reltext

Chapter 2

1 1 Und als er nach [einigen] Tagen wieder (zurück) nach Kafarnaum kam 2 , wurde bekannt 3 , dass er zuhause (in einem [bestimmten] Haus) 4 war 5.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἰσελθὼνeiselthōnHe was enteringG1525V-2AAP-NSM
πάλινpalinagainG3825ADV
εἰςeisintoG1519PREP
ΚαφαρναοὺμKapharnaoumCapernaumG2584N-ASF-L
δι᾽di᾽after [some]G1223PREP
ἡμερῶνhēmerōndaysG2250N-GPF
καὶkaiandG2532CONJ
ἠκούσθηēkousthēit was heardG0191V-API-3S
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐνeninG1722PREP
οἴκῳoikō[the] houseG3624GN-DSM
ἐστίν.estinHe is.G1510V-PAI-3S
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. kam Ptz. conj. (Ptz. Aor.), als temporaler Nebensatz (mit „als“) aufgelöst.
  3. wurde bekannt W. „wurde gehört“ Oder: „als er wieder … kam, wurde nach einigen Tagen bekannt“ (Collins 2007, 184).
  4. zuhause bzw. in einem [bestimmten] Haus Die erste Bedeutung ist üblich und somit wahrscheinlicher, auch wenn die andere durchaus möglich ist (Collins 2007, 181; NSS). Denkbar, dass Simons Haus gemeint ist wie in 1,29-34 (Guelich 1989, 81). in einem [bestimmten] Haus Im Deutschen wäre die etwas freiere Übersetzung „in welchem Haus er sich aufhielt“ besser verständlich. Es geht dann also darum, dass Jesu Aufenthaltsort bekannt wurde, ohne eine Aussage über das nämliche Haus zu machen. Um das zu vermitteln, wurde [bestimmten] ergänzt.
  5. war W. „ist“.

2 Und es kamen (sammelten sich) so viele [Leute] zusammen, dass es keinen Platz mehr gab, auch nicht (nicht einmal) vor (bei) der Tür, und er erläuterte (verkündete, sagte) ihnen [seine] Botschaft (das Wort) 1.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθέωςeutheōsimmediatelyG2112ADV
συνήχθησανsunēchthēsanwere gathered togetherG4863V-API-3P
πολλοὶpolloimanyG4183A-NPM
ὥστεhōsteso thatG5620CONJ
μηκέτιmēketino moreG3371ADV-N
χωρεῖνchōreinto have spaceG5562V-PAN
μηδὲmēdenot even [space]G3366ADV-N
τὰta<the>G3588T-APN
πρὸςprosatG4314PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θύραν,thurandoor,G2374N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
ἐλάλειelaleiHe was speakingG2980V-IAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
τὸνtontheG3588T-ASM
λόγον.¶logonword.G3056N-ASM
  1. er erläuterte [ihnen] seine Botschaft W. „sprach das Wort (zu) ihnen“ (Imperfekt). Ähnlich wie in 4,33 und 8,32 meint die Phrase wohl, dass Jesus ihnen seine Botschaft (=Wort) erklärte oder predigte (France 2002, 122, ähnlich GNB). In 1,45 meinte „Wort“ die Geschichte (oder Neuigkeit) des geheilten Aussätzigen. Das Wort steht meist für eine im Kontext bekannte Botschaft, für Redeinhalt. Bei Jesus ist das das Evangelium bzw. die Heilsbotschaft vom nahen Reich/Herrschaft Gottes (wie Mk 1,21; s.a. Mk 4,14 und die dortige Fußnote). Im NT bezeichnet es oft den Inhalt der Verkündigung von Jesus und den frühen Christen, z.B. Apg 6,4; Gal 6,6; Kol 4,3 (Guelich 1989, 84). erläuterte Duratives Imperfekt.

3 Derweil (Und) kamen 1 [einige Leute] und brachten einen Gelähmten 2 zu ihm. Er wurde von vier [Männern] getragen. 3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἔρχονταιerchontaithey comeG2064V-PNI-3P
φέροντεςpherontesbringingG5342V-PAP-NPM
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
παραλυτικὸνparalutikona paralyticG3885A-ASM
αἰρόμενονairomenonbeing carriedG0142V-PPP-ASM
ὑπὸhupobyG5259GPREP
τεσσάρων.tessarōnfour.G5064A-GPM
  1. kamen Historisches Präsens.
  2. Gelähmter (Gr. παραλυτικός) Seine genaue Behinderung ist unbekannt. Wir erfahren nur, dass er nicht laufen konnte und offensichtlich behindert, vielleicht bettlägrig war (vgl. France 2002, 123).
  3. Er wurde getragen Attributives Partizip, als unabhängiger Hauptsatz aufgelöst. Auch ein Relativsatz wäre möglich („der getragen wurde“).

4 Und (Doch) weil (als) es ihnen wegen die Menschenmenge nicht gelang (sie nicht konnten), 1 ihn zu [Jesus] zu bringen, deckten (entfernten) sie [über der Stelle], wo er war, das Hausdach ab, und ließen 2 die Matte hinab, auf der der Gelähmte lag, nachdem sie eine [entsprechende] Öffnung geschaffen hatten 3.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
δυνάμενοιdunamenoibeing ableG1410V-PNP-NPM
προσενέγκαιprosenegkaito bring toG4374V-2AAN
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
διὰdiaon account ofG1223PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ὄχλονochloncrowdG3793N-ASM
ἀπεστέγασανapestegasanthey removedG0648V-AAI-3P
τὴνtēntheG3588T-ASF
στέγηνstegēnroofG4721N-ASF
ὅπουhopouwhereG3699PREP
ἦνēnHe wasG1510V-IAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐξορύξαντεςexoruxanteshaving broken up [it]G1846V-AAP-NPM
χαλῶσινchalōsinthey let downG5465V-PAI-3P
τὸνtontheG3588T-ASM
κράβαττονkrabattonpalletG2895N-ASM
ὅπουhopouwhereG3699PREP
ὁhotheG3588T-NSM
παραλυτικὸςparalutikosparalyticG3885A-NSM
κατέκειτο.katekeitowas lying.G2621V-INI-3S
  1. weil (als) es ihnen nicht gelang Kausal oder temporal zu verstehendes Ptz. conj. (Ptz. Präs.), als Nebensatz mit „weil“ aufgelöst. NSS, NGÜ: „weil sie nicht zu Jesus durchkamen“.
  2. ließen Historisches Präsens.
  3. nachdem sie eine [entsprechende] Öffnung geschaffen hatten Ptz. conj. (Ptz. Aor.), als temporaler Nebensatz (mit „nachdem“) aufgelöst und aus stilistischen Gründen nachgestellt. W. etwa „deckten ab... und, eine Öffnung geschaffen habend/schaffend, ließen...“ Man kann es auch modal verstehen: „indem sie … schufen, ließen sie“ Gr. ἐξορύξαντες bedeutet „aufgraben, aufbrechen“. Die Männer gelangten wohl über eine Außentreppe auf das flache Dach. Palästinische Hausdächer bestanden aus Baumstämmen oder Balken, die mit Zweigen und festgetretenem Lehm abgedeckt waren (Lukas 5,17 berichtet auch von Ziegeln), die genaue Konstruktion konnte aber variieren. Auch die Ausleger sind sich nicht alle einig (vgl. die Übersicht bei Blight 2012, 99f.). Je nachdem, ob das Haus tatsächlich auch mit Dachziegeln bzw. einer Art von tönernen Platten belegt war (Lukas könnte die Geschichte für seine südeuropäischen Leser kontextualisiert haben), könnten die Männer das Dach fast gar nicht oder sogar sehr schwer beschädigt haben. Dementsprechend gibt es verschiedene Übersetzungsvorschläge. Der hier vorgezogene versteht das Partizip als temporale Umstandsangabe: 1. Die Männer deckten das Dach ab. 2. Sobald eine genügend große Öffnung da war, ließen sie den Mann herab (so Guelich 1989, 85 und die meisten Übersetzungen). Eine andere Deutung geht von drei Schritten aus: 1. Die Männer deckten das Dach, d.h. die äußere Schicht ab. 2. Dann brachen sie durch das Holz- und Lehmwerk, das sich darunter befand und die Decke bildete. 3. Anschließend ließen sie den Mann hinab (so GNB, ZÜR).

