reltext

Chapter 17

1 1 ''Ein Bittgebet. Von (für, über, nach Art von) David.'' Höre, JHWH, Gerechtigkeit:2Horch mein Schreien,Lausche meinem BittgebetVon Nicht-Trug-Lippen!

Original Hebrew

שִׁמְעָ֤/השמע֤/השִׁמְעָ/השמע/הshim.'A/hhear/ !H8085GH9012HVqv2ms+Sh
יְהוָ֨ה\׀יהו֨ה\יְהוָה\׀יהוה\Yah.wehO YahwehH3068G\H9015HNpt
צֶ֗דֶקצ֗דקצֶדֶקצדקTze.dekrighteousnessH6664GHNcmsa
הַקְשִׁ֥יבָ/ההקש֥יב/ההַקְשִׁיבָ/ההקשיב/הhak.Shi.va/hpay attention to/ !H7181H9012HVhv2ms+Sh
רִנָּתִ֗/ירנת֗/ירִנָּתִ/ירנת/יri.na.T/icry of entreaty/ myH7440H9020HNcfsc+Sp1bs
הַאֲזִ֥ינָ/ההאז֥ינ/ההַאֲזִינָ/ההאזינ/הha.'a.Zi.na/hgive ear to/ !H0238H9012HVhv2ms+Sh
תְפִלָּתִ֑/יתפלת֑/יתְפִלָּתִ/יתפלת/יte.fi.la.T/iprayer/ myH8605H9020HNcfsc+Sp1bs
בְּ֝/לֹ֗אב֝/ל֗אבְּ/לֹאב/לאbe./Lo'with/ notH9003H3808HR+Tn
שִׂפְתֵ֥ישפת֥ישִׂפְתֵישפתיsif.Teilips ofH8193GHNcfdc
מִרְמָֽה\׃מרמה\מִרְמָֽה\׃מרמה\mir.MahdeceitH4820\H9016HNcfsa
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Textkritik: LXX hat „meine Gerechtigkeit“; so daher auch viele Exegeten. Doch ist dies sicher nur eine auslegende Übersetzung. Gemeint ist natürlich „meine“ Gerechtigkeit, doch hier wird JHWH allgemein aufgefordert, auf „Gerechtes“ zu lauschen. V. 1 bildet so eine kleine Inclusio mit V. 2: JHWH soll „Gerechtigkeit hören“ – und Gerechtigkeit spricht aus dem Mund des Beters, weil sein Beten geäußert wird von „Nicht-Trug-Lippen“ – und er soll „Aufrichtigkeit sehen“, nämlich wieder die des Beters, die JHWH erkennen würde, wenn er ihn denn prüfte (V. 3). „Gesehen werden“ soll gerade jene Aufrichtigkeit, die „nicht über meine Lippen kommen dürfte“ (V. 3); das „Hören“ in V. 1 bezieht sich also auf die Aufrichtigkeit des Beters im Beten, das „Schauen“ auf die unhörbare Aufrichtigkeit des Beters im Denken.

2 Von dir (von vor deinem Gesicht) möge (wird) mein Recht ausgehen (aufstrahlen),1Deine Augen mögen (werden) schauen Aufrichtigkeit{en} (richtig, unparteiisch):

Original Hebrew

מִ֭/לְּ/פָנֶי/ךָמ֭/ל/פני/ךמִ/לְּ/פָנֶי/ךָמ/ל/פני/ךMi./le./fa.nei./khafrom/ to/ before/ youH9006H9005H6440HH9021HR+R+Ncmpc+Sp2ms
מִשְׁפָּטִ֣/ימשפט֣/ימִשְׁפָּטִ/ימשפט/יmish.pa.T/ijudgment/ myH4941GH9020HNcmsc+Sp1bs
יֵצֵ֑איצ֑איֵצֵאיצאye.Tze'may it come forthH3318GHVqi3ms
עֵ֝ינֶ֗י/ךָע֝ינ֗י/ךעֵינֶי/ךָעיני/ך'ei.Nei./khaeyes/ yourH5869AH9021HNcfdc+Sp2ms
תֶּחֱזֶ֥ינָהתחז֥ינהתֶּחֱזֶינָהתחזינהte.che.Zei.nahmay they seeH2372HVqi3fp
מֵישָׁרִֽים\׃מישרים\מֵישָׁרִֽים\׃מישרים\mei.sha.Rimuprightness<es>H4339\H9016HNcmpa
  1. mein Recht ausgehen - d.h. vor deinem Richterstuhl möge mir Gerechtigkeit widerfahren. Das heb. Verb kann auch „aufgehen“, „aufstrahlen“ bedeuten und wird oft von der Sonne gesagt, was gut zur Rechtfertigung am Morgen in V. 15 passt (s. dort).

3 Testestest du (du testestest) mein Herz, Prüftest du (du prüftest) [mich (es)]1 [selbst]2 bei Nacht, probtest du (du probtest)3 mich, Würdest (wirst, könntest) du nicht finden Ränke an mir (Plan, Schandtat, ich habe geplant),4[die] nicht meinen Mund überschreiten dürfte.5

