reltext

Chapter 14

1 1 ''Für den Chorleiter (Dirigenten, Singenden, Musizierenden; [Vorzutragen vom] Vorsteher [über das Ritual])''.2 ''Von (für, über, nach Art von) David.'' Es sagt (sagte) [der] Narr in seinem Herzen (es sagte sich der Narr):„Es gibt keinen Gott!“3Sie begehen, verbrechen (begingen, verbrachen) Übeltat4[Es gibt (gab)] keinen, [der] Gutes tut.

Original Hebrew

אָ֘מַ֤רא֘מ֤ראָמַראמר'a.Marhe saysH0559HVqp3ms
נָבָ֣לנב֣לנָבָלנבלna.Vala foolH5036HAamsa
בְּ֭/לִבּ/וֹב֭/לב/ובְּ/לִבּ/וֹב/לב/וbe./li.b/oin/ heart/ hisH9003H3820AH9023HR+Ncmsc+Sp3ms
אֵ֣יןא֣יןאֵיןאין'einthere notH0369HNcmsc
אֱלֹהִ֑יםאלה֑יםאֱלֹהִיםאלהים'E.lo.Him[is] a godH0430GHNcmpa
הִֽשְׁחִ֗יתוּהשח֗יתוהִֽשְׁחִיתוּהשחיתוhish.Chi.tuthey act corruptlyH7843HVhp3cp
הִֽתְעִ֥יבוּהתע֥יבוהִֽתְעִיבוּהתעיבוhit.'I.vuthey do abominablyH8581HVhp3cp
עֲלִילָ֗העליל֗העֲלִילָהעלילה'a.li.Lahdeed[s]H5949HNcfsa
אֵ֣יןא֣יןאֵיןאין'einthere notH0369HNcmsc
עֹֽשֵׂה\־עשה\עֹֽשֵׂה\־עשה\'o.seh-[is one who] doesH6213A\H9014HVqrmsc
טֽוֹב\׃טוב\טֽוֹב\׃טוב\Tov<of> goodH2896B\H9016HAamsa
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Chorleiter - Heb. menatseach; genaue Bedeutung unklar. Die Primärübersetzung „Chorleiter“ ist mehr oder weniger Konvention. Für einen guten Vorschlag zur Deutung vgl. Sawyer 2011b: In akkadischen Ritualtexten gibt es ähnliche Angaben wie in den Psalmüberschriften; u.a. wird dort häufig spezifiziert, wer den folgenden Text vorzutragen hat und welches Ritual Anlass des jeweiligen Ritualtextes ist. Entsprechend wäre dann in den Psalmen der menatseach nicht der „Chorleiter“, sondern der Vorsteher über das Ritual, bei dem der Psalm vorzuträgen war. Doch ist auch dies nur ein „educated guess“ und „Chorleiter“ ist in dt. Üss. so etabliert, dass die LF doch besser dieser Konvention folgen sollte.
  3. Es gibt keinen Gott - Gemeint ist kein theoretischer Atheismus, der im Alten Israel schwerlich vorstellbar ist. Der „Narr“ vertritt einen praktischen Atheismus: Er lebt und handelt so, als gäbe es keinen Gott, wie dann auch in den nächsten Zeilen näher ausgeführt wird.
  4. begehen, verbrechen Übeltat - Die beiden Verben benötigen eigentlich kein Objekt; das erste bedeutet schon allein „verderblich handeln“, das zweite „abscheulich handeln“. Sowohl die Aneinanderreihung der beiden fast synonymen Verben als auch die eigentlich unnötige Hinzufügung des Substantivs (das zwar auch neutral als „Tat“ verwendet werden kann, oft aber speziell die Bedeutung „Übeltat“ hat. In Ps 53,2 ist dies noch zusätzlich vereindeutigt worden zu „Untat“) sollen den Ausdruck noch intensiver machen.Sinnvoll daher NL: „Sie sind durch und durch schlecht und ihre Taten sind böse“.

