reltext

Chapter 1

1 1 [Der] Anfang der frohen Botschaft 2 von Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes, 3

Original Greek

ἈρχὴArchē[The] beginningG0746N-NSF
τοῦtouof theG3588T-GSN
εὐαγγελίουeuangeliougospelG2098N-GSN
ἸησοῦIēsouof JesusG2424GN-GSM-P
ΧριστοῦChristouChristG5547N-GSM-T
υἱοῦhuiouSonG5207N-GSM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦ·theouof God;G2316N-GSM-T
  1. [Status: Sehr gut]
  2. Das Wort Evangelium (gr. εὐαγγέλιον) steht hier noch nicht als literarische Bezeichnung, sondern für die christliche Heilsbotschaft von Jesus. frohe Botschaft von Jesus Christus Im Griechischen steht hier ein Genitiv, den man sowohl objektiv (ein Evangelium über Jesus / das von Jesus handelt) oder subjektiv (ein Evangelium das von Jesus stammt oder von ihm verkündet wird) verstehen kann. Inhaltlich sind beide Deutungen nicht verkehrt (Jesus verkündet es selbst in V. 14-15). Markus meint aber wohl ein Evangelium, das Christus zum Inhalt hat, da Markus Begebenheiten über Jesus festhält (France 2002, 53). Die gewählte Übersetzung mit von lässt bewusst beide Deutungsmöglichkeiten offen. [Der] Anfang Der determinierende Artikel kann bei abstrakten oder eindeutigen Substantiven (Siebenthal 2011, §133a) fehlen, in der Übersetzung wurde er ergänzt. Jesus Christus, [dem] Sohn Gottes Hier zeigt der fehlende Artikel Förmlichkeit an, da er am Buchanfang und mit einem Gottestitel als Apposition steht (BDR §268.2).
  3. Dass dem einleitenden Satz eines Buchs ein Verb fehlt, ist nicht ganz ungewöhnlich, wie der Vergleich mit Mt 1,1; Offb 1,1 sowie mehreren atl. Schriften zeigt. Ganz ähnlich beginnt auch Hos 1,2 LXX, doch erst nach der Überschrift („Anfang von JHWHs Botschaft an Hosea“, Gr. ἀρχὴ λόγου κυρίου πρὸς Ωσηε)(France 2002, 51).

2 wie es im [Buch] des Propheten Jesaja heißt (geschrieben steht): 1 „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her 2, der dir den Weg bereiten (alles für dich vorbereiten) wird.“3

Original Greek

καθὼςkathōsEven asG2531CONJ
γέγραπταιgegraptaiit has been writtenG1125V-RPI-3S
ἐνeninG1722PREP
τῷtō<the>G3588T-DSM
ἨσαΐᾳĒsaiaIsaiahG2268N-DSM-P
τῷtōin theG3588T-DSM
προφήτῃ·prophētēprophet:G4396N-DSM
ἰδοὺidouBeholdG2400INJ
ἐγὼegōI myselfG1473P-1NS
ἀποστέλλωapostellōsendG0649V-PAI-1S
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄγγελόνangelonmessengerG0032HN-ASM
μουmouof MineG3165P-1GS
πρὸprobeforeG4253PREP
προσώπουprosōpoufaceG4383N-GSN
σου,souof You,G4771P-2GS
ὃςhoswhoG3739R-NSM
κατασκευάσειkataskeuaseiwill prepareG2680V-FAI-3S
τὴνtēntheG3588T-ASF
ὁδόνhodonwayG3598N-ASF
σουsouof YouG4771P-2GS
ἔμπροσθένemprosthenbeforeG1715PREP
σου.souof you.G4771P-2GS
  1. Wie es ... heißt Diese Wendung verbindet V. 2-3 entweder mit V. 1 („Der Anfang..., wie es heißt“) oder mit V. 4 („Wie es heißt: ..., trat Johannes auf...“). Anderswo in der Bibel steht diese Zitatformel immer hinter der zu belegenden Aussage. Auch das gr. Wort für wie, καθώς, steht sonst nie am Anfang des Vergleichs (Guelich 1989, 7). Aber in diesem Fall bildet V. 1 einen elliptischen, überschriftartigen Einleitungssatz, der sich vom Rest abhebt. Das könnte der Grund für die Ausnahme sein. Es entspricht ganz Markus’ Stil, dass er nach der kurzen Einleitung rasch fortfährt, ohne noch einmal neu einzusetzen (France 2002, 51). des Propheten Jesaja – andere Handschriften: „den Propheten“ (Plural)
  2. vor dir her Gr. πρὸ προσώπου σου, w. etwa »vor deiner Gegenwart« (traditionell häufig: »vor deinem Angesicht«). Dabei handelt es sich um einen Hebraismus, der das Gleiche heißt wie »vor (...her)« (NSS).
  3. Exodus 23,20; Maleachi 3,1; Matthäus 11,10; Lukas 7,27

3 „Stimme eines Rufenden in der Wüste (Wildnis): 1 »Bereitet den Weg des Herrn vor, macht seine Pfade gerade«“, 2 3

Original Greek

φωνὴphōnē[The] voiceG5456GN-NSF
βοῶντοςboōntosof one cryingG0994V-PAP-GSM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ἐρήμῳerēmōwildernessG2048A-DSF
ἑτοιμάσατεhetoimasatedo prepareG2090V-AAM-2P
τὴνtēntheG3588T-ASF
ὁδὸνhodonwayG3598N-ASF
κυρίου,kuriouof [the] Lord,G2962GN-GSM-T
εὐθείαςeutheiasstraightG2117A-APF
ποιεῖτεpoieitedo makeG4160GV-PAM-2P
τὰςtastheG3588T-APF
τρίβουςtribouspathsG5147N-APF
αὐτοῦ.¶autouof Him.G0846P-GSM
  1. Stimme eines Rufenden in der Wüste Dass hier kein Verb steht, liegt daran, dass der griechische AT-Text sehr wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt ist, wo solche gerafften, verblosen Formulierungen nicht ungewöhnlich sind.
  2. Anders als von Markus angeben ist das Zitat eine Zusammenstellung aus Jesaja (Jes 40,3 LXX) und Maleachi 3,1.
  3. Jesaja 40,3; Matthäus 3,3; Lukas 3,4; Johannes 1,23

4 trat Johannes der Täufer in der Wüste (Wildnis) auf 1 (trat Johannes auf, der in der Wüste taufte) 2 und predigte (verkündete) eine Taufe der Umkehr (Buße; Umkehr-Taufe) 3 zur Vergebung der Sünden.4

Original Greek

ἘγένετοEgenetoCameG1096V-2ADI-3S
ἸωάννηςIōannēsJohnG2491GN-NSM-P
ὁhowhoG3588T-NSM
βαπτίζωνbaptizōnis baptizingG0907V-PAP-NSM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ἐρήμῳerēmōwildernessG2048A-DSF
καὶkaiandG2532CONJ
κηρύσσωνkērussōnproclaimingG2784V-PAP-NSM
βάπτισμαbaptisma[a] baptismG0908N-ASN
μετανοίαςmetanoiasof repentanceG3341N-GSF
εἰςeisforG1519PREP
ἄφεσινaphesinforgivenessG0859N-ASF
ἁμαρτιῶν.hamartiōnof sins.G0266N-GPF
  1. trat auf Gr. ἐγένετο, Grundform γίνομαι. Das Wort heißt eigentlich eher „werden/sein, entstehen“. Es funktioniert hier aber wie ein ähnliches hebräisches Verb; man kann es nur sinngemäß übersetzen. Als erstes Wort im Satz zeigt es einen Szenenwechsel an (France 2002, 64). Zudem verknüpft Markus damit das Wirken von Johannes dem Täufer direkt mit den zitierten Versen aus dem AT (Guelich 1989, 18). Ähnliche Stelle: Joh 1,6.
  2. Johannes der Täufer und Johannes, der in der Wüste taufte: Es gibt an dieser Stelle leicht verschiedene Lesarten in den Handschriften.
  3. Taufe der Umkehr Der Genitiv zeigt hier die Beschaffenheit der Taufe an (Gen. qualitätis): Die Taufe beinhaltete offensichtlich eine Umkehr. Bei Johannes gehörte beides zusammen, und die Taufe bedeutete offenbar die Anerkennung einer echten Umkehr (Guelich 1989, 19f.).
  4. Matthäus 3,1; Lukas 3,2

5 Und das gesamte judäische Gebiet 1 (Gegend, Land) und alle Jerusalemer begaben sich 2 (gingen) hinaus zu ihm und ließen sich von ihm im Fluss Jordan taufen 3, wobei (und) sie ihre Sünden bekannten. 45

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐξεπορεύετοexeporeuetowere going outG1607V-INI-3S
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
πᾶσαpasaallG3956A-NSF
ἡhētheG3588T-NSF
ἸουδαίαIoudaiaof JudeaG2449N-NSF-L
χώραchōraregionG5561N-NSF
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoi<the>G3588T-NPM
ἹεροσολυμῖταιHi'erosolumitaiof JerusalemG2415N-NPM-L
πάντες,pantesallG3956A-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐβαπτίζοντοebaptizontowere being baptizedG0907V-IPI-3P
ὑπ᾽hup᾽byG5259GPREP
αὐτοῦautouhimG0846P-GSM
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSM
ἸορδάνῃIordanēJordanG2446N-DSM-L
ποταμῷpotamōriverG4215N-DSM
ἐξομολογούμενοιexomologoumenoiconfessingG1843V-PMP-NPM
τὰςtastheG3588T-APF
ἁμαρτίαςhamartiassinsG0266N-APF
αὐτῶν.autōnof them.G0846P-GPM
  1. das gesamte judäische Gebiet Hier sind zwei Stilmittel verflochten. Das judäische Gebiet steht für dessen Bewohner (Metonymie des Subjekts). Und dass es alle waren, ist natürlich eine Übertreibung (Hyperbel).
  2. begaben sich hinaus Im Griechischen im Sg., als Prädikat zur „gesamten judäischen Region“.
  3. Die beiden Imperfekte begaben sich hinaus und ließen sich taufen bringen in V. 5 zum Ausdruck, dass Johannes über einen längeren Zeitraum hinweg Menschenmengen anzog.
  4. wobei sie bekannten Ptz. coni., als modaler Nebensatz mit „wobei“ aufgelöst. Aus der Formulierung lässt sich allerdings nicht schlüssig ableiten, in welcher Weise das Bekenntnis geschah oder dass es unmittelbar während der Taufe stattfand. Wie Johannes’ Taufe vor sich ging, ist nicht überliefert. Die benutzten Formulierungen und zeitgenössische Beispiele lassen jedoch darauf schließen, dass die Täuflinge ganz unter Wasser getaucht wurden oder tauchten. Eine Eigenart von Johannes ist, dass er bei der Taufe eine sehr aktive Rolle einzunehmen scheint, wogegen bei vergleichbaren Ritualbädern der Täufling sich selbst untertauchte (France 2002, 68; Collins 2007, 142).
  5. Matthäus 3,5

