reltext

Chapter 1

Geburt und Kindheit des Johannes.

1 Sintemal es viele unternommen haben, eine Erzählung der bei uns sich erfüllten Dinge darzustellen,

2 Wie solche uns überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener1 des Wortes geworden sind,

  1. Amtsdiener

3 So schien es auch mir gut, nachdem ich alles von Anbeginn genau verfolgt hatte, solches für dich, bester Theophilus, der Reihe nach zu schreiben;

4 Auf daß du über die Worte, in denen du unterrichtet worden, Gewißheit erfahrest.

5 In den Tagen Herodes, König von Judäa, war ein Priester mit Namen Zacharias, von der Abteilung1 Abiah, und sein Weib war von den Töchtern Aharons, und ihr Name war Elisabeth.

  1. Tagordnung

6 Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten untadelhaft in allen Geboten und Rechten1 des Herrn.

  1. Gerechtigkeiten

7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar und beide in ihren Tagen vorgeschritten waren.

8 Und es geschah, als er nach der Ordnung seiner Abteilung1 den Priesterdienst hatte vor Gott,

  1. Tagordnung

9 Daß ihn nach der Gewohnheit des Priestertums das Los traf, zu räuchern, und er ging hinein in den Tempel des Herrn.

10 Und die ganze Menge des Volkes war draußen und betete zur Stunde der Räucherung.

11 Es erschien ihm aber der Engel des Herrn, der stand zur Rechten des Rauchaltars.

12 Und Zacharias erbebte, als er ihn sah, und eine Furcht fiel auf ihn.

13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! denn dein Flehen ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes heißen.

14 Und er wird dir zur Freude und zum Frohlocken sein; und viele werden ob seiner Geburt sich freuen.

15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; und Wein und starke Getränke wird er nicht trinken, und vom Heiligen Geist erfüllt werden noch im Leibe1 seiner Mutter.

  1. Bauche

16 Und wird viele der Söhne Israels zum Herrn, ihrem Gott, bekehren;

17 Und er wird vorangehen vor Ihm, in dem Geist und der Kraft des Elias, die Herzen der Väter zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung der Gerechten zu bekehren, zu bereiten dem Herrn ein zugerüstetes Volk.

18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und mein Weib ist vorgeschritten in ihren Tagen.

19 Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu bringen.

20 Und siehe, du wirst stilleschweigen und nicht reden können bis zu dem Tage, da dies geschieht, darum, daß du nicht geglaubt hast meinen Worten, die zu ihrer bestimmten Zeit erfüllt werden.

21 Und das Volk wartete auf Zacharias und verwunderte sich, daß er im Tempel verzog.

22 Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden; und sie erkannten, daß er im Tempel eine Erscheinung gesehen hatte; und er winkte ihnen und verblieb stumm.

23 Und es geschah, da die Tage seines Amtes erfüllt waren, ging er hin in sein Haus.

24 Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, sein Weib, und verbarg sich fünf Monate, indem sie sprach:

25 Also hat mir der Herr getan in den Tagen, da Er mich ansah, und meine Schmach unter den Menschen von mir wegnahm.

26 Im sechsten Monat aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth,

27 Zu einer Jungfrau, die verlobt war einem Manne namens Joseph vom Hause Davids. Und der Name der Jungfrau war Maria.

28 Und da der Engel zu ihr eintrat, sprach er: Gegrüßet seiest du, Begnadigte! Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Weibern!

29 Da sie ihn aber sah, erbebte sie über sein Wort und bedachte, was das für ein Gruß wäre.

30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade gefunden bei Gott.

31 Und siehe, du wirst empfangen im Leibe und einen Sohn gebären, und du sollst Seinen Namen Jesus heißen.

32 Der wird groß sein und der Sohn des Höchsten heißen, und der Herr Gott wird Ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben.

33 Und Er wird König sein über das Haus Jakobs in die Ewigkeiten, und Seines Königtums wird kein Ende sein.

34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie soll das sein, sintemal ich keinen Mann kenne?

35 Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes heißen.

36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, hat auch einen Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist bei ihr, die unfruchtbar hieß, der sechste Monat.

37 Denn bei Gott ist kein Ding1 unmöglich.

  1. keine Rede

38 Maria aber sprach: Siehe, die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deiner Rede. Und der Engel ging weg von ihr.

39 Maria aber stand in selbigen Tagen auf und ging mit Eile ins Gebirge, in eine Stadt in Judah;

40 Und kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth.

41 Und es geschah, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kindlein1 in ihrem Leib2; und Elisabeth ward vom Heiligen Geist erfüllt,

  1. der Spröß- ling
  2. Bauche

42 Und rief aus mit großer Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Weibern, und gesegnet die Frucht deines Leibes1!

  1. Bauche

43 Und woher ist mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44 Denn siehe, wie mir die Stimme deines Grußes in meine Ohren drang1, hüpfte frohlockend das Kindlein2 in meinem Leib3!

  1. ward
  2. der Sprößling
  3. Bauche

45 Und selig bist du, die du geglaubt hast, daß, was zu dir vom Herrn geredet worden, vollbracht werden wird.

46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebet1 den Herrn.

  1. macht groß

47 Und mein Geist frohlocket über Gott, meinen Heiland.

48 Daß Er die Niedrigkeit Seiner Magd hat angesehen; denn siehe, von nun an werden alle Geschlechter mich selig preisen.

49 Denn Großes hat an mir getan, Der da Kraft hat, und heilig ist Sein Name.

50 Und Seine Barmherzigkeit ist in die Geschlechter der Geschlechter für die, so Ihn fürchten.

51 Er übet1 Macht mit Seinem Arm; Er zerstreut, die hoffärtig sind in der Gesinnung2 ihres Herzens.

  1. tut
  2. dem Gemüte

52 Er bringt die Gewalthaber1 herab von den Thronen und erhöht die Niedrigen.

  1. Krafthaber

53 Er füllt die Hungernden mit Gutem, und sendet die Reichen leer hinweg.

54 Er nimmt Sich an Seines Dieners1 Israel, daß Er gedächte der Barmherzigkeit;

  1. Knaben

55 Wie Er geredet hat zu unseren Vätern, dem Abraham und seinem Samen in Ewigkeit.

56 Maria aber blieb bei ihr bei drei Mona- ten, und sie kehrte zurück in ihr Haus.

57 Elisabeth aber ward die Zeit erfüllt, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn.

58 Und ihre Nachbarn und ihre Verwandten hörten, daß der Herr Seine große Barmherzigkeit an ihr getan1, und freuten sich mit ihr.

  1. groß gemacht

59 Und es geschah am achten Tage, daß sie kamen, das Kindlein zu beschneiden, und sie hießen ihn nach seines Vaters Namen Zacharias.

60 Und seine Mutter antwortete und sprach: Mitnichten, sondern Johannes soll er heißen.

61 Und sie sprachen zu ihr: Es ist niemand in deiner Verwandtschaft, der nach diesem Namen hieße.

62 Sie winkten aber seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen.

63 Und er bat um ein Täfelchen und schrieb und sprach: Johannes ist sein Name. Und sie verwunderten sich alle.

64 Und zugleich ward ihm der Mund aufgetan und seine Zunge, und er redete und segnete Gott.

65 Und es kam1 eine Furcht auf alle, die um sie her wohnten, und in dem ganzen Gebirge Judäas redete man über alle diese Dinge2.

  1. ward
  2. Reden

66 Und alle, die es hörten, nahmen1 es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

  1. legten

67 Und sein Vater Zacharias ward vom Heiligen Geiste erfüllt, weissagte und sprach:

68 Gesegnet sei der Herr, der Gott Israels! Denn Er hat heimgesucht und Erlösung bereitet1 Seinem Volke,

  1. geschafft

69 Und uns auferweckt ein Horn des Heils im Hause Davids, Seines Dieners1,

  1. Knaben

70 Wie Er geredet hat durch den Mund Seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her.

71 Zur Rettung von unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.

72 Und Barmherzigkeit an unseren Vätern zu tun, und Seines heiligen Bundes zu gedenken,

73 Des Eides, den Er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns zu geben,

74 Daß wir ohne Furcht, entrissen aus der Hand unserer Feinde, Ihm dienten1

  1. Ihn verehrten

75 In Heiligkeit1 und Gerechtigkeit vor Seinem Angesicht all unsere Tage.

  1. Frömmigkeit

76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst vorangehen vor dem Angesicht des Herrn, daß du Ihm Seine Wege bereitest;

77 Und Erkenntnis des Heils gebest Seinem Volke zur Vergebung ihrer Sünden;

78 Durch die innige Barmherzigkeit1 unseres Gottes, mit der uns heimgesucht hat der Aufgang aus den Höhen,

  1. die Eingeweide der Barmherzigkeit

79 Auf daß Er erschiene denen, die da sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten.

80 Das Knäblein aber wuchs und ward mächtig im Geist; und er war in den Wüsten bis zu dem Tage, da er sich vor Israel zeigen sollte.

Chapter 2

Jesus geboren, beschnitten, dargestellt im Tempel, erzogen in Nazareth. - Simeon. Hannah.

1 In selbigen Tagen aber geschah es, daß vom Kaiser Augustus eine Vorschrift ausging, daß der ganze Erdkreis sich sollte schätzen lassen.

2 Diese Schätzung war die erste, da Quirinius Landpfleger in Syrien war.

3 Und es gingen alle, sich schätzen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt.

4 Joseph aber ging auch hinauf aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und dem Geschlechte1 Davids war,

  1. Abstammung

5 Um sich mit Maria, seinem verlobten Weibe, welche schwanger war, schätzen zu lassen.

6 Es geschah aber, als sie daselbst waren, daß die Tage erfüllt wurden, da sie gebären sollte.

7 Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, und wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn hin in die Krippe, weil sie keinen Platz1 in der Herberge hatten.

  1. Ort

8 Und es waren in selbiger Gegend Hirten auf dem Felde, die hüteten der Hut ihrer Herde bei Nacht.

9 Und siehe, des Herrn Engel stand bei ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich mit großer Furcht.

10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht ! Denn siehe, ich verkündige1 euch große Freude, die allem Volk sein wird.

  1. bringe gute Botschaft

11 Denn heute ist euch ein Heiland geboren, Welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids.

12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden ein Kindlein1 in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

  1. den Sprößling

13 Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14 Ehre1 sei Gott in den Höhen und Frieden auf Erden, unter Menschen ein Wohlgefallen!

  1. Herrlichkeit

15 Und es geschah, da die Engel von ihnen gen Himmel weggingen, sagten auch die Menschen, die Hirten, zueinander: Lasset uns hingehen nach Bethlehem und sehen die Geschichte1, die dort geschehen ist, die der Herr uns hat kundgetan.

  1. Rede

16 Und sie kamen eilig und fanden beide, Maria und Joseph; dazu das Kindlein1 in der Krippe liegen.

  1. den Sprößling

17 Als sie es aber gesehen, machten sie kund die Rede, die über dieses Kindlein zu ihnen war geredet worden.

18 Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was die Hirten zu ihnen redeten.

19 Maria aber behielt alle diese Reden und erwog sie1 in ihrem Herzen.

  1. warf sie zusammen

20 Und die Hirten kehrten zurück, verherrlichten und lobten Gott über alles, das sie gehört und gesehen hatten, wie es zu ihnen geredet war.

21 Und da die acht Tage erfüllt waren, um das Kindlein zu beschneiden, war Sein Name geheißen Jesus, wie Er vom Engel war gehei-ßen worden, ehe denn Er im Mutterleib1 empfangen war.

  1. Bauch

22 Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetze des Moses erfüllt waren, brachten sie Ihn hinauf gen Jerusalem, um Ihn dem Herrn darzustellen.

23 Wie im Gesetze des Herrn ist geschrieben: Jegliches Männliche, das den Mutterschoß auftut, soll dem Herrn geheiligt heißen.

24 Und das Opfer zu geben, nach dem, so im Gesetze des Herrn gesagt ist: Ein Paar Turteltauben, oder zwei junge Tauben.

25 Und siehe, da war ein Mensch in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm.

26 Und ihm war vom Heiligen Geiste eine Antwort geworden, er werde den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen.

27 Und er kam im Geiste in das Heiligtum; und als die Eltern des Knäblein Jesus hereinbrachten, auf daß sie für Ihn täten, wie man pflegt nach dem Gesetz;

28 Da nahm er Ihn in seine Arme, und segnete Gott und sprach:

29 Nun entlässest Du Deinen Knecht im Frieden, o Herr1, nach Deiner Rede.

  1. Meister

30 Denn meine Augen haben Dein Heil gesehen.

31 Welches Du Angesichts aller Völker bereitet hast,

32 Ein Licht zur Offenbarung für die Völkerschaften und zur Herrlichkeit Deines Volkes Israel.

33 Und Sein Vater und Seine Mutter verwunderten sich über das, was von Ihm geredet wurde.

34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, Seiner Mutter: Siehe, Dieser liegt da zum Falle und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.

35 Und ein Schwert wird dir durch deine Seele hindurchgehen, auf daß aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.

36 Es war auch da Hannah, eine Prophetin, eine Tochter Phanuels, vom Stamm Asser, die war in viele Tage vorgerückt, und hatte sieben Jahre mit einem Manne gelebt nach ihrer Jungfrauschaft;

37 Und war eine Witwe bei vierundachtzig Jahren und wich nicht vom Heiligtum, und diente1 mit Fasten und Flehen Nacht und Tag.

  1. verehrte

38 Auch sie stand dabei zu der Stunde, lobpreiste1 den Herrn und redete von Ihm zu allen, die in Jerusalem auf die Erlösung warteten.

  1. bekannte

39 Und da sie alles nach dem Gesetze des Herrn vollendet hatten, kehrten sie zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.

40 Das Knäblein aber wuchs und ward mächtig am Geist, erfüllt mit Weisheit, und die Gnade Gottes war auf Ihm.

41 Und es gingen Seine Eltern jedes Jahr gen Jerusalem auf das Paschafest.

42 Und da Er zwölf Jahre wurde, da sie nach der Gewohnheit des Festes hinauf gen Jerusalem gingen,

43 Und da sie die Tage vollbracht hatten und zurückkehrten, blieb der Knabe Jesus zurück in Jerusalem, und Joseph und Seine Mutter wußten es nicht,

44 Dachten aber, Er wäre in der Reisegesellschaft, und kamen eines Tages Weg, und suchten Ihn unter den Verwandten und Bekannten.

45 Und da sie Ihn nicht fanden, kehrten sie zurück gen Jerusalem und suchten Ihn.

46 Und es geschah nach dreien Tagen, daß sie Ihn fanden im Heiligtum, wie Er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie fragte.

47 Es waren aber alle, die Ihn hörten, außer sich über Seinen Verstand und Seine Antworten.

48 Und da sie Ihn sahen, staunten sie, und Seine Mutter sprach zu Ihm: Kind, warum hast Du uns das getan? Siehe, Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen1 gesucht.

  1. Pein

49 Und Er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr Mich suchtet? Wußtet ihr nicht, daß Ich sein muß in dem, das Meines Vaters ist?

50 Und sie verstanden nicht die Rede, die Er zu ihnen redete.

51 Und Er zog mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war ihnen untertan. Und Seine Mutter behielt alle diese Reden in ihrem Herzen.

52 Jesus aber nahm zu an Weisheit und an Wuchs und Gnade bei Gott und den Menschen.

Chapter 3

Johannes predigt Buße und tauft Jesus.

1 Im fünfzehnten Jahre aber der Regierung des Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger war von Judäa, und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder, Philippus, aber Vierfürst von Ituräa und von der Gegend Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene.

2 Unter den Hohenpriestern Hannas und Kajaphas geschah die Rede Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.

3 Und er kam in all die Umgegend des Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

4 Wie geschrieben ist im Buch der Worte des Propheten Jesajas, der da sagt: Die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet Seine Pfade gerade!

5 Jegliches Tal1 soll ausgefüllt und aller Berg und Hügel erniedrigt, und was krumm ist, soll gerade, und was rauh ist, zu ebenen Wegen werden.

  1. jede Schlucht

6 Und alles Fleisch soll das Heil Gottes sehen.

7 Er sprach nun zu dem Gedränge, das herauszog, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezüchte, wer hat euch gewiesen, vor dem kommenden Zorn zu fliehen?

8 So tut nun würdige Früchte der Buße und fanget nicht an, in euch zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.

9 Schon ist aber auch die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Jeglicher Baum nun, der nicht gute1 Frucht trägt2, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

  1. schöne
  2. macht

10 Und es fragte ihn das Gedränge und sprach: Was sollen wir denn tun?

11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem ab, der keinen hat, und wer Speise hat, der tue ähnliches.

12 Es kamen aber auch Zöllner, sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun?

13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr ein, denn euch verordnet ist.

14 Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sagten: Und was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt an und gebet niemand fälschlich an, und lasset euch an eurem Solde genügen!

15 Da das Volk aber in Erwartung war, und alle in ihrem Herzen von Johannes dachten, ob er nicht Christus wäre,

16 Antwortete Johannes allen und sprach: Ich taufe euch zwar mit Wasser; aber es kommt ein Stärkerer denn ich, Dem ich nicht genugsam bin, die Riemen Seiner Schuhe1 zu lösen, Der wird euch mit Heiligem Geiste und mit Feuer taufen.

  1. Sandalen

17 Der hat die Wurfschaufel in Seiner Hand, und wird Seine Tenne fegen1, und den Weizen in Seine Scheune sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.

  1. durchfegen

18 Vieles nun, auch anderes ermahnte1 er das Volk, da er die gute Botschaft verkündete.

  1. tröstete

19 Der Vierfürst Herodes aber, der von ihm gerügt ward ob Herodias, seines Bruders Weib, und ob all des Übels, das Herodes getan,

20 Tat zu dem allen auch dieses hinzu, daß er den Johannes ins Gefängnis einschloß.

21 Es geschah aber, da alles Volk sich taufen ließ, und Jesus Sich taufen ließ und betete, daß sich der Himmel auftat,

22 Und der Heilige Geist in leibhafter Gestalt1 wie eine Taube auf Ihn herabstieg, und eine Stimme vom Himmel geschah und sprach: Du bist Mein geliebter Sohn! An Dir habe Ich Wohlgefallen.