5 Und als Jesus ihren Glauben (Vertrauen) sah, 1 sagte 2 er zu dem Gelähmten: „[Mein] Sohn (Kind), deine Sünden sind vergeben!“

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἰδὼνidōnhaving seenG1492HV-2AAP-NSM
δὲdenowG1161CONJ
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
τὴνtēntheG3588T-ASF
πίστινpistinfaithG4102GN-ASF
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
τῷtōto theG3588T-DSM
παραλυτικῷ·paralutikōparalytic;G3885A-DSM
τέκνον,teknonSon,G5043N-VSN
ἀφίενταίaphientaiare forgivenG0863HV-PPI-3P
σουsouof youG4771P-2GS
αἱhaitheG3588T-NPF
ἁμαρτίαιhamartiaisinsG0266N-NPF
σου.souof you.G4771P-2GS
  1. als … sah Als temporaler NS aufgelöstes Ptz. conj. (Ptz. Aor.). Markus formuliert hier metonymisch (Wirkung für Ursache), denn Jesus sieht natürlich nicht die Gesinnung der Männer, sondern deren Ergebnis. Daher übersetzt ZÜR: „Als Jesus nun ihren Glauben erkannte“.
  2. sagte Historisches Präsens.

6 Es waren {aber} einige Schriftgelehrte (Schreiber) da (dort), die dabeisaßen und [alles miterlebten]. Sie setzten sich (kämpften, überlegten, erwogen) 1 in Gedanken 2 [mit Jesu Worten] auseinander:

Original Greek

ἦσανēsanwereG1510V-IAI-3P
δέdenowG1161CONJ
τινεςtinessomeG5100X-NPM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
γραμματέωνgrammateōnscribesG1122N-GPM
ἐκεῖekeithereG1563ADV
καθήμενοιkathēmenoisittingG2521V-PNP-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
διαλογιζόμενοιdialogizomenoireasoningG1260V-PNP-NPM
ἐνeninG1722PREP
ταῖςtaistheG3588T-DPF
καρδίαιςkardiaisheartsG2588N-DPF
αὐτῶν·autōnof them;G0846P-GPM
  1. dabeisaßen und setzten sich [mit Jesu Worten] auseinander ἦσαν + Partizip umschreibt das Imperfekt (Umschreibende Konjugation, Bauer zu ειμι, BDR §353). Hier kommt durch den durativen Aspekt zum Ausdruck, dass die Schriftgelehrten die Geschehnisse miterlebten. Das ist der Grund für die Einfügung [alles miterlebten]. Möglich wäre auch eine Formulierung mit einem Adverb wie „unterdessen“, „derweil“, „dabei“. Aufgrund der Einfügung bildet setzten sich [mit Jesu Worten] auseinander aus stilistischen Gründen nun einen eigenen Satz, wobei zur eleganten Wiedergabe in Verbindung mit in Gedanken die Ergänzung von [mit Jesu Worten] notwendig wurde. EÜ dagegen: „dachten im Stillen“, NGÜ: „lehnten sich innerlich dagegen auf “.
  2. in Gedanken W. „in ihren Herzen“. In der damaligen Kultur galt das Herz als der denkende und fühlende Körperteil. Noch schöner wäre die Formulierung „gedanklich“.

7 „Warum redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott (einem – Gott)?“1

Original Greek

τίtiWhyG5101I-ASN
οὗτοςhoutosthis [man]G3778D-NSM
οὕτωςhoutōsthusG3779ADV
λαλεῖ;laleidoes speak?G2980V-PAI-3S
βλασφημεῖ·blasphēmeiHe blasphemes!G0987V-PAI-3S
τίςtisWhoG5101I-NSM
δύναταιdunataiis ableG1410V-PNI-3S
ἀφιέναιaphienaito forgiveG0863HV-PAN
ἁμαρτίαςhamartiassinsG0266N-APF
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēexceptG3361PRT-N
εἷςheisoneG1520A-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
θεός;theosGod?G2316N-NSM-T
  1. Deuteronomium 6,4

8 Und Jesus erkannte 1 in seinem Geist 2 sofort, dass sie so {bei sich} dachten, darum sagte 3 er zu ihnen: „Warum habt ihr solche Gedanken? 4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἐπιγνοὺςepignoushaving knownG1921V-2AAP-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
τῷtōin theG3588T-DSN
πνεύματιpneumatispiritG4151GN-DSN
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὕτωςhoutōsthusG3779ADV
αὐτοὶautoithey themselvesG0846P-NPM
διαλογίζονταιdialogizontaiare reasoningG1260V-PNI-3P
ἐνenwithinG1722PREP
ἑαυτοῖςhe'autoisthemselvesG1438F-3DPM
λέγειlegeiHe speaksG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
τίtiWhyG5101I-ASN
ταῦταtautathese thingsG3778D-APN
διαλογίζεσθεdialogizesthereason youG1260V-PNI-2P
ἐνeninG1722PREP
ταῖςtaistheG3588T-DPF
καρδίαιςkardiaisheartsG2588N-DPF
ὑμῶν;humōnof you?G4771P-2GP
  1. erkannte … darum Ptz. conj. (Ptz. Aor., temporal-kausal), hier – mit sofort – gleichzeitig verstanden, wobei darum auf den kausalen Sinn hinweist. Vorzeitig: „Jesus hatte sofort erkannt“ (vgl. NGÜ).
  2. in seinem Geist Die Formulierung spielt vielleicht einfach auf den kognitiven Prozess an wie {bei sich} (V. 8) und „in ihren Herzen“ (siehe Fußnoten zu V. 6.8) (NSS). Es ist jedoch bemerkenswert, das im AT nur Gott die Gedanken der Menschen kennt (z.B. 1Kö 8,39; Jer 11,20, nach Pesch 1976, 159). Dass Jesus ihre Gedanken lesen kann, sollte ihn zusammen mit der folgenden Heilung gegenüber den Schriftgelehrten klar als von Gott gesandt auszeichnen – und den Vorwurf der Blasphemie so entkräften (Guelich 1989, 88).
  3. sagte Historisches Präsens.
  4. Warum habt ihr solche Gedanken? W. »Warum denkt/erwägt ihr dies/solche [Gedanken] in euren Herzen?« Der wesentlich einfachere deutsche Satz scheint genau wiederzugeben, was der (wesentlich schwieriger wörtlich in gutes Deutsch zu übersetzende) griechische Satz meint. Zu »in euren Herzen« s. die Fußnote zu »in Gedanken« in V. 6. Die Doppelung »in Gedanken denken« hat schon dort zu der eleganteren Übersetzung »sie setzten sich in Gedanken [mit Jesu Worten] auseinander« geführt (s. die entsprechende Fußnote in V. 6), hier lässt sich dieselbe Formulierung aber nicht so übersetzen. NGÜ: »Warum gebt ihr solchen Gedanken Raum in euren Herzen?«, GNB: »Was macht ihr euch da für Gedanken?«

9 Was ist leichter (einfacher) – zu dem Gelähmten zu sagen: »Deine Sünden sind dir vergeben« oder {zu sagen}: »Steh auf und nimm deine Matte und laufe umher«?