6 Und Johannes pflegte [ein Gewand aus] Kamelhaar und einen Ledergürtel um seine Hüften (Taille) zu tragen1 2 und Heuschrecken und wilden Honig zu essen 3 .4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἦνēnwasG1510V-IAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸωάννηςIōannēsJohnG2491GN-NSM-P
ἐνδεδυμένοςendedumenoshaving clothed himself inG1746V-RMP-NSM
τρίχαςtrichashairG2359N-APF
καμήλουkamēlouof a camelG2574N-GSF
καὶkaiandG2532CONJ
ζώνηνzōnēna beltG2223N-ASF
δερματίνηνdermatinēnof leatherG1193A-ASF
περὶperiaroundG4012PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
ὀσφὺνosphunwaistG3751N-ASF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐσθίωνesthiōnhe is eatingG2068V-PAP-NSM
ἀκρίδαςakridaslocustsG0200N-APF
καὶkaiandG2532CONJ
μέλιmelihoneyG3192N-ASN
ἄγριον.agrionwild.G0066A-ASN
  1. 2 Könige 1,18
  2. Kamelhaar und Ledergürtel, w. „Haare [des] Kamels“ bzw. „ledernen Gürtel“. Durch seine Kleidung gibt sich Johannes als Prophet (Sach 13,4 LXX) und der wiedergekehrte Elia zu erkennen (2Kö 1,8 LXX).
  3. pflegte ... zu tragen … zu essen Die periphrastische („umschreibende“) Formulierung ἦν ... ἐνδεδυμένος ... ἐσθίων umschreibt hier wohl nicht nur das Plusquamperfekt Passiv und Imperfekt (NSS), sondern drückt auch eine Gewohnheit aus (Guelich 1989, 16). Unsere Übersetzung verdeutlicht das. Andere Übersetzer benutzen den Indikativ, der diese Konnotation nicht so deutlich vermittelt: „trug … aß“. tragen Das Wort ἐνδύω heißt aktiv „kleiden“, medial „sich ankleiden“. Der Perfekt-Aspekt drückt im Griechischen den Zustand nach der vollzogenen Handlung aus, also heißt das Perfekt Medium „angekleidet sein“ → „(Kleidung) tragen“.
  4. Matthäus 3,4

7 Und er predigte (verkündete) 1 {sagend}: „Es kommt nach mir [einer], der mächtiger (stärker) [ist] als ich. 2 Ich bin es nicht wert (gut genug, würdig), mich zu bücken und (gebückt) 3 ihm 4 die Riemen seiner Sandalen aufzubinden!5

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐκήρυσσενekērussenhe was preachingG2784V-IAI-3S
λέγων·legōnsaying;G3004GV-PAP-NSM
ἔρχεταιerchetaiHe comesG2064V-PNI-3S
ὁhowhoG3588T-NSM
ἰσχυρότερόςischuroteros[is] mightierG2478A-NSM-C
μουmouthan IG3165P-1GS
ὀπίσωopisōafterG3694PREP
μου,moume,G3165P-1GS
οὗhouof whomG3739R-GSM
οὐκouknotG3756PRT-N
εἰμὶeimiI amG1510V-PAI-1S
ἱκανὸςhikanossufficientG2425A-NSM
κύψαςkupsashaving stooped downG2955V-AAP-NSM
λῦσαιlusaito untieG3089V-AAN
τὸνtontheG3588T-ASM
ἱμάνταhimantastrapG2438N-ASM
τῶνtōnof theG3588T-GPN
ὑποδημάτωνhupodēmatōnsandalsG5266N-GPN
αὐτοῦ.autouof Him.G0846P-GSM
  1. predigte Das Imperfekt zeigt an, dass dies über einen längeren Zeitraum hinweg (bzw. immer wieder) geschah. Was Johannes hier predigt, ist also die Essenz seiner Botschaft zu Jesus. Er wird sie mehrmals oder zu einer besonderen Gelegenheit vorgetragen haben. Joh 1,27-28 ist ganz ähnlich: Dort spricht Johannes der Täufer von Jesus, weil Abgesandte der religiösen Führung in Jerusalem ihn in V. 19 gefragt haben, ob er selbst der Messias sei.
  2. [einer], der mächtiger [ist] als ich Gr. ὁ ἰσχυρότερός μου, W. »der Mächtigere als ich«.
  3. mich zu bücken und Adverbiales Partizip Aorist aktiv, hier einmal gleichzeitig übersetzt (modal; vgl. NSS). In der Klammer ist das griechische mit dem deutschen Partizip 2 übersetzt.
  4. ihm Eigentlich ein Relativpronomen (»dem«), das den Satz vom vorigen abhängig macht: »dem ich nicht würdig bin...«
  5. Johannes 1,27; Matthäus 3,11; Lukas 3,16

8 ''Ich'' habe euch mit Wasser getauft, ''er'' aber wird euch mit [dem] (im) Heiligem Geist taufen.“1

Original Greek

ἐγὼegōI myselfG1473P-1NS
μὲνmenindeedG3303PRT
ἐβάπτισαebaptisabaptizedG0907V-AAI-1S
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ἐνeninG1722PREP
ὕδατι,hudatiwater,G5204N-DSN
αὐτὸςautosHe himselfG0846P-NSM
δὲdehoweverG1161CONJ
βαπτίσειbaptiseiwill baptizeG0907V-FAI-3S
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ἐνenwithG1722PREP
πνεύματιpneumati[the] SpiritG4151GN-DSN
ἁγίῳ.¶hagiōHoly.G0040GA-DSN
  1. Matthäus 3,11; Lukas 3,16; Johannes 1,26

9 Und {es geschah} 1 in jenen Tagen kam Jesus aus (von) Nazaret [in] Galiläa 2 und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐγένετοegenetoit came to passG1096V-2ADI-3S
ἐνeninG1722PREP
ἐκείναιςekeinaisthoseG1565D-DPF
ταῖςtais<the>G3588T-DPF
ἡμέραιςhēmeraisdaysG2250N-DPF
ἦλθενēlthen[that] cameG2064V-2AAI-3S
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
ἀπὸapofromG0575PREP
ΝαζαρὲτNazaretNazarethG3478N-GSF-L
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ΓαλιλαίαςGalilaiasof GalileeG1056GN-GSF-L
καὶkaiandG2532CONJ
ἐβαπτίσθηebaptisthēwas baptizedG0907V-API-3S
εἰςeisinG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ἸορδάνηνIordanēnJordanG2446N-ASM-L
ὑπὸhupobyG5259GPREP
Ἰωάννου.IōannouJohn.G2491GN-GSM-P
  1. Und {es geschah} Pleonastische (d.h. eigentlich funktionslose) Formulierung, die entweder hebräischem Erzählstil entspricht (Guelich 1989, 29f.; France 2002, 75) oder möglicherweise einfach griechischen Erzählkonventionen folgt (NSS). Auf Deutsch lässt sich dieses „zweite Prädikat“ schwer wiedergeben, ohne Verwirrung zu stiften. Luther versucht es dennoch (ähnlich Menge, Zür): „Und es begab sich zu der Zeit, dass...“
  2. von (aus) Nazaret Guelich vermutet, die Ortsangabe beziehe sich auf den Ursprungsort von Jesu Reise („aus Nazaret“) und sei hier nicht als Beiname („von Nazaret“) zu verstehen. Im letzteren Fall wäre die Verortung von Nazaret in Galiläa nicht nötig (1989, 31). Das ist zwar denkbar, aber die Identifikation Jesu mit seinem genauen Herkunftsort (in „Jesus von Nazaret“ wie ein Nachname gebraucht) passt dazu, wie Markus schon in in V. 4 den Täufer mit Beinamen eingeführt hat. [in] Galiläa Genitivus partitivus, also ein Genitiv, der besagt, dass Nazaret in Galiläa liegt. Johannes wirkte in Judäa und erreichte vornehmlich deren Bewohner (V. 5). Als Galiläer ist Jesus aus der Provinz am See Genezaret nach Süden zu Johannes gereist. Zwischen den Bewohnern der beiden räumlich getrennten Provinzen herrschte Misstrauen vor. Gerade in religiöser Hinsicht hatten die Judäer gegenüber den Galiläern Vorbehalte (Joh 1,46) und taten sich schwer, einen galiläischen Propheten zu akzeptieren. Umso merkwürdiger, dass hier einer aus Galiläa zu Johannes kommt und sich taufen lässt (der Vers ist genau gleich aufgebaut wie V. 5!), und ausgerechnet diesen Galiläer identifiziert Johannes nun als den Stärkeren, der nach ihm kommen soll! Diese Abneigung zwischen den beiden Regionen ist im Markusevangelium immer wieder unterschwellig zu spüren, das Jesu Wirken nur in Galiläa beschreibt. Jerusalem in Judäa ist der Einflussbereich von Jesu Widersachern und der Ort, an dem sie ihm schließlich das Handwerk legen konnten (France 2002, 75f.).
  3. Matthäus 3,13; Lukas 3,21

10 Und in dem Moment (gleich), als er aus dem Wasser stieg 1, sah er, wie (dass) der Himmel 2 geteilt (geöffnet) wurde 3 und der Geist wie eine Taube in ihn (zu ihm; auf ihn) 4 herabkam.5

