reltext

Chapter 1

1 Vielfach und mannigfaltig1 hat Gott in vergangenen Zeiten zu den Vätern2 geredet durch die Propheten.

  1. "Vielfach" bezieht sich auf die Zeit und die Personen, "mannigfaltig" auf die Art und Weise der Offenbarung (durch Weissagungen, Gesichte, Träume oder sinnbildliche Handlungen der Propheten: Jes 8:1-5, 20:1-3, Jer 18:1-5, 19:1-5, Hes 4:1-5, 12:1-5, Hos 1:1-5).
  2. Gemeint sind die Vorfahren des Volkes Israel seit den Tagen Moses.

2 Jetzt aber am Ende der Tage hat er zu uns geredet durch den Sohn. Den hat er zum Erben aller Dinge bestimmt,1 durch den hat er auch die Welt erschaffen.2

  1. Vgl. Ps 2:7-8, Rö 8:17, Mt 28:18.
  2. Vgl. Kol 1:16, Joh 1:3.

3 Der ist der Abglanz seiner Herrlichkeit1 und das Gepräge seines Wesens.2 Der trägt das Weltall durch sein Allmachtswort.3 Der hat die Reinigung von den Sünden vollbracht und sich dann gesetzt zur Rechten der Macht (Gottes) in der Höhe.4

  1. Vgl. Kol 1:15; Weish. Salom. 7,26.
  2. Hier ist zu denken an das Gepräge einer Münze oder an den Abdruck eines Siegels. Auch der jüdische Philosoph Philo von Alexandria, mit dem sich der Verfasser des Hebräerbriefes in seiner Ausdrucksweise oft berührt, nennt das Wort (den Logos) den Abdruck des Siegels Gottes.
  3. Vgl. Kol 1:17.
  4. Während die Diener (auch die Engel) vor ihrem Herrn stehen, sitzt der Sohn auf dem Thron Gottes. Ps 110:1

4 Dadurch ist er so weit erhoben worden über die Engel, als der Name, den er zum Erbe empfangen hat,1 ihren Namen überragt.

  1. Der Name Sohn.

5 Denn zu welchem Engel hätte Gott je gesagt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt?1 Und (zu welchem hätte er) ferner (gesprochen): Ich werde sein sein Vater, und er wird sein mein Sohn?2

  1. Ps 2:7.
  2. 2Sa 7:14; diese Stelle bezieht sich zunächst auf Salomo. In der hebräischen Bibel werden freilich auch die Engel "Söhne Gottes" genannt. 1Mo 6:2, Hio 1:6, 2:1, 38:7, Ps 29:1, 89:7, Da 3:25 Aber in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments (der LXX), die der Verfasser des Hebräerbriefes ausschließlich benutzt, wird der hebräische Ausdruck "Söhne Gottes" durch "Engel Gottes" wiedergegeben (wenigstens im Buch Hiob und nach der alexandrinischen Handschrift der LXX auch in den beiden Stellen aus 1Mos.). Darin liegt jedoch keine Schwierigkeit. Denn es heißt ja nicht: "Hat Gott je die Engel Söhne Gottes genannt?" Sondern es werden Stellen angeführt, worin Gott eine einzelne Person für seinen Sohn im höchsten Sinn des Wortes erklärt.

6 Wenn er aber den Erstgeborenen zum zweiten Mal in die Welt einführt,1 dann erfüllt sich das Wort: Es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes.2

  1. Bei Christi Wiederkunft.
  2. 5Mo 32:43 und Ps 97:7 nach LXX

7 Von den Engeln heißt es: Er macht zu Winden seine Engel, zu Feuerflammen seine Diener.1

  1. Ps 104:4 nach LXX Im hebräischen Text lautet der Vers: "Er macht Winde zu seinen Boten, zu seinen Dienern flammendes Feuer." D.h.: Gott macht sich Winde und Feuer zu besonderen Sendungen dienstbar. vgl. Ps 148:8 Nach LXX aber ist der Sinn: Engel werden in Winde und Feuer verwandelt.

8 Von dem Sohn aber (steht geschrieben):1 Dein Thron, o Gott, steht fest in alle Ewigkeit; und: Der Geradheit2 Zepter ist das Zepter deiner Königsmacht.

  1. Ps 45:7-8.
  2. Der Gerechtigkeit.

9 Du hast Gerechtigkeit geliebt und hast gehaßt den Frevel;1 darum hat, o Gott, dein Gott dich mehr mit Freudenöl2 gesalbt, als einen deinesgleichen.3

  1. Diese Worte beziehen sich auf das irdische Leben Christi.
  2. Mit dem Geist der Freude, Kraft und Herrlichkeit.
  3. Als die Menschen, die der König Messias zu Genossen seiner Seligkeit und Herrlichkeit macht.

10 Und: Du hast im Anfang, Herr, der Erde Grund gelegt, und deiner Hände Werke sind die Himmel.

11 Sie werden einst vergehen, du aber bleibst. Sie werden alle wie ein Kleid veralten,

12 wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen: Sie werden sich verwandeln. Du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen nie ein Ende.1

  1. Ps 102:26-28. Christus ist als Schöpfer ewig und unwandelbar.

13 Zu welchem Engel hätte er ferner je gesagt: Sitze du zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache?1

  1. Ps 110:1,Ps 110 hat für den Hebräerbrief entscheidende Bedeutung; manche wichtigen Stellen des Briefes sind nichts als die nähere Erklärung der Hauptsätze dieses Psalms.

14 Sind sie nicht alle (priesterlich) dienende1 Geister, die als Helfer2 ausgesandt werden zum Besten derer, die das Heil erwerben sollen?

  1. Wörtlich: "liturgische Geister." Die Liturgie ist der Dienst am Altar.
  2. Wörtlich: "zur Diakonie." — Im Himmel dienen die Engel gleichsam als Priester, vgl. Jes 6:1-4 auf Erden als Diakonen.

Chapter 2

1 Daher1 müssen wir ganz besonders achten auf das Wort,2 das wir gehört haben, damit wir nicht des Heils verlustig gehen.

  1. Wegen dieser einzigartigen Hoheit Christi.
  2. Die Frohe Botschaft Christi.

2 Denn ist schon das durch Engel verkündigte Wort1 streng verbindlich gewesen, so daß jede Übertretung und jeder Ungehorsam die gebührende Strafe empfingen:

  1. Das mosaische Gesetz (vgl. Apg 7:38,53, Ga 3:19, 5Mo 33:2 nach LXX).

3 wie könnten wir da (dem Gericht) entrinnen, wenn wir ein so hohes Heil mißachten?1 Dies Heil ist zuerst durch den Herrn (selbst)2 verkündigt und uns durch die Hörer (seiner) Predigt zuverlässig überliefert worden.3

  1. Das im Gesetz geoffenbarte Wort war zwar ein Gebot Gottes, aber es brachte keine Errettung von der Sünde und deren Folgen wie das durch Christus geschenkte Heil.
  2. Nicht durch Engel, wie das Gesetz.
  3. Hier bezeichnet sich der Verfasser des Briefes als einen Schüler der Urapostel. Das paßt nicht auf Paulus, wohl aber auf Barnabas.

4 Zugleich hat Gott dafür Zeugnis abgelegt durch Zeichen, Wunder, mannigfache Kräfte und durch die Gaben des Heiligen Geistes, die er nach seinem Willen austeilt.

5 Nicht Engel sind's, denen er die zukünftige Welt, von der wir reden, unterworfen hat.

6 Sondern es hat einer irgendwo1 feierlich versichert: Was ist der Mensch doch, daß du sein gedenkst, was ist der Menschensohn,2 daß du so für ihn sorgst?3

  1. In Ps 8:5-7.
  2. Der Ausdruck "Menschensohn" bringt die Abhängigkeit des Menschen von Gott noch stärker zum Ausdruck als das einfache Wort "Mensch".
  3. Wie klein und gering ist der Mensch im Vergleich mit dem gestirnten Himmel, Ps 8:4 und wer sollte meinen, daß ihm Gott solche Herrlichkeit zugedacht hätte!

7 Du hast ihn nur auf kurze Zeit erniedrigt unter Engel, dann aber hast du ihn gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre;

8 das ganze Weltall hast du ihm gelegt zu Füßen und hast ihn über deiner Hände Werk gesetzt. Hat er ihm aber alles unterworfen, so gibt es nichts, was ihm nicht unterworfen wäre.1 Jetzt freilich sehen wir noch nicht, daß ihm alles untertan ist.

  1. Vgl. 1Kor 15:27.

9 Wohl aber nehmen wir wahr,1 wie Jesus, der auf kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, damit er durch Gottes Gnade zu eines jeden Heil den Tod schmecke, nun, weil er den Tod erduldet hat, gekrönt ist mit Herrlichkeit und Ehre.2

  1. Mit den Augen des Geistes.
  2. In Jesus, der in die Herrlichkeit Gottes erhöht worden ist, steht der Mensch schon jetzt an der Spitze der ganzen Schöpfung.

10 Denn1 es ziemte ihm,2 für den und durch den alle Dinge sind, und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Begründer ihres Heils durch Leiden zu vollenden.

  1. V10 beantwortet die Frage, warum Jesus gerade durch Leiden zur Herrlichkeit eingegangen ist.
  2. Gott.

11 Der da heiligt und die geheiligt werden,1 die haben ja alle denselben Vater.2 Darum schämt er3 sich auch nicht, sie seine Brüder zu nennen,

  1. D.h. Christus und die Christen.
  2. Gott.
  3. Christus.

12 wenn er sagt: Verkünden will ich deinen Namen meinen Brüdern, inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen.1

  1. Ps 22:23.

13 An einer anderen Stelle heißt es: Ich werde mein Vertrauen auf ihn setzen.1 Und ferner:2 Hier bin ich, und hier sind die Kinder,3 die mir Gott gegeben.4

  1. Jes 8:17. Christus stellt sich mit den Menschen, seinen Brüdern auf eine Stufe, indem er ebenso wie sie auf Gott vertraut.
  2. Jes 8:18.
  3. Der Ausdruck Kinder enthält im Griechischen den Begriff der Kleinheit und Unmündigkeit. Christus verachtet die Kleinen nicht, die ihm Gott zugewiesen hat, sondern er fühlt sich eins mit ihnen. vgl. Mt 18:5-6
  4. Alle drei Bibelstellen in V12 und 13 sollen zum Ausdruck bringen, wie völlig sich Jesus den Menschen gleichstellt und an ihrer Lage teilnimmt.

14 Da nun die Kinder1 alle einen Leib von Fleisch und Blut an sich tragen, so hat er gleichfalls einen solchen Leib angenommen, um durch seinen Tod2 dem Herrn des Todes, dem Teufel,3 seine Macht zu rauben

  1. Von denen V13 die Rede ist.
  2. Den er nur erdulden konnte, weil er unser Fleisch und Blut, d.h. unsere sterbliche Menschheit, angenommen hatte.
  3. Der Teufel hat den Menschen dadurch, daß er ihn zur Sünde verführte, auch dem Tod überliefert, vgl. Weish. Salom. 2,24.

15 und die zu befreien, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben lang in Knechtschaft schmachteten.1

  1. Die Furcht vor dem Tod raubte dem gefallenen Menschen alle Freiheit und alle Freude am Leben.

16 Denn fürwahr, nicht Engeln reicht er helfend seine Hand, sondern den Nachkommen Abrahams.1

  1. Es werden hier nur Abrahams Nachkommen als die Erlösten genannt, weil sich der Verfasser ausschließlich an Judenchristen wendet.

17 Deshalb mußte er auch in jeder Hinsicht seinen Brüdern gleich werden, damit er Gott gegenüber ein barmherziger und zuverlässiger1 Hoherpriester würde, um des Volkes2 Sünden zu sühnen.3

  1. "Zuverlässig" bedeutet: auf den man sich verlassen kann.
  2. Gemeint ist das Volk des Neuen Bundes.
  3. Hier ist die Rede von dem sündentilgenden hohenpriesterlichen Wirken des erhöhten Christus.

18 Denn weil er gelitten hat und dabei selbst versucht worden ist, kann er nun auch denen, die versucht werden, ein Helfer sein.1

  1. Das sündentilgende hohepriesterliche Wirken Christi, d.h. die Geltendmachung seines am Kreuz vollbrachten Sühnopfers im Allerheiligsten des Himmels, wo er nun als Hoherpriester sein als Opferlamm vergossenes Blut aussprengt: 3Mo 16:14-16, 1Pe 1:2, 1Jo 1:7 dies Wirken hat seine Voraussetzung in seiner Leidensfähigkeit während seines Erdenlebens. Das Leiden, namentlich das Todesleiden, war für Jesus eine Versuchung, in seinem Erlöserberuf schwankend zu werden. vgl. Mt 26:37-39

Chapter 3

1 Darum, ihr heiligen Brüder, ihr Mitgenossen einer himmlischen Berufung, schaut hin auf Jesus, den Gottesboten und Hohenpriester, den wir bekennen!1

  1. Mose war Gottes Bote an Israel, und Aaron war der Hohepriester des Volkes. Jesus vereinigt beide Ämter in seiner Person.

