reltext

Chapter 1

1 1 [Wie] glücklich (gesegnet)2 [ist] der Mensch (Mann)3, der nicht dem Rat (den Plänen)4 der Gottlosen (Übeltäter)5 folgt (gefolgt ist)6, {und} nicht auf (mit) dem Weg der Sünder steht (betritt; gestanden hat) und nicht an dem Ort (auf dem Sitz, im Kreis7) der Spötter sitzt (saß)8,

Original Hebrew

אַ֥שְֽׁרֵי\־א֥שרי\אַשְֽׁרֵי\־אשרי\'Ash.rei-how blessed!H0835\H9014HNcmpc
הָ/אִ֗ישׁה/א֗ישהָ/אִישׁה/אישha./'Ish[is] the/ personH9009H0376GHTd+Ncmsa
אֲשֶׁ֤ר\׀אש֤ר\אֲשֶׁר\׀אשר\'a.SherwhoH0834A\H9015HTr
לֹ֥אל֥אלֹאלאlo'notH3808HTn
הָלַךְ֮הלך֮הָלַךְהלךha.laKhhe walksH1980IHVqp3ms
בַּ/עֲצַ֪תב/עצ֪תבַּ/עֲצַתב/עצתba./'a.Tzatin/ [the] counsel ofH9003H6098HR+Ncfsc
רְשָׁ֫עִ֥יםרש֫ע֥יםרְשָׁעִיםרשעיםre.Sha.'Imwicked [people]H7563HNcmpa
וּ/בְ/דֶ֣רֶךְו/ב/ד֣רךוּ/בְ/דֶרֶךְו/ב/דרךu./ve./De.rekhand/ in/ [the] way ofH9002H9003H1870GHC+R+Ncbsc
חַ֭טָּאִיםח֭טאיםחַטָּאִיםחטאיםCha.ta.'imsinnersH2400HAampa
לֹ֥אל֥אלֹאלאlo'notH3808HTn
עָמָ֑דעמ֑דעָמָדעמד'a.Madhe standsH5975GHVqp3ms
וּ/בְ/מוֹשַׁ֥בו/ב/מוש֥בוּ/בְ/מוֹשַׁבו/ב/מושבu./ve./mo.Shavand/ in/ [the] seat ofH9002H9003H4186HC+R+Ncmsc
לֵ֝צִ֗יםל֝צ֗יםלֵצִיםלציםle.TzimmockersH3887HAampa
לֹ֣אל֣אלֹאלאlo'notH3808HTn
יָשָֽׁב\׃ישב\יָשָֽׁב\׃ישב\ya.Shavhe sitsH3427\H9016HVqp3ms
  1. [Status: Sehr gut]
  2. Das hier verwendete Wort אַשְׁרֵי־ drückt nicht einen konkreten Segen, sondern erstrebenswertes, gesegnetes Glück in einer Beziehung mit Gott durch Bundesgehorsam aus (Waltke 2010, 133). Ähnlich auch die Seligpreisungen (Mt 5,1-12). Psalm 1 kann als Definition dafür gelten, welche Art von Mensch sich auf diese Weise glücklich nennen darf (vgl. Kraus 41972, 3): der „Gerechte“ (צַדִּיק), der falsche Wege meidet (1) und sich stattdessen der Torah, der Weisung Gottes zuwendet (2)(Kraus 41972, 9).
  3. Die männliche Form steht hier stellvertretend für jeden Menschen, auf den das Beschriebene zutrifft (Generisches Maskulinum; vgl. Waltke 2010, 128).
  4. Das Wort kann sich auch auf die Pläne und Ziele einer Person beziehen, umfasst also mehr als einen einmaligen Ratschlag.
  5. „Gottlose“ (רְשָׁעִים) sind solche, die vor dem Gesetz Gottes schuldig sind und sich Gott bewusst widersetzen (Kraus 41972, 4). Der Gottlose ist das genaue Gegenstück zum Gerechten (Waltke 2010, 133).
  6. Wörtlich: „im Rat der Gottlosen geht/gegangen ist“; Übs. vgl. NGÜ, REB, NET.
  7. im Kreis So EÜ. Gemeint ist mit dem „Sitz der Spötter“ ihr Versammlungsort (TWOT 922d), wo die Spötter (לֵצִים) sich gegenseitig zum Spott über Gott herausfordern (Kraus 41972, 4).
  8. V. 1 ließe sich auf zwei Weisen lesen: Entweder handelt es sich bei „dem Rat der Gottlosen folgen“, „auf dem Weg Weg der Sünder stehen“ und „am Ort der Spötter sitzen“ um eine Synonymreihung, die sämtlich für das „sich-Vergehen“ stehen, oder es wird hier durch die Entwicklung von „folgen“-„stehen“-„sitzen“ eine Entwicklung von dynamisch zu statisch ausgedrückt: Der betreffende Mensch verdirbt immer mehr, indem er sich immer mehr an den Kreis der Sünder annähert, bis er sich schließlich ganz bei ihnen niederlässt. Vgl. hierzu die Diskussionsseite.

