Chapter 5
1 1 Wohlan nun, [ihr] Reichen, weint [und] heult2 über eure Nöte (Elende, Mühsale. Alternativ: „über euren Nöten“), die [euch] bevorstehen3.
Original Greek
- [Status: Zuverlässig]
- Modal aufgelöstes Ptc. coni.
- Das hier gebrauchte Ptz. Präsens hat normalerweise eine durative/iterative Aspektbedeutung, die hier vermutlich aber in den Hintergrund tritt.
2 Euer Reichtum ist vermodert1 und eure Gewänder sind [von] Motten zerfressen {worden}2.
Original Greek
- Hier und im Folgenden (bis einschließlich 3a) steht das Perfekt, das den Ist-Zustand hervorhebt. Hier wird es möglicherweise futuristisch gebraucht (NSS), analog zum hebräischen Perfekt. Durch die Hervorhebung des Zustands im griechischen Perfekt wird betont, dass der beschriebene Sachverhalt noch nicht eingetroffen ist, aber schon verbindlich festgelegt wurde.
- Wörtlich: „mottenzerfressen geworden“
3 Euer Gold und Silber sind verrostet1 und ihr Rost (Gift) wird [gegen] euch zum Beweis (Zeugnis) sein2 und euer Fleisch3 wie Feuer fressen. Ihr habt in den letzten Tagen [Reichtümer]4 gesammelt.
Original Greek
- Da Gold weder rostet noch anläuft, ist dies entweder eine stilistische Übertreibung oder es müsste alternativ etwa „angelaufen“ oder „matt/stumpf geworden“ heißen (Blomberg/Kamell).
- Kommunikativ: „dienen“
- Im Original im Plural.
- Durch das Verb impliziert (cf. B/A, NSS).
4 Seht (Siehe), der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abmähen1, der [ihnen] von euch vorenthalten wurde2, schreit,3 und die Schreie der Erntearbeiter sind zu den Ohren [des] Herrn Zebaot4 hingekommen.
Original Greek
- Attr. Ptz.
- Ptz. Pf. Pass.; attributives Ptz.
- Alternativ: „der [ihnen] vorenthalten wurde, schreit von euch...“
- Transkribiert „Sabaoth“. Alternativ auch mit Übersetzung des hebräischen Worts: „Herr der Heerscharen“
5 Ihr habt geschwelgt1 auf der Erde und üppig gelebt2, ihr habt eure Herzen am3 Schlachttag4 gemästet (ernährt, gefüttert),
Original Greek
- Oder kommunikativer: „habt ein üppiges Leben geführt“ (NSS)
- Oder kommunikativer: „habt euch dem Vergnügen hingegeben“ (NSS)
- Wörtlich: „an [einem]“
- Wörtlich „Tag der Schlachtung“. Dies kann sich konkret auf einen gewöhnlichen Schlachttag beziehen, der im Leben der Reichen sicherlich regelmäßig vorkam, spielt aber auf den Tag von Gottes Gericht an.
6 ihr habt den Gerechten1 verurteilt [und] ermordet (getötet),2 er leistet euch keinen Widerstand.3
Original Greek
- Die Deutung dieses Begriffs bestimmt, ob es sich um ein generisches Maskulinum oder ein bestimmtes Individuum handelt. In jedem Fall geht es hier um einen prototypischen „Gerechten“. „Der Gerechte“ bezeichnet im frühen Christentum häufig Jesus. Das größte Problem mit dieser Deutung ist jedoch, dass der letzte Satzteil im Präsens steht – was auf einen fortlaufenden oder kurz zurückliegenden Vorgang hinweist. Der Kontext weist aber eher auf Tagelöhner oder Leibeigene hin, die auf den täglichen Lohn zum Überleben angewiesen sind. Wird der Lohn vorenthalten, muss der Arbeiter verhungern (cf. Blomberg/Kamell).
- Oder „ihr habt verurteilt, ihr habt den Gerechten ermordet“ (so die wortlautgetreue REB).