2 JHWH beugte (beugt) sich (blickt?) vom Himmel herab Über [die] Menschenkinder,Um zu sehen, [ob] es gibt einen Klugen,Einen Gott-Sucher (einen Klugen, [der] Gott sucht):1

Original Hebrew

יְֽהוָ֗היהו֗היְֽהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
מִ/שָּׁמַיִם֮מ/שמים֮מִ/שָּׁמַיִםמ/שמיםmi./sha.ma.Yimfrom/ heavenH9006H8064HR+Ncmpa
הִשְׁקִ֪יףהשק֪יףהִשְׁקִיףהשקיףhish.Kifhe looks downH8259HVhp3ms
עַֽל\־על\עַֽל\־על\'al-onH5921A\H9014HR
בְּנֵי\־בני\בְּנֵי\־בני\be.nei-[the] children ofH1121A\H9014HNcmpc
אָ֫דָ֥םא֫ד֥םאָדָםאדם'a.DamhumankindH0120GHNcmsa
לִ֭/רְאוֹתל֭/ראותלִ/רְאוֹתל/ראותLi/r.'otto/ seeH9005H7200GHR+Vqcc
הֲ/יֵ֣שׁה/י֣שהֲ/יֵשׁה/ישha./Yesh¿/ [is] thereH9008H3426HTi+Acbsa
מַשְׂכִּ֑ילמשכ֑ילמַשְׂכִּילמשכילmas.Kil[one who] acts prudentlyH7919AHVhrmsa
דֹּ֝רֵשׁד֝רשדֹּרֵשׁדרשDo.resh[one who] seeksH1875HVqrmsa
אֶת\־את\אֶת\־את\'et-<obj.>H0853\H9014HTo
אֱלֹהִֽים\׃אלהים\אֱלֹהִֽים\׃אלהים\'E.lo.HimGodH0430G\H9016HNcmpa
  1. : - Vv. 3-4 schildern das Ergebnis von Gottes Prüfung: Die gesamte Menschheit hat sie nicht bestanden.Dass Gott in V. 4 von sich selbst in der 3. Pers. spricht, kommt häufiger vor (vgl. dazu z.B. Malone 2009). Zu ähnlichen nicht durch ein Verb des Sagens eingeleiteten Zitaten vgl. z.B. Gordis 1949, S. 167-173.

3 „Die Gesamtheit ist (war) abgefallen,Sämtlich sind (waren) sie verdorben.Keinen [gibt (gab) es], [der] Gutes tut;Keinen. Auch nicht einen [einzigen].

Original Hebrew

הַ/כֹּ֥לה/כ֥להַ/כֹּלה/כלha./Kol<the>/ everyoneH9009H3605HTd+Ncmsa
סָר֮סר֮סָרסרsarhe turns asideH5493IHVqp3ms
יַחְדָּ֪ויחד֪ויַחְדָּויחדוyach.Davall togetherH3162BHD
נֶ֫אֱלָ֥חוּנ֫אל֥חונֶאֱלָחוּנאלחוne.'e.La.chuthey are corruptH0444HVNp3cp
אֵ֤יןא֤יןאֵיןאין'einthere notH0369HNcmsc
עֹֽשֵׂה\־עשה\עֹֽשֵׂה\־עשה\'o.seh-[is one who] doesH6213A\H9014HVqrmsc
ט֑וֹבט֑ובטוֹבטובTov<of> goodH2896BHAamsa
אֵ֝֗יןא֝֗יןאֵיןאין'Einthere notH0369HNcmsc
גַּם\־גם\גַּם\־גם\gam-alsoH1571\H9014HD
אֶחָֽד\׃אחד\אֶחָֽד\׃אחד\'e.Chad[is] oneH0259\H9016HNcfsa

