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Chapter 15

1 1 Ein Lied von (für, über, nach Art von) David. JHWH, wer darf (wird) gasten (Gast sein) in deinem Zelt (in deinen Zelten)2Und ({und})3 wer darf (wird) wohnen auf deinem heiligen Berg (auf dem Berg deiner Heiligkeit)?

Original Hebrew

יְ֭הֹוָהי֭הוהיְהֹוָהיהוהYah.wehO YahwehH3068GHNpt
מִי\־מי\מִי\־מי\mi-who?H4310\H9014HPi
יָג֣וּריג֣וריָגוּריגורya.Gurwill he sojournH1481AHVqi3ms
בְּ/אָהֳלֶ֑/ךָב/אהל֑/ךבְּ/אָהֳלֶ/ךָב/אהל/ךbe./'o.ho.Le./khain/ tent/ yourH9003H0168GH9021HR+Ncmsc+Sp2ms
מִֽי\־מי\מִֽי\־מי\mi-who?H4310\H9014HPi
יִ֝שְׁכֹּ֗ןי֝שכ֗ןיִשְׁכֹּןישכןyish.Konwill he dwellH7931HVqi3ms
בְּ/הַ֣רב/ה֣רבְּ/הַרב/הרbe./Haron/ [the] mountain ofH9003H2022GHR+Ncmsc
קָדְשֶֽׁ/ךָ\׃קדש/ך\קָדְשֶֽׁ/ךָ\׃קדש/ך\kod.She./chaholiness/ yourH6944GH9021\H9016HNcmsc+Sp2ms
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Mit dem Zelt könnte das mischkan gemeint sein, eine Art zeltförmiger transportabler Tempel, den die Israeliten mit sich durch die Wüste führten und der als „Wohnstatt“ Gottes diente (mischkan kommt von schakan, „wohnen“; zum Zelt s. z.B. Ex 25,8f.; Ex 26), oder das Zelt, das David stattdessen zum selben Zweck in Jerusalem errichtete (s. z.B. 1 Chr 15,1; 2 Chr 1,3f.). Der Tg und viele Handschriften haben wohl deshalb auch den Plural „Zelte“ statt den Singular. Später wurden diese Zelte abgelöst durch den Tempel, den Salomo auf dem „heiligen Berg“ Zion als neue Wohnstatt Gottes erbaute. Auch in Ps 27,4-6 werden „Tempel“ und „Zelt“ in einem Atemzug verwendet; vielleicht konnte „Zelt“ später also auch poetisch für den „Tempel“ stehen.
  3. Textkritik: Und ({und}) - „Und“ findet sich nicht im Codex Leningradensis, aber in vielen Handschriften, LXX, Syr, VUL und Hier und ist damit wohl urprünglich.

2 „[Wer] redlich wandelt Und Gerechtes (recht) tut Und Wahres sagt (denkt) in seinem Herzen (ausspricht, [was] wahrhaft in seinem Herzen [ist]),1

Original Hebrew

הוֹלֵ֣ךְהול֣ךהוֹלֵךְהולךho.Lekh[one who] walksH1980IHVqrmsa
תָּ֭מִיםת֭מיםתָּמִיםתמיםTa.mimblamelessH8549HHAamsa
וּ/פֹעֵ֥לו/פע֥לוּ/פֹעֵלו/פעלu./fo.'Eland/ [one who] doesH9002H6466HC+Vqrmsa
צֶ֑דֶקצ֑דקצֶדֶקצדקTze.dekrighteousnessH6664GHNcmsa
וְ/דֹבֵ֥רו/דב֥רוְ/דֹבֵרו/דברve./do.Verand/ [one who] speaksH9002H1696GHC+Vqrmsa
אֱ֝מֶ֗תא֝מ֗תאֱמֶתאמת'e.MettruthH0571HHNcfsa
בִּ/לְבָבֽ/וֹ\׃ב/לבב/ו\בִּ/לְבָבֽ/וֹ\׃ב/לבב/ו\bi/l.va.V/oin/ heart/ hisH9003H3824H9023\H9016HR+Ncmsc+Sp3ms
  1. Wahres sagt (denkt) in seinem Herzen (ausspricht, [was] wahrhaft in seinem Herzen [ist]) - etwas schwierige Zeile, die leider nur selten kommentiert wird. Das Herz ist in der heb. Anthropologie seltener Sitz der Emotionen als des Verstandes; einfacher könnte man also schlicht schreiben: »wer Wahres denkt«. Weil der Psalm hier ethische Regeln aufstellt, würde hier also gesagt, dass Irrtümer ethisch falsch sind. Zu dieser weisheitlichen Vorstellung s. die Anmerkungen zu Ps 14; sinngemäß richtig also Saadja: »Wer die Wahrheit bekennt in seinem Herzen«.Alternativ könnte man wie in unserer Alternativübersetzung (nach Olshausen) deuten als »Wer ausspricht, [was] wahrhaft in seinem Herzen [ist]« (so schon Raschi; auch MEN: »wer die Wahrheit redet, wie's ihm ums Herz ist«); die Rede wäre dann von der Aufrichtigkeit im Gegensatz zur Verlogenheit wie z.B. in Ps 12,3. Sprachlich liegt die erste Deutung aber näher. Viele dt. Üss. übersetzen als »wer von (ganzem) Herzen die Wahrheit sagt« (z.B. ASTADLER, BB, EÜ16, LUT17, NGÜ, STAD), doch den Ausdruck »von ganzem Herzen« gibt es mit dieser Bed. nicht im Heb.

