reltext

Chapter 1

1 1 Paulus, Apostel [von] Christus Jesus durch den Willen Gottes, und Timotheus2 der Bruder

Original Greek

ΠαῦλοςPaulosPaulG3972GN-NSM-P
ἀπόστολοςapostolosan apostleG0652N-NSM
ΧριστοῦChristouof ChristG5547N-GSM-T
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-GSM-P
διὰdiathroughG1223PREP
θελήματοςthelēmatos[the] willG2307N-GSN
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
καὶkaiandG2532CONJ
ΤιμόθεοςTimotheosTimothyG5095N-NSM-P
ὁhotheG3588T-NSM
ἀδελφὸςadelphosbrotherG0080N-NSM
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. Timotheus war ein enger Mitarbeiter des Apostels Paulus, der auch in 2Kor 1,1; Phil 1,1; Phlm 1 als Mitverfasser erwähnt wird; zusammen mit Silvanus auch in 1Thess 1,1; 2Thess 1,1. Nach den Angaben der Apostelgeschichte nahm Paulus ihn aufgrund seines guten Rufs unter den Gläubigen während seiner zweiten Missionsreise in Derbe in sein Mitarbeiterteam auf (Apg 16,1-3). Er war Paulus meistgeschätzter Mitarbeiter (O'Brien 1982, 3). Es ist unklar, welche Rolle er bei der Abfassung des Briefes spielte, wenn die Angabe nicht pseudepigraphisch ist. Gut denkbare Gründe für seine Erwähnung (oder Beteiligung) sind, dass er den Adressaten persönlich bekannt war (Moo 2008, 76) oder die Zuverlässigkeit seiner Lehre garantiert werden sollte (O'Brien 1982, 3).

2 [an] die Heiligen1 in Kolossä, {und} die treuen (gläubigen)2 Geschwister (Brüder [und Schwestern]; Brüder)3 in Christus (an Christus Glaubenden)4 (die heiligen und treuen Geschwister; die Heiligen, {und} die treuen Geschwister ... in Kolossä). Gnade [sei mit] euch und Frieden von Gott, unserem Vater5.

Original Greek

τοῖςtoisTo thoseG3588T-DPM
ἐνeninG1722PREP
ΚολοσσαῖςKolossaisColossaeG2857GN-DPF-L
ἁγίοιςhagioissaintsG0040HA-DPM
καὶkaiandG2532CONJ
πιστοῖςpistoisfaithfulG4103A-DPM
ἀδελφοῖςadelphoisbrothersG0080N-DPM
ἐνeninG1722PREP
Χριστῷ·ChristōChrist:G5547N-DSM-T
χάριςcharisGraceG5485N-NSF
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
καὶkaiandG2532CONJ
εἰρήνηeirēnēpeaceG1515N-NSF
ἀπὸapofromG0575PREP
θεοῦtheouGodG2316N-GSM-T
πατρὸςpatros[the] FatherG3962N-GSM-T
ἡμῶνhēmōnof usG3165P-1GP
καὶkaiandG2532CONJ
κυρίουkuriouLordG2962GN-GSM-T
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-GSM-P
Χριστοῦ.¶ChristouChrist.G5547N-GSM-T
  1. die Heiligen Die Mehrzahl der Übersetzungen (Ausnahmen: REB, SLT, Menge, EÜ) interpretieren „heilig“ wie hier als substantiviert, sodass die Adressaten nicht als „heilige Geschwister“, sondern als „Heilige“ etc. angesprochen werden. Diese Übersetzung beruht auf Parallelen zu anderen Präskripten von Paulusbriefen (Röm, 1Kor, Phil, Eph), wo „heilig“ immer substantiviert gebraucht wird (O'Brien 1982, 3). Die Bezeichnung der Empfänger als „Heilige“ spielt auf die atl. Tradition (so Ex 19,6; Lev 11,44 und mehrfach in Daniel 7) von Israel als heiligem Volk an (vgl. NGÜ, NIV, NLT), die nun auf die Gläubigen angewandt wird (Moo 2008, 78).
  2. Vgl. die entsprechende Fußnote zu Eph 1,1.
  3. Generisches Maskulinum.
  4. in Christus (sowie das ausführlichere „in Christus Jesus“, Kol 1,4) ist bei Paulus ein Lieblingsattribut, das häufig und in den verschiedensten Kontexten Anwendung findet (vgl. etwa analog Eph 1,1). In Kol kommt es sonst nur noch in 1,28 vor. Wegen dieser Vielfalt ist seine genaue Aussageabsicht unmöglich zu definieren; es scheint jedoch insgesamt eine Zugehörigkeit zu Christus und der neuen Realität zu signalisieren (den „geistlichen Aufenthaltsort“ (Moo 2008, 77)), die er geschaffen hat. Wer diesem neuen Zeitalter noch nicht angehört, ist noch „in Adam“ (etwa 1Kor 15,22; 2Kor 5,14-17; Röm 5,12-21) (Moo 2008, 77, vgl. O'Brien 1982, 4).
  5. Einige Handschriften (u.a. die wichtigen alexandrinischen א, A sowie der Mehrheitstext) ergänzen „und des Herrn Jesus Christus“, vielleicht in direkter Anlehnung an Eph 2,2, weswegen er in NA27 wohl als sekundär eingestuft wird. Der Teil fehlt u.a. in B, D, 33, 1739.

