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Chapter 53

1 1 ''Für den Chorleiter2 (Dirigenten, Singenden, Musizierenden; [Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual])'' `al-machalat.3 ''Ein Lehrgedicht (?) von (für, über, nach Art von) David.''

  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Chorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. S. noch nächste FN.
  3. `al-machalat - Unklarer Begriff. Für einen guten Vorschlag zur Deutung der ersten beiden Zeilen vgl. Sawyer 2011b: In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“, sondern der Vorsteher über das Ritual „machalat“, bei dem der Psalm vorzuträgen war. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ ist in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Konvention folgen sollte.

2 Es sagt (sagte) [der] Narr in seinem Herzen (es sagte sich der Narr):„Es gibt keinen Gott!“1Sie begehen und verbrechen (begingen und verbrachen) Untat2[Es gibt (gab)] keinen, [der] Gutes tut.

  1. Es gibt keinen Gott - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen praktischen Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird.
  2. begehen und verbrechen Untat - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs soll den Ausdruck noch intensiver machen.Sinnvoll daher NL: „Sie sind durch und durch schlecht, und ihre Taten sind böse“.

3 Gott beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab Über [die] Menschenkinder,Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen,Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):1

  1. : - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden.Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor (vgl. dazu z.B. Malone 2009). Zu ähnlichen nicht durch ein Verb des Sagens eingeleiteten Zitaten vgl. z.B. Gordis 1949, S. 167-173.

4 „Sie alle sind (waren) abgewichen,Sämtlich sind (waren) sie verdorben.Keinen [gibt (gab) es], [der] Gutes tut;Keinen. Auch nicht einen [einzigen].

5 Wissen [denn] nicht[s] [die] Übel-Täter,[Die] mein Volk fressen?Sie fressen Brot,1[Doch] Gott rufen sie nicht an.“

  1. [Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot - Oft übersetzt als »Die mein Volk fressen, wie man Brot isst«, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947, S. 135). Unsere Üs. folgt daher deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014, S. 165; Eerdmans 1947, S. 134; vgl. auch schon Olshausen 1853, S. 79. Charakterisiert werden die Übeltäter hier also erstens darüber, dass sie »mein Volk fressen« (d.h. ausbeuten, s. ähnlich Spr 30,14; Jer 10,25; Mi 3,3; Hab 3,14), obwohl sie das nicht mal nötig hätten, da sie ja Brot zu fressen haben (d.h. keine Not leiden müssen), und zweitens darüber, dass sie Brot zu essen haben - dass es ihnen also gut geht -, aber nicht einmal dafür JHWH anrufen, also danken. Sowohl in ihrem Verhalten ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber sind sie durch und durch schlecht. Die Üs. von EÜ (»Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an«) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953 (s. auch schon Duhm, Gunkel).

6 Da erschraken sie einen Schrecken,[Wie es] nie [zuvor] Schrecken gab,1Denn Gott zerstreute die Knochen des bei dir Lagernden;2Du machtest [ihn] zuschanden, denn Gott verwarf sie. Möge es doch vom Zion3 Rettung für Israel geben!4Wenn Gott das Geschick (die Gefangenschaft) seines Volkes wendet,Möge Jakob5 jubeln, Israel sich freuen!

  1. Vv. 6ab - W.: „Da erschraken sie einen Schrecken / nicht war Schrecken.“ Unsere Üs. folgt Buttenwieser 1938, S. 478 (so auch Brueggemann/Bellinger 2014, S. 244; deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014, S. 465). Alternativ könnte man den zweiten Satz mit einigen alten Exegeten (z.B. Hitzig und Ewald) als eine sog. „Epanorthosis“ auffassen: als emphatische Ersetzung eines Textstücks durch ein anderes (z.B.: „Wenn du das tust, gebe ich dir hundert Euro. Ach was, hundert - tausend Euro geb ich dir!“): Da erschraken sie einen Schrecken. Doch nein, nicht nur Schrecken wars, [sondern]...So und so wäre der Sinn der zweiten Zeilen die erste Zeile noch zusätzlich zu intensivieren.
  2. des bei dir Lagernden - Sehr schwierige Stelle (Weiss 1968, S. 131: „completely meaningless“). Am besten wohl so zu verstehen: Der Psalmist wendet sich hier an die Israeliten und erinnert sie daran, wie sie mit Gottes Hilfe die Ausländer, die unrechtmäßig ihr Land okkupiert hatten (wie z.B. die Edomiter zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft), zuschanden machen konnten. Der „bei dir Lagernde“ ist also „dein Okkupant“.
  3. Zion - Der Berg in Jerusalem, auf dem Gott in seinem Tempel wohnt. Hilfe von Gott kommt daher „vom Zion“ (vgl. z.B. Zion/Zionstheologie (WiBiLex).
  4. Möge es doch vom Zion Rettung für Israel geben! - W.: „Wer wird geben vom Zion Rettung für Israel!?“, die heb. Wendung „Wer wird geben X“ ist ein Idiom für „Es möge sein, dass... X“.
  5. Jakob - Alternativer Begriff für Israel, da Jakob nach Gen 25 der Stammvater der Israeliten war.