2 Wie Mose beweist auch er in seinem ganzen Haus Treue gegen Gott, der ihn beauftragt hat.1

  1. Nämlich: als Boten (wörtlich: Apostel) und Hohenpriester.

3 Doch überragt er Mose weit an Herrlichkeit, und zwar so weit, wie der Baumeister höher steht als das von ihm erbaute Haus.1

  1. Mose gehört selbst zu dem Haus des Alten Bundes: Christus dagegen ist der Erbauer des neutestamentlichen Hauses.

4 - Jedes Haus hat ja einen Baumeister, der Baumeister aller Dinge aber ist Gott1 —.

  1. Darum hängt es von dem Verhältnis zu Gott ab, welche Ehre jemand besitzt. Nun war Mose ein Diener Gottes, Christus aber ist der Sohn Gottes.

5 Nun ist Mose treu gewesen in seinem ganzen Haus als ein Diener, der das kundmachen sollte, was Gott zu ihm redete.1

  1. Vgl. 4Mo 12:7-8.

6 Christus dagegen (ist treu) als Sohn, der da gesetzt ist über Gottes Haus. Dieses Haus sind wir, wenn wir die feste Zuversicht1 und die freudige Hoffnung2 bis ans Ende unerschütterlich bewahren.

  1. Zu Gott und seinen Verheißungen.
  2. Auf Christi Wiederkunft.

7 Deshalb merkt auf das Wort des Heiligen Geistes: Heute, wenn ihr seine Stimme hört,

8 verhärtet eure Herzen nicht, wie eure Väter es taten, als sie widerspenstig waren an jenem Tage, da sie mich versuchten in der Wüste.1

  1. 2Mo 17:1-7.

9 Dort1 stellten eure Väter meine Langmut immer wieder auf die Probe,2 obwohl sie meine Wunderwerke sahen vierzig Jahre.

  1. In der Wüste.
  2. Indem sie an Gottes Macht und Güte zweifelten.

10 Darum war ich zornig über dies Geschlecht und sprach: Stets wendet sich ihr Herz von mir, sie haben meine Wege nicht erkannt.

11 Daher schwur ich in meinem Zorn: Nie sollten sie in meine Ruhe eingehen!1

  1. Ps 95:7-11.

12 So seht denn zu, liebe Brüder, daß keiner von euch ein böses, ungläubiges Herz habe und abfalle von dem lebendigen Gott!

13 Ermuntert vielmehr einander Tag für Tag, solange es noch "Heute" heißt,1 damit keiner von euch verhärtet werde durch die trügerische Lockung der Sünde!

  1. D.h.: solange die Zeit der Gnade noch währt.

14 Denkt doch daran: Wir sind Genossen des Messias,1 wenn wir die Glaubenszuversicht, die uns in den ersten Tagen2 erfüllte, bis ans Ende unerschütterlich bewahren.3

  1. D.h.: wir nehmen jetzt teil an den von Christus erworbenen Heilsgütern und sollen auch einst zu seiner Herrlichkeit gelangen.
  2. Gemeint sind die ersten Tage ihres Christenstandes.
  3. Vgl. den Schluß von V6.

15 Heißt es:1 Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht, wie eure Väter es taten, als sie widerspenstig waren —,

  1. V15 nehme ich als Vordersatz zu V16.

16 nun, so frage ich: "Wer sind denn jene, die seine Stimme hörten und trotzdem widerspenstig waren?" Sind es nicht alle, die einst unter Moses Leitung aus Ägypten zogen?

17 Und über welche Leute war er zornig vierzig Jahre lang? Waren das nicht jene, die da sündigten, und deren Leiber ein Grab gefunden haben in der Wüste?1

  1. 4Mo 14:29.

18 Und ferner: wer sind jene, denen er geschworen hat, sie sollten nicht in seine Ruhe eingehen?1 Sind es nicht die, die ungehorsam waren?

  1. 4Mo 14:22-23.

19 So sehen wir denn: ihr Unglaube ist schuld daran gewesen, daß sie nicht haben eingehen können.1

  1. Der Ungehorsam wurzelt in dem Unglauben, der Gottes Macht und Güte mißtraut. Und wegen ihres Unglaubens konnten die aus Ägypten befreiten Israeliten nicht in das Gelobte Land eingehen.

Chapter 4

1 Da nun die Verheißung, zu seiner Ruhe einzugehen, noch der Erfüllung harrt, so laßt uns auf der Hut sein, daß niemand unter euch das Ziel verfehle!

2 Denn gerade so wie jenen1 ist ja auch uns2 die Freudenbotschaft3 zugegangen. Jenen aber hat die Botschaft, die sie hörten, nichts genützt, weil sie sie nicht im Glauben aufgenommen haben.

  1. Den Israeliten zur Zeit Moses.
  2. Durch die Verkündigung der christlichen Wahrheit.
  3. Von Gottes Ruhe.

3 Denn wir gehen nur in die Ruhe ein, sofern wir glauben. Ich schwur in meinem Zorn: Nie sollen sie in meine Ruhe eingehen!1 So hat er gesprochen, obwohl seine Werke schon seit der Erschaffung der Welt vollendet waren.2

  1. Weil sie eben nicht glaubten.
  2. Weil Gott seine Werke vollendet hatte, war er also auch schon zu seiner Ruhe eingegangen und hätte deshalb den Israeliten zur Zeit Moses diese Ruhe auch schenken können, wenn dies nicht wegen ihres Unglaubens unmöglich geworden wäre.

4 Denn an einer Stelle1 heißt es von dem siebenten Tag: Gott ruhte am siebenten Tag von allen seinen Werken.

  1. 1Mo 2:2.

5 Trotzdem sagt er an dieser Stelle: "Nie sollen sie in meine Ruhe eingehen!"

6 Der Eingang in die Ruhe steht also für einige noch in Aussicht. Jene1 aber, an die zuerst die Freudenbotschaft2 erging, sind ihres Ungehorsams wegen nicht eingegangen.

  1. Die Zeitgenossen Moses.
  2. In die Ruhe einzugehen.

7 Darum bestimmt Gott mit dem Wort "Heute" von neuem einen Tag: das tut er nach so langer Zeit durch Davids Mut,1 wie schon gesagt ist: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!

  1. Und zwar in Ps 95:11.

8 Hätte sie1 Josua damals in die Ruhe eingeführt, so würde Gott nicht später von einem anderen Tag reden.2

  1. Die Israeliten.
  2. An dem das Volk zu seiner Ruhe kommen soll. Die Ruhe in Kanaan unter Josua war also noch nicht die Gottesruhe, von der in Ps 95:11 die Rede ist. Darin wird vielmehr auf die Ruhe im himmlischen Kanaan hingewiesen.

9 Es steht mithin dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe in Aussicht.

10 Denn wer zu Gottes Ruhe eingegangen ist, der kommt damit auch zur Ruhe von seinen Werken,1 wie Gott geruht hat von den seinen.

  1. D.h. von der Arbeit und den Mühsalen dieses Erdenlebens.

11 So laßt uns denn Eifer zeigen, in diese Ruhe einzugehen, damit niemand ins Verderben falle und dann ebenso wie jene1 durch den Ungehorsam ein warnendes Beispiel werde!2

  1. Die Israeliten während der Wüstenwanderung.
  2. Für spätere Geschlechter.

12 Denn was Gott spricht,1 das ist voll Leben und Kraft und schärfer als das schärfste Schwert: es dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, Gelenke und Mark;2 es ist auch fähig, des Herzens Gedanken und Absichten zu beurteilen.

  1. Wie die in Ps. 95 ausgesprochene Drohung und Verheißung.
  2. Der Sinn ist: Gottes Wort deckt die geheimsten Tiefen des menschlichen Inneren auf.

13 Ja nichts in der ganzen Schöpfung ist vor Gott verborgen; alles liegt unverhüllt und aufgedeckt vor seinen Augen. Und dieser Gott ist's, dem wir Rechenschaft zu geben haben.

14 Weil wir nun einen großen Hohenpriester haben,1 der seinen Weg durch die Himmel genommen hat,2 Jesus, den Sohn Gottes, so laßt uns festhalten an unserem Bekenntnis!3

  1. Rückkehr zu 2,17: Jesus, der große Hohepriester.
  2. Um in das Allerheiligste einzugehen.
  3. An dem Bekenntnis des christlichen Glaubens.

15 Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der mit unseren Schwächen kein Mitleid haben könnte, sondern einen, der in jeder Hinsicht ebenso versucht ist wie wir, der aber nie gesündigt hat.

16 Laßt uns deshalb mit Zuversicht dem Gnadenthron nahen,1 damit wir Erbarmen erlangen und Gnade finden, wenn uns Hilfe not ist!2

  1. Gottes Himmelsthron ist zu einem Gnadenthron geworden, seitdem Christus zur Rechten Gottes sitzt.
  2. Besonders in den Versuchungen.

Chapter 5

1 Jeder Hohepriester geht aus den Menschen hervor1 und hat die Menschen bei Gott zu vertreten, indem er Gaben und Opfer darbringt für die Sünden.2

  1. Erläuterung von 4,15.
  2. Wahrscheinlich denkt hier der Verfasser an die Opfer des großen Versöhnungstages.

2 Er ist imstande, die Unwissenden und Irrenden milde zu beurteilen,1 weil er selbst behaftet ist mit Schwachheit.

  1. Genauer: er kann in seinem Unwillen über die menschliche Sünde die rechte Mitte halten zwischen Leidenschaftlichkeit und Gleichgültigkeit.

3 Deshalb1 muß er auch nicht nur für das Volk, sondern ebenso für seine eigenen Sünden Opfer bringen.2

  1. Wegen dieser Schwachheit.
  2. 3Mo 9:7, 16:6,15.

4 Und niemand kann sich aus eigener Macht die hohepriesterliche Würde aneignen. Die empfängt nur, wer von Gott dazu berufen wird, wie dies auch geschehen ist mit Aaron.1

  1. Vgl. 2Mo 18:1. Aaron war der erste Hohepriester Israels.

5 Ebenso hat auch Christus das Hohepriestertum nicht eigenmächtig an sich gerissen. Gott hat ihn eingesetzt in dieses Amt, indem er zu ihm sagte: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.1

  1. Ps 2:7. vgl. 1:5, Apg 13:33 Durch seine Verherrlichung ist Christus nicht nur als Sohn Gottes erwiesen, Rö 1:4 sondern auch als Hoherpriester eingesetzt worden.

6 Und an einer anderen Stelle spricht er: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach Melchisedeks Weise.1

  1. Ps 110:4, 1Mo 14:18.

7 Christus hat in den Tagen seines Erdenlebens Gebet und Flehen unter lautem Rufen und Weinen zu dem emporgesandt, der ihn aus des Todes Rachen erretten konnte,1 und er ist auch erhört worden wegen seiner Frömmigkeit.2

  1. Hier ist an Christi Seelenkampf in Gethsemane zu denken.
  2. D.h. wegen seiner Ergebung in des Vaters Willen: Mt 26:39,42 Gott stärkte ihn, in Gethsemane zu überwinden. Lu 22:43

8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, in seinem Leiden die Schule des Gehorsams durchgemacht.

9 Nach seiner Vollendung1 ist er dann für alle, die ihm gehorsam sind, der Spender ewigen Heils.

  1. D.h.: nach seiner Erhöhung in die himmlische Herrlichkeit (Gegensatz zu V7: "in den Tagen seines Erdenlebens").

10 Denn Gott hat ihn begrüßt1 als einen Hohenpriester nach der Weise Melchisedeks.2

  1. Bei seiner Himmelfahrt (?).
  2. Eben als Hoherpriester spendet Christus ewiges Heil (V9). — V7-10 sollen beweisen, daß Christus sich das Hohepriestertum nicht angemaßt, sondern daß er es von Gott empfangen hat.

11 Hierüber1 hätten wir wohl viel zu sagen; aber es ist euch schwer klarzumachen, weil ihr im geistlichen Verständnis so träge geworden seid.

  1. Über Christi himmlisches Hohepriestertum.

12 Ihr solltet andere belehren, weil ihr die Wahrheit schon so lange kennt.1 Statt dessen habt ihr wieder einen Lehrer nötig, der euch in den allerersten Anfangsgründen der Offenbarungsworte Gottes2 unterweise. So ist es dahin gekommen, daß ihr nur Milch vertragt und keine feste Speise.3

  1. Dies stimmt auch zu der Annahme, daß sich der Hebräerbrief an die damals schon dreieinhalb Jahrzehnte bestehenden Gemeinden in Jerusalem und Palästina richtet.
  2. Vgl. Rö 13:2.
  3. Vgl. 1Kor 3:1-3. Milch bedeutet die Anfangsgründe der christlichen Lehre (6,1ff.); feste Speise bedeutet die tieferen Wahrheiten für die gereiften Christen, besonders die Lehre von dem himmlischen Hohenpriestertum Christi.

