reltext

Chapter 1

1 1 Seit viele es unternommen haben, aufzuschreiben eine Erzählung der Dinge, die unter uns völlig geglaubt werden,

Original Greek

ἘπειδήπερEpeidēperInasmuch asG1895CONJ
πολλοὶpolloimanyG4183A-NPM
ἐπεχείρησανepecheirēsanundertookG2021V-AAI-3P
ἀνατάξασθαιanataxasthaito draw upG0392V-ADN
διήγησινdiēgēsina narrationG1335N-ASF
περὶpericoncerningG4012PREP
τῶνtōntheG3588T-GPN
πεπληροφορημένωνpeplērophorēmenōnaccomplishedG4135V-RPP-GPN
ἐνenamongG1722PREP
ἡμῖνhēminusG3165P-1DP
πραγμάτων,pragmatōnthings,G4229N-GPN
  1. [Status: Ungeprüft]

2 so, wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren,

Original Greek

καθὼςkathōseven asG2531CONJ
παρέδοσανparedosandelivered [them]G3860V-2AAI-3P
ἡμῖνhēminto usG3165P-1DP
οἱhoithoseG3588T-NPM
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
ἀρχῆςarchēs[the] beginningG0746N-GSF
αὐτόπταιautoptaieyewitnessesG0845N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ὑπηρέταιhupēretaiservantsG5257N-NPM
γενόμενοιgenomenoihaving beenG1096V-2ADP-NPM
τοῦtouof theG3588T-GSM
λόγου,logouword,G3056N-GSM

3 scheint es auch mir, der ich von Anfang an allem sorgfältig nachgegangen bin, der Reihe nach dir aufzuschreiben, vortrefflichster Theophilus,

Original Greek

ἔδοξενedoxenit seemed goodG1380V-AAI-3S
κἀμοὶkamoialso to meG1473P-1DS + G2532
παρηκολουθηκότιparēkolouthēkotihaving been acquaintedG3877V-RAP-DSM
ἄνωθενanōthenfrom the firstG0509ADV
πᾶσινpasinwith all thingsG3956A-DPN
ἀκριβῶςakribōscarefullyG0199ADV
καθεξῆςkathexēswith methodG2517ADV
σοιsoito youG4771P-2DS
γράψαι,grapsaito write,G1125V-AAN
κράτιστεkratistemost excellentG2903A-VSM
Θεόφιλε,TheophileTheophilus,G2321N-VSM-P

4 damit du erkennst, in den Dingen, in denen du unterrichtet worden bist, die Sicherheit der Worte.

Original Greek

ἵναinaso thatG2443CONJ
ἐπιγνῷςepignōsyou may knowG1921V-2AAS-2S
περὶpericoncerningG4012PREP
ὧνhōnwhichG3739R-GPM
κατηχήθηςkatēchēthēsyou were instructedG2727V-API-2S
λόγωνlogōn[of the] thingsG3056N-GPM
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἀσφάλειαν.¶asphaleiancertainty.G0803N-ASF

5 Es war in den Zeiten des Herodes, König von Judäa, irgendein Priester mit Namen Zacharias, aus der Klasse (Wochendienst) des Abijah, und seine Frau war aus den Töchtern des Aaron und der Name dieser war Elisabeth.

Original Greek

ἘγένετοEgenetoThere wasG1096V-2ADI-3S
ἐνeninG1722PREP
ταῖςtaistheG3588T-DPF
ἡμέραιςhēmeraisdaysG2250N-DPF
ἩρῴδουHērōdouof HerodG2264GN-GSM-P
τοῦtou<the>G3588T-GSM
βασιλέωςbasileōskingG0935N-GSM
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ἸουδαίαςIoudaiasof JudeaG2449N-GSF-L
ἱερεύςhi'ereusa priestG2409N-NSM
τιςtiscertainG5100X-NSM
ὀνόματιonomatinamedG3686N-DSN
ΖαχαρίαςZachariasZechariahG2197HN-NSM-P
ἐξexof [the]G1537PREP
ἐφημερίαςephēmeriasdivisionG2183N-GSF
Ἀβιά,Abiaof Abijah,G0007HN-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἡhētheG3588T-NSF
γυνὴgunēwifeG1135HN-NSF
αὐτῷautōof himG0846P-DSM
ἐκekofG1537PREP
τῶνtōntheG3588T-GPF
θυγατέρωνthugaterōndaughtersG2364N-GPF
ἈαρὼνAarōnof AaronG0002N-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
ὄνομαonomanameG3686N-NSN
αὐτῆςautēsof herG0846P-GSF
Ἐλισάβετ.¶ElisabetElizabeth.G1665N-NSF-P

6 Es waren aber beide gerecht vor Gott, wobei beide in allen Befehlen und Satzungen des Herrn untadelig (fehlerlos) wandelten.

