Chapter 7
1 Oder wißt ihr nicht,1 liebe Brüder — ich rede ja zu Leuten, die mit dem Gesetz2 wohlbekannt sind —, daß das Gesetz den Menschen während seines ganzen Lebens beherrscht?
Original Greek
- Vgl. Anfang von 6,3. — Während in 6,15-23 die zweite Hälfte von 6,14 erläutert wird, folgt nun in Kap. 7 die Ausführung der ersten Hälfte von 6,14.
- Gemeint ist das Gesetz Moses; der Apostel redet also vorwiegend zu Judenchristen.
2 Eine verheiratete Frau zum Beispiel ist durch das Ehegesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt. Stirbt aber der Mann, so ist sie frei von dem Gesetz, wodurch sie an den Mann gebunden war.
Original Greek
3 Gibt sie sich also zu Lebzeiten ihres Mannes einem anderen Mann hin, so führt sie den Namen Ehebrecherin. Nach dem Tod ihres Mannes aber ist sie von dem Ehegesetz frei: sie ist dann keine Ehebrecherin, wenn sie sich mit einem anderen Mann vermählt.
Original Greek
4 Nun denn, meine Brüder, auch ihr seid durch den Leib Christi1 dem Gesetz gegenüber tot,2 und ihr sollt einem anderen zu eigen werden: dem, der deshalb von den Toten auferweckt worden ist, damit wir Frucht bringen im Dienst Gottes.3
Original Greek
- Der am Kreuz gestorben ist (6,3).
- Nämlich: durch die Taufe; Rö 6:3-4, Ga 2:19a.
- Vgl. 6,4.
5 Denn solange wir im Fleisch lebten,1 waren die durch das Gesetz aufgeregten sündlichen Leidenschaften2 in unseren Gliedern3 wirksam, so daß wir Frucht brachten für den Tod.
Original Greek
- Das "Fleisch" ist der vorchristliche Zustand.
- Vgl. 4,15; 5,20; 7,7-13.
- Die Glieder sind Sitz und Werkzeug der Sünde.
6 Jetzt aber sind wir vom Gesetz los: für unseren früheren Zwingherrn1 sind wir tot und dienen nun (Gott) in einem neuen Zustand unter der Herrschaft des Geistes. Denn der alte Zustand unter der Herrschaft des Buchstabens2 hat ein Ende.
Original Greek
- Das Gesetz.
- Des Gesetzes.
7 Was folgt hieraus? Ist das Gesetz Sünde? Nimmermehr! Aber ich hätte die Sünde nie erkannt ohne das Gesetz. Was zum Beispiel böse Begierde ist, davon wüßte ich nichts, wenn das Gesetz nicht immer wieder spräche: Du sollst nicht begehren!1
Original Greek
- Vgl. 1Mo 3:1-6. Das Verbot reizt zum Begehren des Verbotenen.
8 Dies Gebot diente nun der Sünde als Waffe wider mich und erregte in mir allerlei böse Begierden.1 Denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.2
Original Greek
- 2Mo 20:17, 5Mo 5:18.
- D.h.: der innere Zwiespalt ist ohne Gesetz noch nicht geweckt.
9 Einst lebte ich dahin, ohne etwas vom Gesetz zu wissen. Dann trat das Gebot an mich heran. Da ward die Sünde (in mir) lebendig,1
Original Greek
- Dies ist der Gegensatz von "tot," V8.
10 und — ich starb. Das Gebot, das mir zum Leben dienen sollte, gereichte mir so in Wirklichkeit zum Tod.
Original Greek
11 Denn die Sünde benützte das Gebot als Waffe wider mich: sie verführte mich, und so hat sie mir gerade durch das Gebot den Tod gebracht.1
Original Greek
- V9-11 scheint der Apostel wie schon V7 und 8 im Namen der vorchristlichen Menschheit zu reden. Als harmlos-unbefangenes Kind wußte auch er selbst einst ebensowenig etwas vom Gesetz wie Adam im Stand der Unschuld. 1Mo 2:7-15 Da trat das Gesetz mit seinem Gebot: "du sollst!" an ihn heran wie an Adam. 1Mo 2:16-17 Und das Gebot reizte ihn wie den ersten Menschen zur Übertretung.
12 Es bleibt demnach dabei: Das Gesetz an sich ist heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.1
Original Greek
- V12 enthält die zusammenfassende Schlußantwort auf die Frage von V7.
13 Ist denn nun das Gute mein Tod geworden? Nimmermehr! Die Sünde hat mich in den Tod gestürzt. Die sollte als Sünde offenbar werden: darum hat sie mir durch das Gute1 den Tod gebracht. So sollte sich gerade durch den Mißbrauch des Gebotes die grenzenlose Sündigkeit der Sünde zeigen.
