reltext

Chapter 1

1 Paulus, durch Gottes Willen ein Apostel Christ Jesu, begrüßt die Heiligen (in Asien?),1 die auch an Christus Jesus gläubig sind.

  1. Ich vermute, daß hier statt "in Ephesus" ursprünglich die Worte "in Asien" gestanden haben. Statt ΟΥΣΙΝ ist vielleicht zu lesen ΕΝ ΑΣΙΑ.

2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat vom Himmel aus in Christus uns gesegnet mit einer Gnadenfülle durch den Geist.

4 Bereits vor Grundlegung der Welt hat er uns auserwählt in Christus, damit wir vor ihm wären heilig und unsträflich.

5 In seiner Liebe hat er uns vorausbestimmt zu seinen Kindern durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens.

6 So wird verherrlicht seine wunderbare Gnade, die er uns hat geschenkt in dem Geliebten.1

  1. In Christus.

7 Weil wir mit ihm1 vereint sind, haben wir Befreiung aus der Schuldhaft durch sein Blut: Vergebung unserer Sünden. So reich ist seine Gnade!

  1. Mit Christus.

8 Die hat er uns in Fülle mitgeteilt, indem er uns geziert mit mannigfacher Weisheit und Erkenntnis.

9 Denn das Geheimnis seines Willens ist uns kundgeworden.

10 Das ist geschehen nach jenem Rat, den er gefaßt und in der Zeiten Fülle1 nach bestimmter Ordnung ausgeführt. Und wohin zielte dieser Ratschluß? Es sollte alles, was im Himmel und auf Erden ist, in Christus unter einem Haupt vereinigt werden.

  1. Ga 4:4.

11 In ihm sind wir auch Erben.1 Dazu sind wir vorherbestimmt nach einem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt:

  1. Rö 8:17.

12 Wir Juden, die schon lang zuvor gehofft auf den Messias, wir sollten Gottes Herrlichkeit zum Ruhm gereichen.

13 Doch auch ihr Heiden habt gehört das Wort der Wahrheit, die Frohe Botschaft, die euch Rettung bringt, und ihr habt sie im Glauben aufgenommen. So steht ihr nun mit Christus in Gemeinschaft1 und seid mit dem verheißenen Heiligen Geist versiegelt worden.2

  1. Durch die Taufe.
  2. Vgl. Apg 8:14-17, 19:1-7.

14 Der ist das Angeld unseres Erbes,1 und er verbürgt uns die Befreiung,2 die Gottes Volk erlangen soll, damit man rühme Gottes Herrlichkeit.

  1. Rö 8:23.
  2. Rö 8:21,23.

15 Nachdem ich nun gehört von euerm Glauben an den Herrn Jesus und von der Liebe, die ihr habt zu allen Heiligen

16 so werde ich nicht müde, Gott für euch zu danken und euer zu gedenken, wenn ich bete.

17 Ich flehe zu dem Gott unseres Herrn Jesus Christus, dem Vater, der die Herrlichkeit verleiht,1 er möge euch den Geist der Weisheit schenken und der Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.

  1. Rö 8:17-21.

18 Denn sind die Augen euers Herzens recht erleuchtet, dann könnt ihr auch verstehen, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid, wie groß der Reichtum jenes herrlichen Erbes ist, das er den Heiligen verheißen hat,

19 und wie gewaltig seine Macht sich zeigt an uns, den Gläubigen. Hier wirkt dieselbe starke Kraft

20 die er bewiesen hat an Christus, als er ihn auferweckte von den Toten und ihn zu seiner Rechten setzte in der Himmelswelt.1

  1. Ps 110:1.

21 Dort thront er nun, erhaben über alle Mächte und Gewalten, er haben über jede Kraft und Herrschaft,1 ja über alles, was es Hohes gibt in der Weltzeit und in der zukünftigen.