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἀναβαίνωνanabainōngoing upG0305V-PAP-NSM
ἐκekfromG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
ὕδατοςhudatoswaterG5204N-GSN
εἶδενeidenhe sawG1492HV-2AAI-3S
σχιζομένουςschizomenoustearing openG4977V-PPP-APM
τοὺςtoustheG3588T-APM
οὐρανοὺςouranousheavensG3772N-APM
καὶkaiandG2532CONJ
τὸtotheG3588T-ASN
πνεῦμαpneumaSpiritG4151GN-ASN
ὡςhōsasG5613PRT
περιστερὰνperisterana doveG4058N-ASF
καταβαῖνονkatabainondescendingG2597V-PAP-ASN
εἰςeisuponG1519PREP
αὐτόν·autonHim;G0846P-ASM
  1. als … stieg Partizip Präsens aktiv (temporal übersetztes Ptz. conj.).
  2. Gr. im Pl. „die Himmel“
  3. sah er, wie … geöffnet wurde Die meisten Bibeln übersetzen das Passiv aus stilistischen Gründen reflexiv („öffnete sich“). Σχίζω „teilen, spalten“ ist in diesem Zusammenhang ein sehr ungewöhnliches Wort (Collins 2007, 148). Verbreiteter war in vergleichbaren Beschreibungen (wenn der Himmel sich in übernatürlicher Weise öffnet, so wie in den Parallelstellen Lk 3,21; Mt 3,16, aber auch Eze 1,1; Joh 1,51; Apg 7,56; 10,11; Offb 4,1; 19,11) das Wort ἀνοίγω „öffnen“. Vielleicht spielt Markus auf Jes 63,19 oder das Reißen des Tempelvorhangs in Mk 15,38 an (France 2002, 77).
  4. in ihn (zu ihm; auf ihn) Die korrekte Übersetzung hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst handelt es sich um eine textkritische Frage. Weiter ist zu klären, wie (und vor welchem kulturellen Hintergrund) man sich das Herabkommen des Geistes in Taubengestalt vorstellen sollte. Zur Textkritik: Alle modernen Textkritiker und die herangezogenen Kommentatoren halten die Lesart εἰς αὐτόν „zu ihm/in ihn hinein“ für ursprünglich. Die Alternative ἐπʼ αὐτόν „auf ihn“ ist zwar viel breiter bezeugt, aber fast sicher eine (bewusste oder unbewusste) Angleichung an die sehr ähnlich formulierten Parallelberichte in den anderen Evangelien (Mt 3,16; Lk 3,22; Joh 1,32) oder Jes 42,1/61,1 LXX. Die Frage ist nun, ob εἰς αὐτόν signalisieren soll, dass der Geist in Jesus hineinfuhr oder nur zu ihm kam. Einige Exegeten meinen, εἰς signalisiere lediglich eine Bewegung „zu“ Jesus, nicht „in ihn hinein“. Andere vertreten die Position, dass die Bedeutung „auf“ oder „zu“ für Markus und das ganze NT unüblich wäre (so z.B. Dixon 2009, 771f). Diesem Argument folgen wir mit unserer Übersetzung. Dixon stellt weiter deutliche Parallelen vom Vergleich des Geists mit einer Taube zur damals weithin bekannten Ilias Homers (bspw. an der Stelle 15.237–38) und anderen griechischen Göttersagen her. Darin reisen Götter in der Gestalt von Vögeln (auch vom Olymp herab) und nehmen auch menschliche Gestalt an. Er schlägt vor, dass in griechischer Literatur gebildete Leser in Jesus gerade in dieser Szene deutliche Parallelen gesehen und Jesus als Gott in menschlicher Gestalt verstanden hätten (vgl. Collins 2007, 149).
  5. Jesaja 61,1; Matthäus 3,16; Lukas 3,22; Johannes 1,32

11 Und eine Stimme kam (geschah) 1 aus dem Himmel 2: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude (Gefallen gefunden)3 !“4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
φωνὴphōnēa voiceG5456GN-NSF
ἐγένετοegenetocameG1096V-2ADI-3S
ἐκekout ofG1537PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
οὐρανῶν·ouranōnheavens:G3772N-GPM
σὺsuYou yourselfG4771P-2NS
εἶeiareG1510V-PAI-2S
ὁhotheG3588T-NSM
υἱόςhuiosSonG5207N-NSM
μουmouof MineG3165P-1GS
ὁhotheG3588T-NSM
ἀγαπητός,agapētosbeloved,G0027A-NSM
ἐνeninG1722PREP
σοὶsoiyouG4771P-2DS
εὐδόκησα.¶eudokēsaI am well pleased.G2106V-AAI-1S
  1. kam (geschah) W. geschah Wieder drückt sich Markus sehr semitisch aus. Im Deutschen ist wieder eine sinngemäße Formulierung nötig. Textkritik: Andere Handschriften lesen „Und eine Stimme wurde gehört“ oder „Und eine Stimme“.
  2. dem Himmel Gr. Pl. „den Himmeln“
  3. habe ich Freude (Gefallen gefunden) Hier vielleicht auch mit der Bedeutung »auf dich bin ich stolz«. Das Verb steht hier zwar im Aorist, Markus gebraucht es aber wohl zeitlos wie das hebräische gnomische Perfekt (NSS). Vermutlich lässt die Aussage atl. Texte wie Ps 2,7 und Jes 42,1 anklingen. Markus würde Jesus in diesem Fall unterschwellig sowohl mit dem erwählten König Israels aus Psalms 2 als auch mit dem erwählten Knecht des Propheten aus Jesaja identifizieren (Guelich 1989, 33). Der Text ähnelt am meisten dem Wortlaut von Gen 22,2 LXX, wo von Abrahams Sohn Isaak die Rede ist (France 2002, 80).
  4. Matthäus 3,17; Lukas 3,22

12 Und gleich danach brachte (führte; trieb) 1 der Geist ihn in die Wüste (Wildnis).2

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
τὸtotheG3588T-NSN
πνεῦμαpneumaSpiritG4151GN-NSN
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ἐκβάλλειekballeidrives outG1544V-PAI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἔρημον.erēmonwilderness.G2048A-ASF
  1. brachte oder trieb An anderen Stellen wird das Wort ἐκβάλλω für Dämonenaustreibungen (z.B. Mk 6,13) oder das Hinauswerfen oder Vertreiben von unwillkommenen Anwesenden benutzt (z.B. Mk 12,8). Andere übersetzen es daher auch hier mit trieb, aber aus dem Kontext geht nicht hervor, dass Jesus dagegen war oder keine Kontrolle hatte (LN 15.174, vgl. Joh 10,4; Jak 2,25; auch Mt 9,38; 15,17; s.a. NIV). ἐκβάλλω ist jedenfalls kräftiger als Lukas’ ἄγω oder Matthäus’ ἀνάγω (beide „führen“).
  2. Matthäus 4,1; Lukas 4,1

13 Und er war (lebte, verbrachte) vierzig Tage in der Wüste (Wildnis) und (während, wobei) wurde vom Satan auf die Probe gestellt (versucht), 1 und er war (lebte) unter (mit) den Tieren, und die Engel dienten (versorgten, warteten auf) ihm.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἦνēnHe wasG1510V-IAI-3S
ἐκεῖekeithereG1563ADV
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ἐρήμῳerēmōwildernessG2048A-DSF
τεσσεράκονταtesserakontafortyG5062A-NUI
ἡμέραςhēmerasdaysG2250N-APF
πειραζόμενοςpeirazomenosbeing temptedG3985GV-PPP-NSM
ὑπὸhupobyG5259GPREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
σατανᾶsatanaSatanG4567N-GSM-T
καὶkaiAndG2532CONJ
ἦνēnHe wasG1510V-IAI-3S
μετὰmetawithG3326PREP
τῶνtōntheG3588T-GPN
θηρίων·thēriōnwild animals;G2342N-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
ἄγγελοιangeloiangelsG0032GN-NPM
διηκόνουνdiēkonounwere ministeringG1247V-IAI-3P
αὐτῷ.¶autōto Him.G0846P-DSM
  1. und (während/wobei) wurde auf die Probe gestellt Ptz. coni., temporal-modal, als Nebensatz aufgelöst.
  2. Matthäus 4,1; Lukas 4,1

14 {Aber} Nachdem Johannes verhaftet 1 worden war, begab sich (kam) Jesus nach Galiläa und predigte (verkündete) 2 das Evangelium Gottes 34

Original Greek

ΚαὶKaiandG2532CONJ
μετὰmetaafterG3326PREP
δὲdeAndG1161CONJ
τὸtotheG3588T-ASN
παραδοθῆναιparadothēnaidelivering upG3860V-APN
τὸνton<the>G3588T-ASM
ἸωάννηνIōannēnof JohnG2491GN-ASM-P
ἦλθενēlthencameG2064V-2AAI-3S
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ΓαλιλαίανGalilaianGalileeG1056GN-ASF-L
κηρύσσωνkērussōnproclaimingG2784V-PAP-NSM
τὸtotheG3588T-ASN
εὐαγγέλιονeuangeliongospelG2098N-ASN
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
βασιλείαςbasileiaskingdomG0932N-GSF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
  1. verhaftet W. „ausgeliefert/übergeben“, was aber schlecht in den Kontext passt. Die Evangelien benutzen das Wort in verschiedenen Fällen für Jesu Verrat, Festnahme und Übergabe an die Autoritäten sowie zur Kreuzigung (zum ersten Mal in Mk 3,19). Markus wählt es hier vielleicht absichtlich, um Parallelen zu Jesu späterem Ergehen herzustellen (9:31; 10:33; 14:21, 41).
  2. verkündete Temporal-modales Ptz. conj. (Partizip Präsens aktiv), durch Beiordnung mit „und“ übersetzt.
  3. Evangelium Gottes Wie in Mk 1,1 (s. die Fußnote dort) ist hier nicht klar zu trennen, ob das Evangelium von Gott initiiert ist oder von Gott handelt. Da der Kontext keine Hinweis zum Verständnis gibt, sind beide Möglichkeiten nicht auszuschließen (vgl. France 2002, 91). Textkritik: Andere Handschriften lesen „Evangelium von der Gottesherrschaft/vom Gottesreich“
  4. Matthäus 4,12; Lukas 4,14; Johannes 4,1