  1. Aussehen

23 Und Jesus Selbst war bei dreißig Jahren alt, da Er anfing, und war, wie man dachte, ein Sohn Josephs, des1 Eli,

  1. d.h. eines Sohnes des

24 Des Matthat, des Levi, des Melchi, des Jannah, des Joseph;

25 Des Mattathiah, des Amos, des Nahum, des Esli, des Naggai;

26 Des Maath, des Mattathiah, des Semei, des Joseph, des Judah,

27 Des Johannah, des Resa, des Zorobabel, des Salathiel, des Neri;

28 Des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmodam, des Er,

29 Des Jose, des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi,

30 Des Simeon, des Judah, des Joseph, des Jonan, des Eliakim,

31 Des Melea, des Mainan, des Mattatha, des Nathan, des David,

32 Des Isai, des Obed, des Boas, des Salmon, des Nahasson,

33 Des Amminadab, des Aram, des Esrom, des Perez, des Judah,

34 Des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Tharah, des Nachor,

35 Des Seruch, des Regu, des Peleg, des Eber, des Selah,

36 Des Kainan, des Arphachschad, des Sem, des Noach, des Lamech,

37 Des Methusalach, des Henoch, des Jared, des Maleleel, des Kainan,

38 Des Enosch, des Seth, des Adam, der war Gottes.

Chapter 4

Jesus wird versucht und tut Wunder

1 Jesus aber, voll des Heiligen Geistes, kehrte zurück vom Jordan und ward vom Geist in die Wüste geführt;

2 Und ward vierzig Tage vom Teufel versucht; und aß nichts in selbigen Tagen; und als sie vollendet waren, hungerte Ihn danach.

3 Und der Teufel sprach zu Ihm: Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Steine, daß er Brot werde.

4 Und Jesus antwortet ihm und sprach: Es ist geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jeglicher Rede Gottes.

5 Und der Teufel führte Ihn auf einen hohen Berg und zeigte Ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick der Zeit.

6 Und der Teufel sprach zu Ihm: All diese Gewalt will ich Dir geben und ihre Herrlichkeit; denn mir ist sie übergeben, und ich gebe sie, wem ich will:

7 So Du nun vor mir anbetest, soll es alles Dein sein.

8 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Gehe weg hinter Mich, Satanas. Es ist geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen1.

  1. Ihn verehren

9 Und er führte Ihn gen Jerusalem und stellte Ihn auf die Zinne des Heiligtums und sprach zu Ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf Dich von hinnen hinab;

10 Denn es ist geschrieben: Er wird Seinen Engeln über Dir gebieten, daß sie Dich bewahren.

11 Und auf den Händen sollen sie Dich tragen, daß Du Deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

12 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.

13 Und da der Teufel alle Versuchung vollendet hatte, wich er auf einige Zeit von Ihm.

14 Und Jesus kehrte in des Geistes Kraft nach Galiläa zurück und das Gerücht über Ihn ging aus in die ganze Umgegend.

15 Und Er Selbst lehrte in ihren Synagogen, von jedermann verherrlicht.

16 Und Er kam gen Nazareth, wo Er erzogen ward, und ging nach Seiner Gewohnheit am Tage der Sabbathe in die Synagoge und stand auf, um zu lesen.

17 Und man übergab Ihm das Buch des Propheten Jesajas, und Er schlug das Buch auf und fand den Ort, wo geschrieben ist:

18 Der Geist des Herrn ist auf Mir, darum hat Er Mich gesalbt, daß Ich den Armen die gute Botschaft verkündige, Er hat Mich gesandt, gesund zu machen, die zerknirschten Herzens sind,

19 Zu verkündigen den Gefangenen Freisetzung und den Blinden, daß sie wieder sehen sollen, die Zerschlagenen freigesetzt auszusenden, das angenehme Jahr des Herrn zu verkündigen.

20 Und Er tat das Buch zu, gab es dem Diener1 zurück und setzte Sich nieder; und aller Augen in der Synagoge sahen fest auf Ihn.

  1. Amtsdiener

21 Er aber fing an zu ihnen zu sprechen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.

22 Und alle gaben Ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus Seinem Munde ausgingen, und sprachen: Ist das nicht Josephs Sohn?

23 Und Er sprach zu ihnen: Ihr werdet allerdings zu Mir sagen das Gleichnis: Arzt, heile dich selber. Welche große Dinge wir von Dir, als in Kapernaum geschehen, gehört haben, die tue auch hier in Deiner Vaterstadt!

24 Aber Er sprach: Wahrlich sage Ich euch: Kein Prophet ist angenehm in seiner Vaterstadt.

25 In Wahrheit aber sage Ich euch: Viele Witwen waren in Israel in den Tagen des Elias, da der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war, so daß eine große Hun- gersnot im ganzen Lande war.

26 Und keiner von ihnen ward Elias gesandt, als nach Sarepta im Sidonischen, zu einer Frau, die eine Witwe war.

27 Und viele Aussätzige waren in Israel unter dem Propheten Elischa und keiner von ihnen ward gereinigt, als der Syrer Naeman.

28 Und alle in der Synagoge, als sie dies hörten, wurden von Grimm erfüllt.

29 Und standen auf und warfen Ihn zur Stadt hinaus und führten Ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um Ihn hinabzustürzen.

30 Aber Er ging mitten durch sie und ging hin.

31 Und Er kam hinab nach Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie an den Sabbathen.

32 Und sie staunten über Seine Lehre; denn Sein Wort war mit Gewalt.

33 Und in der Synagoge war ein Mensch, der hatte den Geist eines unreinen Dämons, und schrie auf mit großer Stimme:

34 Und sagte: Laß ab, was haben wir mit Dir1 zu schaffen, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu verderben. Ich weiß, wer Du bist - der Heilige Gottes.

  1. Laß, was ist uns und Dir

35 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre1 aus von ihm! Und der Dämon warf ihn hin mitten unter sie, fuhr2 aus von ihm, und tat ihm keinen Schaden.

  1. gehe
  2. ging

36 Und sie alle waren in Bestürzung, und sie unterredeten sich miteinander und sagten: Was ist dies Wort? Er gebietet1 mit Gewalt und Kraft den unreinen Geistern und sie fahren2 aus!

  1. verordnet
  2. gehen

37 Und das Gerücht1 über Ihn ging aus in jeden Ort der Umgegend.

  1. Schall

38 Er aber stand auf und kam von der Synagoge in Simons Haus. Siemons Schwiegermutter aber war mit einem heftigen1 Fieber behaftet, und sie baten2 Ihn für sie.

  1. großen
  2. fragten

39 Und Er stand über Ihr, bedrohte das Fieber, und es verließ sie. Sie aber stand sogleich auf und bediente sie.

40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle die, so Sieche hatten, mit allerlei Krankheiten behaftet, dieselben zu Ihm. Er aber legte einem jeglichen von ihnen die Hände auf und heilte sie.

41 Es gingen aber auch von vielen Dämonen aus, die schrien und sprachen: Du bist Christus, der Sohn Gottes. Und Er bedrohte sie und ließ sie nicht reden, weil sie wußten, daß Er Christus war.

42 Da es aber Tag ward, ging Er hinaus und kam an einen wüsten Ort; und das Volk1 suchte Ihn, und sie kamen zu Ihm und hielten2 Ihn auf, daß Er nicht sollte von ihnen gehen.

  1. Gedränge
  2. behielten

43 Er aber sprach zu ihnen: Auch den anderen Städten muß Ich die gute Botschaft von dem Reiche Gottes verkünden; denn dazu bin Ich ausgesandt.

44 Und Er predigte in den Synagogen von Galiläa.

Chapter 5

Fischzug des Petrus. - Ein Aussätziger und ein Gichtbrüchiger. - Berufung des Matthäus.

1 Es geschah aber, daß die Menge Ihn drängte1, um das Wort Gottes zu hören; und Er stand am See Gennesareth.

  1. das Gedränge auf Ihm lag

2 Und Er sah zwei Schifflein am See stehen; die Fischer aber waren davon ausgestiegen und wuschen die Netze.

3 Er stieg aber in der Schifflein eines, das des Simon war, und bat1 ihn, ein wenig vom Lande abzufahren, und Er setzte Sich und lehrte vom Schifflein aus das Gedränge.

  1. fragte

4 Als Er aber zu reden aufhörte, sprach Er zu Simon: Fahre ab auf die Tiefe und lasset da eure Netze hinab zum Fang.

5 Und Simon antwortete und sprach zu Ihm: Meister, die ganze Nacht über mühten wir uns ab und fingen1 nichts; auf Deine Rede aber will ich das Netz hinablassen.

  1. nahmen

6 Und als sie es getan, umschlossen sie eine große1 Menge Fische, aber ihr Netz zerriß;

  1. viele

7 Und sie winkten ihren Mitgenossen im anderen Schifflein zu, sie sollten kommen und ihnen mithelfen; und sie kamen und füllten beide Schifflein, also daß sie gar tief gingen.

8 Als aber Simon Petrus dies sah, fiel er zu den Knien Jesu und sprach: Herr, gehe von mir hinaus; denn ich bin ein sündiger Mann!

9 Denn eine Bestürzung erfaßte ihn und alle, die mit ihm waren, über dem Fange der Fische, den sie gemacht1.

  1. zusammen genommen

10 Desgleichen auch den Jakobus und den Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Teilhaber. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht. Von nun an sollst du ein Fänger von Menschen sein.

11 Und sie führten die Schifflein ans Land, verließen alles und folgten Ihm nach.

12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, und siehe, da war ein Mann voll Aussatzes. Und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und flehte Ihn an und sprach: Herr, so Du willst, kannst Du mich reinigen!

13 Und Er reckte die Hand aus, berührte ihn und sprach: Ich will, sei gereinigt! Und alsbald ging der Aussatz weg von ihm.

14 Und Er gebot ihm, daß er es niemand sage, sondern: Gehe hin und zeige dich dem Priester, und bringe für deine Reinigung dar, wie Moses verordnet hat, ihnen zum Zeugnisse.

15 Es ging aber das Wort über Ihn aus1; und viel Gedränge kam zusammen, Ihn zu hören, und sich von ihren Gebrechen von Ihm heilen zu lassen.

  1. durch

16 Er aber entwich in die Wüste und betete.

17 Und es geschah an einem der Tage, daß Er lehrte, und es saßen da Pharisäer und Gesetzlehrer, die aus allen Flecken von Galiläa und Judäa und von Jerusalem gekommen waren, und die Kraft des Herrn war da, daß Er sie gesund machte.

18 Und siehe, da brachten Männer einen Menschen, der gichtbrüchig war, auf einem Bette, und suchten, wie sie ihn hineinbrächten und vor Ihn legeten.

19 Da sie aber vor dem Gedränge nicht fanden, wie sie ihn hineinbrächten, stiegen sie hinauf auf das Dach und ließen ihn mit dem Bett1 durch die Ziegel hinab in die Mitte vor Jesus.

  1. Bettlein

20 Und da Er ihren Glauben sah, sprach Er zu ihm: Mensch, dir sind deine Sünden vergeben.

21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an bei sich zu bedenken und sprachen: Wer ist der, daß er Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben, denn allein Gott!

22 Da aber Jesus ihre Gedanken erkannte, antwortete Er und sprach zu ihnen: Was bedenket ihr solches in euren Herzen?

23 Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Mache Dich auf und wandle?

24 Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Gewalt hat auf Erden, Sünden zu vergeben1: Ich sage dir: Mache dich auf, nimm dein Bett2 auf und gehe in dein Haus.

  1. sprach Er zu dem Gichtbrüchigen
  2. Bettlein

25 Und sogleich stand er auf, vor ihnen, nahm auf, worauf er gelegen, ging in sein Haus und verherrlichte Gott.

26 Und Entsetzen erfaßte alle, und sie verherrlichten Gott, und wurden erfüllt von Furcht und sprachen: Wir haben heute Außerordentliches gesehen!

27 Und danach ging Er aus und sah1 einen Zöllner, mit Namen Levi, am Zollhaus sitzen und sprach zu ihm: Folge Mir nach!

  1. sah an

28 Und er verließ alles, stand auf und folgte Ihm nach.

29 Und Levi machte Ihm ein großes Mahl1 in seinem Hause, und es war viel Gedränge von Zöllnern und anderen, die mit ihnen zu Tische lagen.

  1. Empfangsmahl

30 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten unter ihnen murrten wider Seine Jünger und sprachen: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern?

31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Leidenden.

32 Ich bin nicht gekommen, die Gerechten, sondern die Sünder zur Buße zu rufen.

33 Sie aber sprachen zu Ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes häufig und machen Gebete, desgleichen auch die der Pharisäer, die Deinigen dagegen essen und trinken?

34 Er aber sprach zu ihnen: Könnet ihr die Söhne des Brautgemachs, solange der Bräutigam bei ihnen ist, fasten lassen?

35 Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen wird, in selbigen Tagen werden sie dann fasten.

36 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand setzt ein Flickstück von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid; sonst zerreißt1 er das neue, und mit dem alten stimmt das Flickstück vom neuen nicht zusammen.

  1. spaltet

37 Auch tut niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst zersprengt der neue Wein die Schläuche, und wird selber verschüttet, und die Schläuche kommen um.

38 Sondern neuen Wein muß man in neue Schläuche fassen, und beide werden zusammen erhalten.

39 Auch will niemand, der alten getrunken, alsbald neuen; denn der alte, sagt er, ist milder1.

  1. nützlicher

Chapter 6

Ährenraufung. Verdorrte Hand. - Berufung der Apostel. Predigt.

1 Es geschah aber auf einen Sabbath, den zweiten nach dem ersten, daß Er durch das Saatfeld hindurchging, und Seine Jünger rauften die Ähren aus und aßen sie und zerrieben dieselben mit den Händen.

2 Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Was tut ihr, das nicht erlaubt ist, an den Sabbathen zu tun?

3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr nicht auch das gelesen, was David tat, da ihn hungerte und die mit ihm waren.

4 Wie er in das Haus Gottes einging und die Schaubrote1 nahm und aß, und auch denen, die mit ihm waren, gab, die doch niemandem als den Priestern allein erlaubt ist zu essen?

  1. Brote der Vorlegung

5 Und Er sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist Herr auch des Sabbaths.

6 An einem anderen Sabbath aber geschah, daß Er in die Synagoge einging und lehrte. Und da war ein Mensch, und dessen rechte Hand war verdorrt.

7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber hielten auf Ihn, ob Er am Sabbathe heilen würde, auf daß sie eine Anklage gegen Ihn fänden.

8 Er aber wußte ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Richte dich auf und stelle dich in die Mitte! Und er stand auf und stand da.

9 Nun sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Was ist erlaubt an Sabbathen zu tun, Gutes tun oder Böses tun, das Leben zu retten oder zu verderben?

10 Und Er blickte auf sie alle umher und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Er aber tat also, und seine Hand war wiederhergestellt, gesund, wie die andere.

11 Sie aber waren ganz von Sinnen1, und besprachen sich untereinander, was sie mit Jesus tun wollten.

  1. wurden erfüllt von Unsinn

12 In diesen Tagen aber geschah es, daß Er auf den Berg hinausging, zu beten; und Er war die ganz Nacht hindurch im Gebete zu Gott.

13 Und da es Tag ward, rief Er Seine Jünger zu Sich und erwählte aus ihnen zwölf, die Er auch Apostel benannte.

14 Simon, den Er auch Petrus benannte, und seinen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus;

15 Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon, den man Zelotes1 hieß;

  1. d.h. Eiferer

16 Judas, des Jakobus Sohn1, und Judas Iskarioth2, der auch zum Verräter wurde.

  1. Sohn steht nicht im Griech.
  2. d.h. Mann von Karioth

17 Und mit ihnen stieg Er hinab und stand auf einem ebenen Platz1, und ein Gedränge Seiner Jünger und eine große2 Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und der Meeresküste von Tyrus und Sidon,

  1. Ort
  2. viel

18 Die gekommen waren, Ihn zu hören und von ihren Krankheiten zu gesunden, und die von unreinen Geistern bedrängt waren, und sie wurden geheilt.

19 Und all das Gedränge suchte Ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von Ihm aus und machte alle gesund.

20 Und Er hob Seine Augen auf über Seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer.

21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt gesättigt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weinet; denn ihr sollt lachen.

22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch von sich ausscheiden und schmähen und euren Namen als übel verwerfen um des Menschen Sohnes willen.

23 Freuet euch am selbigen Tage und hüpfet; denn siehe, eures Lohnes ist viel in dem Himmel; denn also haben ihre Väter den Propheten getan.

24 Wehe dagegen euch Reichen; denn ihr habt euren Trost dahin.

25 Wehe euch, ihr jetzt völlig Gesättigten1; denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lachet; denn ihr werdet trauern und weinen.

  1. Aufgefüllten

26 Wehe euch, wenn alle Menschen schön von euch sprechen; denn so taten ihre Väter den falschen Propheten.

27 Euch aber sage Ich, die ihr höret: Liebet eure Feinde; tut wohl1 denen, die euch hassen;

  1. Schönes

28 Segnet, die euch fluchen. Betet für die, so euch beleidigen.

29 Dem, der dich schlägt auf den Backen, biete den andern auch dar; und dem, der dir das Oberkleid nimmt, wehre auch den Rock nicht!

30 Gib jedem, der dich bittet. Und nimmt dir einer das Deine, so fordere es nicht wieder ab.

31 Und wie ihr wollet, daß euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen desgleichen.

32 Und so ihr liebet, die euch lieben, was für Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben die, so sie lieben.

33 Und so ihr Gutes tut denen, die euch Gutes tun, was für Dank habt ihr davon? Dasselbe tun ja auch die Sünder.

34 Und so ihr leihet denen, von denen ihr es wieder zu empfangen hoffet, was für Dank habt ihr? Denn auch die Sünder leihen den Sündern, auf daß sie das gleiche wieder empfangen.

35 Liebet vielmehr eure Feinde und tut Gutes und leihet, wo ihr nichts dafür hoffet, und eures Lohnes wird viel sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn Er ist gütig1 auch gegen die Undankbaren und Schlechten.

  1. nützlich

36 Darum seid mitleidig, wie auch euer Vater mitleidig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verurteilt nicht, so werdet ihr auch nicht verurteilt. Erlasset, so wird auch euch erlassen.

38 Gebet, so wird euch gegeben. Ein gut1, gedrückt und gerüttelt und überflüssig Maß wird man in den Schoß2 euch geben; denn mit demselben Maß, womit ihr messet, wird man euch wieder messen.

  1. schön
  2. Busen

39 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden nicht beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger ist nicht über seinem Lehrer; ist er aber ganz unterrichtet1, so wird er sein gleich wie sein Lehrer.