  1. Diese Namen beziehen sich auf die Engelwelt.

22 Alles hat Gott ihm unterworfen.1 Ihn aber, aller Dinge Haupt, hat er gesetzt zum Haupt der Kirche:

  1. Ps 8:7.

23 Sie ist sein Leib, und sie ergänzt ihn, der fort und fort in allen wird ergänzt.1

  1. Die Kirche ergänzt Christus, weil er als das Haupt nicht ohne Leib sein kann. Und Christus wird fort und fort in allen Gliedern seines Leibes ergänzt, indem durch die fortwährende Arbeit des Heiligen Geistes mehr und mehr in jedem Glied das zum Vorschein kommt, wodurch Christi Bild vollständig wird und er immer deutlicher Gestalt gewinnt. Ga 4:19

Chapter 2

1 Auch euch1 (hat Gott mit Christus lebendig gemacht).2 Ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden.

  1. Euch Heidenchristen.
  2. So ist aus 2,5 zu ergänzen. Der Abschnitt 2,1-7 schließt sich an 1,20 an. Auf das, was Gott an Christus getan (1,20-23), folgt das, was er an Heidenchristen und an Judenchristen gewirkt hat: er hat sie beide mit Christus lebendig gemacht (2,1-7). Dies Heil aber ist ein Geschenk der göttlichen Gnade (2,8-10). Besonders werden die Heidenchristen daran erinnert, was sie Christus zu verdanken haben (2,11-22).

2 Darin lebtet ihr einst nach der Weise dieser Welt,1 beeinflußt von dem Herrscher über die Macht der Finsternis:2 über jenen Geist, der jetzt wirksam ist in allen, die Gott nicht gehorchen.3

  1. D.h.: der gottentfremdeten Menschheit.
  2. Wörtlich: "über die Macht der Luft." Aber das griechische Wort αεγ (Luft) bezeichnet besonders die untere Luftschicht im Gegensatz zu der reinen oberen Luft, dem Äther. Daher heißt αεγ nicht nur Dunstkreis, Nebel, sondern öfter geradezu: Dunkel, Finsternis. Vgl. übrigens zu dem Ausdruck die Stelle Kol 1:13. — Der "Herrscher" ist der Teufel. vgl. 2Kor 4:4, Joh 12:31
  3. "Über jenen Geist" usw. ist nähere Erläuterung der Worte "über die Macht der Finsternis;" του πνευματος κτλ ist also die Apposition zu της εξουσιας του αερος.

3 Auch wir1 alle haben einst wie jene2 dahingelebt in den Begierden unseres Fleisches.3 Wir taten, was unser Fleisch und unsere (bösen) Gedanken lüstete, und obwohl durch unsere Geburt Kinder,4 waren wir doch ebenso wie alle anderen Menschen Gottes Zorngericht verfallen.5

  1. Wir Judenchristen.
  2. Die Gott nicht gehorchen (V2 Schluß).
  3. Unseres natürlichen, gottentfremdeten Wesens.
  4. Vgl. Rö 9:4 und Anm. [a]
  5. Vgl. Rö 3:9,19.

4 Gott aber, an Erbarmen reich, hat in seiner großen Liebe, womit er uns geliebt,

5 auch uns, die wir tot waren durch unsere Übertretungen, zugleich mit Christus lebendig gemacht — durch Gnade seid ihr gerettet! —,

6 und mit Christus Jesus hat er uns auferweckt und in die Himmelswelt versetzt.

7 So will er in den kommenden Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade kundmachen durch die Güte, die er uns in Christus Jesus erwiesen hat.

8 Denn aus Gnade habt ihr durch Glauben das Heil empfangen. Das ist nicht euer Verdienst, es ist Gottes Gabe.

9 Werke haben nichts damit zu tun, auf daß sich niemand rühme.

10 Denn sein Gebilde sind wir.1 In Christi Jesu Gemeinschaft sind wir dazu geschaffen worden, gute Werke zu vollbringen. Darin2 zu wandeln, hat uns Gott vorherbestimmt

  1. Wir sind von Gott geistlich neugeschaffen worden.
  2. In guten Werken, nicht in Sünden und Übertretungen.

11 Denkt nun daran: Ihr wart einst, äußerlich betrachtet, Heiden und wurdet von den sogenannten Beschnittenen, deren Beschneidung am Fleisch mit der Hand vollzogen wird, (verächtlich) mit dem Namen "Unbeschnittene" bezeichnet.

12 Damals hattet ihr keinen Christus,1 ihr wart ausgeschlossen von dem Bürgerrecht in Israel und dem Verheißungsbund2 fremd; daher hattet ihr auch keine Hoffnung3 und lebtet ohne Gott in dieser Welt dahin.

