reltext

Chapter 13

1 1 Wenn ich (einer)2 in den Sprachen der Menschen3 spräche (spreche)4 oder (und [selbst]) [in der] der Engel5, aber keine Liebe hätte (habe, nicht liebte6), dann wäre (bin) ich (er) ein schallender Gong (Kupfer)7 oder eine klingende (lärmende)8 Zimbel9 {geworden}10.

Original Greek

ἘὰνEanIfG1437COND
ταῖςtaisin theG3588T-DPF
γλώσσαιςglōssaistonguesG1100N-DPF
τῶνtōn<the>G3588T-GPM
ἀνθρώπωνanthrōpōnof menG0444N-GPM
λαλῶlalōI shall speakG2980V-PAS-1S
καὶkaiandG2532CONJ
τῶνtōn<the>G3588T-GPM
ἀγγέλων,angelōnof angels,G0032GN-GPM
ἀγάπηνagapēnloveG0026N-ASF
δὲdehoweverG1161CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
ἔχω,echōmay have,G2192V-PAS-1S
γέγοναgegonaI have becomeG1096V-2RAI-1S
χαλκὸςchalkosa brassG5475N-NSM
ἠχῶνēchōnsoundingG2278V-PAP-NSM
ἢēorG2228CONJ
κύμβαλονkumbalona cymbalG2950N-NSN
ἀλαλάζον.alalazonclanging.G0214V-PAP-NSN
  1. [Status: Ungeprüft]
  2. Im Griechischen lässt sich eine Rede auch in der 1. Person Singular formulieren, wenn man damit generelle Aussagen aus der Perspektive einer exemplarischen 3. Person zu machen will (vgl. z.B. Pappas 2013, S. 81; Wallace, S. 391f - wie man das ja z.B. auch aus der dt. Umgangssprache kennt: „Wenn ich jetzt hergehe und behaupte, das sei eine generelle Aussage, muss ich dafür auch Argumente bringen.“ = „Wenn man behauptet, das sei...“). Die ersten drei Verse könnten also auch nicht aus der Perspektive speziell von Paulus, sondern aus der einer nicht näher bestimmten exemplarischen Person gesprochen sein (so z.B. auch Fitzmyer 2008, S. 492; Lang 1994, S. 182): „Gesetzt, es gäbe einen, der die Sprachen der Menschen spräche und die der Engel...“ usw. Das ist hier gar nicht unwahrscheinlich (s. 1 Kor 12,31: Kap. 13 ist ein allgemeines Lehrstück), allerdings könnte V. 11 nahelegen, dass Paulus das ganze Lehrstück an seinem Beispiel entwickelt (so z.B. Collins 1999b, S. 472 - vielleicht aber auch nicht, s. FN w); in der LF sollte man daher zumindest vorerst wohl eher beim „ich“ bleiben.
  3. in den Sprachen der Menschen spräche - Der Ausdruck „die Sprachen (Plural!) der Menschen“ steht wohl nicht für bloße Eloquenz (so z.B. B/N, KAR), sondern für die Gabe der „Xenoglossie“, wie sie z.B. in Apg 2,4 beschrieben wird - also die Gabe, in fremden Sprachen sprechen zu können, ohne diese gelernt zu haben. Gemeint ist also: „Wenn ich die Gabe hätte, in allen Sprachen der Erde sprechen zu können“.
  4. spräche (spreche) - Wenn es richtig ist, dass Paulus hier sein Lehrstück an seinem Beispiel vorführt (s. FN a), könnte man überlegen, die Verben in den drei Bedingungen je nicht als Irrealis („spräche [- was nicht so ist]“), sondern als reale Bedingung („spreche [- wie das gelegentlich der Fall ist]“) zu lesen (so zumindest im ersten Vers einige; z.B. Grosvenor/Zerwick): Paulus gibt selbst an, nicht nur prinzipiell ebenfalls über die Gabe der Zungenrede zu verfügen, sondern sogar noch viel ausgeprägter als die Korinther (s. 1 Kor 14,18), und in seiner Wundermacht steht er den Aposteln in nichts nach (s. 2 Kor 12,12). Aber spätestens V. 3 zeigt deutlich, dass hier von rein hypothetischen Bedingungen auszugehen ist. Übersetze daher jeweils im Irrealis: „spräche“ statt „spreche“ etc.
  5. [in der] der Engel soll die Rede von der Gabe der Xenoglossie entweder noch einmal steigern - also etwa „Wenn ich die Gabe hätte, in allen Sprachen der Erde sprechen zu können - ja, selbst in der der Engel...“ (so z.B. Fitzmyer 2008, S. 491f; s. z.B. GN, HfA, KAM), oder es ist hier die Gabe der „Glossolalie“ gemeint, von der auch 1 Kor 12 und 1 Kor 14 sprechen. Als „Glossolalie“ bezeichnet man die Gabe, in Ekstase unzusammenhängende Silben von sich zu geben, die als von Gott eingegebenes Sprechen angesehen wurden (zum Phänomen vgl. z.B. Hempelmann 2010). In diesem Falle würde Paulus also nacheinander die beiden verschiedenen mit Sprache zusammenhängenden Gnadengaben Xenoglossie und Glossolalie nennen (so z.B. Fee 1987, S. 630). Letzteres ist wahrscheinlicher, weil eben von Glossolalie direkt zuvor die Rede war und im folgenden Kapitel zum Hauptthema werden wird.
  6. keine Liebe hätte (nicht liebte) + Prophetie hätte (prophezeite) + Glauben hätte (glaubte) - Die Ausdrücke „Liebe/Prophetie/Glauben haben“ sind wohl nicht nur gehobene Ausdrücke für „lieben/prophezeien/glauben“ (so z.B. Fee 1987, S. 631; auch B/N: „wenn ich nicht liebte“), sondern sollen zum Ausdruck bringen, dass die Liebe, Prophetie und Glaube zu den Gnadengaben gehören, von denen in 1 Kor 12; 14 die Rede ist (Conzelmann 1981, S. 270: „Sie [=die Liebe] ist eine Grund-Eigenschaft [...]: Man »hat« sie [...].“). V. 1 etwa meint also: „Gesetzt, ich hätte die Gabe der Xenoglossie oder die der Glossolalie, nicht aber die Gabe der Liebe...“.
  7. Gong (Kupfer) - W. „schallendes Kupfer“, gemeint ist ein Lärm- oder Musikinstrument: ein „Becken aus Erz“ (EWNT III, S. 1086). „Gong“ gut nach BB, GN, NGÜ, NL u.a. Das Verb für „schallen“ ist nicht negativ konnotiert, wie einige Üss. das nahelegen könnten (z.B. BigS, NeÜ: „ein schepperndes Blech“) - im Griechischen können etwa auch Hymnen, Loblieder oder Zimbeln „erschallen“. Gemeint ist also nicht: „Wenn ich lieblos rede, klinge ich hässlich“, sondern „Wenn ich lieblos rede, bin ich nicht mehr als ein Musikinstrument [das aber durchaus schön klingen kann]“ = „Dann gebe ich nur leeres Gebrabbel und Gebabbel von mir.“
  8. klingende (lärmende) - auch das Wort für „klingen“ ist nicht negativ konnotiert (so die meisten Üss: „lärmend“); die „klingende Zimbel“ stammt aus Ps 150,5 LXX, wo es sogar im Parallelismus zur „schön schallenden (NETS: melodischen) Zimbel“ steht. Konnotiert ist aber stets die Lautheit des Klingens. Paulus hat hier im Griechischen ein kleines Wortspiel eingebaut: Wenn er selbst in den Sprachen der Menschen und der Engel lalo („spräche“), wäre er nicht mehr als eine alalazon („klingende“) Zimbel; und dies alalazon klingt ähnlich wie alalon („nicht sprechend, sprachlos“) - was die Inhaltslosigkeit der Laute von Gong und Handbecken noch unterstreicht.
  9. Zimbel - metallene Handbecken, s. Wikipedia/Zimbel.
  10. {geworden} - nicht: „wäre geworden“: das Perfekt markiert hier keinen Tempus, sd. markiert den Satz als hypothetisch (vgl. BDR §344).