Original Greek

τίtiWhichG5101I-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
εὐκοπώτερον,eukopōteroneasier,G2123A-NSN-C
εἰπεῖνeipeinto sayG2036V-2AAN
τῷtōto theG3588T-DSM
παραλυτικῷ·paralutikōparalytic;G3885A-DSM
ἀφίενταίaphientaiAre forgivenG0863HV-PPI-3P
σουsouof youG4771P-2GS
αἱhaitheG3588T-NPF
ἁμαρτίαι,hamartiaisins,G0266N-NPF
ἢēorG2228CONJ
εἰπεῖν·eipeinto say;G2036V-2AAN
ἔγειρεegeiredo ariseG1453V-PAM-2S
καὶkaiandG2532CONJ
ἆρονarondo take upG0142V-AAM-2S
τὸνtontheG3588T-ASM
κράβαττόνkrabattonmatG2895N-ASM
σουsouof youG4771P-2GS
καὶkaiandG2532CONJ
περιπάτει;¶peripateido walk?G4043V-PAM-2S

10 Aber damit ihr erkennt (wisst), dass der Menschensohn (Sohn des Menschen; Mensch) 1 [das] Recht (die Macht, Vollmacht, Entscheidungsgewalt) hat, auf der Erde Sünden zu vergeben —“, sagte er zu dem Gelähmten:

Original Greek

ἽναHinaThatG2443CONJ
δὲdehoweverG1161CONJ
εἰδῆτεeidēteyou may knowG6063V-RAS-2P
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐξουσίανexousianauthorityG1849N-ASF
ἔχειecheihasG2192V-PAI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
ἀφιέναιaphienaito forgiveG0863HV-PAN
ἁμαρτίαςhamartiassinsG0266N-APF
ἐπὶepionG1909PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
γῆς,gēsearthG1093GN-GSF
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
τῷtōto theG3588T-DSM
παραλυτικῷ·paralutikōparalytic;G3885A-DSM
  1. Menschensohn (Sohn des Menschen; Mensch) ist Jesu häufige Selbstbezeichnung. Sie taucht hier zum ersten Mal in Mk auf und wird im zweiten Teil des Evangeliums (ab Mk 8) deutlich häufiger auftreten. Ihr Hintergrund ist komplex und ihre Verwendung noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass Jesus sich damit nicht als gewöhnlicher Mensch bezeichnet (wie die Phrase in anderen Kontexten auf Hebräisch und Aramäisch zu verstehen ist), sondern sich von anderen abhebt. Nur er hat die außerordentliche Gewalt zur Vergebung der Sünden. In der Wahl der Bezeichnung dürfte der »Menschensohn« (bzw. »Mann«) aus Dan 7,13-14 eine Rolle gespielt haben, der ewige messianische Macht erhält und dem alle Nationen dienen. Jesus scheint zu seiner Zeit dennoch der einzige gewesen zu sein, der diese Bezeichnung auch als Titel auch für den erwarteten Messias (nämlich sich selbst) benutzte. Der Titel bot wohl auch den Vorteil, dass er nicht dieselben politischen Erwartungen weckte wie andere, geläufigere Messiasbezeichnungen, so wie »Messias« oder »Sohn Davids« (France 2002, 127f.; Collins 2007, 187ff.). (Guelich 1989, 90 meint dagegen, dass Jesus wenigstens an dieser Stelle die Bezeichnung als rhetorische Alternative zu »ich« benutzt.) Jesus gibt den Schriftgelehrten ein Rätsel auf. Wenn sie den alttestamentlichen Bezug seiner Aussage verstehen, erkennen sie auch seinen Anspruch (Collins 2007, 187).

11 „— sage ich dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause 1!“

Original Greek

σοὶsoiTo youG4771P-2DS
λέγω·legōI say;G3004GV-PAI-1S
ἔγειρε,egeiredo ariseG1453V-PAM-2S
καὶkaiandG2532CONJ
ἆρονarondo take upG0142V-AAM-2S
τὸνtontheG3588T-ASM
κράβαττόνkrabattonmatG2895N-ASM
σουsouof youG4771P-2GS
καὶkaiandG2532CONJ
ὕπαγεhupagedo goG5217V-PAM-2S
εἰςeistoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
οἶκόνoikonhomeG3624GN-ASM
σου.¶souof you.G4771P-2GS
  1. nach Hause Oder »in dein Haus«

12 Da (und) stand er auf, hob (nahm) umgehend seine Matte auf 1 und ging vor aller Augen hinaus, sodass alle fassungslos (erstaunt, außer sich) waren und Gott lobten. Sie riefen (sagten) 2: „So etwas haben wir noch nie erlebt (gesehen)!“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἠγέρθηēgerthēhe aroseG1453V-API-3S
καὶkaiandG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἄραςarashaving taken upG0142V-AAP-NSM
τὸνtontheG3588T-ASM
κράβαττονkrabattonmatG2895N-ASM
ἐξῆλθενexēlthenhe went forthG1831V-2AAI-3S
ἔμπροσθενemprosthenbeforeG1715PREP
πάντωνpantōnallG3956A-GPM
ὥστεhōsteso as forG5620CONJ
ἐξίστασθαιexistasthaito be amazedG1839V-PMN
πάνταςpantasallG3956A-APM
καὶkaiandG2532CONJ
δοξάζεινdoxazeinto glorifyG1392V-PAN
τὸνton<the>G3588T-ASM
θεὸνtheonGodG2316N-ASM-T
λέγονταςlegontassayingG3004GV-PAP-APM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὕτωςhoutōsThusG3779ADV
οὐδέποτεoudepoteneverG3763ADV-N
εἴδομεν.¶eidomendid we see.G1492HV-2AAI-1P
  1. hob auf Temporal-modales Ptz. conj., beigeordnet.
  2. Sie riefen Ptz. conj. (modal-temporal), vielleicht pleonastisch. Hier als separater Hauptsatz übersetzt.