3 Nicht Verleumdung auf seiner Zunge [hatte],1 ([Und])2 Nicht tat seinem Genossen Schaden (Böses)3Und Schande nicht trug wegen seinem Nächsten (nicht lud auf seinen Nächsten?),4

Original Hebrew

לֹֽא\־לא\לֹֽא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
רָגַ֨ל\׀רג֨ל\רָגַל\׀רגל\ra.Galhe takes slanderH7270\H9015HVqp3ms
עַל\־על\עַל\־על\'al-onH5921A\H9014HR
לְשֹׁנ֗/וֹלשנ֗/ולְשֹׁנ/וֹלשנ/וle.sho.N/otongue/ hisH3956GH9023HNcbsc+Sp3ms
לֹא\־לא\לֹא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
עָשָׂ֣העש֣העָשָׂהעשה'a.Sahhe doesH6213AHVqp3ms
לְ/רֵעֵ֣/הוּל/רע֣/הולְ/רֵעֵ/הוּל/רע/הוle./re.'E./huto/ neighbor/ hisH9005H7453H9023HR+Ncmsc+Sp3ms
רָעָ֑הרע֑הרָעָהרעהra.'AhevilH7451IHNcfsa
וְ֝/חֶרְפָּ֗הו֝/חרפ֗הוְ/חֶרְפָּהו/חרפהve./cher.Pahand/ reproachH9002H2781HC+Ncfsa
לֹא\־לא\לֹא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
נָשָׂ֥אנש֥אנָשָׂאנשאna.Sa'he lifts upH5375NHVqp3ms
עַל\־על\עַל\־על\'al-onH5921A\H9014HR
קְרֹֽב/וֹ\׃קרב/ו\קְרֹֽב/וֹ\׃קרב/ו\ke.Ro.o/vkinsman/ hisH7138H9023\H9016HAamsc+Sp3ms
  1. Verleumdung - Wortspiel im Heb.: Das Wort kommt von heb. regel (»Fuß, Bein«), bed. meistens »(als Kundschafter) laufen« und kommt damit aus dem selben Wortfeld wie das »wandeln« in V. 2.Textkritik: Verleumdung auf seiner Zunge hat - W. nach BHS »Wer verleumdet auf seiner Zunge«; lies statt dem Verb rāgal (»verleumdet«) besser das Abstraktsubstantiv rāgāl (»Verleumdung«), da die Präposition `al (»auf«) vor »seine Zunge« nicht gut mit dem Verb zusammenpasst (so auch ZLH, S. 755; ähnlich Budde 1915, S. 182). Selbst Sir 5,14, dessen Autor sich wohl an unserem Vers orientiert, ändert daher dennoch die Präposition el (s. Sir 4,28) nach b. Zur Konstruktion mit Substantiv vgl. 2 Sam 23,2; Spr 31,26; vgl. auch Jes 53,9. So wohl auch MEN, OEB, SLT, TEX.
  2. Textkritik: ([Und]) - Die Konjunktion findet sich nicht im Text der BHS, aber in wenigen Handschriften, LXX und Syr; nicht aber in VUL und Hier. Die Kolometrie des Psalms ist recht klar; in Teil 2 des Psalms wird sonst jede zweite(/dritte) Zeile eingeleitet durch eine Konjunktion – das (anders als in V. 1) nicht sehr gut bezeugte »und« lässt sich daher erklären als Angleichung an diese Struktur.
  3. seinem Genossen Schaden - Klangspiel: re`ehu ra`ah.
  4. Schande nicht trug wegen seinem Nächsten (nicht lud auf seinen Nächsten?) - Nach der Alternativübersetzung übersetzen fast alle Üss. und Kommentare, was nach den Wortbedeutungen auch möglich wäre, doch ist naßah cherpah `al ein Idiom, das sonst stets »Schande tragen wegen« bedeutet (s. Ps 69,8; Jer 15,5; 31,19; Ez 36,14; Mic 6,16; auch Ps 89,51). Richtig daher Alter 2007, S. 44: »Nor bears reproach for his kin«; Ehrlich 1905, S. 26: »und auf sich keine Schmach ladet ob seines Verwandten«; R-S: »nicht Schmach ob der Verwandten auf sich nimmt«; Sarna 1993, S. 98: »or borne reproach for [his acts toward] his neighbor«. Was gemeint ist, ist unklar; sinnvoll aber Ehrlich: »Um eines Verwandten willen Schmach auf sich laden ist so viel, als einen gottlosen Verwandten vor der verdienten Strafe schützen, statt ihn ihr preiszugeben, und sich so derselben Schmach aussetzen« (ebenso R-S in den Erläuterungen): Seine Schmach mittragen. Zeile 2 spricht von den bösen Taten, die man selbst begeht, Zeile 3 von Komplizenschaft.Vv. 2f. sind chiastisch gebaut: 2ab sprechen vom rechten Handeln, 2c vom rechten Reden (im Herzen, also denken); 3a vom falschen Reden und 3bc vom falschen Handeln.