13 Mit denen, die nur Milch genießen können, meine ich solche, die eine tiefe Unterweisung nicht verstehen; denn sie sind in bezug auf geistliches Verständnis noch unmündige Kinder.

14 Für geistlich Reife1 aber schickt sich feste Speise: sie haben durch Erfahrung ihren Sinn geübt, daß sie unterscheiden können, was heilsam oder schädlich sei.2

  1. Vgl. 1Kor 2:6, 14:20, Kol 1:28, 4:12, Eph 4:13, Php 3:15, Jak 3:2.
  2. Für die Förderung ihres geistlichen Lebens.

Chapter 6

1 So wollen wir denn die Anfangsgründe der Lehre Christi jetzt beiseitelassen und uns dem zuwenden, was sich für geistliche Reife eignet. Wir wollen uns nicht von neuem mit der Grundlage1 aufhalten: mit der Sinnesänderung, die sich von toten Werken2 abkehrt, und mit dem Glauben, der sich zu Gott hinkehrt,

  1. Für das christliche Leben und die christliche Lehre.
  2. Tote Werke sind Werke ohne Lebenskraft, Werke, die in der Abkehr von Gott, dem Quell und Geber des Lebens, vollbracht werden.

2 mit der Belehrung über Taufen1 und Handauflegung,2 über Totenauferstehung und ewiges Gericht.3

  1. Bei der Belehrung über die christliche Taufe mußte Judenchristen gegenüber auch von den im Gesetz Moses vorgeschriebenen Waschungen (9,10) und namentlich von der Johannestaufe die Rede sein; vgl. Apg 19:1-5 daher wohl die Mehrzahl: Taufen.
  2. Apg 8:14-17, 19:1-6.
  3. Das Gericht heißt ewig, weil sein Urteilsspruch ewig gültig ist.

3 Dies wollen wir tun,1 wenn es Gott gelingen läßt.2

  1. Nämlich: uns der Darlegung der tieferen Wahrheiten zuwenden (V1).
  2. Wenn er dem Wort des Verfassers Kraft gibt, die Trägheit der Leser zu überwinden. In einem Fall nämlich könnte der Verfasser sein Vorhaben in V3 nicht ausführen: wenn die Leser abfielen. Denn seine Bemühungen könnten Abgefallene, die bewußt im Abfall bleiben, nicht zur Sinnesänderung führen.

4 Es ist ja unmöglich,1 solche, die einmal erleuchtet sind und die himmlische Gabe gekostet2 haben, die des Heiligen Geistes teilhaftig geworden

  1. "Unmöglich" für menschliche Bemühungen, im besonderen für einen christlichen Lehrer, aber nicht unmöglich für Gott. vgl. Mr 10:27
  2. Vgl. Rö 5:15,17.

5 und das tröstliche Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt geschmeckt haben,

6 aber trotzdem abfallen, ein zweites Mal zu erneuern, so daß sie zur Sinnesänderung kommen: dies ist unmöglich, wenn sie den Sohn Gottes zu ihrem Verderben immer von neuem kreuzigen und zum Gespött machen.1

  1. Das tun sie, indem sie sich auf den Standpunkt der ungläubigen Juden stellen, Christus verwerfen und ihn dem Hohn seiner Feinde preisgeben.

7 Denn ein Ackerfeld, das den reich niederströmenden Regen aufgesogen hat und denen, für die es bebaut wird, nützliches Gewächs hervorbringt, ein solches Feld wird von Gott mit immer reicherem Ertrag gesegnet.

8 Trägt es aber Dornen und Disteln, so ist es wertlos und dem Fluch1 nahe; ja schließlich verbrennt man es mit Feuer.2

  1. Dem göttlichen Fluch gänzlicher Unfruchtbarkeit.
  2. Das Feuer verbrennt nicht nur die Dornen und Disteln, sondern es zerstört auch den Boden selbst. 5Mo 29:22-23

9 Wenn wir nun auch mit solcher Strenge reden,1 so sind wir dennoch überzeugt von euch, Geliebte,2 daß euch ein besseres Los erwartet, und daß es etwas gibt, was eure endliche Errettung hoffen läßt.3

  1. In V4-8.
  2. Diese gewinnende Anrede kommt im ganzen Brief nur hier vor.
  3. Das ist die Erwägung, Gottes Gerechtigkeit werde das frühere Verhalten der Leser, Insonderheit ihre frühere Liebestätigkeit, nicht unbeachtet lassen. Weil die Leser früher Gott treu gedient haben, darum hat Gott auch Geduld mit ihnen; er gibt ihnen Zeit und Gelegenheit, sich aus ihrer Trägheit wiederaufzuraffen, damit sie endlich doch die Errettung am Tag Christi erlangen.

10 Gott ist ja nicht ungerecht, daß er vergäße eurer Arbeit und der Liebe, die ihr zur Ehre seines Namens früher1 und auch jetzt noch durch Unterstützung der Heiligen2 bewiesen habt.

  1. Hier kann man denken an Apg 2:44-45, 4:34-35.
  2. Der christlichen Glaubensbrüder.

11 Es ist nun unser Herzenswunsch, ein jeder von euch möge auch denselben Eifer1 beweisen, wenn es sich darum handelt, die Hoffnung in Kraft und Zuversicht bis ans Ende festzuhalten.

  1. Wie bei der Übung tatkräftiger Liebe.

12 Denn ihr sollt nicht träge werden, sondern denen nachfolgen, die durch Glauben und Beharrlichkeit die Verheißungen erben.

13 Als Gott Abraham1 die Verheißung gegeben hatte,2 da schwur er, weil er bei keinem Größeren schwören konnte, bei sich selbst

  1. Seinem Vorbild im geduldigen Ausharren sollen die Leser besonders nachfolgen.
  2. 1Mo 12:7, 17:1-8, 18:17-19.

14 und sprach: "Wahrlich, ich will dich mit Segen überschütten und will dir eine große Schar Nachkommen schenken."1

  1. Nach 1Mo 22:16-17.

15 So erlangte Abraham durch geduldiges Ausharren, was ihm Gott verheißen hatte.

16 Menschen schwören ja bei einem, der größer ist als sie: so dient der Eid bei ihnen zur Bekräftigung der Aussage, gegen die sich kein Widerspruch mehr erheben kann.

17 Deshalb ist auch Gott, um den Erben der Verheißung1 noch nachdrücklicher2 die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses zu beweisen, mit einem Eid als Bürge eingetreten.

  1. Erben der Verheißung sind die Christen als die geistlichen Söhne Abrahams.
  2. Als es durch ein bloßes Wort geschehen konnte.

18 So sollten wir durch zwei unwandelbare Tatsachen,1 bei denen Gott unmöglich gelogen haben kann, aufs kräftigste ermuntert und getröstet werden2 — wir, deren Zufluchtsort es ist, die dargebotene Hoffnung festzuhalten.

  1. Durch die Verheißung und den Schwur (V13).
  2. Besonders in Zweifeln und Versuchung.

19 Diese Hoffnung ist für uns ein zuverlässiger, sicherer Anker unserer Seele,1 und sie dringt2 bis in die Stätte hinter dem Vorhang.3

  1. Ein Anker, der in allen Stürmen festen, sicheren Halt gewährt.
  2. Alle Hemmnisse überwindend.
  3. Hier ist der Vorhang gemeint, der in der Stiftshütte das Heilige von dem Allerheiligsten trennte; der Sinn ist also: die Hoffnung dringt bis in das Allerheiligste, bis in die unmittelbare Gegenwart Gottes.

20 Dorthin ist Jesus uns zum Heil als unser Vorläufer eingegangen,1 als er nach Melchisedeks Weise Hoherpriester ward in Ewigkeit.

  1. Vgl. Joh 14:2.

Chapter 7

1 Dieser Melchisedek1 war König von Salem2 und ein Priester Gottes des Höchsten. Er ging Abraham entgegen, als dieser nach dem Sieg über die Könige heimkehrte.

  1. Vgl. 1Mo 14:17-20. Mit 7,1 beginnt die 5,10f. angekündigte Vergleichung zwischen Christus und Melchisedek.
  2. Salem ist Jerusalem.

2 Ihm gab Abraham auch den Zehnten von der ganzen Kriegsbeute.1 Nach der Bedeutung seines Namens ist Melchisedek zuerst "ein König der Gerechtigkeit". Dann ist er auch König von Salem, das heißt "ein König des Friedens".

  1. Durch die Entrichtung des Zehnten erkannte Abraham Melchisedeks Priestertum an.

3 Die Schrift nennt nicht seinen Vater, seine Mutter, seinen Stammbaum. Sie schweigt auch von seinem Lebensanfang und seinem Lebensende.1 Darin2 wird er von der Schrift ganz dem Sohn Gottes gleichgestellt.3 Eben dieser Melchisedek bleibt Priester für immer.4

  1. Dieses Schweigen der Schrift ist bedeutungsvoll. Der Priester des Alten Bundes mußte dem Geschlecht Aarons angehören, 4Mo 3:10 und er mußte seinen Stammbaum nachweisen können. Ne 7:63-64 Im Unterschied von diesem Priestertum des Alten Bundes ist Melchisedeks Priestertum rein persönlich und darum höher. Auch Christus gehörte ja nicht dem Geschlecht Aarons an (7,13f.).
  2. In der Anfangs- und Endlosigkeit seines Lebens.
  3. Der ja ewig ist.
  4. Die Schrift sagt nichts davon, daß Melchisedeks Priestertum aufgehört habe; so ist Melchisedek ein Vorbild des ewigen Hohenpriesters Christus (6,20).

4 Bedenkt, wie hoch und erhaben dieser Mann sein muß, dem der Erzvater Abraham sogar den Zehnten von den besten Beutestücken gegeben hat!

5 Wohl werden auch die von Levis Nachkommen, die das Priestertum empfangen, durch eine Vorschrift des Gesetzes1 dazu angewiesen, von dem Volk, das heißt also: von ihren Brüdern, die doch ebenso wie sie von Abraham abstammen, den Zehnten zu erheben.

  1. 4Mo 18:21-26.

6 Hier dagegen hat einer, der gar nicht zu ihrem Geschlecht gehört, von Abraham den Zehnten erhoben und den Inhaber der Verheißung gesegnet.1

  1. Melchisedeks Priestertum muß viel höher stehen als das levitische; denn er hat es an Abraham, dem Stammvater Israels, ausgeübt und den gesegnet, der nach Gottes Verheißung selbst ein Segen für alle Völker sein sollte.

7 Nun läßt sich aber nicht bestreiten, daß das Geringere von dem Größeren gesegnet wird.1

  1. In Gottes Auftrag kann nur ein Höherstehender einen anderen segnen.

8 Und ferner: Hier1 empfangen sterbliche Menschen den Zehnten; dort2 aber empfängt ihn einer, von dem bezeugt wird, daß er lebe.3

  1. In dem levitischen Priestertum, das zu des Verfassers Zeiten noch bestand.
  2. In der Vergangenheit, als Melchisedek lebte.
  3. Denn die Schrift sagt nichts von Melchisedeks Lebensende (V3).

9 Ja in und mit Abraham hat auch sozusagen Levi selbst, der den Zehnten empfängt, den Zehnten entrichtet.

10 Er war ja noch in seines Stammvaters Lenden, als Melchisedek mit diesem zusammentraf.1

  1. Levi ist also Melchisedek untergeordnet.

11 Wäre nun freilich durch das levitische Priestertum Vollkommenheit erzielt worden1 — und auf diesem Priestertum beruht ja das Gesetz, das dem Volk gegeben ist —, warum mußte dann ein ganz neuer Priester "nach der Weise Melchisedeks" auftreten? Warum wurde nicht geredet von einem Priester "nach der Weise Aarons"?

  1. D.h.: wäre der Mensch dadurch zu dem eigentlichen Ziel seiner Bestimmung gelangt, die er nur in Christus erreichen kann.

12 Ändert sich aber das Priestertum, so ändert sich damit auch notwendig das Gesetz.

13 Der, von dem jene Worte1 gelten, gehörte ja einem anderen Stamm an, aus dem niemand am Altar gedient hat.

  1. In Ps 110:4.

14 Denn es ist doch allbekannt, daß unser Herr aus Juda hervorgegangen ist; und von Priestern aus diesem Stamm hat Mose kein Wort gesagt.

15 Noch klarer wird diese Tatsache1 dadurch, daß ein ganz anderer Priester auftritt. Der ist Melchisedek ähnlich

  1. Die Tatsache, daß sich das Gesetz ändert (V12).

16 und empfängt sein Amt nicht nach einem Gesetz, das nur leibliche Abstammung1 fordert, sondern er besitzt das Priestertum, weil ihm die Kraft eines unvergänglichen Lebens innewohnt.