13 Danach (Und) ging [Jesus] wieder hinaus 1 , ans (an ... entlang) Meer (See) 2 . Und die gesamte Menschenmenge kam zu ihm, und er lehrte 3 sie.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐξῆλθενexēlthenHe went forthG1831V-2AAI-3S
πάλινpalinagainG3825ADV
παρὰparabesideG3844PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θάλασσαν,thalassansea,G2281N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
πᾶςpasallG3956A-NSM
ὁhotheG3588T-NSM
ὄχλοςochloscrowdG3793N-NSM
ἤρχετοērchetowas comingG2064V-INI-3S
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτόν,autonHim,G0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐδίδασκενedidaskenHe was teachingG1321V-IAI-3S
αὐτούς.¶autousthem.G0846P-APM
  1. ging hinaus Jesus verließ das Haus und die Stadt Kafarnaum, wo er sich gerade aufhielt (Mk 2,1).
  2. Meer Gemeint ist der See Gennesaret (bei Markus: „Meer von Galiläa“, vgl. 1,16), an dessen Ufer Kafarnaum lag. Wer Markus von Anfang an liest, stellt diesen Bezug hier mühelos her.
  3. kam und lehrte Das Imperfekt beschreibt passend die beiden andauernden Prozesse: Das Zusammenkommen einer Menschenmenge und Jesu Lehren.

14 Und im Vorbeigehen (als er vorbeiging/vorüberging) 1 sah er Levi, den [Sohn] von Alphäus, an der Zollstelle (Zollhaus, Zoll) 2 sitzen 3 und sagte zu ihm: „Folge mir nach!“ 4 Da (Und) stand [Levi] auf 5 und folgte ihm nach.6

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
παράγωνparagōnpassing onG3855V-PAP-NSM
εἶδενeidenHe sawG1492HV-2AAI-3S
ΛευὶνLeuinLeviG3017IN-ASM-P
τὸνtonthe [son]G3588T-ASM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἉλφαίουHalphaiouof AlphaeusG0256N-GSM-P
καθήμενονkathēmenonsittingG2521V-PNP-ASM
ἐπὶepiatG1909PREP
τὸtotheG3588T-ASN
τελώνιονtelōniontax boothG5058N-ASN
καὶkaiandG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
ἀκολούθειakoloutheido followG0190V-PAM-2S
μοι.moiMe.G3165P-1DS
καὶkaiAndG2532CONJ
ἀναστὰςanastashaving arisenG0450V-2AAP-NSM
ἠκολούθησενēkolouthēsenhe followedG0190V-AAI-3S
αὐτῷ.¶autōHim.G0846P-DSM
  1. im Vorbeigehen Ptz. conj. (temporal), hier als Präpositionalphrase übersetzt. Auch möglich: „als/während er vorbeiging“
  2. Zollstelle Kafarnaum lag an der Grenze zwischen den Tetrarchien von Herodes Antipas und Herodes Philippus, weswegen man hier von den Händlern Warenzölle erhob. Die in den Evangelien erwähnten Zöllner (Gr. τελώνης) waren dafür zuständig. Auch Levi gehörte zu den Zollbeamten, die in Antipas’ Auftrag die auf Handelswaren anfallenden Gebühren einsammelten. Kopfsteuern erhob dagegen die römische Regierung (France 2002, 131f.; vgl. Guelich 1989, 100f.).
  3. sah … sitzen AcP, mit Infinitiv aufgelöst.
  4. „Folge mir nach!“ Etwas freier vielleicht auch „Schließe dich mir an!“ Vgl. Mk 1,16-20.
  5. stand auf Beschreibendes Partizip (Aorist).
  6. Markus 1,16; Markus 1,18

15 Und {es ereignete sich} [als] er [später] 1 in seinem Haus 2 bei Tisch war (zu Gast war) 3 , nahmen auch (und) viele Zolleinnehmer (Zöllner) und Sünder zusammen mit Jesus und dessen Jüngern an der Mahlzeit teil 4 . Es waren nämlich viele, die 5 ihm nachfolgten.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
γίνεταιginetaiit came to passG1096V-PNI-3S
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSM
κατακεῖσθαιkatakeisthairecliningG2621V-PNN
αὐτὸνautonof HimG0846P-ASM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
οἰκίᾳoikiahouseG3614GN-DSF
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
καὶkaithatG2532CONJ
πολλοὶpolloimanyG4183A-NPM
τελῶναιtelōnaitax collectorsG5057N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἁμαρτωλοὶhamartōloisinnersG0268A-NPM
συνανέκειντοsunanekeintowere reclining withG4873V-INI-3P
τῷtō<the>G3588T-DSM
ἸησοῦIēsouJesusG2424GN-DSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τοῖςtoiswith theG3588T-DPM
μαθηταῖςmathētaisdisciplesG3101N-DPM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
ἦσανēsanthere wereG1510V-IAI-3P
γὰρgarforG1063CONJ
πολλοί,polloimany,G4183A-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἠκολούθουνēkolouthounthey were followingG0190V-IAI-3P
αὐτῷ.autōHim.G0846P-DSM
  1. {es ereignete sich} Im Deutschen umschreibt [als] er [später]... die griechische Satzeinleitung, die aus dem historischen Präsens γίνεται und einem AcI besteht (NSS).
  2. in seinem Haus Markus meint wohl Levis Haus, in das Jesus eingeladen ist (so auch Lk 5,29), doch es könnte sich aber auch um Jesu Haus (Mk 2,1) handeln, in dem Levi zu Gast ist.
  3. bei Tisch war (zu Gast war) W. „[zu Tisch] lag“. Juden saßen zum Essen für gewöhnlich, doch zu besonderen Anlässen lag man nach dem Vorbild der griechischen Kultur zum Essen an niedrigen Tischen. Offenbar hielt Levi ein Festmahl ab (Guelich 1989, 101; France 2002, 132).
  4. nahmen an der Mahlzeit teil ist die Übersetzung des Prädikats (wie nachfolgten Imperfekt).
  5. die Eigentlich „und“, καὶ kann aber auch in der Funktion eines Relativpronomens genutzt werden (BDR §442.4).

16 Doch (Und) als die Schriftgelehrten (Schreiber) der Pharisäer 1 sahen, 2 dass er mit den Sündern und Zolleinnehmern (Zöllnern) aß 3 , sagten sie zu seinen Jüngern: „Warum 4 isst er mit Zolleinnehmern (Zöllnern) und Sündern?“

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
γραμματεῖςgrammateisscribesG1122N-NPM
καὶkai<and>G2532CONJ
τῶνtōnof theG3588T-GPM
ΦαρισαίωνPharisaiōnPhariseesG5330N-GPM-T
καὶkai<and>G2532CONJ
ἰδόντεςidonteshaving seenG1492HV-2AAP-NPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐσθίειesthieihe eatsG2068V-PAI-3S
μετὰmetawithG3326PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
ἁμαρτωλῶνhamartōlōnsinnersG0268A-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
τελωνῶνtelōnōntax collectorsG5057N-GPM
ἔλεγονelegonwere sayingG3004GV-IAI-3P
τοῖςtoisto theG3588T-DPM
μαθηταῖςmathētaisdisciplesG3101N-DPM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
τίtiWhy [is it]G5101I-NSN
ὅτιhotithatG3754GCONJ
μετὰmetawithG3326PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
τελωνῶνtelōnōntax collectorsG5057N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἁμαρτωλῶνhamartōlōnsinnersG0268A-GPM
ἐσθίειesthieiHe eatsG2068V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
πίνει;¶pineidrinks?G4095V-PAI-3S
  1. die Schriftgelehrten der Pharisäer (Gen. part.), der Genitiv zeigt Parteizugehörigkeit an. Nicht alle Pharisäer waren Schriftgelehrte, und nicht alle Schriftgelehrten waren Pharisäer – gemeint sind also die pharisäischen Schriftgelehrten.
  2. als … sahen Ptz. conj. (Aorist), als temporaler Nebensatz aufgelöst.
  3. aß W. „isst“
  4. Warum Die gering verbreitete, aber schwierigste erhaltene Variante ὅτι ist schwer zu deuten. 1. Es könnte eine Kontraktion von τί ὅτι »warum« (BDR §300.2) sein. 2. Es könnte ein ὅτι recitativum sein, die Frage lautet dann nur: »Er ist mit Zolleinnehmern und Sündern?(!)« 3. Schließlich könnte es sich auch um einen Teil der Frage bzw. des Ausrufs handeln: »Dass er mit Zolleinnehmern und Sündern isst!« (France 2002, 134)