2 Und wenn ich (einer) Prophetie hätte (habe, prophezeite) und alle Geheimnisse und jede Erkenntnis (Wissen)1 wüsste (weiß), und wenn ich (einer) allen (genügend) Glauben hätte (habe, glaubte), um Berge zu versetzen, aber keine Liebe hätte (habe, liebte), dann wäre (bin) ich (er) nichts.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
ἔχωechōI shall haveG2192V-PAS-1S
προφητείανprophēteianprophecyG4394N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
εἰδῶeidōunderstandG6063V-RAS-1S
τὰtatheG3588T-APN
μυστήριαmustēriamysteriesG3466N-APN
πάνταpantaallG3956A-APN
καὶkaiandG2532CONJ
πᾶσανpasanallG3956A-ASF
τὴνtēntheG3588T-ASF
γνῶσιν,gnōsinknowledge,G1108N-ASF
καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
ἔχωechōI shall haveG2192V-PAS-1S
πᾶσανpasanallG3956A-ASF
τὴνtēntheG3588T-ASF
πίστινpistinfaithG4102GN-ASF
ὥστεhōsteso asG5620CONJ
ὄρηorēmountainsG3735N-APN
μεθιστάναι,methistanaito remove,G3179V-PAN
ἀγάπηνagapēnloveG0026N-ASF
δὲdehoweverG1161CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
ἔχω,echōmay have,G2192V-PAS-1S
οὐθένouthenno [thing]G3762A-NSN
εἰμι.eimiI am.G1510V-PAI-1S
  1. Erkenntnis (Wissen) ist nicht im Sinne von „(Gewinnung von) Sachwissen“ zu verstehen, sondern meint die Gabe der „Einsicht“ (s. 1 Kor 12,8), „[...] weil diese den Inhalt der Prophetie bilden. Der Prophet redet auf Grund göttlicher Offenbarung durch den Geist, der ihm Einblick in den Heilsplan Gottes gewährt und situationserhellende Weisungen für den Weg der Gemeinde schenkt.“ (Lang 1994, S. 182).