4 Wissen [denn] nicht[s] alle Übel-Täter,[Die] mein Volk fressen?Sie fressen Brot,1[Doch] JHWH rufen sie nicht an.“

Original Hebrew

הֲ/לֹ֥אה/ל֥אהֲ/לֹאה/לאha./Lo'¿/ notH9008H3808HTi+Tn
יָדְעוּ֮ידעו֮יָדְעוּידעוya.de.'Udo they knowH3045HVqp3cp
כָּל\־כל\כָּל\־כל\kol-allH3605\H9014HNcmsc
פֹּ֪עֲלֵ֫יפ֪על֫יפֹּעֲלֵיפעליpo.'a.Lei[those who] doH6466HVqrmpc
אָ֥וֶןא֥וןאָוֶןאון'A.ven<of> wickednessH0205GHNcmsa
אֹכְלֵ֣יאכל֣יאֹכְלֵיאכלי'o.khe.Lei[those who] devourH0398HVqrmpc
עַ֭מִּ/יע֭מ/יעַמִּ/יעמ/י'A.m/i<of> people/ myH5971AH9020HNcmsc+Sp1bs
אָ֣כְלוּא֣כלואָכְלוּאכלו'A.khe.luthey eatH0398HVqp3cp
לֶ֑חֶםל֑חםלֶחֶםלחםLe.chembreadH3899HHNcmsa
יְ֝הוָ֗הי֝הו֗היְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
לֹ֣אל֣אלֹאלאlo'notH3808HTn
קָרָֽאוּ\׃קראו\קָרָֽאוּ\׃קראו\ka.Ra.'uthey call onH7121G\H9016HVqp3cp
  1. [Die] mein Volk fressen? / Sie fressen Brot - Oft übersetzt als »Die mein Volk fressen, wie man Brot isst«, aber dann wären die beiden unterschiedlichen Verbformen (Zeile 2: Partizip, Zeile 3: Qatal) unerklärlich (richtig Eerdmans 1947, S. 135). Unsere Üs. folgt daher deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014, S. 165; Eerdmans 1947, S. 134; vgl. auch schon Olshausen 1853, S. 79. Charakterisiert werden die Übeltäter hier also erstens darüber, dass sie »mein Volk fressen« (d.h. ausbeuten, s. ähnlich Spr 30,14; Jer 10,25; Mi 3,3; Hab 3,14), obwohl sie das nicht mal nötig hätten, da sie ja Brot zu fressen haben (d.h. keine Not leiden müssen), und zweitens darüber, dass sie Brot zu essen haben - dass es ihnen also gut geht -, aber nicht einmal dafür JHWH anrufen, also danken. Sowohl in ihrem Verhalten ihren Mitmenschen als auch Gott gegenüber sind sie durch und durch schlecht. Die Üs. von EÜ (»Sie verschlingen mein Volk. Sie essen das Brot JHWHs, doch seinen Namen rufen sie nicht an«) folgt einem unnötigen Textkorrekturvorschlag von Kissane 1953 (s. auch schon Duhm, Gunkel).

5 Da erschraken sie einen Schrecken,1Weil Gott mit [dem] gerechten Geschlecht [war]:2

Original Hebrew

שָׁ֤ם\׀ש֤ם\שָׁם\׀שם\shamthereH8033G\H9015HD
פָּ֣חֲדוּפ֣חדופָּחֲדוּפחדוPa.cha.duthey fearH6342HVqp3cp
פָ֑חַדפ֑חדפָחַדפחדFa.chada fearH6343HNcmsa
כִּֽי\־כי\כִּֽי\־כי\ki-forH3588A\H9014HTc
אֱ֝לֹהִ֗יםא֝לה֗יםאֱלֹהִיםאלהים'E.lo.HimGodH0430GHNcmpa
בְּ/ד֣וֹרב/ד֣ורבְּ/דוֹרב/דורbe./Dor[is] with/ a generationH9003H1755HR+Ncmsa
צַדִּֽיק\׃צדיק\צַדִּֽיק\׃צדיק\tza.DikrighteousH6662\H9016HAamsa
  1. erschraken sie einen Schrecken - Figura etymologica, die den ganzen Ausdruck noch intensiver macht: „Da erschraken sie sehr“.
  2. : - Auch V. 6 ist wahrscheinlich ein Zitat JHWHs. Erst aus diesem Vers kann ja abgeleitet werden, dass Gott mit den Armen ist, wohingegen es Vv. 3-4 noch hieß, dass die gesamte Menschheit bei Gottes Prüfung durchgefallen ist.