2 sondern am Gesetz (Weisung, Tora) JHWH s {seine} Freude (Verlangen, Lust) [hat] und über sein Gesetz Tag und Nacht nachdenkt (grübelt; leise liest oder rezitiert; nachdenken wird)1.

Original Hebrew

כִּ֤יכ֤יכִּיכיkithatH3588BHTc
אִ֥םא֥םאִםאם'imexceptH0518BHTc
בְּ/תוֹרַ֥תב/תור֥תבְּ/תוֹרַתב/תורתbe./to.Rat[is] in/ [the] law ofH9003H8451HR+Ncfsc
יְהוָ֗היהו֗היְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
חֶ֫פְצ֥/וֹח֫פצ֥/וחֶפְצ/וֹחפצ/וchef.Tz/odelight/ hisH2656H9023HNcmsc+Sp3ms
וּֽ/בְ/תוֹרָת֥/וֹו/ב/תורת֥/ווּֽ/בְ/תוֹרָת/וֹו/ב/תורת/וu./ve./to.ra.T/oand/ in/ law/ hisH9002H9003H8451H9023HC+R+Ncfsc+Sp3ms
יֶהְגֶּ֗היהג֗היֶהְגֶּהיהגהyeh.Gehhe meditatesH1897HVqi3ms
יוֹמָ֥םיומ֥םיוֹמָםיומםyo.Mamby dayH3119HD
וָ/לָֽיְלָה\׃ו/לילה\וָ/לָֽיְלָה\׃ו/לילה\va./La.ye.lahand/ nightH9002H3915\H9016HC+Ncmsa
  1. Freude und Andacht gegenüber dem Gesetz sind Metonymien der Ursache für ein Leben, das sich an der Schrift orientiert. Da Psalm 1 den gesamten Psalter einleitet, nennt er mit dieser Aussage eine Schlüsselqualifikation für das richtige Verständnis der Psalmen (Waltke 2010, 139).

3 {Und (Dann)} Er ist (wird sein) wie ein Baum, gepflanzt an Wasserkanälen (Wasserbächen)1,2 der seine Frucht bringt (gibt; bringen wird) zu seiner Zeit3 und dessen Blätter nicht welken. Und alles, was er tut, gedeiht (gelingt; wird gedeihen)4.56