  1. Die Heiden hatten keinen Christus, d.h. keine messianische Verheißung und Hoffnung, weil sie nicht Glieder der jüdischen Volksgemeinschaft waren.
  2. Die Verheißung ist die messianische.
  3. Vgl. 1Th 4:13.

13 Jetzt aber, in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern gestanden, durch Christi Blut nahe gebracht worden.1

  1. Vgl. Jes 57:19.

14 Er ist unser Friede.1 Er hat aus beiden (Juden und Heiden) eins gemacht und den sie trennenden Zaun hinweggeräumt. Denn er hat durch sein Fleisch2 die Feindschaft,

  1. Vgl. Jes 9:5. Unter Friede ist die Einigung der Juden und Heiden zu verstehen.
  2. Durch seinen in den Tod gegebenen Leib.

15 die das Gesetz mit seinen Geboten und Verordnungen zwischen ihnen erregte, für immer abgetan.1 so wollte er die beiden2 in sich selbst zu einem neuen Menschen umschaffen.3 Ja, er hat Frieden gestiftet

  1. Das Gesetz trennte als ein Zaun und eine Feindschaft erregende Scheidewand Juden und Heiden voneinander; vgl. Kol 2:14.
  2. Juden und Heiden.
  3. Vgl. Ga 3:28.

16 und beide, die in einem Leib1 vereinigt werden sollten, mit Gott versöhnt durch das Kreuz, an dem er ihre Feindschaft ertötet hat.2

  1. D.h. in der Kirche, dem Leib Christi.
  2. Der das Gesetz aufhebende Tod Christi war ein Versöhnungstod für Juden und Heiden: durch diese Versöhnung mit Gott wurden Juden und Heiden auch miteinander ausgesöhnt und in der Kirche in eine neue Schöpfung erhoben.

17 Dann ist er gekommen1 und hat euch, die ihr fern wart, und denen, die nahe standen, die Frohe Botschaft des Friedens verkündigt.

  1. Christus ist nach vollbrachtem Versöhnungswerk gekommen in den Dienern des Neuen Bundes, vgl. Jes 57:19.

18 Denn durch ihn haben wir beide in einem Geist Zugang zum Vater.

19 So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Beisassen:1 nein, ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.2

  1. Beisassen haben an dem Ort, wo sie wohnen, kein Bürgerrecht.
  2. D.h. Glieder der Familie Gottes, der Kirche.

20 Ihr seid auferbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten,1 und Christus Jesus ist der Eckstein dieses Grundes.2

  1. Hier sind nicht die Propheten des Alten Bundes gemeint, sondern die Propheten in der Kirche. Eph 3:5, 4:11, 1Kor 12:28
  2. Vgl. Ps 118:22, Mt 21:42.

21 In ihm ist der ganze Bau fest zusammengefügt und wächst so hinan zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

22 Ihn ihm werdet auch ihr (Heiden) miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Chapter 3

1 Deshalb (beuge) ich Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden,1 (meine Knie vor dem Vater). —

  1. Paulus liegt wegen seines heidenapostolischen Berufes in Fesseln. War er nicht durch die Feinschaft und die falschen Anklagen der Juden, die ihn ja gerade wegen seiner Predigt unter den Heiden haßten, Apg 13:45, 22:21-22 in Gefangenschaft geraten?

2 Ihr habt gewiß gehört, welchen Auftrag mir Gott in seiner Gnade für euch gegeben hat:

3 Es ist mir durch besondere Offenbarung das Geheimnis1 kundgetan worden, wie ich davon schon vorher2 in Kürze geschrieben habe.

  1. Dieses Geheimnis ist die Erwählung der Heiden (vgl. V6).
  2. In 2,11-22.

4 Wenn ihr das lest, so könnt ihr daraus erkennen, daß ich in dem Geheimnis Christi wohlbewandert bin.

5 Dies Geheimnis ist in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht so deutlich kundgetan worden, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist enthüllt worden ist.

6 Die Heiden (das ist der Inhalt dieses Geheimnisses) erben mit (uns Juden). Sie gehören mit (uns) zu demselben Leibe (Christi) und haben mit (uns) teil an der Verheißung, die in Christus Jesus durch die Heilsbotschaft geschenkt wird.

7 Ein Diener dieser Botschaft bin ich geworden durch die unverdiente Gnade Gottes, die ich empfangen habe nach der Wirkung seiner Macht.