  1. Von Levi.

17 Es wird ihm ja bezeugt: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach Melchisedeks Weise.

18 Damit wird nun allerdings die bis dahin gültige Priesterordnung1 aufgehoben, weil sie unwirksam und nutzlos war,

  1. Die levitische.

19 - das Gesetz hat ja keine Vollkommenheit erzielt —; und zugleich wird1 eine bessere Hoffnung2 eingeführt, durch die wir uns Gott nahen dürfen.3

  1. Durch Christi Priestertum.
  2. Vgl. 6,18f.
  3. Also gleichsam in das Allerheiligste Zutritt haben.

20 Ferner ist Christus auch nicht ohne Eid als Priester eingesetzt worden. Jene1 sind ohne Eid ins Priesteramt gekommen.

  1. Die levitischen Priester.

21 Er ist Priester geworden durch ein Gotteswort, das von einem Eid begleitet war. Es heißt ja: Geschworen hat der Herr, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich.1

  1. Ps 110:4.

22 Insofern ist nun Jesus auch der Bürge einer höheren Gottesstiftung geworden.1

  1. Christus verbürgt den Menschen als Opfer und als Priester den Bestand der göttlichen Gnadenstiftung des Neuen Bundes.

23 Von jenen Priestern1 gibt es eine größere Zahl, weil der Tod sie daran hindert, im Amt zu bleiben.

  1. Den levitischen.

24 Weil er1 aber ewiglich am Leben bleibt, so hat er auch ein Priestertum, das auf keinen anderen übergeht.

  1. Christus.

25 Daher kann er auch allen, die sich durch ihn Gott nahen, vollkommene Errettung schenken:1 er lebt ja allezeit, um fürbittend für sie einzutreten.2

  1. Was das levitische Priestertum nicht vermochte.
  2. Vgl. Rö 8:34.

26 Gerade einen solchen Hohenpriester1 mußten wir auch haben. Er ist heilig, unberührt vom Bösen, unbefleckt; er ist aus dem Bereich der Sünder weggerückt und hoch erhöht über alle Himmel.2

  1. Wie er in V25 beschrieben wird.
  2. Durch die Himmelfahrt.

27 Er hat nicht wie die Hohenpriester täglich1 nötig, zunächst für eigene Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes — dies2 hat er dadurch ein für allemal getan, daß er sich selbst zum Opfer brachte —.

  1. Hier ist jedenfalls an die Opfer des großen Versöhnungstages zu denken. 3Mo 16:11,15 Dann macht aber der Ausdruck "täglich" Schwierigkeit; denn die Opfer des großen Versöhnungstages fanden ja jährlich nur einmal statt. Vielleicht ist "täglich" unbestimmt aufzufassen im Sinne von "immerfort".
  2. Die Darbringung des Opfers für die Sünden des Volkes.

28 Denn1 das Gesetz verordnet Menschen zu Hohenpriestern, die behaftet sind mit Schwachheit. Das Eideswort dagegen, das jünger ist als das Gesetz,2 (bestellt zum Hohenpriester) ihn, den Sohn, der für alle Ewigkeit vollendet ist.3

  1. Begründung von V27a.
  2. Denn Ps. 110 stammt von David, der über 400 Jahre nach der mosaischen Gesetzgebung lebte.
  3. D.h.: der eingegangen ist in die himmlische Herrlichkeit.

Chapter 8

1 Der Hauptpunkt in unserer Erörterung1 ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich zur Rechten des Thrones der (göttlichen) Hoheit im Himmel niedergelassen hat,

  1. Über das himmlische Hohepriestertum.

2 und zwar als priesterliche Diener des (himmlischen) Heiligtums und der wahrhaftigen Stiftshütte, die der Herr errichtet hat und kein Mensch.

3 Jeder Hohepriester wird dazu bestellt, Gaben und Opfer darzubringen. Darum muß auch dieser1 etwas darzubringen haben.

  1. Der himmlische Hohepriester Jesus Christus.

4 Wäre er nun auf Erden, so wäre er gar kein Priester. Denn hier gibt es schon solche, die nach der Vorschrift des Gesetzes die Gaben darbringen.1

  1. Da Christus aber nicht der Familie Aarons angehörte, so konnte er auch nicht als Priester im Tempel zu Jerusalem dienen.

5 Sie dienen dem Bild und dem Schattenriß des himmlischen Heiligtums, gemäß der göttlichen Weisung, die Mose empfing, als er die Stiftshütte aufrichten sollte: Sieh zu, so ward ihm gesagt, daß du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist.1

  1. 2Mo 25:40. Dem Mose wurde auf dem Berg Sinai ein Bild der Stiftshütte gezeigt, nach dem er sich bei der Herstellung des Heiligtums richten sollte.

6 Nun aber1 hat Christus einen weit herrlicheren Priesterdienst empfangen.2 Denn er hat eine viel höhere Gottesstiftung und Verordnung eingeführt, die sich auf höhere Verheißungen gründet.

  1. Da er nicht auf Erden, sondern im Himmel ist.
  2. Als der levitische ist.

7 Wäre nämlich jene erste Gottesstiftung1 ohne Mangel, so wäre gar kein Platz für eine zweite da:

  1. Das levitische Priestertum.

8 Nun aber spricht Gott einen Tadel über sie1 aus, wenn er sagt: Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich fürs Haus Israel und fürs Haus Juda eine neue Stiftung machen,

  1. Die Israeliten.

9 nicht eine Stiftung, wie ich sie zugunsten ihrer Väter machte, an jenem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, sie auszuführen aus Ägyptenland. Denn sie sind nicht beharrt bei meiner Stiftung, darum habe auch ich mich losgesagt von ihnen, spricht der Herr.

10 Dies ist nun die Verordnung, die ich für das Haus Israel aufrichten will nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich gebe mein Gesetz in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben; ich will dann sein ihr Gott, sie sollen sein mein Volk.

11 Dann soll auch niemand seinen Volksgenossen und niemand seinen Bruder lehren und ihm sagen: Erkenne doch den Herrn!

12 Denn alle werden sie mich kennen, klein und groß. Denn gegen ihre Ungerechtigkeiten will ich gnädig sein, und ihrer Sünden auch nicht mehr gedenken.1

  1. Jer 31:31-34.

13 Indem er hier von einer neuen Verordnung (oder Stiftung) redet, hat er damit die frühere für veraltet erklärt. Was aber veraltet und abgelebt ist, das ist dem Verschwinden nahe.1

  1. Diese Worte gewinnen eine besondere Bedeutung, wenn der Hebräerbrief, wie ich annehme, etwa vier Jahre vor der Zerstörung Jerusalems und dem Aufhören des Tempeldienstes geschrieben worden ist.

Chapter 9

1 Auch die alte Gottesstiftung1 hatte einen durch genaue Vorschriften geordneten Gottesdienst und ein bestimmtes, allerdings nur irdisches Heiligtum.2

  1. In Israel.
  2. Im Gegensatz zu der wahrhaftigen himmlischen Stiftshütte (8,2).

2 Ein Zelt ward hergerichtet. In seinem Vorderraum standen der Leuchter und der Tisch mit den Schaubroten;1 dieser Teil hieß das Heilige.

  1. Der Verfasser spricht nicht von dem Räucheraltar. Bemerkenswert ist, daß der griechische Text der LXX (dem ja der Verfasser folgt) von dem Räucheraltar an einigen Stellen, wo er im hebräischen Text erwähnt wird, gar nichts sagt.

3 Hinter dem zweiten Vorhang war ein anderer Raum: das sogenannte Allerheiligste.

4 Hier befanden sich ein goldenes Rauchfaß1 und die ganz mit Gold überzogene Bundeslade, worin ein goldener Krug mit Manna sowie der Stab Aarons, der Knospen getrieben hatte, und die Gesetzestafeln lagen.2

  1. Dieses Rauchfaß gebrauchte der Hohepriester am großen Versöhnungstag, wenn er im Allerheiligsten räucherte. 3Mo 16:13 Es ward aber nicht im Allerheiligsten selbst aufbewahrt, sondern in einem Nebenraum.
  2. 2Mo 16:33-34, 4Mo 17:25, 2Mo 25:16,21. Krug und Stab sollten jedoch nicht in, sondern vor der Lade aufbewahrt werden. Nach der rabbinischen Überlieferung, der der Verfasser folgt, waren sie aber in der Bundeslade.

5 Oben auf der Bundeslade waren die Cherubim der Herrlichkeit,1 die den Gnadenstuhl2 (mit ihren Flügeln) überschatteten. Doch ist hier nicht der Ort, darüber jetzt im einzelnen zu reden.3

  1. Die Cherubim waren die Träger der sich im Allerheiligsten offenbarenden Herrlichkeit Gottes. 2Mo 25:22, Jes 37:16, Ps 99:1
  2. Der Gnadenstuhl 2Mo 25:17-20, 26:34 war der goldene Deckel der Bundeslade, den der Hohepriester am großen Versöhnungstag (vgl. V7) mit dem Blut des Opfers besprengen mußte. 3Mo 16:15-17
  3. Über die V2-5 erwähnten Geräte des Heiligtums will der Verfasser nicht Stück für Stück reden, d.h. er sieht davon ab, ihre vorbildliche Bedeutung zu erörtern. Er will nur über den Gottesdienst im Heiligtum sprechen.

6 So war dies alles eingerichtet. In den Vorderraum treten die Priester, die den Gottesdienst auszuführen haben, tagtäglich ein.

7 Den zweiten Raum betritt allein der Hohepriester, und zwar nur einmal jährlich,1 jedoch nicht ohne Blut, das er für sich selbst und des Volkes Vergehen darbringt.

  1. Am großen Versöhnungstag 3Mo 16

8 Damit wies der Heilige Geist beständig darauf hin, daß der Zutritt zum Allerheiligsten1 so lange verschlossen sei, als der Vorderraum der Stiftshütte noch benutzt würde.2

  1. Des Himmels.
  2. D.h. solange die levitischen Priester dort noch dienen.

9 Dieser Vorderraum ist ein Sinnbild bis auf die gegenwärtige Zeit.1 Nach der in ihm gültigen Ordnung werden Gaben und Opfer dargebracht, die freilich dem, der Gott damit dient, nicht den wirklichen Gewissensfrieden geben können.2

  1. Das ist die Zeit der christlichen Haushaltung, in der Christus als himmlischer Hoherpriester tätig ist. Damit hat aber der Opferdienst des Alten Bundes sein Ende erreicht.
  2. Weil sie nicht imstande sind, die Sünde und damit das Schuldbewußtsein hinwegzunehmen.

10 Ebenso wie die Bestimmungen über Speisen1 und Getränke und die verschiedenen Waschungen2 gehören sie3 zu den Vorschriften, die nur die Verhältnisse des äußeren Lebens regeln und die bis zu der Zeit gelten, wo eine bessere Ordnung eingeführt wird.4

  1. Z.B. in 3Mo 11.
  2. Vgl. 2Mo 29:4, 3Mo 14:1-5, 4Mo 19:13.
  3. Die Gaben und Opfer (in V9).
  4. Die Opfer usw. gaben nur eine äußere Reinigung, aber keine Reinigung des Herzens. Die bessere Ordnung ist durch Christus und sein Hohepriestertum eingeführt worden.

11 Als Christus erschien,1 um als Hoherpriester die von ihm erworbenen Güter auszuteilen, da hat er ein höheres und vollkommeneres Zelt durchschritten, das nicht von Menschenhänden errichtet ist und überhaupt nicht dieser irdischen Schöpfung angehört.2

  1. In der Gegenwart Gottes bei der Himmelfahrt.
  2. Christus hat die Himmel durchschritten, um so in die eigentliche Wohnstätte Gottes, in das obere Allerheiligste, zu gelangen.

12 Auch nicht das Blut von Böcken und Kälbern, sondern sein eigen Blut1 hat ihm ein für allemal den Eingang in das Allerheiligste erschlossen, nachdem er uns eine ewiggültige Erlösung erworben hat.2

  1. Das er am Kreuz vergossen hat.
  2. Durch sein Opfer am Kreuz. "Erlösung" bedeutet hier: Befreiung aus der Schuldhaft.

13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh, woraus das Sprengwasser für Verunreinigte bereitet wird,1 eine Weihe gibt, die leibliche Reinheit wirkt:2

  1. 4Mo 19.
  2. So daß den Gereinigten der Zutritt zu dem Heiligen wieder offensteht.

14 wieviel mehr wird da das Blut Christi, der, erfüllt und gestärkt von dem ewigen Geist,1 sich Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von den toten Werken2 reinigen, so daß wir fähig sind, dem lebendigen Gott zu dienen!

  1. Der ewige Geist ist der Heilige Geist.
  2. Vgl. 6,1.

15 So1 hat er eine neue Gottesstiftung eingeführt.2 Auf Grund seines Todes, der zur Befreiung von den unter der früheren Stiftung3 begangenen Übertretungen erfolgt ist,4 sollen alle, die dazu berufen sind,5 das verheißene Erbe empfangen.