3 Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus,1 jedes Mal (immer wieder, ständig), wenn wir für euch beten (für euch, wenn wir beten),23

Original Greek

ΕὐχαριστοῦμενEucharistoumenWe give thanksG2168V-PAI-1P
τῷtōto theG3588T-DSM
θεῷtheōGodG2316N-DSM-T
καὶkaiandG2532CONJ
πατρὶpatriFatherG3962N-DSM-T
τοῦtouof theG3588T-GSM
κυρίουkuriouLordG2962GN-GSM-T
ἡμῶνhēmōnof usG3165P-1GP
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-GSM-P
ΧριστοῦChristouChristG5547N-GSM-T
πάντοτεpantotecontinuallyG3842ADV
περὶperiforG4012PREP
ὑμῶνhumōnyouG4771P-2GP
προσευχόμενοι,proseuchomenoipraying,G4336V-PNP-NPM
  1. Epheser 1,3
  2. Temporal aufgelöstes Ptz. coni. SLT löst stattdessen modal auf: „indem wir allezeit für euch beten“. Nicht nur „für euch“, sondern theoretisch auch „immer wieder“ könnte sich neben „danken“ auch auf „beten“ beziehen (vgl. Moo 2008, 83; so etwa NASB). Solche Danksagungsformeln wie hier sind in der griechischen Antike am Anfang von Briefen verbreitet und finden sich u.a. in Eph 1,16 &1Thess 1,2 (O'Brien 1982, 8).
  3. Epheser 1,16; 1 Thessalonicher 1,2

4 weil wir [von] eurem Glauben (Vertrauen) in (an) Christus Jesus1 gehört haben2 und [von] der Liebe, die ihr gegenüber (zu) allen Heiligen habt,

Original Greek

ἀκούσαντεςakousanteshaving heard ofG0191V-AAP-NPM
τὴνtēntheG3588T-ASF
πίστινpistinfaithG4102GN-ASF
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
ἐνeninG1722PREP
ΧριστῷChristōChristG5547N-DSM-T
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-DSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἀγάπηνagapēnloveG0026N-ASF
ἣνhēnthatG3739R-ASF
ἔχετεecheteyou haveG2192V-PAI-2P
εἰςeistowardG1519PREP
πάνταςpantasallG3956A-APM
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἁγίους,hagioussaints,G0040HA-APM
  1. Vgl. die Fußnote in V. 2 bei „in Christus“.
  2. Kausal aufgelöstes Ptz. coni. (vgl. Moo 2008, 84). Möglich theoretisch auch temporal: „seit“

5 aufgrund (wegen)1 der (durch die) Hoffnung, die im Himmel2 [auf] euch wartet (für euch bereit/vorhanden/reserviert ist),3 [von] der ihr schon zuvor (vorher)4 durch das (im) Wort (die Botschaft) der Wahrheit, das Evangelium (wahre Wort des Evangeliums)5 gehört habt,

Original Greek

διὰdiabecause ofG1223PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἐλπίδαelpidahopeG1680N-ASF
τὴνtēnwhichG3588T-ASF
ἀποκειμένηνapokeimenēnis being laid upG0606V-PNP-ASF
ὑμῖνhuminfor youG4771P-2DP
ἐνeninG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPM
οὐρανοῖςouranoisheavensG3772N-DPM
ἣνhēnwhichG3739R-ASF
προηκούσατεproēkousateyou heard of beforeG4257V-AAI-2P
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSM
λόγῳlogōwordG3056N-DSM
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ἀληθείαςalētheiasof truthG0225N-GSF
τοῦtoutheG3588T-GSN
εὐαγγελίουeuangeliougospelG2098N-GSN
  1. Der Bezugspunkt dieser Präposition ist im gr. Urtext nicht eindeutig. Gewöhnlich wird V. 5 auf die „Liebe“ (V. 4) bezogen (also Liebe aufgrund der Hoffnung), aber auch ein Rückbezug auf „danken“ (V. 3) ist möglich (also: „Wir danken Gott (3) … wegen der Hoffnung“). Die erste Möglichkeit ist wegen des unmittelbareren Kontexts wahrscheinlicher und natürlicher, zudem hat der Autor bereits mit V. 4 einen Grund für seinen Dank genannt (dass das Partizip ἀκούσαντες so gemeint ist, geht aus der Diskursstruktur klar hervor)(Moo 2008, 85).
  2. Wörtlich ein Plural.
  3. 1 Petrus 1,4; Titus 1,2
  4. Wenn eine gezielte Betonung des „vorher“ (im Gegensatz zu „schon“) intendiert ist, dann bezieht sich das vielleicht auf die Zeit, wo Epaphras in Kolossä evangelisierte, vor dem Aufkommen der Irrlehre, die mit dem Brief bekämpft wird (so seit Moule 1898, 67; vgl. Moo 2008, 86).
  5. W: „Wort der Wahrheit des Evangeliums“. Wie die drei Begriffe durch die beiden Genitive semantisch verknüpft werden sollen, geht nicht aus ihnen hervor. Die gewählte Auflösung – mit „Evangelium“ als Apposition – ist die häufigste (ESV, NET, NRSV, LEB, HCSB). Die 1. alternative Deutung in der Klammer (nach NIV) versteht „der Wahrheit“ als attributiven Genitiv, also wie ein Adjektiv. Es ist auch möglich, jeden der Genitive als näher bestimmende Apposition zu verstehen, dann sinngemäß: „Wort/Botschaft, das die Wahrheit ist, nämlich das Evangelium“ (so Moo 2008, 86f., vgl. O'Brien 1982, 12). ἐν („in“ (lokal), „durch“ (instr.)) kann hier entweder instrumental gemeint sein (und betont dann die Weise, auf die sie die Hoffnung bekamen) oder lokal (dann wäre hervorgehoben, dass die Hoffnung inhaltlicher Teil des Evangeliums ist).

