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Chapter 1

1 1 Eine (die) Offenbarung Jesu Christi2, die ihm Gott gegeben hat, [um] seinen Sklaven (Knechten, Dienern) das (die [Dinge], die) zu zeigen, was in Kürze (sehr bald) geschehen muss, und [die (was)] er erklärt (gezeigt) hat, indem er sie durch seinen Engel seinem Sklaven (Knecht, Diener) Johannes gesandt hat,34

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Offenbarung Jesu Christi Dem Kontext nach ein subjektiver Genitiv auctoris („Offenbarung durch Jesus Christus“), nicht ein objektiver („Offenbarung über Jesus Christus“)(Osborne 2002, 52). Die Offenbarung bezeichnet hier die Enthüllung von Unbekanntem, nämlich der unmittelbar bevorstehenden Zukunft (was in Kürze geschehen muss; ebd. 52f.). Dabei nimmt Johannes sprachliche und strukturelle Anleihen an Dan 2,28-30 sowie 2,45-47, wobei er den von Daniel erwarteten Zeitpunkt der Erfüllung der Prophetie ἐπʼ ἐσχάτων τῶν ἡμερῶν „in den letzten Tagen“ durch ἐν τάχει in Kürze ersetzt (Beale 1999, 181f.).
  3. indem er ... gesandt hat Adverbiales Ptz. Aor., als modaler Nebensatz aufgelöst. Möglich wäre auch modal „erklärt und ... gesandt hat“ oder finaler „erklärt und dazu ... gesandt hat“.
  4. Daniel 2,28; Daniel 2,45

2 der Gottes Aussage (Wort) und das Zeugnis (Martyrium) Jesu Christi bezeugt hat – [alles], was er gesehen hat.1

  1. Daniel 2,28; 1 Johannes 1,1

3 Wie glücklich [sind] derjenige, der die Worte dieser Prophetie verliest (vorliest), sowie (und) diejenigen, die sie hören und das darin (in ihr) Geschriebene beachten (befolgen, einhalten), denn der Zeitpunkt (die Zeit) [ist] nahe.

4 Johannes an die sieben Gemeinden in Asien: [Ich wünsche euch] Gnade und Frieden von Der Ist und Der War und Der Kommen Wird, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron [sind],

5 und von Jesus Christus, der treue Zeuge,1 der Erstgeborene (Erste) der Toten und der Herrscher [über] die Könige2 der Erde. Dem, der uns liebt, und uns von unseren Sünden erlöst hat mit (durch; in) seinem Blut –

  1. [Fußnote: Schiefe Grammatik erklären.]
  2. Objektiver Genitiv.

6 und er hat uns [zu] einem Königreich gemacht, [zu] Priestern [vor] Gott,1 seinem Vater – ihm [gebührt] die Herrlichkeit und die Herrschaft bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter)2, amen.

  1. Gott, seinem Vater Epexegetisches καὶ, sinngemäß also nicht „Gott und seinem Vater“, sondern „Gott, d.h. seinem Vater“. Die Auflösung als epexegetischer Einschub kommt dem sehr nahe.
  2. Verschiedene deutsche Übersetzungen: „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ oder „in alle Ewigkeit“

7 Schau, er kommt mit den Wolken,1 und es wird ihn jedes Auge sehen, auch (und) diejenigen, die ihn durchbohrt haben,2 und es werden alle Völker (Stämme) der Erde ihn beklagen.3 Ja, amen.

  1. Daniel 7,13; Matthäus 24,30; Matthäus 26,64; Markus 14,62; Lukas 21,27; Offenbarung 14,14
  2. Sacharja 12,10; Johannes 19,37
  3. Sacharja 12,10; Genesis 28,14

8 Ich bin das Alpha und das Omega1, sagt JHWH (Herr)2, der Gott, Der Ist (Seiende) und Der War (Gewesene) und Der Kommen Wird (Kommende),3 der Allmächtige (Zebaot).4

  1. das Alpha und das Omega: der erste und der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Also "der Anfang und das Ende" (so auch in einigen Handschriften, s. a. Offb 22,13)
  2. Gr. κύριος Herr wird hier völlig untypisch ohne Artikel gebraucht und verweist damit vermutlich auf den atl. Gottesnamen JHWH, der im Griechischen gewöhnlich mit „Herr“ übersetzt wurde.
  3. Der Ist (Seiende) und Der War (Gewesene) und Der Kommen Wird (Kommende) Substantivierte Partizipien, je als Relativsatz aufgelöst.
  4. Offenbarung 4,8

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Teilhaber am Leiden (Not, Schwierigkeiten, Trübsal) und der Königsherrschaft (Reich, Königreich) und Ausdauer (Geduld, Ausharren) in Jesus, befand mich auf der Insel, die Patmos genannt wird,1 wegen (aufgrund) des Wortes Gottes2 und des Zeugnisses (der Bezeugung) Jesu.3

  1. Attributives Ptz. Präs. Pass., als Relativsatz aufgelöst.
  2. Wort Gottes Könnte ein Genitivus auctoris („Wort von Gott“) oder ein Genitivus epexegeticus („Wort über Gott“) sein. An dieser Stelle lässt die Übersetzung das offen.
  3. Johannes macht an dieser Stelle nicht klar, ob er sich in Gottes Auftrag nach Patmos begeben hat, oder ob er wegen seiner Predigttätigkeit dorthin verbannt wurde, wie es die frühkirchliche Tradition überliefert.

10 Ich befand mich im Geist am Tag des Herrn1 und ich hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Trompete (laute Stimme wie eine Trompete)2,

  1. Tag des Herrn Das ist der Sonntag. Gr. κυριακῇ ἡμέρᾳ, etwa „der zum Herrn gehörige Tag“.
  2. Laut wie eine Trompete/laute Stimme wie eine Trompete Im zweiten Fall wäre gemeint, dass die Stimme wie eine Trompete klingt. Dass die Stimme so laut ist wie eine Trompete, scheint da näher zu liegen.

11 die sprach (rief, sagte)1: „Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende den sieben Gemeinden, nach Ephesus, {und} nach Smyrna, {und} nach Pergamon, {und} nach Thyatira, {und} nach Sardis, {und} nach Philadelphia und nach Laodizäa!“

  1. die sprach Adverbiales Ptz., als Relativsatz aufgelöst.

12 Und ich wandte (drehte) mich um, [um] die Stimme zu sehen, die mit mir sprach, und als (indem) ich mich umwandte (umdrehte),1 sah ich sieben goldene Lampenständer (Leuchter),

  1. als (indem) ich mich umwandte Temporal oder modal aufzulösendes Ptz. coni..

