reltext

Chapter 13

1 1 {Und} (Und)2 als er aus dem Tempel hinausging (hinausgeht)3, sagte (sagt)4 einer5 seiner Jünger zu ihm: „Lehrer! {Sieh nur!} (Sieh nur!)6 Was für Steine und was für Gebäude!7“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐκπορευομένουekporeuomenouwhen is going forthG1607V-PNP-GSM
αὐτοῦautouHeG0846P-GSM
ἐκekout ofG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
ἱεροῦhi'eroutempleG2411N-GSN
λέγειlegeisaysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
εἷςheisoneG1520A-NSM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
μαθητῶνmathētōndisciplesG3101N-GPM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
διδάσκαλε,didaskaleTeacher,G1320N-VSM-T
ἴδεidebeholdG2396INJ
ποταποὶpotapoiwhatG4217I-NPM
λίθοιlithoistonesG3037N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ποταπαὶpotapaiwhatG4217I-NPF
οἰκοδομαί.¶oikodomaibuildings!G3619N-NPF
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. und - καὶ und hat hier die Funktion, Kap. 13 mit der vorangehenden Szene zu verbinden; vgl. Mateos 1987, S. 80. Im Deutschen setzte man in solchen Fällen keine Konjunktion, daher ist sie in der LF besser auszusparen.
  3. als er hinausging - Da das Präsens λέγει er sagt(e), zu dem der temporale Genitivus absolutus ἐκπορευομένου als er hinausgeht/hinausging in gleichzeitiger Relation steht, historisches Präsens ist (s. nächste Fußnote), ist die präsentische Wiedergabe überwörtlich und sollte vermieden werden.
  4. sagte - Historisches Präsens, vgl. Kmiecik 1997, S. 36; Mateos 1987, S. 81
  5. einer Das Zahlwort εἷς eins, einer steht hier für das Indefinitpronomen τις jemand, irgendeiner; vgl. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 150. Das ist kein Semitismus; diese Verwendung findet sich z.B. auch bei Aristoteles; vgl. Pape, S. 738.
  6. Sieh nur - Der Ausruf insgesamt und das ἴδε sieh nur speziell sind an dieser Stelle merkwürdig, denn sie kommen aus dem Mund eines Jüngers, der schon mindestens drei Tagen in Jerusalem weilt und nicht etwa gerade zum ersten Mal den Tempel sieht, sondern einen Tempelbesuch beendet (Lohmeyer 1967, S. 268). Da ἴδε als Redeeinleitung ein stehender Begriff zum Ausdruck von Verwunderung ist (ad loc z.B. Bailey 2009, S. 346; ähnlich Pesch 1977, S. 270), sollte man ihn hier besser als bloße Fokuspartikel interpretieren und unübersetzt lassen oder zu einem deutschen Äquivalent greifen (Bailey z.B. schlägt vor: »such (wonderful) stones!« (S. 357)). So ja auch in vielen Üss. in V. 23.
  7. Der Tempel war Teil einer größeren Tempelanlage (für ein Modell vgl. z.B. Reidinger 2004, S. 13; daher Plural.

2 Da (Und) sagte Jesus zu ihm: „Du achtest auf diese großen Gebäude? (Diese Gebäude da?, Siehst/bewunderst du diese großen Gebäude?, Du siehst/bewunderst diese großen Gebäude.)1 Nicht (Keinesfalls)2 wird [hier] gelassen werden Stein auf Stein, der nicht {sicher} (sicher) zerstört (herausgebrochen) werden wird.3“4

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
ἀποκριθεὶςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
εἶπενeipensaidG2036V-2AAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
βλέπειςblepeisSee youG0991V-PAI-2S
ταύταςtautastheseG3778D-APF
τὰςtas<the>G3588T-APF
μεγάλαςmegalasgreatG3173A-APF
οἰκοδομάς;oikodomasbuildings?G3619N-APF
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
ἀφεθῇaphethēamay be leftG0863GV-APS-3S
ὧδεhōdehereG5602ADV
λίθοςlithosstoneG3037N-NSM
ἐπὶepiuponG1909PREP
λίθονlithonstoneG3037N-ASM
ὃςhoswhichG3739R-NSM
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
καταλυθῇ.¶kataluthēamay be thrown down.G2647V-APS-3S
  1. βλέπω sehen ist in Mk 13 ein Leitwort und wird verwendet in Vv. 2.5.9.23.33. V. 2 wird in der Exegese merkwürdigerweise oft separat von den anderen vier Verwendungen abgehandelt (für eine Übersicht und zu den obigen Alternativübersetzungen vgl. gut Cranfield 1959, S. 391f), aber besser ist dies: Gleich, wie genau Jesu du siehst diese großen Gebäude exakt zu verstehen ist; zusammen mit dem folgenden Kein Stein [des Tempels] wird hier auf dem anderen bleiben steht es auf jeden Fall dem begeisterten Ausruf des Jüngers entgegen. In Vv. 5.9 lenkt Jesus dann die Aufmerksamkeit der Jünger auf andere Dinge als den Tempel: »Seht darauf, dass euch niemand irreführt« resp. »Seht auf euch selbst [, denn man wird euch anfeinden]«; in V. 33 wird es außerdem in direktem Zusammenhang mit ἀγρυπνέω wachsam sein verwendet. Folgt man der Logik des Textes, sollte man daher besser deuten: V. 2: Achte nicht auf den Tempel, denn kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben (oder, näher am Text: Was achtest du auf diese großen Gebäude?); V. 5: Habt Acht, dass euch niemand irreführt!, V. 9: Nehmt euch in Acht!; V. 23: Seid achtsam!; V. 33: Seid achtsam! Seid wachsam!.
  2. οὐ μὴ (sicher) nicht ist eine besonders starke Verneinung, sie dient hier aber nur der Intensivierung, um Jesu Äußerung sprachlich zu markieren als (sichere) Prophezeiung. Das Deutsche verwendet hierfür andere Konstruktionen.
  3. der nicht zerstört (herausgebrochen) werden wird - Dieser Relativsatz wirkt sprachlich etwas merkwürdig (Pesch 1977, S. 271: »überschießend«, »holprig«); seine Deutung hängt ab von der Übersetzung von καταλύω lösen, herauslösen, zerstören: (i) Von einer großen Mehrheit wird καταλύω gedeutet und übersetzt als »zerstören«. In diesem Fall wäre die Konstruktion in etwa vergleichbar mit einer deutschen Konstruktion à la »Er setzt Stein auf Stein, der groß ist« - normalerweise würde man nicht erwarten, dass »Stein« auch noch durch einen Relativsatz erweitert wird. Der Sinn wäre trotzdem klar: Die Aussage, dass kein Stein auf dem anderen gelassen werden würde, wird zusätzlich noch durch die Aussage gesteigert, dass jeder Stein zerstört werden würde. In der LF sollte man dann wohl besser mit zwei Sätzen arbeiten, etwa: »Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben: jeder noch so kleine Stein wird zerstört werden.« (ii) EWNT II, S. 651 schlägt aber ad loc. vor: »herausbrechen«. In diesem Fall machte der Satz grammatisch mehr Sinn (- ist aber auch dann grammatisch immer noch etwas ungewöhnlich -), denn dann würden sich Hauptsatz und Relativsatz auf den selben Sachverhalt beziehen: »Hier wird keinesfalls gelassen werden Stein auf Stein, der nicht herausgebrochen werden wird«. Es läge dann ein Fall von redundantem Relativsatz vor - eine Konstruktion, die man sonst eher aus dem klassischen Griechisch als der Koine kennt (Kleist 1937, S. 143) und die typisch ist für den markinischen Stil (s. allein in diesem Kapitel noch Vv. 19.20) - der ebenso wie wie οὐ μὴ (s.o.) nur der Intensivierung der Aussage dient, also einfach »Kein einziger Stein wird hier auf dem anderen bleiben!«. Ich persönlich (S.W.) würde Möglichkeit (ii) den Vorzug geben, aber da sie meines Wissens noch nicht vorgeschlagen wurde, wird man sich in der LF doch besser für Möglichkeit (i) entscheiden müssen.
  4. 1 Könige 9,8; Jeremia 26,18; Micha 3,12; Markus 14,58

3 Als er dann saß (sich setzte) auf dem (den)1 Ölberg gegenüber dem Tempel, fragte[n] ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas alleine2:

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
καθημένουkathēmenouwhen is sittingG2521V-PNP-GSM
αὐτοῦautouHeG0846P-GSM
εἰςeisuponG1519PREP
τὸtotheG3588T-ASN
ὄροςorosMountG3735N-ASN-L
τῶνtōn<the>G3588T-GPF
ἐλαιῶνelaiōnof OlivesG1638N-GPF-L
κατέναντιkatenantioppositeG2713PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
ἱεροῦhi'eroutempleG2411N-GSN
ἐπηρώταepērōtahe was askingG1905V-IAI-3S
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
κατ᾽kat᾽inG2596PREP
ἰδίανidianprivateG2398A-ASF
ΠέτροςPetrosPeterG4074GN-NSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἸάκωβοςIakōbosJamesG2385GN-NSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἸωάννηςIōannēsJohnG2491HN-NSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
Ἀνδρέας·AndreasAndrew;G0406N-NSM-P
  1. als er auf dem Ölberg saß vs. Als er sich auf den Ölberg setzte - εἰς wird hier verwendet wie ἔν; daher ist es nicht direktional, sondern lokativisch zu übersetzen. Auch dies ist typisch für den markinischen Stil (vgl. ad loc. Turner 1924b, S. 19), aber kein „markinischer Semitismus“, da es sich auch sonst häufiger in der Koine findet (Kleist 1937, S. 225).
  2. allein übersetzt κατ’ ἰδίαν. Dieser Ausdruck versprachlicht hier das Motiv der Privatoffenbarung / Sonderoffenbarung Jesu an seine Jünger (Witherington 2001, S. 439); in der LF sollte man zu etwas greifen wie „als sie allein/für sich waren“.

