Chapter 2
1 1 Meine Geschwister (Brüder, Brüder [und Schwestern]), habt den Glauben [an] unseren Herrn2 der Herrlichkeit3, Jesus Christus, nicht in Parteilichkeit!
Original Greek
- [Status: Zuverlässig]
- Wörtlich: „Glauben unseres Herrn“. Gen. subi.
- Im Urtext: „unseren Herrn Jesus Christus der Herrlichkeit“. Es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten: 1. als Gen. qualitatis: „unseren herrlichen Herrn Jesus Christus“ (Dibelius, Johnson). In manchen Übersetzungen zu finden. 2. Grammatikalisch möglich, wenn auch im Rest der Bibel nicht anzutreffen wäre die Deutung als Apposition – der „Herr Jesus Christus“ würde also als „Herrlichkeit“ bezeichnet. Blomberg/Kamell ziehen diese Übersetzung vor. 3. als Gen. obiectivus; dann Glauben an die „Herrlichkeit des Herrn...“. 4. Als Titel Jesu, dann „Herrn Jesus Christus der Herrlichkeit“ (Bauckham). 5. Als attributiver Genitiv, wie hier gewählt (Mußner). Das erscheint am natürlichsten, außerdem haben sich die Übersetzer aller wichtigen deutschen Bibelübersetzungen für diese Variante entschieden. Nur Menge differenziert: „unsern Herrn Jesus Christus, (den Herrn) der Herrlichkeit“. Die nächstbeste Lösung ist wohl Option 1.
2 Denn wenn in eure Synagoge1 ein Mann mit goldenen Ringen an den Fingern2 in prächtiger3 Kleidung kommt, {es kommt} aber auch ein Armer in schmutziger Kleidung,
Original Greek
- Oder neutraler „Versammlung“, dann wohl als christlicher Gottesdienst (cf. Dibelius, Mußner, Johnson, Blomberg/Kamell). Blomberg sieht hier eine christliche Gerichtsszene. So werde in Vv. 1-4 Gerichtssprache verwendet. Weiter verwende der Autor συναγωγή und nicht ἐκκλησία (wie in 5,14) – das wäre der einzige Fall im NT, wo das Wort einen christlichen Gottesdienst meint. Auch könne der Autor auf 3. Mose 19,15 angespielt haben, was wieder auf eine Gerichtssituation hinweisen könnte. Und in V. 6 wird erwähnt, wie die Reichen die Armen verklagen. Andererseits könne der Gebrauch von συναγωγή auf den jüdischen Kontext oder ein frühes Entstehungsdatum des Briefs hinweisen, und die Szene wäre sehr leicht auch in einem Gottesdienst vorstellbar (Blomberg/Kamell). Dibelius wendet aber ein, dass es nicht als Beleg für einen jüdischen Hintergrund herhalten kann.
- Auf Griechisch ein einziges Adjektiv, „goldfingrig“.
- Wörtlich: „strahlender“, „glänzender“
3 und (doch) ihr kümmert euch um denjenigen, der die prächtige Kleidung trägt1, und sagt: Setze du dich hier auf den guten Platz2!, doch (und) zu dem Armen sagt ihr: Stelle du dich [dorthin] oder setze dich da3 unten [auf] meinen Fußschemel!,
Original Greek
- Subst. Ptz.
- Wörtlich: „hierher [auf diesen] gut[en Platz]“
- Variante im Urtext: ἐκεῖ („da“) steht in manchen Handschriften hinter κάθου („setze dich“). Übersetzung dann: „Du stehe oder setze dich dort...“ (gefunden im NSS; sollte noch belegt werden).
4 habt ihr da nicht in eurem Inneren (in eurem Herzen; untereinander)1 unterschieden2 und seid Richter [mit] böser Gesinnung3 geworden?4
Original Greek
- Wörtlich „in euch selbst“ oder „untereinander“. Die meisten Übersetzungen entscheiden sich für die reziproke Deutung. So etwa Menge: „seid ihr da nicht in Zwiespalt (oder: Widerspruch) mit euch selbst geraten“. HfA: „Habt ihr da nicht mit zweierlei Maß gemessen.“
- Dasselbe Wort wird weiter oben für „zweifeln, Bedenken haben“ verwendet, kommt hier aber in seiner Grundbedeutung vor.
- Wörtlich „Richter schlechter Gedanken“. Kann auch als „eine schlechte Entscheidungen fällen“ interpretiert und frei übersetzt werden (NSS). Die „Gesinnung“ kann sowohl für „leise“ wie „laute“ Gedanken stehen (Blomberg/Kamell).