13 und in der Mitte der Lampenständer (Leuchter) einen ähnlich [den] Sohn eines Menschen (Menschensohn)1. Er trug (der trug; war gekleidet in) einen langen Mantel und hatte einen goldenen Gürtel um seine Brust geschnallt.23

  1. Sohn eines Menschen (Menschensohn) Es handelt sich entweder um einen Bezug [Rest der Fußnote zu ergänzen!] [den] Im Griechischen würde man hier wie im Deutschen den Dativ erwarten – doch Johannes benutzt den Akkusativ. Will er durch den grammatischen Fehler bewusst auf das Buch Daniel zurückverweisen wie schon in Vv. 4-5 (so Beale 1999, 210)? Die Übersetzung versucht, diese Merkwürdigkeit zu erhalten.
  2. Er trug/der trug und hatte geschnallt Adverbiale Ptzn. Pf. Pass., je modal als unabhängiger Hauptsatz (Klammer: Relativsatz) aufgelöst. Etwas mechanischer formuliert: „war gekleidet [in] … war gegürtet [mit]“. um seine Brust geschnallt Der Gürtel war ein breiter Tuchgürtel, in dessen Falten kleine Gegenstände und Geld aufbewahrt werden konnten, und der den gesamten Bauch bis hoch zur Brust bedecken konnte (LN 6.178). Während Arbeiter den Gürtel um die Hüfte tragen mussten, um ihre Tunica einzustecken, trugen Würdenträger ihn über die Brust (Osborne 2002, 89).
  3. Daniel 10,5

14 Sein Kopf und seine Haare {aber} [waren] weiß wie weiße Wolle, wie Schnee,1 und seine Augen [sahen aus (waren)] wie eine Feuerflamme2,

  1. Daniel 7,9
  2. Feuerflamme Gr. „Flamme [aus] Feuer“ (der Genitiv beschreibt eine Eigenschaft). Im Deutschen empfindet man die Information, dass es sich um eine Flamme „aus Feuer“ handelt, als überflüssig, hier scheint es jedoch zum Sprachgebrauch zu gehören.

15 und seine Füße [waren] polierter Bronze ähnlich, wie im Ofen gebrannt,1 und seine Stimme [klang] wie das Geräusch (die Stimme) vieler Gewässer,

  1. wie im Ofen gebrannt Worauf sich diese Näherbeschreibung bezieht, ist unklar. Das Partizip steht nämlich im Genitiv und hat damit kein direktes Bezugswort. Dass der Text scheinbar Flexionsfehler enthält, ist ein typisches Merkmal der Offenbarung. Einige davon, wie in V. 4, lassen sich gut als Anspielungen auf das AT erklären. Hier fällt das schwerer. Denkbar ist höchstens, dass es sich um einen Gen. abs. handelt. Beschrieben würde dann die Bronze (so Thomas nach Beale 1999, 210).

16 und er hielt1 in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein zweischneidiges, scharfes Schwert heraus, und sein Gesicht scheint wie die Sonne in ihrer Kraft.

  1. hielt und kam heraus Prädikative Partizipien (oder evtl. modale adverbiale Ptz.), als Indikative übersetzt.

17 Und als ich ihn sah, fiel ich vor (auf) seine Füße wie tot – und er legte seine Rechte auf mich und sagte1: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte,

  1. und sagte Mit „und“-Kombination aufgelöstes, modales Ptc. coni..

18 und der Lebende – und ich wurde tot und schau, ich bin lebendig bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter)1 - und ich habe die Schlüssel [zu] Tod und Hades2.

  1. Verschiedene deutsche Übersetzungen: »von Ewigkeit zu Ewigkeit« oder »in alle Ewigkeit«.
  2. Schlüssel [zu] Tod und Hades Genitivus obiectivus, w. »Schlüssel des Todes und des Hades«

19 Schreibe daher (nun) [die Dinge] auf, die du gesehen hast: (gesehen hast und)1 die sind und die noch (später, danach) stattfinden (geschehen) werden.

  1. Gr. "und" ist hier vermutlich explikativ zu verstehen. Es hat also etwa die Übersetzung "d.h.". Hier ist es als Doppelpunkt wiedergegeben.

20 Das Geheimnis der sieben Sterne, die du in (über) meiner Rechten gesehen hast, und die sieben goldenen Lampenständer (Leuchter): Die sieben Sterne sind Engel (Boten) der sieben Gemeinden, und die sieben Lampenständer (Leuchter) sind die sieben Gemeinden. “

Chapter 2

1 1 Dem Engel der Kirche (Gemeinde) in Ephesus schreibe: Dieses sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten festhält, der inmitten der sieben goldenen Leuchtern umhergeht:

  1. [Status: Ungeprüft]

2 Ich kenne deine Werke und deine Mühe und deine Ausdauer, und [ich weiß,] dass du Böse nicht erträgtst, und diejenigen (die) geprüft hast, die sich Apostel nennen und [es] nicht sind, und sie (als) Lügner gefunden (erkannt) hast,

3 und Ausdauer hast und ertragen (gelitten) hast wegen meines Namens und nicht müde geworden bist.

4 Aber ich habe gegen dich, dass du deine Liebe, die erste, verlassen hast.

5 Erinnere dich also, von wo aus du gefallen bist und kehre um (ändere deinen Sinn, bekehre dich, bereue) und verwirkliche (tu) die ersten Werke. Wenn aber nicht, komme ich zu dir und entferne deinen Leuchter von (aus) seinem Platz, wenn du nicht umkehrst (nicht deinen Sinn änderst, dich nicht bekehrst, bereust).

6 Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiter (der Anhänger des Nikolaos) hasst, die auch ich hasse.

7 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Kirchen (Gemeinden) sagt. Dem, der siegt, werde ich zu essen geben vom (aus dem) Holz (Baum) des Lebens, das im Garten (Paradies) Gottes ist.

8 Und dem Engel der Kirche (Gemeinde) in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und zum Leben kam:

9 Ich kenne deine Bedrängnis (Not; deinen Kummer) und deine Armut – aber du bist reich – und die Verleumdung (Lästerung) von Seiten derer (aus denen), die behaupten (sich sagen) Juden zu sein und [es] nicht sind, sondern eine Versammlung (Synagoge) des Satans.

10 In keiner Weise fürchte das, was (die Dinge, die) du im Begriff bist zu leiden (du leiden wirst; sollst). Sieh, der Teufel (Verleumder) ist im Begriff, [einige] von (aus) euch ins Gefängnis zu werfen, damit ihr versucht (erprobt, geprüft) werdet und ihr werdet zehn Tage lang Bedrängnis (Not, Kummer) haben. Sei treu bis zum Tod, und ich werde dir den Kranz (die Krone) des Lebens geben.