Original Hebrew

בָּ֘חַ֤נְתָּב֘ח֤נתבָּחַנְתָּבחנתba.Chan.tayou have testedH0974HVqp2ms
לִבִּ֨/י\׀לב֨/י\לִבִּ/י\׀לב/י\li.B/iheart/ myH3820AH9020\H9015HNcmsc+Sp1bs
פָּ֘קַ֤דְתָּפ֘ק֤דתפָּקַדְתָּפקדתpa.Kad.tayou have visitedH6485IHVqp2ms
לַּ֗יְלָהל֗ילהלַּיְלָהלילהLay.lahnightH3915HNcmsa
צְרַפְתַּ֥/נִיצרפת֥/ניצְרַפְתַּ/נִיצרפת/ניtze.raf.Ta./niyou have tested/ meH6884H9030HVqp2ms+Sp1bs
בַל\־בל\בַל\־בל\val-notH1077\H9014HTn
תִּמְצָ֑אתמצ֑אתִּמְצָאתמצאtim.Tza'you will findH4672HVqi2ms
זַ֝מֹּתִ֗יז֝מת֗יזַמֹּתִיזמתיza.mo.TiI have resolvedH2161HVqp1cs
בַּל\־בל\בַּל\־בל\bal-notH1077\H9014HTn
יַעֲבָר\־יעבר\יַעֲבָר\־יעבר\ya.'a.vor-it will transgressH5674D\H9014HVqi3ms
פִּֽ/י\׃פ/י\פִּֽ/י\׃פ/י\P/imouth/ myH6310GH9020\H9016HNcmsc+Sp1bs
  1. [mich (es)] - Objekt der Prüfung könnte hier entweder wieder das „Herz“ sein oder allgemein „ich“. Tg und Syr übersetzen einheitlich mit „ich“, was nicht im MT steht; vielleicht ist also sogar von Schreibern wegen der Buchstabengleichheit von „ich“ und dem Beginn von „bei Nacht“ das „ich“ übersehen worden: pqdt [lj] ljlh.
  2. [selbst] - Fokuspartikeln wie „selbst“ werden im Heb. häufig auch dort nicht gesetzt, wo das Deutsche sie setzen muss. So wohl auch hier; der Gedanke ist vermutlich: Selbst Nachts, wenn ich am wenigsten auf eine Durchsuchung meiner Selbst vorbereitet bin, wirst du nichts finden (Schegg 1845, S. 166: „Denn du hast mein Herz geprüft, überrascht bei Nacht“).
  3. probtest - W. „läutertest“; der Psalmist verwendet (wie z.B. auch Ijob 23,10) das Bild der Läuterprobe aus der Metallurgie, mit der durch das Schmelzen von Edelmetallen Beimengungen von anderen Stoffen gefunden und ausgeschieden werden können (NGÜ: „Du hast mich 'wie Metall im Feuer' geläutert“; StierPs: „schmelze mich aus!“). Der Fremdkörper, der in diesem Fall nicht gefunden wird, ist die „Schandtat“.Trikolon mit Klimax: Die drei Tests in V. 3 werden immer intensiver: Testen – bei Nacht prüfen – Läuterprobe durchführen.
  4. Textkritik: Ränke an mir (Plan, Schandtat, ich habe geplant) - Beide Alternativen wären mit den selben Konsonanten geschrieben worden (zimati vs. zamoti); MT und die meisten dt. Üss. deuten als Variante 2, die meisten alten Üss. aber wie wir als Variante 1.
  5. [die] nicht meinen Mund überschreiten dürfte - so gut als Relativsatz aufgelöst von Ehrlich 1905; Zorell 1928; R-S. Im Heb. sind die beiden Zeilen ganz parallel gebaut, was sich schwer ins Dt. übertragen lässt: „Nicht findest du Schandtat von mir, / nicht durfte [sie] überschreiten den Mund von mir.“Die meisten dt. Üss. lösen auf verschiedenste Weisen anders auf. W. übersetzt lautet MT: „nicht(s) wirst/sollst du finden ich habe geplant/mein Planen nicht(s) wird/soll überschreiten mein(en) Mund V. 4 Taten von Menschen“, was sich dann konstruieren lässt als: * Du wirst nichts finden; mein Planen wird nicht meinen Mund überschreiten, d.h. selbst, wenn ich Böses denke, kommt es mir nicht über die Lippen. (Delitzsch 1894; ALB) * Du wirst nichts finden; mein Planen wird nicht mein Mund überschreiten, d.h. ich denke nicht dies, spreche aber dann das. (Vaihinger 1856; ELB, GN, NeÜ) * Du wirst nichts finden; mein Planen soll nicht mein Mund überschreiten, d.h. ich will nicht unbedacht reden (BigS) * Du wirst nichts finden. Ich habe geplant: „Nichts [Böses] soll mir über die Lippen kommen.“ (deClaissé-Walford/Jacobson/Tanner 2014; EÜ16, LUT17 u.a.) * ... Mein Mund läuft nicht über bei dem Tun der Menschen (Kraus 1961; PAT) Die Übersetzung „Nie hat sich vergangen mein Mund“ (z.B. EÜ, H-R, ZÜR) schließlich geht fälschlicherweise davon aus, dass „überschreiten“ auch das Übertreten von Gesetzen meinen könne.

4 Was die Taten (das Tun) des Menschen gegen das Wort deiner Lippen angeht:1''Ich'' habe geachtet die Wege des Gebots (Gewalttätigen),2