- Der letzte Satzteil ist vom vorherigen eigentümlich abgetrennt. Manche Exegeten sehen das als Grund, ein „obwohl“ zu ergänzen.
7 Deshalb (Nun) wartet geduldig, Geschwister, bis zur Wiederkunft1 des Herrn. Seht (Siehe), der Bauer erwartet die kostbare Frucht der Erde, indem er geduldig auf sie wartet,2 bis sie den Früh- und den Spätregen empfangen hat.3
Original Greek
- Im NT Terminus technicus für die Parusie (Wiederkunft Christi). Bezeichnet außerbiblisch den offiziellen Besuch eines hohen Amtsträgers (z.B. des Kaisers) an einem Ort oder die Epiphanie eines Gottes (so NSS; dort Bezug auf „EWNT 3, Sp. 103“). In der Normalbedeutung „Anwesenheit, Kommen, Ankunft“.
- Auflösung eines modalen Ptc. coni., alternativ temp. Oder „und geduldig auf sie wartet“.
- Anspielung auf Hos 6,4 (Bauckham).
8 Auch ihr, wartet geduldig, stärkt eure Herzen, weil die Wiederkunft des Herrn nahe {gekommen} ist1!
Original Greek
- Das hier verwendete griechische Perfekt betont das Resultat eines Vorgangs, weswegen hier mit Zustandspassiv übersetzt wurde.
9 Murrt nicht gegen einander,1 Geschwister, damit ihr nicht verurteilt werdet; seht (siehe), der Richter steht [schon] vor den Türen.
Original Greek
- Imperativ Präsens. Oder: „Hört auf, …“ Im Gegensatz zum unmarkierten Imp. Aor. hat dieser häufig negativ die Bedeutung „hör(t) auf, … zu tun“ bzw. positiv „Tu(t) … weiterhin/immer wieder“ haben.
10 Nehmt euch, Geschwister, im Leiden und im Ausharren die Propheten [zum] Vorbild (Beispiel), die im Namen des Herrn sprachen.
Original Greek
11 Seht (Siehe), wir preisen jene glücklich, die durchgehalten haben1: Ihr habt [vom] Durchhalten (Ausdauer, Standhaftigkeit)2 Hiobs gehört und das [vom] Herrn [herbeigeführte] Ende3 gesehen, dass der Herr voller Erbarmen und mitleidig ist.
Original Greek
- Auflösung eines subst. Ptz. Aor. Kann ein Rückbezug auf die Propheten sein, ist aber offen formuliert.
- Cf. 1,3
- Wörtlich „das Ende [des] Herrn“. Genitivus auctoris (NSS). Oder „vom Herrn [bewirkte] Ende“, etc (so alle wichtigen deutschen Übersetzungen, NASB, NIV). Dies passt am besten in den Kontext und würde dann auf das Ende hindeuten, für das Gott in Hiobs Geschichte gesorgt hat. Dann würde „Herr“ für Gott den Vater stehen. Alternativ „das Ziel/den Zweck des Herrn gesehen, dass... “ (ESV, NET). Eine alternative Deutung würde den ersten κυριος als Jesus verstehen; die Übersetzung wäre dann „das Ende des Herrn“, also Jesu Kreuzestod. Dies würde erklären, warum, nachdem in V. 10 Propheten (Pl.) erwähnt wurden, in V. 11 dann nur Hiob genannt wird (die spätere Erwähnung von Elija passt nicht mehr in den Kontext). Das größte Problem mit dieser Deutung ist aber, dass κυριος im selben Vers einmal Jesus und einmal Gott den Vater bezeichnen würde.
12 Vor allen [Dingen] aber, meine Geschwister, schwört1 weder beim Himmel, noch bei der Erde, oder bei irgendeinem anderen Eid. Vielmehr soll euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein sein2, damit ihr nicht dem Gericht verfallt3.
Original Greek
- Imp. Präs. Dieser markiert gelegentlich die Aufforderung, etwas weiterhin/immer wieder zu tun bzw.(endgültig) mit etwas aufzuhören.