17 Aber (Und) als Jesus [das] hörte, 1 sagte er zu ihnen {dass} 2: „Nicht die Gesunden haben einen Arzt nötig (brauchen), sondern die Kranken (die, denen es schlecht geht). 3 Ich bin nicht gekommen, [um] die Gerechten zu rufen (berufen, zusammenzurufen, einzuladen), sondern die Sünder!“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἀκούσαςakousashaving heardG0191V-AAP-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
λέγειlegeisaysG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them:G0846P-DPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὐouNoG3756PRT-N
χρείανchreianneedG5532N-ASF
ἔχουσινechousinhaveG2192V-PAI-3P
οἱhoithoseG3588T-NPM
ἰσχύοντεςischuontesbeing strongG2480V-PAP-NPM
ἰατροῦiatrouof a physicianG2395N-GSM
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
οἱhoithoseG3588T-NPM
κακῶςkakōssickG2560ADV
ἔχοντες·echontesbeing;G2192V-PAP-NPM
οὐκoukNotG3756PRT-N
ἦλθονēlthonI cameG2064V-2AAI-1S
καλέσαιkalesaito callG2564GV-AAN
δικαίουςdikaious[the] righteousG1342A-APM
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
ἁμαρτωλούςhamartōloussinnersG0268A-APM
εἰςeisintoG1519PREP
μετάνοιαν.¶metanoianrepentance.G3341N-ASF
  1. als … hörte Ptz. conj., temporal als Nebensatz mit „als“ aufgelöst.
  2. {dass}: Das ὅτι recitativum übersetzt man am besten als Doppelpunkt.
  3. die, denen es schlecht geht Subst. Ptz., als Relativsatz aufgelöst. die Kranken ist eine geläufige Übersetzung dieser Wendung, die wir auch Mk 1,32.34 und 6,55 verwenden.

18 Nun (Und) hatten die Jünger von Johannes und die Pharisäer die Angewohnheit, regelmäßig zu fasten (fasteten zu dieser Zeit) 1 . Und [Leute] kamen und fragten (sagten zu) 2 ihn: „Weshalb fasten die Jünger von Johannes und die Jünger der Pharisäer 3 , aber deine Jünger fasten nicht?“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἦσανēsanwereG1510V-IAI-3P
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
ἸωάννουIōannouof JohnG2491GN-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
ΦαρισαῖοιPharisaioiPhariseesG5330N-NPM-T
νηστεύοντεςnēsteuontesfastingG3522V-PAP-NPM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἔρχονταιerchontaithey comeG2064V-PNI-3P
καὶkaiandG2532CONJ
λέγουσινlegousinthey sayG3004GV-PAI-3P
αὐτῷ·autōto Him;G0846P-DSM
διὰdiaBecause ofG1223PREP
τίtiwhyG5101I-ASN
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
ἸωάννουIōannouof JohnG2491GN-GSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
ΦαρισαίωνPharisaiōnPhariseesG5330N-GPM-T
νηστεύουσιν,nēsteuousinfast,G3522V-PAI-3P
οἱhoi<the>G3588T-NPM
δὲdebutG1161CONJ
σοὶsoiYourG4771S-2SNPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
οὐounotG3756PRT-N
νηστεύουσιν;¶nēsteuousinfast?G3522V-PAI-3P
  1. hatten die Angewohnheit, regelmäßig zu fasten ἦσαν + Partizip präs. umschreibt das Imperfekt (Umschreibende Konjugation, Bauer zu ειμι, BDR §353). Die kursive Übersetzung versucht, das zu umschreiben. Das umschriebene Imperfekt bezeichnet hier entweder den als Angewohnheit gepflegten religiösen Brauch (so Luther, EÜ, ZÜR, NGÜ aü) oder beschreibt einen aktuell stattfindenden Vorgang: fasteten zu dieser Zeit (im Zusammenhang mit V. 15 dann gerade zu der Zeit, als bei Levi das Gastmahl stattfand), was dann Auslöser der folgenden Frage wäre (NGÜ, GNB, Menge). Allerdings macht Markus keine Angaben zum Anlass des Fastens, und die Kritiker scheinen eher eine grundsätzliche Anfrage zu stellen, als zu fragen, warum sich Jesu Jünger nicht an einem gleichzeitig stattfindenden Fasten beteiligen (Vgl. Collins 2007, 197). Johannes und seine Jünger führten einen spartanischen Lebensstil (Mk 1,6; siehe auch die ähnlichen Texte in Mt 11,16–19; Lk 7,31–35). Einige Pharisäer fasteten neben den jährlichen Fastenzeiten und verschiedenen anderen Anlässen (Trauer, Reue) auch montags und donnerstags (Lk 18,12; Guelich 1989, 109).
  2. kamen und fragten Historisches Präsens.
  3. Jünger der Pharisäer Da es bei den Pharisäern keine Jünger gab (die Formulierung aber aus rhetorischen Gründen zum Einsatz kommt; France 2002, 138), wäre in diesem Vers die durchgängige Übersetzung »Anhänger« vielleicht passender.

19 Da (Und) erwiderte (sagte) Jesus {zu ihnen}: „Ja (etwa) können die Hochzeitsgäste des Bräutigams 1 denn fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie unmöglich (nicht) fasten!

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἶπενeipensaidG2036V-2AAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
ὁho<the>G3588T-NSM
Ἰησοῦς·IēsousJesus;G2424GN-NSM-P
μὴmēNotG3361PRT-N
δύνανταιdunantaiare ableG1410V-PNI-3P
οἱhoitheG3588T-NPM
υἱοὶhuioisonsG5207N-NPM
τοῦtouof theG3588T-GSM
νυμφῶνοςnumphōnosbridechamberG3567N-GSM
ἐνeninG1722PREP
ᾧhōwhichG3739R-DSM
ὁhotheG3588T-NSM
νυμφίοςnumphiosbridegroomG3566N-NSM
μετ᾽met᾽withG3326PREP
αὐτῶνautōnthemG0846P-GPM
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
νηστεύειν;nēsteueinto fast?G3522V-PAN
ὅσονhosonAs long asG3745K-ASM
χρόνονchronontimeG5550N-ASM
ἔχουσινechousinthey haveG2192V-PAI-3P
τὸνtontheG3588T-ASM
νυμφίονnumphionbridegroomG3566N-ASM
μετ᾽met᾽withG3326PREP
αὐτῶνautōnthemG0846P-GPM
οὐounotG3756PRT-N
δύνανταιdunantaithey are ableG1410V-PNI-3P
νηστεύειν.nēsteueinto fast.G3522V-PAN
  1. Hochzeitsgäste des Bräutigams Wörtlich: »die Söhne des Hochzeitssaals/Brautgemachs«, eine semitische Bezeichnung für die Hochzeitsgäste bzw. die Gruppe von Gästen, die den Anhang des Bräutigams bilden und ihm nahe stehen (NSS; Collins 2007, 198f.). Wenn Jesus sich mit dem Bräutigam vergleicht, benutzt er ein Bild, das im AT Gott vorbehalten war (ebd. 199).