11 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Kirchen (Gemeinden) sagt. Wer siegt, soll in keiner Weise Schaden (Unrecht) leiden aus dem zweiten Tod.

12 Und dem Engel der Kirche (Gemeinde) in Pergamon schreibe: Dies sagt der, der das Schwert, das zweischneidige, das scharfe hat:

13 Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron des Satans [ist], und du hältst meinen Namen fest und du hast meinen Glauben nicht verleugnet (verweigert), sogar (auch) in den Tagen des Antipas, mein Zeuge, mein treuer, der getötet wurde bei euch, wo der Satan wohnt.

14 Aber ich habe gegen dich wenig (wenige Dinge), weil du dort [solche (einige)] hast, die (sich an) die Lehre des Balaam festhalten (halten), der dem Balak gelehrt hat, einen Anstoß (eine Verführung, ein Ärgernis) vor die Söhne Israels zu werfen (die Söhne Israels zu verführen), den Götzen Geopfertes (Götzenopferfleisch) zu essen und Unzucht zu treiben.

15 So hast auch du [solche (einige)], die (sich an) die Lehre der Nikolaiter gleicherweise festhalten (halten).

16 Kehr um (Ändere deinen Sinn, Bekehre dich, Bereue) also: Wenn aber nicht, komme ich zu dir schnell und führe Krieg gegen sie (mit ihnen) mit dem Schwert meines Mundes.

17 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Kirchen (Gemeinden) sagt. Dem, der siegt, werde ich {ihm} vom Manna, dem verborgenen geben und ich werde ihm einen weißen Stein (Kiesel) geben, und auf dem Stein (Kiesel) einen neuen Namen geschrieben, den keiner kennt, außer dem, der [ihn] empfängt.

18 Und dem Engel der Kirche (Gemeinde) in Thyatira schreibe: Dies sagt der Sohn Gottes, der {seine} Augen hat wie eine Flamme von Feuer und {seine} Füße gleich glänzender Bronze.1

  1. Das Wort χαλκολίβανον kommt im Neuen Testament nur hier und Offb 1,15 vor. Seine genaue Bedeutung ist unklar. Es liegt zwar nahe, eine Zusammensetzung aus χαλκός (Kupfer, Bronze, Erz) und λίβανος (Weihrauch, Libanon) anzunehmen, aber es ist schwer, eine solche Zusammensetzung zu deuten. Unter neueren Übersetzern und Kommentaren besteht aber Einigkeit, dass es sich um ein Metall handelt und sowohl der Kontext wie die Parallelität zu Dan 10,6 und Ez 1,7 lassen vermuten, dass es sich um ein besonderes, wahrscheinlich besonders glänzendes Metall handelt. (Cf. z.B. Charles Brütsch, Die Offenbarung Jesu Christi: Johannes-Apokalypse, Band 1, Zürich 1970, 86 f.)

19 Ich kenne deine Werke und deine Liebe und [deine] Gerechtigkeit und [deine] Ausdauer, und deine letzten Werke[, die] mehr [sind] als die ersten.

20 Aber ich habe gegen dich, dass du die Frau Isebel duldest (zulässt, lässt), die von sich behauptet, Prophetin zu sein (die sich Prophetin sagt/nennt) und lehrt und meine Knechte in die Irre führt, Unzucht zu treiben und den Götzen Geopfertes (Götzenopferfleisch) zu essen.

21 Und ich habe ihr Zeit gegeben, damit sie umkehre (ihren Sinn ändere, sich bekehre, bereue), und sie will nicht umkehren (nicht ihren Sinn änderen, sich nicht bekehren, nicht bereuen) von (aus) ihrer Unzucht.

22 Sieh, ich werfe sie auf die (in die) Bahre (Liege) und diejenigen, die mit ihr Ehebruch begehen in eine große Bedrängnis, wenn sie nicht umkehren (nicht ihren Sinn ändern, sich nicht bekehren, nicht bereuen) von (aus) ihren1 Werken,

  1. Bezieht sich auf Isebel.

23 und ihre Kinder werde ich töten in einem Tod. Und alle die Kirchen (Gemeinden) werden wissen, dass ich der bin, der Nieren und Herzen erforscht, und ich werde euch – einem jeden (jedem) – entsprechend eurer Werke geben.

24 Euch aber sage ich, den übrigen in Thyatira, alle die diese Lehre nicht haben, welche die Tiefen Satans nicht erkannt haben, wie sie sagen: Nicht werfe ich auf euch eine andere Last,

25 jedoch (nur), was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.

26 Und wer siegt und bis zum Ende meine Werke bewahrt, dem (ihm) werde ich Vollmacht über die Völker geben

27 und er wird sie mit einem eisernen Stab weiden, {so} wie die tönernen Gefäße zerschlagen werden1,

  1. Kein wörtliches Zitat, aber eine deutliche Anspielung auf Ps 2,8f. In der Septuagintafassung: καὶ δώσω σοι ἔθνη τὴν κληρονομίαν σου καὶ τὴν κατάσχεσίν σου τὰ πέρατα τῆς γῆς: 9 ποιμανεῖς αὐτοὺς ἐν ῥάβδῳ σιδηρᾷ, ὡς σκεῦος κεραμέως συντρίψεις αὐτούς. (Und ich werde dir Völker als dein Erbe geben und die Enden der Erde als deinen Besitz: Du wirst sie weiden mit einem eisernen Stab, wie ein tönernes Gefäß wirst du sie zerschlagen.) Angesprochen (von Gott) ist in Ps 2,8f ein von Gott auf dem Zion eingesetzter König.

28 wie auch ich von meinem Vater empfangen habe, und ich werde ihm den Morgenstern geben.

29 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Kirchen (Gemeinden) sagt.

Chapter 3

7 Und dem Geist(Engel, Beschützer, Wächter)1der Gemeinde in Philadelphia schreibe: „Dies sagt der Heilige, der Wahrhaftige (Wahre)2, der den Schüssel Davids hat, der öffnet und niemand wird schließen und der schließt und niemand öffnet.

  1. Die Übersetzung ist schwierig: Es ist kein„Engel“ im Snnne des himmlischen Hofstaates, auch kein Bote, denn einem solchen müßte Johannes nicht schreiben.
  2. Eher nicht »der Wahre« weil das im Deutschen zu sehr nach »echt« klingt.

8 Ich kenne deine Taten (Betätigungen, Werke, Leistungen). Schau(siehe), ich habe vor dir eine geöffnete Tür (eingesetzt),12die niemand schließen kann. Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt(bewacht) und hast meinen Namen nicht verleugnet.