Original Hebrew

וְֽ/הָיָ֗הו/הי֗הוְֽ/הָיָהו/היהve./ha.Yahand/ he isH9001H1961Hc+Vqq3ms
כְּ/עֵץ֮כ/עץ֮כְּ/עֵץכ/עץke./'Etzlike/ a treeH9004H6086HHR+Ncmsa
שָׁת֪וּלשת֪ולשָׁתוּלשתולsha.TulplantedH8362HVqsmsa
עַֽל\־על\עַֽל\־על\'al-atH5921A\H9014HR
פַּלְגֵ֫יפלג֫יפַּלְגֵיפלגיpal.Geistreams ofH6388HNcmpc
מָ֥יִםמ֥יםמָיִםמיםMa.yimwaterH4325GHNcmpa
אֲשֶׁ֤ראש֤ראֲשֶׁראשר'a.SherwhichH0834AHTr
פִּרְי֨/וֹ\׀פרי֨/ו\פִּרְי/וֹ\׀פרי/ו\pir.Y/ofruit/ itsH6529H9023\H9015HNcmsc+Sp3ms
יִתֵּ֬ןית֬ןיִתֵּןיתןyi.Tenit givesH5414GHVqi3ms
בְּ/עִתּ֗/וֹב/עת֗/ובְּ/עִתּ/וֹב/עת/וbe./'i.T/oat/ appropriate time/ itsH9003H6256H9023HR+Ncbsc+Sp3ms
וְ/עָלֵ֥/הוּו/על֥/הווְ/עָלֵ/הוּו/על/הוve./'a.Le./huand/ leafage/ itsH9002H5929H9023HC+Ncmsc+Sp3ms
לֹֽא\־לא\לֹֽא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
יִבּ֑וֹליב֑וליִבּוֹליבולyi.Bolit withersH5034BHVqi3ms
וְ/כֹ֖לו/כ֖לוְ/כֹלו/כלve./Kholand/ allH9002H3605HC+Ncmsa
אֲשֶׁר\־אשר\אֲשֶׁר\־אשר\'a.Sher-thatH0834A\H9014HTr
יַעֲשֶׂ֣היעש֣היַעֲשֶׂהיעשהya.'a.Sehhe doesH6213AHVqi3ms
יַצְלִֽיחַ\׃יצליח\יַצְלִֽיחַ\׃יצליח\yatz.Li.achit succeedsH6743B\H9016HVhi3ms
  1. Gemeint sind künstliche Bewässerungskanäle.
  2. Psalm 92,13; Jeremia 11,19; Ezechiel 17,5
  3. Also: regelmäßig, wegen der steten Wasserversorgung, die ohne solche Bewässerungskanäle nicht möglich wäre (Kraus 41972, 6). Dieser Vergleich beschreibt zusammen mit dem Aspekt der nicht verwelkenden Blätter das ewige Leben, das der Gottesfürchtige als „Frucht“ bekommen wird (Waltke 2010, 140).
  4. Auch möglich: „Und er bringt alles, was er tut, zum Gedeihen“ („two-place“ Hiphil nach Waltke 2010, 128).
  5. Ps 1 enthält als Torah- bzw. Weisheitspsalm ein typisches Motiv der Weisheitsliteratur, den „Tun-Ergehen-Zusammenhang“: Wie man handelt, so ergeht es einem. Gutes Handeln - das Beschreiten des „gerechten Weges“ - zieht in der Regel positive Folgen für den Handelnden nach sich, der Weg des Gottlosen dagegen führt ins Verderben (vgl. z.B. Oeming 2000, S. 50 f.). Der Gerechte speist sich hier aus den von Gott verfügbar gemachten Bewässerungskanälen der Tora. Soweit er der Tora folgt, wird ihm alles gelingen, er wird zu seiner Zeit Frucht bringen.
  6. Josua 1,8

4 Nicht so die Gottlosen (Übeltäter)! {sondern (vielmehr)} [Sie sind] wie Spreu1, die [der] Wind wegbläst (wegblasen wird).2

Original Hebrew

לֹא\־לא\לֹא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
כֵ֥ןכ֥ןכֵןכןkhen[are] soH3651CHD
הָ/רְשָׁעִ֑יםה/רשע֑יםהָ/רְשָׁעִיםה/רשעיםha./re.sha.'Imthe/ wicked [people]H9009H7563HTd+Ncmpa
כִּ֥יכ֥יכִּיכיkithatH3588BHTc
אִם\־אם\אִם\־אם\'im-exceptH0518B\H9014HTc
כַּ֝/מֹּ֗ץכ֝/מ֗ץכַּ/מֹּץכ/מץka./Motz[they are] like the/ chaffH9004H4671HRd+Ncmsa
אֲֽשֶׁר\־אשר\אֲֽשֶׁר\־אשר\'asher-whichH0834A\H9014HTr
תִּדְּפֶ֥/נּוּתדפ֥/נותִּדְּפֶ/נּוּתדפ/נוti.de.Fe./nuit drives about/ itH5086H9033HVqi3fs+Sp3ms
רֽוּחַ\׃רוח\רֽוּחַ\׃רוח\Ru.achwindH7307H\H9016HNcfsa
  1. Spreu sind die Schalen von Getreidekörnern, die früher durch Dreschen von diesen gelöst und dann durch Worfeln von ihnen getrennt wurden. Dabei warf man beide Teile in den Wind, der die leichten Spelzen wegblies, während die Körner wieder auf den Boden fielen (Douglas, Chaff, in: NBD 1996). Die nutzlose Spreu steht im Gegensatz zu dem lebendigen, fruchtbaren Baum (3) (Waltke 2010, 141). Gottlose und Spreu teilen für den Psalmisten dasselbe Schicksal: Sie sind wertlos und bestehen nicht, sie werden im entscheidenden Moment vergehen (vgl. den Beginn von V. 5: „deshalb“
  2. Lukas 3,17

5 Deshalb bestehen (stehen auf; werden bestehen) Gottlose nicht vor dem (nicht im) Gericht1 und Sünder [nicht] in der Versammlung der Gerechten2.