15 und sagte 1 {dass}: „Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) 2 und Gottes Königsherrschaft (Königreich) 3 ist nahegekommen. Kehrt um (tut Buße) und glaubt an das Evangelium!“4

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
λέγωνlegōnsayingG3004GV-PAP-NSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
πεπλήρωταιpeplērōtaiHas been fulfilledG4137V-RPI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
καιρὸςkairostimeG2540N-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἤγγικενēngikenhas drawn nearG1448V-RAI-3S
ἡhētheG3588T-NSF
βασιλείαbasileiakingdomG0932N-NSF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦ·theouof God;G2316N-GSM-T
μετανοεῖτεmetanoeitedo repentG3340V-PAM-2P
καὶkaiandG2532CONJ
πιστεύετεpisteuetedo believeG4100V-PAM-2P
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
εὐαγγελίῳ.¶euangeliōgospel.G2098N-DSN
  1. sagte Temporal-modales Ptz. conj. (Partizip Präsens aktiv), das durch und mit dem Partizip predigte aus dem letzten Vers verbunden ist und auch so aufgelöst wurde. Die Konstruktion weist die folgende direkte Rede als die Kernbotschaft von Jesu Verkündigung aus.
  2. Die Zeit ist eingetreten (gekommen, erfüllt) Gemeint ist eine heilsgeschichtliche Erfüllung, also dass ein ganz bestimmter Zeitpunkt eingetreten ist (Guelich 1989, 43; vgl. Delling, πληρόω, 294f.). Vgl. GNB »Es ist so weit«, NLB, HfA »Jetzt ist die Zeit gekommen« (ebenso NIV). Bei den beiden Verben eingetreten und nahegekommen handelt es sich um Perfekte. Das Perfekt betont den gegenwärtigen Zustand, man könnte betonen: »Die Zeit ist da, Gottes Herrschaft ist nahe.« Die beiden Aussagen stehen parallel zueinander und erhellen einander.
  3. Zu ergänzen
  4. Jesaja 61,1; Matthäus 4,17

16 Und während (als) er am Meer von Galiläa entlangging, 1 sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, die gerade Wurfnetze (ein Wurfnetz) ins Meer warfen 2. Sie waren nämlich Fischer.3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
παράγωνparagōnpassingG3855V-PAP-NSM
δὲdenowG1161CONJ
παρὰparabyG3844PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θάλασσανthalassanSeaG2281N-ASF
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ΓαλιλαίαςGalilaiasof GalileeG1056HN-GSF-L
εἶδενeidenHe sawG1492HV-2AAI-3S
ΣίμωναSimōnaSimonG4613ON-ASM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἈνδρέανAndreanAndrewG0406N-ASM-P
τὸνtontheG3588T-ASM
ἀδελφὸνadelphonbrotherG0080N-ASM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ΣίμωνοςSimōnosof SimonG4613ON-GSM-P
ἀμφιβάλλονταςamphiballontasnet-castingG6006V-PAP-APM
ἀμφίβληστρονamphiblēstrona netG0293N-ASN
ἐνenintoG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
θαλάσσῃ·thalassēsea;G2281N-DSF
ἦσανēsanthey wereG1510V-IAI-3P
γὰρgarforG1063CONJ
ἁλιεῖς.halieisfishermen.G0231N-NPM
  1. während … entlangging Ptz. conj. mit temporaler Sinnrichtung (Partizip Präsens aktiv), als Nebensatz mit während übersetzt (ebenfalls möglich: „als, gerade“).
  2. Wurfnetze (ein Wurfnetz) werfen Das Verb spricht nur von der Tätigkeit, führt aber nicht aus, ob es sich um ein oder mehrere Netze handelt. Es wird auch nicht klar, ob die beiden von einem Boot aus oder zu Fuß im flachen Wasser fischten (allerdings wird in V. 19 ein Boot erwähnt). Damals gebräuchliche Wurfnetze waren rund und am Rand beschwert. Man warf sie nach Fischschwärmen (Guelich 1989, 50). Schöner wäre vielleicht die Übersetzung „mit Wurfnetzen fischen“, aber die Lokalangabe ins Meer erfordert ein Objekt. ins Meer Gr. ἐν τῇ θαλάσσῃ w. also „im Meer“. Nach Guelich 1989, 49 schreibt Markus hier in hellenistischem Dialekt, in dem die Präpositionen ἐν „in“ (wie darin) und εἰς „in (hinein)/zu (hin)“ austauschbar benutzt wurden.
  3. Matthäus 4,18

17 Und Jesus sagte zu ihnen: „Kommt, [folgt] mir nach, dann werde ich euch [zu] Menschenfischern {werden} machen!“ 1 2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εἶπενeipensaidG2036V-2AAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
ὁho<the>G3588T-NSM
Ἰησοῦς·IēsousJesus;G2424GN-NSM-P
δεῦτεdeuteComeG1205INJ
ὀπίσωopisōafterG3694PREP
μου,mouMe,G3165P-1GS
καὶkaiandG2532CONJ
ποιήσωpoiēsōI will makeG4160GV-FAI-1S
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
γενέσθαιgenesthaito becomeG1096V-2ADN
ἁλιεῖςhalieisfishersG0231N-APM
ἀνθρώπων.anthrōpōnof men.G0444N-GPM
  1. W. ein AcI, der sich übersetzen lässt als „dann werde ich machen, dass ihr Fischer [der] Menschen werdet“. Da die griechische Konstruktion kompliziert ist und sich ohnehin nicht direkt übersetzen lässt, haben wir die Übersetzung etwas vereinfacht. Daher wurde (wie in allen deutschen Übersetzungen) γενέσθαι „werden“ nicht übersetzt.
  2. Matthäus 4,19; Lukas 5,10

18 Und sofort ließen sie [ihre] Netze [liegen] und 1 folgten ihm.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἀφέντεςaphenteshaving leftG0863GV-2AAP-NPM
τὰtatheG3588T-APN
δίκτυαdiktuanetsG1350N-APN
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
ἠκολούθησανēkolouthēsanthey followedG0190V-AAI-3P
αὐτῷ.¶autōHim.G0846P-DSM
  1. ließen sie ... und Temporal-modales Ptc. coni., mit „und“ beigeordnet.
  2. Matthäus 4,20; Lukas 5,11

19 Und nachdem (als) er ein wenig weitergegangen war, 1 sah er Jakobus, den [Sohn] von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Auch sie [saßen] im Boot [und] brachten [ihre] Netze in Ordnung (setzten instand, besserten aus, flickten), 2 3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
προβὰςprobashaving gone onG4260V-2AAP-NSM
ἐκεῖθενekeithenfrom thereG1564ADV
ὀλίγονoligona littleG3641A-ASN
εἶδενeidenHe sawG1492HV-2AAI-3S
ἸάκωβονIakōbonJamesG2385GN-ASM-P
τὸνtonthe [son]G3588T-ASM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ΖεβεδαίουZebedaiouof ZebedeeG2199GN-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἸωάννηνIōannēnJohnG2491HN-ASM-P
τὸνtontheG3588T-ASM
ἀδελφὸνadelphonbrotherG0080N-ASM
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
αὐτοὺςautoustheyG0846P-APM
ἐνen[were] inG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
πλοίῳploiōboatG4143N-DSN
καταρτίζονταςkatartizontasadjustingG2675V-PAP-APM
τὰtatheG3588T-APN
δίκτυα,diktuanets,G1350N-APN
  1. nachdem er weitergegangen war Ptc. coni. (Partizip Aorist aktiv), temporal als Nebensatz mit nachdem übersetzt.
  2. sah er …. Auch sie Oder: „sah er, wie auch Jakobus und Johannes im Boot ihre Netze in Ordnung brachten“, was aber irreführend formuliert ist. Es handelt sich wie schon in V. 16 um einen AcP, der ähnlich formuliert ist wie dort. Die Ergänzung von [saßen] und [und] war notwendig, damit der Leser auch sie richtig versteht. Alles, was Markus als Gemeinsamkeit zwischen der ersten und der zweiten Gruppe Fischer ausmacht, ist, dass sich beide im Boot befanden (France 2002, 98). In Ordnung bringen wird häufig mit „ausbessern“ wiedergegeben, könnte aber auch einfach „vorbereiten“ oder „zusammenlegen“ bedeuten (Guelich 1989, 52).
  3. Matthäus 4,21; Lukas 5,10

20 und er rief sie umgehend (sofort). Und sie ließen ihren Vater mit den bezahlten Arbeitern im Boot zurück und gingen 1 ihm nach.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἐκάλεσενekalesenHe calledG2564GV-AAI-3S
αὐτούς.autousthem.G0846P-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀφέντεςaphenteshaving leftG0863GV-2AAP-NPM
τὸνtontheG3588T-ASM
πατέραpaterafatherG3962N-ASM
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
ΖεβεδαῖονZebedaionZebedeeG2199GN-ASM-P
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
πλοίῳploiōboatG4143N-DSN
μετὰmetawithG3326PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
μισθωτῶνmisthōtōnhired servantsG3411N-GPM
ἀπῆλθονapēlthonthey went awayG0565V-2AAI-3P
ὀπίσωopisōafterG3694PREP
αὐτοῦ.¶autouHim.G0846P-GSM
  1. gingen W. „gingen weg“.
  2. Matthäus 4,22; Lukas 5,11

21 Und (daraufhin) sie begaben sich nach Kafarnaum {hinein}. {Und} Dann 1 , [am] Sabbat, begann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und 2 begann) 3 zu lehren 4.5