Original Hebrew

לִ/פְעֻלּ֣וֹתל/פעל֣ותלִ/פְעֻלּוֹתל/פעלותli/f.'u.Lotto/ [the] deeds ofH9005H6468HR+Ncfpc
אָ֭דָםא֭דםאָדָםאדם'A.domhumankindH0120GHNcmsa
בִּ/דְבַ֣רב/דב֣רבִּ/דְבַרב/דברbi/d.Varby/ [the] word ofH9003H1697GHR+Ncmsc
שְׂפָתֶ֑י/ךָשפת֑י/ךשְׂפָתֶי/ךָשפתי/ךse.fa.Tei./khalips/ yourH8193GH9021HNcfdc+Sp2ms
אֲנִ֥יאנ֥יאֲנִיאני'a.NiIH0589HPp1bs
שָׁ֝מַ֗רְתִּיש֝מ֗רתישָׁמַרְתִּישמרתיSha.Mar.tiI have watchedH8104HHVqp1cs
אָרְח֥וֹתארח֥ותאָרְחוֹתארחות'a.re.Chot[the] paths ofH0734HNcfpc
פָּרִֽיץ\׃פריץ\פָּרִֽיץ\׃פריץ\pa.Ritzviolent person[s]H6530\H9016HNcmsa
  1. Z. 1 aufgelöst in Anlehnung an Köster 1837 („So oft die Menschen thun wider deiner Lippen Wort“, S. 40; auch Calvin berichtet, gelegentlich auf diese Auflösung gestoßen zu sein). Obwohl sie sich so selten findet, ist sie recht wahrscheinlich richtig: Nach den Wortsünden (V. 1) und den Gedankensünden (Vv. 2-3) werden nun in Vv. 4-5 noch die Tatsünden zurückgewiesen. Der Beter ist völlig unschuldig.Die meisten Üss. und Exegeten ziehen den Beginn der Zeile entweder zu V. 3 („Mein Mund quillt nicht über beim Tun des Menschen“) oder teilen noch häufiger diese Zeile auf in zwei Gliedsätze („Was das Tun des Menschen angeht: Beim Wort deiner Lippen...“, was dann aber schwerlich „gemäß dem Wort deiner Lippen“ hieße, wofür kidbar statt bidbar verwendet würde (so korrigieren den Text daher Bonkamp 1949 und Leveen 1961, S. 48).).Theoretisch möglich wäre allerdings die Auflösung „Was die Taten ders Menschen angeht: Durch das Wort deiner Lippen habe ich die Wege des Gebots geachtet“ (so BigS). Calvin kommentiert: „Suchen wir nach einer guten Richtlinie für unser Verhalten, wenn unsere Feinde uns dazu provozieren, ihnen Gleiches mit Gleichem zu vergelten, lasst uns am Beispiel des David lernen, über das Wort Gottes nachzudenken und unsere Augen darauf gerichtet zu halten! So nämlich wird unser Geist davon abgehalten, geblendet zu werden, und wir werden stets den Weg der Frevler meiden können, da Gott durch seine Gebote nicht nur unsere Affekte bändigt, sondern durch seine Versprechungen auch unsere Geduld befeuert.“ (Calvin 1845, S. 240).
  2. tFN: Gebots (Gewalttätigen) - W. auf den ersten Blick „Ich habe geachtet die Wege des Gewalttätigen“, was dann oft erläutert wird als „achten, [um nicht darauf zu geraten]“. Doch dafür würde im Heb. nicht schamar („achten“), sondern schamar min („sich in Acht nehmen vor“) verwendet. Besser sollte man daher in Orientierung an arab. faraḍa („gebieten“) davon ausgehen, dass neben parits („Gewalttätiger“, von parats „überschreiten“) ein gleichlautendes Wort parits II („Gebot“, von parats II „gebieten“, das sich wohl auch in 1 Chr 13,2 und 2 Chr 31,5 findet, vgl. Kissane 1928, S. 90) existiert. Dieses Wort ist nicht allgemein anerkannt (und findet sich daher in DCH VI, S. 769; ZLH S. 668, nicht aber in Ges18 und KBL3), wird aber an unserer Stelle von vielen Exegeten und einigen dt. Üss. (EÜ (nicht mehr EÜ16), GUAR, H-R, HER05, PAT, StierPs) vertreten.

5 Es hielten meine Schritte sich in deinen SpurenNicht wankten meine Tritte.1

Original Hebrew

תָּמֹ֣ךְתמ֣ךתָּמֹךְתמךta.Mokhthey have held firmH8551HVqaa
אֲ֭שֻׁרַ/יא֭שר/יאֲשֻׁרַ/יאשר/י'A.shu.ra/isteps/ myH0838AH9020HNcmpc+Sp1bs
בְּ/מַעְגְּלוֹתֶ֑י/ךָב/מעגלות֑י/ךבְּ/מַעְגְּלוֹתֶי/ךָב/מעגלותי/ךbe./ma'.ge.lo.Tei./khain/ tracks/ yourH9003H4570H9021HR+Ncfpc+Sp2ms
בַּל\־בל\בַּל\־בל\bal-notH1077\H9014HTn
נָמ֥וֹטּוּנמ֥וטונָמוֹטּוּנמוטוna.Mo.tuthey have been shakenH4131HVNp3cp
פְעָמָֽ/י\׃פעמ/י\פְעָמָֽ/י\׃פעמ/י\fe.'a.Ma/ifootsteps/ myH6471H9020\H9016HNcmpc+Sp1bs
  1. Wege des Gebots, meine Schritte, deine Spuren, meine Tritte - Der Psalmist greift hier zurück auf die häufige Metapher des „rechten Weges“: Indem Gott den Menschen seine Gebote gab, wies er ihnen einen „Weg“. Beschreitet man diesen, ist man auf dem „rechten Weg“ und wird dafür von Gott gesegnet sein (s. z.B. Spr 2,18f.; 5,5f.; 12,28; 15,9f.); „der Frevler Weg jedoch vergeht“ (Ps 1,6).

6 Ich rufe zu dir, damit du mich erhörst (denn du wirst mich erhören), Gott!Neige dein Ohr (dein Lauscher) zu mir, höre meine Rede!

Original Hebrew

אֲנִֽי\־אני\אֲנִֽי\־אני\'a.ni-IH0589\H9014HPp1bs
קְרָאתִ֣י/ךָקראת֣י/ךקְרָאתִי/ךָקראתי/ךke.ra.Ti./chaI call out to/ youH7121GH9031HVqp1cs+Sp2ms
כִֽי\־כי\כִֽי\־כי\khi-forH3588A\H9014HTc
תַעֲנֵ֣/נִיתענ֣/ניתַעֲנֵ/נִיתענ/ניta.'a.Ne./niyou will answer/ meH6030BH9030HVqi2ms+Sp1bs
אֵ֑לא֑לאֵלאל'ElO GodH0410GHNcmsa
הַֽט\־הט\הַֽט\־הט\hat-inclineH5186\H9014HVhv2ms
אָזְנְ/ךָ֥אזנ/ך֥אָזְנְ/ךָאזנ/ך'a.ze.ne./Khaear/ yourH0241GH9021HNcfsc+Sp2ms
לִ֝֗/יל֝֗/ילִ/יל/יL/ito/ meH9005H9030HR+Sp1bs
שְׁמַ֣עשמ֣עשְׁמַעשמעshe.Ma'hearH8085GHVqv2ms
אִמְרָתִֽ/י\׃אמרת/י\אִמְרָתִֽ/י\׃אמרת/י\'im.ra.T/iutterance/ myH0565AH9020\H9016HNcfsc+Sp1bs

7 Wirke wunderbar (erweise)1 deine Huld, [oh] Retter (Heiland) der sich ([zu dir])2 Flüchtenden (der ([auf dich]) Hoffenden)Vor sich Erhebenden wider deine rechte Hand!3