6 das zu euch gekommen ist,1 [das Evangelium], wie es auch auf (in) der ganzen Welt2 Frucht bringt und sich verbreitet, so wie [es ja] auch unter (in) euch [geschieht]3 seit dem Tag, [als] ihr [es] gehört und die Gnade Gottes wirklich (in Wahrheit)4 verstanden (erkannt)([als] wahr erkannt) habt5 –

Original Greek

τοῦtouwhichG3588T-GSN
παρόντοςparontosis being presentG3918V-PAP-GSN
εἰςeisuntoG1519PREP
ὑμᾶς,humasyou,G4771P-2AP
καθὼςkathōseven asG2531CONJ
καὶkaialsoG2532CONJ
ἐνeninG1722PREP
παντὶpantiallG3956A-DSM
τῷtōtheG3588T-DSM
κόσμῳkosmōworldG2889N-DSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐστὶνestinit isG1510V-PAI-3S
καρποφορούμενονkarpophoroumenonbearing fruitG2592V-PMP-NSN
καὶkaiandG2532CONJ
αὐξανόμενονauxanomenonincreasingG0837V-PPP-NSN
καθὼςkathōseven asG2531CONJ
καὶkaialsoG2532CONJ
ἐνenamongG1722PREP
ὑμῖνhuminyouG4771P-2DP
ἀφ᾽aph᾽fromG0575PREP
ἧςhēstheG3739R-GSF
ἡμέραςhēmerasdayG2250N-GSF
ἠκούσατεēkousateyou heardG0191V-AAI-2P
καὶkaiandG2532CONJ
ἐπέγνωτεepegnōteyou knewG1921V-2AAI-2P
τὴνtēntheG3588T-ASF
χάρινcharingraceG5485N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
ἐνeninG1722PREP
ἀληθείᾳ,alētheiatruth,G0225N-DSF
  1. Attributives Ptz. Aor., als Relativsatz aufgelöst.
  2. Mit der „ganzen Welt“ ist im Denken des Verfassers zunächst die zivilisierte, bekannte Welt der städtischen Zentren des römischen Reichs samt angrenzenden Gebieten gemeint. Oder es ist ganz einfach eine Übertreibung, die er gebraucht, um den Erfolg des Evangeliums zu unterstreichen (vgl. Moo 2008, 89; O'Brien 1982, 13).
  3. Vers 6 wird durch die doppelte Verwendung von καθώς („(genau) wie“) stilistisch holprig (vgl. Moo 2008, 87f.). Viele Übersetzungen lassen deshalb mit dem ersten „wie“ einen neuen Satz beginnen, sodass sich der folgende Satzteil nicht auf den vorhergehenden, sondern auf den darauffolgenden bezieht (so EÜ, NGÜ, Menge, Zürcher, NET, NRSV, HCSB), etwa so: „... das zu euch gekommen ist. So wie es auch auf der ganzen Welt Frucht bringt und sich verbreitet, so [geschieht es] auch unter euch...“ Gestützt wird das durch einige unwichtige Textzeugen, die an der Stelle noch ein „und“ einfügen, wo der Satz getrennt wird. Dabei wird allerdings das zweite καθώς als „so“ übersetzt – eigentlich würde man in diesem Fall οὕτως („so“) erwarten (Wilson 2005, 91). Das möchte Wilson mit der Textstruktur erklären (ebd.). S.a. die Fußnote bei „wie“ in V. 7.
  4. wirklich (in Wahrheit) Explizit so NIV, NRSV, vgl. Moo 2008, 89, den Sinn von „wirklich, tatsächlich“ hat ἐν ἀληθείᾳ („in Wahrheit“) u.a. in Mt 22,16; Joh 17,19; 2Joh 1; 3Joh 1 sowie Tob 14,7; Ps 144,18 (LXX) (vgl. LN 70.4). Für den Sinn als „wahr“ in „[als] wahr erkannt“ (Klammer, vgl. GNB) vgl. etwa 2Kor 7,14.
  5. „gehört“ lässt sich auch nach vorne beziehen, dann: „seit dem Tag, als ihr die Gnade Gottes gehört und wirklich verstanden habt“. „hören“ bezieht sich jedoch eher auf das Evangelium, das man als eine Botschaft tatsächlich hören kann, wohingegen Gottes Gnade nur aus gehörtem abzuleiten oder zu erfahren wäre.

