Chapter 3
1 1 Nicht viele [von euch sollen] Lehrer werden,2 meine Geschwister, denn ihr wisst,3 dass wir [Lehrer] ein strengeres Urteil empfangen werden.
Original Greek
- [Status: Zuverlässig]
- In der deutschen Übersetzung ist es schwierig, die beiden Teile des Imperativs, „nicht viele [von euch]“ („[von euch]“ impliziert durch die Form des Verbs) und „werdet Lehrer“ zusammenzubringen. Die eheste wörtliche Entsprechung wäre „Nicht viele [von euch] werdet Lehrer[!]“. Als die nächstliegende Auflösung erschien die Umwandlung in einen indirekten Befehl.
- Kausal aufgelöstes attributives Ptz. Hier bieten sich wohl keine alternativen Sinnrichtungen zur Auflösung an.
2 Denn wir alle straucheln (stoßen an)1 vielfach (in vieler Hinsicht). Wenn jemand beim Reden2 nicht strauchelt, [ist] er ein vollendeter (reifer, erwachsener) Mensch (Mann)3, fähig, auch den ganzen Körper zu zügeln (in Zaum zu halten).4
Original Greek
- Im geistlichen Sinn auch als „fehlen“, „sündigen“. Vorgeschlagene Bedeutung hier: „wir alle begehen viele Sünden“ (B/A, NSS).
- Wörtlich: „im Wort“
- Generisches Maskulinum.
- Indefiniter Konditionalsatz.
3 {aber} Wenn wir den Pferden1 {das} Zaumzeug (Zügel) ins Maul2 legen, damit sie uns gehorchen,3 dann4 lenken wir ihren ganzen Körper.5
Original Greek
- Ursprünglich ein Genitiv.
- Ursprünglich im Plural.
- Auflösung eines „εἰς τὸ“ + Inf.
- Konsekutives καί.
- Indefiniter Konditionalsatz.
4 Seht (Siehe) auch die Schiffe: Obwohl sie so groß sind und von rauen Winden getrieben werden,1 werden sie von einem winzigen2 Steuerruder gelenkt, wohin die Absicht (Drang, Eifer, Trachten)3 des Steuermanns wünscht.
Original Greek
- Im Urtext zwei Ptc. coni., hier konzessiv aufgelöst.
- Wörtlich „von [dem] kleinsten“. Muss hier elativisch verstanden werden: „sehr klein“, „winzig“
- Eine gute kommunikative Übersetzung könnte „Belieben“ sein.
5 So ist auch die Zunge ein kleines Glied und prahlt [doch mit] großen [Dingen]. Seht (Siehe), welch kleines Feuer welch großen Wald (Holz) anzündet!
Original Greek
6 Auch die Zunge [ist] ein Feuer: [Als] die Welt des Unrechts1 steht2 die Zunge unter unseren Gliedern da;3 sie, die den ganzen Körper beschmutzt und das Rad4 des Werdens5 in Brand setzt,6 wird [selbst] von der Hölle7 in Brand gesetzt.8
Original Greek
- Gen. qualitatis. Kommunikativ kann „Welt voller Unrecht“, „von Unrecht beherrschte Welt“, etc. übersetzt werden.
- Wörtlich „sich hinstellen“ (cf. 4,4). Die Form kann sowohl medial (Blomberg/Kamell), als auch passivisch (Mußner, Johnson, NSS) sein. Die mediale Deutung betont die Rolle der Zunge, die passivische diejenige Gottes oder ähnlicher Größen. Weil letztere Lösung aber Fragen offen ließe, entscheidet sich Blomberg für eine mediale Deutung. Johnson präferiert im Blick auf 4:4 die passivische Lösung. Meine Übersetzung (nach einem Vorschlag im NSS) lässt das Problem ein Stück weit offen, weil sie sich auf das Ergebnis konzentriert („dastehen“ kann das Resultat des Hinstellens oder des sich Hinstellens sein). Alternativ zu „dastehen“ kann auch übersetzt werden: „sich erweisen als“ (NSS), „sich darstellen“ (Dibelius), „sich machen/ernennen zu“ (Blomberg/Kamell, Johnson, B/A). Der überlieferte Text ist an dieser Stelle vermutlich fehlerhaft (Dibelius, B/A).