4 „{Sag uns:}1 Wann wird dies2 sein? Und was [wird sein] das Zeichen [dafür], wann dies alles bestimmt ist (im Begriff ist)3, zu geschehen (vollendet zu werden, zu enden)4?“5

Original Greek

εἰπὸνeipondo tellG2036V-2AAM-2S
ἡμῖν·hēminus:G3165P-1DP
πότεpotewhenG4219PRT-I
ταῦταtautathese thingsG3778D-NPN
ἔσταιestaiwill beG1510V-FDI-3S
καὶkaiAndG2532CONJ
τίtiwhat [will be]G5101I-ASN
τὸtotheG3588T-NSN
σημεῖονsēmeionsignG4592N-NSN
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
μέλλῃmellēmay soonG3195V-PAS-3S
ταῦταtautathese thingsG3778D-NPN
συντελεῖσθαιsunteleisthaito be accomplishedG4931V-PPN
πάντα;¶pantaallG3956A-NPN
  1. Die Redeeinleitung Εἰπὸν ἡμῖν sage uns dient im NT häufiger nur als Bitte um eine Antwort (z.B. Mt 22,17; Lk 20,2; 22,67 u.ö.); im Deutschen entspricht dem funktional eher eine uneingeleitete Frage.
  2. Die Referenz der Demonstrativpronomen ταῦτα dies und ταῦτα πάντα all dies sind in der Exegese umstritten; vgl. dazu den Kommentar
  3. μέλλῃ bedeutet sowohl »im Begriff sein« (als Ausdruck für die nahe Zukunft) als auch »vorherbestimmt sein« (EWNT II, S. 994: »Schließlich kann μ. die im göttlichen Ratschluß begründete Notwendigkeit eines Geschehens und damit dessen sicheres Eintreten ausdrücken.«). Die Übersetzungen variieren daher; z.B. Jantzen: »wann das alles im Begriff ist, vollendet zu werden« vs. SLT: »wann dies alles vollendet werden soll.« Weil »dies alles« vermutlich auf eschatologische Geschehnisse verweist (s. den Kommentar), ist hier die zweite Bedeutung wahrscheinlicher.
  4. συντελέω vollenden wird meist apokalyptisch gedeutet; s. z.B. EWNT III, S. 742. Matthäus macht dies explizit: Mt 24,3 τί τὸ σημεῖον τῆς σῆς παρουσίας καὶ συντελείας τοῦ αἰῶνος Was [wird sein] das Zeichen für deine Wiederkunft (παρουσία, =Parusie) und für das Ende (συντελεία) der Welt{zeit}?. Aus stilistischen Gründen sollte es dennoch nicht mit »enden« oder »vollenden« übersetzt werden. Gleich, worauf man »dies alles« beziehen muss: Weder von der »Zerstörung des Tempels« noch vom »Ende der Welt« (so die beiden geläufigsten Interpretationen des »dies alles«) noch vom »Auftreten des Antichristen« (s. im Kommentar) würde man im Deutschen sagen, sie würden »enden« oder »sich vollenden«, sondern: sie werden »geschehen« - und auch dies gehört zur Grundbedeutung von συντελέω; vgl. z.B. Thayer
  5. Daniel 8,13; Daniel 12,6

5 Und Jesus sagte zu ihnen ({begann}, zu ihnen zu sagen)1: „Habt acht (seht zu), dass euch niemand irreführt!

Original Greek

ὉHo<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
ἀποκριθεὶςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
ἤρξατοērxatobeganG0757V-ADI-3S
λέγεινlegeinto sayG3004GV-PAN
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
βλέπετεblepetedo take heedG0991V-PAM-2P
μήmēlestG3361PRT-N
τιςtisanyoneG5100X-NSM
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
πλανήσῃ.planēsēmay mislead.G4105V-AAS-3S
  1. Höchstwahrscheinlich pleonastisches ἄρχομαι - eine Stileigentümlichkeit des Mk (vgl. Doudna 1961, S. 51ff.; Kleist 1937, S. 205; Pryke 1978, S. 79ff.; Reiser 1983, S. 45): Beginnen wird redundant gesetzt und kann in der Übersetzung ausgespart werden, indem der Infinitiv stilistisch besser als Vollverb übersetzt wird. Vgl. ad loc. Gaston 1970, S. 13; dagegen Dschulnigg 2007, S. 338; allerdings ohne Begründung.

6 [Denn] es werden viele unter meinem Namen1 kommen und sagen: »Ich bin [es]!«, und sie werden viele irreführen.

Original Greek

πολλοὶpolloiManyG4183A-NPM
γὰρgarforG1063CONJ
ἐλεύσονταιeleusontaiwill comeG2064V-FDI-3P
ἐπὶepiinG1909PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὀνόματίonomatinameG3686N-DSN
μουmouof MeG3165P-1GS
λέγοντεςlegontessayingG3004GV-PAP-NPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐγώegōI myselfG1473P-1NS
εἰμι,eimiam [He],G1510V-PAI-1S
καὶkaiandG2532CONJ
πολλοὺςpollousmanyG4183A-APM
πλανήσουσιν.planēsousinthey will mislead.G4105V-FAI-3P
  1. Auch diese beiden strittigen Sätzchen werden von Cranfield 1959, S. 395 gut in ihre möglichen Bedeutungen aufgedröselt: »ἐπὶ τῷ ὀνόματί μου [unter meinem Namen] ist am natürlichsten zu deuten als (i) 'sie berufen sich auf mich als Autorität', aber es kann auch bedeuten (ii) 'Sie schreiben sich selbst den Messias-titel zu, der rechtmäßig mir gebührt.' [...] Die Worte λέγοντες ὅτι Ἐγώ εἰμι [die sagen: Ich bin [es]] sind ähnlich mehrdeutig. Sie könnten bedeuten (a) 'die sagen »Ich bin«' - d.h. sie behaupten, der Messias zu sein (vgl. Joh 4,26 und Matthäus' hierige Ergänzung von ὁ χριστός [=der Christus], Mt 24,5) [...], (b) 'die sagen »Ich bin es«', also ganz ähnlich wie (a), aber mit Fokus auf der Idee der Gegenwart des Messias; (c) 'die sagen, dass ich es sei' - d.h., die sagen, dass ich (Jesus) gekommen wäre [...], (d) 'die sagen, dass ich (Jesus) (der Christus) bin' - das aber kann man ausschließen, denn das wäre ja keine Irreführung; (e) 'die sagen, dass sie ich seien' - in dem Sinne, dass Betrüger behaupten, Jesus zu sein.« Mit Abstand am wahrscheinlichsten (und auch die Mehrheitsmeinung) ist die Kombination von (ii) und (a), denn die beiden Sätze interpretieren sich gegenseitig: die zweite Aussage ist eine Identitätsproklamation (»Ich bin X«), und dieses »X« ist zu füllen durch ἐπὶ τῷ ὀνόματί μου unter meinem Namen, also »unter Inanspruchnahme des Messiastitels, der rechtmäßig mir gebührt« (vgl. gut Kmiecik 1997, S. 42; Pesch 1977, S. 279). Sinngemäß bedeutet der Vers also: »Denn es werden viele kommen und behaupten, der Messias zu sein - dabei bin das doch in Wirklichkeit ich!«, oder einfach »Viele Messiasprätendenten werden auftreten«.

7 Wenn ihr {aber} (Ihr dagegen: Wenn ihr)1 von Kriegen und Kriegsgerüchten hört, erschreckt nicht, [denn] es muss geschehen, doch [es ist] noch nicht das Ende.

Original Greek

ὅτανhotanWhenG3752CONJ
δὲdethenG1161CONJ
ἀκούσητεakousēteyou may hear ofG0191V-AAS-2P
πολέμουςpolemouswarsG4171N-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀκοὰςakoasrumorsG0189N-APF
πολέμων,polemōnof wars,G4171N-GPM
μὴmēnotG3361PRT-N
θροεῖσθε·throeisthedo be disturbed;G2360V-PPM-2P
δεῖdeiit mustG1163V-PAI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
γενέσθαι,genesthaicome to pass,G1096V-2ADN
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
οὔπωoupōnot yet [is]G3768ADV-N
τὸtotheG3588T-NSN
τέλος.telosend.G5056N-NSN
  1. Eigentümlich für den markinischen Stil - dennoch aber gut Griechisch (die Konstruktion findet sich z.B. auch bei Plutarch und Thukydides) - ist, dass gelegentlich Konjunktionen nicht in ihrer Konjunktions-bedeutung verwendet werden, sondern bloß als Trennungszeichen von Sätzen und Textabschnitten fungieren (vgl. z.B. Reiser 1983, S. 99f.160f). Diese Konjunktionen und Partikeln sind im Deutschen oft besser auszusparen. Dazu gehören in Kap. 13: * V. 7: δέ aber - denn V. 7 ist integraler Bestandteil des Abschnitts Vv.5-8, vgl. Kommentar (gegen Mateos 1987, S. 201f., der denkt, δέ würde hier die vielen, die sich täuschen lassen (V. 6) mit den Jüngern, die sich eben nicht täuschen lassen sollen (V. 7), konstrastieren (daher obige Alternative »ihr dagegen: wenn ihr«). Die kontrastierende Funktion wäre dann wahrscheinlich (und in der Tat eine schöne Deutung), wenn auch ihr in V. 7 durch ein Pronomen ausgedrückt wäre; bei bloßer 2.Person Plural aber nicht). * V. 9: δέ aber - Zum Textabschnitte einleitenden δέ vgl. Thrall 1962, S. 59 * V. 17: δέ aber - V. 17 ist ein apokalyptischer Klageruf, der gattungstypisch semantisch nicht mit dem umliegenden Text zusammenhängt. * V. 23: δέ aber - vgl. Fußnote bd. * V. 24: ἀλλά - V. 24 wird gern kommentiert mit: »Mit »aber« [...] wird die große Wende eingeleitet« (Gnilka 1978, S. 200) o.Ä. Es sollte hier aber nicht zu viel von ἀλλά abgeleitet werden - zwar beginnt hier in der Tat ein neuer Textabschnitt (s. Kommentar), aber die Kontinuität mit dem vorangehenden Abschnitt ist doch gewährleistet durch ἐν ἐκείναις ταῖς ἡμέραις in jenen Tagen (schon V. 17) und μετὰ τὴν θλῖψιν nach jener Drangsal (vgl. V. 19). vgl. auch Mateos 1987, S. 331. Ebenso wie δέ in Vv. 14.28 fungiert hier ἀλλά als Abschnittstrenner. * V. 28: δέ aber; denn es gibt nichts vorangehendes, womit durch δέ kontrastiert werden könnte. vgl. auch Mateos 1987, S. 374; Thrall 1962, S. 59 * V. 37: δέ aber hebt den letzten Vers als abschließendes Fazit vom vorangehenden Textteil ab. Zu ἀλλά vgl. noch Pape 100; zu δέ Muraoka, S. 140.