7 [das Evangelium], wie1 ihr [es] von unserem geliebten Mitsklaven Epaphras2 gelernt habt, der ein treuer Diener Christi an unserer Stelle (für euch)3 ist,

Original Greek

καθὼςkathōseven asG2531CONJ
καὶkaiandG2532CONJ
ἐμάθετεematheteyou learnedG3129V-2AAI-2P
ἀπὸapofromG0575PREP
ἘπαφρᾶEpaphraEpaphrasG1889N-GSM-P
τοῦtoutheG3588T-GSM
ἀγαπητοῦagapētoubelovedG0027A-GSM
συνδούλουsundouloufellow bond-servantG4889N-GSM
ἡμῶν,hēmōnof us,G3165P-1GP
ὅςhoswhoG3739R-NSM
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
πιστὸςpistosfaithfulG4103A-NSM
ὑπὲρhuperon behalf ofG5228PREP
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
διάκονοςdiakonosa servantG1249N-NSM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
Χριστοῦ,Christouof Christ,G5547N-GSM-T
  1. καθώς („(genau) wie“) scheint hier die beiden Sätze auf sehr allgemeine Weise zu verbinden (Moo 2008, 89), viele Übersetzungen lassen es weg. Hier wurde analog zu 6b übersetzt, um die parallele Struktur zu unterstreichen.
  2. Epaphras wird sonst nur in Kol 4,12f. und Phlm 23 erwähnt, entsprechend wenig ist über ihn bekannt. Man kann nur vermuten, dass er aus Kolossä stammte und vielleicht durch Paulus zum Glauben gefunden hatte, bevor er dort evangelisierte. Es handelt sich bei dem Namen um eine zu einem eigenständigen Namen gewordene Kurzform von „Epaphroditus“. Epaphras ist deshalb vermutlich nicht mit dem in Phil 2,25; 4,18 genannten Paulus-Mitarbeiter identisch (Moo 2008, 90).
  3. Hier ist textkritisch nicht klar, ob „für uns“ (ὑπὲρ ἡμῶν) oder „für euch“ (ὑπὲρ ὑμῶν) zu lesen sein sollte. Der Unterschied besteht aus einem Buchstaben. Die interne Evidenz ist ausgeglichen. „euch“ wäre schwieriger zu verstehen, aber der Kontext scheint klar für „uns“ zu sprechen (Wilson 2005, 96). NA27 (mit den meisten dt. Übersetzungen) zieht „euch“ vor, weil „uns“ einen Flüchtigkeitsfehler aufgrund des schon kurz vorher vorkommenden ἡμῶν vermutet. Die externe Evidenz (𝔓46 א* A B D* F G 326* 1505, dagegen u.a. א² C D 33 1739) spricht jedoch für „uns“, entsprechend die Präferenz in SBLGNT (zudem EÜ, Menge; vgl. Wilson 2005, 95f.; Moo 2008, 91; NET Kol 1,7 Fußnote 16; O'Brien 1982, 16). Deshalb wurde „uns“ bzw. „an unserer Stelle“ der Vorzug gegeben.

8 der [es] auch [war, der] uns eure Liebe durch [den] (im) Geist1 deutlich gemacht (aufgezeigt, offenbart) hat.2

Original Greek

ὁhothe [one]G3588T-NSM
καὶkaialsoG2532CONJ
δηλώσαςdēlōsashaving made knownG1213V-AAP-NSM
ἡμῖνhēminto usG3165P-1DP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ὑμῶνhumōnyourG4771P-2GP
ἀγάπηνagapēnloveG0026N-ASF
ἐνeninG1722PREP
πνεύματι.¶pneumati[the] Spirit.G4151GN-DSN
  1. ἐν („in“ (örtl.), „durch“ (instr.)) ist hier wohl instrumental gemeint. Die demonstrierte Liebe wird also durch den Heiligen Geist verursacht (Moo 2008, 91f., vgl. EÜ, NGÜ, Menge).
  2. Auflösung eines attributiven Ptz. Aor. als Relativsatz. Möglich wäre auch eine „und“-Kombination.

21 1 und [auch] euch:2 ihr mögt [ja] früher (einmal) Fremde (entfremdet)3 und innerlich (in eurer Gesinnung, Denkweise, Geisteshaltung)4 Feinde aufgrund (in)5 [eures] bösen Verhaltens (Taten, Werken) gewesen sein,67