3 Und wenn ich (einer) all meine (seine) Besitztümer austeilen würde (austeilt) und wenn ich (er) meinen (seinen) Körper ausliefern würde (ausliefert), damit ich verbrannt (so dass ich gerühmt)1 würde, aber keine Liebe hätte (habe, liebte ), dann würde es mir (ihm) nichts nützen (nützt es mir nichts).

Original Greek

κἂνkanEven ifG2532CONJ + G1437
ψωμίσωpsōmisōI shall give awayG5595V-AAS-1S
πάνταpantaallG3956A-APN
τὰtatheG3588T-APN
ὑπάρχοντάhuparchontapossessionsG5225V-PAP-APN
μου,mouof mine,G3165P-1GS
καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
παραδῶparadōI shall deliver upG3860V-2AAS-1S
τὸtotheG3588T-ASN
σῶμάsōmabodyG4983N-ASN
μουmouof mineG3165P-1GS
ἵναinathatG2443CONJ
καυχήσωμαι,kauchēsōmaiI may boast,G2744V-ADS-1S
ἀγάπηνagapēnloveG0026N-ASF
δὲdehoweverG1161CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
ἔχω,echōmay have,G2192V-PAS-1S
οὐδὲνoudenno [thing]G3762A-ASN
ὠφελοῦμαι.¶ōpheloumaiI am profited.G5623V-PPI-1S
  1. Textkritik: Beide Varianten sich recht stark bezeugt und einander so ähnlich, dass sie sich auch als Abschreibefehler erklären lassen würden (kauthesomai: „damit ich verbrannt würde“ - kauchesomai: damit ich gerühmt würde). Zu Argumenten für die zweite Lesart vgl. gut Metzger 1994, S. 498; auch Fitzmyer 2008, S. 494 - aber was sollte denn der Sinn dieser Lesart sein (vgl. Fee 1987, S. 629: „the basic difficulty that anyone has ever had with [this] reading [....] is to find an adequate sense for it.“)? „Wenn ich all meine Besitztümer austeilen und meinen Körper ausliefern würde, um anzugeben...“? Der Sinn von Lesart 1 dagegen ist klar; bezeichnet würde mit „damit ich verbrannt würde“ der Feuertod des Märtyrers (s. z.B. Dan 3,19; Heb 11,34) und fügte sich so gut in den Rest des Abschnittes; so deshalb auch Collins 1999b, S. 476f; Fee 1987, S. 629; Lang 1994, S. 183. „Verbrannt werden“ ist daher wohl vorzuziehen.

