseeligen“ tun, ist ganz absurd: Nicht nur weichen sie nach rechts oder links vom von Gott gewiesenen Weg ab - sondern sie übertorkeln ihn: Sie schwanken darauf herum; wenden sich mal nach hier und mal nach dort, folgen dann wieder für kurze Zeit dem Weg und beginnen dann wieder zu wanken - sie sind jene, denen die Richtung in ihrem Leben fehlt.

9 Stattdessen1 soll (darf) sich der geringe (demütige, arme) Bruder2 seiner hohen Stellung (Erhöhung) rühmen,

Original Greek

καυχάσθωkauchasthōshould boastG2744V-PNM-3S
δὲdehoweverG1161CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
ἀδελφὸςadelphosbrotherG0080N-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
ταπεινὸςtapeinosof low degreeG5011A-NSM
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὕψειhupseiexaltationG5311N-DSN
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
  1. Diese Übersetzung von δὲ wurde gewählt, um den doppelten Gegensatz auszudrücken, der durch die beiden δὲ in Vv. 9-10 entsteht.
  2. zu „Bruder“ s. FN d

10 der reiche [Bruder]1 aber seiner Erniedrigung, denn er wird wie eine Grasblüte2 vergehen.3

Original Greek

ὁhohe who [is]G3588T-NSM
δὲdethenG1161CONJ
πλούσιοςplousiosrichG4145A-NSM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ταπεινώσειtapeinōseihumiliationG5014N-DSF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
ὡςhōslikeG5613PRT
ἄνθοςanthosa flowerG0438N-NSN
χόρτουchortouof grassG5528N-GSM
παρελεύσεται.pareleusetaihe will pass away.G3928V-FDI-3S
  1. Mußner 1964, 74; Moo; Blomberg 2008, 57 halten ὁ πλούσιος („der Reiche“) für ein Adjektiv, zu dem ὁ ἀδελφὸς („der Bruder“) aus dem vorherigen Satz zu ergänzen ist. Dagegen sieht etwa Dibelius 111964, 114f. ὁ πλούσιος als Substantiv. Hier wurde die erste Möglichkeit gewählt, weil es zynisch wäre anzunehmen, dass sich nach Jak jeder Reiche, nicht nur Christen, seiner kommenden Erniedrigung brüsten soll, auch wenn er gar nicht daran glaubt. Auch in den folgenden Kapiteln werden reiche Gemeindemitglieder erwähnt, sodass es natürlich erscheint, hier davon auszugehen, dass der „Reiche“ ebenso ein „reicher Bruder“ ist (cf. Diskussion bei Blomberg 2008, 57) - Allerdings legt der Autor möglicherweise gar kein Augenmerk auf diese Unterscheidung, sondern spricht, in der Tradition der Weisheitsliteratur, allgemein von den Reichen.
  2. Wörtlich: „Blume/Blüte des Grases“. Hat hier wohl die Bedeutung von Unkraut im Gegensatz zu kultivierten Pflanzen (BA). Das Bild von der Kurzlebigkeit des Grases wird auch im AT gerne als Bild für die Vergänglichkeit gebraucht (so Jes 40,6; Ps 90,5-7; Dibelius 111964, 115)
  3. Jesaja 40,6; Psalm 90,5

11 Denn die Sonne geht (ging )1 mit dem heißen Wind 2 auf und vertrocknet (vertrocknete) das Gras und seine Blüte fällt (fiel) ab, und die Schönheit ihres Aussehens vergeht (verging). Genau so wird auch der Reiche auf seinen Reisen (in seinem Lebenswandel) verwelken (dahinschwinden).3