  1. »eingesetzt«: ergänzt weil das Prädikat »habe« eine Ergänzung braucht.
  2. Freier Übersetzungsvorschlag: »Schau ich halte dir dir Tür auf«

9 Schau (siehe) ich gebe(bestimme) welche aus der Synagoge des Satans, die sich selber Juden nennen und sie sind es nicht, sondern sie lügen. Schau (siehe), ich werde bewirken (machen), dass sie kommen werden und sich vor deinen Füßen niederwerfen (niederkniend beten) und sie werden erkennen, dass ich dich geliebt habe.

10 Weil du auf das Wort geachtet hast, geduldig auf mich zu warten,1 werde auch ich dich halten in der Stunde der Prüfung (Verlockung, Versuchung, Anfechtung), die über den ganzen Erdkreis kommen wird,2um die Bewohner auf der ganzen Erde zu prüfen (versuchen, verlocken).

  1. Wörtlich: Weil du hast das Wort des geduldigen auf mich Wartens gehalten (bewahrt) hast,
  2. einfacher: »über die ganze Welt«

11 Ich komme bald (schnell, eilig): Halte (halte fest, ergreife), was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz (Preis, Lohn, Zierde) nimmt.

12 Wer siegt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen und er wird nie mehr herausgehen. Weiter werde ich auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalems, das aus dem Himmel von meinem Gott herabkommt und meinen neuen Namen.“

13 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Chapter 4

1 1 Danach sah ich {und schau} eine offen stehende Tür im Himmel, und die Stimme – die erste, die ich wie eine Posaune mit mir sprechen2 gehört hatte – sprach3: „Komm herauf, dann (und) werde ich dir zeigen, was danach geschehen muss!“4

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Prädikatives Ptz. (AcP), als Infinitivsatz übersetzt.
  3. Hier steht ein adverbiales Partizip, wo eigentlich ein Indikativ zu erwarten wäre (so die Übersetzung). Ein Semitismus? Ein fehlendes Prädikat, ersetzt durch ein pleonastisches Ptz.? Muss man genauer erforschen.
  4. „danach geschehen muss“ So die Zeichensetzung im NA28. Das SBLGNT zählt „danach“ zum nächsten Satz (V. 2) und liest „was geschehen muss! Danach...“

2 Plötzlich (sofort) befand ich mich im Geist – und schau, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß jemand,

3 und der [da] saß, [war] [in seinem] Aussehen (Erscheinungsbild)1 [dem] Edelstein (Stein) Jaspis (Jaspisstein) und Sarder (Karneol) ähnlich, und ein Regenbogen [war] rings um den Thron, [in seinem] Aussehen (Erscheinungsbild) Smaragden2 ähnlich.3

  1. [in seinem] Aussehen Dativ
  2. Smaragden Gr. das entsprechende Adjektiv σμαράγδινος.
  3. Ezechiel 1,26

4 Und rings um den Thron [standen] 24 Throne, und auf den Thronen saßen1 24 Älteste (Greise), gekleidet2 in weiße Gewänder (Kleidung), und auf ihren Köpfen [hatten sie] goldene Siegeskränze.

  1. Prädikatives Partizip.
  2. Modales Ptc. Coni..

5 Und aus den Thronen kamen Lichtstrahlen (Blitze), {und} Geräusche (Stimmen) und Donner. Und sieben Lampen [mit] Feuer1 brannten vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes,

  1. [mit] Feuer Genitivus materiae?.

6 und vor dem Thron [befand sich etwas (eine Fläche?)] wie ein gläsernes Meer, Kristall ähnlich. Und inmitten des Thrones und rings um den Thron [standen] vier Lebewesen voller Augen vorne und hinten

7 und das erste Lebewesen [war] einem Löwen ähnlich, {und} das zweite Lebewesen [war] einem Jungstier ähnlich, {und} das dritte Lebewesen hatte ein Gesicht wie ein Mensch1, {und} das vierte Lebewesen [war] einem fliegenden Adler ähnlich.

  1. wie ein Mensch wörtlich Gesicht wie [das] eines Menschen, was jedoch im Deutschen unnötig kompliziert klingt. Die Aussage bleibt unverändert.

8 Und die vier Lebewesen (Gestalten, Tiere, Geschöpfe), eines wie das andere {von ihnen} je sechs Flügel habend1, sind außen (außen herum) und innen voller Augen. Und sie rufen Tag und Nacht ohne Unterbrechung2: „Heilig, heilig, heilig [ist] der Herr (JHWH), Gott, der Allmächtige (Zebaot), Der War (Gewesene) und Der Ist (Seiende) und Der Kommen Wird (Kommende)3!“4

  1. habend Adverbiales Partizip, wohl modalen Sinnes. Es wurde hier nicht in einen Nebensatz aufgelöst, um den seltsamen Satzbau zu erhalten, der in der durch das Partizip markierten Parenthese im Singular, sonst aber im Plural formuliert ist.
  2. Und sie rufen Tag und Nacht ohne Unterbrechung Wörtlich etwa sie haben Tag und Nacht keine Unterbrechung, weil (wobei) sie rufen (sprechen). Die Formulierung lenkt das Augenmerk auf den Aspekt der Pausenlosigkeit und schiebt die eigentliche Tätigkeit erst hinterher. Das adverbiale Partizip λέγοντες kann dabei modal („wobei“) oder kausal („weil“/„denn“) übersetzt werden. ohne Unterbrechung Der griechischen HS wurde als Präpositionalphrase übersetzt.
  3. Der War (Gewesene) und Der Ist (Seiende) und Der Kommen Wird (Kommende) Substantivierte Partizipien, je als Relativsatz aufgelöst.
  4. Offenbarung 1,8

9 Und immer wenn die Lebewesen dem auf dem Thron Sitzenden Herrlichkeit und Ehre und Dank geben (geben werden)1, der lebt2 bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter)3,

  1. gaben (geben werden) Hier steht im Griechischen eine Futur-Form – wohl als Semitismus als formales äquivalent des hebräischen Imperfekts, das hier nicht Zukunfts-, sondern iterative Bedeutung hätte. Dementsprechend wurde das Verb als Gegenwartsform übersetzt. Es könnte aber auch sein, dass Johannes mit den Ellipsen in V. 7, den Präsensformen in V. 8 und dem hier gebrauchten Futur eine ewig währende Zeitlosigkeit ausdrücken möchte.
  2. der lebt Als Relativsatz aufgelöstes substantiviertes Partizip.
  3. Verschiedene deutsche Übersetzungen: von Ewigkeit zu Ewigkeit oder in alle Ewigkeit

10 werfen sich (werden sich niederwerfen)1 die 24 Ältesten (Greise) vor dem auf dem Thron Sitzenden nieder und beten den an, der bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter) lebt2, und sie werfen ihre Siegeskränze vor den Thron, wobei (während) sie rufen3:

  1. Vgl. die Fußnote zur Futurform in V. 9.
  2. der lebt Als Relativsatz aufgelöstes substantiviertes Partizip.
  3. wobei (während) sie rufen Modal oder temporal aufzulösendes adverbiales Ptz.