20 Es werden jedoch Tage kommen, wenn der Bräutigam {von} ihnen weggenommen wurde 1 , und dann, an diesem Tag 2 , werden sie fasten.

Original Greek

ἐλεύσονταιeleusontaiWill comeG2064V-FDI-3P
δὲdehoweverG1161CONJ
ἡμέραιhēmerai[the] daysG2250N-NPF
ὅτανhotanwhenG3752PREP
ἀπαρθῇaparthēamay have been taken awayG0522V-APS-3S
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
αὐτῶνautōnthemG0846P-GPM
ὁhotheG3588T-NSM
νυμφίος,numphiosbridegroom,G3566N-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
τότεtotethenG5119ADV
νηστεύσουσινnēsteusousinthey will fastG3522V-FAI-3P
ἐνeninG1722PREP
ἐκείνῃekeinēthatG1565D-DSF
τῇtēa<the>G3588T-DSF
ἡμέρᾳ.¶hēmeraday.G2250N-DSF
  1. weggenommen wurde Das Aorist funktioniert hier wie das Futur 2. Es wäre wohl zu viel in den Vers hineingelesen, wenn man hier einen direkten Bezug zu einem Fasten am Karfreitag (oder dessen eingedenk an allen Freitagen) ausgehen würde, wie das in der Vergangenheit geschehen ist (z.B. formuliert GNB: »dann werden sie fasten, immer an jenem Tag.«). Jesus spricht von einer Zeit, in der er schon nicht mehr da sein wird, nicht von dem einen Tag, an dem er fortgenommen werden wird (eine Beschreibung, die sich – als erste Todesvorhersage bei Markus – wohl tatsächlich auf seinen Tod bezieht)(Guelich 1989, 112ff.; France 2002, 140).
  2. Tage/Tag Wie im AT häufig stehen hier Tage, wo man auf Deutsch »(eine) Zeit« sagen würde.

21 Niemand näht einen Flicken [aus] neuem (ungewalktem, noch nicht eingelaufenem) Stoff 1 auf ein altes Kleidungsstück, sonst reißt das eingesetzte Stück (der Flicken) von ihm ab – das Neue vom Alten – und es entsteht ein [noch] schlimmerer Riss.

Original Greek

ΚαὶKaiandG2532CONJ
οὐδεὶςoudeisNo [one]G3762A-NSM
ἐπίβλημαepiblēmaa patchG1915N-ASN
ῥάκουςrhakousof clothG4470N-GSN
ἀγνάφουagnaphouunshrunkG0046A-GSN
ἐπιράπτειepirapteisewsG1976V-PAI-3S
ἐπὶepionG1909PREP
ἱμάτιονhimationclothingG2440N-ASN
παλαιόν·palaionold;G3820A-ASN
εἰeilestG1487LCOND
δὲdethenG1161CONJ
μή,mēexceptG3361PRT-N
αἴρειaireitears awayG0142V-PAI-3S
τὸtotheG3588T-ASN
πλήρωμαplērōmapatchG4138N-ASN
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
αὐτοῦautouitG0846P-GSN
τὸto<the>G3588T-NSN
καινὸνkainonnewG2537A-NSN
τοῦtoufrom theG3588T-GSN
παλαιοῦ,palaiouold,G3820A-GSN
καὶkaiAndG2532CONJ
χεῖρονcheironworseG5501A-NSN-C
σχίσμαschismaa tearG4978N-NSN
γίνεται.¶ginetaitakes place.G1096V-PNI-3S
  1. [aus] neuem (ungewalktem, noch nicht eingelaufenem) Stoff Das benutzte griechische Adjektiv (im NT nur noch in Mt 9,16) wird meist einfach mit »neu« übersetzt (Menge, NSS, BA: »ungewalkt«), im Englischen dagegen mit »unshrunken«=»noch nicht eingegangen« wiedergegeben. Beim Walken wird der »rohe« Wollstoff in Wasser mit Chemikalien behandelt und gekämmt, geknetet oder geschlagen, wobei man es in die gewünschte Form zieht. So verfilzt das Material, es läuft ein und wird fester und formstabiler. Ein Flicken aus ungewalktem Stoff wird beim Waschen also Einlaufen und so das geflickte Kleidungsstück lädieren (LBD wool; France 2002, 141). [aus] Gen. materiae.

22 Und niemand füllt jungen (neuen) Wein in alte Schläuche. Ansonsten wird der Wein die Schläuche zerreißen (sprengen) und der Wein ist verloren (geht verloren), wie auch die Schläuche. 1 Jungen (neuen) Wein [füllt man] doch (vielmehr) in neue Schläuche.“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
οὐδεὶςoudeisno [one]G3762A-NSM
βάλλειballeiputsG0906HV-PAI-3S
οἶνονoinonwineG3631N-ASM
νέονneonnewG3501A-ASM
εἰςeisintoG1519PREP
ἀσκοὺςaskouswineskinsG0779N-APM
παλαιούς·palaiousold;G3820A-APM
εἰeilestG1487LCOND
δὲdethenG1161CONJ
μή,mēexcept,G3361PRT-N
ῥήξειrhēxeiwill burstG4486V-FAI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
οἶνοςoinoswineG3631N-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
νέοςneosnewG3501A-NSM
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἀσκούς,askouswineskinsG0779N-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
οἶνοςoinoswineG3631N-NSM
ἀπόλλυταιapollutaiis destroyedG0622V-PPI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
ἀσκοίaskoiwineskinsG0779N-NPM
ἀπολοῦνται·apolountaiwill perish;G0622V-FMI-3P
ἀλλ᾽all᾽InsteadG0235CONJ
οἶνονoinonwineG3631N-ASM
νέονneonnewG3501A-ASM
εἰςeisintoG1519PREP
ἀσκοὺςaskouswineskinsG0779N-APM
καινούςkainousnewG2537A-APM
βλητέον.¶blēteonmust be put.G0992A-NSN
  1. Wein beginnt innerhalb weniger Stunden nach dem Pressen zu gären. Bis der Gärprozess abgeschlossen war, füllte man den Wein damals in Tongefäße oder Lederschläuche. Das bei der Gärung entstandene Kohlenstoffdioxid konnte entweichen, weil man die Gefäße zunächst nicht verschloss (vgl. Hiob 32,19). Neue Lederschläuche waren diesem Druck gewachsen und dehnten sich aus, während alte, brüchige Schläuche dadurch kaputt gehen konnten (LBD, Wine; France 2002, 141f.).