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἰσπορεύονταιeisporeuontaithey goG1531V-PNI-3P
εἰςeisintoG1519PREP
Καφαρναούμ.KapharnaoumCapernaum.G2584N-ASF-L
καὶkaiandG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
τοῖςtoison theG3588T-DPN
σάββασινsabbasinSabbathsG4521N-DPN
εἰσελθὼνeiselthōnhaving enteredG1525V-2AAP-NSM
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
συναγωγὴνsunagōgēnsynagogueG4864N-ASF
ἐδίδασκεν.edidaskenHe was teaching.G1321V-IAI-3S
  1. Dann W. „gleich/sofort“, doch im Markusevangelium hat das Wort häufig den Sinn von „dann“. Es leitet also den nächsten Abschnitt der Handlung ein und soll die Spannung aufrecht erhalten (Guelich 1989, 54; France 2002, 103).
  2. begab er sich … und Ptz. conj. (Ptz. Aor., temporal-modal), durch Beiordnung mit „und“ aufgelöst.
  3. begann er in der Synagoge (begab er sich in die Synagoge und begann) zu lehren Textkritik: Die Handschriften haben an dieser Stelle unterschiedliche Lesarten, und auch die wissenschaftlichen Urtext-Ausgaben bevorzugen verschiedene Varianten. NA28 liest zusammen mit den meisten Zeugen εἰσελθὼν εἰς τὴν συναγωγὴν ἐδίδασκεν (die Übersetzung in der Klammer). SBLGNT liest dagegen ἐδίδασκεν εἰς τὴν συναγωγήν, was der hier gewählten Übersetzung entspricht.
  4. begann ... zu lehren Inchoatives Imperfekt (Siebenthal 2011, §198e).
  5. Lukas 4,31

22 Und sie waren tief beeindruckt 1 von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐξεπλήσσοντοexeplēssontothey were astonishedG1605V-IPI-3P
ἐπὶepiatG1909PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
διδαχῇdidachēateachingG1322N-DSF
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
ἦνēnHe wasG1510V-IAI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
διδάσκωνdidaskōnteachingG1321V-PAP-NSM
αὐτοὺςautousthemG0846P-APM
ὡςhōsasG5613PRT
ἐξουσίανexousianauthorityG1849N-ASF
ἔχωνechōnhavingG2192V-PAP-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
οὐχouchnotG3756PRT-N
ὡςhōsasG5613PRT
οἱhoitheG3588T-NPM
γραμματεῖς.¶grammateisscribes.G1122N-NPM
  1. tief beeindruckt Dieses Wort benutzen die Evangelisten meist, um die Reaktion der Zuhörer auf Jesu Lehre und Taten zu beschreiben. Sie scheinen verblüfft, ja baff zu sein über das, was sie sehen und hören, und müssen sich an Jesu Art erst gewöhnen (z.B. Mt 19,25; Mk 6,2; 7,37; 10,26). In Lk 2,48 sind seine Eltern verblüfft, Jesus nach langer Suche im Tempel zu finden. In Lk 9,43 beschreibt das Verb die Reaktion der Menge auf eine von Jesu Dämonenaustreibungen. In Mk 11,18 zeigt sich die Menge „fasziniert“ oder „in Bann geschlagen“ von Jesu Lehre. Zür: „überwältigt“, Menge, EÜ: „(sehr) betroffen“, Luther „sie entsetzten sich“, REB „sie erstaunten sehr“. NGÜ, GNB wie OfBi.
  2. Matthäus 7,28; Matthäus 13,54; Lukas 4,32

23 Und dann (plötzlich) war in der dortigen Synagoge ein Mann mit einem unreinen Geist 1 , und er schrie:2

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἦνēnthere wasG1510V-IAI-3S
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
συναγωγῇsunagōgēasynagogueG4864N-DSF
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
ἄνθρωποςanthrōposa manG0444N-NSM
ἐνenwithG1722PREP
πνεύματιpneumatia spiritG4151GN-DSN
ἀκαθάρτῳakathartōuncleanG0169A-DSN
καὶkaiandG2532CONJ
ἀνέκραξενanekraxenhe cried outG0349V-AAI-3S
  1. mit einem unreinen Geist Gr. ἐν, instr. „mit“, gibt hier, semitisch formulierend, die Präposition ב wieder (Guelich 1989, 54). Markus benützt diese Formulierung für dämonische Besessenheit, aber auch den Einfluss des Heiligen Geistes (Mk 12,36; vgl. Lk 2,27) (France 2002, 103, der „unter dem Einfluss“ als Übersetzung vorschlägt). NSS, Lut, EÜ, GNB: „besessen von“, NGÜ: „der einen bösen Geist hatte“, REB, Zür, Menge: „mit“.
  2. Lukas 4,33

24 {sagend} „Was willst du von uns, 1 Jesus von Nazaret 2? Bist du gekommen, [um] uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes 3!“4

Original Greek

λέγων·legōnsaying;G3004GV-PAP-NSM
ἔαeahaG1436INJ
τίtiWhatG5101I-NSN
ἡμῖνhēminto usG3165P-1DP
καὶkaiandG2532CONJ
σοί,soito You,G4771P-2DS
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-VSM-P
Ναζαρηνέ;Nazarēneof Nazareth?G3479A-VSM-LG
ἦλθεςēlthesDid You comeG2064V-2AAI-2S
ἀπολέσαιapolesaito destroyG0622V-AAN
ἡμᾶς;hēmasus?G3165P-1AP
οἶδάoidaI knowG6063V-RAI-1S
σεseYouG4771P-2AS
τίςtiswhoG5101I-NSM
εἶ,eiare,G1510V-PAI-2S
ὁhotheG3588T-NSM
ἅγιοςhagiosHoly [One]G0040GA-NSM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦ.theouof God!G2316N-GSM-T
  1. Was willst du von uns? W. »Was uns und dir?« In Mk 5,7; Mt 8,29; Lk 8,28 greifen Besessene gegenüber Jesus zur selben Wendung. Die Frage ist häufig Ausdruck einer ablehnenden Haltung in einer für den Sprecher unangenehmen oder bedrohlichen Situation, in der er sich dennoch fügen muss. So unter dem Eindruck der Bedrohung: »Was habe ich dir angetan?« (Ri 11,12; 1Kö 17,18; 2Chron 35,21 LXX) Sie kann auch Distanz zum Anliegen eines Bittstellers zum Ausdruck bringen: »Was soll das?« oder »Lasst das sein!« (2Sam 16,10; 19,23 LXX), sinngemäß: »Lass mich in Ruhe, finde einen anderen!« (2Kö 3,13 LXX), oder gleichgültige Distanzierung (Hos 14,9 LXX). Auf der Hochzeit in Kana bittet Jesus seine Mutter Maria mit der gleichen Wendung, sich nicht in seinen messianischen Dienst einzumischen (Joh 2,4) (vgl. France 2002, 103f.; NET Mk 1,24 Fn 48; BA ἐγώ). Im Zusammenhang mit einem bösen Geist, der sich bedroht fühlt, ist (hier und 5,7; Mt 8,29; Lk 8,28) wohl auch das defensive Element vorhanden, sinngemäß könnte man also sagen: »Was haben wir dir getan? Lass uns in Ruhe!« Zür, REB, GNB: »Was haben wir mit dir zu schaffen?«, Lut, Menge, NGÜ: »Was willst du von uns?«
  2. Jesus von Nazaret W. »Jesus [der] Nazarener«. Hier wurde der bekanntere deutsche Name für die Übersetzung gewählt.
  3. der Heilige Gottes ist kein Titel, der häufig für Jesus benutzt wird (sonst nur Joh 6,69). Im AT wird er lediglich auf Männer mit enger Gottesbeziehung angewandt (Aaron in Ps 106,16; Elisa in 2Kö 4,9; Simson in Ri 16,17), aber nicht auf den Messias. Der Titel stellt einen Kontrast her zwischen dem unreinen Geist und dem heiligen Jesus (France 2002, 104). An anderen Stellen nennen Dämonen Jesus den Sohn Gottes (Mk 3,11; 5,7). Möglich, dass der Dämon hier ein Wortspiel zwischen dem hebräischen Wort für Nazaret und dem Wort נזיר »heilig« macht, wie es bspw. in Ri 13,7 (LXX sowohl ναζιραῖος Θεοῦ als auch ἃγιος Θεοῦ) im Zusammenhang mit Simson vorkommt. Die beiden Wörter klingen ähnlich (Guelich 1989, 57; Pesch 1976, 122).
  4. Lukas 4,34

25 Und Jesus wies ihn an (unterwarf ihn seiner Kontrolle) 1 {sagend}: „Sei still (Schweig, Verstumme) und komm (verlass, fahre) aus ihm heraus!“2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐπετίμησενepetimēsenrebukedG2008V-AAI-3S
αὐτῷautōhimG0846P-DSM
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
λέγων·legōnsaying:G3004GV-PAP-NSM
φιμώθητιphimōthētido be silentG5392V-APM-2S
καὶkaiandG2532CONJ
ἔξελθεexelthedo come forthG1831V-2AAM-2S
ἐξexout ofG1537PREP
αὐτοῦ.autouhim!G0846P-GSM
  1. wies ihn an (unterwarf ihn seiner Kontrolle) Gr. ἐπιτιμάω wird häufig mit „wies ihn zurecht“ übersetzt, ist bei Markus aber ein Wort, das das Ausüben göttlicher Kontrolle, also einen unwiderstehlichen Befehl bezeichnet (France 2002, 104f.). Ähnlich verfährt Jesus mit mehreren Dämonen in Mk 3,12. Guelich argumentiert für die Übersetzung seiner Kontrolle unterwerfen in der Klammer (engl. „subdue“; ders. 1989, 57f.). EÜ, NGÜ: „befahl“. Eher unpassend Zür: „schrie ihn an“.
  2. Lukas 4,35

26 Und nachdem (während) der unreine Geist ihn geschüttelt und [mit] lauter Stimme geschrien hatte, 1 kam (verließ, fuhr) er aus ihm heraus.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
σπαράξανsparaxanhaving thrown into convulsionsG4682V-AAP-NSN
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
τὸtotheG3588T-NSN
πνεῦμαpneumaspiritG4151GN-NSN
τὸto<the>G3588T-NSN
ἀκάθαρτονakathartonuncleanG0169A-NSN
καὶkaiandG2532CONJ
φωνῆσανphōnēsanhaving shoutedG5455V-AAP-NSN
φωνῇphōnēain a voiceG5456GN-DSF
μεγάλῃmegalēloudG3173A-DSF
ἐξῆλθενexēlthenit came forthG1831V-2AAI-3S
ἐξexout ofG1537PREP
αὐτοῦ.autouhim.G0846P-GSM
  1. nachdem … geschüttelt … geschrien Ptz. conj. (Partizip Aorist aktiv), temporal-modal, hier vorzeitig verstanden und als Nebensatz mit „nachdem“ aufgelöst.
  2. Lukas 4,35