4 Die Liebe ist sanftmütig (langmütig)1, mild (freundlich)2 {ist die Liebe}3; die Liebe ist nicht aggressiv (ereifert sich nicht?)4, sie ist nicht prahlsüchtig, sie ist nicht hochmütig (arrogant),

Original Greek

ἩHē<the>G3588T-NSF
ἀγάπηagapēLoveG0026N-NSF
μακροθυμεῖ,makrothumeiis patient,G3114V-PAI-3S
χρηστεύεται,chrēsteuetaiis kind,G5541V-PNI-3S
ἡhē<the>G3588T-NSF
ἀγάπηagapēloveG0026N-NSF
οὐounotG3756PRT-N
ζηλοῖ,zēloiis envious,G2206V-PAI-3S
ἡhē<the>G3588T-NSF
ἀγάπηagapēloveG0026N-NSF
οὐounotG3756PRT-N
περπερεύεται,perpereuetaiis boastful,G4068V-PNI-3S
οὐounotG3756PRT-N
φυσιοῦται,phusioutaiis puffed up,G5448V-PPI-3S
  1. sanftmütig (langmütig) - Oft auch: „geduldig“; vgl. z.B. auch Lang 1994, S. 184: „Sie gibt nicht nach dem ersten Fehlschlag auf, sondern ist geduldig und hat den langen Atem [...]“ - also wohl „beharrlich“. Die makrothumia ist in LXX und NT aber fast stets entweder eine Eigenschaft Gottes - nämlich seine „Charaktereigenschaft“, nicht gleich die verdiente Strafe über Menschen zu verhängen, sondern „nachsichtig, langmütig“ zu sein - oder eine christliche Tugend - nämlich die, aufwallendem Zorn nicht nachzugeben (EWNT II, S. 937), also die, „sanftmütig“ zu sein. Als „sanftmütig“ passt es auch besser zum folgenden „mild“ und „nicht jähzornig“, mit denen sie ohnehin häufiger in einem Atemzug genannt wird (s. z.B. 2 Kor 6,6; Gal 5,22; Kol 3,12).
  2. mild (freundlich) - meist: „freundlich“; oft auch: „gütig“. Das Verb chresteuomai ist in der Bibel ein Hapax legomenon; die Bed. lässt sich aber erschließen aus dem verwandten Wort chrestotes, das bes. mit Gott als Subjekt oft (wie hier) zusammen mit makrothumia („Sanftmut, Langmut“) und als Gegenbegriff von orge („Zorn“) verwendet wird: Es ist die Freundlichkeit, in der kein Zorn aufkommt, oder die Milde, in der man seinen Zorn zurückhält (vgl. EWNT III, S. 1140f).
  3. Die Liebe ist sanftmütig, die Liebe ist mild, die Liebe ereifert sich nicht - In einigen Handschriften fehlt das dritte „die Liebe“; das zweite und dieses eventuelle dritte „die Liebe“ ließe sich jeweils entweder dem vorigen oder dem folgenden Verb zuordnen. Möglich wäre also jede der folgenden Auflösungen: # Die Liebe ist sanftmütig; mild ist die Liebe. Es ist nicht aggressiv die Liebe, ist nicht prahlsüchtig, ist nicht hochmütig... # Die Liebe ist sanftmütig, mild, die Liebe ist nicht aggressiv, die Liebe ist nicht prahlsüchtig, ist nicht hochmütig... # Die Liebe ist sanftmütig; mild ist die Liebe, ist nicht aggressiv, ist nicht prahlsüchtig, ist nicht hochmütig... # Die Liebe ist sanftmütig, mild; die Liebe ist nicht aggressiv, ist nicht prahlsüchtig, ist nicht hochmütig... Insgesamt ist eine Entscheidung hier nicht wirklich möglich; auch die wissenschaftlichen Editionen entscheiden sich nicht. Anm. d. Üs. (S.W.): Wäre ich Paulus, hätte ich wegen der Gleichmäßigkeit eher (4) als (1) und eher (1) als (2) und (3) gewählt (ähnlich z.B. Zuntz 1953, S. 68). Wäre ich LF-Übersetzer, würde ich mich daher für Version (4) entscheiden, aber das ist wohl ganz subjektiv (vielleicht aber dennoch hilfreich für einen LF-Übersetzer).
  4. ist nicht aggressiv (ereifert sich nicht?) - Eher nicht: „ist nicht neidisch/eifersüchtig“ (so die meisten); das Wort bezeichnet hier - wie auch in anderen Lasterkatalogen im NT - eine leidenschaftliche feindselige Einstellung gegenüber anderen, die die menschliche Gemeinschaft vergiftet (EWNT II, S. 248f) und die offenbar unter den Korinthern recht verbreitet war (s. 1 Kor 3,3). Besser daher „ist nicht aggressiv/streitlustig/...“. Das „eifert nicht“ in vielen Üss. ist darauf zurückzuführen, dass das Wort im Gr. auch im positiven Sinne für „Eifrigkeit“ stehen kann und viele Übersetzungen offenbar glaubten, mit der Übersetzung „sich ereifern“ eine gemäßigte Konkordanz wahren zu können. Das ist hier nicht ratsam.