Original Hebrew

עַל\־על\עַל\־על\'al-there-H5921A\H9014HR
כֵּ֤ן\׀כ֤ן\כֵּן\׀כן\ken-foreH3651C\H9015HD
לֹא\־לא\לֹא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
יָקֻ֣מוּיק֣מויָקֻמוּיקמוya.Ku.muthey will standH6965IHVqi3mp
רְ֭שָׁעִיםר֭שעיםרְשָׁעִיםרשעיםRe.sha.'imwicked [people]H7563HNcmpa
בַּ/מִּשְׁפָּ֑טב/משפ֑טבַּ/מִּשְׁפָּטב/משפטba./mish.Patin the/ judgmentH9003H4941GHRd+Ncmsa
וְ֝/חַטָּאִ֗יםו֝/חטא֗יםוְ/חַטָּאִיםו/חטאיםve./cha.ta.'Imand/ sinnersH9002H2400HC+Aampa
בַּ/עֲדַ֥תב/עד֥תבַּ/עֲדַתב/עדתba./'a.Datin/ [the] congregation ofH9003H5712HR+Ncfsc
צַדִּיקִֽים\׃צדיקים\צַדִּיקִֽים\׃צדיקים\tza.di.Kimrighteous [people]H6662\H9016HAampa
  1. Unklar ist, ob das Endgericht oder ein irdisches Gericht gemeint ist. Möglichkeiten: Gericht, Gerichtsverhandlung (Gesenius18, ~ 5), Gerichtshof (DCH, ~ §1d), gesamtes Gerichtsverfahren (TWAT, ~ II.2.a; NIDOTTE, ~ 2), Zeitpunkt des (End-?)Gerichts (TWOT, ~ 6), Urteilsvollzug (im Endgericht?) (DCH, ~ §1e, in 1d in Betracht gezogen)? Kraus 41972, 8 glaubt in Anlehnung an Ps 24,3, es wäre hier stattdessen vom Betreten der heiligen Stätte die Rede. Gut möglich, dass ganz einfach eine allgemeine Wahrheit ausgedrückt werden soll: die Gottlosen bestehen ganz grundsätzlich vor keinem Gericht bzw. in keinem Verfahren. Die parallele Entsprechung „Versammlung der Gerechten“ in 5b ist dann vielleicht die Instanz, die das Urteil fällt (Waltke 2010, 142).
  2. Zum Gebrauch des Begriffs „Gerechter“ s. die Fußnote in V. 1.

6 Denn (ja) JHWH kennt (wacht über) den Weg der Gerechten, aber (und) der Weg der Gottlosen (Übeltäter) führt ins Verderben (vergeht)1.

Original Hebrew

כִּֽי\־כי\כִּֽי\־כי\ki-forH3588A\H9014HTc
יוֹדֵ֣עַיוד֣עיוֹדֵעַיודעyo.De.a'[is] knowingH3045HVqrmsa
יְ֭הוָהי֭הוהיְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
דֶּ֣רֶךְד֣רךדֶּרֶךְדרךDe.rekh[the] way ofH1870LHNcbsc
צַדִּיקִ֑יםצדיק֑יםצַדִּיקִיםצדיקיםtza.di.Kimrighteous [people]H6662HAampa
וְ/דֶ֖רֶךְו/ד֖רךוְ/דֶרֶךְו/דרךve./De.rekhand/ [the] way ofH9002H1870LHC+Ncbsc
רְשָׁעִ֣יםרשע֣יםרְשָׁעִיםרשעיםre.sha.'Imwicked [people]H7563HNcmpa
תֹּאבֵֽד\׃תאבד\תֹּאבֵֽד\׃תאבד\to.Vedit will perishH0006\H9016HVqi3fs
  1. führt ins Verderben (vgl. SLT, NGÜ, NLB) übersetzt das Verb אָבַד, das häufig etwas altertümlich als „zugrunde gehen, umkommen“ übersetzt wird.