Original Hebrew

הַפְלֵ֣ההפל֣ההַפְלֵההפלהhaf.Lehmake wonderfulH6395HVhv2ms
חֲ֭סָדֶי/ךָח֭סדי/ךחֲסָדֶי/ךָחסדי/ךCha.sa.dei./khacovenant loyalti<es>/ yourH2617AH9021HNcmpc+Sp2ms
מוֹשִׁ֣יעַמוש֣יעמוֹשִׁיעַמושיעmo.Shi.a'O delivererH3467HVhrmsa
חוֹסִ֑יםחוס֑יםחוֹסִיםחוסיםcho.Simof [those who] take refugeH2620HVqrmpa
מִ֝/מִּתְקוֹמְמִ֗יםמ֝/מתקוממ֗יםמִ/מִּתְקוֹמְמִיםמ/מתקוממיםmi./mit.ko.Mimfrom/ [those who] rise upH9006H6965JHR+Vtrmpa
בִּֽ/ימִינֶֽ/ךָ\׃ב/ימינ/ך\בִּֽ/ימִינֶֽ/ךָ\׃ב/ימינ/ך\Bi./mi.Ne./khaby/ right [hand]/ yourH9003H3225GH9021\H9016HR+Ncfsc+Sp2ms
  1. Textkritik: MT hat hapleh („scheide/erweise“), so auch Tg. Einige MT-Handschriften aber haben haple´ („Wirke wunderbar“), was durch LXX, Syr, VUL und Hier gestützt wird. Die Fügung palah chesed findet sich sonst nicht mehr in der Bibel (allerdings das ähnliche palah chasid, „er hat geschieden seinen Frommen“ in Ps 4,4, wo aber ebenfalls pala´ zu lesen ist), pala´ chesed aber in Ps 31,22 und beide Wörter in engem Zhg. auch in Ps 106,7 und 107,8.15.21.31. Syr hat darüber hinaus offenbar sogar an Ps 4,4 gedacht und statt chesed chasid übersetzt, dennoch aber nicht palah, sondern pala´. Etwas wahrscheinlicher ist daher „wirke wunderbar“; letztlich trägt es sich aber nicht wesentlich auf die Bedeutung des Textes aus.
  2. Textkritik: [zu dir] steht nicht in MT, Tg, Hier, aber in LXX, Syr, VUL, Saadja. Houbigant 1777 und BHS erachten es daher als ursprünglich, doch ist es wohl eher Angleichung an „deine Huld“ und „deine Hand“.
  3. wider deine rechte Hand - der ungewöhnliche Ausdruck (für gewöhnlich erhebt man sich nicht gegen Hände, sondern gegen Menschen und Götter) soll wohl die Formulierung der ausgleichenden Gerechtigkeit in Vv. 13f. vorbereiten, wo Gott sich erheben und seine Hand als Waffe gegen Menschen einsetzen soll: Diese sind „sich Erhebende gegen seine rechte Hand“; sie haben es also geradezu herausgefordert.Weil der Ausdruck so ungewöhnlich ist, haben andere vorgeschlagen, dass die letzte Phrase nicht auf die „sich Erhebenden“ zu beziehen sei, sondern auf die „sich Flüchtenden“ („die sich zu deiner rechten Hand flüchten“), was noch recht ungezwungen möglich ist (z.B. HER05, EÜ 16, SLT), auf „[oh] Retter“ („oh Retter durch deine rechte Hand“; so z.B. TAF) oder gar auf „Wirke wunderbar deine Huld“ („... mit deiner rechten Hand“; so offenbar B-R). Mosca 2011 hat sogar vorgeschlagen, dass die Phrase bewusst ans Ende des Verses gestellt wurde, um sich gleichzeitig in der Tat auf all diese Phrasen beziehen zu können:„Erweise deine Huld mit,[oh] Retter durch,von sich Flüchtenden zu,vor sich Erhebenden gegendein(e) rechte(n) Hand!“

8 Behüte mich wie ein Augenmännlein (die Pupille) des Augenmädchens (, die Pupille),1Im Schatten deiner Flügel birg mich2

