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Chapter 100

1 1 Ein Psalm (begleitetes Lied) zum Dank (zum Dankopfer, zum Dankgottesdienst, Preis, Lob, Wechselgesang?2) 3. Jubelt (schreit vor Freude)4 (über) JHWH zu, du ganze Erde (du ganzes Land)5!

Original Hebrew

הָרִ֥יעוּהר֥יעוהָרִיעוּהריעוha.Ri.'ushout for joyH7321HVhv2mp
לַ֝/יהוָ֗הל֝/יהו֗הלַ/יהוָהל/יהוהla./Yah.wehto/ YahwehH9005H3068GHR+Npt
כָּל\־כל\כָּל\־כל\kol-O allH3605\H9014HNcmsc
הָ/אָֽרֶץ\׃ה/ארץ\הָ/אָֽרֶץ\׃ה/ארץ\ha./'A.retzthe/ earthH9009H0776G\H9016HTd+Ncfsa
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Wechselgesang - so kürzlich Amzallag 2014, doch ist das eher unwahrscheinlich.
  3. לְתוֹדָה wird meist entweder verstanden als „zum Dankopfer“ (welches in früheren Zeiten in der Liturgie des Dankgottesdienstes im Tempel dargebracht wurde) oder als „zur Danksagung“ (die - in Form eines „Dankliedes“ - später das Dankopfer im Dankgottesdienst ablösen sollte; vgl. Gerstenberger 2001, S. 203). Welches der beiden hier vorzuziehen ist, ist unmöglich zu entscheiden; man wird es daher unspezifisch übersetzen müssen. Deshalb und wegen LF-Kriterium 3d (inhaltliche Offenheit) wohl am besten: „zum Dankgottesdienst“ (so Deissler 1989; HfA; Hossfeld/Zenger 2000; ähnlich BB („zur Dankfeier“)). Theoretisch möglich, da der Psalm ja einen Anlass des Dankens ganz unerwähnt lässt, wäre auch eine Übersetzung mit „Ein Lobpsalm“ und entsprechend in V. 4 „Lob“ oder „Loblied“; vgl. z.B. Kissane 1953, S. 135: „A psalm. For praise“; Terrien 2003, S. 688: „Psalm for praise“. Das machte den Psalm ein wenig kohärenter, wäre aber hier eine Minderheitenübersetzung; übersetze daher wie vorgeschlagen.
  4. Im Hebräischen Plural, da natürlich „ganze Erde“ - gleich, wie es genau zu deuten ist (s. nächste FN) - auf die Bewohner dieser Erde zu beziehen ist.
  5. Man kann bei Ps 100 grob zwei Auslegungslinien unterscheiden, die sich im Laufe der Zeit etabliert haben: (1) eine universale und (2) eine nationale. Mit der Entscheidung für eine der beiden Auslegungstraditionen fallen fast automatisch auch die Entscheidungen für drei einzelne Interpretationsfragen, die daher hier gesammelt behandelt werden sollen: # Die universale Auslegungslinie versteht als Adressaten des Psalms die nicht-JHWH-gläubigen fremden Völker, an die sich die Gottesdienstgemeinde sozusagen „fiktiv“ wendet, indem sie den Psalm betet. (a) כָּל־הָאָרֶץ in V. 1 ist daher zu verstehen als „du ganze Erde“; (b) das ּּעִבְדו in V. 2 ist zu verstehen als „sich unterwerfen, dienstbar sein“ und (c) דְּעוּ in V. 3 meint (wie meist) „erkennt“, da die fremden Völker ja wirklich zu einer für sie neuen Erkenntnis kommen sollen. So v.a. Jeremias 1998 und Jeremias 2004; auch Hossfeld/Zenger 2000; Kissane 1954; Zenger 2003 (Lohfink 1990 war mir noch nicht zugänglich). # Die nationale Auslegungslinie versteht als Adressaten des Psalms die versammelte Gottesdienstgemeinde, die ja in Vv. 3.5 tatsächlich auch antwortet. (a) כָּל־הָאָרֶץ ist entweder zu übersetzen als „du ganzes Land“ (Buttenwieser 1938; Gunkel 1968; Weber 1998) - zur Vorstellung vgl. 2Chr 30 - oder es ist nur „dichterische Redefigur“ (Nötscher 1959)/„Hyperbel“ (Prinsloo 1991) - vgl. Ps 98,4 - und es sind deshalb trotz der „wörtlichen“ Bedeutung ganze Erde nur die Bewohner Israels oder gar nur die Gottesdienstgemeinde gemeint. (b) ּּעִבְדו dient bezieht sich speziell auf den Gottesdienst, also i.S.v. „feiert Gottesdienst“ (Baethgen 1892; Briggs 1907; Deissler 1989; Ehrlich 1905; Gunkel 1968, S. 432; NL; R-S); vgl. Ex 3,12; 5,1.3; Jos 22,27; 2Sam 15,8; Ps 102,23; Jes 19,21. Und (c) דְּעוּ in V. 2 meint nicht „erkennt“, sondern „bekennt“ (Ehrlich 1905; Gerstenberger 1972; R-S; vgl. BDB 394; NET zu Jer 3,13; 14,20) und ist also ebenfalls wie 1b.2b als Aufruf zum JHWH-Preis zu verstehen. Den Ausschlag für Variante (2) gibt V. 3, da die Vorstellung, die Völker würden sich JHWH dienstbar machen und ihm dabei auch noch dankbar zujubeln zwar theoretisch möglich, aber doch recht fernliegend ist.