11 „Würdig bist du, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen (zu ergreifen, anzunehmen, zu nehmen),1 denn du hast alles (alle [Dinge]) erschaffen, und durch deinen Willen waren (existierten) sie und wurden sie erschaffen!“

  1. Offenbarung 5,12

Chapter 5

1 1 Und ich sah auf (in) der rechten [Hand] des auf dem Thron Sitzenden eine Schriftrolle (ein Dokument, Buch), auf der Innen- und der Rückseite (innen und außen) beschrieben, [mit] sieben Siegeln versiegelt.

  1. [Status: Ungeprüft]

2 Und ich sah, wie (dass) ein starker (mächtiger) Engel mit lauter Stimme verkündete1: „Wer [ist] würdig, die Schriftrolle (das Dokument, Buch) zu öffnen und ihre Siegel aufzubrechen?“

  1. sah, wie (dass) … verkündete AcP. Wie (dass) wurde eingefügt, um den AcP richtig aufzulösen.

3 Und niemand, weder im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde, war in der Lage (vermochte), die Schriftrolle (das Dokument, Buch) zu öffnen oder hineinzusehen (sie anzusehen/zu sehen)1.

  1. hineinzusehen So die meisten Übersetzungen sinngemäß. W. „sie zu sehen“ (vgl. REB), damit ist wahrscheinlich der Blick auf den Inhalt gemeint.

4 Und ich begann heftig zu weinen (weinte heftig)1, weil niemand für würdig befunden wurde, die Schriftrolle (das Dokument, Buch) zu öffnen oder hineinzusehen (sie anzusehen/zu sehen).

  1. ich begann heftig zu weinen Konativ verstandenes Imperfekt, das dann den Beginn der Handlung beschreibt, was gut in den Kontext passt.

5 Und einer von den Ältesten (Greisen) sagte zu mir: „Weine nicht! Schau, der Löwe aus dem Stamm Juda1, die Wurzel Davids2 hat gesiegt, [um nun] die Schriftrolle (das Dokument, Buch) und ihre sieben Siegel zu öffnen3!“

  1. Genesis 49,9
  2. Jesaja 11,10
  3. [um nun] zu öffnen Der Infinitiv-NS scheint resultative Funktion zu haben. In der Lesefassung könnte er deutlich konsekutiv oder final übersetzt werden.

6 Und ich sah, dass (wie) in der Mitte des Thrones und der vier Lebewesen und in der Mitte der Ältesten (Greise) ein Lamm (Schaf)12 stand3 [und aussah], als sei es (wie) geschlachtet (ermordet).4 Es hatte sieben Hörner und sieben Augen – das sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt5 in die ganze Welt.

  1. Lamm Obwohl hier mit ἀρνίον ein allgemeinerer Begriff für Lamm gebraucht wird, der hier, aber etwa auch in Offb 13:11 einen gehörnten Bock bezeichnen kann, ist mit dem Titel doch Jesus gemeint, der schon früh einerseits mit dem Gottesknecht, der wie ein Lamm litt (Jes 53,7, vgl. Apg 8,32), und andererseits mit dem Passalamm und seiner sühnenden Funktion (Joh 19,36; 1Kor 5,7; TWNT ἀμνός) identifiziert wurde. Ἀρνίον bedeutete vormals etwa „Lämmchen“, hatte diese spezifische Bedeutung allerdings zur Zeit des NT verloren. Wahrscheinlich schwingen in dem nur in Offb gebrauchten Hoheitstitel die beiden Konnotationen „(gehörnter, wehrhafter) Bock“ und „(Opfer)Lamm“ gleichermaßen mit (TWNT ἀρνίον).
  2. Jesaja 53,7; Apostelgeschichte 8,32; Johannes 19,36; 1 Korinther 5,7
  3. sah, dass (wie) … stand AcP. Dass (wie) wurde eingefügt, um den AcP richtig aufzulösen.
  4. Offenbarung 13,3
  5. Es hatte und ausgesandt Adverbiale Partizipien, jeweils modal als unabhängiger HS bzw. als Attribut aufgelöst. Beide hätte man auch als Relativsätze auflösen können.

7 Und es kam (ging) und nahm [die Schriftrolle (das Dokument, Buch)] aus der rechten [Hand] dessen, der auf dem Thron saß1.

  1. Substantiviertes Partizip, hier als Relativsatz aufgelöst.

8 Und als er die Schriftrolle (das Dokument, Buch) empfing (nahm, in Empfang nahm, erhielt, in die Hand nahm), fielen die vier Lebewesen und die 24 Ältesten (Greise) vor dem Lamm (Schaf) nieder, wobei jeder [von ihnen] eine Zither (Harfe, Lyra)1 und goldene Schüsseln (Schalen) voller Weihrauch hielt (hatte)2 – das3 sind die Gebete der Heiligen –,

  1. Zither Eine Art kleiner Harfe mit 10-12 Saiten, ein Instrument, das im Tempelgottesdienst Verwendung fand und auch hier darauf anspielt (Osborne 2002, 258).
  2. wobei hatte Als modaler Nebensatz aufgelöstes Ptc. Coni. (präs. 3. Pl.). Der Plural wurde im Deutschen als Singular wiedergegeben.
  3. das Gemeint sind wahrscheinlich nur die Schüsseln mit Weihrauch (vgl. Beale 1999, 357f.).

9 und sie sangen ein neues Lied {mit dem Text}1: „Würdig bist du, die Schriftrolle (das Dokument, Buch) zu empfangen (zu nehmen, in Empfang zu nehmen, erhalten) und ihre Siegel zu öffnen,2 denn (weil) du wurdest geschlachtet (ermordet) und hast [für] Gott3 mit (durch, mithilfe, anhand) deinem Blut [Menschen] (uns) aus jedem Stamm, {und} [jeder] Sprache, {und} [jedem] Volk und [jeder] Nation (Volk) erworben (losgekauft, ausgelöst)4

  1. {mit dem Text} W. „sagend/wobei sie sagten“. Mit dem Text stellt eine paraphasierende Übersetzung als modale Präpositionalphrase dar. Das Partizip markiert nämlich in einer satzzeichenlosen Schrift den Beginn des Zitats, zeigt hier also an, welchen Text das Lied hatte.
  2. Offenbarung 4,11
  3. [für] Gott Dativus commodi.
  4. Daniel 7,14

10 und sie [für] unseren Gott1 [zu] einem Königreich und [zu] Priestern gemacht, und sie werden als Könige über die (auf der) Erde herrschen (regieren; Könige sein)!“

  1. [für] unseren Gott Dativus commodi.