- Oder „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt des Unrechts unter unsere Glieder gesetzt.“ (Mußner, Martin (zitiert bei Blomberg/Kamell).) Dazu wäre alternative Zeichensetzung vonnöten: Statt dem Semikolon (hochgesetzter Punkt) wie im NTG wäre dann hinter „πῦρ“ ein Komma zu setzen. Dadurch könnte der zweite Satz des Verses als Apposition verstanden werden: „Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt des Unrechts unter unsere Glieder gesetzt.“ Diese Variante sei u.a. von der TNIV und in früheren Edition des UBS-Testaments gewählt worden (Blomberg/Kamell).
- Je nach Akzentsetzung entweder „Rad“ oder „Bahn/Kurs“; bezeichnet allgemein etwas Rundes (Johnson; dort auf Englisch „course“; von mir entsprechend übersetzt).
- NSS: „Rad des Werdens/Daseins, hier wohl sprichwörtl. für Umkreis des Lebens (Mußner, Jak, S. 164f), Lebenslauf“. Aus „dem Sprachgebrauch der orphischen Mysterien“ (B/A) (cf. Dibelius, Kittel) → „Rad des Werdens“, „Lebenslauf“; klares Zeugnis für griechischen Einfluss (Johnson). Blomberg merkt an, dass der Begriff zur Abfassungszeit wohl schon abgegriffen war und hier nicht zu technisch gesehen werden sollte (seine Übersetzung: „Lauf des Daseins/der Existenz“). Menge: „das (rollende) Rad des Seins (d.h. den ganzen Lauf des Lebens = die ganze Lebensbahn)“, LUT „die ganze Welt“, ELB „Lauf des Daseins“, SLT „Umkreis des Lebens“, NGÜ „die ganze menschliche Existenz“, GNB „unser Leben von der Geburt bis zum Tod“.
- Auflösung zweier attributiver Partizipien als Relativsatz.
- Oder „Gehenna“. Hier werden die sehr semitischen Wurzeln des Schreibens offensichtlich.
- Das dritte attr. Ptz. Präs., hier im Pass., scheint semantisch von den übrigen getrennt zu sein. Alternativ: „sie beschmutzt ... und ... setzt ... in Brand und wird...“. Wörtlich: „die ... beschmutzende ... und ... in Brand setzende ... und ... in Brand gesetzt werdende.“
7 Jede1 Art [der] Säugetiere2 wie auch [der] Vögel, [der] Kriechtiere wie auch [der] Meerestiere wird gezähmt und ist [durch] die menschliche Art (Natur)3 gezähmt worden4,
Original Greek
- Dieses unbestimmte „πασα“ kann auch allgemeiner als „alle möglichen...“ übersetzt werden.
- Eigentlich nur „Tiere“; im Kontrast zu den anderen Tierarten im Kontext muss hier jedoch genauer übersetzt werden. Möglich: „Vierfüßler“ (B/A), „Säugetiere“, „Landtiere“, „vierfüßige Tiere“ (NSS).
- Dat. auctoris.
- Hier steht im Urtext ein Pf., das „worden“ tritt also hinter das Resultat des „ist“ zurück.
8 aber die Zunge vermag kein Mensch1 zu bändigen, [das]2 ruhelose (unruhige3, unkontrollierte4, wankelmütige5) Übel, voller tödlichen (todbringenden) Gifts.
Original Greek
- Gen. partitivus. Wörtlich: „keiner/niemand [der] Menschen“
- Alternativ: „[sie ist] ein“
- B/A
- Blomberg/Kamell
- Cf. 1,8
9 Mit ihr1 loben (reden wir gut von) wir den Herrn und Vater, und mit ihr verfluchen die Menschen, die nach der Ähnlichkeit (Gleichheit, Übereinstimmung. Klassisch: Bild, Ebenbild) Gottes erschaffen sind2:3
Original Greek
- Instrumental (NSS). Wörtlich: „Durch sie“. Analog später im Vers.
- Attr. Ptz. Pf. Pass. Das griechische Pf. wurde hier, wie es seiner Bedeutung am ehesten entspricht, als Zustandsperfekt übersetzt.
- Frei zitiert nach 1 Mose 1,26f.
10 aus demselben Mund kommt Segen und Fluch. Es darf nicht sein, meine Geschwister, [dass]1 dies so geschieht!
Original Greek
- Auflösung eines AcI.