Original Greek

ἀνέτειλενaneteilenHas risenG0393V-AAI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
ἥλιοςhēliossunG2246N-NSM
σὺνsunwithG4862PREP
τῷtō[its]G3588T-DSM
καύσωνιkausōniburning heatG2742N-DSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐξήρανενexēranenwitheredG3583V-AAI-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
χόρτονchortongrassG5528N-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
ἄνθοςanthosflowerG0438N-NSN
αὐτοῦautouof itG0846P-GSM
ἐξέπεσενexepesenhas fallenG1601V-2AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἡhētheG3588T-NSF
εὐπρέπειαeuprepeiabeautyG2143N-NSF
τοῦtouof theG3588T-GSN
προσώπουprosōpouappearanceG4383N-GSN
αὐτοῦautouof itG0846P-GSN
ἀπώλετο·apōletohas perished;G0622V-2AMI-3S
οὕτωςhoutōsThusG3779ADV
καὶkaialsoG2532CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
πλούσιοςplousiosrich [man]G4145A-NSM
ἐνenin the midst ofG1722PREP
ταῖςtaistheG3588T-DPF
πορείαιςporeiaispursuitsG4197N-DPF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
μαρανθήσεται.maranthēsetaiwill fade away.G3133V-FPI-3S
  1. Im Griechischen steht hier die Verbform „Aorist“. Entweder wird dadurch markiert, dass V. 11 die Geschichte einer Blume erzählt („Die Sonne ging auf und mit ihr kam der heiße Wind, und sie vertrockneten das Gras... Ebenso wird der Reiche...“), oder - wesentlich wahrscheinlicher - die Verbform wird als „gnomischer Aorist“ verwendet und schildert das Verdorren der Blume als überzeitliches Gleichnis („So, wie wenn die Sonne aufgeht und der heiße Wind aufkommt und sie die Blume vertrocknen lassen..., wird auch der Reiche...“).
  2. Der verwendete Begriff kann sowohl für Hitze, als auch für sengend heißen Wind stehen. Aber die Hitze wird erst am frühen Nachmittag besonders drückend, während der heiße Wüstenwind den ganzen Tag über weht. Deshalb wurde diese Lösung vorgezogen (Blomberg 2008, 56).
  3. Alle präsentisch übersetzten Verben in diesem Vers stehen im Urtext im gnomischen Aorist.

12 Glücklich [ist] der Mensch (Mann)1, der eine Bewährungsprobe (Prüfung, Versuchung)2 [standhaft]3 erträgt, denn wenn (weil, indem)4 er sich [darin] bewiesen hat (bewährt), wird er den Siegeskranz des Lebens5 empfangen, den [Gott (Christus)]6 denen verheißen hat, die ihn lieben7.

Original Greek

μακάριοςmakariosBlessed [is the]G3107A-NSM
ἀνὴρanērmanG0435GN-NSM
ὃςhoswhoG3739R-NSM
ὑπομένειhupomeneienduresG5278V-PAI-3S
πειρασμόν,peirasmontrial,G3986HN-ASM
ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
δόκιμοςdokimosapprovedG1384A-NSM
γενόμενοςgenomenoshaving beenG1096V-2ADP-NSM
λήμψεταιlēmpsetaihe will receiveG2983V-FDI-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
στέφανονstephanoncrownG4735N-ASM
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ζωῆςzōēsof lifeG2222N-GSF
ὃνhonthatG3739R-ASM
ἐπηγγείλατοepēngeilatoHe has promisedG1861V-ADI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
κύριοςkuriosLordG2962GN-NSM-T
τοῖςtoisto thoseG3588T-DPM
ἀγαπῶσινagapōsinlovingG0025V-PAP-DPM
αὐτόν.¶autonHim.G0846P-ASM
  1. Die meisten Handschriften lesen hier „Mann“, jedoch mit klar generischer Bedeutung (Blomberg 2008, 69).
  2. Gemeint ist, wie oben, keine geistliche Versuchung, sondern allgemein eine Schwierigkeit, eine „Prüfung“ im Leben. S. Vv. 2-4 (Blomberg 2008, 69).
  3. Die Einfügung soll der Bedeutung des Verbs näher kommen.
  4. Adv. Ptz. Aor., temporal aufgelöst; alternativ auch kausal, modal. Wörtlich: „als ein erprobt (bewährt, tüchtig, angesehen) Gewordenener“.
  5. Gen. epexegeticus (NSS). „Siegeskranz, welcher das Leben ist“ (Blomberg 2008, 69).
  6. Viele Handschriften ergänzen an dieser Stelle zusätzlich als Subjekt „der Herr“ oder „Gott“; die schwierigere und kürzere (und damit wohl ursprüngliche) Lesart ist jedoch diejenige ohne explizites Subjekt (Johnson 1995, 188).
  7. Subst. Ptz., hier aufgelöst.

