Chapter 1
1 Paulus, ein Knecht Jesu Christ, berufen zum Apostel und auserkoren, um Gottes Frohe Botschaft zu verkünden. —
2 Die hat Gott in den heiligen Schriften1 durch seine Propheten zuvor verheißen
- Des Alten Bundes.
3 über seinen Sohn. Der ist dem Fleisch nach1 aus Davids Geschlecht hervorgegangen,
- Seiner menschlichen Abstammung nach.
4 nach dem Geist der Heiligkeit1 aber ist er durch seine Auferstehung von den Toten zu der Machtfülle des Sohnes Gottes erhoben worden.2
- D.h. wohl: weil er von dem Geist, der Heiligkeit wirkt, erfüllt und geleitet wurde, vgl. Heb 9:14.
- Durch die Auferweckung Jesu vollzog Gott seinen Einsetzungsspruch in Ps 2:7: Du bist mein Sohn usw. Vgl. Apg 13:33, Heb 1:5, Mt 28:18. Vgl. auch zu V3 und V4: 1Ti 3:16 "Der offenbart ist im Fleisch, der ist gerechtfertigt worden durch den Geist."
5 Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, haben wir die Gnadengabe des Apostelamtes empfangen, um zu seines Namens Ehre unter allen Völkern solche zu sammeln, die dem Glauben gehorsam werden.
6 Inmitten dieser Völkerwelt seid auch ihr von Jesus Christus berufen. —
7 Euch allen, als Geliebten Gottes und berufenen Heiligen1 in Rom, entbiete ich meinen Gruß. Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
- Heilige werden die Christen im N.T. oft genannt, weil Gott sie von der Welt, d.h. der ungläubigen Menschheit, abgesondert Joh 17:14,16 und sie durch die Taufe in Christi Gemeinschaft versetzt hat, in der sie nun auch in der Heiligung wandeln sollen.
8 Besonders danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle, daß von euerm Glauben in der ganzen Welt die Rede ist.
9 Denn Gott, dem ich in meinem Geist diene, indem ich die Frohe Botschaft seines Sohnes verkündige, — der ist mein Zeuge, wie unablässig ich euer gedenke.
10 Stets flehe ich in meinen Gebeten zu Gott, er möge mir, wenn es sein Wille ist, nun endlich die Wege bahnen, daß ich zu euch kommen könne.
11 Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, um euch diese und jene geistliche Gabe zu eurer Stärkung mitzuteilen,
12 oder richtiger gesagt: wir — ihr und ich — wollen uns, wenn ich bei euch bin, durch unseren Glauben gegenseitig ermuntern.
13 Es drängt mich, euch zu sagen, Brüder, daß ich mir schon oft vorgenommen habe, euch zu besuchen. Bis jetzt aber bin ich immer wieder daran gehindert worden. Denn auch unter euch möchte ich ebenso wie in den Ländern anderer Völker etwas Frucht einsammeln.
14 Griechen und Nichtgriechen, Gebildeten und Ungebildeten bin ich ja zu dienen verpflichtet.
15 Daher bin ich, soviel an mir liegt, gern bereit, auch euch in Rom die Frohe Botschaft zu verkünden.
16 Wahrlich, ich schäme mich der Frohen Botschaft nicht. Sie ist ja eine Gotteskraft, die allen, die da glauben, Rettung bringt: zuerst den Juden, dann auch den Griechen.1
- An Juden und Griechen hatte sich bis dahin die Verkündigung der Heilsbotschaft fast ausschließlich gerichtet; die barbarischen Völker waren noch so gut wie gar nicht mit der Heilsbotschaft in Berührung gekommen. Den Juden sollte das Heil zuerst angeboten werden. Apg 13:46
17 Denn Gottes Gerechtigkeit1 wird darin2 offenbar: sie kommt aus Glauben, und sie führt zum Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird durch den Glauben das Leben erlangen.3
- Gerechtigkeit ist hier eine Eigenschaft Gottes, die sich in der Heilsbotschaft offenbart. Im Heidentum und den ungläubigen Juden gegenüber offenbart sich aber nicht Gottes Gerechtigkeit, sondern Gottes Zorn (1,18). Gottes Gerechtigkeit steht also im Gegensatz zu Gottes Zorn. Unter Gottes Gerechtigkeit kann hier also nicht Gottes Strafgerechtigkeit verstanden werden. Gottes Gerechtigkeit ist die Eigenschaft Gottes, vermöge deren er die sündige Menschheit zum Heil führt. Sie ist verwandt mit der Treue Gottes (3,3; vgl. 1Jo 1:9). Nun soll aber die Gerechtigkeit, die ursprünglich eine Eigenschaft Gottes ist, auch eine Eigenschaft der Gläubigen werden (4,5). Gerecht, gerade oder recht beschaffen ist der Mensch aber Gott gegenüber, wenn er so ist, wie Gott ihn haben will. Gerechtigkeit des Menschen Gott gegenüber umfaßt alles, was Gott von uns fordert, nicht nur die äußeren Handlungen, sondern auch die Gedanken, das Herz, die innere Gesinnung. Gerechtigkeit ist daher die genaue Übereinstimmung mit dem rechten göttlichen Maßstab. Die Gerechtigkeit umfaßt also das ganze Wesen des Menschen. Niemand ist gerecht, dessen Herz nicht recht ist vor Gott, dessen ganzer Zustand nicht so ist, wie Gott ihn haben will. Gottes Gerechtigkeit, wie der Apostel in V17 nun weiter sagt, "kommt aus Glauben, und sie führt zum Glauben." Sie kommt aus Jesu Glauben (vgl. 3,21-26). Denn Jesus, der hier auf Erden einen Wandel im Glauben geführt hat, hat sowohl durch sein sündloses Leben wie durch sein teures Leiden und Sterben alle Gerechtigkeit erfüllt. Und Gottes Gerechtigkeit führt zum Glauben der Gemeinde. Denn Gott nimmt um seines Sohnes willen alle gnädig an, die sich in Buße und Glauben zu ihm bekehren. Er macht sie gerecht, indem er sie durch das Bad der Wiedergeburt in der Taufe in Christus, den allein Gerechten, einpflanzt, in dessen Gemeinschaft sie im Glauben beharren müssen. — Die Gerechtigkeit, die also zuerst als Eigenschaft Gottes erscheint (3,5), dann als Eigenschaft Christi (5,21), wird schließlich zur Eigenschaft der Gläubigen. Ähnlich verhält es sich mit der Herrlichkeit Gottes. Zunächst eine Eigenschaft Gottes (1,23), wird sie auch den Kindern Gottes zuteil (8,21), aber nur durch Christus.
- In der Heilsbotschaft. — V16 und 17 enthalten das Thema des Römerbriefs.
- Zwei Gedanken finden sich in diesem Prophetenwort Hab 2:4: 1. Der Gerechte gelangt zum Leben. 2. Der Gerechte wird durch den Glauben das Leben erlangen. — Vgl. Ga 2:16, Heb 10:38.
18 Denn1 Gottes Zorn wird fort und fort vom Himmel offenbar über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit solcher Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit zu unterdrücken suchen.
- Hier begründet der Apostel zunächst den Gedanken, daß der Gerechte zum ewigen Leben gelangt, während der Gottlose — er sei Heide oder Jude — dem göttlichen Zorngericht verfällt.
19 Denn1 was man von Gott erkennen kann, das ist unter ihnen wohlbekannt. Gott selbst hat es ihnen kundgemacht.
- Grund, warum sich Gottes Zorngericht offenbart.
20 Sein unsichtbares Wesen — seine ewige Macht und göttliche Größe — läßt sich ja seit der Erschaffung der Welt in seinen Werken deutlich wahrnehmen. Darum sind die Menschen auch ohne Entschuldigung,
21 wenn sie trotz ihrer Erkenntnis Gottes ihm nicht als Gott Ehre und Dank dargebracht haben, sondern auf nichtige Gedanken verfallen und mit ihrem unverständigen Herzen in Finsternis geraten sind.
22 In ihrem Weisheitsstolz sind sie zu Narren geworden:
23 die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes haben sie vertauscht mit armseligen Bildern von vergänglichen Menschen, Vögeln, vierfüßigen Tieren und kriechendem Gewürm.1
- Vgl. Ps 106:20.
24 Deshalb hat sie Gott in den bösen Begierden ihrer Herzen der Unreinigkeit preisgegeben, daß sie ihre eigenen Leiber schändeten,
25 weil sie die Wahrheit Gottes1 mit der Lüge2 vertauscht und dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst erwiesen haben als dem Schöpfer, der da gepriesen sei in Ewigkeit. Amen.
- Das wahre Wesen Gottes, die Herrlichkeit Gottes (V23).
- "Die Lüge" bedeutet: die Götzen. Am 2:4
26 Darum hat sie Gott schändlichen Leidenschaften preisgegeben. Ihre Weiber haben statt des natürlichen Geschlechtsverkehrs widernatürlichen Umgang gepflogen.
27 Ebenso haben die Männer den natürlichen Verkehr mit dem Weib aufgegeben und sind in ihrer Begierde gegeneinander entbrannt: Männer haben mit Männern Unzucht getrieben und die gebührende Strafe für ihre Verirrung an ihrem eigenen Leib empfangen.1
- Der Leib wurde durch die widernatürliche Unzucht zerrüttet.
28 Weil ihnen nichts daran lag, die Erkenntnis Gottes festzuhalten, hat sie Gott einer verwerflichen Sinnesweise preisgegeben, so daß sie schmähliche Dinge treiben.
29 Sie sind erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht und Schlechtigkeit. Sie sind voller Neid, Mord, Streit, Trug und Tücke.
30 Sie verleumden heimlich und öffentlich. Sie sind gottlose Frevler, übermütige Prahler, erfinderisch im Bösen. Sie sind den Eltern ungehorsam,
31 sie sind unverständig, wortbrüchig, lieblos und unbarmherzig.
32 Sie wissen ganz genau, daß nach dem Gesetz Gottes alle solche Frevler den Tod verdienen. Trotzdem aber begnügen sie sich nicht damit, selbst dergleichen Sünden zu begehen; nein, sie rühmen auch noch ganz offen die anderen, die solche schändlichen Dinge treiben.
Chapter 2
1 Darum1 gibt es keine Entschuldigung für dich, oh Mensch, wer du auch seist, wenn du dich zum Richter über andere aufwirfst. Indem du nämlich einem anderen das Urteil sprichst, verurteilst du dich selbst. Denn du, sein Richter, begehst ja ganz dieselben Sünden.
- "Darum" begründet 1,32. Wenn ein Mensch, der selbst unsittlich lebt, die Sittenlosigkeit anderer verurteilt, so verurteilt er damit sich selbst. Denn durch sein Urteilen bezeugt er ja, daß er ein für alle Menschen gültiges Sittengesetz kennt. Der "Mensch" ist in dem Kreis jener Gottlosen zu suchen, die der Apostel von 1,18 an schildert.
2 Anderseits wissen wir: Gottes Urteilsspruch richtet sich wirklich gegen alle, die solche Sünden tun.
3 Wenn du nun dergleichen Sünden verurteilst und selbst in solchen Sünden lebst, kannst du dann vielleicht darauf rechnen, o Mensch, daß du dem Gericht Gottes entrinnen werdest?
4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld1 und Langmut? Willst du nicht anerkennen, daß dich Gottes Güte zur Sinnesänderung zu leiten sucht?
- In seiner Geduld schiebt Gott das Gericht hinaus.
5 Bist du aber hartnäckig, und ist dein Herz unbußfertig, so sammelst du dir einen Schatz von Zorn, (der dir ausbezahlt werden soll) an jenem Tag, wo sich Gottes Zorn entlädt und sein gerechtes Gericht offenbar wird.
6 Denn Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken.1
- Ps 62:12, Spr 24:12, Ga 6:7-8.
7 Den einen, die nach dem ewigen Leben trachten, wird, wenn sie im Guten standhaft bleiben, Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit zuteil.
8 Die anderen aber, die in Widerspenstigkeit der Wahrheit nicht gehorchen, sondern der Ungerechtigkeit folgen, trifft Zorn und Grimm.
9 Trübsal und Angst erleiden alle, die Böses tun, zuerst die Juden, dann auch die Griechen.
10 Doch Herrlichkeit, Ehre und Friede wird denen zuteil, die Gutes tun, zuerst den Juden, dann auch den Griechen.
11 Denn Gott urteilt nicht nach äußeren Unterschieden.
12 Alle, die, ohne das Gesetz zu kennen, gesündigt haben, werden auch ohne den Richterspruch des Gesetzes dem Verderben anheimfallen. Und alle, die gesündigt haben, während sie unter dem Gesetz standen, werden durch das Gesetz ihr Urteil empfangen.
13 Denn nicht solche, die das Gesetz nur hören,1 sind gerecht in Gottes Augen, sondern die das Gesetz erfüllen, die sollen gerechtgesprochen werden.2
- Bei der Verlesung am Sabbat.
- Dem Einwand, daß V13 wohl auf Juden, aber nicht auf Heiden anwendbar sei, wird nun in V14 begegnet: Auch die Heiden haben ein Gesetz.
14 Sooft nämlich Heiden, die doch kein Gesetz haben, aus innerem Trieb des Gesetzes Forderungen erfüllen, so sind sie, ohne ein Gesetz zu haben, sich selbst ein Gesetz.
15 Denn durch ihr Verhalten1 beweisen sie, daß die Kenntnis jenes Tuns, das vom Gesetz gefordert wird, in ihrem Herzen eingeschrieben steht. Dafür2 zeugt auch ihr sittliches Bewußtsein: ihre Gedanken verklagen sich untereinander und suchen sich auch wohl zu rechtfertigen.3
- D.h. dadurch, daß sie die Forderungen des Gesetzes erfüllen (V14a).
- Für die Tatsache, daß der Hauptinhalt des Gesetzes in ihrem Herzen niedergeschrieben ist, zeugt auch ihr Bewußtsein von gut und böse, von Recht und Unrecht.
- Diese Worte erklären näher, wie sich bei den Heiden das Zeugnis ihres sittlichen Bewußtseins oder Gewissens im einzelnen äußert.
16 Das wird sich zeigen an dem Tag, wo Gott — nach der Heilsbotschaft, die ich verkündige — die verborgenen Gedanken der Menschen durch Jesus Christus richten wird.1
- Gott wird die Heiden nicht darum verdammen, weil sie Heiden sind und weder das Gesetz Moses noch die christliche Heilsbotschaft gehört haben. Denn Gott ist ein unparteiischer Richter, und so wird er sich auch den Juden gegenüber beweisen. Das wird nun V17-29 dargelegt.
17 Du bist stolz auf den Namen Jude, du betrachtest das Gesetz als ein Ruhekissen, du rühmst dich deines Gottes
18 und kennst seinen Willen. Durch die Belehrung im Gesetz hast du Klarheit über den Unterschied von gut und böse.
19 Du traust dir zu, ein Führer der Blinden zu sein, ein Licht derer, die im Finsteren wandeln,
20 ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen. Denn im Gesetz hast du ja den klaren Ausdruck der Erkenntnis und der Wahrheit.
21 Belehrst du nun aber andere und folgst selbst deiner Lehre nicht, predigst du: nicht stehlen! und stiehlst,
22 gebietest du: nicht ehebrechen! und brichst die Ehe, verabscheust du die Götzen und beraubst doch ihre Tempel:1
- Vgl. 5Mo 7:25-26 2. Makk. 12,40.
23 machst du da nicht trotzdem deines Prahlens mit dem Gesetz durch deine Gesetzesübertretung deinem Gott Schande?