Original Greek

ἦσανēsanThey wereG1510V-IAI-3P
δὲdenowG1161CONJ
δίκαιοιdikaioirighteousG1342A-NPM
ἀμφότεροιamphoteroibothG0297A-NPM
ἐναντίονenantionin front ofG1726PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouGodG2316N-GSM-T
πορευόμενοιporeuomenoiwalkingG4198V-PNP-NPM
ἐνeninG1722PREP
πάσαιςpasaisallG3956A-DPF
ταῖςtaistheG3588T-DPF
ἐντολαῖςentolaiscommandmentsG1785N-DPF
καὶkaiandG2532CONJ
δικαιώμασινdikaiōmasinordinancesG1345N-DPN
τοῦtouof theG3588T-GSM
κυρίουkuriouLordG2962GN-GSM-T
ἄμεμπτοι.amemptoiblameless.G0273A-NPM

7 Aber es war ihnen kein Kind, weil die Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren alt in ihren Tagen.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
οὐκouknoG3756PRT-N
ἦνēnthere wasG1510V-IAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
τέκνον,teknonchild,G5043N-NSN
καθότιkathotiinasmuch asG2530CONJ
ἦνēnwasG1510V-IAI-3S
ἡhē<the>G3588T-NSF
ἘλισάβετElisabetElizabethG1665N-NSF-P
στεῖραsteirabarrenG4723N-NSF
καὶkaiandG2532CONJ
ἀμφότεροιamphoteroibothG0297A-NPM
προβεβηκότεςprobebēkoteshaving advancedG4260V-RAP-NPM
ἐνeninG1722PREP
ταῖςtaistheG3588T-DPF
ἡμέραιςhēmeraisyearsG2250N-DPF
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
ἦσαν.¶ēsanwere.G1510V-IAI-3P

8 Es war aber, als er seinen Priesterdienst leistete, in der Ordnung seiner Klasse (seines Wochendienstes), vor Gott,

Original Greek

ἘγένετοEgenetoIt came to passG1096V-2ADI-3S
δὲdenowG1161CONJ
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ἱερατεύεινhi'erateueinpriestly servingG2407V-PAN
αὐτὸνautonof himG0846P-ASM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
τάξειtaxeiorderG5010N-DSF
τῆςtēsof theG3588T-GSF
ἐφημερίαςephēmeriasdivisionG2183N-GSF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ἔναντιenantibeforeG1725PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦ,theouGod,G2316N-GSM-T

9 gemäß des Brauches der Priesterschaft, erhielt er das Los, den Weihrauch im Tempel des Herrn darzubringen,

Original Greek

κατὰkataaccording toG2596PREP
τὸtotheG3588T-ASN
ἔθοςethoscustomG1485N-ASN
τῆςtēsof theG3588T-GSF
ἱερατείαςhi'erateiaspriesthoodG2405N-GSF
ἔλαχενelachenthe lot picked [him as]G2975V-2AAI-3S
τοῦtouthe [one]G3588T-GSN
θυμιᾶσαιthumiasaito burn incenseG2370V-AAN
εἰσελθὼνeiselthōnenteringG1525V-2AAP-NSM
εἰςeisintoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ναὸνnaontempleG3485N-ASM
τοῦtouof theG3588T-GSM
κυρίου·kuriouLord;G2962GN-GSM-T

10 und die ganze Menge des Volkes war außerhalb, betend, zur Stunde des Weihrauches.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
πᾶνpanallG3956A-NSN
τὸtotheG3588T-NSN
πλῆθοςplēthosmultitudeG4128N-NSN
ἦνēnwereG1510V-IAI-3S
τοῦtouof theG3588T-GSM
λαοῦlaoupeopleG2992N-GSM
προσευχόμενονproseuchomenonprayingG4336V-PNP-NSN
ἔξωexōoutsideG1854PREP
τῇtēaat theG3588T-DSF
ὥρᾳhōrahourG5610N-DSF
τοῦtouof theG3588T-GSN
θυμιάματος.¶thumiamatosincense.G2368N-GSN

11 Es erschien ihm aber ein Engel des Herrn, stehend auf der Rechten des Altars des Weihrauches.

Original Greek

ὬφθηŌphthēAppearedG3700HV-API-3S
δὲdethenG1161CONJ
αὐτῷautōto himG0846P-DSM
ἄγγελοςangelosan angelG0032GN-NSM
κυρίουkuriouof [the] LordG2962GN-GSM-T
ἑστὼςhestōsalready standingG2476V-RAP-NSM
ἐκekatG1537PREP
δεξιῶνdexiōn[the] rightG1188A-GPN
τοῦtouof theG3588T-GSN
θυσιαστηρίουthusiastērioualtarG2379N-GSN
τοῦtouof theG3588T-GSN
θυμιάματος·thumiamatosincense;G2368N-GSN

12 Und er geriet in Unruhe, als Zacharias ihn sah und es fiel Furcht auf ihn.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐταράχθηetarachthēwas troubledG5015V-API-3S
ΖαχαρίαςZachariasZechariahG2197HN-NSM-P
ἰδών,idōnhaving seen [him],G1492HV-2AAP-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
φόβοςphobosfearG5401N-NSM
ἐπέπεσενepepesenfellG1968V-2AAI-3S
ἐπ᾽ep᾽uponG1909PREP
αὐτόν.¶autonhim.G0846P-ASM

32 1 Dieser wird groß sein und er wird Sohn des Allerhöchsten genannt werden und der Herr, Gott, wird ihm geben den Thron Davids, seines Vaters.

Original Greek

οὗτοςhoutosHeG3778D-NSM
ἔσταιestaiwill beG1510V-FDI-3S
μέγαςmegasgreatG3173A-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM
ὑψίστουhupsistouof [the] Most HighG5310A-GSM-S
κληθήσεται,klēthēsetaiHe will be called,G2564GV-FPI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
δώσειdōseiwill giveG1325V-FAI-3S
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
κύριοςkurios[the] LordG2962GN-NSM-T
ὁho<the>G3588T-NSM
θεὸςtheosGodG2316N-NSM-T
τὸνtontheG3588T-ASM
θρόνονthrononthroneG2362N-ASM
ΔαυὶδDauidof DavidG1138N-GSM-P
τοῦtouof theG3588T-GSM
πατρὸςpatrosfatherG3962N-GSM
αὐτοῦ,autouof Him,G0846P-GSM
  1. [Status: Ungeprüft]