Original Greek
- Nämlich: durch das Gebot.
14 Das Gesetz — so wissen wir — ist geistlich. Ich aber bin fleischlich, unter die Herrschaft der Sünde verkauft.1
Original Greek
- Das Gesetz kann wegen der fleischlichen Gesinnung des Menschen nicht geistlich wirken.
15 Mein ganzes Tun ist mir ein Rätsel. Ich führe ja nicht aus, was ich mir vornehme; sondern gerade was ich verabscheue, das tue ich.1
Original Greek
- V15-17 beschreibt der Apostel, worin das Verkauftsein unter die Herrschaft der Sünde besteht; es mutet ihn an, als handle nicht er selbst, sondern ein anderer.
16 Tue ich aber das, was meinem Willen entspricht, dann stimme ich dem Gesetz innerlich zu (und erkenne an), daß es gut ist.
Original Greek
17 Also bin ich es nicht, der das Böse vollbringt, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
Original Greek
18 Ich weiß ja:1 es wohnt in mir, das heißt in meinem Fleisch2 nichts Gutes. Ich kann wohl das Gute wollen; aber mir fehlt die Kraft, es zu vollbringen.
Original Greek
- V18-23 folgt nun eine weitere Erklärung über das Böse im Menschen.
- In meinem natürlichen Wesen und Willen.
19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will; nein, das Böse, das ich nicht will, das führe ich aus.
Original Greek
20 Tue ich aber gerade das, was ich nicht will, so bin ich es nicht, der das Böse vollbringt, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
Original Greek
21 Dies ist also die Regel, die ich immer wieder finde: will ich das Gute tun, so ist das Böse da.
Original Greek
22 Denn1 nach meinem inneren Menschen2 habe ich Freude am Gesetz Gottes.
Original Greek
- Begründet V21: "will ich das Gute tun".
- Vgl. 2Kor 4:16, Eph 3:16. Was V17.18.20 im Gegensatz zu der Sünde und dem Fleisch das Ich heißt, wird hier im Gegensatz zu den Gliedern des Leibes (dem äußeren Menschen) der innere Mensch genannt.
23 Ich entdecke aber in meinen Gliedern ein anderes Gesetz,1 das mit dem Gesetz meiner Vernunft2 im Kampf liegt und mich gefangennimmt für das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Original Greek
- Eine andere Gewalt. "Das Gesetz in den Gliedern" ist vielleicht der natürliche Hang zur Sünde, der den Willen bestimmt und sich durch Sinnlichkeit äußert; "das Gesetz der Sünde" ist vielleicht die Gewalt der Sünde, die zum sündhaften Entschluß fortreißt. Vgl. Ga 5:17, 1Pe 2:11.
- Die "Vernunft" Eph 4:23 oder der innere Mensch (V22) denkt und will. Mit dem Gesetz der Vernunft will der Mensch das Gute mit Bewußtsein.
24 Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich erretten von diesem Todesleib?1
Original Greek
- Weil der Leib von der Sünde beherrscht wird, ist er auch dem Tod verfallen.
25 Dank sei Gott! Er hat's getan durch Jesus Christus, unseren Herrn!1 So bleibt es denn dabei: Auf meine eigene Kraft gestellt, diene ich mit der Vernunft dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.2
Original Greek
- Durch Christus ist der Wunsch in V24 erfüllt, und der Erlöste kann Gott dafür danken.
- V14-24 beschreibt der Apostel (wie es scheint) aus eigener Erfahrung den Zustand eines Menschen, der einen Zug nach oben, ein Heimweh nach Gott hat, aber selbst aus eigener Kraft (V25) das Gute tun will. Sein aufrichtiges Ringen endet mit dem Klageruf V24. Doch auch der Wiedergeborene wird diese Not fühlen, wenn er dem "fleischlichen" Wesen (V14) wieder Raum gibt und dann mit dem alten Menschen, der wieder auflebt, kämpfen muß. Zu beachten ist, daß Paulus V14-24 von der Gegenwart redet: er weiß, daß auch er die Vollkommenheit noch nicht erreicht hat. Php 3:12-14 Kap. 8 schildert dann der Apostel, was für den Menschen, der in Christi Gemeinschaft fest beharrt, nicht nur möglich, sondern auch wirklich ist. Es scheint, "daß Paulus in 8,1 den Faden von Rö 7:1-6 wieder aufnimmt, jedoch nicht ohne auf Rö 7:7-25 noch mehrfach zurückzublicken".