  1. Deshalb, weil er ein solcher Hoherpriester ist (V11-14).
  2. Vgl. 8,6.
  3. D.h. unter dem Gesetz.
  4. Der Erlaß der unter der alten Ordnung des Gesetzes begangenen Übertretungen war die Vorbedingung für die Einführung der neuen Ordnung des Evangeliums.
  5. Zunächst das Haus Israel und das Haus Juda (8,8.10).

16 Denn wo es sich um eine letztwillige Stiftung (oder ein Vermächtnis) handelt, da muß notwendig der Tod des Stifters nachgewiesen werden.

17 Eine Stiftung wird erst dann rechtskräftig, wenn der Erblasser tot ist; bei seinen Lebzeiten hat sie keine Gültigkeit.

18 Daher ist auch die alte Gottesstiftung nicht ohne Blutvergießen1 eingeweiht.

  1. Also nicht, ohne daß ein Tod erfolgte.

19 Denn als Mose dem ganzen Volk alle Gebote des Gesetzes verkündigt hatte, da nahm er das Blut der Kälber und der Böcke1 nebst Wasser, scharlachroter Wolle und Ysop2 und besprengte das eben vorgelesene Buch sowie das ganze Volk

  1. 2Mo 24:3-6.
  2. Diese drei Teile wurden bei Reinigungsopfern gebraucht. 4Mo 19:6,18, 3Mo 14:5-6 Der Ysop, eine Pflanze, diente als Sprengwedel.

20 mit den Worten: "Dies ist das Blut der Stiftung, die Gott für euch verordnet hat."1

  1. 2Mo 24:6-8. Das Buch, dessen Besprengung übrigens in dem mosaischen Bericht nicht besonders erwähnt wird, bedurfte auch einer Reinigung, weil es ja durch sündige Menschen hergestellt war.

21 Ebenso besprengte er die Stiftshütte und alle Geräte des Gottesdienstes mit dem Blut.1

  1. Die Errichtung der Stiftshütte wird erst 2Mo 40 erzählt. Dort lesen wir wohl von einer Salbung, aber nicht von einer Besprengung der Stiftshütte und ihrer Geräte; nur der Brandopferaltar wurde mit Blut besprengt. 2Mo 24:6, 3Mo 8:15,19 Doch der Verfasser des Hebräerbriefes redet ähnlich wie der jüdische Geschichtsschreiber Josephus von einer Besprengung der ganzen Stiftshütte.

22 Ja nach der Vorschrift des Gesetzes wird fast alles mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen ist keine Vergebung zu erlangen.1

  1. Vgl. 3Mo 17:11.

23 So mußten die Abbilder der himmlischen Dinge1 auf diese Weise2 gereinigt werden.3 Das Himmlische selbst aber erforderte höhere Opfer.4

  1. Die Stiftshütte und ihre Geräte.
  2. Durch Tierblut.
  3. Vgl. 3Mo 16:16,18,19.
  4. Gemeint ist hier das Opfer Christi, wodurch uns das himmlische Heiligtum zugänglich gemacht worden ist.

24 Denn Christus ist nicht eingegangen in ein von Menschenhänden hergestelltes Heiligtum, also nicht in ein bloßes Abbild des wahrhaftigen Allerheiligsten.1 Nein, er ist in den Himmel selbst eingetreten, um jetzt zu unserem Heil vor Gottes Angesicht zu erscheinen.2

  1. D.h. der himmlischen Wohnstätte Gottes.
  2. Nämlich: als unser Fürsprecher.

25 Er ist auch nicht in den Himmel eingegangen, um sich dann wiederholt (Gott) zu opfern,1 wie der Hohepriester alljährlich in das Allerheiligste eintritt mit fremdem Blut.

  1. Eine wiederholte Selbstopferung des Erhöhten würde ja eine wiederholte Menschwerdung und ein wiederholtes Sterben voraussetzen.

26 Sonst1 hätte er ja oftmals leiden müssen seit Grundlegung der Welt.2 Er ist vielmehr nur einmal, und zwar am Ende des jetzigen Weltlaufs, erschienen, um durch sein Opfer die Sünde3 hinwegzutun.

  1. Wenn er in den Himmel eingegangen wäre, um sich oftmals zu opfern.
  2. Denn sein Opfer am Kreuz gilt für die Sünden der ganzen Menschheit von Anfang an.
  3. "Die Sünde" der ganzen Menschheit.

27 Wie den Menschen ein einmaliges Sterben bestimmt ist und nach dem Sterben ein Gericht,

28 so ist auch Christus nur einmal geopfert worden, um vieler Sünden zu tragen.1 Nun wird er zum zweiten Mal, ohne wieder die Sünde auf sich zu nehmen,2 denen erscheinen, die mit Sehnsucht auf ihn warten, um ihnen Errettung zu bringen.3

  1. D.h.: um sie zu büßen und zu sühnen. Jes 53:4-11
  2. Als Opferlamm.
  3. Vgl. Rö 8:23, Php 3:20-21.

Chapter 10

1 Das Gesetz1 zeigt die künftigen Güter2 nur in schattenhaftem Umriß: das eigentliche Bild der (himmlischen) Dinge hat es nicht. Darum kann es auch mit den Opfern, die Jahr für Jahr fortwährend in derselben Weise dargebracht werden,3 die Opfernden4 nie und nimmer zur Vollendung bringen.5

  1. Wörtlich: "Denn das Gesetz:" Begründung des in V26 bis 28 ausgesprochenen Gedankens, daß Christus durch sein Opfer die Sünden weggenommen habe.
  2. Des Neuen Bundes.
  3. Und zwar am großen Versöhnungstag.
  4. Die Priester und die Volksgemeinde.
  5. Es kann sie nicht innerlich und vollkommen von der Sünde reinigen.

2 - Hätte man sonst nicht mit den Opfern aufgehört, wenn jene, die sie darbringen, dadurch ein für allemal gereinigt würden und kein Schuldbewußtsein mehr hätten? —

3 Gerade durch die Opfer wird Jahr für Jahr1 immer wieder die Erinnerung an die Sünden wachgerufen.2

  1. Am großen Versöhnungstag.
  2. Die Opfer können also die Sünden nicht tilgen.

4 Denn es ist unmöglich, daß das Blut von Stieren und Böcken Sünden tilge.

5 Deshalb spricht Christus auch bei seinem Eintritt in die Welt:1 Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gefordert; doch einen Leib hast du mir zubereitet.2

  1. Der in die Welt eintretende Christus stellt sein ganzes irdischen Leben unter diese Worte in Ps 40:7-9.
  2. Im Hebräischen heißt es hier: "Ohren hast du mir gegraben," d.h. du hast mir die Fähigkeit verliehen, dein Wort zu vernehmen. Im griechischen sowohl wie im hebräischen Text kommt es an auf den Gehorsam als das von Gott verlangte Opfer: mit dem Ohr wird Gottes Wille vernommen, mit den Gliedern des Leibes wird er erfüllt. vgl. Rö 12:1

6 Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht.

7 Da sprach ich: Sieh, ich bin gekommen — im Buch1 ist von mir geschrieben —, um deinen Willen, Gott, zu tun.2

  1. Die Buchrolle ist hier das ganze Alte Testament als das Buch der Weissagung von dem Messias.
  2. Statt äußere Opfer zu bringen, ist Christus bereit, durch das Opfer seines Leibes Gottes Willen zu tun.

8 Während er in den Anfangsworten sagt: Schlachtopfer und Speisopfer, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gefordert, sie gefallen dir auch nicht — obgleich doch diese Opfer nach der Vorschrift des Gesetzes dargebracht werden müssen —,

9 spricht er weiter: Sieh, ich bin gekommen, um deinen Willen zu tun. — Damit hebt er1 die erste Ordnung2 auf, um die zweite Ordnung3 festzustellen —.

  1. Christus.
  2. Den Opferdienst des Alten Bundes.
  3. Das Tun des göttlichen Willens.

10 Durch diesen Gotteswillen1 sind wir geheiligt,2 da Jesus Christus ein für allemal seinen Leib zum Opfer hingegeben hat.3

  1. Zu dessen Erfüllung sich Christus bereiterklärt hat.
  2. D.h. von den Sünden gereinigt und zu Gottes Eigentum geweiht worden.
  3. Durch Christi Opfer ist Gottes Wille erfüllt worden.

11 Ferner: Jeder Priester1 steht täglich da,2 vollzieht den Dienst und bringt immer wieder dieselben Opfer, die doch nie und nimmer die Sünden tilgen können.

  1. Wenn die Reihe an ihn kommt.
  2. Priester und Leviten mußten ihren Dienst stehend verrichten. 5Mo 10:8, 17:12, 18:7

12 Dieser1 aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt.

  1. Christus.

13 Seitdem wartet er darauf, daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden.1

  1. Ps 110:1.

14 Denn mit einem Opfer hat er alle, die sich dadurch heiligen lassen, für immer zur Vollkommenheit gebracht.1

  1. D.h.: er hat sie zur vollen Gemeinschaft mit Gott geführt.

15 Das bezeugt uns auch der Heilige Geist. Denn nach den Worten:

16 Dies ist nun die Verordnung, die ich für sie aufrichten will nach jenen Tagen, spricht der Herr:1 Ich gebe mein Gesetz in ihre Herzen, und will es ihnen schreiben in den Sinn, heißt es weiter:

  1. Vgl. Heb 8:10, Jer 31:33.

17 Und ihrer Sünden und Ungerechtigkeiten will ich nicht mehr gedenken.1

  1. Vgl. Heb 8:10, Jer 31:33-34.

18 Wo aber die Sünden wirklich vergeben sind, da ist kein Sündopfer weiter nötig.

19 So haben wir nun, Brüder, die Zuversicht, daß uns der Eingang ins Allerheiligste1 durch Jesu Blut geöffnet ist.

  1. Des Himmels.

20 Er1 hat uns einen neuen, immer offenen Weg erschlossen, und der führt durch den Vorhang: durch sein Fleisch.2

  1. Christus.
  2. In der Stiftshütte trennte ein Vorhang das Heilige vom Allerheiligsten. Wie dieser Vorhang bei dem Eingang in das Allerheiligste weggezogen werden mußte, vgl. Mt 27:51 so mußte auch Jesus sein sterbliches Fleisch im Tod ablegen und einen neuen, unsterblichen Leib empfangen, ehe er in das himmlische Allerheiligste und in die Gegenwart Gottes eintreten konnte. vgl. 1Kor 15:50

21 Wir haben einen Hohenpriester, der da waltet über Gottes Haus.1

  1. Über die Gemeinde des Neuen Bundes.

22 Darum laßt uns (Gott) nahen mit aufrichtigem Herzen in voller Glaubenszuversicht! Durch die Besprengung unserer Herzen1 sind wir des Schuldbewußtseins ledig. Am Leib gewaschen mit reinem Wasser;2

  1. Es ist die Besprengung mit dem Blut Christi gemeint (Heb 12:24, 1Pe 1:2).
  2. Hinweis auf die Taufe, wodurch wir zu Kindern Gottes und zu Erben einer himmlischen Hoffnung wiedergeboren sind. Ich ziehe και λελουμενοι zu κατεχωμεν V23. Aus Auflage 7; 1953: Hinweis auf die Taufe, durch welche auch der Leib das priesterliche Zeichen der Besprengung empfängt. Der Priester des Alten Bundes wurde durch Besprengung mit dem Blut des Opfertieres und mit einem Bad an den Gliedern seines Leibes für den Dienst in der Stiftshütte geweiht, wir aber sind durch das im Glauben erfaßte Opferblut Jesu nicht nur an den Gliedern des Leibes, sondern im Herzen besprengt und an unserem inwendigem Leben für den Eingang in das Allerheiligste geheiligt.

23 laßt uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeugsam festhalten! Denn er, der die Verheißung1 gegeben hat, ist treu.

  1. Worauf sich die Hoffnung gründet.

24 Laßt uns sorgfältig aufeinander achten, um uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen!

25 Kehren wir nicht unserer besonderen gottesdienstlichen Versammlung1 den Rücken, wie es bei manchen Gewohnheit ist! Laßt uns vielmehr einander ermahnen,2 und das um so mehr, als ihr den Tag3 schon herannahen seht!

  1. Die Christen in Jerusalem nahmen auch noch am Tempeldienst teil. Apg 2:46, 3:1 Die innere Ermattung der Hebräer, an welche der Brief zunächst gerichtet war, hatte sich auch darin gezeigt, daß sie sich, vielleicht aus Furcht oder aus Mißachtung, von den Versammlungen der Gemeinde zurückgezogen hatten. Aber gerade in diesen hatten sie Gelegenheit zu dem gegenseitigen Sichanspornen zur Liebe und zu guten Werken und die Möglichkeit zu dem vom Apostel geforderten mahnenden Wort. Durch das Wegbleiben gingen sie auch der besonderen Segnungen der Gemeinschaft unter dem Wort, im Brotbrechen und Gebet verlustig.
  2. Zur Treue und zum Eifer.
  3. Der Wiederkunft Christi.