8 Erheben wird sich1 nämlich (denn)2 Volk gegen Volk und Reich gegen Reich, Erdbeben werden sein stellenweise (mancherorts), geben wird es Hungersnöte. [Der] Anfang der Wehen3 [ist] dies. 4

Original Greek

ἐγερθήσεταιegerthēsetaiWill rise upG1453V-FPI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
ἔθνοςethnosnationG1484N-NSN
ἐπ᾽ep᾽againstG1909PREP
ἔθνοςethnosnationG1484N-ASN
καὶkaiandG2532CONJ
βασιλείαbasileiakingdomG0932N-NSF
ἐπὶepiagainstG1909PREP
βασιλείαν·basileiankingdom;G0932N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
ἔσονταιesontaiThere will beG1510V-FDI-3P
σεισμοὶseismoiearthquakesG4578N-NPM
κατὰkatathroughoutG2596PREP
τόπους·topousplaces;G5117N-APM
καὶkaiandG2532CONJ
ἔσονταιesontaithere will beG1510V-FDI-3P
λιμοίlimoifaminesG3042N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ταραχαί·tarachaidisturbance;G5016N-NPF
ἀρχὴarchē[The] beginningG0746N-NSF
ὠδίνωνōdinōnof birth pains [are]G5604N-GPF
ταῦτα.¶tautathese.G3778D-NPN
  1. Verb in Satzspitzenstellung als eine für Prophezeiungen typische emphatische Ausdrucksstellung; vgl. Reiser 1983, S. 94. Dieses Stilmittel parallelisiert Vv. 8.12.19.22, die ohnehin strukturell parallel fungieren (vgl. Kommentar, FN b). Im Deutschen sollte dies nicht nachgeahmt, sondern zu einem stilistischen Äquivalent gegriffen werden.
  2. Meist: denn erheben wird sich...; besser aber: es wird sich nämlich erheben... - das γὰρ denn ist besser als explikatives γὰρ nämlich zu interpretieren; vgl. Kommentar.
  3. Anfang der Wehen - apokalyptische Formel, die v.a. in der rabbinischen Literatur gebräuchlich ist. Die (Geburts-)wehen stehen für die Zeit der Not, die vor dem Einbruch der schönen Endzeit ertragen werden müssen (so fast alle Kommentare)
  4. 2 Chronik 15,6; Jesaja 13,13; Jesaja 19,2; Jesaja 26,17; Joel 2,10; Johannes 16,21

9 Nehmt euch in Acht (Blickt auf euch selbst)! Man wird euch (sie werden)1 ausliefern2 an Synhedrien3 und Synagogen4, ihr werdet geprügelt werden und ihr werdet meinetwegen vor Statthalter und Könige gestellt werden, ihnen zum Zeugnis5 -6

Original Greek

ΒλέπετεBlepetedo take heedG0991V-PAM-2P
δὲdehoweverG1161CONJ
ὑμεῖςhumeis<you yourselves>G4771P-2NP
ἑαυτούς·he'autousto yourselves;G1438F-2APM
παραδώσουσινparadōsousinthey will betrayG3860V-FAI-3P
γὰρgarforG1063CONJ
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
εἰςeistoG1519PREP
συνέδρια,sunedriacourtsG4892N-APN
καὶkaiandG2532CONJ
εἰςeisinG1519PREP
συναγωγὰςsunagōgassynagoguesG4864N-APF
δαρήσεσθεdarēsestheyou will be beatenG1194V-2FPI-2P
καὶkaiandG2532CONJ
ἐπὶepibeforeG1909PREP
ἡγεμόνωνhēgemonōngovernorsG2232N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
βασιλέωνbasileōnkingsG0935N-GPM
σταθήσεσθεstathēsestheyou will standG2476V-FPI-2P
ἕνεκενhenekenbecauseG1752PREP
ἐμοῦemouof MeG1473S-1SGSN
εἰςeisforG1519PREP
μαρτύριονmarturiona testimonyG3142N-ASN
αὐτοῖς.autoisto them.G0846P-DPM
  1. impersonaler Plural; vgl. ad loc. Turner 1924a, S. 382. Pryke 1978, S. 107 hält es hier für ein Passivsubstitut, aber das ist angesichts der direkt folgenden Passivformen nicht sehr wahrscheinlich.
  2. παραδίδωμι ausliefern wird im Mk neben den Vorkommen in Mk 13 nur zweimal nicht von der Passion Jesu gesagt; es ist also eine Vokabel aus der Passionstheologie - die Überlieferung der Jünger Jesu wird parallelisiert mit der »eschatologisch[en] Preisgabe des Menschensohns an die Menschen« (EWNT III, S. 46; vgl. ad loc. auch Thüsing 2011, S. 111).
  3. Das Wort συνέδριον kennt man sonst v.a. aus der Passionserzählung; er bezieht sich dort in der Einzahl auf den Sanhedrin, den jüdischen Hohen Rat. Die hierige Mehrzahl συνέδρια dagegen legt nahe, dass von kleineren jüdischen Lokalgerichten die Rede ist; vgl. ThW VII, S. 864f. - es folgen also auf die zwei jüdischen Instanzen »Synhedrien« und »Synagogen« die zwei nicht-jüdische Instanzen »Statthalter« und »Könige«.
  4. εἰς kann in der Koine verwendet werden wie ἔν und umgekehrt; abhängig davon ließe sich der Satz auflösen als (i) »Man wird euch ausliefern, in Synhedrien und Synagogen werdet ihr geprügelt werden« (so z.B. Cranfield 1959, S. 397; Pesch 1977, S. 183; Turner 1924b, S. 19), (ii) »Man wird euch an Synhedrien und Synagogen ausliefern, ihr werdet geprügelt werden« (so Mateos 1987, S. 236) oder (iii) »Man wird euch ausliefern an Synhedrien, in Synagogen werdet ihr geprügelt werden« (so die Mehrheit). Angesichts der parallelen Konstruktion von εἰς συνέδρια und εἰς συναγωγὰς mit εἰς wird man wohl Mateos (=ii) zustimmen müssen. Dies erleichtert auch das Verständnis vom »Prügeln«, denn obwohl die Prügelstrafe u.a. auch von Lokalgerichten und Synagogen verhängt werden durfte, wäre ein Prügeln in Synagogen doch eher ungewöhnlich.
  5. Die Bedeutung dieses Nachsatzes ist etwas unklar. (1) ist nicht klar, ob αὐτοῖς ihnen sich auf die Statthalter und Könige bezieht oder auf die Auslieferer, Prügler, Statthalter und Könige, (2) lässt sich aus V. 9 allein nicht erkennen, worauf das ihnen zum Zeugnis sich eigentlich beziehen soll. Die Mehrheitsmeinung bei der Interpretation von V. 10 ist aber, dass er parenthetisch das ihnen zum Zeugnis auslegt und Zeugnis also auf die »Verkündigung« zu beziehen ist; und da man durch Ausgeliefert-werden und Geprügelt-werden keinen direkten Beitrag zur Verkündigung leistet, bedeuten Vv. 9c.10 wohl sinngemäß: »Ihr werdet meinetwegen vor Statthalter und Könige gestellt werden, um ihnen zu verkündigen; denn erst muss auf der ganzen Welt das Evangelium verkündigt werden.«
  6. Markus 1,44; Markus 6,11

10 denn (und, aber)1 zuerst2 muss das Evangelium bei ({bei})3 allen Völkern verkündigt werden.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εἰςeistoG1519PREP
πάνταpantaallG3956A-APN
τὰtatheG3588T-APN
ἔθνηethnēnationsG1484N-APN
πρῶτονprōtonfirstG4413GA-ASN
δεῖdeiit behoovesG1163V-PAI-3S
κηρυχθῆναιkēruchthēnaito proclaimG2784V-APN
τὸtotheG3588T-ASN
εὐαγγέλιον.euangeliongospel.G2098N-ASN
  1. Kausales καὶ; vgl. Reiser 1983, S. 127; Wilckens.
  2. recht sicher i.S.v. »vor dem Ende«
  3. εἰς wird hier verwendet wie ἔν; vgl Cranfield 1959, S. 199; Turner 1924b, S. 20

11 Und wenn man euch abführt (sie euch abführen), um euch auszuliefern1, sorgt euch nicht im Voraus, was ihr sagen sollt, sondern das, was (was auch immer) euch in jener Stunde eingegeben (gegeben)2 werden wird, das sagt! Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der heilige Geist.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
δὲdenowG1161CONJ
ἄγωσινagōsinthey may lead awayG0071V-PAS-3P
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
παραδιδόντες,paradidontesdelivering [you] up,G3860V-PAP-NPM
μὴmēnotG3361PRT-N
προμεριμνᾶτεpromerimnatedo be anxious beforehandG4305V-PAM-2P
τίtiwhatG5101I-ASN
λαλήσητεlalēsēteyou may sayG2980V-AAS-2P
μηδὲmēdenorG3366CONJ-N
μελετᾶτε·meletatedo devise;G3191V-PAM-2P
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
ὃhowhateverG3739R-NSN
ἐὰνeanifG1437COND
δοθῇdothēashall be givenG1325V-APS-3S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
ἐνeninG1722PREP
ἐκείνῃekeinēthat [very]G1565D-DSF
τῇtēa<the>G3588T-DSF
ὥρᾳ,hōrahour,G5610N-DSF
τοῦτοtoutothatG3778D-ASN
λαλεῖτε·laleitedo speak;G2980V-PAM-2P
οὐounotG3756PRT-N
γάρgarforG1063CONJ
ἐστεesteareG1510V-PAI-2P
ὑμεῖςhumeisyou yourselvesG4771P-2NP
οἱhoithoseG3588T-NPM
λαλοῦντεςlalountesspeakingG2980V-PAP-NPM
ἀλλὰallabutG0235CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
πνεῦμαpneumaSpiritG4151GN-NSN
τὸto<the>G3588T-NSN
ἅγιον.hagionHoly.G0040GA-NSN
  1. final aufgelöstes adverbiales Partizip, so auch Schenke 2005, S. 290 (»zur Auslieferung vorführen«); vgl. auch Mateos 1987, S. 237. Auch Jantzen u.a. Üss. Die Jünger sollen sich im Vorfeld ihres Ausgeliefert-werdens keine Sorgen machen. So stimmt es ja auch zusammen mit προμεριμνᾶτε sorgt euch nicht im Voraus.
  2. theologischer Passiv, eigentlich also besser »das, was Gott euch in jener Stunde eingeben wird«. Vgl. Grosvenor/Zerwick 1993, S. 151

12 {Und} Ausliefern wird ein Bruder [seinen] Bruder in den Tod und ein Vater [sein] Kind, und erheben werden sich Kinder gegen [ihre] Eltern und töten werden sie sie.1

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
παραδώσειparadōseiwill deliver upG3860V-FAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
ἀδελφὸςadelphosbrotherG0080N-NSM
ἀδελφὸνadelphonbrotherG0080N-ASM
εἰςeistoG1519PREP
θάνατονthanatondeathG2288N-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
πατὴρpatērfatherG3962N-NSM
τέκνον,teknonchild,G5043N-ASN
καὶkaiandG2532CONJ
ἐπαναστήσονταιepanastēsontaiwill rise upG1881V-FDI-3P
τέκναteknachildrenG5043N-NPN
ἐπὶepiagainstG1909PREP
γονεῖςgoneisparentsG1118N-APM
καὶkaiandG2532CONJ
θανατώσουσινthanatōsousinwill put to deathG2289V-FAI-3P
αὐτούς.autousthem.G0846P-APM
  1. Micha 7,2; Micha 7,6; Sacharja 13,3; Matthäus 10,35; Lukas 12,52