  1. zugerichtet

41 Was blickst du aber auf den Splitter in deines Bruders Auge, gewahrst aber nicht des Balkens im eigenen Auge?

42 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, laß mich, ich will dir den Splitter in deinem Auge herausziehen, und du erblickst den Balken in deinem Auge nicht? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge heraus, und dann wirst du recht sehen, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge herausziehst.

43 Denn es ist kein guter1 Baum, der faule Frucht bringt, noch ein fauler Baum, der gute2 Frucht bringt.

  1. schöner
  2. schöne

44 Denn ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man nicht Feigen, noch liest man Trauben vom Dornbusch.

45 Der gute Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens, und der schlechte Mensch bringt Schlechtes hervor aus dem schlechten Schatz seines Herzens; denn aus dem Überfließen des Herzens redet der Mensch.

46 Was heißet ihr Mich aber: Herr, Herr! und tuet nicht, was Ich sage?

47 Wer zu Mir kommt und höret Meine Worte und tut sie, von dem will Ich euch zeigen, wem er ähnlich ist.

48 Er ist ähnlich einem Menschen, der ein Haus baute, der ausgrub und tief ging und legte den Grund auf den Felsen. Da aber eine Überschwemmung ward und der Strom1 sich an selbigem Hause brach, vermochte er es nicht zu erschüttern; denn es war auf den Felsen gegründet.

  1. Fluß

49 Wer aber hört und nicht tut, der ist ähnlich einem Menschen, der sein Haus ohne Grund auf die Erde baute. An ihm brach sich der Strom1, und es fiel alsobald, und der Bruch selbigen Hauses ward groß.

  1. Fluß

Chapter 7

Des Hauptmanns Knecht. Jüngling zu Nain. - Johannes. Fußsalbung.

1 Nachdem Er aber alle diese Reden vor den Ohren1 des Volkes vollendet2 hatte, ging Er hinein gen Kapernaum.

  1. dem Gehör
  2. erfüllt

2 Der Knecht eines Hauptmannes aber, der von diesem geehrt wurde, war leidend und war am Sterben1.

  1. Enden

3 Als er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden an Ihn und ließ Ihn bitten1, zu kommen und seinen Knecht zu retten.

  1. fragen

4 Da sie aber zu Jesus herzutraten, flehen sie Ihn angelegentlich1 an und sprachen: Er ist es würdig, daß Du ihm solches erbietest;

  1. eilig

5 Denn er liebt unsere Völkerschaft, und er selbst hat uns die Synagoge gebaut.

6 Jesus aber ging mit ihnen; da Er aber nicht mehr ferne von dem Hause weg war, schickte der Hauptmann Freunde zu Ihm und ließ Ihm sagen: Herr, bemühe Dich nicht; denn ich bin nicht genugsam, daß Du unter mein Dach eingehst.

7 Darum habe ich mich auch nicht für würdig erachtet, daß ich zu Dir käme. Sprich aber ein Wort, so wird mein Knecht1 gesund.

  1. Knabe

8 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obergewalt1 untertan, und habe Kriegsknechte unter mir; und sage ich zu einem: Gehe hin, so geht er; und zu einem andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knechte: Tue das, so tut er es.

  1. Gewalt

9 Da aber Jesus solches hörte, verwunderte Er Sich sein, und wandte Sich um zu dem Gedränge, das Ihm nachfolgte, und sprach: Ich sage euch, solchen Glauben habe Ich selbst in Israel nicht gefunden.

10 Und die Abgesandten kehrten ins Haus zurück und fanden den siechen Knecht gesund.

11 Und es geschah in der Folge, daß Er in eine Stadt zog, die hieß Nain, und viele1 Seiner Jünger gingen mit Ihm, und viel Gedränge.

  1. genug

12 Wie Er aber dem Tor der Stadt nahte, siehe, da trug man einen Toten heraus, welcher der einzige1 Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe und ein großes2 Gedränge aus der Stadt mit ihr.

  1. eingeborne
  2. genug

13 Und da sie der Herr sah, jammerte Ihn derselben, und Er sprach zu ihr: Weine nicht.

14 Und Er kam hinzu und berührte den Sarg, und die ihn trugen, standen. Und Er sprach: Jüngling, Ich sage dir: Richte dich auf!

15 Und der Tote saß auf und fing an zu reden, und Er gab ihn seiner Mutter.

16 Und alle überkam1 eine Furcht, und sie verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erwecket, und Gott hat Sein Volk heimgesucht.

  1. nahm

17 Und dieses Wort über Ihn ging aus in ganz Judäa und in die ganze Umgegend.

18 Und dem Johannes sagten seine Jünger das alles an.

19 Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich, schickte sie an Jesus und sprach: Bist Du, Der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?

20 Die Männer aber kamen her zu Ihm und sprachen: Johannes, der Täufer, hat uns zu Dir gesandt und läßt Dir sagen: Bist Du, Der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?

21 Zur selbigen Stunde aber heilte Er viele von Krankheiten und Plagen und bösen1 Geistern und schenkte2 vielen Blinden das Gesicht.

  1. argen
  2. schenkte gnädig

22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget dem Johannes an, was ihr gesehen und gehört habt: Die Blinden sehen wieder, die Lahmen wandeln, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten werden auferweckt und den Armen wird das Evangelium gepredigt;

23 Und selig ist, wer sich nicht an Mir ärgert.

24 Als aber die Boten des Johannes abgingen, fing Er an über Johannes zu dem Gedränge zu sprechen: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen euch anzusehen? Ein Rohr, das vom Winde geschüttelt wird?

25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern umkleidet? Siehe, die in herrlichen Kleidern und in Üppigkeit leben, sind in den königlichen Palästen.

26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, Ich sage euch, und der noch mehr ist, denn ein Prophet.

27 Er ist es, von dem geschrieben ist: Siehe, Ich sende Meinen Engel vor Deinem Angesichte her, der Deinen Weg vor Dir zurüsten soll.

28 Denn Ich sage euch: Unter den von Weibern Geborenen ist kein größerer Prophet, denn Johannes, der Täufer. Aber der Kleinste im Reiche Gottes ist größer denn er.

29 Und alles Volk, das ihn hörte, und die Zöllner rechtfertigten Gott und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.

30 Die Pharisäer aber und die Gesetzeslehrer setzten den Rat Gottes für sich beiseite und ließen sich nicht von ihm taufen.

31 Aber der Herr sprach: Wem soll Ich nun die Menschen dieses Geschlechts vergleichen und wem sind sie ähnlich?

32 Sie sind den Kindlein ähnlich, die im Markte sitzen, und einander zurufen und sagen: Wir haben euch gepfiffen und ihr habt nicht getanzt; wir haben vor euch geklagt und ihr habt nicht geweint.

33 Denn Johannes, der Täufer, ist gekommen, aß kein Brot und trank keinen Wein, und ihr saget: Er hat einen Dämon.

34 Des Menschen Sohn ist gekommen, ißt und trinkt, und ihr sagt: Siehe, der Mensch ist ein Fresser und Weintrinker, der Zöllner und Sünder Freund!

35 Und die Weisheit wird gerechtfertigt von allen Kindern.

36 Es bat1 Ihn aber einer der Pharisäer, daß Er bei ihm äße; und Er ging ein in des Pharisäers Haus und ließ Sich nieder.

  1. fragte

37 Und siehe, ein Weib in der Stadt, die eine Sünderin war, erfuhr, daß Er in des Pharisäers Hause zu Tische lag, brachte eine Alabasterbüchse mit Salbe,

38 Und stand hinten zu Seinen Füßen, weinte und fing an, Seine Füße mit den Tränen zu benetzen, und wischte sie ab mit den Haaren ihres Hauptes, und küßte Seine Füße und salbte sie mit der Salbe.

39 Als dies der Pharisäer, der Ihn gerufen hatte, sah, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so erkennete Er wohl, wer und was für ein Weib die ist, die Ihn berührt, daß sie eine Sünderin ist.

40 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen: Er aber spricht: Sag an, Lehrer!

41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldleute; der eine schuldete ihm fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig.

42 Da sie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte1 er es beiden. Sage nun, welcher von ihnen wird ihn mehr lieben?

  1. schenkte gnädiglich

43 Simon aber antwortete und sagte: Ich nehme an, der, dem er mehr geschenkt1 hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet.

  1. gnädiglich geschenkt

44 Und Er wandte Sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: Siehst du dieses Weib? Ich kam herein in dein Haus. Du hast Mir kein Wasser für Meine Füße gegeben; sie aber hat Meine Füße mit den Tränen benetzt und mit den Haaren ihres Hauptes abgewischt.

45 Du hast Mir keinen Kuß gegeben; sie aber hat, seit sie hereingekommen ist, nicht abgelassen, Meine Füße zu küssen.

46 Du hast Mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat Meine Füße mit Salbe gesalbt.

47 Um dessentwillen sage Ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.

48 Er sprach aber zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben!

49 Und die, so mit ihm zu Tische lagen, fingen an bei sich zu sprechen: Wer ist Der, daß Er auch Sünden vergibt?

50 Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dich gerettet; gehe hin im Frieden!

Chapter 8

Die Nachfolgerinnen Jesu. - Der Same des Wortes Gottes. - Seine Verwandten. - Bedrohung des Meeres. Heilungen. - Des Jairus Töchterlein.

1 Und es geschah in der Folge, daß Er umherzog durch Stadt und Flecken, predigte und die gute Botschaft vom Reiche Gottes verkündigte, und die Zwölfe mit Ihm;

2 Und etliche Weiber, die durch Ihn von üblen Geistern und Gebrechen geheilt worden waren, Maria, die man Magdalena heißt, von der sieben Dämonen ausgefahren.

3 Und Johanna, das Weib von Chuza, dem Schaffner des Herodes, und Susanna, und viele andere, die Ihm von ihren Gütern Dienstleistung taten.

4 Da nun viel Volk1 zusammenkam und die, so aus den Städten Ihm zuzogen, sprach Er durch ein Gleichnis:

  1. Gedränge

5 Es ging der Sämann aus, seinen Samen zu säen; und da er säte, fiel etliches an den Weg und ward niedergetreten, und das Gevögel des Himmels fraß es auf.

6 Und anderes fiel auf den Felsen, und da es aufwuchs, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

7 Und etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es.

8 Und etliches fiel auf das gute Land, wuchs auf und trug1 hundertfältige Frucht. Da Er das sagte, rief Er: Wer Ohren hat zu hören, der höre.

  1. machte

9 Seine Jünger aber fragten Ihn und sprachen: Was ist wohl dieses Gleichnis?

10 Er aber sprach; Euch ist gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den übrigen aber in Gleichnissen; daß sie sehen und nicht sehen, hören und nicht verstehen.

11 Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.

12 Die am Wege sind die, so es hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen weg, auf daß sie nicht glauben und gerettet werden.

13 Die aber auf dem Felsen sind die, so das Wort, wenn sie es hören, mit Freuden aufnehmen, und diese haben keine Wurzel. Eine Zeitlang1 glauben sie, und in der Zeit2 der Versuchung weichen sie ab.

  1. bestimmte Zeit
  2. bestimmte Zeit

14 Das aber in die Dornen fiel, das sind die, so es hören, aber hingehen unter den Sorgen und den Reichtümern und Vergnügungen des Lebens und werden erstickt und bringen nichts zur Reife.

15 Das aber auf gutem1 Lande sind die, so das Wort in schönem, gutem Herzen anhören und behalten, und Frucht bringen mit Geduld.

  1. schönem

16 Niemand aber zündet eine Kerze an und verdeckt sie mit einem Gefäß oder setzt sie unter ein Bett, sondern er setzt sie auf den Leuchter auf, so daß die, so hereinkommen, das Licht sehen.

17 Denn nichts ist verborgen, das nicht wird offenbar werden, und nichts heimlich, das nicht bekannt wird und an das Offenbare kommt.

18 So sehet nun zu, wie ihr höret; denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und wer da nicht hat, dem wird auch das, was er zu haben meint, weggenommen werden.

19 Es traten aber Seine Mutter und Seine Brüder herzu zu Ihm und konnten vor dem Gedränge nicht zu Ihm gelangen.

20 Und man sagte Ihm an: Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen und wollen Dich sehen.

21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und Meine Brüder sind die, so Gottes Wort hören und tun.

22 Und es geschah an der Tage einem, daß Er und Seine Jünger in ein Schifflein einstiegen und Er sprach zu ihnen: Wir wollen hinüber über den See fahren; und sie fuhren ab.

23 Da sie aber schifften, schlief Er ein; und es fuhr ein Wirbel eines Windes in den See herab, und sie wurden überschüttet1 und waren in Gefahr.

  1. aufgefüllt

24 Sie aber kamen herzu, weckten Ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir sind verloren! Er aber machte Sich auf, bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers; und sie hörten auf, und es ward eine Windstille.

25 Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber, und verwundert sagten sie zueinander: Wer ist wohl Dieser, Daß Er den Winden und dem Wasser gebietet1 und sie Ihm gehorchen!

  1. anordnet

26 Und sie schifften hin in die Gegend der Gadarener, das Galiläa gegenüber ist.

27 Da Er aber hinaus ans Land kam, kam Ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der von langer1 Zeit her von Dämonen besessen war und kein Kleid antat und in keinem Hause blieb, sondern in den Grüften.

  1. genugsamer

28 Wie der aber Jesus sah, schrie er auf, fiel vor Ihm nieder und sprach mit großer Stimme: Was habe ich mit Dir zu schaffen1, Jesus, Du Sohn des höchsten Gottes? Ich flehe Dich, quäle mich nicht!

  1. Was ist mir und Dir?

29 Denn Er entbot dem unreinen Geiste, aus dem Menschen auszufahren; er hatte ihn viele Male1 erhascht, und er ward mit Ketten gebunden und mit Fußeisen verwahrt; und er zerriß die Bande, und ward von dem Dämon in die Wüsten getrieben.

  1. Zeiten

30 Jesus aber fragte ihn und sprach: Was ist dein Name? Er aber sprach: Legion; denn viele Dämonen waren in ihn gefahren.

31 Und er flehte Ihn an, daß Er sie nicht heißen1 möchte in den Abgrund abfahren.

  1. anordnen

32 Es war aber daselbst ein großer1 Trieb von Schweinen, die am Berge weideten, und sie flehten Ihn an, daß Er ihnen gestatte, in selbe zu fahren. Und Er gestattete es ihnen.

  1. genugsamer

33 Die Dämonen aber fuhren aus von dem Menschen und fuhren in die Schweine und der Trieb stürzte sich von der Anhöhe in den See und ertrank1.

  1. erstickte

34 Da aber die Hüter sahen, was geschah, flohen sie und sagten es in der Stadt an und auf den Feldern.

35 Sie aber kamen heraus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu Jesu Füßen sitzen, und sie fürchteten sich.

36 Und die es gesehen hatten, sagten ihnen an, wie der Besessene war gerettet worden.

37 Und die gesamte Menge aus der Umgegend der Gadarener bat1 Ihn, daß Er von ihnen wegginge; denn sie waren von großer Furcht erfaßt. Er aber stieg ein in das Schifflein und kehrte zurück.

  1. fragte

38 Der Mann aber, von dem die Dämonen waren ausgefahren, flehte Ihn an, daß er dürfte bei Ihm sein. Jesus aber entließ ihn und sagte:

39 Kehre zurück in dein Haus und erzähle, wie große Dinge Gott an dir getan hat. Und er ging hin und verkündigte in der ganzen Stadt, wie große Dinge Jesus ihm getan hatte.

40 Es geschah aber, als Jesus zurrückkehrte, daß das Gedränge Ihn aufnahm, denn alle warteten auf Ihn.

41 Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jairus, der auch ein Oberster der Synagoge war, und fiel zu Jesu Füßen und flehte Ihn an, daß Er in sein Haus kommen möchte;

42 Denn er hatte eine einzige1 Tochter bei zwölf Jahren, und diese war am Sterben. Und da Er hinging, drängte2 Ihn das Gedränge.

  1. eingeborene
  2. erstickte

43 Und ein Weib hatte den Blutfluß seit zwölf Jahren, und hatte all ihr Vermögen1 an Ärzte aufgewendet, und konnte von keinem geheilt werden.

  1. ihren Lebensunterhalt

44 Die kam von hinten herzu, berührte den Saum Seines Kleides und sogleich hörte1 ihr Blutfluß auf.

  1. stand

45 Und Jesus sprach: Wer hat Mich angerührt? Da aber alle es leugneten, sprach Petrus und die mit ihm waren: Das Gedränge beengt und drückt Dich, und Du sagst: Wer hat Mich angerührt?

46 Jesus aber sprach: Es hat Mich jemand angerührt; denn Ich habe erkannt, daß eine Kraft von Mir ausging.

47 Da das Weib aber sah, daß es nicht verborgen war, kam sie zitternd, und fiel vor Ihm nieder und sagte vor allem Volke an, warum sie Ihn angerührt habe, und daß sie sogleich gesund worden sei.

48 Er aber sprach zu ihr: Sei getrost Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet. Gehe hin im Frieden!

49 Indem Er noch redete, kam einer vom Synagogenobersten und sprach zu diesem: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Lehrer nicht.

50 Jesus aber hörte es, antwortete ihm und sprach: Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird sie gerettet.

51 Als Er aber in das Haus kam, ließ Er keinen hineingehen, außer Petrus und Johannes, und Jakobus und den Vater des Kindes und die Mutter.

52 Es weinten aber alle und jammerten um sie. Er aber sprach: Weinet nicht; sie ist nicht gestorben, sondern schlummert.

53 Und sie verlachten Ihn, denn sie wußten, daß sie gestorben war.

54 Er aber trieb sie alle hinaus und ergriff sie bei der Hand, rief und sprach: Mädchen, richte dich auf!

55 Und ihr Geist kehrte zurück und sie stand sogleich auf. Und er verordnete, daß man ihr zu essen gebe.

56 Ihre Eltern aber waren außer sich. Er entbot ihnen aber, daß sie niemand sagen sollten, was geschehen war.

Chapter 9

Aussendung der Zwölfe. Herodes. - Speisung der Fünftausend. - Verklärung Jesu. - Die Heilung eines Besessenen. - Ehrgeiz der Jünger.

1 Da rief Er aber die Zwölfe zusammen, gab ihnen Kraft und Gewalt über alle Dämonen, und die Krankheiten zu heilen:

2 Und sandte sie aus, das Reich Gottes zu predigen und die Siechen gesund zu machen.

3 Und sprach zu ihnen: Nehmet nichts mit auf den Weg, keinen Stab noch Tasche, noch Brot, noch Silber, noch sollt ihr je zwei Röcke haben.