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ποτεpoteonceG4218PRT
ὄνταςontasbeingG1510V-PAP-APM
ἀπηλλοτριωμένουςapēllotriōmenousalienatedG0526V-RPP-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐχθροὺςechthroushostileG2190N-APM
τῇtēa<the>G3588T-DSF
διανοίᾳdianoiain mindG1271N-DSF
ἐνeninG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPN
ἔργοιςergoisdeedsG2041N-DPN
τοῖςtois<the>G3588T-DPN
πονηροῖς,ponēroisevil,G4190A-DPN
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. und [auch] euch Nach unserem Verständnis hängt καὶ ὑμᾶς „und/auch euch“ als Objekt von dem Prädikat ἀποκαταλλάξαι in V. 20 ab (so z.B. Moule 1898, 86, auch NLB, NGÜ, NEÜ). Es wäre auch möglich, es mit dem Prädikat ἀποκατηλλάγητε des nächsten Verses (22) in Verbindung zu bringen, aber das würde einen sehr komplizierten Satzbau voraussetzen (so die meisten Exegeten). Denkbar wird das nur im Zusammenhang mit der von den meisten Übersetzungen bevorzugten textkritischen Lesart des Prädikats in V. 22, wo es als dessen Objekt nötig ist (Warum wir eine andere Lesart vorziehen, steht in der Fußnote dort). Wäre dieses Verständnis korrekt, dann führte der Verfasser den hier begonnenen Satz (nach dem unmittelbar folgenden Einschub) in V. 22 auf andere Weise fort, nämlich adversativ (also durch „aber“) damit verknüpft (vgl. die übersichtliche Aufstellung der möglichen Deutungen bei Williams 1907, 55f.).
  3. Fremde Als Substantiv gebrauchtes Ptz. Pf. Pass., w. also „entfremdet“. Im NT nur 3x und nur im Ptz. Pf. Pass., immer resultativ und im Zusammenhang mit der Bundesgemeinschaft bzw. Beziehung mit Gott gebraucht (Eph 2,12; 4,18, vgl. TWNT, ἀπαλλοτριόω). Auffällig ist, dass hier das erwartete Lokal-Objekt fehlt: wir also nicht erfahren, wovon die Adressaten einmal entfremdet waren.
  4. innerlich Der Dativ τῇ διανοίᾳ gibt entweder den Ort oder den Bezug dieser Einstellung an (Moo 2008, 140). διάνοια steht im Griechischen eigentlich zunächst für den Verstand, übersetzt jedoch im AT gelegentlich das hebräische Wort für Herz (BA). Im NT werden die beiden Begriffe sogar austauschbar gebraucht (O'Brien 1982, 66f.). Es bezeichnet den Sitz und Ursprung menschlichen Fühlens und Denkens. Dagegen tendiert LN 30.15 eher zu „Denkweise“.
  5. aufgrund (in) Kausale Interpretation von „in“, vgl. EÜ. Nicht klar ist, ob das böse Verhalten Grundlage oder Zeugnis der feindlichen Geisteshaltung ist. Darum alternativ: „[wie es] in [eurem] bösen Verhalten [zum Ausdruck kommt]“.
  6. Als konzessiv verbundener Hauptsatz aufgelöstes Participium coniunctum (Ptz. Präs. Akk.). Möglich wäre auch eine Auflösung als Relativsatz, eine stärkere konzessive („obwohl“) oder temporale Deutung („während, als“). S.a. V. 21, Fußnote 1.
  7. Epheser 2,12; Epheser 4,18

22 aber jetzt wurdet ihr (hat [er euch]) kraft (mittels, anhand, durch, mit, in)1 seines fleischlichen Körpers2 durch den Tod versöhnt3, um euch in seinen Augen (vor sich) [als] heilig und fehlerlos (makellos, tadellos) und unbescholten (makellos, ohne Anklage)4 zu präsentieren (zu machen, vor sich hinzustellen)5,6

Original Greek

ἐνen[22] inG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
σώματιsōmatibodyG4983N-DSN
τῆςtēsof theG3588T-GSF
σαρκὸςsarkosfleshG4561N-GSF
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
διὰdiathroughG1223PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θανάτουthanatoudeathG2288N-GSM
παραστῆσαιparastēsaito presentG3936V-2AAN
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ἁγίουςhagiousholyG0040GA-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀμώμουςamōmousunblemishedG0299A-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀνεγκλήτουςanegklētousblamelessG0410A-APM
κατενώπιονkatenōpionbeforeG2714PREP
αὐτοῦ.¶autouHim.G0846P-GSM
  1. kraft ἐν + Dat. wird hier instrumental gebraucht (LN 90.10). Nur durch die hier gebrauchte Umschreibung lässt es sich im Deutschen vom kurz darauf mit „durch“ übersetzten διὰ (LN 89.76) unterscheiden. REB, SLT (vgl. ZÜR, Menge) wörtlich, aber ungenau: „in dem Leib seines Fleisches durch den Tod“
  2. W: „seinen Körper des Fleisches“. Der attr. Genitiv drückt die Beschaffenheit des Bezugsworts aus. Gemeint ist mit dem „fleischlichen Körper“ wohl ein „sterblicher“ (Moo 2008, 142), der gedanklich klar von der Gemeinde als „Körper Christi“ abgegrenzt werden soll (Schweizer 21980, 76).
  3. Textkritik: Die meisten Zeugen lesen Pf. Akt. ἀποκατήλλαξεν „er hat euch versöhnt“. Mit der Passivform ἀποκατηλλάγητε „ihr wurde versöhnt“ folgen wir B (auch P46, 33 mit dem Schreibfehler ἀποκαταλλάγητε; mit SBLGNT, LEB, H.Moule 1898, 86f., J.Lightfoot 1875, 317f. und B.Metzger, Textual Commentary, London 21975, 622)). Trotz der geringen Bezeugung ist das für uns die wahrscheinlichere, weil schwierigere Lesart, die vor allen Dingen die Entstehung der übrigen erklären kann (auch Alter und Qualität der Zeugen überzeugen). Allerdings stellt sie einen Abbruch des in 21 mit καὶ ὑμᾶς „und ihr“ begonnenen Satzes dar (Anakoluth; für unser alternatives Verständnis vgl. Fußnote dort) und nimmt auch dem folgenden Infinitivsatz das Subjekt. Für viele Ausleger ist das zu schwer vorstellbar. (Vgl. Wilson 2005, 159f.; Metzger 21975, 621f.; NET Kol 1,21, Fußnote 42; O'Brien 1982, 64).
  4. unbescholten (vgl. ZÜR, E.Schweizer). Im Gegensatz zum vorhergehenden Wort geht es um rechtliche Tadellosigkeit (dort eher um moralische bzw. geistliche). Die Übersetzungen geben eine gute Vorstellung des Konzepts. Menge (vgl. SLT): „unanklagbar“, REB: „unsträflich“, LUT, NLB, NEÜ: „makellos“, EÜ: „schuldlos“, NGÜ: „gegen die keine Anklage mehr erhoben werden kann“
  5. zu präsentieren So die englischen Übersetzungen; NEÜ. hinzustellen So die meisten deutschen Übersetzungen. zu machen So LN 13.11, NGÜ. Das Verb παρίστημι wird im NT häufig im Zusammenhang mit Gottes Endgericht gebraucht (vgl. Parallelstellen; Moo 2008, 142). Die Interpretation von κατενώπιον αὐτοῦ (entweder „in seinen Augen“ oder „vor sich“) hängt von der Übersetzung des Verbs ab.
  6. Epheser 2,12; Epheser 5,27; 2 Korinther 11,2; Römer 14,10; Kolosser 1,28