24 Denn: Um euretwillen wird der Name Gottes unter den Heidenvölkern verlästert —, so steht ja geschrieben.1
- Vgl. Jes 52:5, Hes 36:20.
25 Gewiß: die Beschneidung ist heilsam, wenn du das Gesetz erfüllst.1 Übertrittst du aber das Gesetz, so bist du nicht besser als ein unbeschnittener Heide.
- In V17-24 hat der Apostel gezeigt, daß dem Juden sein Pochen auf das Gesetz den Heiden gegenüber vor dem Gericht Gottes keinen Vorteil bringt, und daß daher auch auf ihn die in V6-13 entwickelte Regel des göttlichen Endgerichts Anwendung findet. Hier konnte nun ein Jude den Einwurf machen: Soll es denn in Gottes Augen gar keinen Wert haben, daß ich als Abrahamssohn beschnitten bin?
26 Wenn anderseits ein Unbeschnittener die Verordnungen des Gesetzes beobachtet, wird er da nicht, obwohl unbeschnitten, als ein Beschnittener angesehen werden?
27 Ja, der von Haus aus Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, wird dich verurteilen, der du trotz deines geschriebenen Gesetzes und deiner Beschneidung ein Gesetzesübertreter bist.
28 Denn das ist kein rechter Jude, der es nur äußerlich ist; und das ist keine wahre Beschneidung, die nur äußerlich am Fleisch vollzogen wird.
29 Das ist vielmehr ein rechter Jude, der es nach seiner inneren Gesinnung ist; und die wahre Beschneidung ist die Beschneidung des Herzens: da waltet der Geist, nicht der Buchstabe. Und da folgt auch Anerkennung,1 zwar nicht von Menschen, aber von Gott.
- Am Tag des Gerichts, 1Kor 4:5.
Chapter 3
1 Haben denn da die Juden (vor den Heiden) überhaupt noch etwas voraus? Oder bringt die Beschneidung irgendeinen Nutzen?
2 O ja, die Juden haben in jeder Hinsicht viel voraus: vor allem deshalb, weil ihnen Gottes Offenbarungsworte anvertraut worden sind.
3 Denn was tut's, daß manche untreu geworden sind? Hebt etwa ihre Untreue Gottes Treue auf?
4 Nimmermehr! Im Gegenteil: es soll sich zeigen, daß Gott (treu und) wahrhaftig ist, während alle Menschen Lügner sind,1 wie geschrieben steht: Du sollst recht behalten mit deinem Richterspruch und als Sieger dastehen, wenn man mit dir streitet.2
- Ps 116:11.
- Ps 51:6. Der Psalmist erkennt als reuiger Sünder die Gerechtigkeit des göttlichen Gerichts an.
5 Wenn aber so unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins helle Licht stellt, was dann? Ist dann Gott — menschlich gesprochen — nicht ungerecht, wenn er sein Zorngericht verhängt?
6 Nimmermehr! Denn wie könnte Gott sonst der Weltenrichter sein?
7 Wenn sich ferner Gottes Wahrheit durch meine "Lügenpredigt"1 um so herrlicher erwiesen hat zu seinem Ruhm, warum werde auch ich dann noch immer als Sünder angesehen?2
- Die Verkündigung des Apostels wurde von seinen jüdischen und judenchristlichen Gegnern als Lügenpredigt geschmäht.
- Nämlich: von meinen Feinden.
8 Ja, warum sollten wir dann nicht alle nach jenem Grundsatz handeln, den uns gewisse Leute lästerlich in den Mund legen: "Laßt uns das Böse tun, damit Gutes daraus komme"? Leute, die so denken, trifft Gottes Strafurteil mit Recht.
9 Wie steht es nun? Zeichnen wir (Juden) uns durch unser Verhalten wirklich (vor den Heiden) aus? Nicht im geringsten. Wir haben ja im vorigen gegen Juden und Heiden dieselbe Anklage erheben müssen, daß sie alle unter der Herrschaft der Sünde stehen.
10 Es heißt ja in der Schrift:
11 Keiner ist gerecht, auch nicht einer; keiner ist verständig, keiner fragt nach Gott.
12 Sie alle sind abgewichen, allesamt verderbt. Keiner ist da, der Gutes tut, auch nicht einer.1
- Ps 14:1-3.
13 Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen reden sie Betrug.1 Otterngift ist unter ihren Lippen.2
- Ps 5:10.
- Ps 140:4.
14 Ihr Mund ist voller Fluch und Bitterkeit.1
- Ps 10:7.
15 Ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen;
16 Zerstörung und Jammer sind auf ihren Wegen,
17 und den Weg des Heils kennen sie nicht.1
- Jes 59:7.
18 Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.1
- Ps 36:2.
19 Nun wissen wir, daß sich die Worte des Gesetzes zunächst an die richten, die unter dem Gesetz stehen. Schließlich aber kommt dadurch doch jedes Menschen Mund zum Schweigen, und die ganze Welt steht schuldig da vor Gott.
20 Denn aus Gesetzeswerken wird kein Mensch vor ihm gerechtfertigt.1 Das Gesetz wirkt ja nur Erkenntnis der Sünde.
- Ps 143:2.
21 Nun ist aber, ganz unabhängig von irgendeinem Gesetz, eine Gerechtigkeit Gottes offenbar geworden,1 auf die schon das Gesetz und die Propheten hingewiesen haben,2
- Das Perfektum πεφανερωται bedeutet: sie ist ein für allemal geschichtlich offenbar geworden, aber die Wirkung dieser Offenbarung dauert fort in der Gegenwart. vgl. Heb 9:26
- Der Kern der Schriften des Alten Bundes ist ja das Bekenntnis: Jahwe, unsere Gerechtigkeit. Jer 23:6, 33:16
22 nämlich Gottes Gerechtigkeit durch den Glauben Jesu Christi,1 die zuteil wird allen, die da glauben.
- Durch den Glauben Jesu Christi, des Gerechten, ist Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden. Christi Glaube ist heilsbegründend: durch seinen Tod, den er im Glauben erduldete (V25), hat er uns das Heil erworben. Unser Glaube ist heilsaneignend: dadurch wird uns Gottes Gerechtigkeit zuteil (V22, Schluß).
23 Denn hier gibt's keinen Unterschied: alle (die zum Glauben kommen) sind früher Sünder gewesen und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte.
24 Sie empfangen vielmehr die Gerechtigkeit von ihm als unverdientes Gnadengeschenk durch die Befreiung1 in Christus Jesus.2
- "Aus der Schuldhaft," die durch eine Loskaufung erfolgt (απολυτρωσις, vgl. Kol 1:14, Eph 1:7, Heb 9:15,12). Hier Rö 3:24 scheint der Apostel an das Vorbild des jüdischen Erlaßjahres zu denken: 3Mo 25:10, Jes 61:2, Lu 4:19. Das Erlaßjahr wurde am großen Versöhnungstag ausgerufen. 3Mo 25:9 Da ward der Gnadenstuhl, d.h. der goldene Deckel der Bundeslade, mit dem Opferblut besprengt. 3Mo 16:14-16
- In Christus hat Gott ein Erlaßjahr verkündigen lassen; er hat die ihm durch ihre Sündenschuld verhaftete und seinem Strafgericht verfallene Menschheit in Freiheit gesetzt. Durch die gläubige Annahme dieser Befreiung, also ganz unverdient und aus Gnaden, werden nun die sündigen Menschen vor Gott gerecht. — In den Stellen Lu 21:28, Rö 8:23, Eph 1:14, 4:30 ist die Befreiung, Errettung oder Erlösung απολυτρωσις ein noch zukünftiges Gut. In 1Kor 1:30 sind beide Bedeutungen vereinigt.
25 Den hat Gott öffentlich zur Schau gestellt als Gnadenstuhl durch seinen blutigen Tod, den er im Glauben erduldet hat.1 Damit2 wollte Gott zunächst seine (richterliche) Gerechtigkeit erweisen, weil er die vorher begangenen Sünden3 in seiner Langmut4 ungestraft hat hingehen lassen.
- Wie komme ich zu dieser Übersetzung? Die Stelle lautet im Griechischen: ον προεθετο ο θεος ιλαστηριον δια της πιστεως εν τω αυτου αιματι. Luther übersetzt: "welchen (gemeint ist Christus Jesus) Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut." Das ist nun zwar wörtlich übersetzt, aber ist es auch verständlich? Zunächst ist zu beachten, daß die Worte "durch den Glauben" in wichtigen Handschriften des Neuen Testaments fehlen. Dann braucht aber der Ausdruck "in seinem Blut" auch nicht von den Worten "durch den Glauben" abzuhängen, so daß hier der Glaube an Christi Blut gemeint wäre. Dieser Ausdruck kommt auch bei Paulus sonst gar nicht vor. Die Worte "in seinem Blut" werden vielmehr am einfachsten verbunden mit "Gott hat Christus Jesus vorgestellt zu einem Gnadenstuhl." Christus wird hier ein Gnadenstuhl genannt, weil er der Träger und Spender der göttlichen Gnade ist. Die Bedeutung Gnadenstuhl hat das hier gebrauchte griechische Wort ιλαστηριον in der einzigen Stelle, wo es sonst noch im Neuen Testament vorkommt, Heb 9:5 und fast überall in LXX Der Gnadenstuhl, d.h. der goldene Deckel der Bundeslade im Allerheiligsten der Stiftshütte, war für Israel ein Sinnbild der Gegenwart des gnädigen, bundestreuen Gottes. 2Mo 25:22, 4Mo 7:89 Aber der Gnadenstuhl war dem Auge des Volkes verborgen. Nur der Hohepriester, und auch er nur einmal im Jahr am großen Versöhnungstag, durfte das Allerheiligste betreten. Christus dagegen ist als Spender der göttlichen Gnade aller Welt zugänglich. Denn Gott hat ihn als Gnadenstuhl oder Gnadenspender "vorgestellt," d.h. "zur Schau gestellt," aber "in seinem Blut," d.h. durch seinen blutigen Opfertod am Kreuz. Und was bedeuten nun die Worte "durch den Glauben" oder nach anderer Lesart "durch Glauben" δια πιστεως? Wenn sie nicht mit den Worten "in seinem Blut" verbunden werden, also sich nicht auf den heilsaneignenden Glauben der Christen beziehen, so können sie nur verstanden werden von dem Glauben Jesu Christi, der "durch den Glauben" das Versöhnungsopfer auf Golgatha vollbracht hat. So ergibt sich meine Übersetzung: "Den (Christus Jesus) hat Gott öffentlich zur Schau gestellt als Gnadenstuhl durch seinen blutigen Tod, den er im Glauben erduldet hat." Und hat Jesus nicht am Kreuz das höchste Maß des Glaubens bewiesen? Die Hauptsache im Glauben ist ja das feste, unerschütterliche kindliche Vertrauen auf Gott, den himmlischen Vater. Das hat Jesus stets in seinem Erdenwandel bewiesen, Heb 2:13 am herrlichsten aber am Kreuzesstamm. Da hat er im Glauben die Gottverlassenheit überwunden, seinen Geist in des Vaters Hände befohlen und das große Versöhnungswerk vollbracht.
- Nämlich: durch Jesu Kreuzestod, durch den die Sünden gesühnt wurden.
- D.h. die Sünden der vorchristlichen Menschheit. vgl. Apg 17:30
- Und zwar im Blick auf Jesu Kreuzesopfer.
26 Dann aber wollte er auch seine (gnadenspendende) Gerechtigkeit erweisen für die gegenwärtige Zeit. So sollte offenbar werden,1 daß er selbst (als Richter) gerecht ist, und daß er auch (aus Gnaden) den rechtfertigt, der Glauben hat wie Jesus.2
- Indem jetzt Gottes heilwirkende, gnadenspendende Gerechtigkeit in vollem Einklang steht mit seinem heiligen Wesen und seiner richterlichen Gerechtigkeit.
- Wörtlich: "der aus Jesu Glauben ist," τον εκ πιστεως Ιησου. Dies versteht man gewöhnlich mit Luther: "der da ist des Glaubens an Jesum." Man faßt also den gen. Ιησου als gen. obj. Nun findet sich aber ganz derselbe griechische Ausdruck auch Rö 4:16. Da heißt es: Die göttliche Verheißung steht sicher für alle wahren Nachkommen Abrahams, und zwar nicht allein für die, die das Gesetz empfangen haben, sondern auch für jeden, der "aus Abrahams Glauben ist," τω εκ πιστεως Αβρααμ. Abrahams Glaube kann aber hier unmöglich bedeuten "Glaube an Abraham." Das wäre ja ganz sinnlos. "Aus Abrahams Glauben sein" heißt vielmehr, wie die Ausleger erklären und wie auch jeder Laie einsieht, "Glauben haben wie Abraham." Auch Luther übersetzt hier: "der des Glaubens Abrahams ist." Und was heißt da am einfachsten und verständlichsten "aus Jesu Glauben sein?" Doch wohl nichts anderes als "Glauben haben wie Jesus." Die Hauptsache im Glauben ist aber das zuversichtliche Vertrauen auf Gott. Dies Vertrauen hat Jesus im vollkommensten Maße bewiesen. Nun rechtfertigt Gott den, der Glauben hat wie Jesus, d.h. den, der wie Jesus kindlich auf den himmlischen Vater vertraut und in solchem Vertrauen die ihm in Christus angebotene Gnade Gottes dankbar annimmt. Im Glauben an Jesus gilt es auch zu glauben wie Jesus, obwohl hier zu bedenken ist, daß der Glaube der Kinder Gottes dem Glauben des Sohnes Gottes nur ähnlich sein kann. Ja nicht einmal durch die Auferstehung werden wir Christus gleich, wir werden ihm nur ähnlich sein. 1Jo 3:2 — Schon der Ungetaufte, der an Jesus Christus glaubt, muß in gewissem Sinne glauben wie Jesus, denn sein Glaube kann nicht ohne Vertrauen sein. Aber kindliches Vertrauen auf den himmlischen Vater, wie es Jesus bewiesen hat, kann nur den erfüllen, der durch die Taufe in Christi Gemeinschaft steht und zu einem Kind Gottes angenommen ist. vgl. Rö 6:3-11,Ga 3:27, Tit 3:5 In ihm kann Christus leben Ga 2:20 und Gestalt gewinnen, er kann deshalb auch glauben wie Jesus. Wie hier Rö 3:26, so fasse ich auch überall in den paulinischen Briefen in den Ausdrücken pistis Jesu Christu, pistis Christu, pistis Jesu den Genitiv nicht objektiv, sondern subjektiv; ich übersetze also: der Glaube Jesu Christi. Denn wenn Paulus klar und unmißverständlich von dem Glauben an Jesus redet, so sagt er nicht einfach pistis Jesu Christu, sondern er drückt sich umständlicher und bestimmter aus, indem er Wendungen gebraucht, die jeden Zweifel in bezug auf seine Meinung ausschließen. Ich verweise hier auf den griechischen Wortlaut der Stellen Phm 5, Kol 1:4, 2:5, Eph 1:15, auch 1Th 1:8. Die Stellen der paulinischen Briefe, in denen von dem Glauben Jesu Christi die Rede ist, sind: Ga 2:16,20, 3:22, Rö 3:22,25,26, Eph 3:12 und Php 3:9. Dazu kommen noch drei Stellen in den Briefen des Paulus an Timotheus, wenn sich dort auch nicht der genitivische Ausdruck Pistis Jesu Christi, sondern eine Umschreibung findet: 1Ti 1:14, 2Ti 1:13, 3:15. Auch Jak 2:1, Off 2:13, 14:12, wo ebenfalls von Jesu Glauben die Rede ist, werden die griechischen Genitive am einfachsten als gen. subj. oder auct. verstanden, ebenso der Genitiv in dem Ausdruck Mr 11:22: πιστις θεου. Endlich lassen sich auch die Genitive in 2Th 2:12 (πιστις αληθειας), in Php 1:27 (πιστις του ευαγγελιου) und in Apg 3:16 (πιστις του ονοματος αυτοι) ohne Schwierigkeit als gen. subj. oder auct. fassen. — Fast alle erwähnten Stellen gewinnen an Klarheit und Tiefe, wenn man die betreffenden Genitive nicht objektiv erklärt, sondern subjektiv.