- Vv. 2-4 sind ein gewöhnlicher, prospektiver Konditionalsatz.
5 Hört, meine geliebten Geschwister (Brüder, Brüder [und Schwestern]): Hat (Erwählt nicht) Gott sich nicht die [in den Augen] der Welt1 Armen [dazu] erwählt2, [um] Reiche im (durch den) Glauben und Erben des Reiches [zu sein]3, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?
Original Greek
- „[in den Augen] der Welt“: Hier als „ethischer Dativ“ (Blomberg/Kamell) interpretiert, was das Augenmerk nicht auf ihre materielle Armut, sondern ihre niedrige Stellung lenkt. Möglich wäre auch die Deutung als lokaler („die Armen, die in der Welt sind“) oder „Dativ der Hinsicht“ („die Armen in Hinsicht auf weltliche Güter“).
- Der Aorist könnte gnomisch sein. Dann: „Erwählt Gott nicht...?“ (Blomberg/Kamell).
- Alternativ: „als Reiche...“. LUT bezieht „erwählt“ auch auf die „Reichen“ und „Erben“.
6 Doch ihr habt den Armen verachtet (verächtlich behandelt). Unterdrücken (Behandeln ... gewalttätig) euch nicht die Reichen, und schleppen [nicht]1 sie euch vor Gericht?
Original Greek
- Das οὐχ am Satzanfang bezieht sich auch auf dieses Verb.
7 Lästern nicht [gerade] sie den guten Namen, der über euch ausgerufen wurde?
Original Greek
8 Wenn ihr wirklich [das] königliche Gesetz gemäß der Schrift erfüllt, „Liebe1 deinen Mitmenschen (Nächsten) wie dich selbst!“,2 [dann] handelt ihr gut (richtig)3.4
Original Greek
- Eigentlich ein Futur; drückt ein besonders starkes Gebot aus.
- Levitikus 19,18
- Das Adverb καλῶς bezeichnet hier das moralisch Richtige. In V. 3 bezeichnet es dagegen einen angemessenen, bequemen Sitzplatz...
- Indefiniter Konditionalsatz.
9 Wenn ihr aber bestimmte Menschen bevorzugt („parteiisch handelt/urteilt“, „die Person anseht“1), begeht ihr Sünde, indem ihr vom Gesetz als Übertreter2 überführt werdet3.4
Original Greek
- so NSS
- So wörtlich. Lt. B/A hier auch „Sünder“.
- Modale Auflösung des Ptc. coni. Möglicherweise auch kausal („weil … ihr überführt werdet“) bzw. einfach mit „und“
- Indefiniter Konditionalsatz.
10 Denn wer das ganze Gesetz einhält (bewahrt), aber in einem [einzigen Punkt (Gebot)] strauchelt1, ist [dadurch an] allen [Geboten] schuldig geworden2.
Original Greek
- Bedeutung: „auch nur gegen ein Gebot verstößt“
- Hier steht im Urtext ein Pf., das das Resultat einer Handlung betont; daher die Einfügung „[dadurch]“.Es ist unklar, ob mit „in Einem“ – „in Allen“ einzelne Gebote oder ähnliche Bereiche gemeint sind.
11 Denn derjenige, der sagte: „Brich die Ehe nicht!“, der sagte auch: „Morde nicht!“12 Wenn du aber [jetzt zwar] keinen (nicht) Ehebruch begehst, aber mordest, bist du [dadurch] ein Gesetzesbrecher geworden3.4
Original Greek
- Exodus 20,13
- Aus 2. Mose 20,14.13. Beide Gebote stehen hier im prohibitiver Konjunktiv, während sie in der LXX – analog zum Hebräischen – im verneinten Futur stehen, was eine ähnlich starke Verneinung ist. Hier also etwas sinngemäßer wiedergegeben.
- Hier steht im Urtext ein Pf., das das Resultat einer Handlung betont; daher die Einfügung „[dadurch]“.
- Indefiniter Konditionalsatz.
12 Sprecht {so} und handelt {so} wie [Menschen] (als [solche]), die einmal nach1 dem Gesetz der Freiheit gerichtet (werden wollen)2.
Original Greek
- Wörtlich „durch“. Alternativ „anhand“, „auf Grundlage“.
- Attr. Ptz.
13 Denn das Gericht [ist] („[soll … sein]“, „[wird … sein]“) unbarmherzig [gegenüber] demjenigen, der keine Barmherzigkeit geübt hat – [die] Barmherzigkeit triumphiert über [das] Gericht.