11 Und ich sah, und hörte [die] Stimmen (den Klang)1 vieler Engel um den Thron herum und der Lebewesen und der Ältesten (Greise), und ihre Anzahl betrug (war) zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend2,

  1. Stimmen W. „Stimme“. Im Deutschen ist ein Plural erforderlich.
  2. zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend Gr. μυριάδες μυριάδων bzw. χιλιάδες χιλιάδων, W. etwa „(Zehn)tausende der (Zehn)tausend“. Statt „Zehntausende“ übersetzen gerade englische Übersetzungen sowie Zür „Myriaden“.

12 die mit lauter Stimme riefen (sagten):1 „Würdig ist das Lamm (Schaf), das geschlachtet wurde,2 die Macht, und den Reichtum, {und} Weisheit, {und} Kraft, {und} Ehre, {und} Herrlichkeit und Lob zu empfangen!“3

  1. die … riefen Ptc. coni., modal als Relativsatz aufgelöst.
  2. Attributives Ptz. pf. Pass.
  3. Offenbarung 4,11

13 Und die ganze Schöpfung, {die} im Himmel, {und} auf der Erde und unter der Erde und im (auf dem) Meer und alles, was in ihnen ist, hörte ich rufen (sagen)1: „Dem, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm (Schaf) [gebührt] das Lob und die Ehre, {und} die Herrlichkeit und die Herrschaft bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter)2!“

  1. rufen Prädikatives Partizip (AcP). Auch möglich: „...hörte, wie sie riefen“
  2. Verschiedene deutsche Übersetzungen: »von Ewigkeit zu Ewigkeit« oder »in alle Ewigkeit«

14 Und die vier Lebewesen riefen (antworteten, sagten): „Amen!“1 und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

  1. Amen Beteuerungsformel, sinngemäß etwa „So ist es!“ (vgl. LN 72.6). In deutschen Übersetzungen bei Aussprüchen Jesu gelegentlich „Wahrlich!“

Chapter 7

1 1 Danach sah ich vier Engel, die auf den vier Ecken der Erde standen [und] die vier Winde der Erde festhielten (kontrollierten),2 weil (mit dem Ziel, dass; damit) kein Wind gegen (auf) die Erde oder gegen (auf) das Meer oder gegen (auf) irgendeinen Baum wehen sollte3.

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. die … standen [und] … festhielten AcP, mit zwei durch „und“ aneinandergehängten Relativsätzen aufgelöst. Möglich auch: „sah, dass/wie … standen...“ Oder das 1. Ptz. könnte adverbial sein, eine andere Auflösung wäre dann: „die, während/wobei sie … standen, … festhielten“
  3. weil … wehen sollte Gr. final ἵνα, was meist mit „damit“ übersetzt wird, aber hier eine holprige Formulierung mit Konjunktiv erforderlich machen würde. Die Übersetzung mit weil und finalem Modalverb ist im Deutschen natürlicher. Eine andere Alternative wäre „mit dem Ziel, dass“ oder auch „um zu verhindern, dass … wehte“.

2 Und ich sah einen anderen Engel, der vom Aufgang der Sonne (der aufgehenden Sonne) her heraufstieg [und] den Siegelstempel (Petschaft, Siegel) des Lebendigen Gottes dabei hatte,1 und er rief [mit] lauter Stimme2 den vier Engeln zu, denen [die Gewalt (Fähigkeit, Macht)] {ihnen}3 gegeben war, der Erde und dem Meer Schaden zuzufügen,

  1. der … hinabstieg [und] … hatte Dieselbe Konstruktion wie in 7,1.
  2. [mit] lauter Stimme Appositiver Genitiv?
  3. {ihnen} Wohl in einem Versuch, einen hebräischen Relativsatz nachzubilden, setzt Johannes hier ein überflüssiges Demonstrativpronomen als (nach dem Relativpronomen) zweites Subjekt.

3 {und sagte}1: „Fügt weder der Erde noch dem Meer noch den Bäumen Schaden zu2, bis wir die Sklaven unseres Gottes auf ihren Stirnen gekennzeichnet (versiegelt, markiert) haben!“

  1. {und sagte} Im Deutschen überflüssiges, modales Ptc. coni., das im Griechischen die zitierte Rede einleitet.
  2. Oder: »Fügt der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu«

4 Und ich hörte die Anzahl der Gekennzeichneten (Versiegelten, Markierten), 144 000, gekennzeichnet (versiegelt, markiert) aus jedem Stamm der Kinder Israels (Söhne Israels; Israeliten):

5 Aus [dem] Stamm Juda 12 000 Gekennzeichnete (Versiegelte, Markierte), aus [dem] Stamm Ruben 12 000, aus [dem] Stamm Gad 12 000,

6 aus [dem] Stamm Ascher 12 000, aus [dem] Stamm Naftali 12 000, aus [dem] Stamm Manasse 12 000,

7 aus [dem] Stamm Simeon 12 000, aus [dem] Stamm Levi 12 000, aus [dem] Stamm Issachar 12 000,

8 aus [dem] Stamm Sebulon 12 000, aus [dem] Stamm Josef 12 000, aus [dem] Stamm Benjamin 12 000 Gekennzeichnete (Versiegelte, Markierte).

9 Nach diesen [Ereignissen] sah ich {und siehe} eine große Menschenmasse, die niemand {sie} zählen konnte, aus jeder Nation (Volk) und [allen] Stämmen, {und} Völkern und Sprachen vor dem Thron und vor dem Lamm (Schaf) stehen. Sie waren in weiße Gewänder gekleidet und [trugen] Palmenzweige in ihren Händen.1

  1. Sie waren … gekleidet Ptz. pf. Pass. 3. Pl. m. Modales Ptc. coni., hier auch wegen der Constructio ad sensum als separater HS aufgelöst.