27 Wo bleibt denn nun das Rühmen?1 Damit ist's aus für immer. Durch was für ein Gesetz? Durch ein Gesetz, das Werke fordert? Im Gegenteil: durch ein Gesetz, das Glauben fordert.
- Der Juden.
28 So kommen wir zu dem Schluß, daß der Mensch, ganz unabhängig von Gesetzeswerken, durch den Glauben gerechtfertigt wird.
29 Oder ist Gott etwa nur der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Gewiß, er ist auch der Heiden Gott.
30 Denn es gibt nur einen Gott, und der rechtfertigt die Juden aus Glauben und die Heiden durch den Glauben.
31 Bringen wir nun etwa das Gesetz zu Fall durch den Glauben? Nimmermehr! Wir bringen vielmehr das Gesetz erst recht zur Geltung.1
- Vielleicht soll 3,31 zu Kap. 4 überleiten. Dann wäre der Sinn: Erst die Botschaft vom Glauben bringt das Gesetz, d.h. die Schriftoffenbarung des Alten Testamentes, zur vollen Geltung. Denn schon Abraham ist ja nicht durch Werke gerechtfertigt worden, sondern durch den Glauben.
Chapter 4
1 Was hat denn unser Ahnherr Abraham durch sein eigenes Tun erreicht?
2 Wäre Abraham aus Werken gerechtfertigt worden, so hätte er freilich Grund, sich zu rühmen. Aber Gott gegenüber ist es anders.
3 Denn was sagt die Schrift? Abraham glaubte Gott, und das ward ihm angerechnet zur Gerechtigkeit.1
- 1Mo 15:6.
4 Hat nun einer Werke aufzuweisen, so wird ihm der verdiente Lohn nicht aus Gnaden angerechnet, sondern aus Schuldigkeit.
5 Wer aber keine Werke aufweisen kann, sondern glaubt an den, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube angerechnet zur Gerechtigkeit.
6 Auch David preist ja den Menschen selig, dem Gott ganz unabhängig von Werken Gerechtigkeit anrechnet:
7 Selig sind, denen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind!
8 Selig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet!1
- Ps 32:1-2.
9 Bezieht sich nun diese Seligpreisung allein auf die Beschnittenen oder auch auf die Unbeschnittenen? Abraham — so behaupten wir ja — ward sein Glaube angerechnet zur Gerechtigkeit.
10 Wann ist er ihm denn angerechnet worden? Vor oder nach seiner Beschneidung? Nicht nach der Beschneidung, sondern schon vorher.
11 Das Zeichen der Beschneidung empfing er dann als Siegel der Gerechtigkeit jenes Glaubens, den er schon als Unbeschnittener bewiesen hatte. So sollte er ein Vater aller derer sein, die als Unbeschnittene zum Glauben kommen — denn auch ihnen sollte die Gerechtigkeit angerechnet werden —.
12 Aber er sollte auch ein Vater von Beschnittenen sein, das heißt derer unter den Beschnittenen, die nicht nur äußerlich beschnitten sind, sondern die auch1 in den Fußtapfen jenes Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham schon als Unbeschnittener bewiesen hat.
- Ebenso wie die Heidenchristen.
13 Auch die Verheißung, die Welt zum Erbe zu empfangen,1 die Abraham und seinen Nachkommen zuteil geworden, ist nicht an die Erfüllung eines Gesetzes geknüpft, sondern sie ist bedingt durch die Gerechtigkeit des Glaubens.
- Vgl. 1Mo 17:7-8. Schon die jüdische Theologie dehnte die Erbschaft Abrahams auf die ganze Erde aus.
14 Erben nämlich solche, die ein Gesetz erfüllen, so hat der Glaube keinen Wert und die Verheißung keine Geltung.
15 - Jedes Gesetz führt ja Strafe herbei. Nur da, wo es kein Gesetz gibt, ist auch von Übertretung keine Rede1 —.
- V15 begründet, warum ein Gesetz überhaupt nicht solche Segnungen mitteilen kann, wie sie Abraham verheißen worden sind.
16 Deshalb erben nur solche, die Glauben haben; denn das Erbe soll ja ein Gnadengeschenk sein. Und nur in diesem Fall steht die Verheißung sicher für alle (wahren) Nachkommen Abrahams — nicht allein für die, die das Gesetz empfangen haben,1 sondern auch für alle, die Glauben haben wie Abraham. So ist er unser aller Vater
- D.h. für die Juden, die leiblichen Nachkommen Abrahams.
17 - wie geschrieben steht: Zum Vater vieler Völker1 habe ich dich bestimmt2 —. Und das3 ist er nach Gottes Willen. Denn ihm hat er geglaubt: ihm, der die Toten lebendig macht, und der das Nichtseiende ins Dasein ruft.
- Nicht nur des Judenvolkes.
- 1Mo 17:5.
- Nämlich: unser aller Vater.
18 Selbst da, wo nichts zu hoffen war, hat er voll Hoffnung an dem Glauben festgehalten, daß er ein Vater vieler Völker werden solle, gemäß dem Wort: So (zahlreich) sollen deine Nachkommen sein.1
- 1Mo 15:5.
19 Und ohne im Glauben schwach zu werden, sah er, wie sein eigener Leib die Lebenskraft verloren hatte — denn er war fast hundert Jahre alt —, und wie auch Saras Mutterschoß erstorben war.
20 Er zweifelte nicht ungläubig an Gottes Verheißung. Nein, er wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre1
- D.h.: er erkannte Gottes Allmacht an.
21 in der festen Überzeugung, daß er seine Verheißung auch erfüllen könne.
22 Darum ist ihm auch (sein Glaube) angerechnet worden zur Gerechtigkeit.
23 Doch dies Wort: "Es ist ihm angerechnet worden" hat nicht allein für ihn Bedeutung,
24 sondern auch für uns. Uns soll es "angerechnet" werden, wenn wir unseren Glauben gründen auf den, der unseren Herrn Jesus von den Toten auferweckt hat.
25 In den Tod ist er gegeben worden um unserer Fehltritte willen1 und auferweckt um unserer Rechtfertigung willen.
- Vgl. Jes 53:4-5.
Chapter 5
1 Sind wir nun gerecht geworden durch den Glauben, so laßt uns mit Gott in Frieden bleiben durch unseren Herrn Jesus Christus,
2 durch den wir ja im Glauben Zutritt haben zu dieser Gnade, darin wir jetzt stehen! Laßt uns auch rühmen, daß wir hoffen dürfen, einst Gottes Herrlichkeit zu erben!
3 Noch mehr: wir wollen uns sogar des rühmen, daß wir jetzt Trübsal leiden. Wir wissen ja: Trübsal wirkt Standhaftigkeit,1
- Vgl. Mt 24:13.
4 Standhaftigkeit wirkt Festigkeit, Festigkeit wirkt Hoffnung.1
- Einst Gottes Herrlichkeit zu erben, V2.
5 Und diese Hoffnung kann nicht trügen; denn Gottes Liebe fließt in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.1
- Dieser Liebe Gottes verdanken wir es auch, daß Christus für uns den Tod erlitten hat (V6).
6 Als wir noch krank in Sünden waren, gerade da hat Christus für Gottlose den Tod erlitten.1
- Und wie gewaltig ist das! (V7).
7 Nun geschieht es kaum, daß jemand für einen Gerechten sein Leben opfert. — Für den, der ihm Gutes erwiesen, erleidet wohl einer mit kühnem Entschluß den Tod. —
8 Gott aber macht uns seine Liebe dadurch kund, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
9 Wieviel mehr nun dürfen wir jetzt, da wir in seinem Blut gerecht geworden sind, durch ihn auf Rettung hoffen vor Gottes Zorngericht!
10 Denn sind wir als Gottes Feinde versöhnt worden mit Gott durch seines Sohnes Tod,1 wieviel mehr werden wir als Versöhnte Rettung finden durch sein Leben!2
- Vgl. 2Kor 5:18-21.
- Durch seine Auferstehung.
11 Und nicht nur das;1 wir dürfen uns auch Gottes rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung erlangt.
- Wir sind nicht nur versöhnt mit Gott.
12 Demnach verhält es sich so: Durch einen Menschen1 ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod. Darum ist der Tod zu allen Menschen gelangt, weil2 alle gesündigt haben.3
- Adam.
- So ist das Schwierige εφω hier wohl ebenso zu übersetzen wie 2Kor 5:4 und Php 3:12.
- Dieser Satz konnte wegen 4,15 Widerspruch finden. Daher rechtfertigt ihn der Apostel in V13.
13 Auch vor dem Gesetz1 ward in der Welt gesündigt.2 Die Sünde aber ward nicht angerechnet,3 solange noch kein Gesetz da war.4
- Gemeint ist das mosaische Gesetz.
- Vgl. z.B. 1Mo 6:11-12, 11:1-8, 13:13.
- Von Gott.
- Solange die Menschen noch kein Gesetz von Gott empfangen hatten, war die Sünde auch noch nicht die Übertretung eines bestimmten göttlichen Gebotes.
14 Trotzdem herrschte der Tod mit königlicher Macht von Adam bis Mose auch über alle, die beim Sündigen kein bestimmtes Gebot übertraten wie Adam.1 Der wies als Vorbild hin auf jenen Adam, der noch kommen sollte.2
- Adam übertrat ein den Tod androhendes Gebot. 1Mo 2:17
- Christus.
15 Doch nicht wie der Fehltritt (Adams) war, ist nun die Gnadengabe (Gottes). (Hier zeigt sich vielmehr ein Unterschied.) Durch eines Menschen1 Fehltritt sind alle Menschen dem Tod verfallen. Weit mehr hat Gottes Gnade gewirkt: Die Gabe, die wir der Gnade des einen Menschen Jesus Christus danken, hat alle Menschen überschwenglich reich gemacht.
- Adams.
16 Doch dies Geschenk der Gnade übt eine andere Wirkung aus als jener eine Sünder.1 Das Urteil (Gottes) über den einen Sünder hat (über alle Menschen) ein Strafurteil gebracht. Die Gnadengabe (Gottes) aber, durch die Fehltritte vieler hervorgerufen, hat (allen Menschen) Freisprechung gebracht.
- Adam.
17 Wenn durch den Fehltritt jenes einen1 der Tod mit königlicher Macht geherrscht hat durch die Schuld des einen, wieviel mehr werden da alle, die die überschwenglich reiche Gnade und Gabe der Gerechtigkeit empfangen, in Lebenskraft2 als Könige herrschen durch den einen Jesus Christus!
- Adams.
- In der Kraft des unvergänglichen Lebens.
18 Darum: wie eines Menschen Fehltritt für alle Menschen ein Strafurteil (des Todes) verschuldet hat: so bringt nun eines Menschen Gehorsamstat1 für alle Menschen einen Freispruch, der das Leben schenkt.
- Christi Opfertod.
19 Denn wie durch eines Menschen Ungehorsam alle Menschen Sünder geworden sind: so sollen nun durch eines Menschen Gehorsam alle Menschen Gerechte werden.
20 Das Gesetz ist1 gleichsam durch eine Nebentür hereingekommen, damit sich Fehltritt auf Fehltritt häufe.2 Wo sich aber die Sünde gehäuft, da ist auch der Strom der Gnade aufs höchste gestiegen.3
- Bei dieser Entwicklung von Adam bis Christus.
- Vgl. 4:15, 7:8, Ga 3:19.
- In Israel, wo das Gesetz herrschte, ist auch die Gnade überschwenglich reich offenbar geworden. Denn aus Israel ist der Messias, der Bringer der Gnade, hervorgegangen.
21 Denn wie die Sünde Königin war im Machtgebiet des Todes: So soll nun die Gnade als Königin herrschen, indem sie die Gerechtigkeit verleiht, die zum ewigen Leben führt durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Chapter 6
1 Was wollen wir nun daraus schließen? Wollen wir etwa bei der Sünde beharren, damit sich die Gnade mehre?1
- Diese Folgerung zogen die Gegner des Apostels.
2 Nimmermehr! Wir sind ja tot für die Sünde; wie können wir da noch in ihr leben?
3 Oder wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Christus Jesus getauft worden, in seinen Tod versenkt worden sind?1
- Durch die Taufe treten wir in die innigste Gemeinschaft mit Christus: wir werden geistlich seines Todes und seiner Auferstehung teilhaftig; denn wir sterben in der Taufe der Sünde ab und werden neu geboren zur Gerechtigkeit.
4 Wir sind also deshalb mit ihm durch die Taufe in den Tod begraben worden, damit, wie Christus von den toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, ebenso auch wir in einem neuen Lebenszustand wandeln.
5 Denn ist es wahr, daß wir mit ihm verwachsen sind1 durch einen Tod, der seinem Tod ähnlich ist, so werden wir auch nicht minder mit ihm verwachsen sein durch eine Auferstehung, die der seinen gleicht.
- Vgl. Joh 15:5.
6 Wir wissen ja: unser alter Mensch1 ist deshalb mit (Christus) gekreuzigt worden,2 damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir der Sünde nicht länger als Sklaven dienen.
- "Der alte Mensch" Rö 6:6, Eph 4:22, Kol 3:9 und "der neue Mensch" Kol 3:10, Eph 2:15, 4:24 sind nicht zwei verschiedene Menschen, sondern zwei verschiedene Lebenszustände in einem und demselben Menschen. Der alte Mensch ist der Mensch in seinem durch die Sünde verderbten Zustand. Der neue Mensch ist der Mensch "in Christus," der durch die Taufe Wiedergeborene, der durch Glauben in Christus bleibt. Der alte Mensch lebt in Adam und seinem Todeslos, 1Kor 15:22 er lebt in der Welt, Eph 2:12 in den Sünden, 1Kor 15:17 im Fleisch, d.h. in dem Zustand des Todes, der Gottesferne, ja der Feindschaft gegen Gott. Rö 7:5, 8:5-8 Der neue Mensch dagegen steht nicht unter der Herrschaft des Fleisches, sondern er ist "in Christus." 2Kor 5:17 Darum ist er auch mit Christus gekreuzigt, Ga 2:19 mit Christus gestorben, Rö 6:8, Kol 2:20, 3:3, 2Ti 2:11 mit Christus begraben, Rö 6:4, Kol 2:12 mit Christus auferweckt, Rö 6:4-5, Kol 2:12 mit Christus in die Himmelswelt versetzt. Eph 2:6 Der neue Mensch lebt nicht nur mit Christus, Rö 6:8, 2Ti 2:11 sondern Christus lebt in ihm. Ga 2:20 Und darum lebt er auch in dem Glauben Christi Ga 2:20, 3:22, Rö 3:26, Eph 3:12 und in der Liebe Christi, 1Ti 1:14, 2Ti 1:13 ja Christi ganze Gesinnung soll in ihm offenbar werden. Php 2:5
- Vgl. Ga 2:19, 5:24.