Original Hebrew

שָׁ֭מְרֵ/נִיש֭מר/נישָׁמְרֵ/נִישמר/ניSham.re./nikeep/ meH8104HH9030HVqv2ms+Sp1bs
כְּ/אִישׁ֣וֹןכ/איש֣וןכְּ/אִישׁוֹןכ/אישוןke./'i.Shonlike/ [the] pupil ofH9004H0380HR+Ncmsc
בַּת\־בת\בַּת\־בת\bat-[the] daughter ofH1323G\H9014HNcfsc
עָ֑יִןע֑יןעָיִןעין'A.yinan eyeH5869AHNcfsa
בְּ/צֵ֥לב/צ֥לבְּ/צֵלב/צלbe./Tzelin/ [the] shadow ofH9003H6738HR+Ncmsc
כְּ֝נָפֶ֗י/ךָכ֝נפ֗י/ךכְּנָפֶי/ךָכנפי/ךke.na.Fei./khawings/ yourH3671H9021HNcfdc+Sp2ms
תַּסְתִּירֵֽ/נִי\׃תסתיר/ני\תַּסְתִּירֵֽ/נִי\׃תסתיר/ני\tas.ti.Re./niyou will hide/ meH5641H9030\H9016HVhi2ms+Sp1bs
  1. ein Augenmännlein (die Pupille) des Augenmädchens (, die Pupille) - Zwei (auch: in vielen Sprachen, z.B. Lat: pupus und pupilla) verbreitete Umschreibungen der Pupille folgen hier aufeinander. Die erste ist w. „das Männchen“, die zweite w. „die Tochter des Auges“. Entweder steht die „Tochter des Auges“ in Apposition zum „Männchen“ (also: „das Männchen, [d.h.] die Tochter des Auges“) oder in einem Constructus-verhältnis mit ihm (also der heb. Entsprechung des Genitivs: „das Männchen der Tochter des Auges“). Alle uns zugänglichen Auslegungen deuten als Apposition, aber es ist doch zu fragen, was der Mehrwert dieser Apposition sein soll, wenn doch beide Glieder sonst stets alleine stehen („Männchen (des Auges)“: Dnt 32,15; Spr 7,2; Sir 3,25; 17,22; „Tochter des Auges“: Klg 2,18; Sach 2,12). Vielleicht findet sich hier also ein schönes Bild: Die beiden Bezeichnungen rühren wohl daher, dass man sich als kleines „Männchen“ in der Pupille des Anderen spiegelt, wenn man ihm in die Augen sieht (Kimchi: „Es heißt ´ischon, weil man darin das Bild eines Menschen sieht.“). Dies war bereits in der Antike auffällig, vgl. Platon, Alkibiades 132e-133a („Hast du beobachtet, dass von dem, der in ein Auge blickt, das Gesicht im Auge gegenüber erscheint wie in einem Spiegel – wir nennen dies Pupille...?“); Plinius, Naturalis Historia XI 53 („So sehr gleicht das Auge einem Spiegel, dass, so klein die Pupille auch ist, sie das ganze Bild eines Menschen widergibt. Dies ist der Grund, warum die meisten Vögel in den Händen von Menschen am ehesten nach den Augen picken, weil sie ihr Bild in ihnen erkennen.“; Stellen nach Hunziker-Rodewald 2009b, S. 138). Hierauf spielt wohl das „Behüten wie jmds Augenmännlein/-mädchen“ (Dtn 32,15; Spr 7,2; Sir 17,22; ähnlich Sach 2,12) an: Nicht, dass man jmdn/etw. so behüten soll wie etwas sehr Verletzliches (Thomas von Aquin: „Die Pupille des Auges wird mit Sorgfalt bewacht, weil nichts, das sie verletzten könnte, erlaubt ist, sich ihr zu nähern.“), sondern so aufmerksam, dass man ihm mit dem Gesicht so nahe ist, dass der/das Behütete sich im Auge des Hüteres widerspiegelt (ebd., S. 140: „Garde-moi comme [...] une image pupilline!“). Deuten wir, weil wie gesagt der Mehrwert der Apposition „wie ein Männchen, eine Tochter des Auges“ nicht einzusehen ist, die Fügung als Constructus-verbindung, geht diese Abwandlung des Bildes vielleicht sogar noch einen Schritt weiter: Gott soll den Beter nicht nur so sehr behüten, dass sich dessen Bild in seinen Augen widerspiegelt, sondern sogar so sehr, dass dieses Spiegelbild sozusagen der „Angetraute“ seiner Pupille ist: „Lass mich das Augenmännlein deines Augenmädchens sein!“, „Erbaue meinem Bild ein Heim in deinem Auge!“
  2. mini|x200px|rechts|Köng Chephren wird schützend von einem Horusfalken beschattet. (c) IPIAO I 120Eine weitere schöne Kompositmetapher. Sowohl der „Schatten“ als auch die „Flügel“ allein können als Metaphern für das schützende und heilsame Handeln Gottes stehen (s. Ps 121,5f und Ps 61,5; 91,4). Im Ausdruck „Schatten der Flügel“ (hier; Ps 36,8; 57,2; 63,8) werden beide Bilder kombiniert. Übrigens legt Ps 91,4 nahe, dass bei diesem Bild weniger an einen Adler oder Falken zu denken ist, der schützend über jemandem schwebt (wie öfter in Ägypten, s. rechts und vgl. entfernt Jes 31,5, wo jedoch Vögelchen fliegen und nicht Adlern beschirmen), sondern an eine Henne, die ihre Küken unter ihren Flügeln birgt (s. Mt 23,37).Eine schöne geistliche Auslegung stammt von Thomas von Aquin: „Die beiden Flügel sind die beiden Arme, die Christus am Kreuz ausbreitete, s. Dtn 32: ‚Er breitete seine Flügel aus, nahm sie auf und trug sie auf seinen Schultern‘.“

9 Vor Frevlern, die mir Gewalt antun,[Vor] meinen Feinden, die gierig (vor meinen Todfeinden, die?) mich umzingeln {wollen}!1

Original Hebrew

מִ/פְּנֵ֣ימ/פנ֣ימִ/פְּנֵימ/פניmi./pe.Neifrom/ beforeH9006H6440GHR+Ncmpc
רְ֭שָׁעִיםר֭שעיםרְשָׁעִיםרשעיםRe.sha.'imwicked [people]H7563HNcmpa
ז֣וּז֣וזוּזוzuwhoH2098HTr
שַׁדּ֑וּ/נִישד֑ו/נישַׁדּוּ/נִישדו/ניsha.Du./nithey have assailed/ meH7703H9030HVqp3cp+Sp1bs
אֹיְבַ֥/יאיב֥/יאֹיְבַ/יאיב/י'o.ye.Va/ienemies/ myH0341H9020HVqrmpc+Sp1bs
בְּ֝/נֶ֗פֶשׁב֝/נ֗פשבְּ/נֶפֶשׁב/נפשbe./Ne.feshwith/ soulH9003H5315HHR+Ncfsa
יַקִּ֥יפוּיק֥יפויַקִּיפוּיקיפוya.Ki.futhey surroundH5362BHVhi3mp
עָלָֽ/י\׃על/י\עָלָֽ/י\׃על/י\'a.La/i<on>/ meH5921AH9030\H9016HR+Sp1bs
  1. {wollen} - T-Shift: Heb. Stilmittel, das sich nicht ins Dt. übersetzen lässt. In Z. 1 wird das „Tempus“ Qatal verwendet, in Z. 2 dagegen Yiqtol, womit für gewöhnlich die Zukunft oder Modalität markiert wird. Hier ist der Tempuswechsel aber bedeutungslos und rein stilistisch.

10 [Mit] Fett verschließen sie [ihr Herz],1[Mit] ihrem Mund2 reden sie stolz.