26 Denn wenn wir vorsätzlich1 in der Sünde beharren, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so gibt es für uns kein Sündopfer mehr,2

  1. Mit bewußter Mißachtung des göttlichen Willens.
  2. Das von uns verschmähte und keiner Wiederholung fähige Opfer Christi hätte dann seine Bedeutung für uns verloren.

27 sondern es bleibt uns nur eine furchtbare Erwartung des Gerichts und der Zorneifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.1

  1. Vgl. Jes 26:11 nach LXX

28 Wer das Gesetz Moses übertreten hat, der muß auf die Aussage zweier oder dreier Zeugen hin ohne Erbarmen sterben.1

  1. 4Mo 35:30, 5Mo 17:2-7.

29 Wieviel härter, meint ihr wohl, wird da der bestraft werden, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, das Blut der Gottesstiftung, durch das er geheiligt worden ist, für wertlos hält1 und den Geist der Gnade2 schmäht!

  1. Der Christi Blut ansieht wie das Blut eines gewöhnlichen Menschen.
  2. Den Heiligen Geist, der uns die göttliche Erlösungsgnade mitteilt.

30 Wir kennen doch den, der gesagt hat: Mir kommt die Rache zu, ich will vergelten.1 Und anderswo heißt es: Der Herr wird sein Volk richten.2

  1. 5Mo 32:35, Rö 12:19.
  2. 5Mo 32:36, Ps 135:14.

31 Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.1

  1. Vgl. 5Mo 32:39-41.

32 Denkt doch zurück an die vergangenen Tage, wo ihr bald nach eurer Erleuchtung1 so manchen schweren Leidenskampf bestanden habt!

  1. Bald nach eurer Taufe und dem Empfang des Heiligen Geistes (vgl. 6,4).

33 Bald wurdet ihr selbst durch Schmach und Trübsal der Welt zum Schauspiel, bald halfet ihr denen, die so leiden mußten.1

  1. Und zwar durch Wort und Tat.

34 Denn den Gefangenen1 habt ihr Mitgefühl bewiesen2 und den Verlust eurer Güter3 mit Freuden aufgenommen4 in dem Bewußtsein, daß ihr ein höheres, unvergängliches Besitztum habt.5

  1. Den auf obrigkeitlichen Befehl Eingekerkerten.
  2. Durch Besuche und Unterstützungen.
  3. Die wahrscheinlich von der Obrigkeit eingezogen wurden.
  4. Gleichsam wie einen lieben Gast — so groß war damals ihre Glaubensstärke und Opferfreudigkeit.
  5. Nämlich: im Himmel. — V32-34 paßt sehr gut zu den in Apg 8:1-3, 12,1-2 berichteten Verfolgungen der Christen in Jerusalem und Judäa.

35 So laßt nun eure Hoffnungszuversicht nicht fahren! Eine hohe Belohnung ist ja mit ihr verbunden.

36 Denn standhafte Ausdauer ist euch not, damit ihr Gottes Willen tut und den verheißenen Preis erlangt.

37 Denn nur noch eine kleine, kleine Weile, dann wird erscheinen, der da kommen soll, und nicht verziehen.

38 Mein Gerechter aber1 wird durch den Glauben das Leben2 erlangen. Doch weicht er feig zurück, so hat meine Seele an ihm kein Wohlgefallen.3

  1. D.h. "der Gerechte, der mit mir in Gemeinschaft steht".
  2. Das ewige Leben.
  3. Hab 2:3-4 frei nach LXX

39 Unsere Art ist's aber nicht, feig zurückzuweichen und dadurch ins Verderben zu geraten. Wir halten's mit dem Glauben, um das Leben zu gewinnen.

Chapter 11

1 Glauben heißt: zuversichtlich vertrauen auf das, was man hofft, und fest überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht.

2 Durch solchen Glauben haben die alten Väter Lob empfangen.1

  1. Von Gott.

3 Durch den Glauben erkennen wir, daß die Welt durch Gottes Wort entstanden ist. Aus Unsichtbarem1 also ist das Sichtbare hervorgegangen.2

  1. D.h. dem Wort Gottes.
  2. Ohne den Glauben bleibt die Entstehung der Welt ein unlösbares Rätsel.

4 Durch den Glauben hat Abel Gott ein angenehmeres Opfer dargebracht als Kain. Durch den Glauben empfing er auch das Zeugnis, gerecht zu sein, indem ihm Gott sein Wohlgefallen an seinen Opfergaben kundtat.1 Durch seinen Glauben redet er noch jetzt nach seinem Tod.2

  1. 1Mo 4:4.
  2. Indem er zur Nachahmung seines Glaubens ermahnt.

5 Seines Glauben wegen wurde Henoch entrückt, so daß er den Tod nicht sah, und er ward nicht mehr (auf Erden) gefunden, weil ihn Gott entrückt hatte. Denn nach dem Zeugnis der Schrift hat er vor seiner Entrückung nach Gottes Wohlgefallen gelebt.1

  1. 1Mo 5:24.

6 Ohne Glauben aber ist's unmöglich, Gott zu gefallen. Denn wer Gott naht, der muß glauben, daß er da ist, und daß er denen, die ihn suchen,1 ihre gebührende Belohnung gibt.

  1. Und verehren.

7 Im Glauben baute Noah, dem Gott Kunde gab von dem, was noch nicht zu sehen war,1 in frommer Vorsicht eine Arche zur Rettung seines Hauses.2 Durch solchen Glauben hat er der Welt3 das Urteil gesprochen und die Glaubensgerechtigkeit ererbt.

  1. D.h. von der kommenden Sintflut.
  2. 1Mo 6:8-13.
  3. Seinen ungläubigen Zeitgenossen.

8 Im Glauben folgte Abraham dem göttlichen Befehl, auszuziehen an einen Ort, den er zum Erbe empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin.1

  1. 1Mo 12:1-6.

9 Im Glauben lebte er als Gast1 in dem verheißenen Land wie in der Fremde:2 er wohnte in Zelten ebenso wie Isaak und Jakob, die Miterben derselben Verheißung.

  1. Der keine Rechte hat, sondern nur geduldet wird.
  2. 1Mo 23:4, 35:27.

10 Denn er wartete auf die Stadt mit den rechten Grundfesten,1 deren Bildner und Baumeister Gott ist.

  1. Das himmlische Jerusalem. Diese Stadt steht im Gegensatz zu den Zelten.

11 Durch Glauben empfing Sara trotz ihres hohen Alters die Fähigkeit zur Mutterschaft; denn sie hielt den für treu, der ihr die Verheißung gegeben hatte.1

  1. 1Mo 18:11-14.

12 So ist denn1 von einem Mann,2 der noch dazu die Lebenskraft bereits verloren hatte,3 ein Geschlecht entsprossen so zahlreich wie des Himmels Sterne und wie der Sand am Meeresufer, den niemand zählen kann.4

  1. Wegen des von Sara bewiesenen Glaubens.
  2. Abraham.
  3. Vgl. Rö 4:19.
  4. 1Mo 15:5, 22:17.

13 Im Glauben sind alle diese gestorben. Sie haben die verheißenen Güter nicht empfangen, sondern sie nur von ferne geschaut und mit Freuden begrüßt.1 Bekannten sie doch offen, daß sie hier auf Erden nur Fremdlinge und Pilger seien.2

  1. Wie der Wanderer die in der Ferne auftauchende Vaterstadt begrüßt.
  2. Vgl. 1Mo 23:4, Ps 39:13.

14 Die solche Sprache führen, erklären damit deutlich, daß sie eine Heimat suchen.

15 Hätten sie dabei an jenes Land gedacht, von dem sie ausgezogen waren,1 so stand es ihnen ja frei, dorthin zurückzukehren.

  1. Gemeint ist hier Chaldäa.

16 Nun aber tragen sie Verlangen nach einer besseren Heimat: nach einer Heimat, die im Himmel ist. Darum läßt sich Gott auch herab, sich ihren Gott zu nennen;1 denn er hat ihnen2 eine Stadt3 als Wohnung zubereitet.

  1. 2Mo 3:6.
  2. Weil er ihr Gott ist.
  3. Statt der Wanderzelte.

17 Im Glauben hat Abraham, als ihn Gott versuchte,1 den Isaak zum Opfer dargebracht. Seinen einzigen Sohn wollte er opfern — er, der im freudigen Glauben die Verheißungen empfangen hatte,

  1. 1Mo 22:1-6.

18 und an den das Wort ergangen war: Von Isaak soll dein Geschlecht herkommen.1

  1. 1Mo 21:12. Durch Isaaks Opferung schien aber diese göttliche Verheißung aufgehoben zu werden.

19 Denn er war überzeugt: Gott hat die Macht, sogar Tote zu erwecken. Daher1 empfing er seinen Sohn auch wieder aus des Todes Rachen.

  1. Wegen seines Glaubens.

20 Im Glauben segnete Isaak Jakob und Esau, indem er von zukünftigen Dingen redete.1

  1. 1Mo 27:28-29, 39-40.

21 Im Glauben segnete Jakob im Sterben die beiden Söhne Josefs,1 und, auf seines Stabes Spitze gestützt,2 neigte er sich anbetend.3

  1. 1Mo 48:14-16.
  2. Vor Altersschwäche.
  3. Er neigte sich vor Gott (1Mo 47:31 nach LXX).

22 Im Glauben gedachte Josef an seinem Lebensende des Auszugs der Kinder Israels und bestimmte, was mit seinen Gebeinen geschehen sollte.1

  1. 1Mo 50:24-25.

23 Im Glauben ward Mose nach seiner Geburt drei Monate lang von seinen Eltern verborgen gehalten,1 weil sie sahen, daß er ein liebliches Kind war; und sie ließen sich nicht einschüchtern durch des Königs Gebot.

  1. 2Mo 2:2.

24 Im Glauben verschmähte es Mose, als er herangewachsen war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen.

25 Er wollte lieber mit dem Volk Gottes Unbill leiden, als sich durch Sünde1 flüchtige Genüsse erkaufen.

  1. Durch die Lossagung von seinem Volk.

26 Denn er hielt Christi Schmach für größeren Reichtum als Ägyptens Schätze, weil sein Blick auf die künftige Belohnung gerichtet war.1

  1. Christus wirkte schon inmitten Israels. vgl. 1Kor 10:4,9 Die Schmach und Unbill, die den Israeliten in Ägypten widerfuhr, traf also auch Christus.

27 Im Glauben verließ er Ägypten,1 ohne des Königs Zorn zu fürchten. Denn er war mutig, als sähe er den Unsichtbaren.2

  1. Er ging zu seinen Brüdern nach dem Land Gosen und floh später nach Midian. 2Mo 2:11,15
  2. Er vertraute so fest auf Gottes Hilfe, als sähe er ihn mit Augen.

28 Im Glauben hielt er das Passahfest und ließ (die Häuser) mit Blut besprengen,1 damit der Engel, der die Erstgeburten schlug, sie2 nicht berühre.

  1. 2Mo 12.
  2. Die Israeliten.

29 Im Glauben gingen sie1 durch das Rote Meer wie durch trockenes Land, während die Ägypter, die es auch versuchten, von der Flut verschlungen wurden.

  1. Die Israeliten.

30 Durch Glauben fielen Jerichos Mauern, als man sieben Tage lang um sie herumgezogen war.1

  1. Jos 6:20.

31 Um ihres Glaubens willen kam die Dirne Rahab nicht ums Leben mit den Ungehorsamen, weil sie die Kundschafter freundlichen aufgenommen hatte.1

  1. Jos 2:1-5.

32 Was soll ich noch weiter sagen?1 Es würde mir an Zeit fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon, Barak, Simson, Jefta und David, von Samuel und den Propheten.

  1. Welche anderen Beispiele soll ich noch aus der großen Menge auswählen?

33 Diese Männer haben in der Kraft des Glaubens Königreiche bezwungen, gerechte Gerichte geübt,1 die Erfüllung göttlicher Verheißungen erfahren,2 Löwen den Rachen zugehalten3

  1. Wie es die Aufgabe der Richter und der Könige war.
  2. Z.B. Ri 4:14, 6:14, 7:7, 2Sa 7:11-15.
  3. 1Sa 17:34-35, Da 6:22.

34 und Feuersglut gelöscht.1 Sie sind des Schwertes Schneide entronnen2 und von Krankheit wieder genesen.3 Sie sind Helden im Kampf geworden4 und haben die feindlichen Heere zum Weichen gebracht.