2 Dient (feiert Gottesdienst, feiert, verehrt) JHWH in Freude (Fröhlichkeit, Lustigkeit)1 kommt (hinein) vor ihn (in seine Wohnung, in sein Heiligtum)2 in Freudengeschrei (Freudenliedern)3

Original Hebrew

עִבְד֣וּעבד֣ועִבְדוּעבדו'iv.DuserveH5647HHVqv2mp
אֶת\־את\אֶת\־את\'et-<obj.>H0853\H9014HTo
יְהוָ֣היהו֣היְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
בְּ/שִׂמְחָ֑הב/שמח֑הבְּ/שִׂמְחָהב/שמחהbe./sim.Chahwith/ joyH9003H8057HR+Ncfsa
בֹּ֥אוּב֥אובֹּאוּבאוBo.'ucomeH0935GHVqv2mp
לְ֝/פָנָ֗י/ול֝/פנ֗י/ולְ/פָנָי/ול/פני/וle./fa.Na/v<to>/ before/ himH9005H6440HH9023HR+Ncmpc+Sp3ms
בִּ/רְנָנָֽה\׃ב/רננה\בִּ/רְנָנָֽה\׃ב/רננה\bi/r.na.Nahwith/ cries of joyH9003H7445\H9016HR+Ncfsa
  1. שִׂמחָה meint primär die lärmende Festfreude (Ges18, S. 1291). Hier kommt eine Vorstellung vom Gottesdienst zum Ausdruck, die in unserer europäischen Gottesdienstkultur wohl etwas verschüttet gegangen ist: Der Gottesdienst dient ganz entschieden auch dazu, &lt;blockquote&gt;„daß das ganze Volk im Angesicht Gottes fröhlich werde. Um dieser gemeinsamen Fröhlichkeit willen soll sich das ganze Volk am Jerusalemer Heiligtum zum Opfermahl versammeln: »[...] und ihr sollt daselbst vor Jahwe, eurem Gott, das Mahl halten und fröhlich sein, ihr und eure Familien. (Dtn 12,7)« Dieses »Ihr sollt fröhlich sein« ist typisch für die Kultgesetze vor allem des Deuternomiums (Dtn 12,7.18; 14,26; 16,11.14; 26,11; 27,7; Lev 23,40). Es ist eigentlich eine liturgische Anweisung. Die Freude gehört zum Gottesdienst, ohne Freude wäre der Gottesdienst kein ganzer Gottesdienst, das Fest kein ganzes Fest.“ (Haag 1978, S. 99f).&lt;/blockquote&gt;
  2. לְפָנָיו vor ihn = vor Gott meint hier wie oft „in den Tempel“ oder „am/im Heiligtum“; wie ja auch „seine Tore“ und „seine Vorhöfe“ in V. 4 klar die Tore und Vorhöfe des Tempels sind. Vgl. ad loc. Alter 2007; Briggs 1907; Kissane 1954; Mays 1969; Nötscher 1959; auch Ehrlich 1905, S. 359; SS, S. 41. Vgl. noch Jos 24,1; Ri 21,2; 1Sam 10,3; 1Chr 13,8.10; 1Chr 16,1; Ps 138,1; 1Q20 21,3; evt. auch Ps 61,8; 84,8.
  3. רְנָנָה meint primär das laute, gellende Rufen und erst danach auch das laute Jauchzen; wie beim parallelen שִׂמחָה wird hier also der Schwerpunkt auf die Intensität der Freudenäußerungen gelegt: Der Tempel soll in geradezu überbordender Fröhlichkeit betreten werden. Übrigens reimt sich im hebräischen Text רְנָנָה Freudengeschrei auf שִׂמחָה lärmende Festfreude; beide werden häufiger im Parallelismus verwendet (vgl. Auffret 2007, S. 236).