46 1 Und Maria2 sprach:3 „Meine Seele (Ich)4 preist (macht groß5, dankt)6 den Herrn 7 8 9 10“„

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἶπενeipensaidG2036V-2AAI-3S
Μαριάμ·MariamMary:G3137GN-NSF-P
μεγαλύνειmegaluneiMagnifiesG3170V-PAI-3S
ἡhētheG3588T-NSF
ψυχήpsuchēsoulG5590IN-NSF
μουmouof MineG3165P-1GS
τὸνtontheG3588T-ASM
κύριον,kurionLord,G2962GN-ASM-T
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Textkritik: Drei altlateinische Handschriften (ms. a (4. Jh.), b (5. Jh.) und 1* (7./8. Jh. - hier allerdings nachträglich wieder korrigiert zu „Maria“)) haben statt „Maria“ „Elisabeth“; zudem sprechen auch zwei Mss. von Irenäus´ „Adv. Haer.“ 4,7,1 von Elisabeth als der Sängerin des Magnifikats (aber auch hier haben die restlichen Mss. „Maria“; und selbst in diesen bessagten zwei Mss. heißt es an anderer Stelle, dass Maria die Sängerin wäre). Auch eine Origines-Übersetzung des Hieronymus ist überliefert, die erkennen lässt, dass wohl auch Origines diese Elisabeth-Variante kannte, und auch in einer Predigt von Nicetas von Remesiana findet sich diese Tradition. Diese textkritische Evidenz ist sehr gering; dennoch wird seit Loisy 1907 und Harnack 1900 immer wieder darüber diskutiert. Drei Positionen haben sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert (vgl. die Übersicht in Metzger 109): # Der ursprüngliche Text hat „Maria“ und in einigen Handschriften wurde dies nachträglich in „Elisabeth“ geändert (In der neueren Forschung die fast ausschließlich vertretene) # Der ursprüngliche Text hat „Elisabeth“ und wurde nachträglich zu „Maria“ geändert (diese Position wird fast gar nicht vertreten) # Explizit wird im ursprünglichen Text überhaupt keine Sprecherin des Magnifikats identifiziert; ursprünglich habe dort einfach καῖ εἰπεν („und sie sprach“) gestanden. Sowohl „Maria“ als auch „Elisabeth“ sind nachträgliche Hinzufügungen (so z.B. ausführlichst Benko 1967) - die Position hat aber die entscheidende Schwäche, dass keine einzige Handschrift überliefert ist, in der diese Textversion überliefert wäre. Für eine Textänderung wie in (2) oder (3) reicht die Evidenz nicht ansatzweise aus; natürlich ist Variante (1) beizubehalten.
  3. 1 Samuel 2,1
  4. Sehr gebräuchlicher Semitismus; »Seele« und »Geist« dient nur als Wechselbegriff für »ich« (vgl. Wolff 1973, S. 25f; ad. loc. auch Bovon 1989, S. 87; Culy et al. 2010, S. 42; Noland 1989) - eine hebräische Stileigentümlichkeit, die es im Deutschen nicht gibt und die daher in der LF als »ich preise« übertragen werden muss. Sehr ähnliche Stellen finden sich in der Bibel z.B. in Ps 34,3; 35,9; 103,1f.22; 104,1.35; 146,2; Tob 13,15.
  5. So eine häufig gewählte und auch durchaus zulässige Übersetzung von μεγαλύνειν (vgl. BA 1007; BAG 497; Gemoll 518; LSJ; Muraoka 445; Pape 108; Thayer). Sie macht aber in unserem Zusammenhang nicht viel Sinn, denn sicher will der Autor nicht sagen, dass Gottes »Groß-Sein« der Seele Mariens geschuldet wäre.
  6. Vv. 46f. verdichten einen weiteren Semitismus: »X preist Y, denn Z« ist im Hebräischen eine formelhafte Wendung für »X dankt Y für Z« (vgl. Lande 1949, S. 106f). Hier lässt sich sich besonders leicht ins Deutsche übertragen: Da ἠγαλλίασεν im synonymen Parallelismus zu μεγαλύνει steht, kann eines der beiden Glieder ohne semantische Einbußen problemlos durch »danken« ersetzt werden. Übersetze: »Ich preise den Herrn / und danke ihm dafür, dass...«.
  7. Psalm 34,2
  8. Psalm 69,31
  9. Apostelgeschichte 10,46
  10. Apostelgeschichte 19,17

47 und mein Geist (Ich) jubelt (begann, zu jubeln)1 über Gott (dankt Gott), meinen Retter, 2 3 4“

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
ἠγαλλίασενēgalliasenrejoicesG0021V-AAI-3S
τὸtotheG3588T-NSN
πνεῦμάpneumaspiritG4151GN-NSN
μουmouof mineG3165P-1GS
ἐπὶepiinG1909PREP
τῷtō<the>G3588T-DSM
θεῷtheōGodG2316N-DSM-T
τῷtōtheG3588T-DSM
σωτῆρίsōtēriSaviorG4990N-DSM
μου,mouof mine,G3165P-1GS
  1. ἠγαλλίασεν steht im Gegensatz zu μεγαλύνει (Präsens) im Aorist, weshalb z.B. NET hier ingressiv übersetzen will mit »has begun to rejoice«; ebenso Bovon 1989; Nolland 1989. Vermutlich ist aber auch dies als stilistischer Semitismus zu verstehen, nämlich als (bedeutungsloser) T-Shift (so die Mehrheit, z.B. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 173; Gunkel 1921, S. 46; NSS; Schürmann 1969, S. 73; Weiss 1901, S. 285).
  2. Jesaja 61,10
  3. Habakuk 3,18
  4. Psalm 35,9