8 Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen,1 ist diese Gnade zuteil geworden: Ich soll den Heiden die Frohe Botschaft von dem unergründlichen Reichtum Christi verkündigen

  1. Vgl. 1Kor 15:9, 1Ti 1:15.

9 und allen Lichten geben über das wahre Wesen jenes Geheimnisses, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer aller Dinge, verborgen gewesen ist.

10 Denn1 jetzt soll durch die Kirche den Herrschaften und Gewalten der Himmelswelt die mannigfaltige Weisheit Gottes kundgetan werden.

  1. "Denn" begründet V8 und 9.

11 Dies hat sich Gott schon seit ewigen Zeiten vorgenommen in Christus Jesus, unserem Herrn.

12 In seiner Gemeinschaft haben wir, erfüllt mit seinem Glauben, freudige Zuversicht und können uns (dem Vater) voll Vertrauen nahen.1

  1. Erst müssen wir an Christus glauben und in seine Gemeinschaft kommen, dann erfüllt uns auch Christi Glaube. Und nur, wenn wir glauben wie Jesus, Rö 3:26, Ga 2:20 haben wir im Sohn freudige Zuversicht 1Jo 3:21 und können uns dem Vater voll Vertrauen nahen. vgl. Heb 2:13

13 So bitte ich euch denn: Werdet nicht mutlos bei den Trübsalen, die ich für euch dulde;1 sie bringen euch ja Ehre. —

  1. Paulus ist ja gerade wegen der Ausrichtung seines heidenapostolischen Auftrages (vgl. V2) in Gefangenschaft geraten.

14 Deshalb also beuge ich meine Knie vor dem Vater,1

  1. In V14 wird V1 wieder aufgenommen. V2-13 ist eine lange Einschaltung über die Berufung der Heiden und das Heidenapostolat des Paulus.

15 dem alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden ihr Dasein danken.1

  1. Gott ist der Vater oder Schöpfer aller Engel und aller Menschen: alle hat er von Anbeginn zu einer großen Familie verbunden.

16 Ich bitte ihn: er möge euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, durch seinen Geist mit Kraft gestärkt zu werden in dem inneren Menschen,

17 damit Christus durch den Glauben in euern Herzen Wohnung nehme. Dann werdet ihr auch in der Liebe festgewurzelt und gegründet.

18 Ja ihr könnt mit allen Heiligen die Liebe Christi in der Breite, Länge, Tiefe und Höhe erfassen,

19 und ihr vermögt diese Liebe zu erkennen, obwohl sie alle Schranken der Erkenntnis übersteigt.1 So sollt ihr endlich dahin kommen, erfüllt zu werden mit der ganzen Fülle Gottes.2

  1. Die aus dem Glauben fließende Liebe erkennt, was aller menschlichen Erkenntnis unmöglich ist. Aber auch unser geistliches Erkennen bleibt stets Stückwerk; nur einer erforscht und erkennt die Tiefen des göttlichen Wesens: der Heilige Geist. 1Kor 2:10-11
  2. Der "Wohnung Gottes im Geist" (2,22) entspricht hier, wie es scheint, "die Erfüllung mit der ganzen Fülle Gottes." Die "Fülle Gottes" ist wohl die Gnaden- und Gabenfülle, die in Gott wohnt, und die Gott der Kirche schenkt (vgl. 4,13). In 3,14-19 bittet der Apostel Gott, die Gläubigen dahin zu führen, eine "Wohnung Gottes im Geist" zu sein (2,22). "Darum" beugt er seine Knie (3,1.14).

20 Ihm aber, der durch seine Kraft, die in uns wirksam ist, unendlich mehr zu tun vermag, als wir bitten und verstehen, ihm sei Ehre in der Kirche und in Christus Jesus bis in alle Geschlechter der endlosen Zeiten der zukünftigen Welt! Amen.

Chapter 4

1 Ich, um des Herrn willen im Gefängnis, ermahne euch nun:

2 Wandelt in aller Demut und Sanftmut, so wie es dem an euch ergangenen Ruf entspricht! Vertragt einander in Duldsamkeit

3 und seid in Liebe bestrebt, die vom Geist gewirkte Einheit durch das Band des Friedens zu bewahren!

4 Es ist nur ein Leib, und (darin waltet) nur ein Geist, wie es auch nur eine Hoffnung gibt, zu der ihr berufen worden seid.