13 Niemand soll in einer Bewährungsprobe (niemand, der [gerade] versucht (geprüft) wird)1 sagen2, {dass}3: Ich werde von Gott auf die Probe gestellt (geprüft, versucht)! – denn Gott kann nicht vom Bösen auf die Probe gestellt (versucht) (zum Bösen versucht) werden4; er stellt selbst auch niemanden auf die Probe (versucht selbst auch niemanden).

Original Greek

ΜηδεὶςMēdeisNo oneG3367A-NSM
πειραζόμενοςpeirazomenosbeing temptedG3985GV-PPP-NSM
λεγέτωlegetōshould sayG3004GV-PAM-3S
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἀπὸapoByG0575PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouGodG2316N-GSM-T
πειράζομαι·peirazomaiI am being tempted;G3985GV-PPI-1S
ὁho<the>G3588T-NSM
γὰρgarForG1063CONJ
θεὸςtheosGodG2316N-NSM-T
ἀπείραστόςapeirastosunable to be temptedG0551A-NSM
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
κακῶν,kakōnby evils,G2556GA-GPN
πειράζειpeirazeitemptsG3985GV-PAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
αὐτὸςautosHe HimselfG0846P-NSM
οὐδένα·oudenano [one];G3762A-ASM
  1. Wörtlich: „Kein Versuchter (Geprüfter, Auf-die-Probe-Gestellter)“ (Attr. Ptz. Präs.)
  2. 3. Sg. Imp.
  3. ὅτι recitativum.
  4. Die Bedeutung des Adjektivs ist an dieser Stelle nicht sicher zu ermitteln. Der Text ist auf zwei Arten deutbar: „Gott ist im [im] Bösen unerfahren“ oder „Gott ist des Bösen nicht versuchbar / ohne Versuchung / unversucht“. Hier wird der Genitiv „des Bösen“ als Gen. separationis gedeutet, Gott kann also nicht „zum Bösen“ versucht werden (Dibelius 111964, 122f.; Johnson 1995, 192f.; Mußner 1964, 87f.; NSS). Alternative Gen. der Richtung: „Gott kann nicht zum Bösen versucht werden“.

14 Vielmehr1 wird jeder auf die Probe gestellt (versucht), indem (weil, während, wenn) er von der eigenen Begierde fortgerissen und verlockt wird.2

Original Greek

ἕκαστοςhekastosA manG1538A-NSM
δὲdehoweverG1161CONJ
πειράζεταιpeirazetaiis temptedG3985GV-PPI-3S
ὑπὸhupobyG5259GPREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
ἰδίαςidiasownG2398A-GSF
ἐπιθυμίαςepithumiasdesireG1939N-GSF
ἐξελκόμενοςexelkomenosbeing drawn awayG1828V-PPP-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
δελεαζόμενος·deleazomenosbeing enticed;G1185V-PPP-NSM
  1. Diese Übersetzung von δὲ wurde gewählt, um den Argumentationsgang wie im Urtext aufrecht zu erhalten.
  2. Modale Auflösung zweier adv. Ptz. Alternativ kausal, temporal, konditional.

15 Daraufhin, wenn die Begierde schwanger geworden ist1, gebiert sie Sünde; und die Sünde, wenn sie ans Ziel gelangt (erwachsen geworden) ist2, gebiert Tod.

Original Greek

εἶταeitaThenG1534ADV
ἡhē<the>G3588T-NSF
ἐπιθυμίαepithumiadesireG1939N-NSF
συλλαβοῦσαsullabousahaving conceivedG4815V-2AAP-NSF
τίκτειtikteiit gives birth toG5088V-PAI-3S
ἁμαρτίαν,hamartiansin,G0266N-ASF
ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdeandG1161CONJ
ἁμαρτίαhamartiasinG0266N-NSF
ἀποτελεσθεῖσαapotelestheisahaving become fully grownG0658V-APP-NSF
ἀποκύειapokueiit brings forthG0616V-PAI-3S
θάνατον.¶thanatondeath.G2288N-ASM
  1. Ptc. coni. Aor.; temporal aufgelöst.
  2. Eig. Futur. Die Alternative „erwachsen geworden“ passt in den Sinn der Metapher von der Begierde, dem Gebären und Erwachsenwerden der Sünde (Blomberg 2008, 72).