  1. Da 3:27.
  2. Wie Elia und Elisa (1Kö 19:1-5, 2Kö 6:810).
  3. Wie Hiskia (Jes 38).
  4. Wie die Makkabäer.

35 Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiedererhalten.1 Andere haben sich auf der Marterbank zu Tode schlagen lassen2 und die ihnen angebotene Lebensrettung zurückgewiesen,3 um eine bessere Auferstehung4 zu erlangen.5

  1. 1Kö 17:23, 2Kö 4:36-37.
  2. Wie der greise Schriftgelehrte Eleasar (2. Makk. 6,18-31).
  3. Weil sie nur mit der Verleugnung des Glaubens zu erkaufen war.
  4. Eine Auferstehung zum ewigen Leben statt der V35 erwähnten Errettung des irdischen Lebens.
  5. Vgl. 2. Makk. 7,9.11.14.23.

36 Wieder andere wurden verhöhnt und gegeißelt, ja in Ketten und Kerker geworfen.1

  1. Jer 37:21, 38:6,13,28.

37 Sie wurden gesteinigt,1 verbrannt,2 zersägt3 und mit dem Schwert erwürgt.4 Sie gingen umher in Schafpelzen5 und Ziegenfellen unter Entbehrungen, Trübsal und Ungemach.

  1. 2Ch 24:20-22.
  2. Wie die sieben Brüder und ihre Mutter (2. Makk. 7; vgl. auch 2. Makk. 6,11). Ich lese επυρασθησαν statt επειρασθηαν. Nach neugriechischer Aussprache lauten beide Worte gleich.
  3. Wie nach der Überlieferung der Prophet Jesaja unter dem König Manasse.
  4. Vgl. 1Kö 19:10, Jer 26:22-24.
  5. Vgl. 1Kö 19:13, 19, 2Kö 2:8, 13-14 nach LXX

38 Die ganze Welt konnte ihnen keine würdige Wohnstatt bieten, und doch mußten sie in Wüsteneien und Gebirgen, in Höhen und Erdklüften heimatlos umherirren.1

  1. Vgl. 1Kö 18:4, 13, 19:4, 9 1. Makk. 2,28f.; 2. Makk. 5,27; 6,11; 10,6.

39 Diese alle1 haben durch den Glauben Lob erlangt,2 aber die Erfüllung der Verheißung3 haben sie nicht erlebt.

  1. Die von V4 an Genannten.
  2. Von Gott (V2).
  3. Gemeint ist die Verheißung des Kommens Christi und seines Reiches.

40 Denn im Blick auf uns hatte Gott etwas Besseres vor: sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.1

  1. Das "Bessere" ist in dem Satz ausgesprochen: "Sie sollten nicht ohne uns vollendet werden." Ließ Gott also die alten Glaubenshelden auf die Erfüllung der Verheißung warten, so geschah das im Blick auf die Gemeinde des Neuen Bundes.

Chapter 12

1 Weil wir von einer so dichten Zeugenwolke umgeben sind,1 so wollen auch wir alle Last, die uns beschwert,2 und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, ablegen und in dem Wettkampf, der uns obliegt, voll Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen.3

  1. Der Glaubenssieg der alten Zeugen verbürgt auch unseren Sieg: sie sehen gleichsam mit gespannter Teilnahme zu, wie wir uns in dem uns verordneten Kampf bewähren.
  2. Alle irdische Sorge.
  3. Ein Wettkämpfer legt alles ab, was ihn im Lauf hindert, namentlich das lange Gewand, das seine Füße leicht umstricken und ihn dadurch zu Fall bringen könnte.

2 Dabei laßt uns unverwandt auf Jesus schauen, auf ihn, der den Glauben in uns pflanzt und auch zur vollen Reife bringt! Um die Freude zu erringen,1 die ihn als Siegespreis erwartete, hat er des Kreuzes Pein erduldet und die Schande2 nicht geachtet; darum sitzt er nun zur Rechten auf dem Thron Gottes.

  1. Die Freude der zukünftigen Herrlichkeit für sich und die Seinen. Joh 17:5,24
  2. Die mit dem Kreuzestod verbunden war.

3 Ja denkt daran, welch großen Widerspruch er von den Sündern gegen sich erdulden mußte: dann werdet ihr nicht ermüden1 noch innerlich erschlaffen!

  1. Im Glaubenskampf.

4 Bis jetzt habt ihr1 im Kampf mit der Sünde das Leben noch nicht eingesetzt.2

  1. Das gegenwärtige Geschlecht der Leser.
  2. Wie die Gläubigen in früherer Zeit. vgl. Apg 8:1-3, 12:1-2

5 Aber trotzdem habt ihr schon die Mahnung ganz vergessen, die zu euch als Söhnen redet: Mein Sohn, mißachte nicht die Züchtigung des Herrn und laß den Mut nicht sinken, wenn du von ihm zurechtgewiesen wirst!

6 Denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er, und geißelt jeden Sohn, den er zur Kindschaft annimmt.1

  1. Spr 3:11-12.

7 Stellt euch unter die Zucht und ertragt sie standhaft! Als Söhne behandelt euch Gott! Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?

8 Bleibt ihr aber ohne Züchtigung, die alle (Söhne Gottes) erfahren haben, dann seid ihr ja unechte, nicht echte Söhne.

9 Ferner: unseren leiblichen Vätern, die uns züchtigen,1 haben wir ehrfurchtsvolle Scheu bewiesen. Sollten wir uns da nicht viel mehr dem Vater der Geister2 unterwerfen, um so zum (ewigen) Leben einzugehen?

  1. Während unserer Kindheit.
  2. Vgl. 4Mo 16:22, 27:16. Soll der Ausdruck "Vater der Geister" im Gegensatz zu "leiblichen Vätern" etwa bedeuten: geistlicher Vater, der Vater, der uns das geistliche, ewige Leben schenkt, während wir durch unsere leiblichen Väter in das irdische Leben eingetreten sind?

10 Jene1 haben für eine kurze Zeit2 nach ihrem Gutdünken3 Zucht an uns geübt. Dieser4 aber erzieht uns zu unserem wahren Besten,5 damit wir an seiner Heiligkeit Anteil haben.6

  1. Unsere leiblichen Väter.
  2. In den Tagen der Kindheit.
  3. Wobei es nicht an Fehlern und Mißgriffen fehlte, mithin nicht immer zu unserem wahren Besten.
  4. Gott.
  5. Weil er stets in vollkommener Weisheit und Liebe handelt.
  6. Damit wir in unserem ganzen Wesen seiner Heiligkeit immer ähnlicher werden. 1Pe 1:15-16

11 Jede Züchtigung1 scheint freilich für den Augenblick nicht erfreulich, sondern schmerzlich zu sein. Nachher aber bringt sie allen, die sich dadurch haben üben lassen,2 einen beseligenden Gewinn: Gerechtigkeit.3

  1. Die menschliche sowie die göttliche.
  2. Und zwar: im Gottvertrauen und Gehorsam (vgl. V7 und 9).
  3. D.h. Übereinstimmung mit Gottes Willen in ihrem ganzen Verhalten.

12 Darum: Richtet wieder auf die schlaffen Hände und die gelähmten Knie!1

  1. Frei nach Jes 35:3.

13 Und: Sucht ebene Bahnen1 für eure Füße zu finden.2 Dann wird das Lahme3 nicht vom rechten Weg abweichen, sondern vielmehr gesund werden!4

  1. D.h. Wege, die nicht irreführen.
  2. Frei nach Spr 4:26. Im Griechischen bilden diese Worte bei der Lesart poiésate einen Hexameter, der in der Übersetzung nachgebildet worden ist. Der Sinn ist: Die Leser sollen mutig auf dem geraden Weg fortschreiten.
  3. Das bereits zum Abfall geneigte Gemeindeglied.
  4. "Gesund werden" von seiner Lahmheit und freudig vorwärtsschreiten.

14 Sucht mit allen in Frieden zu leben1 und trachtet nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!2

  1. Ps 34:15.
  2. Vgl. Ps 11:7, 17:15, Mt 5:8, 1Jo 3:2.

15 Habt acht darauf, daß niemand Gottes Gnade unbenutzt lasse! Sonst kann ein Giftkraut aufwachsen1 und Schaden stiften zum Verderben vieler.

  1. Vgl. 5Mo 29:17.

16 Niemand sei bundbrüchig1 oder irdisch gesinnt wie Esau, der für eine einzige Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte!2

  1. Wörtlich: ein Hurer sei. Aber dies Wort scheint hier wie in alttestamentlichen Stellen Ps 73:27, 106:39 zu bedeuten: einer, der den Bund mit Gott bricht.
  2. 1Mo 25:29-34.

17 Als er dann nachher, wie ihr wißt, den Segen doch erlangen wollte, da wurde er (von seinem Vater) zurückgewiesen. Er fand keine Möglichkeit, den Sinn (des Vaters) zu ändern,1 obwohl er unter Tränen darum bat.2

  1. D.h. den über Jakob ausgesprochenen Segen rückgängig zu machen, weil Isaak unter göttlicher Eingebung geredet hatte.
  2. 1Mo 27:33-40.

18 Ihr seid ja1 nicht2 hingetreten zu einem Berg, den man anrühren konnte,3 und der in Feuersglut brannte, auch nicht zu Dunkel, Finsternis und Sturmwind,4

  1. Begründung der ganzen Warnung von V15ff.
  2. Wie die Israeliten bei der Gesetzgebung am Sinai.
  3. Der also sinnlich wahrnehmbar war.
  4. 5Mo 4:11, 5:22.

19 noch zu Posaunenklang1 und Donnerworten,2 bei deren Schall die Hörer3 baten, es möchte nicht weiter zu ihnen geredet werden.4

  1. 2Mo 19:16.
  2. 5Mo 4:12.
  3. Von Schrecken erfüllt.
  4. 2Mo 20:18-19, 5Mo 5:23-27.

20 - Denn sie konnten nicht ertragen, daß verordnet wurde: Sogar ein Tier, das den Berg berührt, soll gesteinigt werden.1

  1. 2Mo 19:12-13.

21 Ja die Erscheinung war so schrecklich, daß selbst Mose sprach: Ich bin voll Furcht und Zittern.1

  1. 5Mo 9:19, Apg 7:32.

22 Ihr seid vielmehr hingetreten zu dem Berg Zion1 und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem,2

  1. Off 14:1.
  2. Ga 4:26.

23 zu einer Festversammlung vieler Tausend Engel,1 zu der Gemeinde der Erstgeborenen,2 deren Namen im Himmel eingetragen sind;3 zu einem Helfer,4 der aller Menschen Gott ist; zu den Geistern der vollendeten Gerechten;5

  1. Wörtlich: zu Zehntausenden von Engeln, die eine Festversammlung bilden. Vgl. Ps 68:15, 5Mo 33:2, Da 7:10. Ich setze das Komma nicht hinter αγγελων, sondern hinter πανηγυρει und fasse dies als Apposition zu μυριασιν αγγελων.
  2. Zu der Gemeinde des Neuen Bundes, die den Namen Erstgeborene in höherem Sinn trägt als Israel. vgl. 2Mo 4:22, Jer 31:9, Hos 11:1
  3. Und zwar im Lebensbuch. vgl. 2Mo 32:32, Ps 69:29, Da 12:1, Lu 10:20, Php 4:3
  4. Wörtlich: Richter. Aber Richter bedeutet öfter: Helfer, Retter (z.B. in Ps 68:6, Jes 30:18, 33:22).
  5. D.h. wohl: der Gerechten, die durch Christi Opfer zur Vollendung gekommen sind.

24 zu Jesus, dem Vermittler einer neuen Gottesstiftung, und zu dem Blut der Besprengung,1 das noch wirksamer redet als Abel.2

  1. Vgl. Heb 9:13, 10:22.
  2. Dessen Stimme uns noch wirksamer mahnt als Abel (Heb 11:4).

25 Hütet euch, dem euer Ohr zu verschließen, der zu euch redet!1 Denn sind jene2 der Strafe nicht entronnen, die seine Worte nicht hören wollte, als er auf Erden3 zu ihnen redete: wie werden wir da ungestraft bleiben, wenn wir dem den Rücken kehren, der jetzt vom Himmel zu uns redet!

  1. Vgl. V24 Schluß.
  2. Die Israeliten.
  3. Am Sinai (V19).

26 Damals1 hat seine Stimme die Erde bewegt.2 Jetzt3 aber gilt sein Verheißungswort: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde erschüttern, sondern auch den Himmel.4

  1. Am Sinai.
  2. 2Mo 19:18.
  3. Für die Zeit des Neuen Bundes.
  4. Hag 2:6 frei nach LXX

27 Dies Wort "Noch einmal" deutet an, daß das, was erschüttert wird — und zwar, weil es der (vergänglichen) Schöpfung angehört — verwandelt werden soll, damit für immer bleibe, was nicht erschüttert werden kann.1

  1. Gemeint sind der neue Himmel und die neue Erde. 2Pe 3:13

28 Weil wir nun im Begriff sind, ein unerschütterliches Königreich zu empfangen, so laßt uns dankbar sein!1 So dienen wir Gott wohlgefällig. Und unser Dank verbinde sich mit ehrfurchtsvoller Scheu.2

  1. Ich lese εχωμεν χαριν.
  2. Vor Gott.

29 Denn unser Gott ist auch ein verzehrendes Feuer.1

  1. 5Mo 4:24.

