Chapter 2
1 1 Auch ich, kommend zu Euch, Geschwister [wörtl.: Brüder], bin nicht gekommen hervorragend2 in Rede oder Weisheit, verkündigend euch das Geheimnis Gottes.
Original Greek
- [Status: Ungeprüft]
- κατά zur Bezeichnung der Art und Weise, Bauer Wörterbuch Sp. 1665
2 Denn nicht habe ich gemeint etwas zu wissen bei euch außer Jesus Christus und diesen [als] Gekreuzigten.
Original Greek
3 Und ich in Schwachheit und Furcht und vielem Zittern zeigte ich1 mich bei euch,
Original Greek
- Partizip Aorist
4 und meine Rede1 und meine Verkündigung [zeigte sich]2 nicht in überredender, geschwätziger Weisheit3, sondern im Beweis des Geistes und der Kraft,
Original Greek
- λόγος (hier Sg.) hat eine breites Bedeutungsfeld: Sprechen, Ausspruch, Aussage, Rede, Gegenstand (der Rede) usw.
- der Satz ist noch abhängig vom Verb ἐγενόμην Vers 3
- Dieser Ausdruck ist textkritisch schwierig; die verschiedenen Handschriften bilden unterschiedliche Lesarten. Eine Aufstellung findet man bei Conzelmann, S. 71f. Er entscheidet aufgrund der Qualität der Handschriften für den auch im Nestle-Aland abgedruckten Text.
5 damit euer Glaube nicht in menschlicher Weisheit [sei =] bestünde, sondern in der Kraft Gottes.
Original Greek
6 Weisheit aber reden wir zu den Vollkommenen (Vollendeten, Volljährigen, Eingeweihten), eine Weisheit aber nicht dieses Weltalters (Äons) noch der Herrscher dieses Weltalters (Äons), des vergänglichen;
Original Greek
7 sondern wir reden von Gottes Weisheit im Geheimnis, dem geheimgehaltenen1, das vorherbestimmt hat Gott vor aller Weltzeit (Äonen) zu unserer Herrlichkeit,
Original Greek
- Bauer, Wörterbuch Sp. 1049 übersetzt den Satz: "wir reden Gottes Weisheit in Form eines Geheimnisses (ἐν μυστηρίῳ = in geheimnisvoller Weise oder = heimlich, so dass es kein Unbefugter vernimmt"
8 das keiner der Herrscher dieses Weltalters (Äons) erkannt hat. Wenn1 nämlich sie es erkannt hätten, hätten sie nicht den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt.
Original Greek
- Irrealis der Vergangenheit
9 Aber (sondern) wie geschrieben steht:1 was2 das Auge nicht sah und das Ohr nicht hörte und auf das Herz des Menschen nicht aufstieg3,[das ist,] was bereitete Gott denen, die ihn lieben4.
Original Greek
- "Das Zitat kann weder im AT noch im außerkanonischen jüdischen Schrifttum nachgewiesen werden. Nach Origenes stammt es aus der Elia-Apokalypse", Conzelmann, S. 81 und Anm. 70
- ἃ ist sowohl Subjekt als auch Objekt. "Angesichts der Doppelrolle von ἃ als Subjekt und Objekt sind alle Versuche, den Satzbau zu retten, vergeblich" Conzelmann, S. 73 und S. 82
- gemeint ist: ein Gedanke steigt in uns auf, weil das Herz als Sitz des Denkens galt, Bauer, Wörterbuch Sp. 100
- Partizip
10 Uns aber offenbarte [es] Gott durch den Geist; denn der Geist erforscht (ergründet) alles, auch die Tiefe1 Gottes.
Original Greek
- Bauer, Wörterbuch Sp. 259: "Die Abgründe des göttlichen Wesens"
11 Wer denn kennt von den Menschen das [Wesen] des Menschen wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So auch das [Wesen] Gottes kennt keiner außer der Geist Gottes.
Original Greek
12 Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott [ist], damit wir wissen1 [das uns von Gott Geschenkte =] was uns von Gott geschenkt wurde.
Original Greek
- Einige sehr alte Handschriften, darunter der Papyrus 46, bieten die Lesart ίδωμεν, wir sehen; diese Lesart läst sich als Verschreibung aufgrund Itazismus erklären (εἰ und ἰ wurden in der Konine gleich ausgesprochen)
13 Das1 reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit beigebracht (gelehrt) sind, sondern vom Geist beigebracht (gelehrt), als geistliche [Menschen] Geistliches deutend (auslegend).2
Original Greek
- Relativpronomen, schließt an τὰ χαρισθέντα = das [von Gott] Geschenkte Vers 12 an
- συγκρίνω kann auch "vergleichen" bedeuten. Bauer, Wörterbuch Sp. 1534 gibt als Übersetzungsalternative an: "indem wir mit Geistesgaben und Offenbarungen (die wir schon besitzen) Geistesgaben und Offenbarungen (die wir erhalten) vergleichen (und sie danach beurteilen)". Es kommt darauf an, ob man πνευματικοῖς als Instrumentalis bzw. freieren Dativus sociativus ansieht, der die Art und Weise bezeichnet (Blass-Debrunner-Rehkopf § 195 bzw. § 198) = mit Geistesgaben, oder ob man ihn als Dativ der Person ansieht = als geistliche [Menschen]
14 Ein diesseitiger1 Mensch aber nimmt nicht das [Wesen?] des Geistes Gottes an; denn ihm [ist =] erscheint es als Torheit, und er kann nicht erkennen, weil [es] geistlich2 beurteilt wird3.
Original Greek
- Bauer, Wörterbuch Sp. 1768: "ein Mensch, der nur über eine irdische ψυχή verfügt, ohne von Gottes Geist berührt zu sein" - ψυχή kann mit Seele, aber auch mit (irdisches) Leben übersetzt werden
- Adverb
- vllt kann man sogar übersetzen ... werden muss, vgl. Conzelmann, S. 73). In der Gnosis hat die ψυχή eine negative Bedeutung - sie steht dem πνεῦμα gegenüber (Trennung des Menschen in Leib und Seele). Bei Paulus ist diese Stufe noch nicht erreicht, zumal er seine These nicht aus der dichotomischen Beschaffenheit des Menschen begründet wie die Gnosis, sondern aus der Begegnung mit der Offenbarung, vgl. Conzelmann, S. 86f
15 Aber der geistliche [Mensch] beurteilt Alles, er selbst aber wird von niemandem beurteilt.
Original Greek
16 Denn „wer hat den Ratschluss des Herrn erkannt, der ihn belehre?“ (Jesaja 40,13) Wir aber haben die Gesinnung (den Verstand, die Vernunft, die Meinung, den Ratschluss)1 Christi.
Original Greek
- wie im atl. Zitat steht hier νοῦς, man kann es aber m.E. nicht mit der gleichen Vokabel übersetzen