23 {Und es ereignete sich} [Einmal, als] 1 er am Sabbat durch die Getreidefelder hindurchging (vorbeiging), da fingen seine Jünger an, unterwegs {die} Ähren abzureißen. 2.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐγένετοegenetoit came to passG1096V-2ADI-3S
αὐτὸνautonHeG0846P-ASM
ἐνenonG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPN
σάββασινsabbasinSabbathsG4521N-DPN
παραπορεύεσθαιparaporeuesthaipassing throughG3899V-PNN
διὰdiathroughG1223PREP
τῶνtōntheG3588T-GPN
σπορίμων,sporimōngrainfields,G4702A-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ἤρξαντοērxantobeganG0757V-ADI-3P
ὁδὸνhodon[their] wayG3598N-ASF
ποιεῖνpoieinto makeG4160GV-PAN
τίλλοντεςtillontespluckingG5089V-PAP-NPM
τοὺςtoustheG3588T-APM
στάχυας.stachuasheads of grain.G4719N-APM
  1. {Und es ereignete sich} [Einmal, als] ἐγένετο „es ereignete sich“ + AcI versetzt den Leser oder Zuhörer hier wie in V. 15 mitten in einen neuen Handlungsstrang hinein. Καὶ – καὶ „und – und“ scheint semitisierend bzw. in volkstümlichem Griechisch als „als … da“ zu funktionieren.
  2. fingen seine Jünger an, unterwegs {die} Ähren abzureißen Impliziert ist die weitere Information: „und zu essen“ (vgl. NGÜ), wie die Parallestellen Mt 12,1 und Lk 6,1 verdeutlichen. W. „fingen seine Jünger an, [sich] einen Weg zu bahnen, wobei (indem) sie Ähren abrissen.“ Was genau die Jünger taten, wird erst auf den zweiten Blick klar. Man erhält zunächst den Eindruck, dass die Jünger sich einen Weg durch das Feld bahnten, nicht indem sie die Halme flachtraten, sondern indem sie sie einzeln abrissen! Zu diesem Missverständnis tragen gleich zwei ungewöhnliche Phänomene bei. Erstens ist i.d.R. das adv. Ptz. Aor. eigentlich Umstandsangabe und das finite Verb Haupthandlung. Wer den Satz so liest, versteht ihn jedoch falsch. Besser ist es anzunehmen, dass die partizipiale und die finite Form in diesem Fall in einer sprachlichen Eigenheit vertauscht wurden (so BDR §339 Fn 5; NSS). Die wörtliche Übersetzung müsste also etwa so lauten: „während sie [sich] einen Weg bahnten, begannen sie, Ähren abzureißen.“ Das zweite Phänomen betrifft das Verständnis dieser Umstandsangabe, also dem mit „während“ eingeleiteten ersten Satzteil in der soeben zitierten wörtlichen Übersetzung. ὁδὸν ποιεῖν heißt hier nicht „einen Weg bahnen“, sondern ist zu verstehen wie klass. ὁδὸν ποιεῖσθαι „reisen, wandern“ (statt medial wird aktiv formuliert, BDR §310 Fn 3; NSS; Guelich 1989, 119), wie in Ri 17,8 LXX. Die Formulierung wird aus stilistischen Gründen meist adverbial übersetzt (unterwegs).

24 Und die Pharisäer sagten zu ihm: „Schau (siehe), was sie [an] einem Sabbat tun: [etwas], das nicht erlaubt ist! (Warum tun sie [an] einem Sabbat, was nicht erlaubt ist?)“ 12

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
ΦαρισαῖοιPharisaioiPhariseesG5330N-NPM-T
ἔλεγονelegonwere sayingG3004GV-IAI-3P
αὐτῷ·autōto Him;G0846P-DSM
ἴδεideBeholdG2396INJ
τίtiwhyG5101I-ASN
ποιοῦσινpoiousindo theyG4160GV-PAI-3P
ἐνeninG1722PREP
τοῖςtoison theG3588T-DPN
σάββασινsabbasinSabbathsG4521N-DPN
ὃhothat whichG3739R-NSN
οὐκouknotG3756PRT-N
ἔξεστιν;¶exestinis lawful?G1832V-PAI-3S
  1. Die Pharisäer werfen den Jüngern in dieser Episode vor, am Sabbat zu arbeiten, indem sie ernten. Das wäre am Sabbat verboten (Ex 20,8-11; Dtn 5,12-16; Ex 34,21). Die Verletzung der Sabbatruhe galt als einer der schlimmsten Verstöße gegen den Sinai-Bund (Watts 2007, 139). Eine so kleinliche Auslegung des Gesetzes war zu Jesu Zeit in frommen jüdischen Kreisen üblich. Nach dem Exil begannen die Juden, sehr detaillierte Auslegungen des Gesetzes zu erarbeiten, mit Detailregeln für jeden Bereich des Lebens. Indem man sich an sie hielt, sollte man ein unabsichtliches Brechen des Gesetzes oder Verunreinigung möglichst ausschließen können. So regelt das etwa in dieser Zeit entstandene sog. „Damaskus-Dokument“: „Niemand darf am Sabbat aus beruflichen Gründen auf dem (bzw. seinem) Feld unterwegs sein.“ (CD 10,20-21, sinngemäß nach einem engl. Zitat). Weiter heißt es: „Niemand darf am Sabbat essen außer dem, was schon zubereitet ist, weiter nichts, das auf den Feldern liegt“ (CD 10,22-23). Dtn 23,25 beschreibt den Unterschied zwischen dem Pflücken der Ähren und dem Ernten: Ersteres war auch in fremden Feldern erlaubt, Letzteres nicht. Andere Texte verbieten zwar auch das Pflücken am Sabbat, es geht dabei aber um gezielte Ernte. Die Jünger bewegen sich daher innerhalb einer umstrittenen Grauzone, denn streng genommen bereiten sie weder essen zu, noch ernten sie in geschäftlichem Ausmaß (Collins 2007, 201f.). Die Pharisäer sehen darin dennoch einen Bruch des Sabbats, während Jesus seine Jünger gewähren lässt, weil das Gesetz für ihn im Sinne des Menschen auszugelegen ist (V. 27).
  2. Deuteronomium 23,25

25 Aber (und) er erwiderte (sagte) {zu ihnen}: „Habt ihr noch nie gelesen, was David tat, als er in einer Notlage war ([nichts zu essen] hatte) 1 und er und die bei ihm Hunger litten (Hunger hatten)?

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
αὐτὸςautoshe himselfG0846P-NSM
λέγειlegeisaysG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
οὐδέποτεoudepoteSurelyG3763ADV-N
ἀνέγνωτεanegnōteyou did readG0314V-2AAI-2P
τίtiwhatG5101I-ASN
ἐποίησενepoiēsendidG4160GV-AAI-3S
ΔαυὶδDauidDavidG1138N-NSM-P
ὅτεhotewhenG3753CONJ
χρείανchreianneedG5532N-ASF
ἔσχενeschenhe hadG2192V-2AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐπείνασενepeinasenhungeredG3983V-AAI-3S
αὐτὸςautoshe himselfG0846P-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoithoseG3588T-NPM
μετ᾽met᾽withG3326PREP
αὐτοῦ;autouhim?G0846P-GSM
  1. in einer Notlage war ([nichts zu essen] hatte) W. »Mangel hatte/litt«. In heutigem Deutsch müssen wir entweder etwas allgemeiner (wie vor der Klammer) oder spezifischer (wie in der Klammer) formulieren. Zu unserer Übersetzung vgl. LUT, ELB, ZÜR, MEN.