5 sie ist nicht unsittlich (schamlos), sie strebt nicht nach dem Ihrigen1, sie ist nicht [leicht] reizbar, sie rechnet das Schlechte (Böse) nicht an2.

Original Greek

οὐκouknotG3756PRT-N
ἀσχημονεῖ,aschēmoneiacts unbecomingly,G0807V-PAI-3S
οὐounotG3756PRT-N
ζητεῖzēteiseeksG2212V-PAI-3S
τὰtathe [things]G3588T-APN
ἑαυτῆς,he'autēsof its own,G1438F-3GSF
οὐounotG3756PRT-N
παροξύνεται,paroxunetaiis easily provoked,G3947V-PPI-3S
οὐounotG3756PRT-N
λογίζεταιlogizetaiit keeps accountG3049V-PNI-3S
τὸto<the>G3588T-ASN
κακόν,kakonof wrongs,G2556HA-ASN
  1. strebt nicht nach dem Ihrigen, d.h. sie „verfolgt nicht ihre eigenen Interessen“, „ist nicht selbstsüchtig“ (s. 1 Kor 10,24; Phil 2,4).
  2. sie rechnet das Schlechte nicht an - Recht gut viele Üss: „sie ist nicht nachtragend“, „trägt das Böse nicht nach“. Sinngemäßer viele eng. Üss.: „It doesn't keep record of wrongs“; denn gemeint ist eher: „Über Böses sieht sie (von vornherein) hinweg“ (EWNT II, S. 865f; Fee 1987, S. 639): Die Liebe ist nachsichtig.

6 Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit1, sondern sie freut sich über2 die Wahrheit;

Original Greek

οὐounotG3756PRT-N
χαίρειchaireidelightsG5463V-PAI-3S
ἐπὶepiatG1909PREP
τῇtēa<the>G3588T-DSF
ἀδικίᾳ,adikiaunrighteousness,G0093N-DSF
συγχαίρειsugchaireirejoicesG4796V-PAI-3S
δὲdehoweverG1161CONJ
τῇtēain theG3588T-DSF
ἀληθείᾳ,alētheiatruth,G0225N-DSF
  1. Litotes: Nicht i.S.v. „sie ist nicht gerade ein Sadist“, sd. von „Ungerechtigkeit ist ihr absolut verhasst“ (Fee 1987, S. 639: „Love absolutely rejects that most pernicious form of rejoicing over evil...“
  2. über - nicht: „freut sich mit der Wahrheit“; s. BDAG: „In this case the compound has the same mng. as the simple verb [...:] it does not rejoice over injustice, but rejoices in the truth 1 Cor 13:6 [...]“.

7 sie bedeckt (vergibt, erträgt)1 alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.

Original Greek

πάνταpantaAll thingsG3956A-APN
στέγει,stegeiit bears,G4722V-PAI-3S
πάνταpantaall thingsG3956A-APN
πιστεύει,pisteueibelieves,G4100V-PAI-3S
πάνταpantaall thingsG3956A-APN
ἐλπίζει,elpizeihopes,G1679V-PAI-3S
πάνταpantaall thingsG3956A-APN
ὑπομένει.hupomeneiendures.G5278V-PAI-3S
  1. bedeckt (vergibt, erträgt) - wohl Semitismus: Das hebräische kasah („bedecken“) bezeichnet einen Akt des „Vergebens“; so daher z.B. auch HfA: „Sie ist immer bereit, zu verzeihen“; MEN: „Sie deckt alles zu (=entschuldigt alles)“; ähnlich B/N. Vgl. auch Lang 1994, S. 185: „»Die Liebe deckt auch der Sünden Menge« (1 Pet 4,8; vgl. Spr 10,12; Jak 5,20). Sie trägt angetanes Unrecht nicht nach, sondern ermöglicht einen Neuanfang durch Vergebung, die aus der göttlichen Liebe und Vergebung erwächst (vgl. Mt 6,12; Kol 3,13).“. Alternativ: „Sie erträgt alles“ (s. 1 Thess 3,1.5; so die meisten) - was aber ja schon durch das „sie erduldet alles“ am Ende von V. 7 abgedeckt ist.