48 denn (dafür, dass) auf die Armut (Niedrigkeit, Demut)1 seiner Sklavin (Magd)2 hat er geschaut (sich angenommen)3 4 5 6 7 - „ {siehe}8 von nun an halten für glücklich (werden mich für glücklich halten)9 mich alle Geschlechter (jeder)! 10 11 12 13- (:)14 “

Original Greek

ὅτιhotiForG3754HCONJ
ἐπέβλεψενepeblepsenHe has lookedG1914V-AAI-3S
ἐπὶepiuponG1909PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
ταπείνωσινtapeinōsinhumiliationG5014N-ASF
τῆςtēsof theG3588T-GSF
δούληςdoulēshandmaidenG1401N-GSF
αὐτοῦ.autouof Him.G0846P-GSM
ἰδοὺidouBeholdG2400INJ
γὰρgarforG1063CONJ
ἀπὸapofromG0575PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
νῦνnunhenceforthG3568ADV
μακαριοῦσίνmakariousinwill count blessedG3106V-FAI-3P
μεmemeG3165P-1AS
πᾶσαιpasaiallG3956A-NPF
αἱhaitheG3588T-NPF
γενεαὶgeneaigenerationsG1074N-NPF
  1. Meist: „Niedrigkeit“. Die zweite Alternative, „Demut“, ist recht unwahrscheinlich, denn hierfür stehen in LXX und NT eigene Begriffe bereit. Ταπείνωσις ist hier relativ sicher sozial bzw. wirtschaftlich als „Armut“ zu verstehen (Bovon 1989, S. 88; Clines 2011, S. 5; Krüger 2005, S. 2; Plummer 1903, S. 32), da es gut zusammenstimmt mit dem folgenden δούλη und auch dadurch nahegelegt wird, dass in V. 52 ταπεινούς kontrastiert wird mit δυνάστας; zudem ist der Gegensatz von Reichen und Armen ein häufigeres lukanisches Theologumenon (vgl. z.B. Lk 4,18f). Schnackenburg 1965, S. 346f. glaubt außerdem, zusätzlich Parallelen von hier zum Motiv der Armenfrömmigkeit in Qumran ziehen zu können. „Niedrigkeit“ ist eine unnötige Verallgemeinerung. Einige denken aufgrund der Parallelen des Verses zu 1Sam 1,11; Ps 113 und 4Esra 9,45 daran, dass es sich hier um einen stehenden Ausdruck für Unfruchtbarkeit handeln würde (z.B. Zorell 1928, S. 288f.; ähnlich Klein 2006, S. 108f). Aus dem Mund Mariens macht das aber keinen Sinn und es spricht auch nichts gegen und einiges für die Lesart „Armut“, weshalb diese auf jeden Fall vorzuziehen ist (vgl. auch Bossuet / Weiß 1917, S. 404; Schürmann 1969, S. 73f.). Vgl. außerdem die nächste Fußnote.
  2. Meist: „Magd“; δούλη bedeutet aber „Sklavin“ und nur in Einzelfällen wird es allgemein für soziale Rangunterschiede verwendet (aber auch hierfür wäre „Magd“ eine eher unpassende Übersetzung). Sowohl die Rede von der „Armut“ als auch vom „Sklave-seins“ Mariens ist hier aber merkwürdig funktionslos, abgesehen davon, dass es in Kombination mit der Rede von Gott als Mariens „Herrn“ eine klare Hierarchie verdichtet. Das ist wohl auch der Schlüssel zum richtigen Verständnis der beiden Ausdrücke: Wie auch in 1Sam 1,11 ist die Rede von der „Sklavin Gottes“ wohl nicht wörtlich, sondern als Höflichkeitsstrategie zu verstehen (vgl. z.B. Warren-Rothlin 2007, S. 61f; Dahood 1970, S. 374 zu Ps 19,14; 27,9; 31,17; 69,18; 86,2; 119,135). Man bezeichnet das als „soziale Deixis“: Aus Höflichkeitsgründen wird ein Rangunterschied vom niedriger Gestellten besonders betont (ähnlich, wie man z.B. auch im Deutschen früher einen Brief an einen König unterschrieb mit „Ewr. Maj. untertänigster und gehorsamster Diener“). Das selbe gilt vermutlich auch für V. 54a. Eine wörtliche Übersetzung würde dies aber verschleiern, so dass man in der Lesefassung vielleicht besser auf andere Übersetzungsweisen zurückgreifen sollte, z.B. schlicht auf die Streichung von „seiner Sklavin in ihrer Armut“ in V. 48a (denn das hierarchische Gefüge wird ja schon durch den Ausdruck „Herr“ in V. 47 deutlich genug).
  3. Biblizismus: Die Rede von Gottes auf-etwas-Blicken steht im AT metaphorisch für gnädige Akte Gottes wie etwa Gebetserhörungen (vgl. z.B. TLOT 1263f.). Das Verb ἐπέβλεψεν einfach wörtlich zu übersetzen, würde diese eigentliche Bedeutung des Verses verdunkeln. Besser wäre eine Paraphrase wie „Er hat sich seiner Sklavin in ihrer Armut angenommen“; zu „seiner Sklavin in ihrer Armut“ s. aber noch die vorige FN.
  4. Genesis 29,32
  5. 1 Samuel 1,11
  6. Psalm 31,8
  7. Psalm 138,6
  8. ἰδοὺ i.d.R. (wie auch hier) nicht mehr als bloße Fokuspartikel.
  9. Allzu viele Übersetzungen und Kommentare denken, dass diese Aussage bedeute, Maria sähe hier bereits ihre Verehrung durch künftige Generationen voraus und übersetzen etwa »preisen mich selig« (vgl. z.B. Bovon 1989, S. 88; Klein 2006, S. 113; Schürmann 1969, S. 74; R-S u.ö.). Aber μακαρίζειν bedeutet wahrscheinlich auch hier (wie auch sonst öfters) einfach, dass sie für glücklich gehalten wird oder aufgrund dieses für-glücklich-gehalten-Werdens als glücklich bezeichnet wird - vielleicht ein Semitismus: Die hebräische Entsprechung von μακαρίζειν ist אָשַר II, was von SDBH folgendermaßen näher bestimmt wird: »[to] communicate to someone else that you consider him/her or someone else fortunate and blessed by God« (SDBH). Diesem wohl falschen Verständnis der Stelle soll mit obiger Übersetzung vorgebeugt werden.Wegen ἀπὸ τοῦ νῦν (v. 48) ist die in der Klammer angegebene futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle.
  10. Genesis 30,13
  11. Maleachi 3,12
  12. Psalm 72,17
  13. Lukas 11,27
  14. V 48a steht mit V 54a, V 49b mit V 50a und V 49a mit V 51a im Parallelismus. Solche Parallelismen markieren in der biblischen Poesie häufig Strophenübergänge (vgl. z.B. van der Lugt 2006, S. 53) und sind damit ein starkes Indiz dafür, dass man an diesen Stellen das Magnifikat in Strophen aufzuteilen hat: Die Parallelismen würden dann den letzten Vers der ersten Strophe(V 48), den ersten und letzten Vers der der zweiten Strophe (V 49.50), den ersten Vers der dritten Strophe (V 51) und den ersten Vers der vierten Strophe (V 54) markieren. Das ὅτι denn in V. 49 ist dann mit Gunkel 1921, S. 47 dentsprechend dem hebräischen כִי als »allergeläufigste Uebergang, mit dem im Hymnus das Hauptstück dem Anfange hinzutritt.«, aufzufassen und im Deutschen auszusparen; etwa: »... von nun an wird jeder mich für glücklich halten: / Denn Der Mächtige hat Großes an mir getan!...«.