23 wenn (sofern) ihr denn weiter im Glauben bleibt, auf einem festen Fundament (fest gegründet)1 und sicher, und nicht von der Hoffnung des Evangeliums abgebracht werdet,2 das ihr gehört habt, [des Evangeliums],3 das in [der] ganzen Schöpfung unter dem Himmel4 verkündet wurde (wird), dem ich, Paulus, [zum] Diener geworden bin.5

Original Greek

ΕἴEiifG1487GCOND
γεgeindeedG1065PRT
ἐπιμένετεepimeneteyou continueG1961V-PAI-2P
τῇtēa<the>G3588T-DSF
πίστειpisteiin the faithG4102GN-DSF
τεθεμελιωμένοιtethemeliōmenoiestablishedG2311V-RPP-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἑδραῖοιhedraioifirmG1476A-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
μετακινούμενοιmetakinoumenoibeing moved awayG3334V-PPP-NPM
ἀπὸapofromG0575PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
ἐλπίδοςelpidoshopeG1680N-GSF
τοῦtouof theG3588T-GSN
εὐαγγελίουeuangeliougospelG2098N-GSN
οὗhouthatG3739R-GSN
ἠκούσατε,ēkousateyou have heard,G0191V-AAI-2P
τοῦtouwhichG3588T-GSN
κηρυχθέντοςkēruchthentoshaving been proclaimedG2784V-APP-GSN
ἐνeninG1722PREP
πάσῃpasēallG3956A-DSF
τῇtēa<the>G3588T-DSF
κτίσειktiseicreationG2937N-DSF
τῇtēa<the>G3588T-DSF
ὑπὸhupounderG5259HPREP
τὸνton<the>G3588T-ASM
οὐρανόν,ouranonheaven,G3772N-ASM
οὗhouof whichG3739R-GSN
ἐγενόμηνegenomēnhave becomeG1096V-2ADI-1S
ἐγὼegōI myselfG1473P-1NS
ΠαῦλοςPaulosPaulG3972GN-NSM-P
διάκονος.¶diakonosa minister.G1249N-NSM
  1. Adv. Ptz. Pf. Pass., zeigt die Art und Weise (modal) oder die Ursache (kausal) des Verweilens „im Glauben“ an. Hier (modal) direkt als Artangabe aufgelöst; denkbar wären auch ein verdeutlichendes „[und zwar]“ oder „[indem]“
  2. Adv. Ptz. Präs. Pass., zeigt die Art und Weise (modal) oder die Ursache (kausal) an. Hier als gleichwertiger Hauptsatz modal mit „und“-Kombination aufgelöst. Anhand der Wortwahl ist erkennbar, dass es als Erweiterung der Bedingung „im Glauben bleiben“ und nicht als Kontrast zu „fest gegründet und sicher“ zu verstehen ist (Williams 1907, 61).
  3. Die Wiedergabe dieser Nebensatzreihe stößt im Deutschen an Grenzen. Der zweite Relativsatz „das in der ganzen Schöpfung...“ ist mit einem attributiven Partizip eng an das Objekt (das Evangelium) gebunden, wird aber durch den ersten Relativsatz „οὗ ἠκούσατε“ („das ihr gehört habt“) davon getrennt. Im Deutschen deshalb die Einfügung, die, dem Griechischen ähnlich, neu beim Objekt ansetzt. (Mit neuen Hauptsatz, aber ähnlich bei ZÜR, NGÜ, NEÜ, NET, HCSB)
  4. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie diese problematische Aussage gewertet werden könnte (denn wörtlich genommen, ist sie nicht wahr): 1. Es könnte sich um eine Vorgangsbeschreibung handeln (das Ptz. Aor. muss keine Vergangenheitsbedeutung haben), 2. Es könnte sich um einen Bezug auf die „allgemeine Offenbarung“ Gottes in der Schöpfung handeln, 3. Es handelt sich um eine Übertreibung (so Moo 2008, 146.). Vgl. V. 6, Fußnote o, dann als Entsprechung zu Versöhnung aller Dinge in V. 20 (Moo 2008, 147).
  5. Epheser 3,7; Epheser 3,17

24 1 2 Jetzt freue ich mich3 in den Leiden für euch und ergänze [stellvertretend für euch], was an den Drangsalen Christi noch fehlt4, an meinem Körper für seinen Leib, das ist die Gemeinde,