Original Hebrew

חֶלְבָּ֥/מוֹחלב֥/מוחֶלְבָּ/מוֹחלב/מוchel.Ba./movfat/ theirH2459H9028HNcmsc+Sp3mp
סָּגְר֑וּסגר֑וסָּגְרוּסגרוsa.ge.Ruthey have closed upH5462HVqp3cp
פִּ֝֗י/מוֹפ֝֗י/מופִּי/מוֹפי/מוpi./momouth/ theirH6310GH9028HNcmsc+Sp3mp
דִּבְּר֥וּדבר֥ודִּבְּרוּדברוdi.be.Ruthey have spokenH1696GHVpp3cp
בְ/גֵאֽוּת\׃ב/גאות\בְ/גֵאֽוּת\׃ב/גאות\ve./ge.'Utwith/ prideH9003H1348\H9016HR+Ncfsa
  1. Textkritik: [Mit] Fett verschließen sie [ihr Herz] - Heb. chlbmw sgrw, „Ihr Fett verschließen sie“, weshalb einige jüdische Ausleger den „Mund“ aus Z. 2 noch zu Z. 1 ziehen: „Mit Fett verschließen sie ihren Mund [so dass sie nur noch stolz daherreden können]“. Lies aber besser mit vielen Exegeten und allen dt. Üss. in Orientierung an Ps 119,70 (vgl. auch Jes 6,10) und an 1 Joh 3,17 chlb lbmw sgrw.Fett zu sein ist in der Bibel häufig sehr negativ konnotiert: „Fette Menschen“ glauben, Gott nicht mehr nötig zu haben, und wenden sich anderen Göttern zu (Dtn 31,20; 31,15; Ijob 15,25-27; Hos 13,6) oder sind allgemein bösartig (Ps 119,70; Jer 5,28) und hybrid (Ps 73,6-8), was auch hier aus Z. 2 spricht. Frei und sehr richtig FENZ: „Steine in der Brust statt Herzen / und den blanken Hohn im Munde...“
  2. ihrem Mund - Wortspiel: „ihr Mund“ ist im Heb. pimo und klingt damit sehr ähnlich wie das Wort für „Speck“, pimah (s. Ijob 15,27).

11 Sie verfolgen mich (unsere Schritte, sie warfen mich hinaus, sie tadelten mich),1 jetzt umgeben sie mich,Ihre Augen setzen sie [darauf], [mich] zur Erde niederzustrecken;

Original Hebrew

אַ֭שֻּׁרֵי/נוּא֭שרי/נואַשֻּׁרֵי/נוּאשרי/נו'A.shu.rei./nusteps/ ourH0838BH9025HNcmpc+Sp1bp
עַתָּ֣העת֣העַתָּהעתה'a.TahnowH6258HD
סְבָב֑וּ/נוּסבב֑ו/נוסְבָבוּ/נוּסבבו/נוse.va.vu./nithey have surrounded/ usH5437HH9035HVqp3cp+Sp1bp
עֵינֵי/הֶ֥םעיני/ה֥םעֵינֵי/הֶםעיני/הם'ei.nei./Hemeyes/ theirH5869AH9028HNcfdc+Sp3mp
יָ֝שִׁ֗יתוּי֝ש֗יתויָשִׁיתוּישיתוya.Shi.tuthey setH7896GHVqi3mp
לִ/נְט֥וֹתל/נט֥ותלִ/נְטוֹתל/נטותli/n.Totto/ bend downH9005H5186HR+Vqcc
בָּ/אָֽרֶץ\׃ב/ארץ\בָּ/אָֽרֶץ\׃ב/ארץ\ba./'A.retzon the/ groundH9003H0776H\H9016HRd+Ncfsa
  1. Textkritik: Sie verfolgen mich (unsere Schritte, sie warfen mich hinaus, sie tadelten mich) - MT hat ´aschurenu („unsere Schritte“); ähnlich Tg. Eine MT-Handschrift hat aber ´aschruni; Syr, Sym („sie priesen mich“) und Hier („sie marschierten wider mich“) lasen ´ischruni, 11QPsc, LXX und VUL („sie warfen mich hinaus“) ´aschduni; dass das ursprüngliche Wort auf -uni endete, ist also recht sicher. ´aschduni wäre aramäisch; vorzuziehen ist daher klar ´ischruni (vgl. ähnlich Jes 1,17). So auch BB, GN, NL, ZÜR; die meisten Üss. folgen aber MT („Auf Schritt und Tritt haben sie mich umzingelt“).

12 Sie sinnen gegen mich (sein Aussehen ist wie das eines)1 wie ein Löwe, [der] zu reißen giert,Ein Junglöwe, [der] im Versteck sitzt (auf der Lauer liegt)! 2

Original Hebrew

דִּמְיֹנ֗/וֹדמינ֗/ודִּמְיֹנ/וֹדמינ/וdim.yo.N/olikeness/ hisH1825H9023HNcfsc+Sp3ms
כְּ֭/אַרְיֵהכ֭/אריהכְּ/אַרְיֵהכ/אריהKe./'ar.yeh[is] like/ a lionH9004H0738BHR+Ncmsa
יִכְס֣וֹףיכס֣וףיִכְסוֹףיכסוףyikh.Sof[which] it longsH3700HVqi3ms
לִ/טְר֑וֹףל/טר֑וףלִ/טְרוֹףל/טרוףli/t.Rofto/ tear to piecesH9005H2963HR+Vqcc
וְ֝/כִ/כְפִ֗ירו֝/כ/כפ֗ירוְ/כִ/כְפִירו/כ/כפירve./khi/kh.Firand/ like/ a young lionH9002H9004H3715AHC+R+Ncmsa
יֹשֵׁ֥ביש֥ביֹשֵׁבישבyo.Shev[which] sitsH3427HVqrmsa
בְּ/מִסְתָּרִֽים\׃ב/מסתרים\בְּ/מִסְתָּרִֽים\׃ב/מסתרים\be./mis.ta.Rimin/ hiding placesH9003H4565\H9016HR+Ncmpa
  1. Textkritik: Sie sinnen gegen mich (sein Aussehen ist wie das eines) - Heb. dimjono („Sein Aussehen“). Lies wohl mit BHS; Graetz 1893, S. 28; Nötscher 1959, S. 40 und ähnlich Driver 1942, S. 152 dimmuni, „sie sinnen gegen mich“ (vgl. 2 Sam 21,5). Das Wort im MT findet sich nur noch in Sir 3,24 („Einbildung“) und 1QM 6,13 („Aussehen“); wird hier aber i.d.R. für ein Synonym von demut („Ähnlichkeit“) gehalten. Dass ein Wort bei drei Belegen drei verschiedene Bedeutungen haben soll, muss ohnehin misstrauisch machen; misstrauisch macht außerdem, dass LXX, Syr und VUL ein Verb lasen (LXX und VUL: auf -uni) und Tg nicht dimjon widergibt, sd. gerade dessen hypothetisches Synonym demut. Misstrauisch macht auch der Numeruswechsel vom Plural „sie“ und „ihre“ in V. 11 zum Sg. „sein“ in V. 12, obwohl sich dies als N-Shift erklären ließe. Misstrauisch macht schließlich, dass bei vergleichbaren „pleonastischen Ausdrücken der Vergleichbarkeit“ (Jenni 1997d) die Vergleichspartikel nicht wie hier vor dem Vergeichswort steht, sondern vor dem „Synonym“ demut (s. Gen 1,26; Ps 58,58; Dan 10,6).
  2. Psalm 10,8