10 Und sie riefen (rufen) [mit] lauter Stimme {und sagten (sagen)}: „Die Rettung [verdanken wir?] unserem Gott, der auf dem Thron sitzt,1 und dem Lamm (Schaf)!“

  1. Substantiviertes Ptz., als Relativsatz aufgelöst.

11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten (Greise) und die vier Lebewesen und fielen vor dem Thron auf ihre Gesichter und beteten Gott an

12 {und sagten}: „Amen (Ja), das Lob und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Dankbarkeit (Dank) und die Ehre und die Macht und die Kraft [gebühren (gehören)] unserem Gott bis in die Ewigkeiten (Zeitalter) der Ewigkeiten (Zeitalter)1, amen!“

  1. Verschiedene deutsche Übersetzungen: »von Ewigkeit zu Ewigkeit« oder »in alle Ewigkeit«

13 Und einer von den Ältesten (Greisen) wandte sich1 an mich und fragte2: „Diejenigen, die in die weißen Gewänder (Kleider) gekleidet sind3 – wer sind sie und woher sind sie gekommen?“

  1. W. „entgegnete/antwortete“
  2. und fragte Als „und“-Kombination aufgelöstes temporales oder modales Ptc. coni. Man könnte es (wie anderswo im Kapitel und der ganzen Offb) auch ganz weglassen, weil es die wörtliche Rede einleitet.
  3. Substantiviertes Ptz., als Relativsatz aufgelöst.

14 und ich sagte zu ihm: „Mein Herr, du weißt [es].“ Und er sagte zu mir: „Es sind diejenigen, die aus der größten (großen) Bedrängnis gekommen sind, und sie haben ihre Gewänder (Kleider) gewaschen und sie mit dem (im) Blut des Lammes (Schafs) weiß gemacht (geweißt).

15 Aus diesem Grund (Deshalb) sind sie vor dem Thron Gottes und dienen (verehren) ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Thron Sitzende wird über (bei) ihnen wohnen (sein Zelt aufschlagen).

16 Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten, und weder die Sonne noch irgendeine Hitze werden auf sie niederdrücken,

17 weil das Lamm (Schaf) in der Mitte des Thrones ihr Hirte ist (sie weidet) und sie zu Quellen frischen Wassers führt, und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“

Chapter 12

1 Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel (im Himmel): eine Frau, umworfen mit der Sonne, und der Mond unter ihren Füssen, und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.

2 Sie trägt schwanger, und sie schreit in Wehen und Schmerzen einer Geburt.

3 Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Siehe, ein Drache, gross und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, und auf seinen Köpfen sieben Diademe.

Chapter 13

1 1 Und ich sah ein Tier aus dem Meer aufsteigen, welches zehn Hörner und sieben Köpfe und auf seinen Hörnern zehn Diademe und auf seinen Köpfen 2 einen blasphemischen Namen 3 hatte.

  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Einige Handschriften, wie z.B. der Stephanustext der 3. Edition, der Hoskier als Obertext dient, weisen eine Vertauschung von κέρατα δέκα καὶ κεφαλὰς ἑπτὰ zu κεφαλὰς ἑπτὰ καὶ κέρατα δέκα. Der inneren Textkritik nach kann keine Entscheidung getroffen werden. Da κέρατα δέκα καὶ κεφαλὰς ἑπτὰ von A und C, sowie א belegt sind ist dieser Lesart dem Vorzug zu geben.
  3. Anstatt des Plurals, gibt es Varianten, die den Singular des Wortes ονομα aufweisen. Nach Maier ist die Singularform in den Handschriften jedoch schlechter belegt (vgl. MAIER, Gerhard: Die Offenbarung des Johannes. Kapitel 12-22 (His-torisch-Theologische Auslegung: Neues Testament), Witten 2.Auflage 2014. S.77f). Allerdings liest als wichtige Handschrift nur A die Pluralform, dagegen C, sowie auch א die Singularform. 𝔓47 ist an dieser Stelle fragmentär. Da die Lücke jedoch nur einen Buchstaben umfasst, ist davon auszugehen, dass es die Singularform belegt. Daher gebe ich der Singularform hier den Vorzug.

2 Und das Tier, welches ich sah, war wie ein Leopard und seine Füße wie die eines Bären und sein Mund wie der Mund eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt.

3 Und [ich sah] einen seiner Köpfe wie zu Tode ge-schlachtet und die Wunde seines Todes wurde geheilt. Und die ganze Welt wunderte sich hinter dem Tier her.

4 Und sie beteten den Drachen an,weil er dem Tier die Gewalt gegeben hatte, und sie beugten ihre Knie vor dem Tier, wobei sie sagten: „Wer ist wie das Tier und wer kann es bekämpfen?“

5 Und ihm wurde ein Mund gegeben um Lautes und Blasphemisches zu reden und ihm wurde Gewalt gegeben, (es) zweiundvierzig Monate zu tun 1

  1. Es gibt eine Ergänzung von πολεμον vor ποιησαι. Diese ist durch einige Hand-schriften belegt, z.B. durch den Codex Vaticanus (B), jedoch fehlen die wichtigen Handschriften A, C, א und 𝔓47. Zudem ist der Kurztext lectio brevior und damit wird πολεμον eine spätere Ergänzung sein.

6 Und es öffnete seinen Mund zur Blasphemie um Gott zu lästern, seinen Namen und sein Zelt und diejenigen, welche im Himmel leben.

7 1 ihm wurde gegeben die Gewalt über jeden Stamm und (jedes) Volk und (jede) Sprache und (jede) Nation.

  1. Und ihm wurde gegeben einen Krieg mit den Heiligen zu führen und sie zu besiegen: Zur Bewertung der äußeren Textkritik stellt Tóth fest, dass der Teilvers „von der wichtigsten Handschriftengruppe […], dem sog. A-Text […] ausgelassen“ (TÓTH, Franz: Das Tier, sein Bild und der falsche Prophet. Untersuchungen zum zeitgeschichtlichen Hintergrund von Johannesoffenbarung 13 unter Einbeziehung des antiken Orakel-wesens (BThSt, 126), Neukirchen-Vluyn 2012, S.30) wurde. Daneben fehlt er auch in einigen Schriften anderer Textfamilien, wie 𝔓47 und ist erst „rund ein Jahrhundert später zunächst fragmentarisch“ (TÓTH: Tier, S.30) belegt. Die meiste Kommentarliteratur folgt, so Tóth, dem Langtext (siehe TÓTH: Tier, S.30), so vermutet z.B. Satake hinter der Auslassung eine Haplographie aufgrund des gleichen Anfang mit καὶ ἐδόθη αὐτῷ (nach SATAKE, Akira: Die Offenbarung des Johannes (KEK, 16), Göttingen 2008, S.299 Fußnote: 455). Dies ist jedoch aufgrund der Parallelstruktur, welche erst durch die Ergänzung durchbrochen wird, wenig wahrscheinlich (nach TÓTH: Tier, S.30). Ebenso sieht Maier den Vers als ursprünglich an und benennt noch nicht einmal das textkritische Problem, das es bei V.7a gibt, wie er es jedoch bei anderen Versen tut (vgl. MAIER, Gerhard: Die Offenbarung des Johannes. Kapitel 12-22 (Historisch-Theologische Auslegung: Neues Testament), Witten 2.Auflage 2014, S.89ff). Nach der inneren Textkritik ist der lectio brevior den Vorzug zu geben ist. Die Fortschreibung durch V.7a kann dann als Dramatisierung verstanden werden bzw. als „einen überaus dichten apokalyptischen Fatalismus“ (KARRER, Martin: Der Text der Johannesapokalypse, in: FREY, Jörg u.a. (Hg.): Die Johannesapokalypse. Kontexte - Konzepte - Rezeption (WUNT, 287), Tübingen 2012, S. 70f.). Eine Ergänzung des Textes, wie sie Karrer annimmt, als Folge der erlebten Christenverfolgung im 2. und 3. Jahrhundert scheint daher, sehr wahrscheinlich (siehe KARRER: Text, in: FREY (Hg.): Johannesapokalypse, S.70f.).