5 Es ist nur ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

6 Es ist nur ein Gott und Vater aller: er herrscht über alle, wirkt durch alle und wohnt in allen.1

  1. In V4-6 wird gesagt, worauf die in V3 erwähnte Einheit beruht. Ich tilge die Kommata hinter μακροθυμιας und αγαπη und setze ein Komma hinter αλληλων.

7 Jedem einzelnen von uns ist die Gnade in dem Maße zuteil geworden, wie sie Christus ihm geschenkt hat.1

  1. Trotz der Einheit gibt es nun aber eine Verschiedenheit der Gaben in den einzelnen.

8 Darum heißt es: Er ist aufgefahren in die Höhe, er hat Gefangene1 weggeführt,2 er hat den Menschen Gaben gegeben.3

  1. Nämlich: Sünde, Tod und Teufel.
  2. Als Sieger.
  3. Ps 68:19. Doch statt: "Du hast Gaben an Menschen empfangen," wie es in der hebräischen und griechischen Bibel heißt, schreibt Paulus (vielleicht nach einer altrabbinischen Überlieferung): "Er hat den Menschen Gaben gegeben." Der Herr, von dem in der Psalmstelle geredet wird, ist Christus. Ehe jedoch der Apostel die Worte: "Er hat gegeben" in V11 näher erläutert, geht er zunächst ein auf den Ausdruck: "Er ist aufgefahren."

9 - "Er ist aufgefahren": was bedeutet das anderes, als daß er zuerst (vom Himmel aus) herabgefahren ist in diese niedere Erdenwelt?

10 Der herabgefahren ist, der ist auch aufgefahren über alle Himmel, um (von dort) das ganze Weltall zu erfüllen.1

  1. Mit seiner Macht und Herrschaft. Mt 28:18

11 Er hat nun einige gegeben1 als Apostel, andere als Propheten,2 andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

  1. V11 knüpft nach dem Zwischensatz in V9 und 10 an den Schluß von V8 an.
  2. Vgl. 1Kor 12:28.

12 damit die Heiligen tüchtig werden, den Dienst auszurichten, wodurch Christi Leib erbaut wird.

13 Das soll geschehen, bis wir alle gelangen zu der Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zu jener Größe, worin wir Christi Gabenfülle fassen können.

14 Denn wir sollen nicht länger unmündige Kinder sein, die sich durch das Trugspiel solcher Menschen, die mit List auf Verführung ausgehen, von jedem Wind der Lehre wie Meereswogen schaukeln und umtreiben lassen.

15 Sondern wir sollen den wahren Glauben bekennen und durch die Liebe völlig hineinwachsen in Christus, der das Haupt ist.

16 Denn aus ihm zieht der ganze Leib sein Wachstum, indem seine einzelnen Teile sich eng zusammenfügen und fest zusammenhalten mit Hilfe aller Gelenke, die ihren Dienst verrichten nach der besonderen Tätigkeit, die jedem Glied zugewiesen ist. So erbaut sich der ganze Leib im Geist der Liebe.

17 Im Namen des Herrn ermahne ich euch nun mit allem Ernst: Wandelt nicht mehr wie die Heiden, die in der Torheit ihres Sinnes dahingehen!

18 Ihr Verstand ist verfinstert. Wegen der Unwissenheit, die infolge ihrer Herzensverstockung in ihnen wohnt, sind sie dem Leben Gottes1 entfremdet.

  1. Das Leben Gottes ist jenes Leben, das von Gott kommt, und das das Geschöpf hat, solange es mit Gott in Gemeinschaft bleibt.

19 Aller sittlichen Empfindung bar, haben sie sich der Ausschweifung in die Arme geworfen, und in unersättlicher Gier frönen sie jeder Art von Unsittlichkeit.

20 Ihr habt in Christi Schule solche Dinge nicht gelernt.

21 Wenn ihr seine Stimme gehört und seinen Unterricht empfangen habt — und in Jesus ist die Wahrheit —, dann wißt ihr auch:

22 Ihr habt — was euer früherer Wandel nötig machte — den alten Menschen abgelegt, der an den trügerischen Lüsten1 zugrunde geht.