4 Und wenn ihr in ein Haus eingehet, so bleibet allda, und ziehet von dannen aus.

5 Und wo sie euch nicht aufnehmen, da geht hinaus von selbiger Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen ab, zum Zeugnis über sie.

6 Und sie gingen aus und durchzogen die Flecken, predigten das Evangelium und heilten überall.

7 Herodes, der Vierfürst, aber hörte, was alles von Ihm geschah und war betroffen; denn die einen sagten: Johannes ist von den Toten auferweckt!

8 Andere aber: Elias ist erschienen; andere aber: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

9 Und Herodes sprach: Den Johannes ließ ich enthaupten; wer ist aber Der, von Dem ich solches höre? Und er trachtete Ihn zu sehen.

10 Und die Apostel kehrten zurück und erzählten Ihm, was sie getan hätten; und Er nahm sie zu Sich und entwich besonders an einen wüsten Ort bei einer Stadt, die da heißet Bethsaida.

11 Das Gedränge aber erfuhr es und folgte Ihm nach. Und Er nahm sie an, redete zu ihnen vom Reiche Gottes und machte die, so des Heilens bedürftig waren, gesund.

12 Der Tag aber fing an sich zu neigen; die Zwölfe aber kamen herzu und sprachen zu Ihm: Entlasse das Gedränge, daß sie in die umliegenden Flecken und auf die Felder gehen, auf daß sie Herberge und Beköstigung finden; denn hier sind wir an einem wüsten Ort.

13 Er aber sprach zu ihnen: Gebet ihr ihnen zu essen! Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr denn fünf Brote und zwei Fische; es sei denn, daß wir hingehen und für all dies Volk Speise kaufen.

14 Denn es waren bei fünftausend Männer. Er sprach aber zu Seinen Jüngern: Lasset sie sich in Lager zu fünfzig niederlagern.

15 Und sie taten also, und ließen alle sich niederlagern.

16 Er aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach und gab sie den Jüngern, daß sie dem Gedränge vorlegten.

17 Und sie aßen und wurden alle satt; und wurde aufgehoben, was ihnen überblieb von Brocken, zwölf Körbe.

18 Und es geschah, da Er allein war und betete, und Seine Jünger mit Ihm waren, fragte Er sie und sprach: Wer sagt das Gedränge, daß Ich sei?

19 Sie aber antworteten und sagten: Johannes der Täufer; andere aber: Elias; andere aber: einer der alten Propheten sei auferstanden.

20 Er aber sprach zu ihnen: Wer saget ihr aber, daß Ich sei? Petrus aber antwortete und sprach: Der Christus Gottes.

21 Er aber bedrohte sie und entbot ihnen, es niemand zu sagen,

22 Und sprach: Denn des Menschen Sohn muß viel leiden und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, und am dritten Tage auferweckt werden.

23 Er sprach aber zu allen: Wer Mir folgen1 will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf und folge Mir nach.

  1. hinter Mir kommen

24 Denn wer sein Leben1 retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben2 verlieren wird um Meinetwillen, der wird es retten.

  1. seine Seele
  2. seine Seele

25 Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert oder Schaden nimmt?

26 Denn wer sich Mein und Meiner Worte schämt, dessen wird Sich des Menschen Sohn auch schämen, wenn Er kommen wird in Seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit.

27 Aber in Wahrheit sage Ich euch: Es sind etliche von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis daß sie das Reich Gottes sehen.

28 Es geschah aber bei acht Tagen nach diesen Worten, daß Er Petrus und Johannes und Jakobus zu Sich nahm und stieg hinauf auf den Berg, um zu beten.

29 Und es geschah, wie Er betete, ward das Aussehen Seines Angesichtes ein anderes, und Seine Kleidung weiß strahlend.

30 Und siehe, zwei Männer unterredeten sich mit Ihm, welches Moses und Elias waren;

31 Welche in Herrlichkeit gesehen, von Seinem Ausgang sprachen, den Er in Jerusalem erfüllen sollte.

32 Petrus aber und die mit ihm waren, wurden von Schlaf beschwert; da sie aber erwachten1, sahen sie Seine Herrlichkeit, und die zwei Männer bei Ihm stehen.

  1. recht erwachten

33 Und es geschah, da sie sich von Ihm trennten, sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist es gut1 sein für uns, und wir wollen drei Hütten2 machen, Dir eine, und Moses eine und Elias eine, - er wußte nicht, was er sagte.

  1. schön
  2. Zelte

34 Während er aber dieses sprach, kam1 eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als jene in die Wolke eingingen.

  1. geschah

35 Und aus der Wolke geschah eine Stimme, die sprach: Dies ist Mein geliebter Sohn, Ihn höret!

36 Und als die Stimme geschah, fand Sich Jesus allein. Und sie schwiegen und sagten in jenen Tagen niemand etwas an von dem, das sie gesehen hatten.

37 Es geschah aber vom folgenden Tage, da sie vom Berge herabkamen, kam ihnen viel Gedränge entgegen.

38 Und siehe, ein Mann aus dem Gedränge schrie auf und sprach: Lehrer, ich flehe dich an, blicke auf meinen Sohn; denn er ist mein einziger1.

  1. eingeborener

39 Und siehe, ein Geist erfaßt ihn, und plötzlich schreit er, und er zerrt ihn mit Schäumen und kaum weicht er von ihm, wenn er ihn zerschlägt1.

  1. zerreibt

40 Und ich flehte zu Deinen Jüngern, sie möchten ihn austreiben, und sie konnten nicht.

41 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubig und verkehrt Geschlecht! Wie lange soll Ich bei euch sein und euch ertragen? Führe deinen Sohn hierher.

42 Als er aber nah herkam, riß ihn der Dämon und zerrte ihn herum. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist, und machte den Knaben gesund und übergab ihn seinem Vater.

43 Alle aber staunten über die Größe Gottes. Während aber alle sich wunderten über alles, was Jesus tat, sprach Er zu Seinen Jüngern:

44 Nehmet1 zu Ohren2 diese Worte: Denn des Menschen Sohn wird in der Menschen Hände überantwortet.

  1. leget ihr
  2. in eure Ohren

45 Aber sie verstanden diese Rede nicht, und es etwa vor ihnen verdeckt, daß sie solche nicht wahrnahmen. Und sie fürchteten sich, Ihn über diese Rede zu fragen.

46 Es kam in ihnen auch der Gedanke auf, welcher unter ihnen wohl der Größte wäre.

47 Da aber Jesus ihres Herzens Gedanken sah, nahm Er ein Kindlein herbei, und stellte es neben Sich.

48 Und sprach zu ihnen: Wer dieses Kindlein aufnimmt in Meinem Namen, der nimmt Mich auf, und wer Mich aufnimmt, der nimmt Den auf, Der Mich gesandt hat; denn der, so der Kleinste ist unter euch allen, der wird groß sein.

49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb in Deinem Namen Dämonen aus; und wir wehrten es ihm, weil er nicht mit uns nachfolgt.

50 Und Jesus sprach zu ihm: Wehret ihm nicht; denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns.

51 Es geschah aber, als die Tage sich erfüllten, daß Er sollte hinaufgenommen werden, und Er Sein Angesicht fest gerichtet hatte, gen Jerusalem zu ziehen,

52 Da sandte Er Boten vor Seinem Angesicht; und die gingen hin und kamen in einen samaritischen Flecken, um für Ihn zu bereiten.

53 Und sie nahmen Ihn nicht auf, weil Sein Angesicht gewendet war, gen Jerusalem zu ziehen1!

  1. Sein Angesicht gen Jerusalem ziehend war

54 Da aber Seine Jünger Jakobus und Johannes dies sahen, sprachen sie: Herr, willst Du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel herabkomme und sie verzehre, wie auch Elias tat?

55 Er aber wandte Sich um, bedrohte sie und sprach: Wisset ihr nicht, wessen Geistes ihr seid?

56 Denn des Menschen Sohn ist nicht gekommen, die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu retten. Und sie zogen in einen anderen Flecken.

57 Es geschah aber, als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wo Du hingehst.

58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Baue, und das Gevögel des Himmels Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo Er Sein Haupt hinlege.

59 Zu einem anderen aber sagte Er: Folge du Mir nach! Der aber sprach: Herr, gestatte mir, daß ich zuerst hingehe, meinen Vater zu begraben.

60 Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben. Du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes.

61 Ein anderer aber sprach auch: Ich, Herr, will Dir nachfolgen. Gestatte aber zuerst, von denen, die in meinem Hause sind, mich zu verabschieden.

62 Jesus aber sprach zu ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, ist tauglich für das Reich Gottes.

Chapter 10

Die siebzig Jünger. - Der barmherzige Samariter. - Martha und Maria.

1 Danach aber bestellte der Herr noch siebzig andere, und sandte sie zu je zwei vor Seinem Angesicht in jede Stadt und jeden Ort, dahin Er Selbst kommen wollte.

2 Er sprach dann zu ihnen: Der Ernte zwar ist viel, aber der Arbeiter wenig. Flehet denn zum Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte ausschicke.

3 Gehet hin! Siehe, Ich sende euch, wie Lämmer mitten unter Wölfe.

4 Traget keinen Beutel, noch Tasche, noch Schuhe, und grüßet niemand auf dem Wege.

5 In welches Haus ihr aber eingehet, sprechet zuerst: Friede diesem Hause!

6 Und wenn allda ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen, wo aber nicht, so wird er sich wieder zu euch wenden.

7 In demselben Hause aber bleibet. Esset und trinket, was sie haben; denn der Arbeiter ist Seines Lohnes wert. Geht nicht von Haus zu Hause über.

8 Und wo ihr in eine Stadt eingehet, und sie euch aufnehmen, da esset, was euch wird vorgelegt.

9 Und heilet die Siechen in ihr, und sprechet zu ihnen: Das Reich Gottes hat sich euch genaht.

10 So ihr aber in eine Stadt kommt, und sie euch nicht aufnehmen, da geht heraus auf ihre Straßen und sprechet:

11 Auch den Staub, der sich von eurer Stadt an uns gehängt hat, wischen wir ab auf euch. Aber das sollt ihr erkennen, daß euch das Reich Gottes nahe gewesen ist.

12 Das aber sage Ich euch: Es wird Sodom an jenem Tage erträglicher sein, denn solcher Stadt.

13 Wehe dir, Chorazin, wehe dir, Bethsaida! denn wären in Tyrus und Sidon die Wundertaten1 geschehen, die in euch geschehen sind, sie hätten längst im Sack und in der Asche gesessen und Buße getan.

  1. Kräfte

14 Doch Tyrus und Sidon wird es erträglicher sein im Gericht, als euch.

15 Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöhet worden, wirst bis in die Hölle hinabgestoßen werden.

16 Wer euch hört, hört Mich; und wer euch verwirft1, verwirft Mich, wer aber Mich verwirft, verwirft Den, Der Mich gesandt hat.

  1. beiseite setzt

17 Die Siebzig aber kehrten zurück mit Freude und sagten: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in Deinem Namen.

18 Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.

19 Siehe, Ich gebe euch Gewalt, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts wird euch schädigen.

20 Doch freuet euch nicht darüber, daß euch die Geister untertan sind; freuet euch aber, daß eure Namen in den Himmeln geschrieben sind.

21 Zu der Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich bekenne Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du solches vor Weisen und Verständigen verheimlicht und Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, also ward es vor Dir wohlgefällig.

22 Alles ist Mir von Meinem Vater übergeben, und niemand erkennt, wer der Sohn ist, denn nur der Vater, und wer der Vater ist, denn der Sohn, und wem der Sohn willens ist, es zu offenbaren.

23 Und Er wandte Sich an Seine Jünger besonders und sprach: Selig sind die Augen, die erblicken, was ihr erblickt.

24 Denn Ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr erblickt, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

25 Und siehe, da stand ein Gesetzlehrer auf, Ihn zu versuchen und sprach: Lehrer, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?

26 Er aber sprach zu ihm: Was ist im Gesetz geschrieben? Wie liesest du?

27 Er aber antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele und von deiner ganzen Stärke und von deinem ganzen Gemüte, und deinen Nächsten wie dich selbst.

28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet. Tue das, so wirst du leben.

29 Der aber wollte sich rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

30 Jesus aber nahm es auf und sprach: Es war ein Mensch, der ging1 hinab von Jerusalem nach Jericho und fiel unter Räuber. Die zogen ihn auch aus, schlugen ihn wund2 und gingen weg und ließen ihn halbtot liegen3.

  1. stieg
  2. taten Schläge dazu
  3. seiend

31 Durch Zufall aber ging ein Priester desselben Weges hinab, und da er ihn sah, ging er vorüber1.

  1. gegenüber vorüber

32 Desgleichen aber auch ein Levit. Als er an den Ort gelangte, kam er, sah ihn und ging vorüber1.

  1. gegenüber vorüber

33 Ein Samariter aber reiste und kam an ihn heran, sah ihn, und es jammerte ihn seiner.

34 Und er kam hinzu, verband ihm die Wunden und goß Öl und Wein darauf; er setzte ihn aber auf sein eigen Lasttier, führte ihn in eine Herberge und pflegte seiner.

35 Und da er am anderen Tage auszog, zog er zwei Denare heraus, gab sie dem Gastwirt und sprach zu ihm: Pflege sein, und was du etwa mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Welcher nun dieser drei, dünkt dir, war der Nächste dem, der unter die Räuber fiel?

37 Er aber sprach: Der Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe auch du hin und tue desgleichen.

38 Es geschah aber, da sie hinzogen, kamen sie in einen Flecken. Da war aber ein Weib mit Namen Martha, die nahm Ihn auf in ihr Haus.

39 Und sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Und diese setzte sich zu Jesu Füßen und hörte auf Sein Wort.

40 Martha aber machte sich sehr zu schaffen mit vielem Dienen. Sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmerst Du Dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein läßt bei der Bedienung? Sage ihr doch, daß sie mit mir angreife.

41 Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du sorgest und beunruhigst dich um vieles.

42 Eins aber ist Not. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr weggenommen werden.

Chapter 11

Gebet des Herrn. Der stumme Geist. - Strafpredigt wider die Pharisäer.

1 Und es geschah, als Er an einem Orte war und betete, wie Er aufgehört hatte, sprach Seiner Jünger einer zu Ihm: Herr, lehre uns beten, so wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat.

2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprechet: Unser Vater in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.

3 Gib uns unser täglich Brot jeden Tag!

4 Und vergib uns unsere Sünden; denn auch wir vergeben einem jeden, der uns schuldig ist. Und bringe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns vom Übel.

5 Und Er sprach zu ihnen: Wer von euch hat einen Freund und geht zu ihm um Mitternacht und spricht zu ihm: Freund, leihe mir drei Brote!

6 Denn mein Freund ist zu mir hergekommen von der Reise und ich habe nichts, ihm vorzusetzen!

7 Und jener drinnen würde antworten und sagen: Mache mir keine Ungelegenheiten; die Tür ist schon verschlossen, und meine Kindlein sind bei mir zu Bette1; ich kann nicht aufstehen und dir geben.

  1. im Lager

8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufsteht und gibt ihm, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Unverschämtheit aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf.

9 Und Ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

10 Denn jeder, der bittet, der empfängt, und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

11 Wo ist aber unter euch ein Vater, der dem Sohne, so er ihn um Brot bäte, einen Stein übergäbe? oder auch ihm, so er um einen Fische bäte1, statt eines Fisches eine Schlange übergäbe?

  1. bäte nicht im Griech.

12 Oder ihm, so er ihn um ein Ei bäte, ihm einen Skorpion übergäbe?

13 So nun ihr, die ihr doch arg seid, wisset euren Kindern gute Gaben zu geben, wieviel mehr wird der Vater aus dem Himmel den Heiligen Geist geben denen, die Ihn darum bitten?

14 Und Er trieb einen Dämon aus, und der war stumm. Es geschah aber, als der Dämon ausgefahren war, daß der Stumme redete. Und das Gedränge verwunderte sich.

15 Etliche aber unter ihnen sagten: Durch Beelzebul, der Dämonen Obersten, treibt Er die Dämonen aus.

16 Andere aber versuchten Ihn und begehrten1 ein Zeichen aus dem Himmel von Ihm.

  1. suchten

17 Er aber wußte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jegliches Reich, das gegen sich selbst sich zerteilt, wird wüste, und so Haus ist wider Haus, fällt es.

18 Wenn aber der Satan auch gegen sich selbst zerteilt ist, wie kann sein Reich bestehen - weil ihr sagt, Ich treibe die Dämonen aus durch Beelzebul?

19 Wenn Ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.

20 Wenn Ich aber durch Gottes Finger die Dämonen austreibe, so ist ja das Reich Gottes über euch herbeigekommen.

21 Wenn der Starke gewappnet seinen Hof hütet, so bleibt das Seinige im Frieden.

22 Wenn aber ein Stärkerer denn er über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine Waffenrüstung weg, auf die er vertraute, und verteilt die Beute.

23 Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich, und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut.

24 Wenn der unreine Geist vom Menschen ausgefahren ist, durchzieht er wasserlose Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht; da spricht er: Ich will zurückkehren in mein Haus, daraus ich ausgegangen bin.

25 Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt;

26 Dann geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, ärger denn er, und sie gehen ein und wohnen daselbst, und es wird das Letzte bei selbigen Menschen ärger, als das Erste.

27 Und es geschah, da Er solches redete, erhob ein Weib aus dem Gedränge die Stimme und sprach zu Ihm: Selig ist der Leib1, der Dich getragen, und die Brüste, die Du gesogen hast.

  1. Bauch

28 Er aber sprach: Selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und bewahren.

29 Als aber das Gedränge hinzuströmte, fing Er an zu sprechen: Dies Geschlecht ist arg; es sucht ein Zeichen, und kein Zeichen soll ihm gegeben werden, denn nur das Zeichen Jonas, des Propheten.

30 Denn wie Jonas den Nineviten zum Zeichen ward, so soll es auch des Menschen Sohn sein diesem Geschlechte.

31 Die Königin von Mittag wird im Gericht auftreten mit den Männern dieses Geschlechtes und sie verdammen; denn sie kam von den Enden1 der Erde, Salomohs Weisheit zu hören; und siehe, hier ist mehr den Salomoh!

  1. Äußersten

32 Die Männer von Nineveh werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und es verdammen; denn sie taten Buße auf die Predigt des Jonas; und siehe, hier ist mehr denn Jonas.