8 Die Liebe kommt niemals zu Fall1. Ob es dagegen Prophetien [seien] - sie werden vergehen; ob es Sprachen [seien] - sie werden aufhören; ob es Erkenntnis (Wissen) [sei] - sie wird vergehen.

Original Greek

ἡhē<the>G3588T-NSF
ἀγάπηagapēLoveG0026N-NSF
οὐδέποτεoudepoteneverG3763ADV-N
πίπτει.¶pipteifalls.G4098V-PAI-3S
ΕἴτεEiteifG1535COND
δὲdehoweverG1161CONJ
προφητεῖαι,prophēteiai[there are] prophesies,G4394N-NPF
καταργηθήσονται·katargēthēsontaithey will be abated;G2673V-FPI-3P
εἴτεeiteifG1535COND
γλῶσσαι,glōssaitongues,G1100N-NPF
παύσονται·pausontaithey will cease;G3973V-FDI-3P
εἴτεeiteifG1535COND
γνῶσις,gnōsisknowledgeG1108N-NSF
καταργηθήσεται.katargēthēsetaiit will be abated.G2673V-FPI-3S
  1. kommt niemals zu Fall - W.: „fällt niemals“; Wortspiel im Griechischen: Der Ausdruck ist sowohl lesbar als „sie hört niemals auf“, ist unvergänglich (EWNT III, S. 215) oder als stehende Wendung für „sie sündigt niemals“ (vgl. EWNT III, S. 215). Gelesen nach der ersten Bedeutung fällt hier zum ersten Mal die zentrale Aussage der folgenden Verse, gelesen nach der zweiten Bedeutung wird die Aussage zur Spitzenaussage der vorangegangenen Charakterisierung der Liebe. Dahin, dass die Aussage wohl bewusst mehrdeutig formuliert ist, weist auch schon die Struktur des Kapitels: V. 8a steht im Zentrum der „quer“ zur Kapitelstruktur verlaufenden Konstrastierung der drei Gnadengaben „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“ einerseits und „Sprachen“, „Prophetie“ und „Einsicht“ andererseits (s. hier). „Die Liebe kommt niemals zu Fall“ ist also die zentrale Brückenaussage des Kapitels.

9 Denn [nur] bruchstückhaft erkennen wir (haben wir Einsicht) und bruchstückhaft prophezeien wir,

Original Greek

ἐκekInG1537PREP
μέρουςmerouspartG3313N-GSN
γὰρgarforG1063CONJ
γινώσκομενginōskomenwe knowG1097V-PAI-1P
καὶkaiandG2532CONJ
ἐκekinG1537PREP
μέρουςmerouspartG3313N-GSN
προφητεύομεν·prophēteuomenwe prophesy;G4395V-PAI-1P

10 aber sobald das Vollkommene (Vollständige)1 kommt, wird das Bruchstückhafte vergehen.

Original Greek

ὅτανhotanwhenG3752CONJ
δὲdehoweverG1161CONJ
ἔλθῃelthēmay comeG2064V-2AAS-3S
τὸtotheG3588T-NSN
τέλειον,teleionperfect,G5046A-NSN
τότεtotethenG5119ADV
τὸtotheG3588T-NSN
ἐκekinG1537PREP
μέρουςmerouspartG3313N-GSN
καταργηθήσεται.katargēthēsetaiwill be done away.G2673V-FPI-3S
  1. das Vollkommene (Vollständige) - gemeint ist sehr wahrscheinlich das Ende der Zeiten (vgl. z.B. Fitzmyer 2008, S. 498); hier nicht als „das Letzte“ (to telos), sondern als „das Vollkommene/Vollständige“ (to teleion) bezeichnet, um es mit dem „Bruchstückhaften“ zu kontrastieren. Collins 1999b übersetzt denn auch einfach: „When the end comes the partial will pass away.“; ähnlich BB: „das Endgültige“; EÜ, HER05, JJ, R-S: „Das Vollendete“, KAR, PAT, Pfäfflin, WIL: „Die Vollendung“.