Original Greek

ΝῦνNunNowG3568ADV
χαίρωchairōI rejoiceG5463V-PAI-1S
ἐνeninG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPN
παθήμασινpathēmasinsufferingsG3804N-DPN
μουmouof mineG3165P-1GS
ὑπὲρhuperforG5228PREP
ὑμῶνhumōnyouG4771P-2GP
καὶkaiandG2532CONJ
ἀνταναπληρῶantanaplērōI am filling upG0466V-PAI-1S
τὰtathat whichG3588T-APN
ὑστερήματαhusterēmatais lackingG5303N-APN
τῶνtōnof theG3588T-GPF
θλίψεωνthlipseōntribulationsG2347N-GPF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ΧριστοῦChristouof ChristG5547N-GSM-T
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
σαρκίsarkifleshG4561N-DSF
μουmouof mineG3165P-1GS
ὑπὲρhuperforG5228PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
σώματοςsōmatosbodyG4983N-GSN
αὐτοῦ,autouof HimG0846P-GSM
ὅhowhichG3739R-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
ἡhētheG3588T-NSF
ἐκκλησία·ekklēsiachurch;G1577N-NSF
  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Vers 24 bis 29 sind im griechischen Original ein Satz.
  3. „Das wunderliche 'chaíro' könnte man ... interpretieren als 'ich bin stolz, zu solchem Opfer gewürdigt zu sein'“ - Hans-Joachim Uhde in: GPM 54/1, S. 91.
  4. Wörtl.: „Ich ergänze/ fülle stellvertretend auf den Mangel an Drangsalen Christi“. Es geht hier nicht um die Vorstellung, dass die Leiden Jesu ergänzungsbedürftig wären; das griech. Wort 'thlípsis' bezeichnet die (endzeitlichen) Drangsale - es geht also um die Bedrängnisse, die zur Parusie (Wiederkunft) Christi noch fehlen. Es muss hier genau unterschieden werden zwischen „satisfaktorischem“ und „aedifikatorischem“ Leiden!, vgl. Schweizer, EKK XII, S.91.

25 deren Diener ich geworden bin nach dem Auftrag (Amt, Heilsplan)1 Gottes, den er mir gegeben hat, bei euch das Wort Gottes zur Fülle zu bringen2,

Original Greek

ἧςhēsof whichG3739R-GSF
ἐγενόμηνegenomēnbecameG1096V-2ADI-1S
ἐγὼegōI myselfG1473P-1NS
διάκονοςdiakonosa ministerG1249N-NSM
κατὰkataaccording toG2596PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
οἰκονομίανoikonomianadministrationG3622N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
τὴνtēnwhichG3588T-ASF
δοθεῖσάνdotheisanhaving been givenG1325V-APP-ASF
μοιmoimeG3165P-1DS
εἰςeistowardG1519PREP
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
πληρῶσαιplērōsaito completeG4137V-AAN
τὸνtontheG3588T-ASM
λόγονlogonwordG3056N-ASM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦ,theouof God,G2316N-GSM-T
  1. Es handelt sich bei oikonomía um einen umfassenden Plan; im Griech. wurden Dekrete der Behörde so bezeichnet.
  2. Dahinter steht die Vorstellung Röm 15,19. Paulus rühmt sich da, das Evangelium von Jerusalem aus „ringsumher bis nach Illyrien“ „voll ausgerichtet“ (Luther 1984) zu haben. Wie wir wissen, war Paulus nur in Städten missionarisch tätig. Er hat also keineswegs dieses ganze, riesige Gebiet missioniert, sondern hat entweder a) in den Städten die Verkündigung begonnen mit dem Gedanken, dass sie von dort aus in das umliegende Gebiet getragen wird, oder er war b) der Auffassung, dass Gott eine best. Anzahl von Gläubigen (= die „Vollzahl“) vorherbestimmt hat, die er zu finden und denen er das Evangelium zu sagen hatte. Diese Vorstellung des Paulus liegt hier zugrunde. Es geht darum, die Völker der damals bekannten Welt mit der Verkündigung des Evangeliums zu erreichen, damit die Parusie Jesu eintreten kann. Das ist der „Zug Christi durch die Völker“ (Schweizer, EKK XII, 89).

26 [nämlich] das Geheimnis, das verborgen gewesen ist1 seit Ewigkeiten und Generationen – jetzt aber wurde es seinen Heiligen offenbart,2

Original Greek

τὸtotheG3588T-ASN
μυστήριονmustērionmysteryG3466N-ASN
τὸtowhichG3588T-ASN
ἀποκεκρυμμένονapokekrummenonhiddenG0613V-RPP-ASN
ἀπὸapofromG0575PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
αἰώνωνaiōnōnagesG0165GN-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀπὸapofromG0575PREP
τῶνtōntheG3588T-GPF
γενεῶν,geneōngenerations,G1074N-GPF
νῦνnunnowG3568ADV
δὲdehoweverG1161CONJ
ἐφανερώθηephanerōthēhaving been manifestedG5319V-API-3S
τοῖςtoisto theG3588T-DPM
ἁγίοιςhagioissaintsG0040HA-DPM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
  1. Perf. pass.
  2. Hier liegt ein (in mehreren Briefen aufzuweisendes) Revelationsschema (Offenarungsschema) vor: das Geheimnis ist verschwiegen/ verborgen seit ewigen Zeiten - es wird aber jetzt auf Anordnung Gottes den Heiden (Völkern) kundgegeben. Damit wird die grundsätzliche Unzugänglichkeit Gottes betont und eine Sonderstellung der „Heiligen“ (= die Heidenchristliche Gemeinde), vgl. Schweizer, EKK XII, 87f.