33 Niemand zündet aber eine Kerze an und setzt sie ins Verborgene oder unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, daß die, so eintreten, den Schein erblicken.

34 Das Licht1 des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge einfältig ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; so aber dein Auge böse2 ist, ist auch dein Leib finster.

  1. die Kerze
  2. übel

35 So schaue denn darauf, daß nicht das Licht in dir Finsternis sei.

36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist, und kein finsteres Teil darin ist, so wird er dann ganz licht sein, wie wenn das Licht1 mit seinem Strahle dich erleuchtet.

  1. die Kerze

37 Da Er aber redete, bat1 Ihn ein Pharisäer, Er möchte bei ihm frühstücken. Und Er ging hinein und ließ Sich nieder2.

  1. fragte
  2. fiel hin

38 Da das der Pharisäer sah, verwunderte er sich, daß Er Sich nicht vor dem Mahle1 gewaschen2 hatte.

  1. Frühstück
  2. eingetaucht

39 Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer reinigt wohl das Auswendige des Kelches und der Platte, das Inwendige bei euch ist aber soll von Raub und Schlechtigkeit.

40 Ihr Toren, hat nicht der das Auswendige machte, auch das Inwendige gemacht?

41 Gebt jedoch Almosen von dem, was da ist, und siehe, alles ist rein für euch.

42 Aber wehe euch Pharisäern, daß ihr verzehntet die Minze und die Raute und jegliches Gartenkraut, und geht vorbei an dem Gericht und der Liebe zu Gott. Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

43 Wehe euch Pharisäern, daß ihr liebt den ersten Sitz in den Synagogen und die Grüße auf dem Markte.

44 Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, daß ihr seid wie ungesehene Gräber1, und die Menschen wandeln darüber und wissen es nicht.

  1. Grüfte

45 Da antwortete einer der Gesetzlehrer und sprach zu Ihm: Lehrer, indem Du solches sagst, beschimpfst Du auch uns!

46 Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzlehrern, daß ihr die Menschen mit unerträglichen Lasten belastet, und ihr selbst regt die Lasten mit keinem eurer Finger an.

47 Wehe euch, die ihr baut die Grüfte der Propheten, eure Väter aber haben sie getötet.

48 Damit bezeugt ihr und habt Wohlgefallen mit ihnen an den Werken eurer Väter; denn sie töteten sie zwar, ihr aber bauet ihre Grüfte.

49 Darum spricht auch die Weisheit Gottes: Ich sende an sie Propheten und Apostel; und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen1.

  1. hinaus verfolgen

50 Damit von diesem Geschlecht gefordert werde das Blut aller Propheten, das seit der Gründung der Welt vergossen ward.

51 Von Abels Blut bis auf das Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umgebracht wurde. Ja, Ich sage euch, von diesem Geschlecht wird es gefordert werden.

52 Wehe euch Gesetzlehrern, daß ihr den Schlüssel der Erkenntnis habt weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingekommen und habt den Hineinkommenden gewehrt.

53 Da Er solches zu ihnen sprach, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, Ihm hart zuzusetzen und Ihn über vielerlei auszulocken.

54 Indem sie Ihm auflauerten und danach trachteten, ob sie aus Seinem Munde etwas erjagen könnten, daß sie Ihn verklageten.

Chapter 12

Gleichnisse und Ermahnungen.

1 Als das Gedränge zu Zehntausenden sich versammelte, so daß sie einander niedertraten, fing Er an zu Seinen Jünger zu sagen: Zum ersten nehmet euch in acht vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher ist Heuchelei.

2 Nichts ist verdeckt, das nicht aufgedeckt werden, und verborgen, das nicht erkannt werden wird.

3 Weshalb, was ihr im Finstern gesprochen habt, wird im Licht gehört werden. Und was ihr in den Kammern ins Ohr geredet habt, wird auf den Dächern gepredigt werden.

4 Ich aber sage euch, Meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, nach dem aber nichts weiter haben, das sie tun können.

5 Ich will euch aber weisen, vor wem ihr euch zu fürchten habt. Fürchtet euch vor Dem, Der, nachdem Er getötet hat, die Gewalt hat, in die Hölle1 zu werfen. Ja, Ich sage euch, vor Dem fürchtet euch.

  1. gr. Gehenna

6 Verkauft man nicht fünf Sperlinge um zwei Pfennige, und doch ist keiner derselben vor Gott vergessen.

7 Aber auch die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid mehr wert, denn viele Sperlinge.

8 Ich sage euch aber: Jeder, der Mich bekennt vor den Menschen, den wird auch des Menschen Sohn bekennen vor den Engeln Gottes.

9 Wer Mich aber vor den Menschen verleugnet hat, der wird auch vor den Engel Gottes verleugnet werden.

10 Und jeder, der ein Wort spricht wider des Menschen Sohn, dem soll es vergeben werden; wer aber wider den Heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben werden.

11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und Gewalten führen, so sorget nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sprechen sollet.

12 Denn der Heilige Geist wird euch zur selben Stunde lehren, was ihr sprechen müßt.

13 Einer aber aus dem Gedränge sagte zu Ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, daß er das Erbe mit mir teilen soll.

14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat Mich zum Rechtsprecher oder Erbteiler über euch gesetzt?

15 Er sprach aber zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor der Habsucht. Denn niemand hat das Leben in dem Überfluß aus seiner Habe.

16 Er aber sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mann, dem hatte sein Acker wohl getragen.

17 Und er bedachte bei sich und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wo ich meine Früchte hinsammle.

18 Und er sagte: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und all meinen Ertrag und meine Güter allda sammeln,

19 Und werde meiner Seele sagen: Seele, du hast nun viele Güter auf viele Jahre daliegen. Ruhe aus, iß, trink und sei fröhlich.

20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, heute Nacht wird man deine Seele von dir abfordern. Wessen wird dann sein, das du bereitet hast?

21 So ist es mit dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich in Gott.

22 Er sagte aber zu Seinen Jüngern: Darum sage Ich euch: Sorget nicht für eure Seele, was ihr essen, noch für euren Leib, was ihr antun sollet.

23 Die Seele ist mehr denn die Nahrung, und der Leib mehr denn die Kleidung.

24 Betrachtet die Raben; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben keine Kammer noch Scheune, und Gott ernährt sie. Wieviel mehr seid ihr als das Gevögel.

25 Wer von euch aber kann mit seinem Sorgen seinem Wuchse eine Elle zusetzen?

26 So ihr denn das Geringste nicht könnt, warum sorgt ihr um das Übrige?

27 Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen. Sie mühen sich nicht ab, noch spinnen sie! Aber Ich sage euch, daß auch Salomoh in all seiner Herrlichkeit nicht umkleidet war, wie deren eine.

28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Felde ist und morgen in den Ofen geworfen wird, also ankleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen!

29 So fraget1 denn auch ihr nicht, was ihr essen oder was ihr trinken werdet, und seid nicht im Zweifel2.

  1. suchet
  2. in der Schwebe

30 Nach solchem allem trachten die Heiden1 der Welt. Euer Vater aber weiß, daß ihr dessen bedürfet.

  1. Völkerschaften

31 Trachtet vielmehr nach dem Reich Gottes, so wird euch dies alles hinzugetan.

32 Fürchte dich nicht, du kleines Herdlein; denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.

33 Verkaufet, was ihr habt, und gebt Almosen. Machet euch Beutel, die nicht altern, einen Schatz in den Himmeln, der nicht versiegt, wo der Dieb nicht naht, noch die Motte verdirbt.

34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

35 Eure Lenden seien umgürtet, und lasset eure Kerzen brennen.

36 Und seid ihr ähnlich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbricht von der Hochzeit, daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm alsbald auftun.

37 Selig selbige Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, Ich sage euch, er umgürtet sich, läßt sie zu Tische gehen1, und kommt herzu und bedient sie.

  1. liegen

38 Und so er in der zweiten Wache und in der dritten Wache kommt und findet sie also: selig sind selbige Knechte.

39 Dieses aber erkennet: Wenn der Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb käme, so bliebe er wach und ließe nicht in sein Haus einbrechen.

40 So seid denn auch ihr bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr es nicht meinet.

41 Petrus aber sprach zu Ihm: Herr, sagst Du dieses Gleichnis für uns, oder auch für alle?

42 Der Herr aber sprach: Wer ist wohl der treue und kluge Haushalter, den der Herr über sein Gesinde setzen wird, auf daß er ihnen zur bestimmten Zeit den Mundbedarf gebe?

43 Selig ist selbiger Knecht, den sein Herr findet also tun, wenn er kommt.

44 In Wahrheit, Ich sage euch, er wird ihn über all seine Habe setzen.

45 Wenn aber selbiger Knecht in seinem Herzen spricht: Mein Herr verzieht zu kommen, und fängt an, die Knechte1 und die Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen;

  1. Knaben

46 So wird der Herr desselbigen Knechts kommen an einem Tage, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß1, und ihn zerscheitern und ihm sein Teil setzen mit den Ungetreuen.

  1. erkennt

47 Selbiger Knecht aber, der seines Herrn Willen wußte1 und sich nicht bereitete, und nicht nach seinem Willen tat, wird viel Streiche erleiden2.

  1. erkannte
  2. gestäupt werden

48 Der es aber nicht wußte1, aber doch tat, was der Streiche wert ist, wird wenig Streiche leiden2. Bei einem jeglichen aber, dem viel gegeben ist, von dem wird man viel suchen, und bei dem man viel niedergelegt hat, von dem wird man mehr fordern3.

  1. erkannte
  2. gestäupt werden
  3. bitten

49 Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu werfen, und was wollte Ich, als daß es schon angezündet wäre.

50 Ich habe aber eine Taufe, mit der Ich getauft werde, und wie bin Ich bedrängt, bis sie vollendet ist!

51 Meinet ihr, Ich sei hergekommen1, Frieden zu geben auf Erden? Nein, sage Ich euch, sondern Zerteilung.

  1. herzugetreten

52 Von nun an werden fünf in einem Hause zerteilt sein, drei wider zwei, und zwei wider drei.

53 Der Vater wird entzweit1 sein mit dem Sohn und der Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der Tochter und die Tochter mit der Mutter, die Schwieger mit ihrer Schnur und die Schnur mit ihrer Schwieger.

  1. zerteilt werden

54 Er sprach aber auch zu dem Gedränge: Wenn ihr eine Wolke vom Niedergang aufgehen sehet, so saget ihr alsbald: Es kommt ein Platzregen! Und es geschieht also.

55 Und wenn der Mittagswind weht, saget ihr: Es wird eine Hitze! Und es geschieht.

56 Ihr Heuchler, das Gesichte der Erde und des Himmel wisset ihr zu prüfen; wie aber ist es, daß ihr diese Zeit1 nicht prüfet?

  1. bestimmte Zeit

57 Warum richtet ihr von euch selbst aus nicht, was gerecht ist?

58 Denn wenn du mit deinem Widersacher vor die Obrigkeit hingehst, so befleißige dich1, noch auf dem Wege von ihm loszuwerden, auf daß er dich nicht vor den Richter hinunterschleppe, und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergebe und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfe.

  1. gib Fleiß

59 Ich sage dir: Du wirst von dannen nicht herauskommen, bis daß du auch den letzten Heller bezahlst hast.

Chapter 13

Bußpredigt. Feigenbaum. Heilung. - Die enge Pforte. Herodes. - Zerstörung Jerusalems.

1 Es waren aber zur selben Zeit etliche da, die sagten Ihm an von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischte.

2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, diese Galiläer seien Sünder gewesen vor allen Galiläern, weil sie solches erlitten haben?

3 Nein, sage Ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch also umkommen.

4 Oder meint ihr, daß jene achtzehn, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete, seien Schuldner gewesen vor allen Menschen, die in Jerusalem wohnen?

5 Nein, sage Ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch also umkommen.

6 Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war, und kam und suchte Frucht darauf und fand keine.

7 Er sprach aber zu dem Weinbauer: Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht darauf und finde sie nicht. Haue ihn ab, was versperrt er das Land?

8 Der aber antwortete und sagte zu ihm: Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis daß ich um ihn grabe und Dünger hinwerfe;

9 Ob er dann Frucht bringt1. Wo aber nicht, so haue ihn künftighin ab.

  1. macht

10 Er lehrte aber in einer der Synagogen am Sabbath.

11 Und siehe, da war ein Weib, das hatte achtzehn Jahre einen Geist des Gebrechens, und war zusammengekrümmt und konnte sich nicht völlig aufrichten.

12 Da aber Jesus sie sah, rief Er sie herzu und sprach zu ihr: Weib, du bist erlöst von deinem Gebrechen.

13 Und Er legte die Hände auf sie; und sogleich wurde sie gerade und verherrlichte Gott.

14 Der Oberste der Synagoge aber antwortete, unwillig, daß Jesus auf den Sabbath heilte, und sprach zu dem Gedränge: Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll. An diesen kommt und lasset euch heilen, und nicht am Tage des Sabbaths.

15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Du Heuchler, löst nicht jeder von euch am Sabbath seine Ochsen oder Esel von der Krippe und führt ihn hin, ihn zu tränken?

16 Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan nun, siehe, achtzehn Jahre gebunden hatte, sie sollte nicht am Tage des Sabbaths von diesem Bande gelöst werden?

17 Und da Er solches sprach, mußten sich schämen alle Seine Widersacher; und das ganze Gedränge freute sich über all das Herrliche, das von Ihm geschah.

18 Er aber sprach: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll Ich es vergleichen?

19 Es ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und warf es in seinen Garten. Und es wuchs und ward zu einem großen Baum, so daß das Gevögel des Himmels in seinen Zweigen wohnte1.

  1. zeltete

20 Und abermals sprach Er: Wem soll Ich das Reich Gottes vergleichen?

21 Es ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und in drei Seahs Mehl verbarg, bis daß das Ganze durchsäuert war.

22 Und Er durchzog Städte und Flecken und lehrte, und machte die Reise nach Jerusalem.

23 Es sprach aber einer zu Ihm: Herr, sind es wenige, die gerettet werden? Er aber sprach zu ihnen:

24 Ringet danach, daß ihr eingeht durch das enge Tor; denn viele, sage Ich euch, werden versuchen, einzugehen und werden es nicht vermögen.

25 Wenn1 der Hausherr sich aufgemacht hat und die Tür verschlossen hat, und ihr anfanget, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen, und sagt: Herr, Herr, tue uns auf! Und er wird antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, woher ihr seid.

  1. Von dem an, wenn

26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken und in unseren Straßen hast du gelehrt.

27 Und er wird sprechen: Ich sage euch: Ich kenne euch nicht, woher ihr seid. Weichet von mir alle, die Ungerechtigkeit wirken.

28 Da wird sein Heulen1 und Zähneknirschen, wenn ihr sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und alle die Propheten im Reiche Gottes, ihr aber werdet hinausgeworfen.

  1. Weinen

29 Und kommen werden vom Aufgang und Niedergang und von Mitternacht und Mittag und im Reiche Gottes zu Tische liegen.

30 Und siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und sind Erste, die Letzte sein werden.

31 An selbigen Tage kamen einige Pharisäer herzu und sprachen zu Ihm: Gehe hinaus und ziehe von hinnen; denn Herodes will Dich töten.

32 Und Er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, Ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tage werde Ich vollendet.

33 Doch muß Ich heute und morgen und am folgenden Tage hinziehen; denn es tut es nicht, daß ein Prophet umkomme außerhalb Jerusalems.

34 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt werden. Wie oft habe Ich deine Kinder versammeln wollen, wie die Henne ihr Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt.

35 Siehe, euer Haus wird euch wüste gelassen. Aber Ich sage euch: Ihr werdet Mich nicht sehen, bis es kommen wird, daß ihr sagt: Gesegnet sei, Der da kommt im Namen des Herrn.

Chapter 14

Der Wassersüchtige. - Gleichnis vom Gastmahl. Wahre Nachfolge.

1 Und es geschah, daß Er in das Haus eines der Obersten der Pharisäer kam, am Sabbath das Brot zu essen; und sie hielten auf Ihn.

2 Und siehe, da war vor Ihm ein Mensch, der war wassersüchtig.

3 Und Jesus antwortete und sprach zu den Gesetzlehrern und Pharisäern und sagte: Ist es erlaubt, am Sabbath zu heilen?

4 Sie waren aber stille. Und Er nahm ihn, machte ihn gesund und entließ ihn.

5 Und Er antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem ein Esel oder ein Ochs in den Brunnen fällt, und der ihn nicht alsbald heraufzieht am Tage des Sabbaths?

6 Und sie vermochten Ihm nicht darauf zu entgegnen.

7 Er aber sagte denen, die gerufen waren, ein Gleichnis, da Er bemerkte, daß sie sich die ersten Plätze auswählten, und sprach zu ihnen:

8 Wenn du von jemand zur Hochzeit gerufen wirst, so laß dich nicht nieder an den ersten Platz. Es möchte sonst ein Geehrterer denn du von ihm gerufen sein,

9 Und der, so dich und ihn gerufen hat, kommen und zu dir sagen: Gib diesem den Platz1, da du dann beschämt den letzten Platz2 einnehmen müßtest3.

  1. Ort
  2. Ort
  3. anfangen müßtest einzunehmen

10 Sondern wenn du geladen1 wirst, gehe hin, laß dich an den letzten Platz2 nieder, auf daß, wenn der kommt, der dich geladen3 hat, er zu dir spreche: Rücke4 weiter hinauf, mein Freund, und du dann Ehre5 habest vor denen, die mit dir zu Tische liegen.

  1. gerufen
  2. Ort
  3. gerufen
  4. Steige
  5. Herrlichkeit

11 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

12 Er sprach aber auch zu dem, der Ihn geladen1 hatte: Wenn du ein Mittagsmahl oder ein Abendmahl machst, so rufe nicht deine Freunde noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, auf daß nicht etwa auch sie dich wieder laden, und dir Vergeltung werde;

  1. gerufen

13 Sondern wenn du ein Mahl1 machst, so rufe Arme, Krüppel, Lahme, Blinde;

  1. Empfangsmahl

14 Und du wirst selig sein; weil sie nichts haben, es dir zu vergelten; denn bei der Auferstehung der Gerechten wird es dir vergolten werden.

15 Als solches aber einer derer, die mit zu Tische lagen, hörte, sprach er zu Ihm: Selig ist, der das Brot isset im Reiche Gottes!

16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele ein;

17 Und zur Stunde des Abendmahls sandte er seinen Knecht aus und ließ denen, die geladen1 waren, sagen: Kommet, denn alles ist schon bereitet.