13 Und ihr werdet von allen gehasst werden wegen meines Namens (um meinetwillen, wegen mir)1. Der aber, der bis zum Ende2 standhaft bleibt (dies erduldet)3, wird gerettet werden.4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἔσεσθεesestheyou will beG1510V-FDI-2P
μισούμενοιmisoumenoihatedG3404V-PPP-NPM
ὑπὸhupobyG5259GPREP
πάντωνpantōnallG3956A-GPM
διὰdiaon account ofG1223PREP
τὸtotheG3588T-ASN
ὄνομάonomanameG3686N-ASN
μου.mouof Me.G3165P-1GS
ὁhothe [one]G3588T-NSM
δὲdehoweverG1161CONJ
ὑπομείναςhupomeinashaving enduredG5278V-AAP-NSM
εἰςeistoG1519PREP
τέλος,telos[the] end,G5056N-ASN
οὗτοςhoutosheG3778D-NSM
σωθήσεται.sōthēsetaiwill be saved.G4982V-FPI-3S
  1. wie im Hebräischen dient auch in der Koine Name als Wechselbegriff für den Namensträger, also wegen meinem Namen = wegen mir.
  2. (i) Die Mehrheitsmeinung - der auch hier zuzustimmen ist - ist, dass das Ende sich auf das Eschaton, das Ende der Zeit, bezieht. Daneben hat (ii) Cranfield 1959, S. 401 die Bedeutung völlig, komplett vorgeschlagen; (iii) Ernst 1963, S. 377f. hält es für doppelsinnig und bezieht es neben dem Eschaton auch auf das Lebensende jedes einzelnen Jüngers. (ii) ist sehr unwahrscheinlich - die Wiederholung der in V.7 deutlich eschatologisch verwendeten Vokabel ist zu auffällig für diese Interpretation. (iii) ist möglich, aber aus dem selben Grund nicht sehr wahrscheinlich.
  3. ὑπομένω steht nicht nur für ausharren i.S.v. warten, sondern - bes. hier - für das Ertragen und Erdulden von Leiden; vgl. EWNT III, S. 968
  4. Daniel 12,12

14 Wenn ihr dann aber den Gräuel der Verwüstung1 stehen seht, wo er nicht [stehen] soll – der Leser sei aufmerksam!2 –, dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen3;4

Original Greek

ὅτανhotanWhenG3752CONJ
δὲdethenG1161CONJ
ἴδητεidēteyou may seeG1492HV-2AAS-2P
τὸtotheG3588T-ASN
βδέλυγμαbdelugmaabominationG0946N-ASN
τῆςtēsof theG3588T-GSF
ἐρημώσεωςerēmōseōsdesolationG2050N-GSF
τὸtowhichG3588T-ASN
ῥηθὲνrhēthenhaving been spoken ofG2046V-APP-ASN
ὑπὸhupobyG5259GPREP
ΔανιὴλDaniēlDanielG1158N-GSM-P
τοῦtou<the>G3588T-GSM
προφήτουprophētouprophetG4396N-GSM
ἑστηκόταhestēkotaalready standingG2476V-RAP-ASM
ὅπουhopouwhereG3699CONJ
οὐounotG3756PRT-N
δεῖ,deiit should —G1163V-PAI-3S
ὁhothe [one]G3588T-NSM
ἀναγινώσκωνanaginōskōnreadingG0314V-PAP-NSM
νοείτω,noeitōhe should understand —G3539V-PAM-3S
τότεtotethenG5119ADV
οἱhoithoseG3588T-NPM
ἐνeninG1722PREP
τῇtēa<the>G3588T-DSF
ἸουδαίᾳIoudaiaJudeaG2449N-DSF-L
φευγέτωσανpheugetōsanthey should fleeG5343V-PAM-3P
εἰςeistoG1519PREP
τὰtatheG3588T-APN
ὄρη·orēmountains;G3735N-APN
  1. Vers 14 ist völlig rätselhaft. Rätselhaft ist (1) der Ausdruck βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως, der standardmäßig übertragen wird mit Gräuel der Verwüstung; etwas rätselhaft ist (2) der Wechsel vom Neutrum βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως zum Maskulinum ἑστηκότα , der steht und rätselhaft ist außerdem (3) die Ortsangabe ὅπου οὐ δεῖ, die standardmäßig übertragen wird mit wo er nicht darf. (i) Die Standard-Interpretation ist diese: (1) βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως ist ein Verweis auf Dan 9,27; 11,31; Dan 12,11 LXX; 1Makk 1,54. In den alttestamentlichen Texten ist die Entsprechung שִׁקּוּץ שֹׁמֵם. Das hebräische שִׁקּוּץ ist eine verächtliche Bezeichnung für Götzen und Götzenkulte (Ges18, S. 1381f) und שֹׁמֵם ist ein Verbaladjektiv mit der Bedeutung verwüstend (Ges18, S. 1380) - also rein lexikalisch der verwüstende Götze oder der verwüstende Götzenkult. Historisch macht diese Übersetzung Sinn, denn in den besagten Texten ist wohl die Rede von der Statue des Zeus, die Antiochus Epiphanes 168 v.Chr. im Tempel aufstellen ließ. Das griechische βδέλυγμα dagegen bezeichnet meist allgemein das, was Gott ein Gräuel ist (EWNT I, S. 502) und das griechische τῆς ἐρημώσεως wäre entsprechend dem Hebräischen zu deuten als Genitiv des Produkts, also das Gräuel, das Verwüstung hervorbringt. (2) Weil diese von Daniel übernommene Neutrum-Phrase modifiziert wird vom maskulinischen Partizip ἑστηκότα der steht, heißt es meist, dass V. 14a ad sensum konstruiert sei und man deshalb bei βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως an eine Person denken müsse, nämlich den Antichristen - was gut mit der Konnotation »Götze« des Hebräischen zusammenstimmt. (3) ὅπου οὐ δεῖ wo er nicht darf weiterhin wird meist mit Mt 24,15 bezogen auf den Tempel, also sinngemäß: »Wenn der Antichrist im Tempel auftaucht«, was außerdem zusammenstimmt mit 2Thess 2,3ff: »Zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt.« (EÜ) (ii) Exegeten wie Pesch 1977, Schenke 2005 und Thüsing 2011 denken bei βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως nicht an den Antichristen, sondern an zeitgeschichtliche Geschehnisse zur Zeit des jüdischen Krieges. Pesch lässt die genaue Referenz offen, da sie nicht genau bestimmt werden könne; Schenke denkt an die Schreckensherrschaft der Zeloten im Tempel ab 65/66 n.Chr. und Thüsing an die römischen Feldzeichen, die die Römer nach der Eroberung Jerusalems im Tempel aufstellten und auf denen Götzenbilder abgebildet seien. Diese Interpretation hat aber die grammatische Schwierigkeit die ad-sensum-Konstruktion (s.o. unter (2)); v.a. aber fügt sie sich schlecht in den Kontext des Abschnitts, denn spätestens V. 19 macht ja deutlich, dass hier eben nicht an »zeitgeschichtliche Ereignisse gedacht wird« (Pesch), sondern an apokalyptische Geschehnisse (vgl. auch Kommentar). Weil Interpretation (ii) außerdem noch eine Minderheitenmeinung ist, wird man durchaus Interpretation (i) den Vorzug geben müssen.
  2. Die Bedeutung dieser Parenthese ist in der Exegese umstritten. Die unterschiedlichen Interpretationen hängen v.a. daran, auf wen Leser bezogen wird. Vorgeschlagen wurden, dass es sich beziehe # auf den Leser eines hypothetischen apokalyptischen Flugblattes, das als (eine der) Vorlage(n) von Mk 13 angenommen wird - diese Position ist sehr verbreitet, dennoch sehr unwahrscheinlich. Denn es ist schwer vorstellbar, dass es dem Redaktor des Mk nicht aufgefallen sein sollte, dass sich die Parenthese - die sich an einen Leser und nicht an mehrere Hörer richtet - so überhaupt nicht in die Kommunikationssituation der eschatologischen Mahnrede Jesu fügt und sie daher mitübernommen habe. # auf den Hörer bei der öffentlichen Verlesung des Markusevangeliums, dem die Wichtigkeit des Gräuels der Verwüstung noch einmal unterstrichen werden soll - aber dieser Hörer ist ja dann kein »Leser«. # auf den Vorleser des Markusevangeliums bei der öffentlichen Verlesung; die Parenthese sei dann nicht dazu gedacht, laut vorgelesen zu werden, sondern sei eine Notiz für den Vorleser, die eben beschriebene ad-sensum-Konstruktion richtig vorzulesen (vgl. Best 1989, S. 128-30, der die Parenthese dann auch konsequent in seiner Übersetzung ausspart. Dagegen aber gut Collins 2009, S. 545f.) # auf die vier Jünger, die die von Dan 9,27; 11,31; 12,11 übernommene Prophezeiung richtig - d.h. im Lichte der Prophezeiung Jesu (Perkins 2006, S. 104) - verstehen sollen, wenn sie sie lesen. (4) ist am Wahrscheinlichsten, daher noch einige Worte dazu. Zunächst: »Leser des Danielbuches« als Bedeutung von »Leser« liegt schon deshalb nahe, da ἀναγινώσκω im Mk ausschließlich für das Lesen im AT verwendet wird (vgl. z.B. Pryke 1978, S. 57f). Vgl. außerdem die Parallelstelle Mt 24,15, wo der Verweis auf das Danielbuch expliziert wird. Dann: Vergleichbare Aufforderungen finden sich auch in anderen Prophezeiungen; vgl. bes. Dan 9,23.25 (also dem direkten Kontext von Dan 9,27, von wo Jesus mutmaßlich die Prophezeiung des »Gräuels der Verwüstung« übernommen hat); auch Offb 13,9.18; 17,9 (Stellen nach Pesch 1977, S. 292). Auch ist es nicht (sehr) problematisch, dass die Jünger hier in der 3. Person (der Leser statt ihr Leser) angesprochen werden; es finden sich im Mk häufiger Anreden an Zuhörer, die Jesus in 3. Person angespricht (s. Mk 4,9.23; 8,34; vgl. Perkins 2006, S. 101f). Sinngemäß wäre dann also zu übersetzen: »Ihr Leser, gebt gut acht« oder »Beim Lesen seid verständig«.
  3. Das Motiv der Flucht ins Gebirge ist ein häufigeres Motiv; vgl. z.B. 1Makk 2,28 (s. z.B. Gnilka 1978, S. 195f); umgekehrt kennt man auch das Motiv der Flucht aus dem Umland in die Hauptstadt, vgl. z.B. Jer 4,1ff. (s. z.B. Pesch 1977, S. 292).
  4. Genesis 19,17; Jeremia 4,29; Daniel 9,27; Daniel 11,31; Daniel 12,11; 1 Makkabäer 1,54; 1 Makkabäer 2,28; 2 Thessalonicher 2,4

15 wer auf dem Dach [ist],1 soll nicht ({weder})2 hinabsteigen, um ({noch}) hineinzugehen (hineingehen), um etwas aus seinem Haus zu holen;3

Original Greek

ὁhothe [one]G3588T-NSM
δὲdeandG1161CONJ
ἐπὶepiuponG1909PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
δώματοςdōmatoshousetopG1430N-GSN
μὴmēnotG3361PRT-N
καταβάτωkatabatōhe should come downG2597V-2AAM-3S
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
οἰκίανoikianhouseG3614GN-ASF
μηδὲmēdenorG3366CONJ-N
εἰσελθάτωeiselthatōshould go inG1525V-2AAM-3S
ἆραίaraito takeG0142V-AAN
τιtianythingG5100X-ASN
ἐκekout ofG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
οἰκίαςoikiashouseG3614GN-GSF
αὐτοῦ·autouof him;G0846P-GSM
  1. Das altjüdische Haus hatte ein von außen begehbares Dach (eine schöne Darstellung findet sich im Kregel Pictorial Guide to Everyday Life in Bible Times), das man vor allem in der Freizeit benutzte (z.B. um zu schlafen). Für die LF würde ich »Dachterrasse« vorschlagen (so auch NeÜ; ähnlich KAM: »Terrasse«. Gut auch KNO: »Flachdach«)
  2. nicht hinabsteigen, um hineinzugehen vs. weder herabsteigen noch hineingehen - Natürlich muss der auf dem Dach hinabsteigen, um in die Berge fliehen können; μηδὲ hat daher hier negative finale Bedeutung (vgl. Smyth 2193b). Die Satzstruktur lässt sich nicht in die LF übernehmen, man muss zu etwas greifen wie »Wer auf dem Dach ist, soll sich nicht erst noch hinuntersteigen, um ins Haus gehen, um sich etwas zu holen«
  3. Ezechiel 7,15

16 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren1, um sein Obergewand zu holen.