27 Und alle waren so entgeistert (erstaunt, erschrocken), dass sie einander fragten 1 {wobei sie sagten}: „Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht – sogar (selbst, und) den unreinen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm!“2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐθαμβήθησανethambēthēsanwere astonishedG2284V-API-3P
ἅπαντεςhapantesallG0537A-NPM
ὥστεhōsteso asG5620CONJ
συζητεῖνsuzēteinto questionG4802V-PAN
πρὸςprosamongG4314PREP
ἑαυτοὺςhe'autousthemselvesG1438F-3APM
λέγοντας·legontassaying;G3004GV-PAP-APM
τίtiWhatG5101I-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
τοῦτο;toutothis?G3778D-NSN
τίςtiswhatG5101I-NSF
ἡhē<the>G3588T-NSF
διδαχὴdidachēteachingG1322N-NSF
ἡhē<the>G3588T-NSF
καινὴkainēnewG2537A-NSF
αὕτηhautēthisG3778D-NSF
ὅτιhotithatG3754GCONJ
κατ᾽kat᾽WithG2596PREP
ἐξουσίαν·exousianauthority;G1849N-ASF
καὶkaievenG2532CONJ
τοῖςtoisto theG3588T-DPN
πνεύμασινpneumasinspiritsG4151GN-DPN
τοῖςtois<the>G3588T-DPN
ἀκαθάρτοιςakathartoisuncleanG0169A-DPN
ἐπιτάσσει,epitasseiHe commands,G2004V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ὑπακούουσινhupakouousinthey obeyG5219V-PAI-3P
αὐτῷ.¶autōHim!G0846P-DSM
  1. einander fragten Oder „miteinander diskutierten“ (vgl. France 2002, 105). Als elegantere deutsche Formulierung für die gesamte Reaktion der Zuhörer wäre „und sie wussten nicht, was sie davon halten sollten“ eine Möglichkeit.
  2. Lukas 4,36

28 Und bald (rasch) verbreitete sich die Kunde von ihm (sein Ruf) überall in der ganzen Umgebung, [in ganz] Galiläa (im ganzen Umland von Galiläa) 1.2

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐξῆλθενexēlthenwent outG1831V-2AAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
ἡhētheG3588T-NSF
ἀκοὴakoēnewsG0189N-NSF
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
πανταχοῦpantachoueverywhereG3837ADV
εἰςeisintoG1519PREP
ὅληνholēnallG3650A-ASF
τὴνtēntheG3588T-ASF
περίχωρονperichōronsurrounding regionG4066N-ASF
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
Γαλιλαίας.¶Galilaiasof Galilee.G1056GN-GSF-L
  1. in der ganzen Umgebung, [in ganz] Galiläa (im ganzen Umland von Galiläa) Die Übersetzung hängt davon ab, wie man den Genitiv τῆς Γαλιλαίας versteht. Als epexegetischer Genitiv ist „die ganze Umgebung, also Galiläa“ gemeint (bzw. „das ganze Umland [von Kafarnaum], also Galiläa“). Ist der Genitiv attributiv gemeint, nimmt Markus das Umland von Galiläa, also die erweiterte Region, in den Blick (France 2002, 106; Guelich 1989, 54).
  2. Lukas 4,37

29 Und dann 1 verließen sie {aus} die Synagoge und 2 gingen (begaben sich, kamen) zum (in das) Haus von Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes.3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἐκekout ofG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
συναγωγῆςsunagōgēssynagogueG4864N-GSF
ἐξελθόντεςexelthontesthey going outG1831V-2AAP-NPM
ἦλθονēlthonthey cameG2064V-2AAI-3P
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
οἰκίανoikianhouseG3614GN-ASF
ΣίμωνοςSimōnosof SimonG4613ON-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἈνδρέουAndreouAndrewG0406N-GSM-P
μετὰmetawithG3326PREP
ἸακώβουIakōbouJamesG2385GN-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
Ἰωάννου.IōannouJohn.G2491HN-GSM-P
  1. dann W. „gleich/sofort“, doch im Markusevangelium hat das Wort häufig den Sinn von „dann“. Es leitet also den nächsten Abschnitt der Handlung ein und soll die Spannung aufrecht erhalten (Guelich 1989, 54; France 2002, 103). Hier könnte das Wort auch das aufgelöste Partizip verließen modifizieren, dann könnte die Übersetzung bspw. lauten: „Und sie verließen die Synagoge gleich darauf und...“
  2. verließen … und Ptz. conj. (Aorist), als temporaler Nebensatz übersetzt. Alternativ mit „als“ oder „nachdem“.
  3. Matthäus 8,14; Lukas 4,38

30 Simons Schwiegermutter {aber} lag mit Fieber [im Bett] 1 , und sie erzählten (berichteten) ihm gleich von ihr.2

Original Greek

ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdeandG1161CONJ
πενθερὰpentherathe mother-in-lawG3994N-NSF
ΣίμωνοςSimōnosof SimonG4613ON-GSM-P
κατέκειτοkatekeitowas laying sickG2621V-INI-3S
πυρέσσουσα,puressousafevering,G4445V-PAP-NSF
καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
λέγουσινlegousinthey speakG3004GV-PAI-3P
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
περὶperiaboutG4012PREP
αὐτῆς.autēsher.G0846P-GSF
  1. lag mit Fieber [im Bett] ist durativ (Imperfekt). Mit Fieber übersetzt das adv. Ptz. modal als Präpositionalphrase, alternativ „und hatte Fieber“ oder „fiebernd“, auch eine kausale Sinnrichtung wäre möglich: „lag im Bett, weil sie Fieber hatte“. [im Bett] wird von vielen Übersetzungen (EÜ, NGÜ, GNB) sinngemäß ergänzt, weil das Griechische ohne Lokalangabe auskommt. Das Bett könnte hier je nach Wohlstand auch aus einem Lager auf einer Binsenmatte bestanden haben (NBD, 489).
  2. Matthäus 8,14; Lukas 4,38

31 Da (Und) ging er zu [ihr] und 1 half ihr beim Aufstehen (richtete sie auf), indem er ihre Hand nahm (ergriff) 2. Da (und) verließ das Fieber sie, und sie begann, sie zu bewirten (bedienen, dienen; bewirtete sie) 3.4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
προσελθὼνproselthōnhaving come to [her]G4334V-2AAP-NSM
ἤγειρενēgeirenHe raised upG1453V-AAI-3S
αὐτὴνautēnherG0846P-ASF
κρατήσαςkratēsashaving taken holdG2902V-AAP-NSM
τῆςtēsof theG3588T-GSF
χειρόςcheiroshandG5495N-GSF
αὐτῆς·autēsof her;G0846P-GSF
καὶkaiAndG2532CONJ
ἀφῆκενaphēkenleftG0863GV-AAI-3S
αὐτὴνautēnherG0846P-ASF
ὁhotheG3588T-NSM
πυρετόςpuretosfeverG4446N-NSM
εὐθέως,eutheōsimmediatelyG2112ADV
καὶkaiandG2532CONJ
διηκόνειdiēkoneishe was ministeringG1247V-IAI-3S
αὐτοῖς.¶autoisto them.G0846P-DPM
  1. ging zu … und Beschreibendes Partizip modal-temporaler Sinnrichtung, mit „und“ aufgelöst.
  2. indem er ihre Hand nahm Ptz. conj., modal als Nebensatz mit „indem“ aufgelöst.
  3. begann, sie zu bedienen Vermutlich inchoatives Imperfekt.
  4. Matthäus 8,15; Lukas 4,39

32 Als es Abend geworden (wurde) und 1 die Sonne untergegangen war (unterging), brachte 2 man alle Kranken (denen es schlecht ging) 3 und [alle] Besessenen zu ihm,4

Original Greek

ὈψίαςOpsiasWhen eveningG3798A-GSF
δὲdenowG1161CONJ
γενομένης,genomenēshaving come,G1096V-2ADP-GSF
ὅτεhotewhenG3753PREP
ἔδυeduwent downG1416V-2AAI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
ἥλιος,hēliossun,G2246N-NSM
ἔφερονepheronthey were bringingG5342V-IAI-3P
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
πάνταςpantasallG3956A-APM
τοὺςtousthoseG3588T-APM
κακῶςkakōssickG2560ADV
ἔχονταςechontasbeingG2192V-PAP-APM
καὶkaiandG2532CONJ
τοὺςtousthoseG3588T-APM
δαιμονιζομένους·daimonizomenousbeing demonised;G1139V-PNP-APM
  1. Als es Abend geworden war … und Temporales Gen. abs. (Aorist), temporal-vorzeitig übersetzt, wobei der Nebensatz mit „und“ an den folgenden angeschlossen sowie dessen Konjunktion (als) vorgezogen wurde. Die Leute warteten bis zum Abend, um die Sabbatruhe (vgl. V. 21) zu wahren, die bei Sonnenuntergang endete.
  2. brachte (V. 32) / heilte / trieb aus / ließ (V. 34) Das Imperfekt zeigt an, dass es an diesem Abend fortlaufend geschah.
  3. alle Kranke(n) Subst. Ptz.. Oder „alle, denen es schlecht ging“. ELB: „Leidenden“.
  4. Matthäus 8,16; Lukas 4,40

33 und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἦνēnwasG1510V-IAI-3S
ὅληholēallG3650A-NSF
ἡhētheG3588T-NSF
πόλιςpoliscityG4172N-NSF
ἐπισυνηγμένηepisunēgmenēgatheredG1996V-RPP-NSF
πρὸςprosatG4314PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θύραν.thurandoor.G2374N-ASF

34 Und er heilte viele Kranke (denen es schlecht ging) von verschiedenen Krankheiten und trieb viele Dämonen aus, aber (und) die Dämonen ließ er nicht sprechen, weil sie ihn kannten.1