  1. gerufen

18 Und sie fingen alle übereins an, sich zu entschuldigen. Der erste sagte ihm: Ich habe ein Feld gekauft und muß notwendig hinausgehen, es zu besehen. Ich bitte dich, entschuldige mich.

19 Und ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und gehe hin, sie zu prüfen. Ich bitte dich, entschuldige mich.

20 Und ein anderer sagte: Ich habe ein Weib gefreit, und darum kann ich nicht kommen.

21 Und selbiger Knecht trat herzu und sagte solches seinem Herrn an. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Gehe schnell hinaus auf die Straßen und die Gassen der Stadt und führe die Armen und die Krüppel und die Blinden und die Lahmen hier herein!

22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du verordnet hast, und es ist noch Platz1 da.

  1. Ort

23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Gehe hinaus auf die Wege und die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf daß mein Haus voll werde.

24 Denn ich sage euch, daß keiner selbiger Männer, die geladen1 worden, mein Abendmahl kosten soll.

  1. gerufen

25 Es zog aber viel Gedränge mit Ihm, und Er wandte Sich, und sprach zu ihnen:

26 So jemand zu Mir kommt und haßt nicht seinen Vater und die Mutter und das Weib und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, ja selbst auch seine eigene Seele, der kann Mein Jünger nicht sein.

27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und Mir nachkommt, der kann Mein Jünger nicht sein.

28 Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er es hat zur Ausführung?

29 Auf daß nicht, so er den Grund gelegt, und nicht vermag es zu vollenden, alle, die es schauen, anfangen, ihn zu verspotten,

30 Und zu sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen, und vermochte es nicht zu vollenden.

31 Oder, wo ist ein König, der hinzieht, um mit einem anderen König im Krieg zusammenzutreffen, und sich nicht zuvor hinsetzt und berät, ob er kann mit Zehntausenden begegnen dem der mit Zwanzigtausenden über ihn kommt?

32 Ist er es aber nicht, so sendet er, da er noch ferne ist, eine Gesandtschaft und bittet1 um Frieden.

  1. fragt

33 Also ist es mit jeglichem unter euch: so er nicht alles, das er besitzt, aufgibt1, kann er nicht Mein Jünger sein.

  1. verabschiedet

34 Das Salz ist gut1; so aber das Salz fade wird, womit wird man es würzen?

  1. schön

35 Es ist weder für das Land, noch für den Düngerhaufen tauglich. Hinaus wirft man es! Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Chapter 15

Das verlorene Schaf. Der verlorene Sohn.

1 Es nahten sich Ihm aber alle Zöllner und Sünder, auf daß sie Ihn hörten.

2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten durcheinander und sagten: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er aber sagte ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch von euch, der hundert Schafe hat und eines derselben verliert, verläßt nicht die neunundneunzig in der Wüste, und geht hin nach dem verlorenen, bis daß er es finde?

5 Und wenn er es gefunden hat, legt er es mit Freuden auf seine Schultern;

6 Und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr denn über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

8 Oder welches Weib ist, das zehn Drachmen hat, wenn sie eine Drachme verliert, die nicht eine Kerze anzündet und das Haus kehrt und fleißig sucht, bis daß sie sie findet?

9 Und wenn sie dieselbe gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.

10 Also, sage Ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

11 Er sprach aber: Ein Mensch hatte zwei Söhne.

12 Und der Jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir, Vater, den Teil des Guts, der mich trifft. Und er verteilte unter sie das Vermögen.

13 Und nicht viel Tage danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog fort in eine ferne Landschaft und vergeudete1 da sein Gut mit schwelgendem Leben.

  1. verstreute

14 Als er aber all das Seine verausgabt hatte, ward eine starke Hungersnot in selbiger Landschaft, und er fing an Mangel zu leiden.

15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger derselbigen Landschaft. Und der schickte ihn auf seine Felder, die Schweine zu hüten.

16 Und er begehrte, seinen Magen1 mit Schoten2 zu füllen, welche die Schweine fraßen; aber niemand gab sie ihm.

  1. Bauch
  2. d.i. des Johannesbrotbaumes

17 Da kam er aber zu sich selber und sprach: Wie viele Mietlinge meines Vaters haben Brot im Überfluß, und ich verderbe vor Hunger!

18 Ich will aufstehen und zu meinem Vater hingehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt am Himmel und vor dir;

19 Und ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Mache mich wie einen deiner Mietlinge.

20 Und er stand auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch weit weg war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; und er lief, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.

21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt am Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.

22 Der Vater aber sprach zu seinen Knechten: Bringt das erste Gewand und tut es ihm an, und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe1 an die Füße.

  1. Sandalen

23 Und bringt das Mastkalb her, und schlachtet es. Und lasset uns essen und fröhlich sein!

24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig. Er war verloren und ist gefunden. Und sie fingen an, fröhlich zu werden.

25 Sein ältester Sohn aber war auf dem Felde, und wie der kam und dem Hause nahte, hörte er Musik und Reigen,

26 Und er rief zu sich der Knechte1 einen und fragte, was das wäre.

  1. Knaben

27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder empfangen hat.

28 Er ward aber zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater denn hinaus und flehte ihn an.

29 Er aber antwortete und sprach zu dem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übergangen, und noch nie hast du mir einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.

30 Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Vermögen mit Buhlerinnen aufgegessen, hast du ihm das Mastkalb geschlachtet.

31 Er sprach aber zu ihm: Kind, du bist allzeit bei mir, und all das Meine ist dein.

32 Man mußte aber fröhlich sein und sich freuen, daß dieser dein Bruder tot war und ist wieder lebendig, und daß er verloren war und wieder gefunden ist.

Chapter 16

Der ungerechte Haushalter. - Der reiche Mann.

1 Er sprach aber auch zu Seinen Jüngern: Es war ein reicher Mensch, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm bezichtigt, daß er seine Habe verschleudere1.

  1. zerstreue

2 Und er rief ihn und sprach zu ihm: Wie ist es, daß ich dieses von dir höre? Gib Rech- nung von deiner Haushaltung, denn du kannst nicht mehr haushalten.

3 Der Haushalter aber sprach bei sich: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir die Haushaltung ab. Zu graben vermag ich nicht, zu betteln schäme ich mich.

4 Ich weiß1, was ich tue, wenn ich vom Haushalt abtreten muß, auf daß sie mich in ihre Häuser aufnehmen.

  1. erkenne

5 Und er rief einen jeglichen der Schuldleute seines Herrn zu sich und sprach zu dem ersten: Wieviel schuldest du meinem Herrn?

6 Er aber sprach: Hundert Bath Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und setze dich und schreibe schnell fünfzig.

7 Danach sprach er zu einem andern: Aber du, wieviel bist du schuldig? Dieser aber sagte: Hundert Kor Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig.

8 Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan habe; denn die Söhne dieses Zeitlaufes sind klüger, als die Söhne des Lichts in ihrem Geschlechte.

9 Und Ich sage auch euch: Machet euch Freunde mit dem Mammon der Ungerechtigkeit, auf daß, wenn es mit euch zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten1.

  1. Zelte

10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.

11 So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu waret, wer wird euch das Wahre anvertrauen?

12 Und so ihr in dem Fremden nicht treu waret, wer wird euch das Eure geben?

13 Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben; oder dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen.

14 Es hörten aber solches alles auch die Pharisäer, die geldsüchtig waren, und sie spotteten Ihn aus.

15 Und Er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich rechtfertigen vor den Menschen; Gott aber erkennt eure Herzen; denn was hoch ist unter Menschen, ist ein Greuel vor Gott.

16 Das Gesetz und die Propheten waren bis auf Johannes; von da an wird das Reich Gottes verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein.

17 Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, denn daß ein Strichlein vom Gesetz fiele.

18 Jeder, der sich von seinem Weibe scheidet und eine andere freit, bricht die Ehe, und jeder, der eine vom Mann Geschiedene freit, bricht die Ehe.

19 Es war aber ein reicher Mensch, und er kleidete sich in Purpur und Byssus, lebte alle Tage fröhlich und glänzend.

20 Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der war voller Schwären vor sein Tor hingeworfen.

21 Und er begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen auch die Hunde, die seine Schwären beleckten.

22 Und es geschah, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß1 hingetragen ward. Der Reiche aber starb auch und ward begraben.

  1. Busen

23 Und er hob seine Augen auf in der Hölle, da er in Qualen war, sah Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß1.

  1. Busen

24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein, und schicke Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers in Wasser tauche und mir die Zunge abkühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme.

25 Abraham aber sprach: Gedenke, Kind, du hast dein Gutes in deinem Leben emp- fangen, und Lazarus dagegen Böses. Nun aber wird er getröstet, du aber gepeinigt.

26 Und über alles dies ist eine große Kluft befestigt, zwischen uns und euch, so daß die, so wollten von hinnen zu euch hinübergehen, nicht können, und auch nicht die von dannen zu uns herüberkommen.

27 Er aber sprach: So bitte1 ich dich nun, Vater, du wollest ihn in meines Vaters Haus schicken.

  1. frage

28 Denn ich habe fünf Brüder; auf daß er es ihnen ernstlich bezeuge, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

29 Spricht zu ihm Abraham: Sie haben Moses und die Propheten. Auf die sollen sie hören.

30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham. Aber wenn einer von den Toten zu ihnen hinginge, da werden sie Buße tun.

31 Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Moses und die Propheten nicht hören, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Chapter 17

Ärgernis. Versöhnlichkeit. Zehn Aussätzige. - Zukunft des Reiches Gottes.

1 Er sprach aber zu Seinen Jüngern: Es ist unmöglich1, daß nicht Ärgernisse kommen; aber wehe dem, durch den sie kommen!

  1. unvermeidlich

2 Es wäre ihm nützlicher, so ein Mühlstein1 um seinen Hals umgehängt und er ins Meer dahingeworfen würde, denn daß er dieser Kleinen einen ärgerte.

  1. Esels-Mühlstein

3 Habt Acht auf euch! So aber dein Bruder wider dich sündigt, so verweise1 es ihm; und so er Buße tut, vergib ihm.

  1. bedrohe ihn

4 Und wenn er siebenmal des Tages an dir sündiget, und siebenmal des Tages zu dir sich umwendete und sagt: Ich tue Buße, so sollst du ihm vergeben.

5 Und die Apostel sprachen zum Herrn: Lege uns Glauben zu!

6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so sprächet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaume: Entwurzle dich und pflanze dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

7 Welcher aber ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflügt oder weidet, der, wenn er hereinkommt vom Felde, zu ihm sagt: Komm alsbald her und laß dich zu Tische nieder.

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite, was ich zu Abend esse, und umgürte dich, bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach iß und trink du!

9 Wird er demselbigen Knechte danken, daß er tat, was verordnet war? Ich meine nicht.

10 So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was euch verordnet war, sprechet: Wir sind unnütze Knechte. Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

11 Und es geschah, da Er nach Jerusalem zog, kam Er mitten durch Samarien und Galiläa.

12 Und wie er in einen Flecken kam, begegneten Ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne.

13 Und sie erhoben die Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme Dich unser!

14 Und da Er sie sah, sprach Er zu ihnen: Gehet hin, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie gereinigt.

15 Einer aber aus ihnen, da er sah, daß er gesund geworden, kehrte zurück, und mit großer Stimme verherrlichte er Gott.

16 Und fiel auf das Angesicht zu Seinen Füßen und dankte Ihm. Und der war ein Samariter.

17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind aber die neune?

18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten und Gott die Herrlichkeit gäben, denn dieser Fremdling1?

  1. Ausländer

19 Und Er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin! dein Glaube hat dich gerettet!

20 Von den Pharisäern aber befragt: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete Er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht augenfällig1.

  1. mit Aufmerken

21 Sie werden auch nicht sagen: Siehe, hier! oder: Siehe, dort! denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch!

22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr werdet begehren, einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und werdet ihn nicht sehen!

23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, hier! oder: Siehe, da! Gehet nicht hin, und folget ihnen nicht!

24 Denn gleichwie der Blitz unter dem Himmel hervorstrahlend, leuchtet hin unter dem Himmel, also wird des Menschen Sohn an Seinem Tage sein.

25 Zuerst aber muß Er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.

26 Und wie es geschah in den Tagen Noachs, also wird es sein in den Tagen des Menschensohns.

27 Sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis zu dem Tage, da Noach in die Arche einging, und die Flut kam und sie alle verdarb.

28 Desgleichen auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten.

29 An dem Tage aber, da Lot aus Sodom ausging, regnete es vom Himmel Feuer und Schwefel und verdarb sie alle.

30 Ebenso wird es sein an dem Tage, da des Menschen Sohn wird geoffenbart werden.

31 Wer an selbigem Tage auf dem Dache ist, und sein Gerät im Hause, der steige nicht herab, es zu holen, und wer auf dem Felde ist desgleichen, der kehre nicht zurück nach dem, was dahinten ist.

32 Gedenket an Lots Weib.

33 Wer seine Seele zu retten sucht, der wird sie verlieren, und wer sie verloren hat, der wird sie lebendig erhalten.

34 Ich sage euch: In selbiger Nacht werden zwei auf einem Bette sein. Einer wird angenommen, und der andere gelassen werden.

35 Zwei werden beieinander mahlen. Die eine wird angenommen, und die andere gelassen werden.

36 Zwei werden auf dem Felde sein. Der eine wird angenommen, und der andere gelassen werden.

37 Und sie antworteten und sagten zu Ihm: Wo, Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo der Leib ist, da sammeln sich die Adler.

Chapter 18

Ungerechter Richter. Pharisäer. Zöllner. - Kindersinn. Reichtum. Blinde.

1 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, daß man allezeit beten und nicht verzagen sollte,

2 Und sprach: Es war in einer Stadt ein Richter, der Gott nicht fürchtete, noch den Menschen scheute.

3 Es war aber in selbiger Stadt eine Witwe, und die kam zu ihm und sprach: Räche mich an meinem Widersacher.

4 Und er wollte eine Zeitlang nicht. Danach aber sprach er bei sich: Wenn ich mich auch vor Gott nicht fürchte, noch vor dem Menschen scheue,

5 Weil mir diese Witwe Ungelegenheit macht, will ich sie rächen, daß sie nicht am Ende kommt und mir ins Gesicht fährt1.

  1. das Gesicht bläut

6 Der Herr aber sagte: Ihr hört, was der Richter der Ungerechtigkeit sagt.

7 Sollet aber Gott nicht Rache verschaffen1 Seinen Auserwählten, die zu Ihm rufen Tag und Nacht, und Langmut mit ihnen haben?

  1. tun

8 Ich sage euch, daß Er ihnen schnell Rache verschaffen1 wird. Doch wenn des Menschen Sohn kommt, wird Er wohl Glauben finden auf Erden?

  1. tun

9 Er sagte aber auch über etliche, die auf sich selbst vertrauen, daß sie gerecht wären und die übrigen mißachteten, dies Gleichnis:

10 Zwei Menschen gingen hinauf in das Heiligtum, zu beten, der eine ein Pharisäer, und der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand da für sich und betete also: Ich danke Dir, Gott, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und verzehnte alles, was ich besitze.

13 Und der Zöllner stand von weitem und wollte auch nicht die Augen aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig1!

  1. versöhnt

14 Ich sage euch: Dieser ging hinab in sein Haus gerechtfertigt mehr denn jener; denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

15 Sie brachten auch Kindlein1 zu Ihm her, daß Er sie berühren möchte. Als die Jünger sie aber sahen, bedrohten sie dieselben.

  1. Sprößlinge

16 Jesus aber rief sie zu Sich und sprach: Lasset die Kindlein zu Mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.

17 Wahrlich, Ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kindlein, der wird nicht darein eingehen.

18 Und es fragte Ihn ein Oberster und sprach: Guter Lehrer, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?

19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du Mich gut? Niemand ist gut, denn der alleinige Gott.

20 Du weißt die Gebote: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht morden, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsch Zeugnis reden. Ehre deinen Vater und die Mutter.

21 Er aber sprach: Dies alles habe ich gehalten1 von meiner Jungend auf.

  1. gewahrt

22 Als Jesus aber dies hörte, sprach Er zu ihm: Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen hin, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm her und folge Mir nach.

23 Da er aber das hörte, ward er sehr betrübt; denn er war sehr reich.

24 Da aber Jesus sah, daß er sehr betrübt wurde, sprach Er: Wie schwer ist es für die, so Vermögen haben, in das Reich Gottes einzugehen!

25 Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, denn daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.

26 Da sprachen aber die, so es hörten: Wer kann dann gerettet werden?

27 Er aber sprach: Was unmöglich ist bei Menschen, ist möglich bei Gott.

28 Petrus aber sprach: Siehe, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt.

29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder verläßt um des Reiches Gottes willen,

30 Der es nicht vielfältig wieder empfängt in dieser Zeit1, und in dem zukünftigen Zeitlauf das ewige Leben.

  1. bestimmten Zeit

31 Er aber nahm zu Sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Siehe, wir ziehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten über des Menschen Sohn geschrieben ist.

32 Denn Er wird den Heiden1 überantwortet und verspottet und beschimpft und angespieen werden.

  1. Völkerschaften

33 Und sie werden Ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird Er auferstehen.

34 Und sie verstanden davon nichts, und diese Rede war ihnen verborgen, und sie erkannten nicht, was gesagt ward.

35 Es geschah aber, da Er Jericho nahte, daß ein Blinder am Wege saß und bettelte.

36 Da er aber hörte, daß ein Gedränge durchzog, erfragte er, was das wäre.

37 Sie sagten ihm aber an, daß Jesus der Nazarener vorbeigehe.

38 Und er schrie und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!

39 Und die, so voran zogen, bedrohten ihn, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Sohn Davids, erbarme Dich meiner!

40 Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu Ihm zu führen; da er aber sich nahte, fragte Er ihn,

41 Und sprach: Was willst du, daß Ich dir tun soll? Er aber sprach: Herr, daß ich sehend werde!

42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dich gerettet.

43 Und sogleich ward er sehend, folgte Ihm nach und verherrlichte Gott. Und alles Volk, das es sah, gab Gott Lob.

Chapter 19

Zachäus. Anvertraute Pfunde. - Einzug in Jerusalem. Tempelreinigung.

1 Und Er kam hinein und ging durch Jericho.

2 Und siehe, da war ein Mann, der mit Namen Zachäus hieß; und er war Oberzöllner, und er war reich.

3 Und er suchte Jesus zu sehen, wer Er wäre, und konnte nicht vor dem Gedränge; denn er war klein von Wuchs.

4 Und er lief voraus vornhin und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, auf daß er Ihn sähe; weil Er allda vorbeiziehen sollte.