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
ὁhothe [one]G3588T-NSM
εἰςeisinG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ἀγρὸνagronfieldG0068GN-ASM
ὢνōnbeingG1510V-PAP-NSM
μὴmēnotG3361PRT-N
ἐπιστρεψάτωepistrepsatōhe should returnG1994V-AAM-3S
εἰςeistoG1519PREP
τὰtathe [things]G3588T-APN
ὀπίσωopisōbackG3694ADV
ἆραιaraito takeG0142V-AAN
τὸtotheG3588T-ASN
ἱμάτιονhimationclothingG2440N-ASN
αὐτοῦ.autouof him.G0846P-GSM
  1. W. soll sich nicht zurückwenden nach zurück; gemeint ist sicher »nach Hause zurückkehren«.

17 {Aber} Wehe denen1, die in jenen Tagen2 schwanger sind oder stillen!3

Original Greek

οὐαὶouaiWoeG3759INJ
δὲdethenG1161CONJ
ταῖςtaisto thoseG3588T-DPF
ἐνeninG1722PREP
γαστρὶgastriwomb [pregnancy]G1064N-DSF
ἐχούσαιςechousaishavingG2192V-PAP-DPF
καὶkaiandG2532CONJ
ταῖςtaisto the [ones]G3588T-DPF
θηλαζούσαιςthēlazousaisnursing infantsG2337V-PAP-DPF
ἐνeninG1722PREP
ἐκείναιςekeinaisthoseG1565D-DPF
ταῖςtais<the>G3588T-DPF
ἡμέραις.hēmeraisdays!G2250N-DPF
  1. Wehe denen: Gattungstypische Einleitung eines apokalyptischen Klagerufs (vgl. z.B. Offb 18,16.19); das Schicksal der »schwächsten Glieder der Fluchtgeneration« (Ernst 1963, S. 381) - der Schwangeren und Stillenden - wird in Form einer Weheruf-parenthese beklagt. Das beste Äquivalent wäre eine Übertragung ähnlich der von BB (»Wie schrecklich wird diese Zeit für die Frauen sein, die gerade ein Kind erwarten oder stillen!«) und NGÜ (»Wie schwer werden es die Frauen haben, ...!«).
  2. in jenen Tagen: Stereotype alttestamentliche Phrase, die häufig in eschatologischen Kontexten verwendet wird; s. z.B. Jer 3,16.18; 31,29; 33,15f.; Joel 3,1; Sach 8,23 u.ö.
  3. Lukas 23,29

18 {Aber} (Darum)1 Betet, dass es nicht während des Winters geschieht!

Original Greek

προσεύχεσθεproseuchesthedo prayG4336V-PNM-2P
δὲdethenG1161CONJ
ἵναinathat itG2443CONJ
μὴmēnotG3361PRT-N
γένηταιgenētaimay happenG1096V-2ADS-3S
ἡhētheG3588T-NSF
φυγὴphugēflightG5437N-NSF
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
χειμῶνος.cheimōnosin winter.G5494N-GSM
  1. Der Verweis auf den Winter wird meist darauf bezogen, dass der Winter in Palästina die Regenzeit ist und starke Regenfälle die Flucht erschweren. Vielleicht liegt aber wirklich (auch) die Kälte im Fokus: Israel liegt zwar hauptsächlich in einer subtropischen Klimazone, aber in höher gelegenen Regionen - zu denen auch Jerusalem und natürlich erst recht die Berge gehören - kann es winters durchaus so kalt werden, dass es zu Schneefällen kommen kann. Das würde auch erklären, warum V. 16 die Rede vom Mantel ist; vielleicht sollte man daher das δὲ besser als kausales δὲ deuten: Darum betet, dass es nicht winters geschieht!

19 Denn es werden sein jene Tage eine derartige Bedrängnis, wie sie seit Beginn der Schöpfung, die Gott geschaffen hat,1 bis jetzt nicht geschehen ist und niemals geschehen wird2.3

Original Greek

ἔσονταιesontaiwill be [in]G1510V-FDI-3P
γὰρgarforG1063CONJ
αἱhaitheG3588T-NPF
ἡμέραιhēmeraidaysG2250N-NPF
ἐκεῖναιekeinaithoseG1565D-NPF
θλῖψιςthlipsistribulationG2347N-NSF
οἵαoiasuch asG3634K-NSF
οὐouneverG3756PRT-N
γέγονενgegonenhas beenG1096V-2RAI-3S
τοιαύτηtoiautē[the] likeG5108D-NSF
ἀπ᾽ap᾽from [the]G0575PREP
ἀρχῆςarchēsbeginningG0746N-GSF
κτίσεωςktiseōsof creationG2937N-GSF
ἣνhēnwhichG3739R-ASF
ἔκτισενektisencreatedG2936V-AAI-3S
ὁho<the>G3588T-NSM
θεὸςtheosGodG2316N-NSM-T
ἕωςhe'ōsuntilG2193PREP
τοῦtou<the>G3588T-GSM
νῦνnunnow —G3568ADV
καὶkaiandG2532CONJ
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
γένηται.genētaimay happen.G1096V-2ADS-3S
  1. redundanter Relativsatz. Kein Semitismus oder Septuagintismus (gegen Cranfield 1959, S. 404); die Konstruktion kennt man auch sonst im Griechischen (vgl. z.B. Chariton, Chaireas und Kallirhoe 7,2,4 τῆς Ἀθηναίων δυστυχίας, ἣν ἐδυστύχησαν ἐν τῷ πολέμῳ τῷ Σικελικῷ das Leid der Athener, an dem sie litten im sizilischen Krieg); vgl. auch Kleist 1937, S. 143f. »Redundant« ist eigentlich ungenau; die Konstruktion dient dazu, das durch den Relativsatz modifizierte Satzglied zu spezifizieren; bei Chariton also etwa Der Athener Leid während dem sizilischen Krieg; Mk 13,19 seit Beginn von Gottes Schöpfung; Mk 13,20 um seiner/der von ihm Auserwählten willen.
  2. οὐ μὴ + Aorist Konjunktiv: stärkstmögliche griechische Konstruktion zur Negierung eines zukünftigen Geschehnisses; vgl. Wallace, S. 468. Der Vers verdichtet den Topos des Nochniedagewesenen (Pesch 1977, S. 293); vielleicht sollte man in der LF statt zu einer wörtlichen Üs. besser zu einem Äquivalent greifen wie »eine solche Drangsal, wie sie noch nie geschehen ist - früher nicht, heute nicht und nimmermehr!« oder einfach »eine Drangsal, wie sie die Welt noch nie gesehen hat.«
  3. Exodus 11,6; Joel 2,2; Daniel 12,1; Offenbarung 16,18

20 {Und} Wenn der Herr nicht die Tage verkürzt hätte,1 würde absolut niemand2 gerettet werden, doch um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēunlessG3361PRT-N
ἐκολόβωσενekolobōsenshortenedG2856V-AAI-3S
κύριοςkurios[the] LordG2962GN-NSM-T
τὰςtastheG3588T-APF
ἡμέρας,hēmerasdays,G2250N-APF
οὐκouknotG3756PRT-N
ἂνanthen wouldG0302PRT
ἐσώθηesōthēthere have been savedG4982V-API-3S
πᾶσαpasaanyG3956A-NSF
σάρξ·sarxflesh;G4561N-NSF
ἀλλὰallabutG0235CONJ
διὰdiaon account ofG1223PREP
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἐκλεκτοὺςeklektouselectG1588A-APM
οὓςhouswhomG3739R-APM
ἐξελέξατοexelexatoHe choseG1586V-AMI-3S
ἐκολόβωσενekolobōsenHe has shortenedG2856V-AAI-3S
τὰςtastheG3588T-APF
ἡμέρας.hēmerasdays.G2250N-APF
  1. zum Motiv der verkürzten Zeit vgl. Ernst 1963, S. 381f.: »Die Verkürzung der Zeit ist ein bekanntes Motiv (vgl. 4Esra 4,26; 2Bar 20,1; 1Hen 80,2; Barn 4,3), dessen Wurzeln im Geschichtsverständnis der Apokalyptik liegen. Der Herr hat den Ablauf in einem Plan festgelegt. Auch die Drangsale der Endzeit unterliegen dem unausweichlichen »es muß geschehen«; der Geschichtsdeterminismus ist freilich durch die Rückführung auf den Willen Gottes, der aus Barmherzigkeit die Drangsale verkürzen kann, relativiert.«
  2. W.: nicht ... jedes Fleisch; Kombination zweier Septuagintismen; vgl. Cranfield 1959, S. 404; Doudna 1961, S. 105f: nicht jeder = keiner; jedes Fleisch = jeder, also »absolut keiner«. In Mk 13 ist dies die einzige Stelle, die ich für einen eventuellen Semitismus halten würde. Dahin weist auch, dass κύριος im NT nur in AT-Zitaten oder Nachahmungen des Septuaginta-Stils ohne Artikel verwendet wird; vgl. Mateos 1987, S. 287.