27 denen Gott kundtun (offenbaren) wollte, was der Reichtum der Herrlichkeit1 dieses Geheimnisses bei den Völkern ist, das ist Christus in (bei, unter)2 euch, die Hoffnung3 der Herrlichkeit,

Original Greek

οἷςhoisto whomG3739R-DPM
ἠθέλησενēthelēsenhas willedG2309V-AAI-3S
ὁho<the>G3588T-NSM
θεὸςtheosGodG2316N-NSM-T
γνωρίσαι,gnōrisaito make knownG1107V-AAN
τίtiwhatG5101I-NSN
τὸtotheG3588T-NSN
πλοῦτοςploutosrichesG4149N-NSN
τῆςtēsof theG3588T-GSF
δόξηςdoxēsgloryG1391N-GSF
τοῦtouof theG3588T-GSN
μυστηρίουmustērioumysteryG3466N-GSN
τούτουtoutouthisG3778D-GSN
ἐνenamongG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPN
ἔθνεσιν,ethnesinGentiles,G1484N-DPN
ὅhowhichG3739R-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
ΧριστὸςChristosChristG5547N-NSM-T
ἐνeninG1722PREP
ὑμῖν,huminyou,G4771P-2DP
ἡhētheG3588T-NSF
ἐλπὶςelpishopeG1680N-NSF
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
δόξης·doxēsof glory;G1391N-GSF
  1. dóxa ist aus dem säkularen Griech. nur i.S. von „Meinung“, „Ansehen“ bekannt. Vom atl. 'kabod' bzw. von der späteren Vorstellung der 'schekina' Gottes gewinnt es im NT einen neuen Sinn, vgl. Schweizer, EKK XII, S. 88, Anm. 262.
  2. Es ist nicht irrelevant, die wie Präposition 'en' mit Dativ hier übersetzt wird. Liest man „Christus in euch“, hat man die mystische Vorstellung, dass Christus in den Gläubigen gegenwärtig ist (z.B. beim Abendmahl). „Christus unter euch“ denkt an die Gemeinde als Leib Christi, d.h. Christus ist in der Gesamtheit der Gemeinde gegenwärtig (s.o. Vers 24), nicht im einzelnen Christen. „Christus bei euch“ ist demgegenüber eine distanzierte Betrachtungsweise: Christus ist z.B. im Abendmahl gegenwärtig, aber nicht so unmittelbar, dass man ihm im einzelnen Gläubigen („in“) oder in der Gemeinde („unter“) begegnen könnte.
  3. Schweizer, EKK XII, S.81 und 89, schlägt vor, hier „Vorgabe“ zu übersetzen, weil „Hoffnung“ hier das schon im Himmel Bereitliegende bezeichnet. „Aus der 'Hoffnung, in der gehofft wird' ist die 'Hoffnung, die gehofft wird' geworden“ (a.a.O., S., 35)

28 den wir verkündigen, indem1 wir jeden Menschen ermahnen (zurechtweisen, ans Herz legen) und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, damit wir jeden Menschen vollkommen (vollendet, reif, eingeweiht) in Christus präsentieren (darstellen, erweisen);

Original Greek

ὃνhonwhomG3739R-ASM
ἡμεῖςhēmeiswe ourselvesG3165P-1NP
καταγγέλλομενkatangellomenpreachG2605V-PAI-1P
νουθετοῦντεςnouthetountesadmonishingG3560V-PAP-NPM
πάνταpantaeveryG3956A-ASM
ἄνθρωπονanthrōponmanG0444N-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
διδάσκοντεςdidaskontesteachingG1321V-PAP-NPM
πάνταpantaeveryG3956A-ASM
ἄνθρωπονanthrōponmanG0444N-ASM
ἐνeninG1722PREP
πάσῃpasēallG3956A-DSF
σοφίᾳ,sophiawisdom,G4678N-DSF
ἵναinaso thatG2443CONJ
παραστήσωμενparastēsōmenwe may presentG3936V-AAS-1P
πάνταpantaeveryG3956A-ASM
ἄνθρωπονanthrōponmanG0444N-ASM
τέλειονteleionperfectG5046A-ASM
ἐνeninG1722PREP
ΧριστῷChristōChristG5547N-DSM-T
Ἰησοῦ,IēsouJesusG2424GN-DSM-P
  1. Adverbiales Partizip modal aufgelöst.

29 worum ich mich auch bemühe und1 mich abkämpfe2, getragen von3 seiner4 Wirksamkeit, die in mir wirksam ist in Kraft (kräftig wirksam ist).

Original Greek

εἰςeisUntoG1519PREP
ὃhothisG3739R-ASN
καὶkaialsoG2532CONJ
κοπιῶkopiōI toilG2872V-PAI-1S
ἀγωνιζόμενοςagōnizomenosstrivingG0075V-PNP-NSM
κατὰkataaccording toG2596PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἐνέργειανenergeianenergyG1753N-ASF
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
τὴνtēnwhoG3588T-ASF
ἐνεργουμένηνenergoumenēnis workingG1754V-PMP-ASF
ἐνeninG1722PREP
ἐμοὶemoime myselfG1473P-1DS
ἐνeninG1722PREP
δυνάμει.¶dunameipower.G1411N-DSF
  1. Adverbiales Partizip modal durch „und“-Kombination aufgelöst.
  2. agón bezeichnet den Wettkampf, nicht den Krieg.
  3. Wörtl. Präposition katá mit Akk. „längs-hin, durch-hin, gemäß, nach“, eigentl.: „von oben bis unten über etwas hin“
  4. D.h. Christi.