3 Erkennt (Bekennt), dass (: Wahrlich!, denn) JHWH Gott ist1! Er hat uns erschaffen, sein sind wir (und nicht wir)2 [wir sind]3 sein Volk und die Herde seiner Weide4.5

Original Hebrew

דְּע֗וּדע֗ודְּעוּדעוde.'UknowH3045HVqv2mp
כִּֽי\־כי\כִּֽי\־כי\ki-thatH3588A\H9014HTc
יְהוָה֮יהוה֮יְהוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
ה֤וּאה֤ואהוּאהואhu'heH1931HPp3ms
אֱלֹ֫הִ֥יםאל֫ה֥יםאֱלֹהִיםאלהים'E.lo.Him[is] GodH0430GHNcmpa
הֽוּא\־הוא\הֽוּא\־הוא\hu'-heH1931\H9014HPp3ms
עָ֭שָׂ/נוּע֭ש/נועָשָׂ/נוּעש/נו'A.sa./nuhe made/ usH6213HH9035HVqp3ms+Sp1bp
וְ/ל֣/וֹו/ל֣/ווְ/ל/וֹו/ל/וve./L/oand/ [belong] to/ himH9002H9005H9033HC+R+Sp3ms
אֲנַ֑חְנוּאנ֑חנואֲנַחְנוּאנחנו'a.Nach.nuweH0587HPp1bp
עַ֝מּ֗/וֹע֝מ֗/ועַמּ/וֹעמ/וa.M/opeople/ hisH5971AH9023HNcmsc+Sp3ms
וְ/צֹ֣אןו/צ֣אןוְ/צֹאןו/צאןve./Tzonand/ [the] flock ofH9002H6629GHC+Ncbsc
מַרְעִיתֽ/וֹ\׃מרעית/ו\מַרְעִיתֽ/וֹ\׃מרעית/ו\mar.'i.T/opasture/ hisH4830H9023\H9016HNcfsc+Sp3ms
  1. Nicht: JHWH, er [ist] Gott - הוּא verwendet als Pro-Kopula; vgl. dazu z.B. zuletzt wieder Holmstedt/Jones 2013.
  2. Ketiv liest „und nicht wir“ (ולא); so auch LXX, VUL, Syr, Sym. Dagegen Qere: „sein [sind] wir“ (ולו); so dann auch Tg, Hier, Aq, Saadia. Qere wird von fast allen vorgezogen (Ausnahmen: Auffret 2007; BB, Brueggemann 1985; Dahood 1968; ELB; FREE; JJ; LUT; Schmidt 1934; SLT; TAF); dem folgen auch wir.
  3. Zu ergänzen aus Sticho 3b (-&gt;Brachylogie).
  4. Hier wird die häufige Metapher vom JHWH als dem Hirten Israels aufgegriffen. „Die Herde seiner Weide“ o.Ä. findet sich auch in Ps 74,1; 78,71; 79,13; 95,7. Vielleicht ist diese Metapher im Deutschen nicht gut verständlich? Ps 78,71; 79,13; 95,7 legen nahe, dass „die Herde seiner Weide“ die Zugehörigkeit Israels zum Hirten JHWH ausdrücken soll und wohl nur meint „seine Herde“; also „wir sind sein Volk und seine Herde“. Ps 78,71 legt außerdem nahe, dass diese Metapher zusätzlich die Fürsorge des Hirten für diese seine Herde ausdrückt. Vielleicht wäre also eine kommunikativere Übersetzung dies: „Er hat uns erschaffen; wir sind sein Volk. / Er ist unser Hirt und wir sind seine Herde.“? - Vielleicht ist es aber auch gar nicht unverständlich?
  5. Vv. 3bc und V. 5 müssen recht wahrscheinlich gelesen werden als die Antwort der Kultgemeinde auf die jeweils vorangehenden Aufforderungen der Vorbeter (der Priester?), so dass die Struktur wäre: * Vv. 1b-3a: Aufruf zum Lob durch Vorbeter ** Vv. 3bc: Lob durch Kultgemeinde * V. 4: Aufruf zum Lob durch Vorbeter ** V. 5: Lob durch Kultgemeinde. So Gerstenberger 2001, S. 203; ähnlich Futato 2007, S. 51f.; Kraus 1961, S. 686. Hossfeld/Zenger 2000, S. 706f. und Jeremias 1998, S. 608 sehen nur V. 5 als Lob und Vv. 1b-4 als Aufruf zum Lob; das wäre wohl auch möglich, würde aber den Wechsel vom Imperativ zum Wir in Vv. 3a.b nicht erklären.