7 Denn ein Toter ist von der Macht der Sünde frei.1
- Ein Satz des Talmud lautet: "Ist der Mensch tot, so ist er frei von den Geboten." Wie der leiblich Tote nicht mehr sündigen kann, so soll auch der in der Taufe geistlich der Sünde abgestorbene nicht mehr in der Sünde leben.
8 Sind wir nun aber mit Christus gestorben, so werden wir auch — das ist unsere Zuversicht — mit ihm leben.
9 Denn wir wissen: Christus, von den Toten auferweckt, kann nicht wieder sterben; der Tod hat kein Herrscherrecht mehr über ihn.
10 Sein Tod galt ja der Sünde, ein für allemal; sein Leben aber gilt Gott.
11 Geradeso — bedenkt das wohl! — sollt auch ihr tot sein für die Sünde, aber lebendig für Gott, weil ihr ja1 in Gemeinschaft steht mit Christus Jesus, unserem Herrn.2
- Durch die Taufe.
- V11b heißt wörtlich: "aber lebendig für Gott, in Christus Jesus, unserem Herrn." Der Ausdruck "in Christus Jesus, in Christus, im Herrn," der die innige Gemeinschaft mit Christus auf Grund der Taufe bezeichnet, kommt nach A. Deißmann bei Paulus 164 mal vor.
12 Darum soll die Sünde nicht als Königin herrschen in euerm sterblichen Leib, so daß ihr seinen Lüsten nachgebt.
13 Ihr dürft auch nicht eure Glieder als Waffen der Ungerechtigkeit in den Dienst der Sünde stellen. Sondern da ihr aus dem Tod zum Leben gekommen seid, so weiht euch dem Dienst Gottes und ergebt Gott eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit!1
- Es ist ein Krieg zwischen der Königin Sünde und Gott, dem König aller Könige.
14 Die Sünde wird euch nicht besiegen können. Denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.
15 Was folgt hieraus? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Nimmermehr!1
- Ein jüdischer oder judenchristlicher Gegner des Apostels konnte aus der Freiheit vom Gesetz folgern, daß man sündigen dürfe.
16 Ihr wißt doch: wenn ihr euch einem als Knecht zum Gehorsam verpflichtet, dann werdet ihr auch tatsächlich Knechte dessen, dem ihr gehorsam seid, — und zwar entweder Knechte, die der Sünde dienen und dem Tod verfallen, oder Knechte, die (Gott) gehorsam sind und zur Gerechtigkeit gelangen.
17 Gott sei Dank: ihr dient jetzt nicht mehr der Sünde als Knechte, sondern ihr seid der (christlichen) Lehre in der Gestalt, worin sie euch überliefert worden ist, von Herzen gehorsam.
18 Von der Sünde Herrschaft frei, seid ihr nun "Knechte der Gerechtigkeit" geworden.
19 - Mit Rücksicht auf eure menschliche Schwachheit wähle ich diesen bildlichen Ausdruck "Knechte" —. Wie ihr (früher) eure Glieder in den Knechtsdienst der Unreinigkeit und Gesetzwidrigkeit gestellt habt, um ein gesetzloses Leben zu führen: so stellt jetzt eure Glieder in den Knechtsdienst der Gerechtigkeit, um zur Heiligung zu gelangen!
20 Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei gegenüber der Gerechtigkeit.1
- Diese Freiheit, die sich um die Gebote der Gerechtigkeit nicht kümmerte, war eine sittliche Ungebundenheit.
21 Welche Frucht ist euch nun damals aus euerm Wandel erwachsen? Taten, deren ihr euch jetzt schämt! Denn sie führen zum Tod.
22 Jetzt aber, wo ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, erwächst euch solche Frucht, die zur Heiligung führt, und endlich erlangt ihr das ewige Leben.
23 Denn die Sünde zahlt als Sold den Tod. Das Gnadengeschenk Gottes aber ist das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, unserem Herrn.1
- Dies ist das Endergebnis des Krieges zwischen den beiden Mächten Sünde und Gnade, die um die Königsherrschaft über den einzelnen Menschen kämpfen.
Chapter 7
1 Oder wißt ihr nicht,1 liebe Brüder — ich rede ja zu Leuten, die mit dem Gesetz2 wohlbekannt sind —, daß das Gesetz den Menschen während seines ganzen Lebens beherrscht?
- Vgl. Anfang von 6,3. — Während in 6,15-23 die zweite Hälfte von 6,14 erläutert wird, folgt nun in Kap. 7 die Ausführung der ersten Hälfte von 6,14.
- Gemeint ist das Gesetz Moses; der Apostel redet also vorwiegend zu Judenchristen.
2 Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist durch das Ehegesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Stirbt aber der Mann, so ist sie frei von dem Gesetz, wodurch sie an den Mann gebunden war.
3 Gibt sie sich also zu Lebzeiten ihres Mannes einem anderen Mann hin, so führt sie den Namen Ehebrecherin. Nach dem Tod ihres Mannes aber ist sie von dem Ehegesetz frei: sie ist dann keine Ehebrecherin, wenn sie sich mit einem anderen Mann vermählt.
4 Nun denn, meine Brüder, auch ihr seid durch den Leib Christi1 dem Gesetz gegenüber tot,2 und ihr sollt einem anderen zu eigen werden: dem, der deshalb von den Toten auferweckt worden ist, damit wir Frucht bringen im Dienst Gottes.3
- Der am Kreuz gestorben ist (6,3).
- Nämlich: durch die Taufe; Rö 6:3-4, Ga 2:19a.
- Vgl. 6,4.
5 Denn solange wir im Fleisch lebten,1 waren die durch das Gesetz aufgeregten sündlichen Leidenschaften2 in unseren Gliedern3 wirksam, so daß wir Frucht brachten für den Tod.
- Das "Fleisch" ist der vorchristliche Zustand.
- Vgl. 4,15; 5,20; 7,7-13.
- Die Glieder sind Sitz und Werkzeug der Sünde.
6 Jetzt aber sind wir vom Gesetz los: für unseren früheren Zwingherrn1 sind wir tot und dienen nun (Gott) in einem neuen Zustand unter der Herrschaft des Geistes. Denn der alte Zustand unter der Herrschaft des Buchstabens2 hat ein Ende.
- Das Gesetz.
- Des Gesetzes.
7 Was folgt hieraus? Ist das Gesetz Sünde? Nimmermehr! Aber ich hätte die Sünde nie erkannt ohne das Gesetz. Was zum Beispiel böse Begierde ist, davon wüßte ich nichts, wenn das Gesetz nicht immer wieder spräche: Du sollst nicht begehren!1
- Vgl. 1Mo 3:1-6. Das Verbot reizt zum Begehren des Verbotenen.
8 Dies Gebot diente nun der Sünde als Waffe wider mich und erregte in mir allerlei böse Begierden.1 Denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.2
- 2Mo 20:17, 5Mo 5:18.
- D.h.: der innere Zwiespalt ist ohne Gesetz noch nicht geweckt.
9 Einst lebte ich dahin, ohne etwas vom Gesetz zu wissen. Dann trat das Gebot an mich heran. Da ward die Sünde (in mir) lebendig,1
- Dies ist der Gegensatz von "tot," V8.
10 und — ich starb. Das Gebot, das mir zum Leben dienen sollte, gereichte mir so in Wirklichkeit zum Tod.
11 Denn die Sünde benützte das Gebot als Waffe wider mich: sie verführte mich, und so hat sie mir gerade durch das Gebot den Tod gebracht.1
- V9-11 scheint der Apostel wie schon V7 und 8 im Namen der vorchristlichen Menschheit zu reden. Als harmlos-unbefangenes Kind wußte auch er selbst einst ebensowenig etwas vom Gesetz wie Adam im Stand der Unschuld. 1Mo 2:7-15 Da trat das Gesetz mit seinem Gebot: "du sollst!" an ihn heran wie an Adam. 1Mo 2:16-17 Und das Gebot reizte ihn wie den ersten Menschen zur Übertretung.
12 Es bleibt demnach dabei: Das Gesetz an sich ist heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.1
- V12 enthält die zusammenfassende Schlußantwort auf die Frage von V7.
13 Ist denn nun das Gute mein Tod geworden? Nimmermehr! Die Sünde hat mich in den Tod gestürzt. Die sollte als Sünde offenbar werden: darum hat sie mir durch das Gute1 den Tod gebracht. So sollte sich gerade durch den Mißbrauch des Gebotes die grenzenlose Sündigkeit der Sünde zeigen.
- Nämlich: durch das Gebot.
14 Das Gesetz — so wissen wir — ist geistlich. Ich aber bin fleischlich, unter die Herrschaft der Sünde verkauft.1
- Das Gesetz kann wegen der fleischlichen Gesinnung des Menschen nicht geistlich wirken.
15 Mein ganzes Tun ist mir ein Rätsel. Ich führe ja nicht aus, was ich mir vornehme; sondern gerade was ich verabscheue, das tue ich.1
- V15-17 beschreibt der Apostel, worin das Verkauftsein unter die Herrschaft der Sünde besteht; es mutet ihn an, als handle nicht er selbst, sondern ein anderer.
16 Tue ich aber das, was meinem Willen entspricht, dann stimme ich dem Gesetz innerlich zu (und erkenne an), daß es gut ist.
17 Also bin ich es nicht, der das Böse vollbringt, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
18 Ich weiß ja:1 es wohnt in mir, das heißt in meinem Fleisch2 nichts Gutes. Ich kann wohl das Gute wollen; aber mir fehlt die Kraft, es zu vollbringen.
- V18-23 folgt nun eine weitere Erklärung über das Böse im Menschen.
- In meinem natürlichen Wesen und Willen.
19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will; nein, das Böse, das ich nicht will, das führe ich aus.
20 Tue ich aber gerade das, was ich nicht will, so bin ich es nicht, der das Böse vollbringt, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
21 Dies ist also die Regel, die ich immer wieder finde: will ich das Gute tun, so ist das Böse da.
22 Denn1 nach meinem inneren Menschen2 habe ich Freude am Gesetz Gottes.
- Begründet V21: "will ich das Gute tun".
- Vgl. 2Kor 4:16, Eph 3:16. Was V17.18.20 im Gegensatz zu der Sünde und dem Fleisch das Ich heißt, wird hier im Gegensatz zu den Gliedern des Leibes (dem äußeren Menschen) der innere Mensch genannt.
23 Ich entdecke aber in meinen Gliedern ein anderes Gesetz,1 das mit dem Gesetz meiner Vernunft2 im Kampf liegt und mich gefangennimmt für das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
- Eine andere Gewalt. "Das Gesetz in den Gliedern" ist vielleicht der natürliche Hang zur Sünde, der den Willen bestimmt und sich durch Sinnlichkeit äußert; "das Gesetz der Sünde" ist vielleicht die Gewalt der Sünde, die zum sündhaften Entschluß fortreißt. Vgl. Ga 5:17, 1Pe 2:11.
- Die "Vernunft" Eph 4:23 oder der innere Mensch (V22) denkt und will. Mit dem Gesetz der Vernunft will der Mensch das Gute mit Bewußtsein.
24 Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich erretten von diesem Todesleib?1
- Weil der Leib von der Sünde beherrscht wird, ist er auch dem Tod verfallen.
25 Dank sei Gott! Er hat's getan durch Jesus Christus, unseren Herrn!1 So bleibt es denn dabei: Auf meine eigene Kraft gestellt, diene ich mit der Vernunft dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.2
- Durch Christus ist der Wunsch in V24 erfüllt, und der Erlöste kann Gott dafür danken.
- V14-24 beschreibt der Apostel (wie es scheint) aus eigener Erfahrung den Zustand eines Menschen, der einen Zug nach oben, ein Heimweh nach Gott hat, aber selbst aus eigener Kraft (V25) das Gute tun will. Sein aufrichtiges Ringen endet mit dem Klageruf V24. Doch auch der Wiedergeborene wird diese Not fühlen, wenn er dem "fleischlichen" Wesen (V14) wieder Raum gibt und dann mit dem alten Menschen, der wieder auflebt, kämpfen muß. Zu beachten ist, daß Paulus V14-24 von der Gegenwart redet: er weiß, daß auch er die Vollkommenheit noch nicht erreicht hat. Php 3:12-14 Kap. 8 schildert dann der Apostel, was für den Menschen, der in Christi Gemeinschaft fest beharrt, nicht nur möglich, sondern auch wirklich ist. Es scheint, "daß Paulus in 8,1 den Faden von Rö 7:1-6 wieder aufnimmt, jedoch nicht ohne auf Rö 7:7-25 noch mehrfach zurückzublicken".
Chapter 8
1 Klar ist nun: Kein Verdammungsurteil kann jetzt treffen, die in Gemeinschaft stehen mit Christus Jesus.
2 Denn das Gesetz1 des Geistes, der das Leben schenkt in Christus Jesus, das hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.2
- Die Herrschaft.
- Das "Gesetz" ist hier "die Herrschaft" der Sünde (7,23.25), die zum Tod führt (7,24).
3 Denn was für das Gesetz unmöglich war,1 weil seine Kraft gelähmt ward durch das Fleisch,2 das hat Gott selbst vollbracht: Er sandte seinen eigenen Sohn in Ähnlichkeit des Sündenfleisches3 als Opfer für die Sünde.4 So hat er die Sünde im Fleisch5 verurteilt.
- Nämlich die Überwindung der Sünde. vgl. Ga 3:21-22
- Durch die bösen Begierden.
- D.h. zwar frei von der Sünde, aber doch in einer Menschheit, die den Folgen der Sünde, besonders der Leidensfähigkeit und dem Tod, unterworfen war. Heb 4:15, 2Kor 5:21
- Das hier gebrauchte griechische Wort bedeutet in LXX in den Stellen 3Mo 7:37, Ps 40 (39), 7 und in Heb 10:6, geradezu Sündopfer.
- Worin sie bis dahin geherrscht hatte.
4 Nun soll, was das Gesetz verlangt, in uns zustande kommen, wenn wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.1
- Vgl. V2
5 Die Fleischesmenschen trachten nach des Fleisches Gütern, die Geistesmenschen trachten nach des Geistes Gütern.
6 Des Fleisches Trachten bringt den Tod, des Geistes Trachten bringt das Leben und den Frieden.1
- Mit Gott.
7 Des Fleisches Trachten ist ja Feindschaft gegen Gott.1 Denn dem Gesetz Gottes fügt das Fleisch sich nicht, es kann's auch nicht.2
- Der die Quelle des Lebens und des Friedens ist (vgl. V6).
- Weil es ein Knecht der Sünde ist.
8 Die Fleischesmenschen können darum Gott nicht gefallen.
9 Ihr aber seid nicht Fleischesmenschen, sondern Geistesmenschen, wenn wirklich der Geist Gottes in euch wohnt. Wer Christi Geist1 nicht hat, der ist auch nicht sein Eigentum.
- Christi Geist ist der Geist Gottes.
10 Wenn aber Christus in euch wohnt,1 so ist zwar euer Leib dem Tod verfallen um der Sünde willen, doch euer Geist ist voller Leben infolge der Gerechtigkeit.
- Christus wohnt in uns durch den Geist.
11 Wohnt aber dessen Geist in euch, der Jesus von den Toten hat erweckt, so wird, der Christus von den Toten auferweckte, auch eure Leiber, die dem Tod verfallen sind, lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.
12 Darum sind wir, Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, nach dem Fleisch zu leben.
13 Denn lebt ihr nach dem Fleisch, so müßt ihr sterben. Wenn ihr jedoch des Leibes1 böse Triebe durch den Geist2 ertötet, so sollt ihr leben.
- Gemeint ist "der Leib der Sünde" (vgl. 6,6).
- Durch Christi Geist.