6 „[Die] Plän[e] des Armen wollt ihr zuschanden machen,Doch JHWH [ist] sein Schutz!“

Original Hebrew

עֲצַת\־עצת\עֲצַת\־עצת\'a.tzat-[the] plan ofH6098\H9014HNcfsc
עָנִ֥יענ֥יעָנִיעני'a.Ni[the] poorH6041HAamsa
תָבִ֑ישׁוּתב֑ישותָבִישׁוּתבישוta.Vi.shuyou will put to shameH0954HVhi2mp
כִּ֖יכ֖יכִּיכיkiforH3588AHTc
יְהוָ֣היהו֣היְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
מַחְסֵֽ/הוּ\׃מחס/הו\מַחְסֵֽ/הוּ\׃מחס/הו\mach.Se./hu[is] refuge/ hisH4268H9023\H9016HNcmsc+Sp3ms

7 Möge es doch vom Zion1 Rettung für Israel geben!2Wenn JHWH das Geschick (die Gefangenschaft) seines Volkes wendet,Möge Jakob3 jubeln, Israel sich freuen!

Original Hebrew

מִ֥ימ֥ימִימיmiwho?H4310HPi
יִתֵּ֣ןית֣ןיִתֵּןיתןyi.Tenwill he giveH5414QHVqi3ms
מִ/צִּיּוֹן֮מ/ציון֮מִ/צִּיּוֹןמ/ציוןmi./tzi.yOn[will be] from/ ZionH9006H6726HR+Npl
יְשׁוּעַ֪תישוע֪תיְשׁוּעַתישועתye.shu.'At[the] deliverance ofH3444HNcfsc
יִשְׂרָ֫אֵ֥לישר֫א֥ליִשְׂרָאֵלישראלyis.Ra.'ElIsraelH3478HNpl
בְּ/שׁ֣וּבב/ש֣ובבְּ/שׁוּבב/שובbe./Shuvwhen/ turns backH9003H7725HHR+Vqcc
יְ֭הוָהי֭הוהיְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
שְׁב֣וּתשב֣ותשְׁבוּתשבותshe.Vut[the] captivity ofH7622HNcfsc
עַמּ֑/וֹעמ֑/ועַמּ/וֹעמ/וa.M/opeople/ hisH5971AH9023HNcmsc+Sp3ms
יָגֵ֥ליג֥ליָגֵליגלya.Gellet him rejoiceH1523HVqj3ms
יַ֝עֲקֹ֗בי֝עק֗ביַעֲקֹביעקבya.'a.KoJacobH3290HNpm
יִשְׂמַ֥חישמ֥חיִשְׂמַחישמחyis.Machlet him be gladH8055HVqi3ms
יִשְׂרָֽאֵל\׃ישראל\יִשְׂרָֽאֵל\׃ישראל\yis.Ra.'elIsraelH3478\H9016HNpl
  1. Zion - Der Berg in Jerusalem, auf dem Gott in seinem Tempel wohnt. Hilfe von Gott kommt daher „vom Zion“ (vgl. z.B. Zion/Zionstheologie (WiBiLex).
  2. Möge es doch vom Zion Rettung für Israel geben! - W.: „Wer wird geben vom Zion Rettung für Israel!?“, die heb. Wendung „Wer wird geben X“ ist ein Idiom für „Es möge sein, dass... X“, „Oh dass doch X wäre!“ (vgl. Lande 1949, S. 90f.).
  3. Jakob - Alternativer Begriff für Israel, da Jakob nach Gen 25 der Stammvater der Israeliten war.