11 1 Als ich ein Kind2 war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte (argumentierte) ich wie ein Kind; seit ich ein Mann geworden bin (nun, da ich ein Mann bin), habe ich die [Dinge] des3 Kindes vergehen lassen.

Original Greek

ὅτεhoteWhenG3753CONJ
ἤμηνēmēnI wasG1510V-IMI-1S
νήπιος,nēpiosa child,G3516A-NSM
ἐλάλουνelalounI was speakingG2980V-IAI-1S
ὡςhōslikeG5613PRT
νήπιος,nēpiosa child,G3516A-NSM
ἐφρόνουνephronounI was thinkingG5426V-IAI-1S
ὡςhōslikeG5613PRT
νήπιος,nēpiosa child,G3516A-NSM
ἐλογιζόμηνelogizomēnI was reasoningG3049V-INI-1S
ὡςhōslikeG5613PRT
νήπιος·nēpiosa child;G3516A-NSM
ὅτεhotewhenG3753CONJ
δὲdenowG1161CONJ
γέγοναgegonaI becameG1096V-2RAI-1S
ἀνήρ,anēra man,G0435GN-NSM
κατήργηκαkatērgēkaI have done away withG2673V-RAI-1S
τὰtathe [things]G3588T-APN
τοῦtouof theG3588T-GSM
νηπίου.nēpiouchild.G3516A-GSM
  1. V. 11 und V. 12b tragen nichts inhaltlich Neues zum Kapitel bei, sondern sind zu verstehen als erläuternde Analogien (vgl. Fee 1987, S 646): „Sprachengabe, Prophetie und Einsicht sind Brüchstückhaftes, und alles Bruchstrückhafte wird am Ende der Zeiten vergehen. [Das kann man sich so veranschaulichen:] Als ich ein Kind war...“ und „Jetzt sehen wir nur indirekt - wie in einem Spiegel -, dann aber von Angesicht zu Angesicht - [ungefähr so, wie z.B. auch] ich jetzt bruchstückhaft erkenne, dann aber so erkennen werde, wie auch ich erkannt worden bin.“Die Argumentationsstruktur des letzten Abschnittes geht also in etwa so: „Prophetie, Sprachengabe und Einsicht sind so toll nicht, denn sie werden vergehen, und ohnehin erkennen wir Gott vermittels dieser Gaben zwar bereits jetzt, aber nur bruchstückhaft (Vv. 8b-10). 2: Später aber - nämlich: wenn das Vollkommene kommt - werden wir Gott vollständig und von Angesicht zu Angesicht erkennen (Vv. 10.12a). 3: Ergo bleiben uns/haben Bestand (s. FN ac) einzig Glaube, Hoffnung und Liebe (V. 13).“
  2. Kind - W. „kindlich“; das Kind steht im NT häufiger übertragen für Unwissenheit und meint ursprünglich den, der noch nicht in der Lage war, zu sprechen. Zusammen mit „sprechen wie ein nepios“ und „urteilen/argumentieren wie ein nepios“ weckt das Wort in einem griechischen Leser also die Assoziation eines lallenden Kleinkinds, das Unsinn von sich gibt.
  3. die [Dinge] des - W.: „das des Kindes“ = „diese kindlichen Eigenschaften“.

12 Denn wir sehen jetzt in einem Rätsel (indirekt, undeutlich)1 durch einen (in einem)2 Spiegel, dann aber (und erst dann) von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich bruchstückhaft, dann aber (und erst dann) werde ich [so] erkennen, wie auch ich erkannt worden bin3.