14 Denn alle, die von Gottes Geist sich leiten lassen, sind Söhne Gottes.
15 Der Geist, den ihr empfangen, macht euch nicht zu Knechten, so daß ihr wiederum1 euch fürchten müßtet.2 Der Geist, den ihr empfangen, schenkt die Sohneswürde, und im Gebet rufen wir durch ihn: "Abba, unser Vater!"3
- Wie einst im Judentum.
- Wie Sklaven dem Herrn gegenüber.
- Die Sohneswürde oder Kindschaft (genau: die Annahme zu Söhnen Gottes) ist nicht eine bloße Willenserklärung Gottes, sondern eine den Menschen neugestaltende Wirkung Gottes durch den Heiligen Geist. Nach dem römischen Recht wurden Sklaven durch Adoption, d.h. durch Annahme an Kindes Statt, frei. Bei Paulus aber ist die Annahme zu Kindern Gottes, die Erteilung der Sohneswürde, keine Rechtshandlung, sondern eine Wiedergeburt, eine neue Schöpfung, die durch die Taufe stattfindet. Ga 3:26-27 Das erste Gebet nun, das die Neugetauften mit der Gemeinde sprachen, war das Vaterunser, an das wohl in V15 zu denken ist. Das aramäische Wort Abba heißt Vater.
16 Und kein geringerer als dieser Geist bestätigt unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind.
17 Als Kinder sind wir dann auch Erben: Erben Gottes und Miterben Christi.1 Wir müssen aber mit ihm leiden, wenn wir mit ihm verherrlicht werden wollen.
- Miterben seiner Herrlichkeit. Joh 17:24
18 Ich meine nun: Die Leiden dieser Zeit sind gar nicht von Belang, verglichen mit der Herrlichkeit, die sich an uns bald offenbaren soll.
19 Denn wartet nicht die ganze Schöpfung1 gespannt und sehnsuchtsvoll der Stunde, da Gottes Söhne sich enthüllen sollen in ihrer vollen Herrlichkeit?
- Die Schöpfung ist die Welt, die Gott dem Menschen als Wohnstätte und Herrschaftsgebiet übergeben hat, mit allem, was in ihr lebt und webt.
20 Die Schöpfung liegt ja in den Banden der Vergänglichkeit: Nicht nach eigener Wahl, vielmehr durch fremde Schuld.1 Ihr winkt jedoch die Hoffnung,
- Durch die Schuld des Menschen. vgl. 1Mo 3:17
21 da auch sie — die Schöpfung — einst befreit soll werden von des Verderbens Knechtschaft, um teilzunehmen an der Freiheit, die Gottes Kinder mit der Herrlichkeit empfangen sollen.1
- Mit dem Menschen ist die Schöpfung erniedrigt worden, mit dem Menschen soll sie auch erhöht werden.
22 Wir wissen ja: Die ganze Schöpfung ist bis jetzt voll Klageseufzer und harrt mit Schmerzen einer Neugeburt entgegen.1
- Vgl. Mt 19:28, 2Pe 3:12-13; Off 21:1.5.
23 Doch nicht allein sie seufzt. Auch wir, die wir bereits den Geist als Erstlingsgabe1 (der zukünftigen Herrlichkeit) besitzen, auch wir, wir seufzen innerlich und warten sehnsuchtsvoll darauf, in unsere Kindesrechte eingesetzt zu werden und damit auch für unseren Leib Befreiung2 zu erlangen.
- Vgl. 2Kor 1:22, 5:2,5, Ga 5:5, Eph 1:14, 4:30. Zu dem unbewußten Sehnen der Schöpfung kommt das bewußte Sehnen der Kinder Gottes.
- Von den Banden der Sterblichkeit und Vergänglichkeit. 2Kor 5:2,4, Php 3:21, 1Jo 3:2 Diese Befreiung des Leibes ist die Enthüllung der jetzt noch verborgenen Gotteskindschaft.
24 Dies ist das Heil, worauf wir jetzt noch hoffen. Die Hoffnung aber, die man schon erfüllt vor Augen sieht, ist keine Hoffnung mehr. Denn wozu soll man das noch hoffen, was man schon sieht?
25 Wenn wir jedoch auf das noch Unsichtbare hoffen, so warten wir darauf mit Sehnsucht und Geduld.
26 Damit nimmt nun der (Heilige) Geist sich unserer Schwachheit an. Denn um was wir bitten sollen,1 das wissen wir nicht immer recht. Dann eben tritt der Geist selbst für uns ein mit Seufzern, die sich nicht in Worte fassen lassen.2
- Um unserer Sehnsucht nach "Erlösung" (V23) den rechten Ausdruck zu geben.
- Neben das Seufzen der Schöpfung und der Kinder Gottes stellt der Apostel das auf das gleiche Ziel der Vollendung gerichtete Seufzen des Geistes, der in den Kindern Gottes wohnt, sie treibt (V14) und sie namentlich beim Gebet unterstützt (V15).
27 Gott aber, der die Herzen prüft, versteht des Geistes Sprache; denn der tritt ein nach Gottes Willen für die Heiligen.1
- Der Heilige Geist erfleht für die Gläubigen nur das, was Gottes Willen entspricht.
28 Wir wissen ferner: Denen, die Gott lieben, dient alles nur zum Besten, weil sie nach seinem Vorsatz (zum Heil) berufen sind.
29 Denn die er vorher hat erkannt,1 die hat er auch vorherbestimmt, daß sie dem Bild seines Sohnes ähnlich werden;2 denn der soll sein der Erstgeborene unter vielen Brüdern.3
- Als solche, die ihn lieben.
- Vgl. Php 3:21. Aber schon jetzt sollen die Gläubigen dem Bild des Sohnes Gottes ähnlich werden.
- Vgl. Kol 1:18, Heb 1:6.
30 Und die er hat vorherbestimmt,1 die hat er auch berufen.2 Die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht. Die er gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.3
- Und zwar von Ewigkeit.
- Nämlich: in der Zeit durch die Heilsbotschaft.
- Vgl. Joh 17:22. — Der gläubige Christ trägt schon jetzt, wenn auch unsichtbar, die Krone der Herrlichkeit auf seinem Haupt.
31 Was folgt hieraus?1 Ist Gott für uns, wer kann da streiten wider uns?
- Nämlich: aus V28b-30.
32 Der seinen eigenen Sohn nicht hat verschont,1 vielmehr zu unser aller Heil ihn hingegeben, wie sollte der nun mit ihm uns nicht alles schenken?
- Vgl. 1Mo 22:16.
33 Wer wagt es, Gottes Auserwählte zu verklagen? Gott selbst spricht sie ja frei!
34 Wer will sie verdammen?1 Christus Jesus ist gestorben! Noch mehr: Er ist auch auferstanden, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt sogar fürbittend für uns ein!
- Vgl. Jes 50:8-9.
35 Wer kann uns also trennen von der Liebe Christi?1 Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Blöße? Gefahr und Henkerbeil?
- Nichts kann uns die freudige Gewißheit rauben, von Christus geliebt zu werden.
36 Das alles droht uns; denn es steht geschrieben: "Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag dahingemordet. Man sieht uns an wie Schafe, die man schlachtet."1
- Ps 44:23.
37 In all diesen Kämpfen aber siegen wir aufs herrlichste; denn uns hilft er, der uns geliebt!
38 Fürwahr, ich bin gewiß: Nicht Tod noch Leben, nicht Engel noch Gewalten,1 nicht Gegenwart noch Zukunft
- Überirdische Mächte.
39 nicht Kräfte aus der Höhe oder Tiefe,1 nichts in der ganzen weiten Welt wird je uns trennen können von der Liebe Gottes, die wir schmecken in der Gemeinschaft Christi Jesu, unseres Herrn.2
- "Höhe" und "Tiefe" bedeuten vielleicht Himmel und Erde.
- Mit V38.39 vgl. Ps 73:23-26. — Und doch: die Mehrheit des jüdischen Volkes schloß sich von dieser Liebe aus! Das bedurfte einer Erklärung, namentlich judenchristlichen Lesern gegenüber. Paulus gibt diese Erklärung in den drei folgenden Kapiteln (9-11), worin er über Israels zeitweilige Verstockung und endliche Bekehrung redet.
Chapter 9
1 Ich rede die Wahrheit als einer, der mit Christus in Gemeinschaft steht; ich lüge nicht. Mein durch den Heiligen Geist erleuchtetes Gewissen zeugt für mich, wenn ich hier beteuere:
2 Ich habe tiefe Traurigkeit, und ein steter Gram nagt an meinem Herzen.1
- Auf das freudige Siegeslied 8,31-39 folgt ganz ohne Übergang und darum desto erschütternder in 9,1ff. der Ausdruck tiefster Betrübnis.
3 Ja ich habe oft zu Gott gefleht, er möge mich aus der Gemeinschaft Christi stoßen und dem Verderben überliefern, wenn das zur Rettung meiner Brüder, meiner irdischen Stammverwandten, dienen könne.1
- Während der Apostel von seinen judenchristlichen Gegnern beschuldigt wurde, er habe kein Herz für Israel, ja er wünsche dem ungläubigen jüdischen Volk Gottes Strafgericht, Rö 3:8, 1Th 2:15-16 erklärt er diesen Lästerungen gegenüber, er habe sogar den (freilich unerfüllbaren) Wunsch gehabt, vgl. Ps 49:8-9 aus Christi Gemeinschaft verstoßen zu werden, wenn sein unglückliches Volk dadurch in Christi Gemeinschaft eingehen könne. vgl. 2Mo 32:31-33
4 Sie tragen den Ehrennamen Israeliten. Sie haben die Sohneswürde.1 In ihrer Mitte ist des Herrn Herrlichkeit erschienen.2 Ihnen sind die (göttlichen) Verordnungen zuteil geworden.3 Sie haben das Gesetz, den Gottesdienst und die Verheißungen empfangen.
- Das ganze Israel heißt Gottes erstgeborener Sohn. 2Mo 32:19, Jes 1:2, 63:16
- Vgl. 2Mo 14:19-24, 33:22, 40:34-35, 4Mo 9:15, 1Kön 8:11.
- Außer den Verordnungen am Sinai ist hier auch an die Verheißungen für die Erzväter 1Mo 17:2,19, 26:1-5, 28:10-12 sowie für David und sein Haus zu denken; 2Sa 7:8-29, Jes 55:3 vgl. Eph 2:12.
5 Ihnen gehören die Erzväter an.1 Aus ihnen ist der Messias seiner Menschheit nach hervorgegangen —, der da ist Herr über alles und als Gott zu preisen in Ewigkeit. Amen.
- Abraham, Isaak und Jakob; auch David wird Erzvater genannt. Apg 2:29
6 Damit1 will ich aber nicht sagen, daß Gottes Zusage2 hinfällig geworden wäre.3 Denn nicht alle, die von Israel4 stammen, gehören zu dem (wahren) Israel.
- Daß ich auf Israels Verstockung gegen die Heilsbotschaft hinweise.
- Die Israel zuteil geworden ist.
- Weil nämlich ein Teil des Volkes das messianische Heil nicht erlangt hat.
- D.h. wahrscheinlich: von Jakob. vgl. 1Mo 32:29
7 Heißen doch auch nicht alle Nachkommen Abrahams ausnahmslos seine Kinder, sondern: "Nur Isaaks Kinder sollen deine Nachkommen1 heißen."2
- Und damit Erben der Verheißung.
- 1Mo 21:12.
8 Also: nicht die leiblichen Nachkommen Abrahams1 sind damit auch schon Kinder Gottes,2 sondern nur die Kinder der Verheißung3 werden als Abrahams echte Nachkommen betrachtet.4
- D.h. die Nachkommen Hagars.
- Vgl. Joh 8:41.
- D.h. die Nachkommen Saras.
- Vgl. Ga 4:23.
9 Denn es ist ein Verheißungswort: Um diese Zeit will ich wiederkommen, dann soll Sara einen Sohn haben.1
- 1Mo 18:10,14.
10 Und ganz dasselbe gilt auch bei Rebekka.1 Sie war guter Hoffnung von einem Mann, unserem Vater Isaak.
- Auch hier zeigte es sich, daß die leiblichen Nachkommen des Trägers der Verheißung (in diesem Fall: die Nachkommen Isaaks) noch nicht Erben des göttlichen Segens waren.
11 Als aber die Kinder noch nicht geboren waren und folglich auch noch nichts Gutes oder Böses getan hatten, schon da traf Gott eine Auswahl.
12 Die blieb in voller Kraft und hing nicht ab von dem Verhalten des Menschen, sondern von dem Willen des Berufenden. Darum erging auch an Rebekka des Wort: Der Ältere soll dem Jüngeren dienstbar sein.1
- 1Mo 25:23.
13 Und anderswo steht geschrieben: Jakob habe ich geliebt, und Esau habe ich gehaßt.1
- Mal 1:2-3. Hassen heißt hier nicht: verwerfen, sondern es steht nur im Gegensatz zu der bevorzugten Stellung, die Gott Jakob und seinen Nachkommen verliehen hat.
14 Was folgt hieraus? Gibt's etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Nimmermehr!
15 Zu Mose sagt er ja: Ich werde gnädig sein, wem ich will, und mich erbarmen, wes ich will.1
- 2Mo 33:19. Wenn Gott bestimmte Menschen zu einem besonderen heilsgeschichtlichen Beruf erwählt, so hat diese Erwählung nichts zu tun mit dem Verhalten der Menschen, sondern sie ist einzig begründet in Gottes gnädigem Willen. Dagegen das Endschicksal der einzelnen Menschen im Weltgericht hängt ausschließlich ab von ihrem Verhalten hier in dieser Zeit. 2:6, 2Kor 5:10 Es ist also ein gefährliches Mißverständnis, wenn man meint, der Apostel wolle hier (V11ff.) die Frage erörtern, welche Menschen zur Seligkeit gelangen und welche nicht.
16 Demnach kommt es nicht an auf menschliches Wollen oder Laufen,1 sondern auf Gottes Erbarmen.
- Bild von der Rennbahn. Ga 2:2, 5:7, 1Kor 9:24, Php 2:16, 2Ti 4:7
17 Sagt doch die Schrift zu Pharao: Gerade darum habe ich dich zum König bestellt, um an dir meine Macht zu erweisen und meinen Namen auf der ganzen Erde kundzumachen.1
- 2Mo 9:16.
18 Also: Gott ist gnädig, wem er will, und verstockt, wen er will.1
- In der Leitung der Geschichte und in der Verwendung der Menschen für seinen großen Reichsplan ist Gottes Wille von dem Wollen und Tun der Menschen ganz unabhängig. Das ist der Sinn dieser Worte. Nicht aber ist hier von einer Gnade Gottes die Rede, wodurch der einzelne Mensch selig wird, oder von einer Verstockung, wodurch er unfähig wird, das ihm angebotene Heil im Glauben zu ergreifen.
19 Nun kannst du mir einwenden: "Wie kann Gott dann1 noch jemand tadeln?2 Kann man denn seinem Willen widerstehen?"
- Wenn er selbst den Sünder verstockt oder verhärtet.
- Der Gottes Gnade nicht annimmt.
20 O Mensch, wer bist du, daß du Gott widersprechen willst? Darf etwa das Bild zu seinem Bildner sagen: Warum hast du mich gerade so gemacht?1
- Vgl. Jes 29:16, 45:9.
21 Hat der Töpfer nicht freie Verfügung über seinen Ton?1 Kann er nicht aus derselben Masse verschiedene Gefäße bilden — das eine zur Zier, das andere zum gewöhnlichen Gebrauch?
- Vgl. Jer 18:6.