4 Verachtet [den] in seinen Augen Verworfenen ([bei dem] verachtet [ist der] in seinen Augen Verworfene; in seinen [eigenen] Augen verachtet, verworfen [ist])1Und (aber) den JHWH-fürchtigen ehrt,Schwor dem Genossen (zu schaden, zum Schaden?)2Und nicht ändert,

Original Hebrew

נִבְזֶ֤ה\׀נבז֤ה\נִבְזֶה\׀נבזה\niv.Zeh[is] despisedH0959\H9015HVNrmsa
בְּֽ/עֵ֘ינָ֤י/וב/ע֘ינ֤י/ובְּֽ/עֵינָי/וב/עיני/וbe./'Ei.Na/vin/ view/ hisH9003H5869AH9023HR+Ncfdc+Sp3ms
נִמְאָ֗סנמא֗סנִמְאָסנמאסnim.'Asa rejected [person]H3988AHVNrmsa
וְ/אֶת\־ו/את\וְ/אֶת\־ו/את\ve./'Etand/ <obj.>H9002H0853\H9014HC+To
יִרְאֵ֣יירא֣ייִרְאֵייראיyir.'Ei[those] fearingH3373HAampc
יְהוָ֣היהו֣היְהוָהיהוהYah.weh<of> YahwehH3068GHNpt
יְכַבֵּ֑דיכב֑דיְכַבֵּדיכבדye.kha.Bedhe honorsH3513GHVpi3ms
נִשְׁבַּ֥ענשב֥ענִשְׁבַּענשבעnish.Ba'he swearsH7650HVNp3ms
לְ֝/הָרַ֗על֝/הר֗עלְ/הָרַעל/הרעle./ha.Ra'to/ do harmH9005H7489AHR+Vhcc
וְ/לֹ֣או/ל֣אוְ/לֹאו/לאve./Lo'and/ notH9002H3808HC+Tn
יָמִֽר\׃ימר\יָמִֽר\׃ימר\ya.Mirhe changesH4171\H9016HVhi3ms
  1. Also jenen, den in seinen Augen Gott vorworfen hat: den Sünder. Gut daher NGÜ: »Er wird den verachten, den Gott verworfen hat« (ähnlich GN, TEX); sinnvoll auch HER, LUT (leider nicht mehr LUT17): »der den Gottlosen verachtet«.tFN: Alternative 1 folgt dem Text der BHS (so auch die meisten Üss.); sowohl »verachtet« als auch »verworfen« sind hier Partizipien und man muss aus dem Kontext erschließen, was Subjekt und was Prädikat ist (so die meisten Üss.). Alternative 2 geht aufgrund derselben Tatsache davon aus, dass beide Wörter den selben syntaktischen Status haben, obwohl das eine am Zeilenbeginn, das andere am Zeilenende steht (ähnlich aber z.B. auch Jes 43,4), die Rede wäre hier wie in 1 Sam 15,17; 2 Sam 6,22; Ps 131; Jes 57,15; Lk 18,13f. von einer demütigen Haltung. So schon Tg und die alten jüd. Ausleger Saadja, Ibn Ezra und Kimchi; auch gerade die grammatisch sehr fähigen Kommentatoren Delitzsch 1894, S. 149; Ehrlich 1905, S. 27; Hitzig 1863, S. 77 und Zorell 1928, S. 19; auch ALB. Unsere Primärübersetzung geht mit Zuber 1986, S. 29 davon aus, dass das erste Partizip als finites Verb zu vokalisieren ist (ähnlich Dahood 1965, S. 84, der das zweite Verb, und Driver 1942, S. 152, der beide Partizipien als finite Verben vokalisieren will).
  2. dem Genossen (zu schaden, zum Schaden?) - der also einen geleisteten Schwur nicht bricht. Textkritik: dem Genossen (zu schaden, zum Schaden?) - die Konsonanten lassen beide Deutungen zu. LXX, Sym, Syr und VUL vereindeutigen durch Übersetzung zur Primärübersetzung, MT, Tg, Hier, Aq, Theod durch Vokalisierung oder Übersetzung zur Alternativübersetzung. Diese Alternativübersetzung, nach der auf den ersten Blick jemand als gut bezeichnet wird, weil er etwas Böses schwört und dann auch dabei bleibt, ist entweder zu erklären als »etwas schwören, wovon sich dann herausstellt, dass es für jmdn selbst zum Schaden war, und dennoch dem Schwur treu bleiben« (HfA: »Jeder, der hält, was er geschworen hat, auch wenn ihm daraus Nachteile entstehen«; EÜ16: »Er wird nicht ändern, was er zum eigenen Schaden geschworen hat.« u.ö.) oder, sprachlich näherliegend, »der schwört, [sich] zu schädigen« (z.B. durch Fasten oder durch das Einhalten von Sabbatgeboten) und darin hart bleibt (so b.Mak 24a; Saadja; Kimchi, Ibn Ezra, Ehrlich 1905, S. 27: »schwor, sich etwas zu entsagen«).