16 Lasst euch nicht täuschen1, meine geliebten Geschwister!

Original Greek

ΜὴMēNotG3361PRT-N
πλανᾶσθε,planasthedo be misled,G4105V-PPM-2P
ἀδελφοίadelphoibrothersG0080N-VPM
μουmouof mineG3165P-1GS
ἀγαπητοί·agapētoibeloved;G0027A-VPM
  1. Wörtlich: „Werdet nicht getäuscht“. Alternativ auch aktiv: „Täuscht euch nicht“.

17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt {herab} (ist) von oben1,2 vom Vater der Lichter3, bei dem es weder Veränderung noch Verfinsterung (Schatten) durch eine (nach einer) Wende4 gibt.

Original Greek

πᾶσαpasaEveryG3956A-NSF
δόσιςdosisact of givingG1394N-NSF
ἀγαθὴagathēgoodG0018A-NSF
καὶkaiandG2532CONJ
πᾶνpaneveryG3956A-NSN
δώρημαdōrēmagiftG1434N-NSN
τέλειονteleionperfectG5046A-NSN
ἄνωθένanōthenfrom aboveG0509ADV
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
καταβαῖνονkatabainoncoming downG2597V-PAP-NSN
ἀπὸapofromG0575PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
πατρὸςpatrosFatherG3962N-GSM-T
τῶνtōn<the>G3588T-GPN
φώτωνphōtōnof lightsG5457N-GPN
παρ᾽par᾽withG3844PREP
ᾧhōwhomG3739R-DSM
οὐκouknotG3756PRT-N
ἔνιenithere isG1762V-PAI-3S
παραλλαγὴparallagēvariationG3883N-NSF
ἢēorG2228CONJ
τροπῆςtropēsof shiftingG5157N-GSF
ἀποσκίασμα.aposkiasmashadow.G0644N-NSN
  1. Jakobus 3,15; Johannes 3,31
  2. Wörtlich: „von oben ist herabkommend vom...“ (Ptz. Präs. Akt.). Dabei ist nicht klar, ob „herabkommend“ zu „ist“ gehört oder einen abhängigen partizipiellen Nebensatz einleitet. Der erste Fall wurde hier angenommen; das Ptz. ist dann prädikativ und periphrastisch (so Dibelius, 111964, 130; Blomberg 2008, 73f.). Im zweiten Fall wäre das Ptz. entweder als kausales Ptc. coni.: „ist von oben, weil es … kommt“ (Mußner 1964, 91) oder attributiv zu verstehen: „ist von oben, welches … kommt“ (Johnson 1995, 196). Die periphrastische Deutung stützt sich auf die Wortstellung (Blomberg 2008, 74); für die als Nebensatz spricht, „daß es Jak nicht auf das ‚Herabsteigen‘ ankommt, sondern auf die Herkunft ‚von oben‘“ (Mußner 1964, 91).
  3. Gemeint sind wohl die Himmelskörper als natürliche Lichtquellen (vgl. Johnson 1995, 196).
  4. Wörtlich: „[der] Wende (Gen.) Verfinsterung“. Lt. BA war τροπῆ wohl einmal ein astrologischer Terminus technicus, der wohl „Sonnenwende“ bedeutete. Diese Denotation sei aber in der Koine verloren gegangen.

18 Aus [freiem] Willen (Weil er [es so] wollte)1 hat er uns [durch] das Wort der Wahrheit2 geboren, damit (um) wir gewissermaßen die Erstlingsgabe seiner Geschöpfe sind.

Original Greek

βουληθεὶςboulētheisHaving willed [it]G1014V-AOP-NSM
ἀπεκύησενapekuēsenHe brought forthG0616V-AAI-3S
ἡμᾶςhēmasusG3165P-1AP
λόγῳlogōby [the] wordG3056N-DSM
ἀληθείας,alētheiasof truth,G0225N-GSF
εἰςeisforG1519PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
εἶναιeinaito beG1511V-PAN
ἡμᾶςhēmasusG3165P-1AP
ἀπαρχήνaparchēnfirstfruitsG0536N-ASF
τιναtinaa certainG5100X-ASF
τῶνtōn<the>G3588T-GPN
αὐτοῦautouof HisG0846P-GSM
κτισμάτων.¶ktismatōncreatures.G2938N-GPN
  1. Substantivische Auflösung eines kausalen oder modalen Ptz. Aor. Pass. (wörtlich „gewillt habend“).
  2. Dat. instrumentalis.