5 Und da Jesus an den Ort kam, blickte Er auf, sah ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilends herab; denn heute muß Ich in deinem Hause bleiben.

6 Und er stieg eilends hernieder und nahm Ihn auf mit Freuden.

7 Und die es sahen, murrten alle und sagten: Bei einem sündhaften Manne ist Er zur Einkehr eingegangen.

8 Zachäus aber stand und sprach zum Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Habe gebe ich den Armen, und so ich jemand in etwas betrogen1, gebe ich es vierfältig wieder.

  1. fälschlich angegeben

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil geworden, sintemal auch er ein Sohn Abrahams ist.

10 Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, das verloren ist.

11 Da sie aber solches hörten, fuhr Er fort1 und sagte ein Gleichnis, darum, daß Er nahe bei Jerusalem war, und sie meinten, daß das Reich Gottes sogleich erscheinen werde.

  1. tat Er hinzu

12 Er sprach nun: Ein wohlgeborener Mensch zog in eine ferne Landschaft, um ein Reich zu empfangen und dann zurückzukehren.

13 Er rief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich komme.

14 Seine Bürger aber haßten ihn und sandten eine Gesandtschaft hinter ihm und her und sprachen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns König sei;

15 Und es geschah, da er wiederkam, als er das Reich an sich genommen, daß er sagte, man solle ihm diese Knechte rufen, denen er das Silber gegeben hatte, auf daß er erführe, wieviel ein jeder erhandelt hätte.

16 Da trat aber herzu der erste uns sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund dazu erworben.

17 Und er sprach zu ihm: Wohlan, guter Knecht! weil du bist im Geringsten treu gewesen, sollst du Gewalt über zehn Städte haben.

18 Und der zweite kam und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund, gewonnen1.

  1. gemacht

19 Er sprach aber auch zu diesem: Und du sollst über fünf Städte sein!

20 Und ein anderer kam und sprach: Herr, siehe, dein Pfund, das ich im Schweißtuche daliegen hatte.

21 Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mensch bist. Du nimmst, das du nicht hingelegt, und erntest, das du nicht gesät hast.

22 Er aber sprach zu ihm: Aus deinem Munde richte ich dich, du schlimmer Knecht! Du wußtest, daß ich ein strenger Mensch bin, nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?

23 Und warum hast du mein Silber nicht auf die Wechselbank1 gegeben? So hätte ich es, wann ich gekommen wäre, mit Zins eingefordert.

  1. den Tisch

24 Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm weg und gebt es dem, der zehn Pfunde hat.

25 Und sie sagten zu ihm: Herr, er hat zehn Pfunde.

26 Denn Ich sage euch: Wer da hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch weggenommen werden, das er hat.

27 Aber jene meine Feinde, die nicht wollen, daß ich König sei über sie, führet her und schlaget1 sie nieder vor mir!

  1. schlachtet

28 Und als Er solches gesprochen hatte, zog Er voran auf Seinem Zug hinauf gen Jerusalem.

29 Und es geschah, als Er nahe an Bethphage und Bethania, an den Berg, den man Ölberg heißt, kam, sandte Er zwei Seiner Jünger ab,

30 Und sprach: Gehet hin in den Flecken gegenüber von euch, und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen ist. Löst es und führt es her.

31 Und wenn euch jemand fragt: Warum löst ihr es? so sprechet also zu ihm: Der Herr bedarf seiner.

32 Und die so gesandt waren, gingen hin und fanden es, wie Er ihnen gesagt hatte.

33 Als sie aber das Füllen lösten, sprachen dessen Herren zu ihnen: Warum löst ihr das Füllen?

34 Sie aber sagten: Der Herr bedarf seiner.

35 Und sie führten es zu Jesus und warfen ihre Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf.

36 Da Er aber dahinzog, breiteten sie ihre Kleider unter Ihm auf den Weg.

37 Und da Er Sich bereits dem Abhang des Ölberges nahte, fing die ganze Menge der Jünger an, freudig mit großer Stimme Gott zu loben über alle die Wundertaten1, die sie gesehen hatten,

  1. Kräfte

38 Und sprachen: Gesegnet sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Herrlichkeit in den Höhen!

39 Und etliche der Pharisäer aus dem Gedränge sprachen zu Ihm: Lehrer, bedrohe deine Jünger!

40 Und Er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese stilleschwiegen, so würden die Steine schreien.

41 Und wie Er Sich näherte, sah Er die Stadt an und weinte über sie,

42 Und sprach: Wenn du erkenntest, auch du, noch an diesem deinem Tage, was für deinen Frieden ist! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.

43 Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufwerfen, und dich ringsum umringen, und dich von allen Seiten bedrängen werden;

44 Und sie werden dich und deine Kinder in dir zu Boden reißen und keinen Stein in dir auf dem Steine lassen, darum, daß du die Zeit1 deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.

  1. bestimmte Zeit

45 Und Er ging in das Heiligtum und fing an, die Verkäufer und Käufer darin auszutreiben,

46 Und sprach zu ihnen: Es ist geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.

47 Und Er lehrte täglich im Heiligtum; die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, daß sie Ihn umbrächten.

48 Und sie fanden nicht, was sie tun sollten; denn das ganze Volk hing Ihm an und hörte auf Ihn.

Chapter 20

Christi Vollmacht. Kaisersteuer. - Auferstehung. Messias, Davids Sohn.

1 Und es geschah an einem jener Tage, als Er das Volk im Heiligtum lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten1 die Hohenpriester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten zu Ihm,

  1. standen bei Ihm

2 Und sprachen zu Ihm und sagten: Sage uns, aus was für Gewalt tust Du das? Oder wer ist es, der Dir diese Gewalt gegeben hat?

3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen, und sagt Mir:

4 Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?

5 Sie aber überlegten es sich bei sich und sagten: Sprechen wir: Vom Himmel, so wird Er sagen: Warum glaubtet ihr ihm dann nicht?

6 Sprechen wir aber: Von Menschen, so wird alles Volk uns steinigen1; denn es ist überzeugt, daß Johannes ein Prophet ist.

  1. niedersteinigen

7 Und sie antworteten, sie wüßten es nicht, woher.

8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, aus was für Gewalt Ich das tue.

9 Er fing aber an, dieses Gleichnis zum Volk zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und gab ihn an Weingärtner aus und zog für geraume1 Zeit über Land.

  1. genugsame

10 Und zur bestimmten Zeit sandte er einen Knecht an die Weingärtner, auf daß sie ihm von der Frucht des Weinberges gäben. Die Weingärtner aber stäupten ihn und sandten ihn leer hinweg.

11 Und er schickte noch1 einen anderen Knecht; auch den stäupten und beschimpften sie und sandten in leer hinweg.

  1. tat hinzu zu schicken

12 Und er schickte noch1 eine dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.

  1. tat hinzu zu schicken

13 Der Herr des Weinberges aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn schicken; vielleicht, wenn sie den sehen, scheuen sie sich.

14 Da die Weingärtner ihn aber sahen, bedachten sie bei sich und sprachen: Dies ist der Erbe. Kommt, lasset uns ihn töten, auf daß das Erbe unser werde.

15 Und sie warfen ihn hinaus aus dem Weinberg und töteten ihn. Was wird ihnen nun der Herr des Weinberges tun?

16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Da sie aber das hörten, sprachen sie: Das werde doch nicht!

17 Er aber blickte sie an und sprach: Was ist denn das, das geschrieben ist: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein1 geworden?

  1. Haupt der Ecke

18 Jeder, der auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf den er aber fällt, den wird er zerschmettern.

19 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten trachteten danach, daß sie zur selben Stunde Hand an Ihn legten, und sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, daß Er auf sie dieses Gleichnis gesagt hatte.

20 Und sie hielten auf Ihn und sandten Laurer aus, die sich stellen sollten, als ob sie gerecht wären, auf daß sie Ihn in einem Worte fingen und sie Ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Landpflegers überantworten könnten.

21 Und sie fragten Ihn und sprachen: Lehrer, wir wissen, daß Du recht sprichst und lehrst, und nicht auf das Angesicht siehst1, sondern nach der Wahrheit den Weg Gottes lehrst.

  1. nimmst

22 Ist es uns erlaubt, dem Kaiser den Schoß zu geben, oder nicht?

23 Er aber gewahrte ihre Arglist und sprach zu ihnen: Was versuchet ihr Mich?

24 Zeigt Mir einen Denar! Wessen Bildnis und Überschrift hat er? Sie aber antworteten und sagten: Des Kaisers.

25 Er aber sprach zu ihnen: So gebet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

26 Und sie vermochten nicht, Ihn in der Rede zu fangen vor dem Volk, und verwunderten sich über Seine Antwort und schwiegen.

27 Da kamen aber etliche der Sadduzäer herzu, die da widersprechen, daß eine Auferstehung sei, fragten Ihn,

28 Und sprachen: Lehrer, Moses hat uns geschrieben: So jemandes Bruder stirbt, der ein Weib hat, und dieser kinderlos stirbt, soll sein Bruder dessen Weib nehmen und seinem Bruder Samen erwecken1.

  1. auferstehen lassen

29 Nun waren sieben Brüder. Und der erste nahm ein Weib und starb kinderlos.

30 Und der zweite nahm das Weib, und dieser starb kinderlos.

31 Und der dritte nahm sie, desgleichen aber auch die sieben, und hinterließen keine Kinder und starben.

32 Zuletzt von allen starb auch das Weib.

33 In der Auferstehung nun, wessen Weib wird sie sein von diesen? Denn die sieben haben sie zum Weibe gehabt.

34 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Söhne dieses Zeitlaufs freien und lassen sich freien.

35 Die aber gewürdigt werden, jenen Zeitlauf und die Auferstehung von den Toten zu erlangen, die werden weder freien, noch sich freien lassen.

36 Noch können sie mehr sterben; denn sie sind den Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.

37 Daß aber die Toten auferweckt werden, hat auch Moses angezeigt bei dem Dornbusch, wenn er den Herrn nennt den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs.

38 Gott aber ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen; denn sie leben Ihm alle.

39 Da antworteten aber etliche der Schriftgelehrten und sagten: Lehrer, Du hast wohl1 gesprochen.

  1. schön

40 Sie wagten es aber nicht mehr, Ihn irgend etwas zu fragen.

41 Er sprach aber zu ihnen: Wie sagen sie denn, Christus sei Davids Sohn?

42 Und David selbst sagt in dem Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze Dich zu Meiner Rechten,

43 Bis daß Ich lege Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße.

44 David nennt Ihn also Herr. Und wie ist er denn Sein Sohn?

45 Da aber alles Volk zuhörte, sprach Er zu Seinen Jüngern:

46 Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten, die da wollen in Gewändern wandeln und gern haben die Begrüßungen auf den Märkten und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze1 bei den Gastmählern2;

  1. Bänke
  2. Abendmählern

47 Welche die Häuser der Witwen aufessen und zum Vorwande lange beten. Diese werden desto schwereres1 Gericht empfangen.

  1. überfließenderes

Chapter 21

Das Scherflein der Witwe. - Zerstörung Jerusalems. - Zukunft des Herrn.

1 Als Er aber aufblickte, sah Er, wie die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten einlegten.

2 Er sah aber auch eine dürftige Witwe, die legte zwei Scherflein ein.

3 Und Er sprach: Wahrlich, Ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr denn alle eingelegt.

4 Denn diese alle haben von ihrem Überflusse zu den Gaben Gottes eingelegt. Sie aber hat von ihrem Mangel allen ihren Unterhalt, den sie hatte, eingelegt.

5 Und als einige vom Heiligtum sagten, daß es mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt wäre, sprach Er:

6 Was ihr schaut: Da werden Tage kommen, in denen nicht Stein auf Stein gelassen wird, der nicht niedergerissen würde.

7 Sie fragten Ihn aber und sagten: Lehrer, wann wird dies nun sein? Und welches ist das Zeichen, wann das geschehen wird?

8 Er aber sprach: Seht zu, daß ihr nicht irre geführt werdet; denn viele werden kommen auf Meinen Namen und sprechen: Ich bin es, und die bestimmte Zeit hat sich genaht. Geht ihnen nicht nach!

9 Wenn ihr aber von Kriegen und Zerrüttungen hört, so erschreckt nicht; denn solches muß erst geschehen; aber das Ende ist nicht alsbald da.

10 Dann sprach Er zu ihnen: Völkerschaft wird wider Völkerschaft und Reich wider Reich auftreten.

11 Große Erdbeben an Orten und Teuerungen und Pestilenzen werden sein, und große Schrecknisse und Zeichen vom Himmel geschehen.

12 Vor alle dem aber werden sie ihre Hände an euch legen, und euch verfolgen, indem sie euch an Synagogen und in Gefängnisse überantworten, und ihr vor Könige und Landpfleger geführt werdet um Meines Namens willen.

13 Es wird aber euch zu einem Zeugnisse geraten,

14 Nehmt1 es euch nun zu Herzen, daß ihr nicht voraussorgt, wie ihr euch verantworten möget.

  1. Legt

15 Denn Ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen, noch widerstehen können.

16 Ihr werdet aber auch überantwortet werden von Eltern und Brüdern, und Verwandten und Freunden, und sie werden euer etliche zum Tode bringen.

17 Und ihr werdet gehaßt werden von allen um Meines Namens willen.

18 Und kein Haar von eurem Haupte soll verloren gehen.

19 In eurer Geduld besitzt ihr eure Seelen.

20 Wenn ihr aber Jerusalem von Heerlagern umringt seht, dann erkennt, daß seine Verwüstung sich genaht hat.

21 Dann sollen die, so in Judäa sind, fliehen auf die Berge, und die mitten darin sind, entweichen von dannen; und die in den Landschaften sind, gehen nicht hinein!

22 Denn das sind die Tage der Rache, auf daß erfüllt werde alles, was geschrieben ist.

23 Wehe aber den Schwangeren1 und den Säugenden in jenen Tagen! denn große Not wird sein auf Erden, und Zorn wider dieses Volk.

  1. so im Leibe haben

24 Und durch des Schwertes Schärfe1 werden sie fallen und gefangen geführt unter alle Völkerschaften, und zertreten werden wird Jerusalem von den Völkerschaften, bis auch der Völkerschaften bestimmte Zeiten erfüllt werden.

  1. Mund

25 Und es werden Zeichen sein in Sonne und Mond und Sternen und auf Erden wird sein Bedrängnis der Völkerschaften mit Verzweiflung ob des brausenden Meeres und den Wogen.

26 Die Menschen werden entseelt vor Furcht und Erwartung der Dinge, die da über den Erdkreis kommen werden; denn der Himmel Kräfte werden erschüttert werden.

27 Und dann werden sie des Menschen Sohn kommen sehen in einer Wolke mit Kraft und großer Herrlichkeit.

28 Wenn dies anfängt zu geschehen, so richtet euch auf und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung naht.

29 Und Er sagte ihnen eine Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume.

30 Wenn sie jetzt hervorknospen, seht ihr von euch selber und erkennt, daß bereits der Sommer nahe ist.

31 So auch ihr: Wenn ihr seht, daß dies geschieht, so erkennt, daß das Reich Gottes nahe ist.

32 Wahrlich, Ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dies geschieht.

33 Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen.

34 Aber habt Acht auf euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei und Trunkenheit und Sorgen um den Unterhalt, und jener Tag nicht plötzlich dastehe über euch!

35 Denn wie ein Fallstrick wird er über alle kommen, die auf dem Angesicht der ganzen Erde wohnen1.

  1. sitzen

36 So wachet denn alle Zeit1, und flehet, daß ihr gewürdigt werdet, diesem allem, das da geschehen soll, zu entfliehen und zu stehen vor des Menschen Sohn.

  1. die bestimmte Zeit

37 Er war aber die Tage über im Heiligtum und lehrte, nachts aber ging Er hinaus und übernachtete auf dem Berge, so man den Ölberg heißt.

38 Und alles Volk kam frühe zu Ihm ins Heiligtum, um Ihn zu hören.

Chapter 22

Judas. Abendmahl. Rangstreit. - Anfang der Leidensgeschichte.

1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote1, genannt das Pascha.

  1. der Ungesäuerten

2 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie Ihn umbrächten1; denn sie fürchteten sich vor dem Volk.

  1. hinaufnähmen

3 Es fuhr1 aber der Satan ein in Judas, der Iskariot hieß, der aus der Zahl der Zwölfe war.

  1. ging ein

4 Und er ging hin und unterredete sich mit den Hohenpriestern und den Hauptleuten, wie er Ihn ihnen überantworten wollte.

5 Und sie freuten sich und kamen überein, ihm Silber zu geben.

6 Und er sagte zu und suchte eine gute Gelegenheit, Ihn ohne Gedränge zu überantworten.

7 Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote1, an dem das Pascha geschlachtet werden sollte.

  1. der Ungesäuerten

8 Und Er sandte Petrus und Johannes und sprach: Ziehet hin, bereitet uns das Pascha, auf daß wir es essen.

9 Sie aber sagten zu Ihm: Wo willst Du, daß wir es bereiten?

10 Er aber sagte zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug mit Wasser trägt. Dem folgt nach in das Haus, da er hineingeht.

11 Und ihr sollt dem Hausherrn des Hauses sagen: Der Lehrer läßt dir sagen: Wo ist die Herberge, da Ich mit Meinen Jüngern das Pascha essen kann?

12 Und er wird euch einen großen bepolsterten Obersaal zeigen. Dort bereitet es!

13 Sie aber gingen hin und fanden es, wie Er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Pascha.

14 Und da die Stunde kam1, ließ Er Sich nieder2 und mit Ihm die zwölf Apostel.

  1. ward
  2. fiel Er dahin

15 Und Er sprach zu ihnen: Mit Verlangen1 habe Ich begehrt, dies Pascha mit euch zu essen, ehe denn Ich leide.

  1. Begierde

16 Denn Ich sage euch, daß Ich nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt wird im Reiche Gottes.

17 Und Er empfing den Kelch, dankte und sprach: Nehmet dies und verteilet es unter euch.

18 Denn Ich sage euch, daß Ich von dem Gewächse des Weinstocks nicht mehr trinken werde, bis das Reich Gottes komme.

19 Und Er nahm Brot, dankte, brach es und gab es ihnen und sprach: Dies ist Mein Leib, der für euch gegeben wird, das tut zu Meinem Gedächtnisse.

20 Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blute, das für euch vergossen wird.