22 Was willst du nun sagen, wenn Gott, obwohl er einst sein Zorngericht offenbaren und seine Macht erweisen will, zum Verderben reife Zorngefäße dennoch bisher in großer Langmut getragen hat,
23 und zwar deshalb, um zu gleicher Zeit den Reichtum seiner Herrlichkeit zu zeigen an Gefäßen des Erbarmens, die er vorbereitet hat für die zukünftige Herrlichkeit?1
- Die Zorngefäße sind die ungläubigen Juden. Über sie kam das Gericht in der Zerstörung Jerusalems (70 n.Chr.). Dies Gericht (sagt Paulus) hält Gott in Langmut zurück, um während dieser Zeit der Geduld gegen das ungläubige jüdische Volk aus Juden und Heiden eine Gemeinde zu sammeln und sie vorzubereiten für die zukünftige Herrlichkeit.
24 Und sind wir nicht solche Gefäße?1 Gerade dazu2 hat er uns berufen3 nicht nur aus den Juden, sondern auch aus den Heiden.
- Nämlich: Gefäße des Erbarmens.
- Gefäße des Erbarmens zu sein.
- Die Berufung ist der erste Schritt zu der zukünftigen Herrlichkeit (vgl. 8,30).
25 Darum spricht Gott bei Hosea: Was nicht mein Volk ist, das will ich mein Volk nennen, und die nicht Geliebte soll Geliebte heißen.
26 Ja, an dem Ort, wo zu ihnen gesagt worden ist: "Ihr seid nicht mein Volk", da sollen sie Söhne des lebendigen Gottes heißen.1
- Hos 2:23, 2:1. — Hos 2:23 redet nach dem Wortsinn nicht von der Annahme der Heiden zu Gottes Volk, sondern von der Wiederannahme und Begnadigung der götzendienerischen zehn Stämme. Die Ausdrücke: "Nicht mein Volk" und "die nicht Geliebte" beziehen sich auf die sinnbildlichen Namen eines Sohnes und einer Tochter des Propheten Hosea, die das verstoßene Volk der zehn Stämme bezeichnen soll. Hos 1:6-9 "An dem Ort" geht vielleicht auf die Länder der Heiden, wohin Israel für eine Zeitlang weggeführt werden sollte: noch in der Verbannung sollte Israel in die Würde des Gottesvolkes wiedereingesetzt werden.
27 Und Jesaja ruft über Israel aus: Wären auch die Kinder Israels so zahlreich wie der Meeressand, so soll doch der Überrest1 errettet werden.
- Ein gläubiger Überrest.
28 Denn der Herr will sein Strafurteil in Kürze vollstrecken auf der Erde.1
- Nach Jes 10:22-23. Die ungläubigen Juden, die Zorngefäße, die der Herr so lange in Langmut getragen hat, werden endlich von dem gerechten Strafgericht ereilt werden.
29 Und — wie Jesaja vorhergesagt hat —: Hätte uns der Herr der Heerscharen nicht ein Saatkorn1 übriggelassen, so wäre es uns ergangen wie Sodom, und wir hätten Gomorras Schicksal geteilt.2
- "Ein Saatkorn" des wahren Israel.
- Jes 1:9.
30 Was folgt nun hieraus? Heiden, die nicht nach Gerechtigkeit gestrebt, haben Gerechtigkeit erlangt: nämlich die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.
31 Israel aber, das durch Erfüllung des Gesetzes Gerechtigkeit erlangen wollte, hat dies von dem Gesetz gesteckte Ziel nicht erreicht.
32 Und warum nicht? Weil es dies Ziel nicht erreichen wollte durch Glauben, sondern durch Werke.
33 Darum hat es sich auch gestoßen an dem Stein des Anstoßes,1 wie geschrieben steht: Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Strauchelns; wer auf ihn vertraut, der soll nicht zuschanden werden.2
- D.h. an dem Messias, dessen Erscheinen in Armut und Niedrigkeit dem fleischlichen Sinn Israels mißfiel.
- Jes 8:14, 28:16.
Chapter 10
1 Brüder, von ganzem Herzen sehne ich mich nach ihrer Rettung1 und bete auch deshalb für sie zu Gott.
- Nach der Rettung der Israeliten.
2 Ich muß ihnen ja das Zeugnis geben, daß sie Eifer haben für Gott; doch es fehlt ihnen dabei die rechte Erkenntnis.1
- Die Ursache dafür lag in ihrer fleischlichen Willensrichtung (V3).
3 Denn weil sie Gottes Gerechtigkeit verkannten und nur darauf bedacht waren, ihre eigene Gerechtigkeit geltend zu machen, darum haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.1
- Das ist aber Auflehnung gegen Gott, denn Christus hat dem Gesetz ein Ende gemacht.
4 Christus hat dem Gesetz ein Ende gemacht, damit Gerechtigkeit empfange jeder,1 der da glaubt.
- Jude und Heide.
5 Mose schreibt von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt: Der Mensch, der des Gesetzes Vorschriften erfüllt, wird dadurch leben.1
- 3Mo 18:5.
6 Aber die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt, spricht so: Du darfst nicht sagen in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? — um Christus von dort herabzuholen —
7 oder: Wer wird in die Unterwelt hinabsteigen? — um Christus von den Toten heraufzuholen1 —.
- 5Mo 30:12-13. V13 wird von Paulus durch eine andere Frage ersetzt. Der Messias (das ist der Sinn der Stelle) ist schon erschienen; er braucht also nicht erst aus dem Himmel oder aus dem Totenreich geholt zu werden. So war auch einst zu Moses Zeit den Israeliten das Gesetz schon gegeben; sie konnten sich deshalb nicht damit entschuldigen, das Gesetz sei ihnen noch unbekannt, und es müsse ihnen aus dem Himmel oder aus einem entlegenen Land erst noch gebracht werden.
8 Was sagt ihr1 vielmehr? Das Herz ist dir nahe; es ist in deinem Mund und in deinem Herzen:2 das Wort, das Glauben fordert, und das wir verkündigen.3
- Die Glaubensgerechtigkeit.
- 5Mo 30:14.
- Statt auf den Messias selbst wird auf die apostolische Verkündigung von dem Messias hingewiesen. Diese ist durchaus nicht fern oder schwer erreichbar; denn die Heilsbotschaft kommt, wie in V9 gesagt wird, dem Hörer, der sie nicht von sich weist, so nahe als möglich und legt ihm damit das Heil und den Heiland in Herz und Mund.
9 Bekennst du nämlich mit deinem Mund Jesus als den Herrn und glaubst du mit deinem Herzen, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden.
10 Denn mit dem Herzen glaubt man und erlangt dadurch Gerechtigkeit, und mit dem Mund bekennt man und erlangt dadurch Errettung.1
- "Das Evangelium wirkt zuerst im Herzen den Glauben und dann im Mund das Bekenntnis. Die endliche Errettung ist eine Folge des im Leben bewährten Glaubens, und der grundlegende Anfang der Glaubensbewährung ist das offene Bekenntnis des Mundes zu Jesus als dem Herrn." (Th. Zahn.)
11 Sagt doch die Schrift: Alle, die an ihn glauben, sollen nicht zuschanden werden.1
- Jes 28:16.
12 Denn1 hier gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Sie alle haben denselben Herrn,2 und der ist unendlich gnädig gegen alle, die ihn anrufen.
- Mit "denn" wird das "alle" in V11 begründet.
- Christus.
13 Denn: Alle, die den Namen des Herrn anrufen, sollen errettet werden.1
- Joe 3:5.
14 Wie können sie ihn aber anrufen, ohne an ihn zu glauben?1 Und wie können sie glauben, ohne von ihm gehört zu haben? Wie können sie ferner (von ihm) hören ohne Prediger?
- Wörtlich: "ohne in ihn εις ον zu glauben," d.h. ohne durch den Glauben in ihn eingepflanzt zu sein (vgl. im Grundtext Ga 2:16, Php 1:29, Kol 2:5).
15 Und wie kann jemand predigen, ohne dazu gesandt zu sein? Darum steht auch geschrieben: Wie lieblich sind die Füße derer, die gute Botschaft bringen!1
- Jes 52:7. In dieser Stelle ist zunächst die Rede von jener Botschaft, wodurch dem jüdischen Volk die Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft verkündigt wird. Der Apostel bezieht dann diese Worte weiter auf die Verkündigung der Heilsbotschaft.
16 Doch nicht alle1 haben die Heilsbotschaft im Glauben aufgenommen. Denn Jesaja spricht: Herr, wer hat unserer Predigt geglaubt?2
- "Nicht alle" Juden.
- Jes 53:1.
17 Mithin kommt der Glaube aus der Predigt, und die Predigt geschieht in Christi Auftrag.
18 Doch — so frage ich — haben sie1 vielleicht die Predigt nicht vernommen? O freilich, denn: Über die ganze Erde ist die Stimme der Prediger erschallt, und ihre Worte sind gedrungen bis ans Ende der Welt.2
- Die Juden.
- Ps 19:5. Da die Stimme der Prediger der Heilsbotschaft bis ans Ende der Welt gedrungen ist, so haben selbstverständlich auch die Juden die Botschaft von Christus vernommen. — In der Psalmstelle ist aber nicht von der Verkündigung der Heilsbotschaft die Rede, sondern von der Offenbarung Gottes in den Werken der Schöpfung.
19 Aber — so frage ich weiter — hat Israel vielleicht die Predigt nicht verstanden? O gewiß; denn schon Mose spricht: Durch ein Volk, das kein Volk ist, will ich eure Eifersucht erregen, durch ein unverständiges Volk will ich euch erbittern.1
- 5Mo 32:21. Die Heiden sind "kein Volk," weil sie nicht wie Israel im Bund mit Gott stehen; sie sind "unverständig" in göttlichen Dingen.
20 Und Jesaja sagt frei und offen: Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht gesucht; ich bin bekannt geworden denen, die nicht nach mir gefragt.1
- Jes 65:1.
21 Von Israel aber spricht er: Den ganzen Tag habe ich meine Arme (liebend) ausgestreckt nach einem Volk, das voll Ungehorsam ist und Widerspruch.1
- Jes 65:2. Die Verse 19-21 antworten auf den zweiten möglichen Einwand, daß Israel vielleicht deshalb nicht geglaubt habe, weil ihm die Predigt der Heilsbotschaft unverständlich geblieben sei (V19). Wenn schon Heiden, die nicht im Bund mit Gott stehen und in göttlichen Dingen unverständig sind, ja die Gott nicht suchten noch nach ihm fragten, dennoch die Botschaft von Christus verstanden haben, sollte da Israel das nötige Verständnis für diese Botschaft gefehlt haben? Nein, nicht Mangel an Verständnis ist die Ursache für Israels Unglauben, sondern Ungehorsam und hartnäckiges Widerstreben gegen Gottes Liebeswillen: das Volk hat nicht gewollt. Hat nun Gott das Volk deshalb verstoßen? Auf diese Frage antwortet Kap. 11.
Chapter 11
1 Ich frage nun: Hat Gott sein Volk verstoßen?1 Nimmermehr! Ich bin doch auch ein Israelit,2 entsprossen aus Abrahams Geschlecht, aus dem Stamm Benjamin.
- Ps 94:4.
- Paulus selbst ist ein Beispiel für Gottes Barmherzigkeit gegen Israel: vgl. 1Ti 1:16 denn hätte Gott Israel in seiner Gesamtheit verstoßen, so könnte sich auch kein einziger Israelit zu Christus bekehren.
2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er sich einst zum Eigentum erwählt. Wißt ihr nicht, was die Schrift in der Geschichte von Elia sagt? Der klagt vor Gott über Israel:
3 Herr, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre umgestürzt; ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten mir nach dem Leben.1
- 1. Kön. 19,10.
4 Doch wie lautet Gottes Antwort? Ich habe mir 7000 Männer erhalten, die nie ihre Knie gebeugt haben vor Baal.1
- 1. Kön. 19,18.
5 Ebenso gibt's auch heute einen (treuen) Überrest, den Gottes Gnade auserwählt hat.
6 Ist aber hier die Gnade ausschlaggebend, dann können keine Werke dabei in Frage kommen. Sonst wäre ja die Gnade keine Gnade mehr.
7 Wie steht's also? Was Israel erstrebt, das hat es (als Gesamtheit) nicht erlangt. Nur die Auserwählten haben es erlangt. Die anderen aber sind verstockt,
8 wie geschrieben steht: Gott hat ihnen einen Geist der Schläfrigkeit gegeben — Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören — bis auf den heutigen Tag.1
- Vgl. Jes 29:10, 5Mo 29:3.
9 Und David sagt: Ihr Tisch1 soll ihnen zur Schlinge werden und zum Strick, zur Falle und zur Vergeltung!2
- Sind mit dem Tisch das Gesetz und seine Werke gemeint?
- "Zur Vergeltung" dafür, daß sie das Heil in Christus verworfen haben.
10 Ihre Augen sollen sich verdunkeln, daß sie nicht sehen; und ihre Rücken beuge immerdar!1
- Nämlich: in geistlicher Knechtschaft. Ps 69:23-24.
11 Ich frage nun: Sind sie deshalb gestrauchelt, um ins Verderben zu fallen? Nimmermehr! Sondern durch ihren Fehltritt1 ist das Heil zu den Heiden gekommen,2 damit sie dadurch gereizt würden, auch selbst das Heil zu suchen.
- Gemeint ist die Verwerfung der Heilsbotschaft durch die Juden.
- Vgl. Apg 13:46.
12 Hat nun aber schon der Fehltritt der Juden die Welt reich gemacht,1 und hat schon die kleine Zahl, die aus ihrer Mitte gläubig geworden ist, den Heiden solchen Segen zugeführt, wie groß wird da erst der Segen für die Heiden sein, wenn sich einst die Vollzahl der Juden bekehrt?2
- Der Unglaube der Juden war die Ursache, daß den Heiden die Frohe Botschaft verkündigt wurde.
- Wenn sich Israel einst als Volk zu Christus bekehrt, dann soll es in dem kommenden Friedensreich die Heiden zu der Erkenntnis der Wahrheit führen.
13 Jetzt wende ich mich an euch, ihr Heidenchristen.1 Gerade ich bin ja in besonderem Sinn Heidenapostel. Aber es ist doch auch eine Ehre für mein Amt,
- Von hier bis zum Schluß des Kapitels wendet sich der Apostel an die heidenchristliche Minderheit der römischen Gemeinde.
14 wenn ich versuche, in (meinen Landsleuten,) meinem Fleisch und Blut, den Eifer (für die Frohe Botschaft) zu wecken und wenigstens einige von ihnen zum Heil zu führen.
15 Denn hat schon ihre Verwerfung der Heidenwelt (die Wohltaten der) Versöhnung gebracht,1 was wird dann ihre Wiederannahme mit sich bringen? Nichts anderes als die Auferstehung aus den Toten.2
- Vgl. 2Kor 5:18-20.
- Wörtlich: "Leben aus Toten." Das scheint auf die erste Auferstehung zu gehen. Wenn Jesus zu seinem Volk Israel kommt, wird es sich zu ihm bekehren; Mt 23:39 bei Christi Wiederkunft aber werden ja auch die Toten, die in ihm ruhen, auferstehen. 1Th 4:16, 1Kor 15:23
16 Ist das Erstlingsbrot heilig, so ist auch der ganze Teig heilig;1 und ist die Wurzel heilig, dann sind es auch die Zweige.2
- 4Mo 15:17-21.