5 Sein Geld nicht verliehen (gegeben) hat gegen ZinsUnd Geschenke (Bestechungsgelder) gegen einen Unschuldigen nicht genommen hat.1 [Wer] dies tut, Wird auf ewig nicht wanken.“2

Original Hebrew

כַּסְפּ֤/וֹ\׀כספ֤/ו\כַּסְפּ/וֹ\׀כספ/ו\kas.P/omoney/ hisH3701GH9023\H9015HNcmsc+Sp3ms
לֹא\־לא\לֹא\־לא\lo'-notH3808\H9014HTn
נָתַ֣ןנת֣ןנָתַןנתןna.Tanhe givesH5414HHVqp3ms
בְּ/נֶשֶׁךְ֮ב/נשך֮בְּ/נֶשֶׁךְב/נשךbe./ne.sheKhfor/ interestH9003H5392HR+Ncmsa
וְ/שֹׁ֥חַדו/ש֥חדוְ/שֹׁחַדו/שחדve./Sho.chadand/ a bribeH9002H7810HC+Ncmsa
עַל\־על\עַל\־על\'al-onH5921A\H9014HR
נָקִ֗ינק֗ינָקִינקיna.Ki[the] innocentH5355AHAamsa
לֹ֥אל֥אלֹאלאlo'notH3808HTn
לָ֫קָ֥חל֫ק֥חלָקָחלקחla.Kachhe takesH3947GHVqp3ms
עֹֽשֵׂה\־עשה\עֹֽשֵׂה\־עשה\'o.seh-[one who] doesH6213A\H9014HVqrmsc
אֵ֑לֶּהא֑להאֵלֶּהאלה'E.leh<of> these [things]H0428HTm
לֹ֖אל֖אלֹאלאlo'notH3808HTn
יִמּ֣וֹטימ֣וטיִמּוֹטימוטyi.Mothe will be shakenH4131HVNi3ms
לְ/עוֹלָֽם\׃ל/עולם\לְ/עוֹלָֽם\׃ל/עולם\le./'o.Lamfor/ everH9005H5769G\H9016HR+Ncmsa
  1. Zum Zinsverbot s. Ex 22,24; Lev 25,37; Dtn 23,20f.; Ez 18,8, zur Bestechlichkeit Ex 23,8; Dtn 16,19; 27,25; Jes 1,23; Mi 3,11.
  2. Das „Wanken“ ist in der biblischen Poesie eine häufige Metapher für eine Gefährdung, aus der direkt Vernichtung und Tod folgt. Wer dagegen „nicht wankt“ ist sicher und geschützt und wird daher ewig bestehen; s. bes. gut Spr 10,30; 12,3; auch Ps 16,8; 30,7; 46,6f; 62,3.7; 112,6; 125,1.