13 Erhebe dich, JHWH, tritt ihm (seinem Gesicht) entgegen,Rette (befreie) meine Seele (mich) vor dem Frevler!Dein Schwert [sei]

Original Hebrew

קוּמָ֤/הקומ֤/הקוּמָ/הקומ/הku.Ma/harise/ !H6965BH9012HVqv2ms+Sh
יְהוָ֗היהו֗היְהוָהיהוהYah.wehO YahwehH3068GHNpt
קַדְּמָ֣/הקדמ֣/הקַדְּמָ/הקדמ/הka.de.Ma/hconfront/ !H6923H9012HVpv2ms+Sh
פָ֭נָי/ופ֭ני/ופָנָי/ופני/וFa.na/vface/ hisH6440LH9023HNcmpc+Sp3ms
הַכְרִיעֵ֑/הוּהכריע֑/הוהַכְרִיעֵ/הוּהכריע/הוhakh.ri.'E./humake bow down/ himH3766H9033HVhv2ms+Sp3ms
פַּלְּטָ֥/הפלט֥/הפַּלְּטָ/הפלט/הpa.le.Ta/hdeliver/ !H6403H9012HVpv2ms+Sh
נַ֝פְשִׁ֗/ינ֝פש֗/ינַפְשִׁ/ינפש/יnaf.Sh/ilife/ myH5315GH9020HNcfsc+Sp1bs
מֵ/רָשָׁ֥עמ/רש֥עמֵ/רָשָׁעמ/רשעme./ra.Sha'from/ [the] wickedH9006H7563HR+Ncmsa
חַרְבֶּֽ/ךָ\׃חרב/ך\חַרְבֶּֽ/ךָ\׃חרב/ך\char.Be./khasword/ yourH2719H9021\H9016HNcfsc+Sp2ms

14 von den Toten (Männern),1Deine Hand, JHWH, [sei] von den Toten(Männern), [die] ohne Dauer (Welt) [waren],Ihr Teil2 im Leben![Mit] deinem Aufgesparten3 fülle ihren MagenSättigen sollen sich [auch] ihre Kinder,Und diese (ja, sie) sollen überlassen ihren Rest ihren Säuglingen!

Original Hebrew

מִֽ/מְתִ֥יםמ/מת֥יםמִֽ/מְתִיםמ/מתיםmi./Timfrom/ menH9006H4962HR+Ncmpa
יָדְ/ךָ֨\׀יד/ך֨\יָדְ/ךָ\׀יד/ך\ya.de./Khahand/ yourH3027HH9021\H9015HNcbsc+Sp2ms
יְהוָ֡היהו֡היְהוָהיהוהYah.wehO YahwehH3068GHNpt
מִֽ/מְתִ֬יםמ/מת֬יםמִֽ/מְתִיםמ/מתיםmi./Timfrom/ menH9006H4962HR+Ncmpa
מֵ/חֶ֗לֶדמ/ח֗לדמֵ/חֶלֶדמ/חלדme./Che.ledfrom/ [the] worldH9006H2465HR+Ncmsa
חֶלְקָ֥/םחלק֥/םחֶלְקָ/םחלק/םchel.Ka/m[whom] portion/ theirH2506AH9028HNcmsc+Sp3mp
בַּֽ/חַיִּים֮ב/חיים֮בַּֽ/חַיִּיםב/חייםba./chai.Yim[is] in the/ lifeH9003H2416EHRd+Ncmpa
וּֽ/צְפוּנְ/ךָ֮ו/צפונ/ך֮וּֽ/צְפוּנְ/ךָו/צפונ/ךu./tze.fi.ne./khaand/ treasured [thing]/ yourH9002H6845H9021HC+Vqsmsc+Sp2ms
תְּמַלֵּ֪אתמל֪אתְּמַלֵּאתמלאte.ma.Le'you fillH4390HVpi2ms
בִ֫טְנָ֥/םב֫טנ֥/םבִטְנָ/םבטנ/םvit.Na/mbelly/ theirH0990HH9028HNcfsc+Sp3mp
יִשְׂבְּע֥וּישבע֥ויִשְׂבְּעוּישבעוyis.be.'Uthey are satisfiedH7646HVqi3mp
בָנִ֑יםבנ֑יםבָנִיםבניםva.NimsonsH1121AHNcmpa
וְ/הִנִּ֥יחוּו/הנ֥יחווְ/הִנִּיחוּו/הניחוve./hi.Ni.chuand/ they leaveH9001H5117Hc+Vhq3cp
יִ֝תְרָ֗/םי֝תר֗/םיִתְרָ/םיתר/םyit.Ra/mabundance/ theirH3499AH9028HNcmsc+Sp3mp
לְ/עוֹלְלֵי/הֶֽם\׃ל/עוללי/הם\לְ/עוֹלְלֵי/הֶֽם\׃ל/עוללי/הם\le./'o.lei./Hemto/ children/ theirH9005H5768H9028\H9016HR+Ncmpc+Sp3mp
  1. Toten (Männern) - Zum Sinn d. Verses s. die Anmerkungen. Beide Wörter können hier gelesen werden, da sie ursprünglich gleich geschrieben wurden und nur unterschiedlich zu vokalisieren waren: mimetim vs. mimetim. Entgegen der starken Mehrheit wurde hier mit Bonkamp 1949, S. 101 die Deutung „Tote“ gewählt, weil nur so die Rede vom „Teil im Leben“ in 14c und von der „Dauer“ in 14b (was eigentlich nicht „Welt [im Ggs. zu Gott]“ bedeutet) gut erklärbar ist und der Vers so übersetzt eine sehr nahe Parallele in Ps 109,13f. hat.Entscheidet man sich für die Bedeutung „Männer“, muss man anders auflösen; am sinnvollsten: „Rette meine Seele vor dem Frevler [durch] dein Schwert, vor Männern [durch] deine Hand, vor Männern, deren Teil im Leben ohne Dauer/aus der Welt (im Gegensatz zu ‚von Gott‘) [ist].“ So fast alle dt. Üss (PAT und StierPs nehmen unnötige Änderungen am Text vor). Die Deutung als „Tote“ findet sich heute nur noch sehr selten, war früher aber sogar wesentlich geläufiger als die Deutung „Männer“. Die (mittelalterliche!) Vokalisierung des MT deutet zwar als Männer und es findet sich diese Deutung schon in einigen LXX-Handschriften und dem folgend in VUL, der wesentlich ältere heb. Text in 11QPsc „vokalisiert“ dagegen als „Tote“ und diese Deutung findet sich auch in Tg, Syr, Sym, Aq und einigen VL-Versionen. Auch Hieronymus wählt für das erste Wort die Deutung „Männer“, für das zweite aber wieder „Tote“, und für beide Wörter ist diese Deutung auch belegt in b.Ber 61b, bei Chanina ben Pappa (vgl. Bacher 1896, S. 524) und bei Raschi.
  2. Teil ist urspr. das ererbte Land, das einer Familie nach bibl. Vorstellung durch das Schicksal zugefallen ist (vgl. Jos 13 und Jos 14,2; z.B. auch Ri 18,1); übertragen dann auch vom Schicksal eines Menschen, das bes. hier als (auch) ererbtes Schicksal vorgestellt ist.
  3. [Mit] deinem Aufgesparten - Zur Vorstellung vgl. Ijob 21,17-19; Ps 31,20; Spr 2,7; 13,22; Hos 13,12; auch Ijob 20,26: Gott vergilt jedem Menschen nach seinen Werken. Doch nicht immer sogleich; manchmal spart er dieses Entgelt auch auf, um es irgendwann auf einen Schwung loszulassen. So erst recht hier: Was Gott für die Frevler aufgespart hat, sammelt sich schon seit der Zeit ihrer Eltern in seinen Schatzkammern an. Es ist also nichts Gutes, womit Gott hier die Bäuche der Frevler füllen soll, wie das einige Üss. deuten.