Original Greek

βλέπομενblepomenWe seeG0991V-PAI-1P
γὰρgarforG1063CONJ
ἄρτιartipresentlyG0737ADV
δι᾽di᾽throughG1223PREP
ἐσόπτρουesoptroua glassG2072N-GSN
ἐνeninG1722PREP
αἰνίγματι,ainigmatiobscurity,G0135N-DSN
τότεtotethenG5119ADV
δὲdehoweverG1161CONJ
πρόσωπονprosōponfaceG4383N-ASN
πρὸςprostoG4314PREP
πρόσωπον·prosōponface;G4383N-ASN
ἄρτιartipresentlyG0737ADV
γινώσκωginōskōI knowG1097V-PAI-1S
ἐκekinG1537PREP
μέρους,merouspart,G3313N-GSN
τότεtotethenG5119ADV
δὲdehoweverG1161CONJ
ἐπιγνώσομαιepignōsomaiI will know fullyG1921V-FDI-1S
καθὼςkathōseven asG2531CONJ
καὶkaialsoG2532CONJ
ἐπεγνώσθην.¶epegnōsthēnI have been fully known.G1921V-2API-1S
  1. in einem Rätsel (indirekt, undeutlich) - „indirekt“ gut nach BDAG. Dies ist hier vermutlich gemeint: Korinth war berühmt für seine Kupferprodukte; u.a. auch für seine qualitativ hochwertigen Bronzespiegel. Gemeint ist also wohl weniger „verzerrt wie in einem Spiegel“, sondern „nicht direkt (von »Angesicht zu Angesicht«), sondern indirekt - wie in einem Spiegel“. Objekt dieses „Sehens“ ist sicher Gott: Im Bild vom „Spiegel“, in der Wendung „von Angesicht zu Angesicht“ und dem Ausdruck „erkennen, wie ich erkannt worden bin“ kommt jeweils eine Reziprozität zum Ausdruck: Man blickt auf einen Zurückblickenden.
  2. durch einen (in einem) - Gr. Idiom; im Gr. sieht man etwas nicht „in einem“, sd. „durch einen“ Spiegel. Übersetze „in einem Spiegel“.
  3. wie auch ich erkannt worden bin - Paulinische „Sondertheologie“: Dass ein Mensch Gott erkennen kann, erfordert, dass zuvor Gott diesen Menschen „erkannt“ hat; s. 1 Kor 8,3; Gal 4,9. Dieses Theologumenon arbeitet mit einem Wortspiel: Im Hebräischen meint der Ausdruck, dass Gott einen Menschen „erkennt“, dass er fürsorglich an ihm handelt (THAT I, S. 691f; s. z.B. Ex 33,12; Ps 1,6; Nah 1,7): Gott muss zunächst einen Menschen „erkennen“ - d.h. hier: die Gnade gewähren, dass dieser Mensch ihn erkennen könne - bevor dieser ihn erkennen kann (vgl. z.B. Conzelmann 1981, S. 279; Lang 1994, S. 188; Fitzmyer 2008, S. 500f).

13 Jetzt aber bleiben1 Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei; und (aber) die Größte von ihnen [ist] die Liebe.

Original Greek

ΝυνὶNuniNowG3570ADV
δὲdehoweverG1161CONJ
μένειmeneiabideG3306V-PAI-3S
πίστις,pistisfaith,G4102GN-NSF
ἐλπίς,elpishope,G1680N-NSF
ἀγάπη,agapēlove,G0026N-NSF
τὰta<the>G3588T-NPN
τρίαtriathreeG5140A-NPN
ταῦτα·tautathese;G3778D-NPN
μείζωνmeizōn[the] greatestG3173A-NSF-C
δὲdehoweverG1161CONJ
τούτωνtoutōnof these [is]G3778D-GPN
ἡhē<the>G3588T-NSF
ἀγάπη.¶agapēlove.G0026N-NSF
  1. bleiben - Wortspiel im Griechischen: # „bleiben“ i.S.v. „übrig bleiben“: Selbst die Gaben der Prophetie und der Einsicht vermitteln nur bruchstückhaftes Wissen; erst am Ende der Zeiten werden wir Gott „von Angesicht zu Angesicht“ erkennen können. Was also „übrig bleibt“ - da ja Einsicht, Prophetie etc. soeben für unzureichend erklärt worden sind - sind Glaube, Hoffnung, Liebe. -&gt; „Und damit (zum logischen nuni de (»Jetzt aber«) vgl. BDAG, S. 682; Fitzmyer 2008, S. 501 u.ö.) bleiben uns einzig Glaube, Hoffnung und Liebe - diese drei.“ # „bleiben“ i.S.v. „Bestand haben“: Alles Bruchstückhafte wird vergehen; das aktuell einzig Existierende, das dauerhaft Bestand haben wird, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. -&gt; „Das aktuell einzig Unvergängliche sind Glaube, Hoffnung und Liebe - diese drei.“.