8 Und alle, die auf der Erde leben, werden vor ihm ihre Knie beugen, (jeder) dessen Name 1 nicht geschrieben wurde in das Buch des Lebens des geschlachteten Lammes, vom Anfang der Welt an.

  1. αὐτοῦ ausgelassen, da es sich in der deutschen Sprache nicht in diesem Kontext sinnvoll wiedergeben lässt.

9 Wenn jemand ein Ohr hat, so höre er.

10 Wenn jemand in Gefangenschaft führt, so geht er in Gefangenschaft1 Wenn jemand mit einem Schwert tötet, so wird er mit einem Schwert getötet 2. Hier ist die Geduld und der Glaube der Heiligen.

  1. V.10 weist viele textkritische Varianten auf, wie Maier belegt (MAIER: Offenbarung. Kapitel 12-22, S. 93). Die wichtigen Handschriften A, C und belegen jeweils einen anderen Textbestand. A belegt εἴ τις εἰς αἰχμαλωσίαν, εἰς αἰχμαλωσίαν ὑπάγει, א belegt εἴ τις εἰς αἰχμαλωσίαν ὑπάγει, εἰς αἰχμαλωσίαν und C ist am kürzesten mit ἡ τις εἰς αἰχμαλωσίαν ὑπάγει. C ist hier die unwahrscheinlichste Lesart, da weder A noch א ἡ τις bezeugen. 𝔓47 ist an dieser Stelle defizitär, jedoch ist am Ende von V.10a [ὑ]πάγει belegt. Somit steht der S-Text gegen die Handschrift A, die zum A-Text gehört. Obwohl normalerweise der A-Text stärker gewichtet wird, folge ich hier dem S-Text, da ich A auch in V.10b nicht folge. Die ursprüngliche Lesart ist damit vermutlich εἴ τις εἰς αἰχμαλωσίαν ὑπάγει, εἰς αἰχμαλωσίαν.
  2. Der V.10b „enthält […] in fast allen Handschriften eine andere Nuance als im heutigen Text“ (KARRER, Martin: Hellenistische und frühkaiserliche Motive in der Johannesapokalypse, in: SCHMELLER, Thomas u.a. (Hg.): Die Offenbarung des Johannes. Kommunikation im Konflikt (QD, 253), Freiburg im Breisgau 2013, S. 32–73, S.52) A liest alleine gegen alle anderen Zeugen εἴ τις ἐν μαχαίρῃ ἀποκτανθῆναι αὐτὸν ἐν μαχαίρῃ ἀποκτανθῆναι. Somit ist es eigentlich schlecht bezeugt, wurde aber in der Forschung des 20. Jh. als die ursprünglichere Lesart aufgefasst und ist mittlerweile wieder umstritten (Siehe KARRER: Motive, in: SCHMELLER u.a. (Hg.): Offenbarung, S.52). Karrer führt die Veränderung des Textsinnes überzeugend, ähnlich wie bei V.7a auch, auf eine Zuspitzung der Christenverfolgungen im 2. und 3. Jh. zurück (Siehe KARRER: Motive, in: SCHMELLER u.a. (Hg.): Offenbarung, S.52). Demnach zeigt sich in der Textvariante von A eine gewisse Fatalität, wohingegen die anderen Handschriften „einen Rest von Recht“ (Siehe KARRER: Motive, in: SCHMELLER u.a. (Hg.): Offenbarung, S.52) im römischen Reich sehen, nach dem die Hoffnung besteht, dass Morde noch geahndet werden.

11 Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde hinaufsteigen und es hatte zwei Hörner wie ein Lamm und sprach wie ein Drache.

12 Und die ganze Gewalt des ersten Tieres tat es vor ihm, und es veranlasst die Erde und die auf ihr Lebenden, dass sie das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde geheilt wurde.

13 Und es tut große Zeichen, indem es auch selbst Feuer aus dem Himmel auf die Erde herabkommen lasse vor den Menschen.

14 Und es täuschte diejenigen, welche auf der Erde wohnen, durch die Zeichen, die ihm vor dem Tier zu tun gegeben worden, indem es diesen auf der Erde Lebenden befahl 1, dem Tier ein Bild zu machen, welches die Wunde des Schwertes hat und (wieder) lebendig wurde.

  1. Nach Art. λέγω in: BAUER: Wörterbuch, Sp.951-954, hier: Sp.953.

15 Und ihm wurde gegeben dem Bild des Tieres Geist zu geben, sodass auch das Bild des Tieres sprach und veranlasste, dass alle 1 getötet werden, die nicht anbeten das Bild des Tieres.

  1. ἵνα ὅσοι: wörtlich „so viele wie“, sinngemäß daher „alle die“.

16 Und es veranlasst alle dazu, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Sklaven, dass sie sich ein Malzeichen geben an die rechte Hand oder ihre Stirn.

17 und so dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn nicht derjenige, der das Zeichen des Namens des Tieres hat oder die Zahl seines Namens.

18 Da ist Erkenntnis vonnöten: Wer den Geist (Fähigkeit) hat, errechne die Nummer des Tieres - die Nummer für einen Menschen -: Seine Nummer ist sechshundertsechsundsechzig. 1

  1. Es ist unklar, auf wen sich die Zahl bezieht. Es könnte Kaiser Nero nach hebräischer Zählung sein. Plausibel wäre auch, nach der kabbalistischen oder griechischen Zahlschrift zu gehen; oder aber die Zahl als Sinnbild zu nehmen sein, weil sieben die Zahl der Vollständigkeit ist. Quelle: www.kathpedia.com/index.php?title=666_(Zahl).