21 {Und} Sagt dann einer zu euch: »{Siehe} Hier [ist] der Christus!«1 oder {Siehe} dort [ist er]! - glaubt [es] nicht,

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
τότεtotethenG5119ADV
ἐάνeanifG1437COND
τιςtisanyoneG5100X-NSM
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
εἴπῃ·eipēshall say;G2036V-2AAS-3S
ἴδεidebeholdG2396INJ
ὧδεhōdehere [is]G5602ADV
ὁhotheG3588T-NSM
χριστόςchristosChristG5547N-NSM-T
ἢ,ēorG2228CONJ
ἴδεidebeholdG2396INJ
ἐκεῖ,ekeithere!G1563ADV
μὴmēnotG3361PRT-N
πιστεύετε.pisteueteyou do believe [it].G4100V-PAM-2P
  1. Bailey 2009, S. 360 hat die beiden Ausrufe sehr gut analysiert: Fokalisiert ist in beiden jeweils der Lokativ (Hier + dort); sie sind also konstruiert wie eine Antwort auf die unausgedrückte Frage »Wo ist der Christus?«. ἴδε fungiert dabei als bloßer Fokuspartikel und sollte im Deutschen ausgespart werden. So jedenfalls wäre der Satz grammatisch zu analysieren. V. 22 macht aber deutlich, dass dieses Hier! und dort! auf die verschiedenen Pseudo-christusse verweisen soll; also sinngemäß eher »Dieser hier ist der Christus!« und »jener dort ist der Christus!«. Ich denke aber, dass das auch bei wörtlicher Übersetzung klar herauskommt.

22 denn aufstehen werden falsche Christusse und falsche Propheten, und darbieten1 werden sie Zeichen und Wunder,2 um – wenn möglich – die Auserwählten zu verführen (irrezuführen)3.4

Original Greek

ἐγερθήσονταιegerthēsontaiThere will ariseG1453V-FPI-3P
γὰρgarforG1063CONJ
ψευδόχριστοιpseudochristoifalse ChristsG5580N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
ψευδοπροφῆταιpseudoprophētaifalse prophetsG5578N-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
δώσουσινdōsousinwill giveG1325V-FAI-3P
σημεῖαsēmeiasignsG4592N-APN
καὶkaiandG2532CONJ
τέραταteratawondersG5059N-APN
πρὸςprosso asG4314PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
ἀποπλανᾶνapoplananto deceiveG0635V-PAN
εἰeiifG1487GCOND
δυνατὸνdunatonpossibleG1415A-NSN
καὶkaiandG2532CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἐκλεκτούς.eklektouselect.G1588A-APM
  1. Zur Bedeutung »darbieten« für δίδωμι vgl. Mateos 1987, S. 288. Einige Hss haben ποιήσουσιν statt δώσουσιν, aber die Kombination von σημεῖον mit ποιέω findet sich sonst nirgends in den synoptischen Evangelien (dafür häufiger in Joh); daher und wegen der weit besseren Bezeugung ist δώσουσιν der Vorzug zu geben.
  2. Zeichen und Wunder: pleonastischer formelhafter Ausdruck. Das Wort τέρας Wunder wird von den Synoptikern einzig hier und in der Parallelstelle Mt 24,24 verwendet. Auffällig ist, dass es auch im Joh nur einmal (Joh 4,48), ebenfalls in Verbindung mit σημεῖον und scheinbar ebenfalls in abwertender Weise, verwendet wird - »»Wunder« sind genau das, was man von Gott nicht erwarten darf. Die heidnischen Griechen verstanden unter τέρας meist ein Staunen und Schrecken erregendes, exorbitantes Wunderzeichen, vor allem kosmischer Art [...].« (Fuller 1969, S. 23). Vielleicht kann man diese Konnotation des Exorbitanten und des Abwertenden besser übertragen durch etwas wie »Mirakel und Wunderwerke«; vielleicht sogar »Mirakel und Spektakel«, aber das geht vielleicht einen Schritt zu weit.
  3. Das Verb ἀποπλανάω hat hier »die Bedeutung eschatologischer Verführung« (EWNT III, S. 236)
  4. Deuteronomium 13,2; Jeremia 6,13; Daniel 11,35; Offenbarung 13,13

23 {Ihr aber} (Ihr dagegen)1 seid achtsam! Ich habe euch alles vorausgesagt.2

Original Greek

ὑμεῖςhumeisYou yourselvesG4771P-2NP
δὲdehoweverG1161CONJ
βλέπετε·blepetedo take heed;G0991V-PAM-2P
ἰδούidoubeholdG2400INJ
προείρηκαproeirēkaI have foretoldG4280V-RAI-1S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
πάντα.¶pantaall things.G3956A-APN
  1. Auch in V. 23 scheint δὲ nur den Beginn eines neuen Satzes zu markieren. Möglich wäre aber auch dies: Der Einschub εἰ δυνατὸν wenn möglich in V. 22 könnte theoretisch auch bedeuten wo/bei wem immer das möglich ist (=ihnen das gelingt); in diesem Fall würde das δὲ in V. 23 die Jünger mit den Erwählten, bei denen das Irreführen gelingt, kontrastieren. Dann wäre außerdem das πρὸς in V. 22 resultativ zu deuten, also etwa »falsche Christen und Propheten werden Mirakel und Spektakel veranstalten und so all jene Erwählten verführen, bei denen es ihnen gelingt. Ihr dagegen: Achtet auf euch selbst...« - So aber m.W. niemand und es ist diese Verwendung von εἰ auch eher selten, daher können wir getrost bei der angegebenen Standard-übersetzung bleiben.
  2. Die Bedeutung von πάντα ist in der Exegese umstritten; vgl. dazu den Kommentar.

24 {Aber} in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne verdunkelt werden (sich verfinstern), {und} der Mond wird seinen Schein nicht geben,1

Original Greek

Ἀλλ᾽All᾽ButG0235CONJ
ἐνeninG1722PREP
ἐκείναιςekeinaisthoseG1565D-DPF
ταῖςtais<the>G3588T-DPF
ἡμέραιςhēmeraisdaysG2250N-DPF
μετὰmetaafterG3326PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θλῖψινthlipsintribulationG2347N-ASF
ἐκείνηνekeinēnthoseG1565D-ASF
ὁhoTheG3588T-NSM
ἥλιοςhēliossunG2246N-NSM
σκοτισθήσεται,skotisthēsetaiwill be darkened,G4654V-FPI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἡhētheG3588T-NSF
σελήνηselēnēmoonG4582N-NSF
οὐounotG3756PRT-N
δώσειdōseiwill giveG1325V-FAI-3S
τὸtotheG3588T-ASN
φέγγοςphengoslightG5338N-ASN
αὐτῆς,autēsof it,G0846P-GSF
  1. Jesaja 13,10; Jesaja 24,23; Jesaja 34,4; Ezechiel 32,7; Joel 2,2; Joel 2,10; Joel 3,4; Joel 4,15; Amos 8,9

25 {und} die Stern werden vom Himmel fallen und die Kräfte1 in den Himmeln (am Himmel) werden erschüttert werden.2

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
ἀστέρεςasteresstarsG0792N-NPM
ἔσονταιesontaiwill beG1510V-FDI-3P
ἐκekout ofG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
οὐρανοῦouranouheavenG3772N-GSM
πίπτοντες,piptontesfalling,G4098V-PAP-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
αἱhaitheG3588T-NPF
δυνάμειςdunameispowersG1411N-NPF
αἱhaithat [are]G3588T-NPF
ἐνeninG1722PREP
τοῖςtoistheG3588T-DPM
οὐρανοῖςouranoisheavensG3772N-DPM
σαλευθήσονται.saleuthēsontaiwill be shaken.’G4531V-FPI-3P
  1. Die δυνάμεις sind in der Bibel mythische kosmische Mächte. Wahrscheinlich ist diese Vorstellung noch ein Reflex aus der Zeit, als die Himmelskörper auch in Israel als göttlich angesehen wurden. In der nachbiblischen Zeit wurden sie als »Engel« interpretiert (bes. wichtig: Dionysius Areopagita: CH 8,1); heute stellen sie in der Engellehre sozusagen »ganz offiziell« einen der Neun Englischen Chöre: die virtutes, die dafür verantwortlich sind, in Gottes Auftrag Wunder zu wirken. Vermutlich stammt das Bild noch aus der Apokalypse-Schilderung in Jes 34,4.
  2. Jesaja 34,4; Joel 2,2; Offenbarung 6,13

26 Und dann wird erscheinen (wird man sehen, werden sie sehen)1 den in den Wolken kommenden Menschensohn2, mit großer Macht3 und Herrlichkeit4.5

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
τότεtotethenG5119ADV
ὄψονταιopsontaiwill they beholdG3700GV-FDI-3P
τὸνtontheG3588T-ASM
υἱὸνhuionSonG5207N-ASM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
ἐρχόμενονerchomenoncomingG2064V-PNP-ASM
ἐνeninG1722PREP
νεφέλαιςnephelais[the] cloudsG3507N-DPF
μετὰmetawithG3326PREP
δυνάμεωςdunameōspowerG1411N-GSF
πολλῆςpollēsgreatG4183A-GSF
καὶkaiandG2532CONJ
δόξης.doxēsglory.G1391N-GSF
  1. W. werden sie sehen, aber impersonaler Plural (vgl. z.B. Martin 2009, S. 477), daher besser wird man sehen. Noch besser aber: ὁράω im Medium ist ein formelhafter Offenbarungsterminus, der v.a. im Zhg. mit Christi Auferstehung verwendet wird; daher wird erscheinen. Ähnlich ist ἐρχόμενον in der hierigen Verwendung ein eschatologischer Terminus (s. Mk 11,9f; 12,9; 13,35; 14,62; vgl. Kleist 1937, S. 183). Beide beziehen sich also auf die heilbringende Ankunft des Menschensohnes am Ende der Zeit; sehr gut wäre es daher, wenn das Zusammenspiel dieser beiden Vokabeln sich auch lexikalisch in der LF erkennen ließe.
  2. Auch Menschensohn ist ein eschatologischer Terminus. Außer in Mk 2,10.28 verwendet Jesus dieses »biographische Ich-Idiom« (Schenk 1997) ausschließlich, wenn er von seiner Rolle in Gottes Heilsplan spricht, also der, dass er - der Menschensohn - von den Menschen verworfen, ausgeliefert und getötet werden müsse, dann aber in großer Macht und Herrlichkeit wiederkehren werde. Vgl. besonders gut Danove 2003, S. 23-25. Sohn in V. 32 ist sehr wahrscheinlich nur eine Kurzform von Menschensohn; vgl. z.B. Schenk 1997, S. 84
  3. Im Singular (anders als im Plural, V. 25) ist die δύναμις ein Attribut Gottes/Christi und bezeichnet deren (All)Macht.
  4. δόξα ist ein Begriff aus den Theophanietraditionen; es handelt sich um ein sichtbares Attribut des sich offenbarenden Gottes. Wo die Texte Rückschlüsse auf das Wesen der δόξα zulassen, scheint man sich diese Herrlichkeit als eine Art »Lichtglanz«, »Glorie« vorstellen zu müssen (vgl. ähnlich EWNT I, S. 836). Mt 24,27 und Lk 17,24 explizieren das, indem sie die Parusie des Menschensohnes mit einem Wetterleuchten vergleichen: »Wie der Blitz [...] leuchtet, so wird es mit dem Menschensohn/der Ankunft des Menschensohns sein [...].« In V. 26 bildet es so einen Gegensatz mit der Schilderung der Finsternis in V. 25 und sollte in der LF daher besser mit etwas wie »herrlicher Lichtglanz« o.Ä. übersetzt werden.
  5. Daniel 7,13; Matthäus 16,27