49 {denn (dafür, dass)} der Mächtige hat Großes an mir getan - 1 2„ {und (dessen)}3 heilig [ist (sei)] sein Name (er)4! - 5“

Original Greek

ὅτιhotiForG3754HCONJ
ἐποίησένepoiēsenhas doneG4160GV-AAI-3S
μοιmoito meG3165P-1DS
μεγάλαmegalagreat [things]G3173A-APN
ὁhotheG3588T-NSM
δυνατός·dunatosMighty One;G1415A-NSM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἅγιονhagionholy [is]G0040GA-NSN
τὸtotheG3588T-NSN
ὄνομαonomanameG3686N-NSN
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
  1. Deuteronomium 10,21
  2. Psalm 126,2
  3. Einige Exegeten halten dies für ein relatives καὶ (vgl. BDR §442) und übersetzen mit »der Mächtige ..., dessen Name heilig ist.« (so z.B. NSS; Schürmann 1969, S. 74; vgl. auch GN; KAM; LUT84; ähnlich NeÜ); andere fassen es koordinierend auf und schließen es mit einem »und« an den vorherigen Satz an. Letzteres ist wahrscheinlicher (vgl. z.B. Culy et al. 2010, S. 44); da aber καὶ im Griechischen, anders als im Deutschen, auch einen mit dem vorigen Satz (relativ) unkoordinierten Satz einleiten kann, ist es stiltreuer, das »und« in der deutschen Übersetzung ganz zu streichen.
  4. Biblizismus: Der »Name Gottes« steht in der Bibel fast stets für Gott selbst; man bezeichnet damit »Gott im Menschenmund«. Übersetze: »Heilig ist er«.Alternativ könnte es sich hier um ein jüdisches Idiom handeln: »Gottes Namen heiligen« steht in jüdischen Texten häufig dafür, dass »Gott als Herr anerkannt wird und daher seinen Geboten gefolgt wird« (vgl. FN e zu Mt 6,9); dann vielleicht »Geheiligt werde sein Name« i.S.v. »Man erkenne ihn als Herrn an und folge seinen Geboten«. Das καὶ in 50a wäre dann wohl kausales καὶ (dazu z.B. Reiser 1983, S. 126-128): »Man erkenne ihn als Herrn an, denn seine Huld wird auf ewig für jene währen, die ihn fürchten (i.e. als Herrn anerkennen).« Doch ist das m.W. noch nie vorgeschlagen worden.
  5. Psalm 111,9

50 {und}1 seine Huld (Gnade, Erbarmen, Barmherzigkeit)2 [ist (währt, wird währen)3] in Generationen und Generationen (alle Generationen, ewig)„ für jene, die ihn fürchten.4 5 6 7 8 9“