- Das Erstlingsbrot und die Wurzel sind vielleicht die Stammväter des Volkes Israel, namentlich Abraham. Weil Gott die Erzväter erwählt und ihnen seine Verheißungen geschenkt hat, darum sollen auch ihre Nachkommen des messianischen Heils teilhaftig werden.
17 Sind aber einige Zweige abgebrochen, und bist du1 als Zweig eines wilden Ölbaums an ihrer Stelle eingepfropft worden und hast nun Anteil an der Wurzel und dem Saft des edlen Ölbaums:
- "Du" Heidenchrist.
18 so erhebe dich nicht in Hochmut über die (abgehauenen) Zweige!1 Erhebst du dich trotzdem, so bedenke: nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.
- Die abgehauenen Zweige sind die ungläubigen Juden.
19 Du kannst nun sagen: "Die Zweige sind abgebrochen worden, weil ich eingepfropft werden sollte."
20 Ganz recht! Sie sind wegen ihres Unglaubens abgebrochen worden; und du stehst an ihrer Stelle, weil du glaubst. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!
21 Denn hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, so könnte er vielleicht dich auch nicht verschonen.1
- Wenn du vom Glauben abfällst.
22 So schau denn hin auf Gottes Güte und auf Gottes Strenge! Gegen die Gefallenen1 offenbart sich Gottes Strenge. An dir aber erweist sich seine Güte, wenn du im Guten treu verharrst. Sonst wirst du auch abgehauen.
- Die Gefallenen sind die ungläubigen Juden.
23 Umgekehrt sollen jene,1 wenn sie nicht im Unglauben verharren, wieder eingepfropft werden. Denn Gott hat die Macht, sie wieder einzupfropfen.
- Die ungläubigen Juden.
24 Bist du herausgeschnitten aus dem wilden Ölbaum, dem du ursprünglich angehörst, und im Widerspruch mit deiner Herkunft einem edlen Ölbaum eingepfropft worden: wieviel leichter können diese1 ihrem angestammten Ölbaum, dem sie ursprünglich als Zweige angehören, wieder eingepfropft werden!
- Die ungläubigen Juden, wenn sie sich zu Christus bekehren.
25 Damit ihr euch nicht selbst für weise haltet,1 liebe Brüder, will ich euch hier Kunde geben über ein Geheimnis: Verstockung ist über einen Teil von Israel gekommen, und die wird so lange währen, bis der Heiden Vollzahl (in der Kirche) eingegangen ist.
- Sinn: damit ihr Heidenchristen in eurer vermeintlichen Weisheit nicht verkehrt über die Juden urteilt.
26 Dann wird ganz Israel gerettet werden,1 wie geschrieben steht: Es wird aus Zion kommen der Erretter,2 der wird von Jakob wegtun das gottlose Wesen.
- Sinn: dann wird sich Israel als Volk zu Christus bekehren und das ihm zugedachte messianische Heil empfangen.
- Der Erretter ist der Messias.
27 So will ich einen Bund mit ihnen schließen, wenn ich hinweggenommen habe ihre Sünden.1
- Frei nach Jes 59:20-21, 27:9.
28 Weil die Juden zur Zeit gegen die Heilsbotschaft verstockt sind, stehen sie Gott feindlich gegenüber, und das kommt euch zugute.1 Weil sie aber auserwählt sind, werden sie noch immer um der Väter willen von Gott geliebt.2
- Denn den Heiden wurde die Heilsbotschaft verkündigt, weil die Juden diese voll Feindschaft zurückwiesen.
- V28 ist frei übersetzt.
29 Denn Gott nimmt seine Gnadengaben und Berufung nicht zurück.
30 Wie ihr1 einst ungehorsam gegen Gott gewesen seid, nun aber sein Erbarmen erfahren habt zu einer Zeit, wo sie2 ungehorsam sind:
- "Ihr" Heidenchristen.
- Die Juden. — Ich setze in V31 νυν hinter ουτοι und streiche νυν vor ελεηθωσιν.
31 so sind sie1 jetzt ungehorsam zu einer Zeit, wo ihr Barmherzigkeit erfahrt, damit auch sie2 dereinst Erbarmen finden.
- Die Juden.
- Die Juden.
32 Denn Gott hat sie1 als Volk2 in den Kerker des Unglaubens eingeschlossen, um sich (einst) des ganzen Volkes zu erbarmen.3
- Die Juden.
- Wörtlich: "sie alle".
- Wenn es sich zu Christus bekehrt (vgl. V26).
33 Wie unergründlich tief ist Gottes Gnadenfülle, Weisheit und Erkenntnis!1 Wie unerforschlich sind seine Gerichte,2 wie unbegreiflich seine Wege!
- In seiner Weisheit wendet Gott alle Mittel zweckmäßig an; in seiner Erkenntnis hat er eine vollkommene Einsicht in das Wesen aller Menschen, Dinge und Verhältnisse.
- Die sich in Israels Verstockung offenbaren.
34 Denn: Wer hat des Herrn Sinn verstanden? Und wer hat ihn beraten?1
- Jes 40:13.
35 Wer hätte ihm etwas geschenkt, was ihm vergolten werden müßte?1
- Hio 41:3.
36 Von ihm, durch ihn, für ihn sind alle Dinge. Ihm sei Lobpreis in Ewigkeit! Amen.
Chapter 12
1 Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, weiht Gott aus Dankbarkeit für seine Erbarmung euern Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer! So verrichtet ihr einen geistlichen Gottesdienst.1
- Im Gegensatz zu den äußerlichen Gebräuchen des jüdischen Gottesdienstes.
2 Bildet euch nicht nach den Grundsätzen dieser Weltzeit! Nehmt vielmehr ein anderes Wesen an, indem sich euer Sinn erneuert! Dann könnt ihr auch recht beurteilen, was Gottes Wille ist, oder mit anderen Worten: was gut ist, gottgefällig und vollkommen.
3 Kraft der mir geschenkten Gnade1 warne ich jeden von euch, höher von sich zu denken, als sich ziemt. Jeder denke vielmehr bescheiden von sich, ganz nach dem Maß seines Glaubens, das Gott ihm zugeteilt.
- Gemeint ist die Gnade des Apostelamts.
4 Denn wie wir in einem Leib viele Glieder haben, alle Glieder aber nicht denselben Dienst verrichten:
5 so bilden wir auch trotz unserer Vielheit einen Leib in der Gemeinschaft Christi; doch dabei ist jeder des anderen Glied.
6 Nach dem Maß der uns geschenkten Gnade haben wir auch verschiedene Gnadengaben.
7 Wer Weissagung hat, der übe sie nach der Richtschnur des Glaubens aus! Hat jemand ein Kirchenamt, der bewähre sich darin: der Lehrer betätige sich im Lehren,
8 der Seelsorger1 in der Seelsorge; wer (Liebesgaben) austeilt, der sei unparteiisch; wer als Vorsteher dient, der zeige Eifer; wer Werke der Barmherzigkeit übt, der tue es mit freudigem Sinn!
- Wörtlich: der Ermahnende.
9 Habt (alle Menschen) aufrichtig lieb! Habt Abscheu vor dem Bösen und Eifer für das Gute!
10 Kommt einander in herzlicher Bruderliebe entgegen! Gebt einander ein gutes Vorbild in gegenseitiger Wertschätzung!
11 In euerm Eifer seid nicht träge! Glüht im Geist! Dient dem Herrn!
12 Seid fröhlich in der Hoffnung,1 bleibt standhaft in Trübsal, haltet an am Gebet!
- Auf die zukünftige Herrlichkeit.
13 Helft eifrig mit an der Unterstützung der Heiligen!1 Übt fleißig Gastfreundschaft!
- Sind hier vielleicht besonders die armen Christen in Jerusalem gemeint, für die Paulus gerade damals in seinen Gemeinden Liebesgaben sammelte? (Vgl. 15,25ff.).
14 Segnet eure Verfolger, segnet und flucht nicht!
15 Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden!1
- Vgl. Sir 7:34.
16 Lebt in Eintracht miteinander! Strebt nicht nach hohen Dingen, sondern zieht mit den Geringen dieselbe Straße!
17 Halt euch nicht selbst für klug!1 Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid bedacht auf das, was in den Augen aller Menschen gut und edel ist!2
- Spr 3:7.
- Spr 3:4.
18 Lebt wo möglich, soviel an euch liegt, mit allen Menschen in Frieden!
19 Schafft euch nicht selbst Recht, Geliebte, sondern überlaßt das dem Zorngericht (Gottes)! Denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.1
- 5Mo 32:35.
20 Darum: Hungert deinen Feind, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn! Tust du das, so sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt.1
- Spr 25:21-22. Deine Liebesgaben werden deinem Feind auf der Seele brennen; er wird sich seines Hasses schämen und sich mit dir versöhnen.
21 Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!1
- Mit Wohltaten der Liebe. So gehst du als Sieger hervor aus dem Kampf mit dem Bösen.
Chapter 13
1 Jeder unterwerfe sich den herrschenden Gewalten! Denn es gibt keine obrigkeitliche Gewalt, die nicht von Gott wäre; sondern die bestehenden Obrigkeiten sind von Gott verordnet.
2 Wer sich also der Obrigkeit widersetzt, der lehnt sich gegen Gottes Ordnung auf. Und solche Empörer ziehen sich selbst gerechte Strafe zu.
3 Denn die Gewalthaber sind nicht ein Schrecken für gute Taten, sondern für böse. Willst du nicht in Schrecken leben vor der Obrigkeit? So handle gut! Dann erntest du Lob von ihr.
4 Denn sie ist Gottes Dienerin zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Richtschwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin, die den Übeltäter strafen soll.
5 Ihr müßt deshalb (der Obrigkeit) gehorsam sein, nicht nur aus Furcht vor Strafe, sondern auch aus Gewissenspflicht.
6 Darum entrichtet auch die Steuern!1 Denn die Träger der Gewalt sind Gottes Diener,2 und als solche sollen sie beharrlich tätig sein.
- Betätigt durch die Entrichtung der Steuern euern Gehorsam gegen die Obrigkeit! Gerade die Judenchristen konnten leicht geneigt sein, einer heidnischen Obrigkeit nur mit Widerwillen Abgaben zu bezahlen. vgl. Mt 22:17
- Darum müssen auch die Untertanen, die den Schutz des Staates genießen, durch Entrichtung der Steuern der Obrigkeit die Mittel geben, ihren Dienst auszurichten.
7 So gebt denn jedem, was ihm zukommt: Gebt Steuern dem, der darauf Anspruch hat; gebt Zoll dem, der ihn fordern darf; erweist Ehrfurcht, wem sie zukommt, und Achtung, wem sie gebührt!
8 Bleibt niemand etwas schuldig als die gegenseitige Liebe!1 Wer Liebe übt, der hat auch sonst das Gesetz erfüllt.
- Die Liebesschuld kann niemals abgetragen werden.
9 Denn die Gebote: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht morden, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren"1 und all die anderen Gebote, die werden kurz zusammengefaßt in der Vorschrift: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!2
- 2Mo 20:13-17, 5Mo 5:16-21.
- 3Mo 19:18.
10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Darum ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
11 Diese Ermahnung gebe ich euch, weil ihr ja wißt, in welcher Zeit wir leben: Die Stunde ist nun da, wo ihr vom Schlaf erwachen müßt. Denn jetzt ist uns die Errettung1 näher als damals, wo wir zum Glauben gekommen sind.
- Die Errettung tritt ein bei der Zukunft des Herrn.
12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.1 Darum laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!
- "Die Nacht" der gegenwärtigen Weltzeit ist zu Ende, wenn mit der Erscheinung Christi, der Sonne der Gerechtigkeit, "der Tag" anbricht.
13 Laßt uns ehrbar wandeln wie am hellen, lichten Tag: nicht in Schwelgerei und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Streit und Eifersucht!
14 Zieht vielmehr den Herrn Jesus Christus an und pflegt den Leib nicht so, daß böse Begierden erwachen!
Chapter 14
1 Des Glaubensschwachen nehmt euch freundlich an, ohne über abweichende Ansichten mit ihm zu streiten!
2 Der eine meint, er dürfe alles essen; der Schwache lebt nur von Pflanzenkost.
3 Wer alles ißt, der soll den nicht verachten, der bestimmte Speisen meidet. Andererseits darf jemand, der bestimmte Speisen meidet, den, der alles ißt, nicht (als Sünder) verurteilen. Gott hat ihn ja in seine Gemeinschaft aufgenommen.
4 Wer bist du denn, daß du den Diener eines fremden Herrn richten willst? Mag er feststehen oder fallen, das geht doch nur seinen Herrn1 an. Aber er wird feststehen; denn sein Herr ist stark genug, ihn aufrechtzuerhalten.
- Christus.
5 Der eine hält einen Tag heiliger als den anderen;1 der andere achtet alle Tage gleich. Jeder handle hier nach seiner Überzeugung!
- Hier ist wahrscheinlich von dem Sabbat und anderen jüdischen Fest- oder Fasttagen die Rede.
6 Wer einen Tag vor dem anderen auszeichnet, der tut das dem Herrn zu Ehren. Und wer alles ohne Unterschied ißt, der tut es auch dem Herrn zu Ehren: er dankt ja Gott für die Speise.1 Wer nicht alles ißt, der tut es ebenso zur Ehre des Herrn, und er dankt Gott auch (für die Speise).
- Er dankt in dem Tischgebet.
7 Denn keiner von uns lebt für sich, und keiner stirbt für sich.
8 Leben wir, so leben wir für den Herrn; sterben wir, so sterben wir für den Herrn. Im Leben und im Sterben sind wir des Herrn Eigentum.
9 Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.
10 Mit welchem Recht richtest du über deinen Bruder? Oder mit welchem Recht verachtest du deinen Bruder? Wir alle müssen ja dereinst erscheinen vor Gottes Richterstuhl.
11 Denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, vor mir soll jedes Knie sich beugen, und jede Zunge soll Gott preisen.1
- Jes 45:23.
12 Mithin wird jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen müssen.
13 Laßt uns deshalb nicht mehr einander richten! Nehmt euch vielmehr vor, dem Bruder keinen Anstoß oder Ärgernis zu geben!
14 - Durch den Herrn Jesus belehrt, habe ich die feste Überzeugung, daß nichts an und für sich unrein ist. Wer aber etwas für unrein ansieht, für den ist es dann auch unrein —.
15 Denn wenn du deinen Bruder durch den Genuß einer Speise betrübst,1 so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Bring ihn nicht durch dein Essen ins Verderben!2
- Weil der Bruder diese Speise für unrein hält.
- Verleite ihn nicht durch dein Beispiel, auch von der Speise zu essen, obwohl er sie für unrein hält, und dadurch gegen seine Überzeugung zu handeln.
16 Gebt eure heiligsten Güter nicht der Lästerung preis!1
- Wenn sich die Christen über so gleichgültige Dinge wie Essen und Trinken zankten, dann konnten die Heiden leicht dazu veranlaßt werden, über das Christentum zu spotten.
17 Das Königreich Gottes hat nichts mit Essen und Trinken zu tun, sondern es offenbart sich in Gerechtigkeit, Frieden und Freude, die von dem Heiligen Geist gewirkt werden.
18 Wer Christus darin dient, der ist Gott wohlgefällig und den Menschen wert.
19 So laßt uns das im Auge haben, was zum Frieden und zur gegenseitigen Förderung dient!
20 Zerstöre Gottes Bauwerk1 nicht um einer Speise willen! "Alles ist rein."2 Allerdings! Doch wer etwas ißt, wodurch er anderen einen Anstoß gibt, der handelt übel.
- Gemeint ist vielleicht die christliche Gemeinde.
- Vgl. V14.