15 ''Ich'' [aber] will (werde) als Gerechter (Gerechtfertigter, in/durch Gerechtigkeit1) dein Gesicht schauen,Will mich sättigen beim Aufwachen2 an deinem Bild.3

Original Hebrew

אֲנִ֗יאנ֗יאֲנִיאני'a.NiIH0589HPp1bs
בְּ֭/צֶדֶקב֭/צדקבְּ/צֶדֶקב/צדקBe./tze.dekin/ righteousnessH9003H6664GHR+Ncmsa
אֶחֱזֶ֣האחז֣האֶחֱזֶהאחזה'e.che.ZehI will seeH2372HVqi1cs
פָנֶ֑י/ךָפנ֑י/ךפָנֶי/ךָפני/ךfa.Nei./khaface/ yourH6440HH9021HNcmpc+Sp2ms
אֶשְׂבְּעָ֥האשבע֥האֶשְׂבְּעָהאשבעה'es.be.'AhI will be satisfiedH7646HVqc1cs
בְ֝/הָקִ֗יץב֝/הק֗יץבְ/הָקִיץב/הקיץve./ha.Kitzwhen/ awakeH9003H6974HR+Vhcc
תְּמוּנָתֶֽ/ךָ\׃תמונת/ך\תְּמוּנָתֶֽ/ךָ\׃תמונת/ך\te.mu.na.Te./khalikeness/ yourH8544H9021\H9016HNcfsc+Sp2ms
  1. durch Gerechtigkeit - Auf V. 15 basiert eine der Vorschriften im Schulchan Aruch, einer sehr wichtigen jüdischen Gesetzessammlung. Im Talmud (b.B.B. 10a) wird das „als Gerechter“ gedeutet als „durch Wohltätigkeit“; darauf aufbauend führt R. Dostai aus: „Kommt und seht, dass der Heilige, gelobt sei er!, nicht aus Fleisch und Blut ist. Bringt ein Mensch [aus Fleisch und Blut] einem König ein Geschenk, ist es unsicher, ob dieser es annehmen oder abweisen wird. Und selbst, wenn er es annimmt, ist unsicher, ob er dann das Gesicht des Königs sehen wird oder nicht. Der Heilige jedoch, gelobt sei er!, handelt anders. Gibt ein Mensch einem Armen auch nur eine Peruta[, einen kleinen Geldbetrag], ist sein Gewinn der Empfang der göttlichen Gegenwart, wie es heißt in Psalm 17,15: Ich aber werde dein Gesicht durch Wohltätigkeit schauen...“, woraus dann im Schulchan Aruch abgeleitet wird: „Es ist gut, vor dem Beten Almosen zu geben, denn es heißt: ‚Ich werde durch Wohltätigkeit dein Gesicht sehen‘.“ (12,2).
  2. beim Aufwachen meint wohl „bei meinem Erwachen“; dass mit Gottes Heilshandeln die neue, heilvolle Zeit mit dem nächsten Morgen anbricht, findet sich häufig in der Bibel (s. Ps 30,6; 46,6; 90,14; 143,8; Klg 3,22f.; Zef 3,5 und vgl. z.St. Lindblom 1943, S. 12f.). Alternativ könnte aber auch von Gottes Erwachen die Rede sein: Gelegentlich ist bes. in den Psalmen davon die Rede, dass Gott „schläft“ (s. Ps 7,7; 35,23; Ps 44,24 und vgl. Schlaf (WiBiLex)), deshalb kurzzeitig untätig ist, nach dem Erwachen aber wieder heilvoll am Beter handeln wird. Gerade, weil diese Vorstellung sehr gut zur Rede vom „Aufgesparten“ in V. 14 passt, ist diese Möglichkeit durchaus erwägenswert, wird aber nur sehr selten vertreten. Sicher nicht gemeint ist eine kultische Theophanie: Wäre davon die Rede, dass der Beter im Schlaf Gott selbst geschaut hätte, wäre die Zeitangabe „beim Erwachen“ falsch und ein Götterbild hätte er ja auch beim Einschlafen gesehen, wenn denn wirklich die Möglichkeit bestanden haben sollte, sich im Tempelbezirk schlafen zu legen.Ursprünglich sehr wahrscheinlich nicht gemeint ist die „Auferstehung“, viele alte Ausleger deuten das Wort aber daraufhin aus, z.B. Saadja, Raschi, Kimchi.
  3. Zu diesem V. siehe die Anmerkungen.