reltext

Chapter 7

1 1 Und die Pharisäer und einige der Schriftgelehrten (Schreiber), die aus Jerusalem gekommen waren, 2 versammelten sich bei ihm.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
συνάγονταιsunagontaiare gathered togetherG4863V-PPI-3P
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
οἱhoitheG3588T-NPM
ΦαρισαῖοιPharisaioiPhariseesG5330N-NPM-T
καίkaiandG2532CONJ
τινεςtinessomeG5100X-NPM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
γραμματέωνgrammateōnscribesG1122N-GPM
ἐλθόντεςelthonteshaving comeG2064V-2AAP-NPM
ἀπὸapofromG0575PREP
Ἱεροσολύμων.Hi'erosolumōnJerusalem.G2414N-GPN-L
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. die ... gekommen waren attr. Ptz. Aor., als vorzeitiger Relativsatz aufgelöst.

2 Und weil (als) sie gesehen hatten (sahen), 1 dass manche von seinen Jüngern [mit] unreinen, das heißt: [mit] ungewaschenen Händen 2 die Brote (ihr Essen) aßen 3 – 4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἰδόντεςidontesthey had seenG1492HV-2AAP-NPM
τινὰςtinassomeG5100X-APM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
μαθητῶνmathētōndisciplesG3101N-GPM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
κοιναῖςkoinaiswith defiledG2839GA-DPF
χερσίν,chersinhands,G5495N-DPF
τοῦτ᾽tout᾽ThatG3778D-NSN
ἔστινestinisG1510V-PAI-3S
ἀνίπτοις,aniptoisunwashed,G0449A-DPF
ἐσθίουσινesthiousinare eatingG2068V-PAI-3P
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἄρτουςartousbreadG0740N-APM
ἐμέμψαντο·emempsantothey found fault;G3201V-ADI-3P
  1. weil (als) sie gesehen hatten (sahen) Kausales oder temporales Ptz. conj..
  2. [mit] unreinen ... [mit] ungewaschenen, Händen Instr. Dativ.
  3. die Brote aßen Eine ungewöhnliche Formulierung. „Brot“ kann pars pro toto für Nahrung oder eine Mahlzeit stehen. Die zu erwartende Phrase wäre aber „Brot essen“. Vielleicht hat Markus so formuliert, um noch einmal das Wunder der Brotvermehrung (Kap. 6) in Erinnerung zu rufen (bei dem Brot könnte es sich um die Überbleibsel handeln), doch das ist unsicher (dafür: Guelich 1989, 363; dagegen: France 2002, 281).
  4. Der Satz endet nach Meinung der meisten Ausleger und der Zeichensetzung der kritischen Editionen unvollendet (Anakoluth), um der Erklärung des pharisäischen Brauchs Platz zu machen. Unklar ist, ob er in V. 5 fortgesetzt wird oder ob V. 5 neu einsetzt (Guelich 1989, 360; vgl. Collins 2007, 344 Fn 35). France bemerkt allerdings, man könne den Satzbau auch erklären, indem man V. 2 nicht als Umstandsangabe für die Anfrage der Pharisäer V. 5, sondern für ihr Zusammenkommen in V. 1 versteht (ders. 2002, 279f.). Das Partizip weil/als sie gesehen hatten gibt dann kausal oder temporal an, warum die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus ansprachen. Das passt zwar inhaltlich, aber für die verbreitetere Interpretation spricht, dass man die Stelle offenbar schon lange als Anakoluth verstanden hat. Varianten in der Überlieferung des Textes zeigen, dass man zum Teil versuchte, den Satzbau etwas einfacher zu formulieren. Zudem stehen Partizipien mit kausaler Sinnrichtung häufiger vor der Aussage, die sie begründen, als danach.