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐθεράπευσενetherapeusenHe healedG2323V-AAI-3S
πολλοὺςpollousmanyG4183A-APM
κακῶςkakōssickG2560ADV
ἔχονταςechontasbeingG2192V-PAP-APM
ποικίλαιςpoikilaisof variousG4164A-DPF
νόσοιςnosoisdiseasesG3554N-DPF
καὶkaiandG2532CONJ
δαιμόνιαdaimoniademonsG1140N-APN
πολλὰpollamanyG4183A-APN
ἐξέβαλενexebalenHe cast outG1544V-2AAI-3S
καὶkaiAndG2532CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἤφιενēphienHe was allowingG0863IV-IAI-3S
λαλεῖνlaleinto speakG2980V-PAN
τὰtatheG3588T-APN
δαιμόνιαdaimoniademonsG1140N-APN
ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
ᾔδεισανēdeisanthey knewG1492IV-2LAI-3P
αὐτόνautonHimG0846P-ASM
ΧριστὸνChristonChristG5547N-ASM-T
εἶναι.¶einaito be.G1511V-PAN
  1. Matthäus 8,16; Lukas 4,40

35 Und früh morgens, [als es noch] ganz dunkel [war], 1 stand er auf, 2 ging hinaus (verließ [das Haus (die Stadt)]) und ging fort an einen abgeschiedenen Ort, wo er [eine Zeit lang] betete (und betete dort) 3.4

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
πρωῒprōivery earlyG4404ADV
ἔννυχαennuchain nightG1773ADV
λίανlianstill muchG3029ADV
ἀναστὰςanastashaving risen upG0450V-2AAP-NSM
ἐξῆλθενexēlthenHe went outG1831V-2AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἀπῆλθενapēlthenHe departedG0565V-2AAI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
ἔρημονerēmonsolitaryG2048A-ASM
τόπονtopona placeG5117N-ASM
κἀκεῖkakeiand thereG2532CONJ + G1563
προσηύχετο.prosēuchetoHe was praying.G4336V-INI-3S
  1. früh morgens … ganz dunkel Oder: „sehr früh morgens, [als es noch] dunkel [war]“.
  2. stand er auf Modal-temporales Ptz. conj., hier als Indikativ übersetzt und in die Satzkette eingereiht.
  3. [eine Zeit lang] betete Das Imperfekt zeigt an, dass er eine Weile mit Beten verbrachte – daher die eingefügte Zeitangabe.
  4. Lukas 4,42; Markus 6,46

36 Und Simon und [jene], die bei ihm waren, spürten (eilten) ihm nach 1

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
κατεδίωξενkatediōxenhe went afterG2614V-AAI-3S
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ὁho<the>G3588T-NSM
ΣίμωνSimōnSimonG4613ON-NSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoithoseG3588T-NPM
μετ᾽met᾽withG3326PREP
αὐτοῦ·autouhim;G0846P-GSM
  1. spürten (eilten) ihm nach Das Wort heißt eigentlich meist „nachjagen, verfolgen“ und macht auch hier den Druck greifbar, den die vier Jünger ob der Menschenmenge empfanden (France 2002, 112). Sinngemäß formuliert: „versuchten hektisch/verzweifelt, ihn ausfindig zu machen“.

37 und fanden ihn. {und} Sie teilten ihm mit (sagten) {dass}: 1 „Alle fragen (suchen, forschen) nach dir!“

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
εὗρονheuronhaving foundG2147V-2AAI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
καὶkaialsoG2532CONJ
λέγουσινlegousinthey sayG3004GV-PAI-3P
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
πάντεςpantesEveryoneG3956A-NPM
ζητοῦσίνzētousinseeksG2212V-PAI-3P
σε.¶seYou.G4771P-2AS
  1. und fanden ihn. {und} Sie teilten ihm mit (sagten) {dass}: Oder: „Als sie ihn fanden, teilten sie ihm mit“ (Lut, EÜ, NGÜ).

38 {und} Er entgegnete (sagte) ihnen: „Gehen wir stattdessen (lasst uns gehen) anderswohin, in die benachbarten Ortschaften (Dörfer), damit ich auch dort predigen (verkündigen) [kann]. Zu diesem Zweck (Dazu) bin ich nämlich aus [der Stadt] gekommen (bin gekommen, ausgezogen) 1.“2

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
ἄγωμενagōmenlet us goG0071V-PAS-1P
ἀλλαχοῦallachouanother wayG0237ADV
εἰςeisintoG1519PREP
τὰςtasthose [places] whichG3588T-APF
ἐχομέναςechomenasare havingG2192V-PMP-APF
κωμοπόλειςkōmopoleisvillagesG2969N-APF
ἵναinaso thatG2443CONJ
καὶkaialsoG2532CONJ
ἐκεῖekeithereG1563ADV
κηρύξω·kēruxōI may preach;G2784V-AAS-1S
εἰςeisforG1519PREP
τοῦτοtoutothisG3778D-ASN
γὰρgarthereforeG1063CONJ
ἐξῆλθον.¶exēlthonI have come forth.G1831V-2AAI-1S
  1. aus [der Stadt] gekommen (bin gekommen, ausgezogen) Gr. ἐξῆλθον »(hin)ausgegangen, herausgekommen, verlassen«. Die Frage ist: Bezieht sich Jesus darauf, dass er die Stadt Kafarnaum verlassen hat (wie dasselbe Wort in V. 35 anzeigen kann – im Griechischen ist wie beim Synonym »hinausgehen« kein Objekt nötig), oder dass er dazu vom Vater aus (bzw. aus dem Himmel) gekommen ist (wie es Lukas in der Parallelstelle Lk 4,43 meint)? Die meisten Übersetzer entscheiden sich für die zweite Option, die auch im Johannesevangelium eine große Rolle spielt (vgl. Joh 8,42; 13,3; 16,27-28). Vordergründig scheint Jesus sich auf seinen Dienst zu beziehen, der sich von hier an auf ganz Galiläa ausdehnt (so Pesch 1976, 138; Guelich 1989, 70, der die zweite Option daher ganz ausschließt). Eine Variante dieser Interpretation ist, dass Jesus zu diesem Zweck ausgezogen ist, das Predigen also als seine Mission versteht, ohne aber mit dieser Aussage eine Herkunft vom Vater im Sinn der Parallelstelle bei Lukas andeuten zu wollen (Option 3, so wohl Menge). Es ist jedoch durchaus vorstellbar, dass Markus bewusst zweideutig formuliert, sodass die Aussageabsicht, die Lukas ganz eindeutig macht, hier schon mitschwingt (France 2002, 113; Blight 2012, 81). Option 1 erhält hier den Vorzug, weil es sich um die aus dem Kontext offenkundige Bedeutung handelt. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich jedoch für die eher sinngemäße Formulierung »dazu bin ich gekommen«, die auf Option 2 oder Option 3 hindeutet (EÜ, Lut, NGÜ, GNB, Zür, vgl. REB).
  2. Lukas 4,43; Markus 1,14; Johannes 8,42

39 Und er zog (kam; war) durch ganz Galiläa, predigte (verkündigte) in ihren Synagogen 1 und trieb die Dämonen aus. 23

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἦλθενēlthenHe was goingG2064V-2AAI-3S
κηρύσσωνkērussōnpreachingG2784V-PAP-NSM
εἰςeisinG1519PREP
τὰςtastheG3588T-APF
συναγωγὰςsunagōgassynagoguesG4864N-APF
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
εἰςeisinG1519PREP
ὅληνholēnallG3650A-ASF
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ΓαλιλαίανGalilaianGalileeG1056GN-ASF-L
καὶkaiandG2532CONJ
τὰta<the>G3588T-APN
δαιμόνιαdaimoniademonsG1140N-APN
ἐκβάλλων.¶ekballōncasting out.G1544V-PAP-NSM
  1. durch ganz Galiläa … in ihren Synagogen In beiden Fällen kommt als Präposition εἰς „zu (hin), in (hinein)“ zum Einsatz. Zum flexiblen Gebrauch der Präposition bei Markus s. die Fußnoten in V. 16 und V. 21 (France 2002, 113). Wie schon in V. 21 haben Kopisten einiger Manuskripte versucht, den vermeintlich fehlerhaften Text zu korrigieren.
  2. predigte und trieb aus Temporal-modale Ptz. conj., als Indikative in einer Satzreihe aufgelöst.
  3. Matthäus 4,25; Lukas 4,44

40 Und ein Aussätziger (Leprakranker) kam zu ihm, der ihn anflehte und auf die Knie fiel 1 , wobei er ihm zurief (sagte) 2 {dass}: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen (heilen)!“3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἔρχεταιerchetaicomesG2064V-PNI-3S
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
λεπρὸςleprosa leperG3015A-NSM
παρακαλῶνparakalōnimploringG3870V-PAP-NSM
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
γονυπετῶνgonupetōnkneeling downG1120V-PAP-NSM
αὐτὸνautonto himG0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
λέγωνlegōnsayingG3004GV-PAP-NSM
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐὰνeanIfG1437COND
θέλῃςthelēsYou may be willingG2309V-PAS-2S
δύνασαίdunasaiYou are ableG1410V-PNI-2S
μεmemeG3165P-1AS
καθαρίσαι.katharisaito cleanse.G2511V-AAN
  1. der anflehte … auf die Knie fiel Zwei modal-temporale Ptz. conj., hier als Relativsatz aufgelöst. Textkritik: In einigen Handschriften (B, D u.a.) fehlt καὶ γονυπετῶν (καὶ) und auf die Knie fiel (und).
  2. wobei er ihm zurief Ptz. conj., hier als modaler Nebensatz aufgelöst. Die Übersetzung hängt auch von der textkritischen Entscheidung ab, die in der vorigen Fußnote angesprochen wird.
  3. Matthäus 8,2; Lukas 5,12

41 Und [Jesus] hatte Mitleid (wurde zornig), 1 darum 2 streckte er seine Hand aus 3 , berührte [ihn] und sagte zu ihm: „Ich will, sei rein (gereinigt, geheilt)!“4