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
ἔλεοςeleosmercyG1656N-NSN
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
εἰςeis[is] toG1519PREP
γενεὰςgeneasgenerationsG1074N-APF
καὶkaiandG2532CONJ
γενεὰςgeneasgenerationsG1074N-APF
τοῖςtoisto thoseG3588T-DPM
φοβουμένοιςphoboumenoisfearingG5399V-PNP-DPM
αὐτόν·autonHim;G0846P-ASM
  1. S. zu {und} in V. 49.
  2. Meist: „Erbarmen“ oder „Barmherzigkeit“. ἔλεος ist in der LXX aber häufig die Übertragung von חֵסֵד, und daraus, dass es hier als etwas dargestellt wird, demgemäß sich Gott (1) schon Abraham gegenüber verhalten hat (V. 54f), das (2) jenen gilt, die ihn „fürchten“ (V. 50) und das (3) ebenso wie חֵסֵד etwas ist, das meist von Höhergestellten niedriger Gestellten entgegengebracht wird, wird klar, dass wir auch hier an dies חֵסֵד denken müssen (vgl. Clines 2011, S. 2f). חֵסֵד bezeichnet aber nicht etwa (wie es oft falsch heißt) die „weiche Seite“ Gottes, sondern steht für Gottes Bündnistreue und wird bes. in Situationen verwendet, in denen davon die Rede ist, dass ein niedriger Gestellter der Hilfe Gottes bedarf und Gott ihm diese Hilfe - getreu seinem Bund - auch gnädig gewährt (vgl. z.B. Waltke 2010, S. 443). Die treffendste Übertragung ist daher ohne Zweifel „Huld, Gnade“.
  3. Verbloser Satz, der als PP fungiert und gelesen werden könnte als PP temporis, PP commodi oder PP relationis (vgl. Culy et al. 2010, S. 44). Weil der Ausdruck γενεὰς καὶ γενεὰς aber wohl idiomatisch ist für „alle Generationen“ (ebd.; vgl. auch das Testament des Levi 18,8), liegt eine andere Lesart als die temporale recht fern. Eine freie, „deutschere“ und funktional äquivalentere Übertragung wäre wohl „Seine Huld währt auf ewig.“Wegen εἰς γενεὰς καὶ γενεὰς ist die futurische Wiedergabe die hier einzig Sinnvolle.
  4. W.: »den ihn Fürchtenden«; Ptz. mit der Funktion des dativus commodi (daher: »für«) (vgl. Culy et al. 2010, S. 44; NSS).
  5. Deuteronomium 5,10
  6. Deuteronomium 7,9
  7. Psalm 103,11
  8. Psalm 103,13
  9. Psalm 103,17

51 ([So hat er begonnen, zu tun, Nun wird er tun])1 Machttaten (Gewalt, (seine) Herrschaft) hat er getan (ausgeübt)2 mit seinem Arm (Macht):3 4 5 6 7 8„ er zerstreute (machte zunichte)9 Hochmütige (Stolze)10 an der Gesinnung ihres Gemüts (Hochmütige)11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21;“

Original Greek

ἐποίησενepoiēsenHe has shownG4160GV-AAI-3S
κράτοςkratosstrengthG2904N-ASN
ἐνenwithG1722PREP
βραχίονιbrachioni[the] armG1023N-DSM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
διεσκόρπισενdieskorpisenHe has scatteredG1287V-AAI-3S
ὑπερηφάνουςhuperēphanous[the] proudG5244A-APM
διανοίᾳdianoiain [the] thoughtG1271N-DSF
καρδίαςkardiasof heartG2588N-GSF
αὐτῶν·autōnof them;G0846P-GPM
  1. VV. 51-54 stehen sechs Aoriste, über deren Semantik man sich in der Forschung den Kopf zerbricht. Theoretisch könnten sie sich beziehen # auf Vergangenes - etwa vergangene Heilstaten Gottes („historischer Aorist“), # auf Gottes übliche und überzeitliche Weise des Handelns („gnomischer Aorist“), # auf Gottes zukünftiges Handeln („futurischer Aorist“) oder # auf Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Betens bereits angebrochen sind, deren Vollendung aber noch aussteht („ingressiver Aorist“) (vgl. auch Grosvenor / Zerwick 1993, S. 173; NSS). Jede dieser vier Deutungen ist in der Forschung schon mehrfach vertreten worden. Da Vv. 51-54 aber immer noch zum selben Dankgebet gehört, zu denen auch die vorherigen Verse gehören, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Tat, mit der Gott sich seines „Knechtes Israel“ angenommen hat (V. 54) die selbe ist, mit denen er sich auch seiner „Sklavin“ Maria angenommen hat (V. 48) - ein recht eindeutiger Parallelismus -, nämlich die Tatsache, dass er Maria trotz ihrer „Armut“ (V. 48) zur Mutter des Messias gemacht hat (vgl. ähnlich z.B. Nolland 1989). Jede Deutung neben der ingressiven würde diesen Zusammenhang zerstören und das Magnificat in zwei nur lose zusammenhängende Hälften reißen. Der obige Übersetzungsvorschlag versucht, durch die Hinzufügung des „so“ den Bezug des Folgenden auf das zuvor Geschilderte ausdrücklich zu machen und durch die des „er hatte begonnen“ den ingressiven Charakter des Folgenden zum Ausdruck zu bringen. Eine andere (allerdings weniger genaue, da nicht wirklich ingressive) Möglichkeit, die wahrscheinlich leichter zu einer gefälligen Lesefassung führt, wäre die Einleitung mit „Nun“ und der futurischen Wiedergabe des Folgenden.
  2. weder (1) Ἐποίησεν κράτος („Machttaten hat er getan“) noch (2) ἐν βραχίονι αὐτοῦ („mit seinem Arm“) ist natürliches Griechisch. Beide Male handelt es sich wieder um Semitismen; vermutlich um Zitate aus dem Psalter (vgl. zu (1) Ps 60,14; 108,14; 118,15f; zu (2) Ps 89,11; beide Male auch Culy et al. 2010, S. 45; Plummer 1903, S. 33). Der „Arm“ wird aber im Hebräischen häufiger verwendet als Symbol für Macht und Stärke (vgl. z.B. Clines 2011, S. 1f.; Wolff 1973, S. 108; ad loc. auch Culy et al. 2010, S. 45; NSS), so dass der Sinn in etwa ist: „Er hat Mächtiges mit seiner Macht gewirkt.“ Übersetze vielleicht: „Gewaltiges hat er mit seiner Macht vollbracht“.
  3. Doppelpunkt sehr gut mit EÜ, Schneider 1977, S. 54 und dem unrevidierten NTL (leider nicht mehr im revidierten): Was folgt, sind einzelne Ausfaltungen des Sammelbegriffs „Machttaten“ in V. 51a.
  4. Jesaja 51,9
  5. Psalm 44,4
  6. Psalm 60,14
  7. Psalm 89,11
  8. Psalm 118,14
  9. »zerstreuen« ist im AT ein Ausdruck, der vor Allem verwendet wird, wenn davon die Rede ist, dass eine Armee vernichtend geschlagen wird (vgl. die Parallelstellen).
  10. zur »Hochmut« im alten Judentum vgl. das in B/S 1924, S. 101ff. zusammengetragene Material
  11. W. »Hochmütige an der Gesinnung ihrer Herzen«; idiomatischer Plural, daher als Sg. zu übersetzen. Das Herz ist in der hebräischen Vorstellung Sitz v.a. der Stimmungen und Gestimmtheiten (vgl. Wolff 1973, S. 74f.) und entspricht damit am ehesten unserem Wort »Gemüt« - eine wörtliche Übertragung wäre hier irreführend. Ohnehin muss hier freier übersetzt werden: »Hochmütig an der Stimmung des Gemüts« meint einfach »hochmütig gestimmt«, »von hochmütigem Charakter«; übersetze besser schlicht: »Hochmütige«
  12. Numeri 10,35
  13. Deuteronomium 28,63
  14. 1 Samuel 11,11
  15. 2 Könige 25,5
  16. Jeremia 9,15
  17. Jeremia 18,17
  18. Jeremia 40,15
  19. Ezechiel 12,15
  20. Psalm 68,2
  21. Psalm 144,6