21 Doch siehe, die Hand dessen, der Mich verrät, ist mit Mir über Tisch.

22 Und zwar geht des Menschen Sohn hin, wie es bestimmt ist; doch wehe demselbigen Menschen, durch den Er verraten wird.

23 Sie aber fingen an, untereinander sich zu befragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der solches tun würde?

24 Es ward aber auch ein Wettstreit unter ihnen, welcher von ihnen für den Größten zu halten1 wäre.

  1. meinen

25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Völkerschaften herrschen über sie, und die Gewalt haben über sie, heißen sie Wohltäter.

26 Ihr aber nicht also; sondern der Größte unter euch werde wie der Jüngste; und der Leiter wie der Diener.

27 Denn welcher ist der größere? der zu Tische liegt, oder der bedient? Ist es nicht der, so zu Tische liegt? Ich aber bin in eurer Mitte, wie einer, der dient.

28 Ihr aber seid es, die in Meinen Versuchungen bei Mir geblieben seid.

29 Und so bescheide Ich euch das Reich, wie Mir es Mein Vater beschieden hat.

30 Daß ihr essen und trinken sollt an Meinem Tisch in Meinem Reich, und sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

31 Der Herr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satan hat sich auch ausgebeten, um euch zu sichten, wie den Weizen.

32 Ich aber habe für dich gefleht, damit dein Glaube nicht zu Ende gehe; und wenn du dereinst dich bekehrst, so festige du deine Brüder.

33 Er aber sprach zu Ihm: Herr, ich bin bereit, mit Dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

34 Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du Mich kennst.

35 Und Er sprach zu ihnen: Wenn Ich euch aussandte ohne Beutel und Tasche und Schuhe, hat euch je etwas gemangelt? Sie aber sprachen: Nichts.

36 Da sprach Er zu ihnen: Nun aber, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche. Und wer keine hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.

37 Denn Ich sage euch: Es muß auch das noch an Mir vollendet werden, das geschrieben steht: Und Er ist unter die Missetäter gerechnet! Denn das, was Mich angeht, hat ein Ende.

38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug!

39 Und Er ging hinaus und nach Seiner Gewohnheit ging Er hin an den Ölberg; es folgten Ihm aber auch Seine Jünger nach.

40 Als Er aber an den Ort kam1, sprach Er zu ihnen: Betet, daß ihr nicht in Versuchung kommt.

  1. ward

41 Und Er riß Sich los von ihnen bei einem Steinwurf, fiel auf die Knie und betete.

42 Und Er sprach: Vater, bist Du willens, so laß diesen Kelch an Mir vorübergehen! Doch nicht Mein Wille, sondern der Deinige geschehe!

43 Es erschien Ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte Ihn.

44 Und es geschah, daß Er mit dem Tode rang, und betete insbrünstiger. Sein Schweiß aber ward wie Blutstropfen, die zur Erde hinabfallen.

45 Und Er stand auf vom Gebet und kam zu Seinen Jüngern und fand sie schlummernd vor Betrübnis.

46 Und Er sprach zu ihnen: Was schlummert ihr? Steht auf und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung kommt.

47 Da Er aber noch redete, siehe, da kam ein Gedränge, und einer von den Zwölfen, Judas genannt, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, Ihn zu küssen.

48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß?

49 Da aber die, so um Ihn waren, sahen, was da werden wollte, sprachen sie zu Ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?

50 Und einer von ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm das rechte Ohr ab.

51 Jesus aber antwortete und sprach: Lasset es so weit sein! Und Er berührte sein Ohr und heilte ihn1.

  1. machte ihn gesund

52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und den Hauptleuten des Heiligtums und den Ältesten, die über Ihn hergekommen waren: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knitteln ausgezogen.

53 Täglich war Ich bei euch im Heiligtum, und ihr habt keine Hand gegen Mich ausgereckt. Aber dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis.

54 Sie nahmen Ihn aber und führten Ihn und brachten Ihn in das Haus des Hohenpriesters hinein. Petrus aber folgte nach von weitem.

55 Sie hatten aber mitten im Hof ein Feuer angezündet, und setzten sich zusammen, und Petrus setzte sich in ihre Mitte.

56 Als ihn aber eine Magd beim Lichte sitzen sah, sah sie ihn fest an und sprach: Dieser war auch mit Ihm!

57 Er aber verleugnete Ihn und sprach: Weib, ich kenne Ihn nicht.

58 Und nach einer Weile1 sah ihn ein anderer und sagte: Auch du bist einer von ihnen! Petrus aber sprach: Mensch, ich bin es nicht.

  1. Kurzem

59 Und nach Verlauf von etwa einer Stunde bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, der da ist auch mit Ihm gewesen; denn er ist ja auch ein Galiläer.

60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und sogleich, da er noch redete, krähte der Hahn.

61 Und der Herr wandte Sich und blickte Petrus an, und Petrus gedachte an das Wort des Herrn, als Er zu ihm gesprochen: Ehe der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen.

62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

63 Und die Männer, die Jesus festhielten, verspotteten und stäupten Ihn;

64 Und sie umhüllten Ihn, schlugen Ihn ins Angesicht, und fragten ihn und sagten: Weissage, wer ist es, der Dich schlug?

65 Und vieles andere sprachen sie lästernd wider Ihn.

66 Und als es Tag ward, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, führten Ihn hinauf in ihren Rat,

67 Und sprachen: Bist Du Christus, so sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Sage Ich es euch, so glaubet ihr nicht;

68 Wenn Ich euch auch fragte, so würdet ihr Mir nicht antworten, noch Mich losgeben.

69 Von nun wird des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.

70 Sie aber sprachen alle: So bist Du den Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt es; denn Ich bin.

71 Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugnis? Denn wir selbst haben es aus Seinem Mund gehört!

Chapter 23

Jesus vor Herodes und Pilatus. Kreuzigung. - Tod und Begräbnis.

1 Und ihre ganze Menge stand auf, und sie führten Ihn zu Pilatus.

2 Sie fingen aber an, Ihn zu verklagen, und sagten: Den haben wir gefunden, daß Er unsere Völkerschaft verkehrt und ihr wehrt, dem Kaiser den Schoß zu geben, indem Er sagt, Er sei Christus, ein König.

3 Pilatus aber fragte Ihn und sprach: Bist Du der Juden König? Er aber antwortete ihm und sprach: Du sagst es.

4 Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und zu dem Gedränge: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.

5 Sie aber bestanden darauf und sagten: Er wiegelt das Volk auf, indem Er durch ganz Judäa hin lehrt und in Galiläa angefangen hat bis hierher.

6 Als Pilatus aber von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer wäre.

7 Und da er erfuhr, daß Er aus des Herodes Gebiete1 war, schickte er Ihn hin an Herodes, der in selbigen Tagen selbst auch in Jerusalem war.

  1. Gewalt

8 Herodes aber freute sich ungemein, da er Jesus sah; denn er hatte Ihn schon längst1 sehen wollen, weil er viel von Ihm hörte, und er hoffte, er würde ein Zeichen von Ihm sehen.

  1. genügend `lang'

9 Und er fragte Ihn mit vielen1 Worten; Er antwortete ihm aber nichts.

  1. genügenden

10 Aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten standen und verklagten Ihn heftig.

11 Herodes aber mit seinen Kriegsleuten verachtete und verspottete Ihn, umkleidete Ihn mit glänzenden Anzuge, und schickte Ihn an Pilatus zurück.

12 Auf selbigen Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander; denn zuvor waren sie in Feindschaft gegeneinander gewesen.

13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen,

14 Und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen vor mich gebracht, als mache Er das Volk abwendig; und siehe, ich selbst habe Ihn vor euch verhört und an diesem Menschen nichts gefunden, das Ihn dessen schuldig machte, was ihr gegen Ihn klagt;

15 Herodes aber auch nicht; denn ich schickte euch an ihn, und siehe, Er hat nichts dargetan, was des Todes wert wäre.

16 Darum will ich Ihn züchtigen und losgeben.

17 Es war aber Not, daß er ihnen auf das Fest einen losgebe.

18 Sie aber schrien in ganzer Menge und sagten: Nimm diesen weg, gib uns aber Barabbas los!

19 Dieser aber war wegen eines Aufstandes, so in der Stadt geschah, und eines Mordes wegen ins Gefängnis geworfen.

20 Pilatus rief nun abermals ihnen zu und wollte Jesus losgeben.

21 Sie aber riefen ihm zu und sprachen: Kreuzige, kreuzige Ihn!

22 Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat denn Dieser Böses getan? Ich habe keine Todesschuld an Ihm gefunden, darum will ich Ihn züchtigen und losgeben.

23 Sie aber lagen ihm an mit lauten1 Stimmen und baten, daß Er gekreuzigt würde. Und ihre und der Hohenpriester Stimmen wurden immer stärker2.

  1. gro-ßen
  2. überwältigten

24 Pilatus aber urteilte, daß nach ihrer Bitte geschehen sollte.

25 Er gab aber den los, der wegen Aufstand und Mord ins Gefängnis geworfen war, um den sie baten; Jesus aber übergab er ihrem Willen.

26 Und da sie Ihn abführten, erfaßten sie einen Simon von Kyrene, der vom Felde kam, und legten ihm das Kreuz auf, daß er es hinter Jesus hertrüge.

27 Es folgte Ihm aber eine große1 Menge des Volkes und Weiber nach, welche jammerten und um Ihn klagten.

  1. viele

28 Jesus aber wandte Sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem! Weinet nicht über Mich; weinet vielmehr über euch selbst und über eure Kinder.

29 Denn siehe, es kommen Tage, in denen sie sagen werden: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gesäugt haben.

30 Dann werden sie anfangen und zu den Bergen sagen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedecket uns!

31 Denn wenn sie solches tun am grünen1 Holz, was will mit dem dürren werden?

  1. saftigen

32 Es wurden aber auch zwei andere, Übeltäter, hingeführt, daß sie mit Ihm umge- bracht1 würden.

  1. hinaufgenommen

33 Und als sie an den Ort hinkamen, den man heißt Schädelstätte, kreuzigten sie Ihn allda und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen aber zu Linken.

34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun. Sie zerteilten aber Seine Kleider und warfen das Los darum.

35 Und das Volk stand da und schaute zu; die Obersten aber mit ihnen spotteten Ihn auch aus und sagten: Andere hat Er gerettet; Er rette Sich selber; so Dieser ist Christus, der Auserwählte Gottes.

36 Aber auch die Kriegsknechte verspotteten Ihn, kamen herzu und brachten Ihm Essig herbei,

37 Und sprachen: Wenn Du der Juden König bist, so rette Dich selber!

38 Es war aber auch eine Überschrift über Ihm, geschrieben in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dies ist der Juden König.

39 Einer aber der Übeltäter, die gehängt waren, lästerte Ihn und sprach: Wenn Du der Christus bist, so rette Dich Selbst und uns.

40 Der andere aber antwortete, und bedrohte ihn und sagte: Fürchtest du dich nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verurteilung1 bist?

  1. Gerichte

41 Und wir zwar gerechter Weise; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; Dieser aber hat nichts Ungehöriges1 getan.

  1. was nicht am Platze ist

42 Und zu Jesus sprach er: Gedenke meiner, Herr, wenn Du in Dein Reich kommst.

43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir, heute wirst du mit Mir im Paradiese sein.

44 Es war aber um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

45 Und die Sonne ward verfinstert, und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei1.

  1. spaltete sich

46 Und Jesus rief mit großer Stimme und sprach: Vater, in Deine Hände befehle Ich1 Meinen Geist. Und als Er das gesagt hatte, hauchte Er aus.

  1. lege Ich hin

47 Da aber der Hauptmann sah, was geschah, verherrlichte er Gott und sprach: In der Tat, dieser Mensch war gerecht.

48 Und all das Gedränge, das zum Schauen herbeigekommen war, da sie schauten, was geschah, schlugen sie an ihre Brust und kehrten zurück.

49 Es standen aber von weitem alle Seine Bekannten und die Weiber, die Ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das an.

50 Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann.

51 Er hatte ihrem Ratschluß und ihrem Tun nicht beigestimmt aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, der selber auch auf das Reich Gottes wartete,

52 Der ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu;

53 Und er nahm ihn ab, wickelte ihn in feine Leinwand und legte ihn in eine aus dem Felsen ausgehauene Gruft, darin niemand je gelegen war.

54 Und es war Rüsttag und der Sabbath brach an1.

  1. dämmerte

55 Es folgten aber auch die Weiber nach, die mit Ihm aus Galiläa gekommen waren, und schauten die Gruft, und wie Sein Leib gelegt ward.

56 Sie kehrten aber zurück und bereiteten Spezereien und Salben, und waren den Sabbath über stille nach dem Gebote.

Chapter 24

Des Herrn Auferstehung und Himmelfahrt.

1 Am ersten Wochentage aber, tief in der Frühe, kamen sie zur Gruft und brachten die Spezereien, die sie bereitet hatten, und etliche mit ihnen.

2 Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt,

3 Und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.

4 Und es geschah, da sie darüber betroffen waren, und siehe, da standen zwei Männer in strahlendem Anzuge bei ihnen.

5 Und da sie sich fürchteten und ihr Angesicht zur Erde neigten, sprachen sie zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten?

6 Er ist nicht hier, sondern ist auferweckt! Gedenket, wie Er zu euch redete, da Er noch in Galiläa war,

7 Und sagte: Des Menschen Sohn muß in die Hände sündhafter Menschen überantwortet und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

8 Und sie gedachten Seiner Reden.

9 Und sie kehrten zurück von der Gruft und sagten das alles den Elfen und allen übrigen an.

10 Dies waren aber Maria von Magdala und Johannah und Maria, des Jakobus Mutter1, und die übrigen mit ihnen, die solches den Aposteln sagten.

  1. Mutter nicht im Griech.

11 Und ihre Reden erschienen vor ihnen wie ein Märchen, und sie glaubten ihnen nicht.

12 Petrus aber stand auf, lief zu der Gruft, bückte sich hinein und sah1 die leinenen Tücher alleine liegen, und ging weg und verwunderte sich über das Geschehene.

  1. erblickte

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen hin an demselbigen Tag nach einem Flecken, der sechzig Stadien von Jerusalem entfernt war, mit Namen Emmaus.

14 Und sie unterhielten sich miteinander über alles, das sich zugetragen hatte.

15 Und es geschah, als sie sich so unterhielten und sich befragten, daß Jesus zu ihnen nahte, und mit ihnen dahinging.

16 Aber ihre Augen wurden festgehalten1, daß sie Ihn nicht erkannten.

  1. ergriffen

17 Er aber sprach zu ihnen: Was sind diese Worte, die ihr da miteinander wechselt beim Wandeln und sehet düster?

18 Der eine aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu Ihm: Bist du der einzige Fremdling in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen allda geschehen ist?

19 Und Er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu Ihm: Das über Jesus, den Nazarener, Welcher war ein Mann, ein Prophet, kräftig in Werk und Wort vor Gott und allem Volk;

20 Wie Ihn unsere Hohenpriester und Obersten zum Urteil des Todes überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, daß Er Der sei, Der Israel erlösen sollte. Und es ist bei alledem heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist.

22 Aber es haben uns auch einige Weiber von den unseren außer uns gebracht, die in der Frühe zur Gruft kamen,

23 Und da sie Seinen Leib allda nicht gefunden, kommen sie und sagen, sie hätten auch eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, Er lebe.

24 Und etliche derer, die mit uns sind, gingen hin zur Gruft, und fanden es so, wie die Weiber gesagt; Ihn aber sahen sie nicht.

25 Und Er sprach zu ihnen: O ihr Unsinnigen und träg von Herzen zu glauben an alles, das die Propheten geredet haben.

26 Mußte nicht Christus solches leiden und eingehen zu Seiner Herrlichkeit?

27 Und Er fing an mit Moses und allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was über Ihn geschrieben war.

28 Und sie nahten sich dem Flecken, wohin sie gingen; und Er tat, als wollte Er fürder ziehen.

29 Und sie drangen in Ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es ist gegen Abend und der Tag hat sich geneigt. Und Er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als Er Sich mit ihnen niedergelassen, nahm Er das Brot, segnete und brach es, und gab es ihnen;

31 Da wurden aber ihre Augen geöffnet und sie erkannten Ihn. Und Er ward ihnen unsichtbar.

32 Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie Er zu uns redete auf dem Wege und uns die Schrift auftat?

33 Und sie standen auf zur selbigen Stunde und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und die mit ihnen waren, beisammen versammelt.

34 Und sie sprachen: Der Herr ist in der Tat auferstanden und dem Simon erschienen!

35 Und sie taten kund, was auf dem Wege geschehen, und wie Er von ihnen beim Brechen des Brotes erkannt worden wäre.

36 Während sie aber solches redeten, stand Jesus Selbst in ihrer Mitte und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten einen Geist zu schauen.

38 Und Er sprach zu ihnen: Was erbebet ihr, und warum steigen solche Gedanken in euren Herzen auf?

39 Seht Meine Hände und Meine Füße! daß Ich Selbst es bin. Befühlt Mich und seht! denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr schaut, daß Ich habe.

40 Und da Er dies gesprochen hatte, zeigte Er ihnen die Hände und die Füße.

41 Als sie aber vor Freuden noch nicht glaubten und sich verwunderten, sprach Er zu ihnen: Habt ihr etwas Speise hier?

42 Sie aber gaben Ihm einen Teil eines gebratenen Fisches und von einer Honigwabe.

43 Und Er nahm es vor ihnen und aß.

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind die Worte, die Ich zu euch redete, da Ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden müßte, was in Moses Gesetz und in den Propheten und den Psalmen von Mir geschrieben ist.

45 Dann tat Er ihnen das Verständnis auf, daß sie die Schriften verstünden;

46 Und sprach zu ihnen: So ist geschrieben, und also mußte Christus leiden und am dritten Tage von den Toten auferstehen;

47 Und gepredigt werden in Seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkerschaften, anfangend in Jerusalem.

48 Ihr aber seid dessen Zeugen.

49 Und siehe, Ich sende auf euch die Verheißung Meines Vaters; ihr aber sollt bleiben1 in der Stadt Jerusalem, bis daß ihr mit Kraft aus den Höhen angetan werdet.

  1. sitzen

50 Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien, hob Seine Hände auf und segnete sie.

51 Und es geschah, da Er sie segnete, schied Er von ihnen und ward in den Himmel hinaufgetragen.

52 Und sie beteten Ihn an und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.

53 Und sie waren allezeit im Heiligtum, lobten und segneten Gott.