3 die Pharisäer und die Juden überhaupt (alle) essen nämlich nicht, wenn sie sich nicht sorgfältig (mit einer Handvoll Wasser, in der vorgeschriebenen Weise; mit der Faust) 1 die Hände gewaschen haben, um (Damit, weil) an der Überlieferung der Ältesten (Vorfahren)2 festzuhalten, 3

Original Greek

οἱhoi<the>G3588T-NPM
γὰρgarForG1063CONJ
ΦαρισαῖοιPharisaioithe PhariseesG5330N-NPM-T
καὶkaiandG2532CONJ
πάντεςpantesallG3956A-NPM
οἱhoitheG3588T-NPM
ἸουδαῖοιIoudaioiJewsG2453N-NPM-PG
ἐὰνeanonlyG1437COND
μὴmēunlessG3361PRT-N
πυγμῇpugmēawith a fistG4435N-DSF
νίψωνταιnipsōntaithey shall washG3538V-AMS-3P
τὰςtastheG3588T-APF
χεῖρας,cheirashands,G5495N-APF
οὐκouknotG3756PRT-N
ἐσθίουσινesthiousineatG2068V-PAI-3P
κρατοῦντεςkratountesholdingG2902V-PAP-NPM
τὴνtēntheG3588T-ASF
παράδοσινparadosintraditionG3862N-ASF
τῶνtōnof theG3588T-GPM
πρεσβυτέρων·presbuterōnelders;G4245GN-GPM
  1. sorgfältig Gr. πυγμῇ W. „[mit] der Faust“ Instr. Dativ. Diese Wendung ist nur hier bekannt und ihre Bedeutung unklar. Es gibt folgende Vorschläge, was das Wort bezeichnet: 1. die Art des Waschens, nämlich der Faust in der hohlen Hand, 2. das Waschen bis zum Ellbogen (so Collins 2007, 349) bzw. zum Handgelenk, 3. die meisten Übersetzungen folgen LUT mit der Übersetzung „[mit] einer Handvoll Wasser“ (so z.B. Cranfield 1959, S. 233). 4. MEN „gründlich“, ELB „sorgfältig“. 5. bedeutungsagnostisch „in der vorgeschriebenen Weise“ (NSS) oder „zeremoniell“ (France). France empfiehlt, das Wort sinngemäß mit „sorgfältig“ oder „zeremoniell“ zu übersetzen (ders. 2002, 282; in dieselbe Richtung geht NSS). Weil es sich um einen Singular handelt, ist eine pluralspezifische Übersetzung wie Guelichs „with cupped hands“ (ders. 1989, 364f.) weniger wahrscheinlich. Auch Hengels Theorie eines aus dem Lateinischen entlehnten Wortes „Handvoll“ ist unwahrscheinlich, weil es im Griechischen ein Wort dafür gab (ebd.; so aber auch Dschulnigg 2007; Gnilka 1978). NGÜ lässt das Wort gleich ganz aus dem Fließtext und erwähnt seine unbekannte Bedeutung in einer Fußnote.
  2. Überlieferung der Ältesten (Vorfahren) Dabei handelt es sich um Bräuche und Regeln, die sich auf der Grundlage des Gesetzes ausgebildet hatten und irgendwann als Norm galten, ohne vom Gesetz direkt vorgeschrieben zu sein. Lange ging man davon aus, dass es sich beim Händewaschen um eine rein pharisäische Lehre handelte, inzwischen weiß man aber, dass die meisten Juden diesem Brauch tatsächlich folgten (Collins 2007, 345f.; vgl. France 2002, 280ff.).
  3. um (Damit, weil) … festzuhalten Ptz. conj., als Nebensatz aufgelöst. Man kann diese Angabe (mit um) final verstehen (vgl. ZÜR) oder sie als getrennten Satz modal übersetzen: „Damit halten sie an der Überlieferung der Ältesten fest.“ (vgl. NGÜ) Auch eine kausale Deutung ist möglich (NSS, MEN).

4 und [nach der Rückkehr] vom Markt 1 essen sie nicht, bis (wenn) sie nicht gebadet (einer Reinigung unterzogen, gewaschen) haben; und es gibt viele andere [Regeln], die sie zu halten übernommen haben, [zum Beispiel] das Abspülen von Bechern, {und} Krügen und Kupfergefäßen und Sitzpolstern (Betten) 2 –