Original Greek
14 Was nützt es,1 meine Geschwister, wenn jemand Glauben zu haben behauptet, aber keine Werke hat?2 Vermag der Glaube etwa, ihn zu retten?
Original Greek
- Wörtlich: „Was [ist] der Nutzen“.
- Prospektiver Konditionalsatz.
15 Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt (dürftig gekleidet) sind und ihnen die tägliche Nahrung fehlt,
Original Greek
16 aber einer von euch zu ihnen sagt: „Geht hin in Frieden1, wärmt euch und esst euch satt!“, aber ihr gebt ihnen nicht, was für den Leib erforderlich ist2, was nützt das3?4
Original Greek
- Griechischer Abschiedsgruß. Lt. B/A entspricht das etwa dem Dt. »Bleiben Sie gesund!«. Alternativ sicher auch »Leb wohl!« o. ä.
- Vulgo: „was sie zum Leben brauchen“, „das Lebensnotwendige“
- Wörtlich: „Was [ist] der Nutzen“ (cf. 14).
- Vv. 15-16: Wieder ein prospektiver Konditionalsatz.
17 So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke [zur Folge] hat, für sich allein tot.1
Original Greek
- Prospektiver Konditionalsatz.
18 Aber jemand wird sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke – zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken meinen Glauben zeigen.1
Original Greek
- Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie weit die direkte Rede reicht. Davon ist die Bedeutung der Stelle abhängig. Blomberg zählt verschiedene Möglichkeiten auf: 1. Lässt Jakobus hier einen fiktiven Gegner zu Wort kommen? 2. Wie weit verläuft seine Rede? 3. Kommt dazu noch ein fiktiver Verbündeter? 4. Oder handelt es sich um einen fiktiven, etwas langsamen Zuhörer, der weiterer Erklärung bedarf? (So bei Bauckham; von Blomberg unberücksichtigt.) 5. Denkbar wäre auch, „Du hast Glauben?“ als Frage zu formulieren; alles weitere wäre dann die Antwort des Autors. Blomberg entscheidet sich dafür, dass der Autor indirekte Rede verwendete – das „ich“ beziehe sich also auf ihn, das „du“ auf sein Gegenüber (Blomberg/Kamell).
19 Du glaubst, dass es [nur] einen Gott gibt1 – Du hast recht!2 Auch die Dämonen glauben [das] und zittern (schaudern)!
Original Greek
- Wörtlich „dass nur [einer] Gott ist?“. Alternativ als Frage: „Glaubst du, dass es nur einen Gott gibt?“
- Wörtlich: „Du handelst gut/richtig!“
20 Willst du [wohl] einsehen1, o törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?
Original Greek
- Oder in Form einer echten Frage: „Willst du wissen/einsehen...“ (so bei Blomberg/Kamell).
21 Wurde nicht Abraham, unser Vater, aufgrund [seiner] Werke für gerecht erklärt (freigesprochen1), als er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar [als Opfer] darbrachte2?
Original Greek
- Von B/A präferiert.
- Hier temporale Auflösung des attributiven Ptz. Alternativ modal „indem er … darbrachte“, möglicherweise auch kausal „weil/da“. Neben der gleichzeitigen Übersetzung kann das Ptz. Aor. auch vorzeitig übersetzt werden.
22 Du siehst, dass der Glaube mit seinen1 Werken zusammenwirkte2 und durch die3 Werke der Glaube zur Vollendung gelangte,
Original Greek
- I.e. Abrahams.
- Imperfekt; mit durativer/iterativer Bedeutung; hier vielleicht als schrittweise Prozess zu deuten.
- Oder dem Kontext nach „[seine]“.
23 und die Schrift wurde erfüllt, die besagt1: „Abraham {aber} glaubte Gott, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“2, und er wurde „Freund Gottes“ genannt.
Original Greek
- Attr. Ptz.
- Genesis 15,6; Galater 3,6; Römer 4,3; Römer 4,22
24 Ihr seht, dass [der] Mensch aufgrund seiner Werke für gerecht erklärt (freigesprochen1) wird und nicht aufgrund [des] Glaubens allein.
Original Greek
- So B/A.
25 Wurde {aber} nicht genauso auch die Prostituierte Rahab aufgrund von Werken für gerecht erklärt (freigesprochen1), als sie die Boten gastlich aufnahm und [auf] einem anderen Weg2 hinausführte?3
Original Greek
- So B/A.
- Dat. modi.
- Hier temporale Auflösung zweier Ptc. coni. Alternativ auch modal: „indem“ oder kausal: „weil“
26 Denn genau wie der Körper ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
Original Greek