  1. Die Lüste sind trügerisch, weil sie den Menschen täuschen, wenn sie ihm Glück und Befriedigung verheißen.

23 Ihr werdet aber jetzt erneuert im Geist eurer Denkungsart

24 und habt den neuen Menschen angezogen, der nach Gottes Bild geschaffen ist, und zwar in der Gerechtigkeit und Heiligkeit, die aus der Wahrheit stammt.

25 Darum legt die Lüge ab, und jeder rede die Wahrheit mit seinem Nächsten!1 Wir sind ja untereinander Glieder.2

  1. Vgl. Sac 8:16.
  2. Die Lüge zerstört das Vertrauen und die Liebe, sie darf deshalb in dem Leib Christi nicht geduldet werden.

26 Wenn ihr zürnt, so sündigt nicht!1 Die Sonne soll nicht über eurer Zornesstimmung untergehen.

  1. Ps 4:5.

27 Gebt dem Teufel keinen Raum!1

  1. Der Teufel findet in einem zornigen Gemüt leicht Eingang, und der Zorn ist die Quelle aller Art Lieblosigkeit.

28 Der Dieb stehle nicht mehr, sondern er sei fleißig und erwerbe sich mit seiner Hände Arbeit redlichen Gewinn, damit er den Notleidenden unterstützen könne!

29 Es soll kein übles1 Wort aus euerm Munde gehen! Sprecht vielmehr im rechten Augenblick nur das, was anderen dienlich ist, damit die Hörer Segen davon haben!

  1. Wörtlich: übelriechendes.

30 Betrübt nicht1 den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr für den Tag der Befreiung2 versiegelt worden seid!

  1. Durch schlechte Reden.
  2. Vgl. 1:14, Rö 8:23, Lu 21:28.

31 Alle Bitterkeit und Heftigkeit, alles Zürnen, Zanken und Lästern, ja alles böse Wesen sei fern von euch!

32 Zeigt euch vielmehr gegeneinander gütig und barmherzig! Vergebt einander, wie Gott in Christus euch vergeben hat!

Chapter 5

1 So folgt denn Gottes Vorbild als geliebte Kinder

2 und wandelt in der Liebe, so wie Christus euch geliebt und sich für uns als wohlgefällige Opfergabe Gott dargebracht hat!

3 Unzucht und alle Art Unreinigkeit oder Habsucht soll nicht einmal in euern Gesprächen berührt werden — denn so ziemt sich's für Heilige —.

4 Ebensowenig sollen sich unanständiges Wesen, albernes Geschwätz oder leichtfertige Scherze bei euch finden! Das alles schickt sich nicht. Statt dessen übt Danksagung!

5 Denn das merkt euch wohl: Kein Unzüchtiger, kein Unreiner, kein Habsüchtiger — das ist ein Götzendiener! — hat ein Erbteil in dem Königreich Christi und Gottes.

6 Keiner1 täusche euch mit Lügenreden!2 Um dieser Sünden willen — das steht fest — kommt Gottes Zorngericht über alle Ungehorsamen.

  1. Von den ungläubigen Heiden.
  2. Als führtet ihr ein zu strenges Leben.

7 Habt darum mit ihnen nichts zu schaffen!

8 Es hat ja eine Zeit gegeben, da wart ihr Finsternis. Jetzt aber seid ihr ein Licht in des Herrn Gemeinschaft.

9 Wandelt denn als Lichteskinder! Die Furcht, die das Licht zur Reife bringt, zeigt sich in alledem, was gut, gerecht und wahr ist.

10 Prüft auch dabei, was dem Herrn wohlgefällt,

11 und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis! Deckt sie vielmehr auf!

12 Denn was im Verborgenen von ihnen1 getrieben wird, das ist so schändlich, daß man nicht einmal davon reden kann.

  1. Den Heiden.

13 Deckt man aber dies alles auf, so wird es von dem Licht offenbar gemacht.1

  1. Redet man dem Frevler ins Gewissen, so bringt man Licht in die Finsternis.

14 Denn alles, was offenbar ist, das ist Licht.1 Darum heißt es: Auf, du Schläfer! Steh von den Toten auf! Dann wird dir Christi Licht entgegenleuchten.2

  1. Die Erkenntnis der bisher verborgenen Sünde ist auch Licht.
  2. Möglicherweise Worte eines kirchlichen Liedes, vielleicht frei gebildet nach Jes 26:19, 60:1. So wie dieser Vers den im Sündenschlaf Liegenden wachruft, damit er an Christi Licht Teil empfange, so sollen auch die Christen ihre lasterhaften heidnischen Bekannten aus der Finsternis zum Licht führen.