Chapter 13

1 Die Bruderliebe dauere fort!1

  1. So wie sie früher von euch geübt worden ist.

2 Gastfreundschaft zu üben vergeßt nicht! Denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.1

  1. Vgl. 1Mo 18 und 1Mo 19.

3 Gedenkt der Gefangenen,1 als wäret ihr auch im Gefängnis!2 Nehmt euch der Bedrängten an; ihr seid ja auch im (sterblichen) Leib!3

  1. Der um ihres Glaubens willen Gefangenen, indem ihr für sie betet und ihr Los zu lindern sucht.
  2. So sehr versetzt euch in ihre Lage.
  3. Und könnt deshalb gleichfalls jeden Augenblick in Not und Ungemach kommen.

4 Haltet die Ehe in jeder Hinsicht in Ehren; befleckt nicht das Ehebett! Denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.

5 Euer Sinn sei frei von Geldgier! Seid zufrieden mit dem, was euch beschieden ist! Er selbst1 hat ja gesagt: Nie will ich von dir abtun meine Hand, nie dich verlassen.2

  1. Gott.
  2. 5Mo 31:6.

6 Darum können wir auch getrosten Mutes sprechen: Der Herr ist mein Helfer, ich werde mich nicht fürchten. Was können mir Menschen tun?1

  1. Ps 118:6.

7 Gedenkt eurer Führer, die euch Gottes Wort verkündigt haben! Schaut auf den Ausgang ihrer Erdenwallfahrt und folgt ihrem Glauben nach!1

  1. Hier kann man denken an den Märtyrertod des Diakons Stephanus, des Apostels Jakobus, des Bischofs Jakobus und des Apostels Petrus.

8 Jesus Christus ist gestern, heute und in Ewigkeit derselbe!1

  1. Christus ist der ewig Gleiche und ewig Lebendige. Wie er die Glaubenszeugen, an die der Verfasser in V7 erinnert, gestärkt hat, ebenso wird er auch die Leser im Glauben stärken.

9 Laßt euch nicht durch allerlei fremdartige1 Lehren irreführen!2 Denn gut und heilsam ist's, daß das Herz durch Gnade fest werde. Durch Speisen kann das nicht geschehen.3 Die sich damit befassen, sind ohne den erwarteten Gewinn geblieben.4

  1. Dem Christentum widerstreitende.
  2. Näheres über diese Irrlehren wissen wir nicht.
  3. Durch die Teilnahme an den Opfern und den Opfermahlzeiten Israels kann keine innere Festigkeit erlangt werden.
  4. Sie haben dadurch nicht die innere Festigkeit und Glaubenszuversicht erlangt.

10 Wir haben einen Altar,1 von dessen Opfer2 die nicht essen dürfen, die (Gott nach den Vorschriften) der Stiftshütte dienen.3

  1. Gemeint ist der Altar im Gottesdienst der Kirche. Aus 7. Auflage 1953: Was das alte Opfermahl abbildete, fehlt dem neutestamentlichen Gottesdienst nicht. Wenn das Volk und im besonderen Maß seine Priester vom Altar her die Speise empfingen, so war das auch ein Vorbild und Schattenriß von dem, was in Jesu Gabe in Wahrheit geschenkt ist. Es gebricht uns nicht an einem Altar; wir haben einen solchen, der uns nährt. In V.9 sagt ja der Apostel, daß die Gnade als festmachende Kraft ins Herz eingeht. Diese Gnade aber wurde uns auf einem Altar erworben an Jesu Kreuz. Auf diese Speisung nun gibt der Gottesdienst denen, die ihn noch nach der alten Weise des Gesetzes üben, weder ein Anrecht noch Anteil daran. Nicht einmal die Priester, die doch im Alten Bund diejenigen Opfer essen durften, welche dem übrigen Volk verboten waren, können an der neutestamentlichen Speisung Anteil haben. Um sie zu empfangen, gibt es nur einen Weg: Man muß zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes, und zu seinem Blut im Glauben hinzugetreten sein.
  2. Das Opfer, das auf dem Altar der Kirche dargebracht und von der gläubigen Gemeinde verzehrt wird, ist kein anderes als das heilige Abendmahl, das hier also schon als Erinnerungsopfer (nicht als Sündopfer) aufgefaßt wird zur Verkündigung des Todes Christi, 1Kor 11:26 zum Gedächtnis des einen Sündopfers, das Christus einmal für immer am Kreuz dargebracht hat (Heb 9:25-28, 10:10, 12). F. Kaltenbusch schreibt in der Protest. Realencyklopädie 1903, 12. Band, S.671: "Hebr. 13,10ff. handelt es sich unzweifelhaft um die Eucharistie, bei ihr deutlich nicht um das, was sättigte, was bloß als βρωμα in Betracht kam (V9), also nicht um die Agape; sondern etwas anderes ist das, was wir essen, und zwar [ek thysiasteeriou]. Es bleibt denkbar, daß der Verfasser des Hebräerbriefes schon meint, die Gemeinde erneuere im Abendmahl in kultisch-gedächtnismäßiger Weise die Opferung, die eucharistische Feier bedeute eine Vergegenwärtigung dessen, was auf Golgatha geschehen ist." Nein, das Opfer im Abendmahl erneuert nicht das Opfer am Kreuz, sondern es ist ein Erinnerungsopfer, das mit Lob und Dank für die Vollendete Erlösung dargebracht wird zum Gedächtnis des allgenugsamen ewig gültigen Kreuzesopfers, das jede Erneuerung, Fortsetzung und Ergänzung völlig ausschließt. — Gewöhnlich versteht man unter dem Altar in V10 das Kreuz Christi, dann würde "vom Altar essen" so viel heißen wie "die Segnungen des Opfers Christi im Glauben sich aneignen." Nun sagt aber der Vers, daß alle, die der Stiftshütte dienen, d.h. die Juden, nicht vom Altar essen dürfen. Ist es denn aber den Juden verwehrt, die Segnungen des Kreuzesopfers Christi im Glauben zu empfangen? Ihnen ist ja zunächst das Heil bestimmt. Apg 13:46 Die Deutung, der Altar sei Christi Kreuz, verbietet sich also von selbst. Aus 7. Auflage 1953: Weil Israel das Blut Jesu gemein achtet, weiß es nichts von der speisenden, nährenden Kraft, die Jesu Tod besitzt, nichts davon, daß wir nach Jesu Wort sein Fleisch als die rechte Speise essen und sein Blut als den rechten Trank trinken dürfen. Dafür ist der Gottesdienst nach der alten Weise kein Ersatz. Trotzdem also Jesu Gemeinde keinen Zugang mehr zum Altar Israels hat, so sind dennoch nicht die an Christus Glaubenden, sondern die ungläubigen Juden vom rechten Altar und der wahrhaftigen Kommunion ausgeschlossen und abgetrennt (Schlatter). Das heilige Abendmahl, das von der gläubigen Gemeinde verzehrt wird, ist als Erinnerungsopfer (nicht Sündopfer) aufgefaßt und wird zur Verkündigung des Todes Christi (1Kor 11:26) und zum Gedächtnis des einen Sündopfers, das Christus einmal für immer am Kreuze dargebracht hat (Heb 9:25-28, 10:10, 12). Nein, das Opfer im Abendmahl erneuert nicht das Opfer am Kreuze, sondern es ist ein Erinnerungsopfer, das mit Lob und Dank für die vollendete Erlösung dargebracht wird zum Gedächtnis des allgenugsamen, ewiggültigen Kreuzesopfers, das jede Erneuerung, Fortsetzung und Ergänzung völlig ausschließt.
  3. Die Juden.

11 Denn die Leiber jener Tiere, deren Blut zur Sühnung für die Sünde durch den Hohenpriester in das Allerheiligste getragen wird,1 die pflegt man außerhalb des Lagers zu verbrennen.2

  1. Das geschah am großen Versöhnungstag.
  2. 3Mo 16:27. Das Fleisch wurde nicht durch die Priester verzehrt, ebensowenig wie bei den anderen Sündopfern. Wäre also das Abendmahl ein Sündopfer, so dürfte man nicht davon essen.

12 Darum hat auch Jesus, um durch sein eigen Blut das Volk zu weihen,1 außerhalb des Tores2 gelitten.

  1. D.h. es Gott zu weihen.
  2. Außerhalb der Tore Jerusalems, und zwar auf Golgatha.

13 So laßt uns denn zu ihm hinausgehen außerhalb des Lagers und seine Schmach auf uns nehmen!1

  1. Die Leser werden aufgefordert, das Lager, d.h. die Gemeinde Israels zu verlassen, indem sie sich von dem levitischen Priestertum und Gottesdienst völlig lösen; und sie sollen nicht davor zurückscheuen, sich von ihren Volksgenossen als Abtrünnige schmähen zu lassen.

14 Denn hier haben wir keine bleibende Stadt,1 sondern unsere Sehnsucht steht nach der zukünftigen.2

  1. In diesen Worten scheint ein Hinweis auf die nahe Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels zu liegen.
  2. Nach dem himmlischen Jerusalem.

15 Durch ihn1 laßt uns nun fort und fort Gott Lobopfer bringen: "die Frucht der Lippen",2 die seinen Namen preisen!3

  1. Christus.
  2. Hos 14:3 nach LXX
  3. Die Lobopfer sind also Lob- und Dankgebete.

16 Vergeßt auch nicht wohlzutun und mitzuteilen, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen!

17 Gehorcht euern Vorstehern und folgt ihnen! Denn sie sind Wächter zum Heil eurer Seelen,1 und sie sollen einst Rechenschaft (von ihrer Arbeit) ablegen.2 Das möchten sie mit Freuden tun und nicht mit Seufzen;3 denn dies4 wäre euch zum Schaden.5

  1. Vgl. Jes 52:8, Jer 6:17, Hes 3:17, 33:7.
  2. Und zwar bei der Wiederkunft Christi.
  3. Über eure Widerspenstigkeit.
  4. Das Seufzen.
  5. Weil es Gottes Gericht nach sich zöge.

18 Betet für uns!1 Denn wir meinen, daß wir ein gutes Gewissen haben, da wir in jeder Hinsicht recht zu wandeln trachten.2

  1. Und dieser Fürbitte sind wir nicht unwert; "denn" usw.
  2. War vielleicht hier und da Mißtrauen gegen den Verfasser vorhanden?

19 Und besonders deshalb fordere ich euch zu dieser Fürbitte auf, damit ich euch desto eher zurückgegeben werde.1

  1. Aus diesen Worten folgt, daß sich der Briefschreiber schon früher bei den Lesern aufgehalten hat. In dem Ausdruck liegt durchaus kein Hinweis auf eine Gefangenschaft; nach V23 kann der Verfasser ja auch ganz frei über sich verfügen.

20 Gott, der Friedenspender, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten heraufgeführt,1 weil er durch sein Blut eine ewige Gottesstiftung begründet hat,2 und ihn nun eingesetzt zum Oberhirten seiner Schafe,3

  1. Vgl. Jes 63:11 nach LXX(?).
  2. Vgl. Jer 32:40, 50:5.
  3. Vgl. Hes 34:23. Durch seine Auferstehung ist Christus befähigt worden, ewig der Oberhirte der Herde Gottes zu sein und ihr alle die Segnungen mitzuteilen, die ihr Gott durch seine neue ewige Gnadenstiftung in Christus zugedacht hat.

21 der vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, und wirke selbst in euch, was vor ihm wohlgefällig ist durch Jesus Christus! Ihm sei Ehre in alle Ewigkeit! Amen.

22 Ich bitte euch, Brüder, nehmt mein Ermahnungswort1 freundlich auf! Ich habe euch ja auch nur einen kurzen Brief geschrieben.2

  1. So bezeichnet der Verfasser seinen ganzen Brief. vgl. Apg 4:36
  2. Weil der Brief kurz ist, darum kann der Verfasser um so eher erwarten, daß die Leser seine Worte gründlich erwägen. Der Brief ist kurz im Vergleich zu der Wichtigkeit des darin behandelten Gegenstandes.

23 Die Abreise des Bruders Timotheus ist euch bekannt.1 Sobald er zu mir zurückkehrt, will ich euch mit ihm besuchen.

  1. Wohin Timotheus damals gereist ist, wissen wir nicht. Der Verfasser will die Leser zusammen mit Timotheus besuchen; darum muß er warten, bis er zu ihm zurückkehrt.

24 Grüßt alle eure Vorsteher und alle Heiligen! Es grüßen euch die Brüder in Italien.1

  1. Wörtlich: von Italien her. Darum kann man annehmen, daß der Verfasser den Hebräerbrief von Italien, wahrscheinlich von Rom, abgesandt hat. Von Rom aus konnte er auch am besten einen solchen Gruß der italischen Christen übermitteln.

25 Die Gnade sei mit euch allen! Amen.