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
ἀπ᾽ap᾽[on coming] fromG0575PREP
ἀγορᾶςagoras[the] marketG0058N-GSF
δὲdenowG1161CONJ
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
ἔλθωσινelthōsinmay comeG2064V-2AAS-3P
ἐὰνeanonlyG1437COND
μὴmēunlessG3361PRT-N
βαπτίσωνται,baptisōntaithey shall washG0907V-AMS-3P
οὐκouknotG3756PRT-N
ἐσθίουσιν·esthiousinthey eat;G2068V-PAI-3P
καὶkaiandG2532CONJ
ἄλλαallaother thingsG0243A-NPN
πολλάpollamanyG4183A-NPN
ἐστινestinthere areG1510V-PAI-3S
ἃhawhichG3739R-APN
παρέλαβονparelabonthey receivedG3880V-2AAI-3P
κρατεῖν,krateinto keepG2902V-PAN
βαπτισμοὺςbaptismouswashingsG0909N-APM
ποτηρίωνpotēriōnof cupsG4221N-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
ξεστῶνxestōnvesselsG3582N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
χαλκίωνchalkiōnutensilsG5473N-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
κλινῶν.¶klinōncouches for dining.G2825N-GPF
  1. nach der Rückkehr vom Markt W. „vom Markt“, ein griechisches Idiom. Möglich wäre vielleicht auch „essen nichts, was vom Markt kommt, ohne es gewaschen zu haben“ (NSS).
  2. und Sitzpolstern (Betten) Dabei handelt es sich um jedes Möbelstück, das als Bett oder Liege auch als Sitzgelegenheit zum Essen diente. Das waren bei ärmeren Leuten oft einfache Matten oder Teppiche, bei Reicheren auch Möbelstücke mit Beinen, wie man sie heute als Betten und Sofas kennt. Nach Lev 15 waren auch unrein gewordene Betten zu waschen (Collins 2007, 349; LN 6.106). Die Übersetzung „Sitzpolster“ folgt GNB, NGÜ.

5 da (und) 1 erkundigten (fragten) die Pharisäer und die Schriftgelehrten sich bei ihm: „Weshalb leben (folgen) deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot (Essen) [mit] unreinen Händen 2?“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐπερωτῶσινeperōtōsinquestionedG1905V-PAI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
οἱhoitheG3588T-NPM
ΦαρισαῖοιPharisaioiPhariseesG5330N-NPM-T
καὶkaiandG2532CONJ
οἱhoitheG3588T-NPM
γραμματεῖς·grammateisscribes;G1122N-NPM
διὰdiaBecause ofG1223PREP
τίtiwhyG5101I-ASN
οὐounotG3756PRT-N
περιπατοῦσινperipatousinwalkG4043V-PAI-3P
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταίmathētaidisciplesG3101N-NPM
σουsouof YouG4771P-2GS
κατὰkataaccording toG2596PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
παράδοσινparadosintraditionG3862N-ASF
τῶνtōnof theG3588T-GPM
πρεσβυτέρων,presbuterōnelders,G4245GN-GPM
ἀλλὰallabutG0235CONJ
κοιναῖςkoinaiswith unsanctifiedG2839GA-DPF
χερσὶνchersinhandsG5495N-DPF
ἐσθίουσινesthiousineatG2068V-PAI-3P
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄρτον;¶artonbread?G0740N-ASM
  1. da (und) Nach der Parenthese in Vv. 3f nimmt Markus den Satz wieder auf, tut es aber „auf eine Weise, als hätte er vergessen, dass er schon vor der Parenthese einen Satz begonnen hatte und setzt also ein mit καὶ, das hier eigentlich gar nicht nötig wäre.“ (Cranfield 1959, S. 234f). In den selben Phänomenkomplex gehört wohl, dass auch die Wendung „Parisäer und Schriftgelehrte“, mit der der Satz einsetzte, hier extra noch mal gesetzt wird.
  2. [mit] unreinen Händen Instr. Dativ.

6 Aber er sagte zu ihnen: „Richtig (Treffend, Zurecht) hat Jesaja über euch Heuchler (Scheinheilige) geweissagt, wie geschrieben steht: »Dieses Volk ehrt mich [mit] den Lippen,1 aber ihr Herz ist weit von mir entfernt.