27 Und dann wird er die Engel aussenden und die Auserwählten aus den vier Himmelsrichtungen (Winden)1 vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels2 sammeln.3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
τότεtotethenG5119ADV
ἀποστελεῖaposteleiHe will sendG0649V-FAI-3S
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἀγγέλουςangelousangelsG0032GN-APM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐπισυνάξειepisunaxeiwill gather togetherG1996V-FAI-3S
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἐκλεκτοὺςeklektouselectG1588A-APM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ἐκekfromG1537PREP
τῶνtōntheG3588T-GPM
τεσσάρωνtessarōnfourG5064A-GPM
ἀνέμωνanemōnwindsG0417N-GPM
ἀπ᾽ap᾽from [the]G0575PREP
ἄκρουakrouendG0206N-GSN
γῆςgēsof earthG1093GN-GSF
ἕωςhe'ōsuntil [the]G2193PREP
ἄκρουakrouendG0206N-GSN
οὐρανοῦ.ouranouof heaven.G3772N-GSM
  1. Himmelsrichtungen - W. »Winde«; zur Bedeutung »Himmelsrichtungen« vgl. EWNT I, S. 231. Im Hintergrund steht die im Alten Orient häufigere Verortung der (Personifikationen der) vier Winde an die vier Enden der Erde (s. in der Bibel noch Offb 7,1; auch Ez 37,9; für ein Bsp. in der ägyptischen Ikonographie s. z.B. hier oder hier, S. 328; jeweils dargestellt durch vier geflügelte Tiere). Damit und dadurch stehen die Winde gleichzeitig für die Himmelsrichtungen.
  2. Eine schwierige Stelle. (i) Die Übersetzung im Fließtext ist die Standard-Deutung. Daneben hat (ii) Kleist 1937, S. 226 vorgeschlagen, dass es sich hier um die Konstruktion der »parallelen Orientierung« handeln könnte: Zwei zusammenhängende Ortsangaben werden mit der selben Präposition versehen, obwohl sie rein semantisch unterschiedlicher Präpositionen bedürften, also z.B. im Deutschen Ich gehe auf die Stadt auf dem Berg statt Ich gehe zur Stadt auf dem Berg und im Falle von Mk 13,27 Er wird die Auserwählten aus den vier Himmelsrichtungen am Ende der Erde sammeln zum Saum des Himmels. Diese Konstruktion gibt es wohl wirklich, obwohl ws. nicht alle von Kleist gelisteten Stellen derart zu analysieren sind (neben Mk 13,27 nennt er: Mk 1,28.38.39; 5,1.19; 6,45.51.56; 9,43; 11,1.11; 12,2; 14,3.9), aber in diesem Fall sollte man besser Schweizer folgen: (iii) Schweizer 1998, S. 150f erklärt die Formulierung vom Rand der Erde bis zum Rand des Himmels als »eine etwas unlogische Vermischung der beiden Bilder »von einem Rand des Himmels bis zum andern« (Dtn 30,4 LXX, wo vom Sammeln der versprengten Israeliten die Rede ist) und »von einem Rand der Erde bis zum anderen« (Dtn 13,8).«; sie ist dann als ein etwas schräger Ausdruck für »auf der ganzen Erde« aufzufassen. Mt 24,31 hat das geglättet; bei ihm heißt es nur noch wie in Dtn 30,4 »von einem Ende des Himmels bis zum andern«. V. 27 ist dann pleonastisch; aus den vier Himmelsrichtungen und auf der ganzen Erde beziehen sich beide darauf, dass der Menschensohn seine Auserwählten von überall her zusammensammeln wird. Zur Vorstellung vgl. noch Tg Ps-Jon Dt 30,4: »Wenn eure Zerstreuten wären an den Enden des Himmels, so wird euch von dort der Memra Jahves eures Gottes zusammenbringen durch Elias, den Hohenpriester, und euch von dort heranholen durch den König, den Messias.« (vgl. B/S IV/2. S. 797)
  3. Deuteronomium 30,3; Jeremia 32,37; Ezechiel 34,13; Ezechiel 36,24

28 Über1 den Feigenbaum {aber} lernt (erfahrt) ein Gleichnis: Sobald2 seine Zweige3 weich werden 4 und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe [ist].

Original Greek

ἀπὸapoOfG0575PREP
δὲdenowG1161CONJ
τῆςtēstheG3588T-GSF
συκῆςsukēsfig treeG4808N-GSF
μάθετεmathetedo learnG3129V-2AAM-2P
τὴνtēntheG3588T-ASF
παραβολήν·parabolēnparable:G3850N-ASF
ὅτανhotanWhenG3752CONJ
ἤδηēdēalreadyG2235ADV
ὁhotheG3588T-NSM
κλάδοςkladosbranchG2798N-NSM
αὐτῆςautēsof itG0846P-GSF
ἁπαλὸςhapalostenderG0527A-NSM
γένηται,genētaimay become,G1096V-2ADS-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐκφύῃekphuēmay it put forthG1631V-PAS-3S
τὰtatheG3588T-APN
φύλλα,phullaleaves,G5444N-APN
γινώσκετεginōsketeyou knowG1097V-PAI-2P
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐγγὺςengusnearG1451PREP
τὸtotheG3588T-NSN
θέροςtherossummerG2330N-NSN
ἐστίν.estinis.G1510V-PAI-3S
  1. zu Ἀπὸ i.S.v. über vgl. LSJ (Bed. A7)
  2. zu ὅταν ἤδη i.S.v. sobald vgl. ad loc. Grosvenor/Zerwick.
  3. W. sein Zweig; kollektiver Singular
  4. sicher i.S.v. Wenn der Saft in die Zweige steigt (so z.B. GN, NGÜ). Sehr schön BB: Wenn seine Zweige frisch austreiben und Blätter bekommen.

29 So auch ihr:1 wenn ihr dies geschehen seht, erkennt, dass er (es) nahe vor den Toren (vor der Tür)2 ist!3

Original Greek

οὕτωςhoutōsSoG3779ADV
καὶkaialsoG2532CONJ
ὑμεῖς,humeisyou yourselves,G4771P-2NP
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
ἴδητεidēteyou may seeG1492HV-2AAS-2P
ταῦταtautathese thingsG3778D-APN
γινόμενα,ginomenacoming to pass,G1096V-PNP-APN
γινώσκετεginōsketedo knowG1097V-PAM-2P
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐγγύςengusnearG1451PREP
ἐστινestinHe isG1510V-PAI-3S
ἐπὶepiat [the]G1909PREP
θύραις.¶thuraisdoors.G2374N-DPF
  1. Zum Gleichnis vgl. den Kommentar
  2. θύραις Dativ Plural kann auch für die einzelne Tür verwendet werden. Wer sich für »die Tür« entscheidet lässt den Hörer/Leser eher an die Tür eines Hauses denken. Wird der Plural verwendet, wird das Bild von »Stadttoren« wachgerufen. Deshalb dann besser »vor den Toren«.
  3. Philemon 4,5; Offenbarung 3,20

30 Amen1, ich sage euch: Nicht (Keinesfalls) wird diese Generation (Geschlecht) vergehen, bis dies alles2 geschehen sein wird.

Original Greek

ἈμὴνAmēnAmenG0281INJ-HEB
λέγωlegōI sayG3004GV-PAI-1S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
παρέλθῃparelthēmay have passed awayG3928V-2AAS-3S
ἡhē<the>G3588T-NSF
γενεὰgeneagenerationG1074N-NSF
αὕτηhautēthisG3778D-NSF
μέχριςmechrisuntilG3360PREP
οὗhouwhenG3739R-GSM
ταῦταtautathese thingsG3778D-NPN
πάνταpantaallG3956A-NPN
γένηται.genētaimay happen.G1096V-2ADS-3S
  1. Dieses Geschlecht wird nicht vergehen heißt höchstwahrscheinlich, dass noch zu Lebzeiten der Zeitgenossen Jesu das Eschaton eintreten wird (s. den Kommentar). Diese mit diesem Begriff bezeichneten Zeitgenossen werden im Mk stets negativ beurteilt (so auch Dschulnigg 2007, S. 348; Gnilka 1978, S. 206; Schenke 2005, S. 299); wahrscheinlich wird man daher V. 30 als Drohwort auffassen müssen (vgl. bes. Mk 8,38). Das Amen, ich sage euch (-&gt;°Amen°) hätte dann hier eine ähnliche Funktion wie im Deutschen ein Drohungen einleitendes »Ich verspreche dir,...«, »ich sag's dir,...«.
  2. Die Bedeutung von ταῦτα πάντα dies alles ist in der Exegese umstritten; vgl. dazu den Kommentar

31 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.12

Original Greek

ὁhoTheG3588T-NSM
οὐρανὸςouranosheavenG3772N-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἡhētheG3588T-NSF
γῆgēearthG1093GN-NSF
παρελεύσονται,pareleusontaiwill pass away,G3928V-FDI-3P
οἱhoi<the>G3588T-NPM
δὲdebutG1161CONJ
λόγοιlogoithe wordsG3056N-NPM
μουmouof MineG3165P-1GS
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
παρελεύσονται.¶pareleusontaiwill pass away.G3928V-FDI-3P
  1. Kleist 1937, S. 226 kommentiert wunderbar diesen Vers, indem er seiner Unsicherheit sehr ehrlich Ausdruck verleiht: »Werden oder würden vergehen? Werden Himmel und Erde tatsächlich vergehen? Oder vielleicht in diesem Sinn: »Selbst wenn Himmel und Erde (von denen man ja eigentlich meinen würde, dass sie unzerstörbar sind) vergehen würde, würden meine Worte nicht vergehen; d.h. sich nicht als falsch erweisen«?«Das ist eine schöne Deutung, aber nicht nötig: Die Vorstellung, dass am Ende der Zeit Himmel und Erde vergehen würden, ist ein häufigerer Topos in der Bibel; vg. TRE 30, S. 290: »Die alttestamentlich-apokalyptische Tradition des Untergangs von Sonne, Mond, Sternen, Himmel und Erde fand in den Gerichtsszenen im Neuen Testament (vgl. Mk 13,24-26; Apg 6,12-17; Heb 12,26f. [...]) Wiederhall. [...] Am Tag des Herrn vergehen Himmel, Erde und Grundelemente in einem kosmischen Weltenbrand (vgl. 2Pet 3,10-13). Obwohl die Schöpfung, Himmel und Erde (vgl. Lk 16,17 [Q]; Mk 13,31), diese Welt (vgl. 1Kor 7,31b; 1Joh 2,17) vergehen werden, wäre das aber nicht das Ende.«
  2. Psalm 89,37; Jesaja 40,8; Jesaja 51,6; Jesaja 54,10; Matthäus 5,18; 1 Petrus 1,24