11 Lässt etwa die Quelle aus derselben Öffnung süßes und bitteres [Wasser]1 quellen?
Original Greek
- Wörtlich: „das Süße und das Bittere“
12 Meine Geschwister, kann etwa ein Feigenbaum Oliven hervorbringen, oder ein Weinstock Feigen? Auch eine salzige [Quelle]1 [kann] kein Süßwasser2 hervorbringen.
Original Greek
- Wörtlich: „das Salzige“
- Wörtlich: „süßes Wasser“
13 Wer [ist] weise und kundig (verständig, gebildet)1 unter euch? Er soll durch2 {die} gute Lebensführung seine Werke in (durch) Bescheidenheit (Demut, Sanftmut)3 [aus] Weisheit4 erweisen (muss erweisen5)6!
Original Greek
- Die Bedeutung des Wortes ist die von anwendbarer Kundigkeit (Blomberg/Kamell). Kommunikativ vielleicht „erfahren“.
- Wörtlich: „aus“
- ie eigentliche Bedeutung ist wohl die eines „sanften Charakters“ im Gegensatz einem aufbrausenden Charakter (cf. Louw/Nida).
- Wörtlich „Bescheidenheit [der] Weisheit“; Gen. pertinentiae, also „Bescheidenheit, die von Weisheit kommt“.
- Blomberg/Kamell.
- Da der deutsche Imperativ in der 3. Person nicht vorkommt, muss mit „soll“ oder „muss“ umschrieben werden.
14 Aber wenn ihr bittere Eifersucht und Selbstsucht in eurem Herzen habt, rühmt euch nicht1 und lügt [nicht] wider die Wahrheit!2
Original Greek
- Dies ist ein Imperativ Präsens. Im Gegensatz zum unmarkierten Imp. Aor. kann dieser auch die Bedeutung „hört auf, … zu tun“ haben. Blomberg merkt hier an, dass diese Bedeutungsnuance nicht unbedingt vorkommen muss.
- Indefiniter Konditionalsatz.
15 Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt1, sondern [ist] irdisch, weltlich, natürlich2 [und] dämonisch.
Original Greek
- Attributive Auflösung. Wörtlich „ist … herabkommend“. Alternativ periphrastisch: „Diese Weisheit kommt nicht von oben herab...“
- So Dibelius u.a.; bei ihm Herleitung aus Parallelen zur gnostischen Frömmigkeit. Wörtlich „seelisch“. Im NT wird der Begriff aber nur für das Diesseitige im Gegensatz zum Geistlichen verwendet (B/A, Dibelius, Johnson). Oder „irdisch gesinnt“ (NSS), „sinnlich“ (Menge, ELB; aber missverständlich, da es hier eben nur um den Kontrast zum Geistlichen geht), „niedrig“ (LUT), „eigennützig“ (EU). Kommunikativ vielleicht „weltlich/diesseitig ausgerichtet“.
16 Denn wo [immer es] Eifersucht und Selbstsucht [gibt], dort [gibt es] Unordnung (Unruhe) und jede [Art von]1 gemeinem (niederem, schlimmem)2 Tun (Sache, Tat; Rechtsstreit3).
Original Greek
- Nach der Bedeutung dieses unbestimmten „πάν“ eingefügt (Johnson).
- Der Begriff drückt Niedrigkeit, Gemeinheit, Gewöhnlichkeit in einem sehr negativen Sinn aus (Johnson).
- Johnson
17 Doch die Weisheit, [die] von oben [kommt], ist {zwar} zuerst rein, dann friedfertig, gütig (nachgiebig, milde), folgsam (belehrbar, gehorsam1), voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch [und] ohne Heuchelei.
Original Greek
- LUT u.a. (SLT, NGÜ): „lässt sich etwas sagen“
18 Und (aber)1 [die] Ernte2 [der] Gerechtigkeit3 wird in Frieden gesät für4 jene, die Frieden stiften5.
Original Greek
- Hier als koordinierender Textkonnektor (Blomberg/Kamell). Alternativ adversativ. Könnte auch einen leichten Kontrast als Aufruf zum Handeln darstellen (Johnson).
- So Blomberg/Kamell. Wörtlich „Frucht“.
- Wohl ein Gen. subiectivus: die Frucht ist Gerechtigkeit.
- Hier als Dat. commodi verstanden (Dibelius, Johnson, Blomberg/Kamell). Alternativ als Dat. auctoris: „von jenen, die...“. Dann käme aber der Frieden doppelt vor (Dibelius).
- Attributives/substantiviertes Ptz.