15 So achtet denn genau auf euern Wandel! Handelt nicht unweise, sondern weise!

16 Benutzt stets den rechten Augenblick, denn es sind böse Tage!

17 Zeit euch deshalb nicht unverständig, sondern lernt des Herrn Willen kennen!

18 Berauscht euch nicht im Wein;1 das führt zur Ausschweifung! Trinkt vielmehr in vollen Zügen aus des Geistes Becher!

  1. Vgl. Spr 23:31 nach LXX

19 Dann erbaut ihr einander mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern. Dann preist ihr den Herrn von Herzensgrund mit Gesang und Spiel.

20 Dann dankt ihr Gott dem Vater allezeit für alles in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus.

21 Dann seid ihr auch in Ehrfurcht vor Christus einander untertan.

22 Ihr Frauen, seid euern Männern untertan wie dem Herrn!

23 Denn der Mann ist des Weibes Haupt, ebenso wie Christus das Haupt der Kirche ist: er, der Retter seines Leibes.1

  1. Wie Christus in seiner Liebe die Kirche, seinen Leib, errettet, d.h. erlöst hat, so soll sich auch der Mann in Liebe für sein Weib aufopfern, vgl. V28ff.

24 Doch wie die Kirche Christus untertan ist, so sollen auch die Frauen ihren Männern in jeder Hinsicht untertan sein.1

  1. Hier wird natürlich vorausgesetzt, daß ein christlicher Ehemann von seiner Frau nie etwas verlang, was dem Sinn Christi widerspricht.

25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, ebenso wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie dahingegeben hat,

26 um sie zu heiligen!1 Er hat die Kirche nach seiner Verheißung2 gereinigt durch das Wasserbad,3

  1. D.h. um sie Gott zum Eigentum zu weihen.
  2. Dieses Verheißungswort findet sich Mark. 16,16a.
  3. Das Wasserbad ist die Taufe.

27 um sie in herrlicher Schönheit, ohne Flecken, Runzeln oder andere Fehler, vielmehr heilig und unsträflich vor seinem Angesicht darzustellen.

28 Ebenso1 ist es die Pflicht der Männer, ihre Frauen liebzuhaben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebhat, der liebt sich selbst.

  1. D.h. entsprechend dieser Liebe Christi zu seiner Kirche.

29 Denn kein Mensch hat je seinen eigenen Leib gehaßt, sondern er hegt und pflegt ihn, wie es Christus tut mit der Kirche.

30 Wir sind ja Glieder seines Leibes.

31 Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und sich aufs engste mit seinem Weib verbinden, und beide werden eins sein.1

  1. 1Mo 2:24.

32 In diesen Worten liegt ein tiefes Geheimnis. Ich deute es auf Christus und die Kirche.1

  1. Der Sinn ist vielleicht: Christus wird bei seiner Wiederkunft seinen Sitz zur Rechten des Vaters verlassen, um sich mit seiner Kirche zu vereinigen; dann werden beide, Haupt und Leib, ein Christus sein.

33 Doch auch ein jeder von euch soll seine Frau so lieben wie sich selbst, und die Frau habe Ehrfurcht vor ihrem Mann!

Chapter 6

1 Ihr Kinder, gehorcht euern Eltern, denn ihr steht in des Herrn Gemeinschaft!1 Ein solcher Gehorsam ist recht und billig.2 Es heißt ja:

  1. Das setzt die Kindertaufe voraus. vgl. Ga 3:26-27
  2. Er entspricht dem Willen Gottes.

2 Ehre Vater und Mutter!1 Das ist ein wichtiges Gebot wegen der Verheißung:

  1. 2Mo 20:12.

3 Damit dir's wohl gehe und du lange lebst auf Erden.

4 Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn,1 sondern erzieht sie so, wie der Herr erzieht und zurechtweist!

  1. Durch verkehrte Behandlung.

5 Ihr Sklaven, gehorcht euern irdischen Herren in Ehrfurcht und ängstlicher Sorgfalt mit aufrichtigem Herzen, als hättet ihr's mit Christus zu tun!