4 Kommt (hinein) durch seine Tore (die Tore seiner Wohnung/seines Heiligtums)1 mit Danklied (Dankopfer, Loblied)2! [Kommt (hinein)]3 in seine Höfe (die Höfe seiner Wohnung/seines Heiligtums) mit Lobgesang (Lobpreis)! Preist ihn, lobsingt (segnet)4 seinem Namen (ihm)5!

Original Hebrew

בֹּ֤אוּב֤אובֹּאוּבאוBo.'ugoH0935GHVqv2mp
שְׁעָרָ֨י/ו\׀שער֨י/ו\שְׁעָרָי/ו\׀שערי/ו\she.'a.Ra/vgates/ hisH8179GH9023\H9015HNcmpc+Sp3ms
בְּ/תוֹדָ֗הב/תוד֗הבְּ/תוֹדָהב/תודהbe./to.Dahwith/ thanksgivingH9003H8426HR+Ncfsa
חֲצֵרֹתָ֥י/וחצרת֥י/וחֲצֵרֹתָי/וחצרתי/וcha.tze.ro.Ta/vcourts/ hisH2691AH9023HNcfpc+Sp3ms
בִּ/תְהִלָּ֑הב/תהל֑הבִּ/תְהִלָּהב/תהלהbi/t.hi.Lahwith/ praiseH9003H8416HR+Ncfsa
הֽוֹדוּ\־הודו\הֽוֹדוּ\־הודו\ho.du-give thanksH3034\H9014HVhv2mp
ל֝֗/וֹל֝֗/ול/וֹל/וl/oto/ himH9005H9033HR+Sp3ms
בָּרֲכ֥וּברכ֥ובָּרֲכוּברכוba.ra.KhublessH1288HVpv2mp
שְׁמֽ/וֹ\׃שמ/ו\שְׁמֽ/וֹ\׃שמ/ו\she.M/oname/ hisH8034H9023\H9016HNcmsc+Sp3ms
  1. s. zur Alternative FN f
  2. Hier wird das selbe Wort wie in der Überschrift wiederholt; zu den Übersetzungsvarianten vgl. die erste FN.
  3. Zu ergänzen aus Sticho 4a (-&gt;Brachylogie).
  4. Keinesfalls „segnet seinen Namen“ (wie die Meisten); natürlich ist auch hier vom Lobsingen die Rede. In Vv. 1b-3a und 4a-c stehen dann jeweils vier Aufrufe zum JHWH-Preis: Jubelt - feiert in Freude - kommt mit freudigen Liedern - Bekennt | Kommt mit Danklied - Kommt mit Lobgesang - Preist - Lobsingt.
  5. Besonders im Kontext von Aussagen über JHWH steht sein „Name“ meist metonymisch für JHWH selbst; man bezeichnet so JHWH „im Menschenmund“.

5 {Ja! (Denn)}1 JHWH ist gut! Für immer ist (währt) seine Huld und von Generation zu Generation ist (währt) seine Treue (Verlässlichkeit)!

Original Hebrew

כִּי\־כי\כִּי\־כי\ki-forH3588A\H9014HTc
ט֣וֹבט֣ובטוֹבטובTov[is] goodH2896AHAamsa
יְ֭הֹוָהי֭הוהיְהֹוָהיהוהYah.wehYahwehH3068GHNpt
לְ/עוֹלָ֣םל/עול֣םלְ/עוֹלָםל/עולםle./'o.Lam[is] for/ everH9005H5769GHR+Ncmsa
חַסְדּ֑/וֹחסד֑/וחַסְדּ/וֹחסד/וchas.D/ocovenant loyalty/ hisH2617AH9023HNcmsc+Sp3ms
וְ/עַד\־ו/עד\וְ/עַד\־ו/עד\ve./'ad-and/ [is] toH9002H5704\H9014HC+R
דֹּ֥רד֥רדֹּרדרdora generationH1755HNcmsa
וָ֝/דֹ֗רו֝/ד֗רוָ/דֹרו/דרva./Dorand/ a generationH9002H1755HC+Ncmsa
אֱמוּנָתֽ/וֹ\׃אמונת/ו\אֱמוּנָתֽ/וֹ\׃אמונת/ו\'e.mu.na.T/ofaithfulness/ hisH0530H9023\H9016HNcfsc+Sp3ms
  1. Emphatisches כי zur Markierung der abschließenden hymnic affirmation (so z.B. Brueggemann 1985, S. 68; Gerstenberger 2001, S. 203); im Deutschen sollte es unübersetzt bleiben.