19 Denkt daran (Wisst [dies], Ihr wisst)1, meine geliebten Geschwister: Jeder Mensch soll schnell [dazu bereit] sein zuzuhören, [aber] langsam [bereit] zu sprechen [und] langsam [bereit] zum Zorn.

Original Greek

Ἴστε,IsteYou should knowG6063V-RAM-2P
ἀδελφοίadelphoibrothersG0080N-VPM
μουmouof mineG3165P-1GS
ἀγαπητοί·agapētoibeloved;G0027A-VPM
ἔστωestōshould beG1510V-PAM-3S
δὲdehoweverG1161CONJ
πᾶςpaseveryG3956A-NSM
ἄνθρωποςanthrōposmanG0444N-NSM
ταχὺςtachusswiftG5036A-NSM
εἰςeisuntoG1519PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
ἀκοῦσαι,akousaito hear,G0191V-AAN
βραδὺςbradusslowG1021A-NSM
εἰςeisuntoG1519PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
λαλῆσαι,lalēsaito speak,G2980V-AAN
βραδὺςbradusslowG1021A-NSM
εἰςeisuntoG1519PREP
ὀργήν.orgēnanger.G3709N-ASF
  1. So NSS. Wörtlich „Wisst“ (Imp.) oder „Ihr wisst“ (Ind., so Johnson 1995, 198). Hier als Imperativ gedeutet. Alternativ „Wisst dies:“ (Blomberg 2008, 85; Mußner 1964, 99).

20 Denn [der] Zorn eines Menschen1 bewirkt nicht [die] Gerechtigkeit vor Gott2.3

Original Greek

ὀργὴorgē[the] angerG3709N-NSF
γὰρgarforG1063CONJ
ἀνδρὸςandrosof manG0435GN-GSM
δικαιοσύνηνdikaiosunēn[the] righteousnessG1343N-ASF
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
οὐκouknotG3756PRT-N
ἐργάζεται.ergazetaiworks.G2038V-PNI-3S
  1. Hier verwendet der Autor „Mann“ wieder im generischen Sinne als Synomym für „Mensch“ (Blomberg/Kamell).
  2. Gen. subi.: also die Gerechtigkeit vor Gott/nach der Gott urteilt. Kann umschrieben werden: „was vor Gott gerecht ist“ (So Lut, EU, NGÜ). Wörtlich „Gerechtigkeit Gottes“ (so bei RevElb, SLT).
  3. Alternativ nach NSS: „erfüllt nicht die von Gott gesetzte Gerechtigkeit.“

21 Deshalb legt alle Unsauberkeit und übermäßige Schlechtigkeit1 ab [und]2 nehmt das eingepflanzte Wort, das eure Seelen zu retten vermag, in Bescheidenheit3 auf.

Original Greek

διὸdioThereforeG1352CONJ
ἀποθέμενοιapothemenoihaving put asideG0659V-2AMP-NPM
πᾶσανpasanallG3956A-ASF
ῥυπαρίανrhuparianfilthinessG4507N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
περισσείανperisseianexcessG4050N-ASF
κακίαςkakiasof wickednessG2549N-GSF
ἐνeninG1722PREP
πραΰτητιprautētihumilityG4236N-DSF
δέξασθεdexasthedo receiveG1209V-ADM-2P
τὸνtontheG3588T-ASM
ἔμφυτονemphutonimplantedG1721A-ASM
λόγονlogonwordG3056N-ASM
τὸνtonwhichG3588T-ASM
δυνάμενονdunamenonis being ableG1410V-PNP-ASM
σῶσαιsōsaito saveG4982V-AAN
τὰςtastheG3588T-APF
ψυχὰςpsuchassoulsG5590GN-APF
ὑμῶν.¶humōnof you.G4771P-2GP
  1. Wörtlich: „[alles] Übermaß der Schlechtigkeit“. Die Bedeutung ist eindeutig nicht „alle Schlechtigkeit, die ihr übrig habt“, sondern „von der es so viel gibt“.
  2. Das Verb des ersten Satzteils ist ein Ptz. Aor., das sowohl vorzeitig, als auch gleichzeitig gedeutet werden kann. Deshalb alternativ: „Nachdem/Wenn/Weil ihr ...abgelegt habt“.
  3. Oder: „in Freundlichkeit“. Weil dieser Teil im Griechischen zwischen genau zwischen den beiden imperativischen Teilsätzen steht, ist seine Zuordnung nicht ganz klar. Die meisten Übersetzer beziehen es jedoch auf den zweiten Teil (So auch bei Blomberg/Kamell).