6 Seid keine Augendiener, als wolltet ihr Menschen gefallen; sondern als Sklaven Christi tut Gottes Willen von ganzem Herzen!

7 Verrichtet euern Sklavendienst mit Neigung, als dientet ihr dem Herrn und nicht Menschen!

8 Bedenkt auch, daß jeder, er sei Sklave oder freier Mann, für seine guten Taten von dem Herrn Lohn empfängt.

9 Ihr Herren, behandelt eure Sklaven milde und laßt das Drohen! Ihr wißt ja, ihr habt ebenso wie sie im Himmel einen Herrn, und bei dem gilt kein Unterschied.

10 Im übrigen: erstarkt im Herrn und in der Kraft seiner Macht!

11 Zieht an die volle Waffenrüstung, die Gott euch reicht, damit ihr gegen des Teufels Schliche gewappnet seid!

12 Denn wir haben nicht mit schwachen, sterblichen Menschen zu streiten, sondern mit den Mächten, Gewalten und Herrschern, die hier in der Finsternis ihr Wesen treiben: mit dem bösen Geisterheer haben wir zu kämpfen um die Himmelsgüter.1

  1. Ich verbinde das nachdrücklich am Ende des Verses stehende εν τοις ευονρανιοις, das dann am besten durch ein Komma von της πονηριας] getrennt wird, mit ουκ εστιν ημιν η παλη.

13 Darum legt die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr am Kampfestag widerstehen und nach Besiegung aller Feinde das Feld behaupten könnt.

14 So steht denn da zum Kampf fertig! Die Wahrheit sei euer Lendengurt!1 Die Gerechtigkeit decke eure Brust als Panzer!2

  1. Vgl. Jes 11:5. In dem Gurt steckte das Schwert.
  2. Vgl. Jes 59:17.

15 Der freudige Mut, wie ihn die Heilsbotschaft des Friedens1 schenkt, bekleide eure Füße gleichwie Schuhe!2

  1. D.h. die Heilsbotschaft, die den Frieden verkündigt.
  2. Jes 52:7, 5:27. Starke Schuhe oder Sandalen waren für den Krieger auf dem Marsch nötig.

16 Ergreift dazu den Glauben als den Schild, womit ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt!1

  1. Der Böse ist der Teufel. Besonders bei Belagerungen bediente man sich brennender Geschosse.

17 Nehmt1 auch das Heil2 als euern Helm und den Geist — Gottes Wort3 als euer Schwert!4

  1. Aus Gottes Hand.
  2. Das Heil ist das dem Christen schon jetzt zuteil gewordene und auch das noch zukünftige Heil: Jes 59:17, 1Th 5:8, Lu 21:28.
  3. Der Geist und Gottes Wort werden hier gleichgesetzt, weil Gottes Wort ja durch den Heiligen Geist eingegeben ist.
  4. Die einzelnen Teile der Waffenrüstung, die V14-17 genannt werden, sind folgende: Der Gürtel (zum Aufschürzen des Gewandes, um ungehindert gehen und kämpfen zu können), der schützende Brustpanzer, die Kriegsschuhe, der mannshohe Schild, der Helm, das Schwert.

18 Erfüllt vom Geist, betet und fleht in allen Lagen unverdrossen! Seid dabei auch wachsam und betet beharrlich für alle Heiligen!

19 Betet namentlich für mich, daß mir Gelegenheit geboten werde, meinen Mund zu öffnen und das Geheimnis der Frohen Botschaft,

20 für die ich ja in Ketten werbe, mit Freimut kundzumachen, damit ich's ohne Furcht verkündige, wie sich's gebührt!1

  1. Ich setze ein Komma hinter λογος und streiche es hinter στοματος μου.

21 Damit auch ihr1 von meiner Lage und meinem Ergehen Bescheid wißt, wird euch Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener des Herrn, genau Bericht geben.

  1. Ebenso wie andere, z.B. die Kolosser. Alle Gemeinden Asiens, an die sich dieser Brief richtet, sollen dieselben Nachrichten von Tychikus empfangen.

22 Ich sende ihn deshalb zu euch, damit ihr erfahrt, wie es bei uns geht, und er euch Mut zuspreche.

23 Friede sei mit den Brüdern und Liebe im Bund mit Glauben von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus!

24 Die Gnade sei mit allen, die unsern Herrn Jesus Christus liebhaben in unvergänglicher Treue!