- 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
- Wörtlich: „damit ihr nicht unter das Gericht fallt“
13 Erleidet einer von (unter) euch ein Unglück, soll er beten1; ist einer guten Mutes, soll er Loblieder singen2;3
Original Greek
- 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
- 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
- Die drei Bedingungssätze in diesem und dem folgenden Vers können auch als direkte Fragen verstanden werden. Meine Übesetzung folgt der Zeichensetzung im NA27.
14 Ist einer von (unter) euch krank (schwach)1, soll er die Ältesten der Gemeinde herbeirufen2 und sie sollen über ihn (für ihn) beten3 [und] ihn [mit] Öl4 im Namen des Herrn salben5.
Original Greek
- Die Definition des Wortes wäre wohl „durch Krankheit geschwächt“ (Cf. B/A)
- 3. Sg. Imp. Präs.; s. o.
- 3. Pl. Imp. Aor. Med.
- Instrumentaler Dativ.
- Adv. Ptz. Aor., das vorzeitig oder gleichzeitig übersetzt werden kann; hier modal interpretiert und mit „und + Verb“ übersetzt. Oder „indem sie ihn ... salben“. Alternativ temporal: „nachdem sie ihn … gesalbt haben“, „während sie ihn … salben“.
15 Und das Gebet [im]1 Glauben wird den Kranken (Ermüdeten) retten und der Herr ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat2, wird ihm vergeben werden.3
Original Greek
- Wörtlich: „des Glaubens“; Gen. pertinentiae (Das Gebet geschieht im Glauben.; NSS).
- Wörtlich: „wenn er ein Sünden begangen habender ist“ (Ptz. Pf.); periphrastisch (umschreibend; NSS).
- Prospektiver Konditionalsatz (Eventualis). Der Vers sieht Krankheit also nicht im Zusammenhang mit Sünde.
16 Also bekennt einander [eure] Sünden und betet für einander, dass (damit) ihr geheilt werdet. [Das] wirksame1 Gebet (Bitte) eines Gerechten vermag viel.
Original Greek
- Ptz. Med., hier attributiv aufgelöst (B/A, NSS, REB, EÜ, NGÜ). Oder: „das wirksame Gebet...“, „das Gebet …, das wirksam ist“. Adverbial konditional: „wenn es ernstlich ist“ (LUT, Menge, SLT). NSS deutet kausal-begründend: „da es [ja] wirksam ist“. Blomberg deutet temporal/konditional (dann als Ermunterung für die Leser) und übersetzt „wenn es ausgeführt wird“. Hierzu müssten noch Stimmen weiterer Kommentare ergänzt werden.
17 Elija war ein Mensch von gleicher Art [wie] wir, und er betete inständig1, dass es nicht regnen würde2, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde (auf die Erde);
Original Greek
- Wörtlich: „er betete [dem] Gebet“; dies ist ein Dat. modi, also „er betete mit einem Gebet“ (Semitismus). Übersetzung nach Blomberg, NSS.
- Hier offenbar eine „Nachbildung des hebr. infinitivus absolutus“ (NSS).
18 und er betete wieder, und der Himmel ließ es regnen1 und die Erde brachte ihre Frucht hervor.
Original Greek
- Wörtlich: „gab Regen“
19 Meine Geschwister, wenn einer von (unter) euch von der Wahrheit abirrt (in die Irre geht) und jemand ihn [wieder] auf den rechten Weg bringt,
Original Greek
20 soll er wissen1, dass derjenige, der einen Sünder von seinem Irrweg2 auf den rechten Weg zurückgeführt hat,3 seine Seele (Leben) vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken wird.4
Original Greek
- 3. Sg. Imp.
- Wörtlich: „von [der] Verirrung/vom Irrtum seines Weges“
- Auflösung eines subst. Ptz.
- Vv. 19-20: Gewöhnlicher, prospektiver Konditionalsatz.