Original Greek

ὁho<the>G3588T-NSM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
σπλαγχνισθεὶςsplagchnistheishaving compassionG4697V-AOP-NSM
ἐκτείναςekteinashaving stretched outG1614V-AAP-NSM
τὴνtēntheG3588T-ASF
χεῖραcheirahandG5495N-ASF
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ἥψατοhēpsatoHe touched himG0681V-ADI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
λέγειlegeisaysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
θέλω,thelōI am willing,G2309V-PAI-1S
καθαρίσθητι.katharisthētido be cleansed.G2511V-APM-2S
  1. hatte Mitleid (wurde zornig) Die beiden möglichen Übersetzungen sind auf eine sehr schwierige Variante in der Überlieferung unserer Stelle zurückzuführen. Einzelne antike Handschriften haben die Variante wurde zornig. Der Grund für Jesu Zorn wäre dabei schwer auszumachen. Vermutlich richtet sich der Zorn nicht gegen den Aussätzigen (sonst würde Jesus anders reagieren), sondern am ehesten gegen seine Erkrankung, die die Gefallenheit der Welt und das Wirken des Bösen in ihr vor Augen führt (ebd. 117; Guelich 1989, 74). Eine ähnliche Erklärung bietet sich bspw. bei Mk 7,34 oder Joh 11,33 an. Die wissenschaftlichen Urtext-Ausgaben folgen verschiedenen Varianten.
  2. hatte Mitleid, darum Ptz. conj. (modal-temporal oder kausal), hier kausal verstanden, weil dies die folgende Handlung Jesu begründet. Die Auflösung als Nebensatz mit „und“, „weil“ wäre alternativ ebenso möglich wie die Präpositionalphrase „voller Mitleid“. NGÜ: „Von tiefem Mitleid ergriffen“.
  3. streckte aus Ptz. conj. (modal-temporal), hier als Indikativ übersetzt und beigeordnet.
  4. Matthäus 8,3; Lukas 5,13

42 Und sofort verschwand (ging weg) der Aussatz (die Lepra) von ihm, und er wurde rein (gereinigt, geheilt).1

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εἰπόντοςeipontoswhen was speakingG2036V-2AAP-GSM
αὐτοῦautouheG0846P-GSM
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἀπῆλθενapēlthendepartedG0565V-2AAI-3S
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
αὐτοῦautouhimG0846P-GSM
ἡhētheG3588T-NSF
λέπρα,lepraleprosy,G3014N-NSF
καὶkaiandG2532CONJ
ἐκαθαρίσθη.ekatharisthēhe was cleansed.G2511V-API-3S
  1. Matthäus 8,3; Lukas 5,13; 2 Könige 5,14

43 Und er ermahnte ihn streng (fuhr ihn an, wies ihn zurecht; bedeutete ihm zu schweigen) 1 , schickte ihn ohne Umschweife (sofort) weg (warf ihn hinaus)2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐμβριμησάμενοςembrimēsamenoshaving sternly warnedG1690V-ADP-NSM
αὐτῷautōhimG0846P-DSM
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἐξέβαλενexebalenHe sent awayG1544V-2AAI-3S
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
  1. ermahnte streng Ptz. conj. (modal-temporal). Das Wort drückt bei Menschen meist wütende Erregung aus (z.B. Joh 11,33.38), allerdings wird hier keine Gemütserregung, sondern Kommunikation beschrieben. An anderen, vergleichbaren Stellen ist in dem Verb oft ein feindseliger Unterton zu spüren: In Dan 11,30 LXX scheint überlegene oder harsche Zurechtweisung oder Bedrohung mitzuschwingen. In Mk 14,5 kommt es vielleicht im Sinn von „jemdn. scharf zurechtweisen/schimpfen“ vor. Wie in Mt 9,30 scheint daher eher etwas im Sinne einer strengen Ermahnung gemeint zu sein (vgl. LSJ ἐμβριμάομαι, weil der Kontext nicht verrät, warum Jesus plötzlich so erregt sein sollte (vgl. Collins 2007, 179). Guelich versteht das Wort daher als Beschreibung einer orientalischen Geste, die Schweigen signalisiert (Guelich 1989, 75). Mt 8,4 und Lk 5,14 benutzen etwas mildere Worte. Lut: „drohte“, Zür: „fuhr an“, EÜ: „schärfte ein“, NGÜ: „ermahnte“, GNB: „befahl streng“
  2. Matthäus 8,4; Lukas 5,14

44 und sagte zu ihm: „Sieh, dass du niemandem etwas 1 erzählst (sagst), sondern geh [und] zeige dich dem Priester und dann bringe für deine Reinigung (Heilung) [das Opfer] dar, das Mose vorgeschrieben (festgelegt) hat, als Beweis (Nachweis, Zeugnis, Beleg) [für (gegen)] sie 2!“3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
ὅρα,horado see [that]G3708V-PAM-2S
μηδενὶmēdeninothingG3367A-DSM
μηδὲνmēdento noneG3367A-ASN-N
εἴπῃς·eipēsmay you speak;G2036V-2AAS-2S
ἀλλ᾽all᾽ButG0235CONJ
ὕπαγε,hupagedo go,G5217V-PAM-2S
σεαυτὸνseautonyourselfG4771F-2ASM
δεῖξονdeixondo showG1166V-AAM-2S
τῷtōto theG3588T-DSM
ἱερεῖhi'ereipriestG2409N-DSM
καὶkaiandG2532CONJ
προσένεγκεprosenegkedo offerG4374V-2AAM-2S
περὶperiforG4012PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
καθαρισμοῦkatharismoucleansingG2512N-GSM
σουsouof youG4771P-2GS
ἃhawhatG3739R-APN
προσέταξενprosetaxencommandedG4367V-AAI-3S
ΜωϋσῆςMōusēsMosesG3475N-NSM-P
εἰςeisforG1519PREP
μαρτύριονmarturiona testimonyG3142N-ASN
αὐτοῖς.autoisto them.G0846P-DPM
  1. niemandem etwas Im Griechischen eine doppelte Verneinung, welche die Warnung noch schärfer macht.
  2. [für (gegen)] sie Dativus commodi (für) oder incommodi (gegen), wobei sie im Plural steht. Ein Zeugnis oder Nachweis gegen entspräche dem griechischen Sprachgebrauch und würde sich dann vielleicht gegen Kritiker richten, die Jesu Treue zum Gesetz in Zweifel ziehen (so Guelich 1989, 77). Vgl. EÜ: »Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein.«, GNB: »Die Verantwortlichen sollen wissen, dass ich das Gesetz ernst nehme.« Eine andere Deutung: Jesus meint den Beweis für sie, nämlich die Führer des Volkes, dass er tatsächlich Wunder vollbringen kann und somit von Gott kommt (Collins 2007, 179). Die einfachste Interpretation ist freilich, dass es sich bei dem Durchlaufen der in Lev 14,1-32 vorgeschriebenen Reinigungshandlung samt Untersuchung durch einen Priester und Dankopfer um eine »Demonstration« der Echtheit seiner Heilung gegenüber den Priestern (Pesch 1976, 146) oder dem Volk (France 2002, 120) handelt.
  3. Matthäus 8,4; Lukas 5,14; Levitikus 14,1

45 Doch als (nachdem) der [Mann] hinausging, 1 begann er eifrig (überall; viele Dinge) [davon] zu erzählen (predigen, verkündigen) 2 und die Geschichte (Nachricht, das Wort) zu verbreiten,3 so dass [Jesus] nicht länger in der Lage war, offen (unerkannt, öffentlich, ohne Aufsehen) eine Stadt zu betreten, sondern sich außerhalb in unbewohnten (abgelegenen) Gegenden (Orten) aufhielt (blieb, war) 4. Dennoch (doch, und) kamen [die Leute] weiter (begannen zu kommen) 5 von überall her (aus allen Richtungen) zu ihm.6

Original Greek

ὁho<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἐξελθὼνexelthōnhaving gone outG1831V-2AAP-NSM
ἤρξατοērxatohe beganG0757V-ADI-3S
κηρύσσεινkērusseinto proclaimG2784V-PAN
πολλὰpollamuchG4183A-APN
καὶkaiandG2532CONJ
διαφημίζεινdiaphēmizeinto spread abroadG1310V-PAN
τὸνtontheG3588T-ASM
λόγονlogonmatterG3056N-ASM
ὥστεhōsteso thatG5620CONJ
μηκέτιmēketino longerG3371ADV-N
αὐτὸνautonHeG0846P-ASM
δύνασθαιdunasthaito be ableG1410V-PNN
φανερῶςphanerōsopenlyG5320ADV
εἰςeisinto [the]G1519PREP
πόλινpolincityG4172N-ASF
εἰσελθεῖν,eiseltheinto enter,G1525V-2AAN
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
ἔξωexōoutG1854PREP
ἐπ᾽ep᾽inG1909PREP
ἐρήμοιςerēmoissolitaryG2048A-DPM
τόποιςtopoisplacesG5117N-DPM
ἦν.ēnHe was.G1510V-IAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἤρχοντοērchontothey were comingG2064V-INI-3P
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
πάντοθεν.¶pantothenfrom every side.G3840ADV
  1. als der [Mann] hinausging Ptz. conj., temporal-gleichzeitig übersetzt als Nebensatz mit „als“. Denkbar wäre auch „nachdem er hinausgegangen war“ (vorzeitig) oder „er ging hinaus und“.
  2. [davon] zu erzählen/verkündigen Es geht im Kontext zunächst um die Geschichte seiner Heilung. Das Wort κηρύσσειν, das vorher für die Predigten Jesu benutzt wurde, könnte jedoch auch darauf hindeuten, dass der Mann im Rahmen seiner Heilungsgeschichte auch über Jesus und dessen Evangelium predigte (Collins 2007, 179f.). So GNB: „Aber der Mann ging weg und fing überall an, von Jesus und seiner Botschaft zu erzählen und davon, wie er geheilt worden war.“ Ebenfalls möglich ist die Übersetzung „er begann, [über] vieles zu predigen“ (Guelich 1989, 77).
  3. Markus 5,20
  4. sich aufhielt ist die sinngemäße Wiedergabe von war.
  5. kamen weiter (begannen zu kommen) Die Übersetzung gibt das Imperfekt durativ/iterativ wieder, die Klammer inchoativ. Beide Deutungen sind denkbar.
  6. Lukas 5,15