22 Aber werdet Täter [des] Wortes und nicht nur [seine] Hörer, die sich selbst betrügen1!

Original Greek

ΓίνεσθεGinesthedo beG1096V-PNM-2P
δὲdehoweverG1161CONJ
ποιηταὶpoiētaidoersG4163N-NPM
λόγουlogouof [the] wordG3056N-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
μόνονmonononlyG3441A-ASN
ἀκροαταὶakroataihearersG0202N-NPM
παραλογιζόμενοιparalogizomenoideceivingG3884V-PNP-NPM
ἑαυτούς.he'autousyourselves.G1438F-2APM
  1. Attr. od. adv. (modales) Ptz.

23 Denn wenn jemand Hörer [des] Wortes ist, aber1 nicht [sein] Täter, gleicht dieser einem Mann, der sein natürliches Gesicht2 in einem Spiegel betrachtet3 –4

Original Greek

ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
εἴeiifG1487GCOND
τιςtisanyoneG5100X-NSM
ἀκροατὴςakroatēsa hearerG0202N-NSM
λόγουlogouof [the] wordG3056N-GSM
ἐστὶνestinisG1510V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
οὐounotG3756PRT-N
ποιητής,poiētēsa doer,G4163N-NSM
οὗτοςhoutosthis oneG3778D-NSM
ἔοικενeoikenhas been likenedG1503V-RAI-3S
ἀνδρὶandrito a manG0435GN-DSM
κατανοοῦντιkatanoountilookingG2657V-PAP-DSM
τὸtoat theG3588T-ASN
πρόσωπονprosōponfaceG4383N-ASN
τῆςtēstheG3588T-GSF
γενέσεωςgeneseōsnaturalG1078N-GSF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ἐνeninG1722PREP
ἐσόπτρῳ·esoptrōa mirror;G2072N-DSN
  1. Adversatives καί, das entsprechend wiedergegeben wurde.
  2. Oder: „natürliches Aussehen“ (So NSS). Wörtlich: „Aussehen/Gesicht der Schöpfung“. Dabei handelt es sich um einen Semitismus, der auch einfach mit „Gesicht“ übersetzt werden kann.
  3. Attr. Ptz. Das Wort meint nicht ein flüchtiges, sondern ein genaues Betrachten (Blomberg/Kamell). Spiegel in der Antike waren gewöhnlich aus poliertem Metall. Denkbar ist ein Bezug, wonach man sich darin nicht besonders gut erkennen konnte, deshalb musste man schon genauer hinschauen. Andererseits cf. 2Kor 3,18, wo von einem ziemlich klaren Spiegel gesprochen zu werden scheint. Eine kommunikative Übersetzung könnte darum „studiert“ lauten. So auch im nächsten Vers.
  4. Indefiniter Konditionalsatz.

24 denn er betrachtet sich1 und geht weg und vergisst sofort, wie er aussah2.

Original Greek

κατενόησενkatenoēsenhe has viewedG2657V-AAI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
ἑαυτὸνhe'autonhimselfG1438F-3ASM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀπελήλυθενapelēluthenhas gone awayG0565V-2RAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
εὐθέωςeutheōsimmediatelyG2112ADV
ἐπελάθετοepelathetohe has forgottenG1950V-2ADI-3S
ὁποῖοςhopoioswhat likeG3697I-NSM
ἦν.ēnhe was.G1510V-IAI-3S
  1. Die ersten drei Verben dieses Satzes stehen eigentlich im gnomischen Aorist/Perfekt.
  2. Wörtlich: „wie er beschaffen war“

25 Wer sich aber in [das] vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft1 und dabei bleibt2, indem er kein vergesslicher Hörer3, sondern ein Täter des Werkes [Gottes] wird4, der wird durch sein Tun (in seinem Tun) selig sein.