52 er stürzte Machthaber (Mächtige)1 von [ihren] Thronen [herab]2„ und erhöhte Arme;3 4 5 6 7 8“

Original Greek

καθεῖλενkatheilenHe has brought downG2507V-2AAI-3S
δυνάσταςdunastasrulersG1413N-APM
ἀπὸapofromG0575PREP
θρόνωνthronōnthronesG2362N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ὕψωσενhupsōsenexaltedG5312V-AAI-3S
ταπεινούς·tapeinous[the] humble;G5011A-APM
  1. Da Gott die δυνάστας von ihren Thronen stürzt, ist „Machthaber“ hier die kontextuell wesentlich passendere Übertragung.
  2. V. 52b kontrastiert eine Aufwärtsbewegung mit der hieriegen Abwärtsbewegung des „Stürzens“; im Deutschen besser ausdrücklich zu machen, etwa als „herabstürzen“.
  3. 1 Samuel 2,7
  4. Ijob 5,11
  5. Psalm 75,8
  6. Psalm 147,6
  7. Lukas 4,18
  8. Lukas 6,20

53 Hungernde1 bereichert (füllt, sättigt)2 er mit Gutem (Gütern) 3 4„ und Reiche schickt er leer (mit leeren Händen)5 fort.6 7“

Original Greek

πεινῶνταςpeinōntas[Those] hungeringG3983V-PAP-APM
ἐνέπλησενeneplēsenHe has filledG1705V-AAI-3S
ἀγαθῶνagathōnwith good thingsG0018A-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
πλουτοῦνταςploutountas[those] being richG4147V-PAP-APM
ἐξαπέστειλενexapesteilenHe has sent awayG1821V-2AAI-3S
κενούς·kenousempty;G2756A-APM
  1. die Wortstellung VV 52-53 sollte beibehalten werden, da sie eine chiastische Doppelstruktur hat: V 52: V - S / V - S; V 53: S - V / S - V
  2. W.: „füllt“; häufig freier übertragen mit „sättigen“, was aber hier ein Wortspiel vernichtet: ἐνέπλησεν („füllen“) (53a) bildet einen Gegensatz mit κενούς („leer, mit leeren Händen“ (BA 870)) (53b) und ist etymologisch verwandt mit πλουτοῦντας („reich seiende, Reiche“), außerdem ist eines der Wortbildungsmorpheme (ἐν- („ein-, hinein-“)) das Gegensätzliche zu ἐξ- in ἐξαπέστειλεν („fortsenden“) (53b). Eine rein an diesen Wortspielen orientierte Übertragung würde ungefähr lauten: „in Hungernde füllt er Gutes hinein / und Befüllte schickt er ungefüllt hinaus“, was natürlich keine gute Übersetzung ist und auch dem Wortsinn gar nicht gerecht wird. Ich bin bisher zu noch keiner Lösung gekommen, wie dieser Vers gleichzeitig kommunikativ und inhaltlich und stilistisch äquivalent übertragen werden könnte.
  3. Psalm 107,9
  4. Lukas 6,21
  5. »Mit leeren Händen« nach BA 870
  6. 1 Samuel 2,5
  7. Psalm 34,11

54 Er hat sich Israel, seines Sklaven (Knaben, Knechtes) angenommen:1 2 3 4 5 6„ er hat sich (gnädig) zugewandt (hat gedacht an) mit [seiner] Huld (huldvoll, was seine Huld angeht) 7 8 9 10 -11 “