26 Wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar 1 in das Haus Gottes ging und die geweihten Brote (Schaubrote, ausgestellten Brote) 2 verzehrte, die außer den Priestern niemand essen darf, 3 und auch denen, die bei ihm waren, [etwas davon] gab?“4

Original Greek

πῶςpōsHowG4459PRT-I
εἰσῆλθενeisēlthenhe enteredG1525V-2AAI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
οἶκονoikonhouseG3624GN-ASM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
ἐπὶepiin [the days of]G1909PREP
ἈβιαθὰρAbiatharAbiatharG0008N-GSM-P
τοῦtoutheG3588T-GSM
ἀρχιερέωςarchiereōshigh priestG0749N-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἄρτουςartousloavesG0740N-APM
τῆςtēsof theG3588T-GSF
προθέσεωςprotheseōspresentationG4286N-GSF
ἔφαγενephagenateG5315V-AAI-3S
οὓςhouswhichG3739R-APM
οὐκouknotG3756PRT-N
ἔξεστινexestinit is lawfulG1832V-PAI-3S
φαγεῖνphageinto eatG5315V-AAN
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēexceptG3361PRT-N
τοὺςtousfor theG3588T-APM
ἱερεῖς,hi'ereispriests,G2409N-APM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἔδωκενedōkenhe gaveG1325V-AAI-3S
καὶkaievenG2532CONJ
τοῖςtoisto thoseG3588T-DPM
σὺνsunwithG4862PREP
αὐτῷautōhimG0846P-DSM
οὖσιν;ousinbeing?G1510V-PAP-DPM
  1. Abjatar In der herangezogenen Geschichte in 1Sam 21,2-7 ist es nicht Abjatar, sondern dessen Vater Ahimelech, der in Nob die Stiftshütte verwaltet und David aushilft. Erst später (in 1Sam 22,20) tritt Abjatar als dessen einziger überlebender Sohn in Erscheinung, der sich zu David flüchtet, nachdem Saul alle anderen Mitglieder von Ahimelechs Familie im Zorn hat massakrieren lassen. Allerdings war Ahimelech in der Geschichte nicht Hoherpriester, wohl aber später sein Sohn (Collins 2007, 202f.). Die beiden Namen sind schon in 2Sam 8,17 und 1Chr 24,6 vertauscht, was mit dem Bericht bei Markus zusammenhängen könnte. Es gibt verschiedene weitere Erklärungen: 1. Der Name des wichtigeren könnte sich in der Überlieferung der Geschichte von selbst durchgesetzt haben (Collins 2007, 202f.; Guelich 1989, 122). 2. Der Hohepriester Abjatar wird absichtlich erwähnt, entweder weil im Zusammenhang dieser Geschichte auch erzählt wird, wie er Hoherpriester wurde (Jesus benutzt seinen Namen dann als »Stellenangabe« innerhalb 1. Samuel), oder weil er das Ereignis selbst miterlebte und für Davids Legitimation als König später eine wichtige Rolle spielte (Watts 2007, 141). 3. Aus den unterschiedlichen Versionen könnte zu entnehmen sein, dass beide Priester Doppelnamen hatten (vgl. NSS). 4. Möglicherweise hat Markus’ aramäische Quelle Abjatar nur als »großen Priester« o.ä. bezeichnet, woraus Markus auf Griechisch unabsichtlich »Hoherpriester« machte (vgl. France 2002, 146 Fn 52).
  2. geweihte Brote W. etwa »Brote der Ausstellung« (appositiver Genitiv), also zu Deutsch »die ausgestellten Brote«. Jesus benutzt hier den Begriff aus der LXX für die aus dem AT bekannten »geweihten Brote« oder »Schaubrote« (NSS).
  3. Levitikus 24,5
  4. 1 Samuel 21,2

27 Und er fügte hinzu (sagte) {zu ihnen}: „Der Sabbat wurde für (um … willen) den Menschen geschaffen (gemacht) und nicht der Mensch für (um … willen) den Sabbat.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
τὸtoTheG3588T-NSN
σάββατονsabbatonSabbathG4521N-NSN
διὰdiaon account ofG1223PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄνθρωπονanthrōponmanG0444N-ASM
ἐγένετο,egenetowas made,G1096V-2ADI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
οὐχouchnotG3756PRT-N
ὁhotheG3588T-NSM
ἄνθρωποςanthrōposmanG0444N-NSM
διὰdiaon account ofG1223PREP
τὸtotheG3588T-ASN
σάββατον.sabbatonSabbath.G4521N-ASN

28 Also (Daher, sodass) ist der Menschensohn (Sohn des Menschen; Mensch) 1 Herr sogar (selbst, auch) [über] den Sabbat 2.“

Original Greek

ὥστεhōsteSo thenG5620CONJ
κύριόςkuriosLordG2962GN-NSM-T
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
καὶkaialso evenG2532CONJ
τοῦtouof theG3588T-GSN
σαββάτου.¶sabbatouSabbath.G4521N-GSN
  1. Menschensohn Zum Titel s. die Fußnote zu V. 10. Der Titel bezieht sich wie überall im Neuen Testament als Selbstbezeichnung auf Jesus. Es wurde auch für V. 27-28 verschiedentlich vorgeschlagen, dass sowohl »Mensch« (V. 27) als auch »Menschensohn« (V. 28) beide dasselbe aramäische Wort übersetzen. In beiden Versen würde Jesus dann entweder von der Menschheit oder in stilistischer Variation von sich selbst sprechen. Oder die Formulierung »Mensch«/»Menschensohn« ähnelt Ps 8,5, sodass V. 27 vom Menschen, und V. 28 entweder vom Menschen oder von Jesus spricht. Im letzten Fall wäre Jesu Aussage für die Pharisäer nachvollziehbar (so Guelich 1989, 126f.; Collins 2007, 204f.). Doch hätten die christlich denkenden Leser des Evangeliums die Formulierung wohl nicht anders denn als christologischen Titel verstanden – egal wie sie in ihrem ursprünglichen Kontext gemeint war. Es wäre zudem theologisch problematisch, wenn Jesus den von Gott verordneten Sabbat der Willkür des Menschen unterworfen hätte. Und letztlich hätte der Satz nach dieser Deutung lediglich wiederholt, was schon der vorige besagte (Edwards 2002, 96f.). Markus meint daher wohl: Weil Jesus (als der Menschensohn) größere Autorität hat als David, hat er auch die Autorität, den Sabbat zu definieren. Beide sind Gottes Auserwählte, die auf einer von Gott bestimmten Mission sind. So haben jedenfalls Matthäus (12,8) und Lukas (6,5) die Aussage verstanden (France 2002, 147f.; vgl. Collins 2007, 204f.; Edwards 2002, 96f.).
  2. Herr sogar [über] den Sabbat κύριός Herr mit Genitiv heißt »Herr über« (NSS).