Original Greek

ὁhoThe [one]G3588T-NSM
δὲdehoweverG1161CONJ
παρακύψαςparakupsashaving looked intentlyG3879V-AAP-NSM
εἰςeisintoG1519PREP
νόμονnomon[the] lawG3551N-ASM
τέλειονteleionperfectG5046A-ASM
τὸνtonthatG3588T-ASM
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ἐλευθερίαςeleutheriasof freedomG1657N-GSF
καὶkaiandG2532CONJ
παραμείνας,parameinashaving continued in [it],G3887V-AAP-NSM
οὗτοςhoutosthisG3778D-NSM
οὐκouknotG3756PRT-N
ἀκροατὴςakroatēsa hearerG0202N-NSM
ἐπιλησμονῆςepilēsmonēsforgetfulG1953N-GSF
γενόμενοςgenomenoshaving beenG1096V-2ADP-NSM
ἀλλὰallabutG0235CONJ
ποιητὴςpoiētēsa doerG4163N-NSM
ἔργου,ergouof [the] work —G2041N-GSN
οὗτοςhoutosthis oneG3778D-NSM
μακάριοςmakariosblessedG3107A-NSM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ποιήσειpoiēseiwork to be doneG4160GV-FAI-3S
αὐτοῦautouby himG0846P-GSM
ἔσται.¶estaiwill be.G1510V-FDI-3S
  1. Wörtlich: „vorbeugt“. Alternativ vorzeitig: „vertieft hat“. Hier wieder gnomisch gedeutet.
  2. Oder vorzeitig: „geblieben ist“
  3. Gen. qualitatis. Wörtlich: „Hörer der Vergesslichkeit“
  4. Oder vorzeitig: „geworden ist“. Das modale Ptz. Aor. Pass. lässt sich analog zu den vorhergehenden Verben verschieden auflösen.

26 Wenn jemand gottesfürchtig (fromm) zu sein scheint (meint), aber [dabei]1 seine Zunge nicht im Zaum hält, sondern sein Herz betrügt2, dessen Gottesverehrung [ist] wertlos.3

Original Greek

ΕἴEiIfG1487GCOND
τιςtisanyoneG5100X-NSM
δοκεῖdokeiseemsG1380V-PAI-3S
θρησκὸςthrēskosreligiousG2357A-NSM
εἶναιeinaito beG1511V-PAN
ἐνenamongG1722PREP
ὑμῖνhuminyouG4771P-2DP
μὴmēnotG3361PRT-N
χαλιναγωγῶνchalinagōgōnbridlingG5468V-PAP-NSM
γλῶσσανglōssan[the] tongueG1100N-ASF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
ἀπατῶνapatōndeceivingG0538V-PAP-NSM
καρδίανkardian[the] heartG2588N-ASF
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
τούτουtoutouof this oneG3778D-GSM
μάταιοςmataiosworthless [is]G3152A-NSF
ἡhētheG3588T-NSF
θρησκεία.thrēskeiareligion.G2356N-NSF
  1. Eingefügt, um die durativ-iterative Bedeutung des aufgelösten attr. Ptz. Präs. besser zu erfassen.
  2. Attr. Ptz. Präs.
  3. Indefiniter Konditionalsatz.

27 Reine und unbefleckte Gottesverehrung vor [unserem] Gott und Vater besteht darin1, Waisen und Witwen in ihrer bedrängten Lage zu besuchen [und] sich selbst vor der Welt unbefleckt (fehlerlos, makellos, untadelig) zu bewahren.

Original Greek

θρησκείαthrēskeiaReligionG2356N-NSF
καθαρὰkatharapureG2513A-NSF
καὶkaiandG2532CONJ
ἀμίαντοςamiantosundefiledG0283A-NSF
παρὰparabeforeG3844PREP
τῷtōtheG3588T-DSM
θεῷtheōGodG2316N-DSM-T
καὶkaiandG2532CONJ
πατρὶpatriFatherG3962N-DSM-T
αὕτηhautēthisG3778D-NSF
ἐστίν,estinis,G1510V-PAI-3S
ἐπισκέπτεσθαιepiskeptesthaito visitG1980V-PNN
ὀρφανοὺςorphanousorphansG3737A-APM
καὶkaiandG2532CONJ
χήραςchēraswidowsG5503N-APF
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
θλίψειthlipseitribulationG2347N-DSF
αὐτῶν,autōnof them,G0846P-GPM
ἄσπιλονaspilonunstainedG0784A-ASM
ἑαυτὸνhe'autononeselfG1438F-3ASM
τηρεῖνtēreinto keepG5083IV-PAN
ἀπὸapofromG0575PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
κόσμου.¶kosmouworld.G2889N-GSM
  1. Wörtlich: „ist dies“