32 Von dem Tag und der Stunde weiß niemand,1 weder die Engel (Boten)2 im Himmel, noch der Sohn, allein der Vater.

Original Greek

ΠερὶPeriConcerningG4012PREP
δὲdenowG1161CONJ
τῆςtēstheG3588T-GSF
ἡμέραςhēmerasdayG2250N-GSF
ἐκείνηςekeinēsthatG1565D-GSF
ἢēorG2228CONJ
τῆςtēstheG3588T-GSF
ὥραςhōrashourG5610N-GSF
οὐδεὶςoudeisno [one]G3762A-NSM
οἶδενoidenknowsG6063V-RAI-3S
οὐδὲoudenot evenG3761CONJ-N
οἱhoitheG3588T-NPM
ἄγγελοιangeloiangelsG0032GN-NPM
οἱhoi<the>G3588T-NPM
ἐνeninG1722PREP
οὐρανῷouranōheavenG3772N-DSM
οὐδὲoudenorG3761CONJ-N
ὁhotheG3588T-NSM
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēexceptG3361PRT-N
ὁhotheG3588T-NSM
πατήρ.patērFather.G3962N-NSM-T
  1. Die Formulierung Περὶ τῆς ἡμέρας ἐκείνης über jenen Tag (περί + Genitiv = über) klingt so, als wollte Jesus sagen, dass niemand etwas über die Geschehnisse am Ende der Zeit weiß - was aber keinen Sinn macht, da er ja selbst gerade lang und breit die Geschehnisse am Ende der Zeit referiert hat. Es muss daher gedeutet werden als Den Tag oder die Stunde kennt niemand, also den genauen Zeitpunkt allerdings kennt niemand. Vgl. ähnlich Schenke 2005, S. 299: »Antithetisch schließt 13,32 die Terminfrage ab: Über das hinaus, was Jesus angekündigt hat, kann niemand etwas zum Termin der Vollendung sagen. Sie wird sicher und noch vor dem Vergehen dieser Generation kommen, doch den genauen Tag oder gar die Stunde kennt außer Gott niemand, und Gott bewahrt ihn bei sich.« Das Motiv der Unbekanntheit des genauen Zeitpunktes findet sich auch in 2Bar 21,8 (»[Gott], der du [...] ganz allein der Zeiten Schluß vor seiner Ankunft kennst [...]« (Rießler)) (vgl. Gnilka 1978, S. 207). Vgl. noch V. 33.
  2. Sowohl das hebräische מַלְאָך als auch das griechische ἄγγελος heißt ursprünglich nur »Bote«, wird aber in der Bibel eher selten von menschlichen Boten verwendet, sondern meist von himmlischen Geistwesen, für die sich im Deutschen die Bezeichnung »Engel« eingebürgert hat. Da sie hier durch »im Himmel« spezifiziert werden, ist klar, dass dass es sich um letztere handelt. Auch das Motiv des Nichtwissens der Engel findet sich häufiger; vgl. 1Pet 1,12; Eph 3,10; 4Esra 4,52 (»Er (=der Engel) sprach zu mir: / Zum Teil kann ich die Zeichen dir vermelden, / wonach du fragst. / Doch ward ich nicht gesandt, / von deiner Lebensdauer etwas dir zu sagen. / Ich weiß es selber nicht.« (Rießler)); vgl. Gnilka 1978, S. 207.

33 Seid achtsam! Seid wachsam! - denn ihr wisst nicht, wann der Zeitpunkt (da) ist.1

Original Greek

Βλέπετε,Blepetedo take heed,G0991V-PAM-2P
ἀγρυπνεῖτεagrupneitedo watchG0069V-PAM-2P
καὶkaiandG2532CONJ
προσεύχεσθε·proseuchesthedo pray;G4336V-PNM-2P
οὐκouknotG3756PRT-N
οἴδατεoidateyou knowG6063V-RAI-2P
γὰρgarforG1063CONJ
πότεpotewhenG4219PRT-I
ὁhotheG3588T-NSM
καιρόςkairostimeG2540N-NSM
ἐστιν.estinis.G1510V-PAI-3S
  1. Matthäus 24,42; Lukas 12,40

34 [Es ist]1 wie bei einem Mensch auf Reisen, der, als er das Haus verließ und seinen Knechten die Vollmacht gab (ihre Verantwortungen übertrug)23 - jedem seine [eigene] Aufgabe - {dabei}4 dem Torhüter gebot, dass er wachsam sei (Wache halte).5

Original Greek

ὡςhōs[It is] likeG5613PRT
ἄνθρωποςanthrōposa manG0444N-NSM
ἀπόδημοςapodēmosgoing on a journeyG0590A-NSM
ἀφεὶςapheishaving leftG0863GV-2AAP-NSM
τὴνtēntheG3588T-ASF
οἰκίανoikianhouseG3614GN-ASF
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
δοὺςdoushaving givenG1325V-2AAP-NSM
τοῖςtoisto theG3588T-DPM
δούλοιςdouloisservantsG1401N-DPM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ἐξουσίαν,exousianauthority,G1849N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
ἑκάστῳhekastōto each oneG1538A-DSM
τὸtotheG3588T-ASN
ἔργονergonworkG2041N-ASN
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
καὶkaiAndG2532CONJ
τῷtōtheG3588T-DSM
θυρωρῷthurōrōdoorkeeperG2377N-DSM
ἐνετείλατοeneteilatohe commandedG1781V-ADI-3S
ἵναinathatG2443CONJ
γρηγορῇ.grēgorēahe may keep watch.G1127V-PAS-3S
  1. vgl. Kleist 1937, S. 226: »ὡς ἄνθρωπος: brachylogical; »it is as when...««. Vielleicht aber besser: Vv. 34f. sind ein °Gleichnis°; V. 34 ist dabei die Bild-, V. 35 die Sachhälfte. Vielleicht könnte man daher das ὡς ... οὖν auch deuten als Versprachlichung der Relation von Bild- und Sachhälfte: So wie..., so (vgl. Louw/Nida 89.50 zu οὖν: »Resultats-marker; impliziert häufig die Konklusion einer Argumentation« (meine Übersetzung)). Dann also: Ebenso, wie wenn ein Mann auf Reisen geht ... und dem Torhüter aufträgt, wachsam zu sein, so sollt auch ihr wachsam sein .... Bisher habe ich aber kein gute Beispiel für ein derart verwendetes οὖν gefunden, daher wird man wohl der Lösung von Kleist den Vorzug geben müssen.
  2. meist: »Vollmacht«; es ist aber zweifellos gemeint, dass jedem Knecht eine bestimmte Tätigkeit zugewiesen wird (so wird es ja im nächsten Teilvers auch näher spezifiziert). Verantwortung nach Muraoka, S.255 (»authoritative responsibility«); so gut auch BB, EÜ, GN, NeÜ, NGÜ, Zink: »Verantwortung übertragen«
  3. adverbiale Partizipien aufgelöst als temporale Nebensätze. So löst auch Kleist 1937 auf und so ist es viel sinnvoller; denn der Fokus liegt bei dem Gleichnis ja nicht darauf, dass der Hausherr seinen Dienern Tätigkeiten zuweist und unter anderem auch dem Torhüter die Tätigkeit des Wachehaltens; sondern allein die Tätigkeit des Wachehaltens steht im Fokus. Diese Auflösung entbindet auch von der Notwendigkeit, das Gleichnis für eine nicht gelungene Verschmelzung zweier verschiedener Quellen zu erklären, wie z.B. Weder 1978, S. 163 das tut.
  4. partikularisierendes καὶ: Der Torhüter ist bereits in seinen Knechten inkludiert; nun wird noch einmal gesondert auf den Torhüter Bezug genommen
  5. Das altjüdische Haus gehörte i.d.R. zu einem ummauerten Häuserverbund mit gemeinschaftlichen Innenhof, dessen vorderer Teil an die Straße reichte. Viele solcher Häuserverbünde hatten hier einen Torhüter postiert; größere und vornehmere Häuserverbünde sogar ein extra Torhäuschen. vgl. z.B. B/S ad loc.

35 Seid also wachsam, denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt1 - ob am Abend, zur Mitternacht, zum Hahnenschrei oder im Morgengrauen2 -3

Original Greek

γρηγορεῖτεgrēgoreitedo watchG1127V-PAM-2P
οὖν·ountherefore;G3767CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
οἴδατεoidateyou knowG6063V-RAI-2P
γὰρgarforG1063CONJ
πότεpotewhenG4219PRT-I
ὁhotheG3588T-NSM
κύριοςkuriosmasterG2962HN-NSM
τῆςtēsof theG3588T-GSF
οἰκίαςoikiashouseG3614GN-GSF
ἔρχεταιerchetaicomesG2064V-PNI-3S
ἢēorG2228CONJ
ὀψὲopseat eveningG3796ADV
ἢēorG2228CONJ
μεσονύκτιονmesonuktionat midnightG3317N-ASN
ἢēorG2228CONJ
ἀλεκτοροφωνίαςalektorophōniaswhen the rooster crowsG0219N-GSF
ἢēorG2228CONJ
πρωΐ·prōimorning;G4404ADV
  1. Der Satz ist spannend, denn er steht sowohl auf der Bildseite als auch auf der Sachseite des Gleichnisses (-&gt;°Gleichnis°) und bezieht sich sowohl auf die Rückkehr des Hausherrn als auch als die eschatologisch zu verstehende (vgl. Fußnote bg) Wiederkunft des Herrn, also des Menschensohnes.
  2. Abend, Mitternacht, Hahnenschrei und Morgengrauen sind die vier Nachtwachenzeiten der Römer (vgl. Thüsing 2011, S. 115); die Zeitangaben passen also ausgesprochen gut zur Aufgabe des Wache-haltens eines Torwächters.
  3. Lukas 12,38

36 damit er, wenn er plötzlich kommt, euch nicht schlafend vorfindet.1

Original Greek

μὴmēlestG3361PRT-N
ἐλθὼνelthōnhaving comeG2064V-2AAP-NSM
ἐξαίφνηςexaiphnēssuddenlyG1810ADV
εὕρῃheurēhe may findG2147V-2AAS-3S
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
καθεύδοντας.katheudontassleeping.G2518V-PAP-APM
  1. Matthäus 25,5

37 Was ich {aber} euch sage, sage ich1 allen: Seid wachsam!2“

Original Greek

ὃhoWhat [thing]G3739R-ASN
δὲdenowG1161CONJ
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
λέγω,legōI say,G3004GV-PAI-1S
πᾶσινpasinto allG3956A-DPM
λέγω·legōI say:G3004GV-PAI-1S
γρηγορεῖτε.¶grēgoreitedo watch.G1127V-PAM-2P
  1. sehr gut GN: »Was ich euch gesagt habe, gilt für alle«.
  2. Apostelgeschichte 20,31; 1 Korinther 16,13; 1 Petrus 5,8