21 Recht handelst du, wenn du auf Fleisch- und Weingenuß verzichtest1 und auch sonst alles meidest, woran dein Bruder Anstoß nimmt.
- Mit Rücksicht auf den schwachen Bruder. 1Kor 8:13
22 Du hast deine Überzeugung. Behalte sie für dich allein!1 Gott kennt sie. Wohl dem, der keine Gewissensbedenken hat bei dem, was er für recht hält!
- Dränge sie also keinem auf!
23 Wer aber beim Essen einer Speise im Zweifel ist (ob er wirklich recht tut), der ist damit schon verurteilt. Denn er handelt nicht nach seiner inneren Überzeugung. Was aber nicht aus innerer Überzeugung kommt, das ist samt und sonders Sünde.
Chapter 15
1 Wir Starken1 haben die Pflicht, der Schwachen Gebrechen zu tragen, und dürfen nicht uns selbst zu Gefallen leben.
- Die "Starken" wissen, was erlaubt ist und was nicht.
2 Jeder von uns soll seinem Nächsten zu Gefallen leben, um ihm Gutes zu tun und ihn zu fördern.
3 Auch Christus hat ja nicht sich selbst zu Gefallen gelebt, sondern an ihm erfüllte sich das Schriftwort: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen.1
- Ps 69:10. Christus hat in seiner selbstverleugnenden Hingebung in Gottes Dienst auch den Haß seiner Feinde willig auf sich genommen.
4 Alles, was Vorzeiten geschrieben worden ist, das ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir voll Ausdauer und gestärkt durch den Trost, den wir aus der Schrift schöpfen, an der Hoffnung1 festhalten.
- Auf die zukünftige Herrlichkeit.
5 Gott aber, der Ausdauer und Trost verleiht, gewähre euch, im Sinne Christi in Eintracht zu leben,
6 damit ihr einmütig wie mit einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus preist. —
7 So nehme sich denn einer des anderen freundlich an, wie sich auch Christus unser angenommen hat zur Ehre Gottes.
8 Ich meine hier: Christus ist ein Diener der Juden geworden, um Gottes Wahrhaftigkeit zu erweisen; denn die den Vätern gegebenen Verheißungen sollten erfüllt werden.
9 Die Heiden aber haben Gott zu preisen für seine (unverdiente) Barmherzigkeit, wie geschrieben steht: Darum will ich dich rühmen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.1
- Ps 18:50. Vgl. Eph 2:11-22.
10 Und an einer anderen Stelle heißt es: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!1
- 5Mo 32:43.
11 Und anderswo: Lobt den Herrn, alle Heiden! Es sollen ihn preisen alle Völker.1
- Ps 117:1.
12 Jesaja endlich sagt: Kommen wird Isais Sproß, und der sich erhebt als Herrscher der Heiden. Auf ihn werden die Völker hoffen.1
- Jes 11:10.
13 Gott aber, der die Hoffnung wirkt, erfülle euch mit reicher Freude und mit Frieden im Glauben, damit ihr überreich an Hoffnung seid durch die Kraft des Heiligen Geistes!
14 Ich bin ganz überzeugt davon, liebe Brüder, daß ihr auch ohne meine Belehrung voll guter Gesinnung seid, reich an aller Erkenntnis und fähig, einander zurechtzuweisen.
15 Trotzdem habe ich euch, wenigstens an einigen Stellen,1 recht kühn geschrieben, freilich nur, um euch an das zu erinnern, was ihr schon wißt. Das habe ich getan, weil mir Gott in seiner Gnade den Auftrag geschenkt hat,
- Gemeint sind vielleicht u.a. 3,9ff.; 6,12-13; 8,9; 11,15; 12,2; 13,11ff; 14.
16 ein Diener Christi Jesu zu sein, um den Heiden Gottes Frohe Botschaft priesterlich zu verkünden, damit die Heiden ein Gott wohlgefälliges Opfer werden, das durch den Heiligen Geist geheiligt ist.
17 Ich darf mich darum in der Gemeinschaft mit Christus Jesus wohl auch dessen rühmen, was ich für Gottes Sache getan habe.
18 Freilich hätte ich nie den Mut, von Erfolgen zu reden, die Christus bei der Heidenbekehrung durch andere und nicht durch meine Arbeit errungen hat mit Wort und Tat,
19 mit mächtigen Zeichen und Wundern und in der Kraft des Heiligen Geistes. So habe ich, ausgehend von Jerusalem, in weitem Bogen bis nach Illyrien hin Christi Frohe Botschaft ausgerichtet.
20 Dabei ist es aber eine Ehrensache für mich gewesen, die Frohe Botschaft nirgends zu verkündigen, wo Christi Name schon bekannt war. Denn ich wollte nicht auf fremdem Grund weiterbauen,1
- D.h.: ich wollte nicht eine von anderen Dienern Christi begonnene Arbeit weiterführen, sondern überall ganz selbständig vorgehen.
21 sondern handeln nach dem Schriftwort:1 Denen2 nichts von ihm3 verkündet worden ist, die sollen ihn sehen und die nicht von ihm gehört haben, die sollen ihn kennenlernen.
- Jes 52:15.
- Gemeint sind die Heiden.
- Von dem Knecht Gottes, dem Messias.
22 Deswegen1 bin ich auch so oft verhindert worden, zu euch zu kommen.
- Weil ich bisher von Jerusalem an bis nach Illyrien genug zu tun hatte.
23 Jetzt aber, wo ich in diesen Gegenden kein Arbeitsfeld mehr finde und noch dazu seit vielen Jahren Sehnsucht nach euch habe,
24 (jetzt will ich euch besuchen,) wenn ich nach Spanien reise. Ich hoffe, euch auf der Durchreise zu sehen und von euch dorthin1 geleitet zu werden, nachdem ich mich zunächst an euerm Verkehr eine Zeitlang erquickt habe.
- Nach Spanien.
25 Augenblicklich bin ich auf der Reise nach Jerusalem, um den dortigen Heiligen eine Liebesgabe zu bringen.
26 Mazedonien und Achaja haben sich gern dazu verstanden, für die Armen in der Gemeinde in Jerusalem eine Beisteuer zu sammeln.
27 Ich sage: sie haben sich gern dazu verstanden; und das sind sie ihnen auch schuldig. Denn haben die Heiden an den geistlichen Gütern der Gläubigen in Jerusalem Anteil, so ist's auch ihre Pflicht, ihnen mit ihren irdischen Gütern zu dienen.
28 Habe ich nun dies Geschäft erledigt und ihnen1 den Ertrag der Sammlung sicher eingehändigt, so will ich über Rom nach Spanien reisen.
- Den Christen in Jerusalem.
29 Ich weiß aber, daß ich euch bei meinem Besuch Christi Segensfülle mitbringe.
30 Nun bitte ich euch, liebe Brüder, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus und bei der Liebe, womit uns der Heilige Geist verbindet: Steht mir als treue Kampfgenossen zur Seite und fleht für mich zu Gott,
31 damit ich den Nachstellungen der Ungläubigen in Judäa1 entgehe und die Liebesgabe, die ich nach Jerusalem bringen will, von den Heiligen dort gut aufgenommen werde!2
- Gemeint sind die dem Apostel feindlichen Juden in Jerusalem und Judäa.
- Das war noch fraglich, weil ja die Judenchristen gegen Paulus und die Heidenchristen nicht gerade günstig gestimmt waren.
32 Dann kann ich, wenn es Gottes Wille ist, in freudiger Stimmung zu euch kommen und im Verkehr mit euch Erquickung finden.
33 Der Gott des Friedens sei mit euch allen! Amen.1
- Man hat gemeint, mit 15,33 schließe der Römerbrief, und Kap. 16, das ursprünglich ein kurzer Empfehlungsbrief für die Diakonisse Phöbe an die Gemeinde zu Ephesus gewesen sei, habe man später ganz zufällig dem Römerbrief als Schlußkapitel angehängt. Bis jetzt hat aber noch niemand zu erklären gewußt, wie sich ein kurzer nach Ephesus bestimmter Empfehlungsbrief als Anhang an den Schluß des Römerbriefs habe verirren können.
Chapter 16
1 Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, eine Diakonisse der Gemeinde in Kenchreä.1
- Kenchreä war eine Hafenstadt südöstlich von Korinth.
2 Nehmt sie im Sinn des Herrn auf, wie sich's für Heilige ziemt, und steht ihr bei, wo sie euer bedarf! Auch sie hat vielen geholfen, besonders mir.
3 Grüßt Priska und Aquila,1 meine Mitarbeiter im Dienst Christi Jesu!
- Apg 18:2,3,26.
4 Sie haben einst ihren Kopf eingesetzt, um mir das Leben zu retten.1 Ihnen sind mit mir auch alle Gemeinden der Heidenchristen zu Dank verpflichtet.
- Der Vorfall ist uns unbekannt.
5 Grüßt auch ihre Hausgemeinde!1 Grüßt meinen lieben Epänetus, der in Asien zuerst an Christus gläubig geworden ist!
- D.h. wohl: ihren christlichen Haus- und Familienverband (siehe auch 1Kor 16:19, Kol 4:15, Phm 1). Die gottesdienstlichen Versammlungen der Gemeinden — wenigstens war das bei der Gemeinde in Korinth der Fall — fanden an einem und demselben Ort statt (1Kor 14:23 Grundtext; Rö 16:23).
6 Grüßt Maria, die sich so treu für euch gemüht hat!
7 Grüßt meine Volksgenossen Andronikus und Junias, die einst meine Gefangenschaft geteilt haben!1 Sie werden hochgeschätzt von den Aposteln und sind vor mir an Christus gläubig geworden.
- Wann und wo? ist unbekannt.
8 Grüßt Amplias: er ist mir teuer in dem Herrn!
9 Grüßt Urbanus, unseren Mitarbeiter im Dienst Christi, und meinen lieben Stachys!
10 Grüßt Apelles, den bewährten Jünger Christi! Grüßt die Brüder aus dem Hause Aristobuls!1
- Ist hier Aristobul, der Enkel des jüdischen Königs Herodes des Großen, gemeint? Er lebte in Rom als Privatmann und starb dort nicht vor dem Jahr 45 n.Chr. Vielleicht redet der Apostel in unserem Vers von gläubig gewordenen Sklaven dieses Mannes. Aristobuls Sklaven, wohl meist Juden, mögen nach seinem Tod in den Haushalt des ihm befreundeten Kaisers Klaudius übergegangen sein, aber den Namen ihres alten Herrn beibehalten haben.
11 Grüßt meinen Volksgenossen Herodion! Grüßt alle aus dem Hause des Narzissus,1 die in des Herrn Gemeinschaft stehen!
- Vielleicht sind hier Sklaven aus dem Haus des damals allgewaltigen Freigelassenen Narzissus gemeint, der gleich nach Neros Regierungsantritt (Oktober 54) eines gewaltsamen Todes starb.
12 Grüßt Tryphäna und Tryphosa! Sie mühen sich ab im Dienst des Herrn. Grüßt meine liebe Persis! Sie hat viel gearbeitet im Dienst des Herrn.
13 Grüßt den im Herrn auserwählten Rufus1 und seine Mutter, die auch mich wie eine Mutter liebt!
- Mr 15:21 (?).
14 Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die mit ihnen verbundenen Brüder!
15 Grüßt Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle mit ihnen verbundenen Heiligen!1
- Wenn Paulus auch solchen Christen in Rom, die er nicht persönlich, sondern nur dem Namen nach kennt, seine Grüße sendet, so hat dies einen besonderen Grund: er will alle Beziehungen zu der römischen Gemeinde benutzen, um einen freundlichen Eingang bei ihr zu finden. Obwohl ihr persönlich "unbekannt," möchte er ihr doch als ein "Bekannter" entgegentreten.
16 Grüßt einander mit dem heiligen Kuß!1 Es grüßen euch alle Gemeinden Christi.
- Der christliche Bruderkuß, 1Kor 16:20, 2Kor 13:12, 1Th 5:26, 1Pe 5:14 womit die Gläubigen einander begrüßten, wurde bald in den Gottesdienst eingeführt. Eine feste Stelle hatte er darin schon zur Zeit Justins (gestorben etwa 165). In der Feier des Abendmahls wurde der heilige Kuß oder der Friedenskuß, ein Sinnbild der innigen Lebens- und Liebesgemeinschaft, die alle Christen vereinigen sollte, in der Weise erteilt, daß die Geistlichen den Bischof, die Männer der Gemeinde die Männer und die Frauen die Frauen küßten.
17 Ich ermahne euch, Brüder: Hütet euch vor den Leuten, die die (bekannten) Spaltungen und Ärgernisse anrichten im Widerspruch mit der Lehre, die ihr gelernt habt!1 Geht diesen Menschen aus dem Weg!
- Hier sind sicher die judenchristlichen Irrlehrer gemeint, die für Gesetz und Beschneidung eiferten, jene heftigsten Widersacher des Paulus, die ihm nicht nur in Antiochia und Jerusalem, Apg 15:1,5, Ga 2:4 sondern namentlich in Galatien und Korinth zu schaffen machten.
18 Denn sie dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem Bauch,1 und durch ihre wohlmeinend klingenden Reden und schönen Worte täuschen sie die Herzen der Unerfahrenen.
- Die judenchristlichen Irrlehrer dienten dem Bauch, sofern sie die Beobachtung der mosaischen Speisegebote als Bedingung der Seligkeit forderten (Php 3:19, Kol 2:21; auch Mt 15:17).
19 Doch euer Glaubensgehorsam ist überall bekannt.1 Darum habe ich meine Freude an euch. Nun möchte ich auch, ihr wähltet in Weisheit stets das Gute und bliebet unbefleckt vom Bösen.
- Darum werdet ihr euch von den Irrlehrern sicher nicht verführen lassen.
20 Der Gott des Friedens wird den Satan bald zermalmen unter euern Füßen.1 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!
- Satan sät durch seine Sendboten, die falschen judenchristlichen Apostel, 2Kor 11:13-15, Php 3:2 in den Gemeinden Lüge und Zwietracht aus.
21 Es grüßen euch mein Mitarbeiter Timotheus und meine Volksgenossen Lucius, Jason und Sosipater.1
- Apg 13:1, 17:5, 20:4 (?).
22 - Ich, Tertius, der Schreiber dieses Briefes, grüße euch im Herrn.1 —
- Hier fügt der den römischen Christen vielleicht bekannte Tertius, dem der Apostel den Römerbrief diktiert hat, einen besonderen Gruß bei.
23 Es grüßt euch Gajus, der mir und der ganzen Gemeinde Herberge gibt.1 Es grüßen euch Erastus, der Stadtkämmerer,2 und der Bruder Quartus.
- In dem Haus des Gajus 1Kor 1:14 wohnte der Apostel während seines Aufenthaltes in Korinth, und dort fanden auch die gottesdienstlichen Versammlungen der korinthischen Gemeinde statt.
- Apg 19:22, 2Ti 4:20 (?).
25 Ihm aber, der euch stärken kann im Glauben an meine Heilsverkündigung und an die Botschaft Jesu Christi, worin sich ein Geheimnis1 offenbart, das ewiglang verschwiegen war,
- Nämlich: der Ratschluß der Erlösung.
26 jetzt aber kundgemacht und durch die Auslegung der Schriften der Propheten1 nach dem Befehl des ewigen Gottes allen Völkern bekannt geworden ist, um sie dem Glauben gehorsam zu machen,
- Die Schriften der Propheten des Alten Bundes wurden durch die apostolische Predigt ausgelegt und erschlossen.
27 - ihm, dem allein weisen Gott, ihm sei durch Jesus Christus Lobpreis in alle Ewigkeit! Amen.