Original Greek

ἀντελάβετοantelabetoHe has helpedG0482V-2ADI-3S
ἸσραὴλIsraēlIsraelG2474N-GSM-L
παιδὸςpaidos[the] servantG3816N-GSM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
μνησθῆναιmnēsthēnairememberingG3403V-APN
ἐλέους,eleousmercy,G1656N-GSN
  1. Schwierige Stelle. V 54b besteht aus einem Infinitiv und einem Akkusativ und lautete wörtlich übersetzt etwa „sich erinnern/denken an Huld“ (zu „Huld“ s.o.). Die Hauptschwierigkeit ist, wie dieser Teilvers mit dem vorigen zusammenhängt. Syntaktisch sinnvolle Vorschläge in der Exegese sind v.a. die Deutung als kausaler Infinitiv („Er hat sich Israels angenommen, weil er an seine Huld gedacht hat“) oder als weiterführender Infinitiv („Er hat sich Israels angenommen, wobei er an seine Huld gedacht hat“). Sinnvoller jedoch: μνησθῆναι gedenken steht in der LXX häufig als Übersetzung von זָכַר. Dies זָכַר hat, wenn Gott das Subjekt ist, oft die Sonderbedeutung „sich gnädig zuwenden“ (vgl. z.B. TWAT I, S. 513f) und bezeichnet z.B. Gottes gnädige Gewährung eines Kindersegens an Kinderlose (Gen 30,22; 1Sam 1,11.19; vgl. ebd.). Dahin, dass das Verb auch hier so zu verstehen ist, weist erstens das Substantiv ἔλεος Huld, in dem ähnliches zum Ausdruck kommt wie im hebräischen זָכַר; zweitens folgt direkt auf den Teilvers die Rede davon, dass er sich auch Israels „erbarmt“ habe; drittens ist V. 54a parallel zu V. 48a, in dem - wie bereits gesagt - vermutlich auf die selbe Heilstat wie in V. 54a Bezug genommen wird, nämlich auf die, dass Gott Maria mit dem Messias „geschwängert“ hat, und gerade in diesem Kontext ist im AT häufiger die Rede von der זָכַר(/μνησθῆναι)-Tätigkeit Gottes. Wenn erst erkannt ist, dass V 54b wohl vom selben spricht wie V 54a, ist der Rest relativ einfach: Der Infinitiv ist dann als epexegetischer Infinitiv zu deuten (daher Anschluss mit Doppelpunkt, vgl. ähnlich Culy et al. 2010, S. 46) und der Akkusativ entweder als accusativus respectus (daher die Alternative „was seine Huld angeht“) oder, wesentlich besser, als adverbialer Akkusativ (daher die Alternativen „huldvoll, mit Huld“).
  2. Jesaja 41,8
  3. Jesaja 42,1
  4. Jesaja 44,21
  5. Jesaja 49,3
  6. Lukas 1,69
  7. Genesis 30,22
  8. 1 Samuel 1,11; 1 Samuel 1,19
  9. 2 Samuel 22,51
  10. Psalm 89,3
  11. Ein weiterer grammatischer Zweifelsfall: Es ist fraglich, wie V 54b, 55a und 55b sich zueinander verhalten. Vorgeschlagen wurde, # dass V 55a Parenthese ist und V 55b nicht mehr, sondern dativus commodi zu 54b (»Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Vätern verheißen hat - zugunsten von Abraham und seinen Nachkommen.«) - dies ist heute die Mehrheitsmeinung, # dass V 55a eine Art »Nachsatz« ist, V 55b zu diesem Nachsatz gehört und »verheißen hat« näher bestimmt (»Gott hat sich erbarmt - wie er ja auch schon unseren Väter zugunsten von Abraham und seinen Nachfahren auf ewig verheißen hat«), oder # dass V 55b inkongruente Apposition zu V 55a ist (»Gott hat sich erbarmt - wie er unseren Vätern (d.h. Abraham und seinen Nachkommen auf ewig) verheißen hat«). Möglichkeit (3) ist eher unwahrscheinlich, da inkongruente Appositionen auch im Griechischen recht selten sind; Möglichkeit (2) würde den Übersetzer zwingen, ein Objekt von Gottes Erbarmen zu ergänzen (z.B. »Gott hat sich [ihm (=Israel, seinem Knecht] erbarmt...«). Vorzuziehen ist daher Möglichkeit (1). Der Sinn ist dann, dass mit Mariens Empfängnis des Messias die Verheißung Gottes an Abraham in Erfüllung geht, dass er sich ihm und seinen Nachfahren gegenüber gemäß seiner Bundestreue verhalten würde.

55 wie er es (ja auch) unseren Vätern (Vorfahren) gesagt hat (verheißen hat)1 2 - „ (für) Abraham und seinem Samen (seine Nachkommen) auf ewig (allen seinen Nachkommen, seiner ganzen Nachkommenschaft). 3 4 5“

Original Greek

καθὼςkathōseven asG2531CONJ
ἐλάλησενelalēsenHe spokeG2980V-AAI-3S
πρὸςprostoG4314PREP
τοὺςtoustheG3588T-APM
πατέραςpaterasfathersG3962N-APM
ἡμῶν,hēmōnof us,G3165P-1GP
τῷtō<the>G3588T-DSM
ἈβραὰμAbraamto AbrahamG0011N-DSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τῷtōto theG3588T-DSN
σπέρματιspermatidescendantsG4690GN-DSN
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
εἰςeistoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
αἰῶνα.¶aiōnaage.G0165HN-ASM
  1. wörtl.: „gesagt hat“. Semitismus; im Hebräischen steht auch für „verheißen“ das gewöhnliche „sagen“ (vgl. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 174).
  2. Micha 7,20
  3. Genesis 17,7
  4. 2 Samuel 22,51
  5. Micha 7,20; Lukas 1,69