Original Greek

ὉHo<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἀποκριθεὶςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
εἶπενeipenHe saidG2036V-2AAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
ὅτι·hotithat:G3754GCONJ
καλῶςkalōsRightlyG2573ADV
ἐπροφήτευσενeprophēteusenprophesiedG4395V-AAI-3S
ἨσαΐαςĒsaiasIsaiahG2268N-NSM-P
περὶpericoncerningG4012PREP
ὑμῶνhumōnyouG4771P-2GP
τῶνtōn<the>G3588T-GPM
ὑποκριτῶν,hupokritōnhypocrites,G5273N-GPM
ὡςhōsasG5613PRT
γέγραπταιgegraptaiit has been writtenG1125V-RPI-3S
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὗτοςhoutosThisG3778D-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
λαὸςlaospeopleG2992N-NSM
τοῖςtoiswith theG3588T-DPN
χείλεσίνcheilesinlipsG5491N-DPN
μεmeMeG3165P-1AS
τιμᾷ,timahonors,G5091V-PAI-3S
ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdebutG1161CONJ
καρδίαkardiathe heartG2588N-NSF
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
πόρρωporrōfar awayG4206ADV-C
ἀπέχειapecheiis keptG0568V-PAI-3S
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
ἐμοῦ.emouMe.G1473S-1SGSN
  1. [mit] den Lippen Instr. Dativ.

7 Und sie beten (verehren) mich vergeblich an,weil sie [als verbindliche] Lehren Gebote von Menschen lehren1.«2

Original Greek

μάτηνmatēnIn vainG3155ADV
δὲdenowG1161CONJ
σέβονταίsebontaithey worshipG4576V-PNI-3P
μεmeMeG3165P-1AS
διδάσκοντεςdidaskontesteachingG1321V-PAP-NPM
διδασκαλίας,didaskalias[as] doctrinesG1319N-APF
ἐντάλματαentalmata[the] preceptsG1778N-APN
ἀνθρώπων.¶anthrōpōnof men.’G0444N-GPM
  1. weil sie … lehren Ptz. conj., als kausaler Nebensatz aufgelöst. [als verbindliche] Lehren Gebote von Menschen lehren Im gr. AT steht etwas anders »weil sie Gebote von Menschen und Lehren lehren«. Jesus spitzt das rhetorisch auf den Vorwurf zu, die Vorstellungen von Menschen (nämlich die erwähnte »Überlieferung der Ältesten«) als verbindliche Gebote festzuschreiben – ohne dabei allerdings etwas am Sinn zu ändern. Im Kern geht es bei Jesaja um oberflächliche Religion, die überkommenen Bräuchen und Traditionen folgt, anstatt Gott mit dem Herzen (d.h. aus Überzeugung) zu ehren, wie es der Fall wäre, wenn die Bräuche nicht zur missbräuchlichen Umgehung der Gebote führen würden (vgl. France 2002, 284).
  2. Jesaja 29,13; Kolosser 2,22

8 Während ihr Gottes Willen (Gesetz, Gebot) 1 außer Acht lasst, 2 haltet ihr euch [stattdessen (gleichzeitig)] an die Überlieferung der Menschen!“

Original Greek

ἈφέντεςAphentesHaving neglectedG0863GV-2AAP-NPM
γὰρgarforG1063CONJ
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἐντολὴνentolēncommandmentG1785N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
κρατεῖτεkrateiteyou holdG2902V-PAI-2P
τὴνtēnto theG3588T-ASF
παράδοσινparadosintraditionG3862N-ASF
τῶνtōn<the>G3588T-GPM
ἀνθρώπωνanthrōpōnof menG0444N-GPM
βαπτισμοὺςbaptismouswashingsG0909N-APM
ξεστῶνxestōnof vesselsG3582N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ποτηρίωνpotēriōnof cupsG4221N-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
ἄλλαallamoreG0243A-APN
παρόμοιαparomoialikeG3946A-APN
τοιαῦταtoiautathingsG5108D-APN
πολλὰpollamany thingsG4183A-APN
ποιεῖτε.poieiteyou do.G4160GV-PAI-2P
  1. Gottes Willen (Gesetz, Gebot), W. »das Gebot Gottes«, bezeichnet in diesem Kontext das, was von Gott geboten (und nicht von Menschen vorgeschrieben) wurde (Guelich 1989, 367). Dass Jesaja von Verehrung mit dem Herzen spricht, weist darauf hin, dass er (und auch Jesus mit seinem Zitat) von Gottes Geboten gerade das »Hauptgebot« aus Dtn 6,4-6 im Blick haben. Israel sollte danach »JHWH, deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und deinem ganzen Sein und deiner ganzen Kraft lieben« und Gottes Gebote im Herzen bewahren (Pesch 1976, 373).
  2. Während ihr … außer Acht lasst (preisgebt, verlasst, ablehnt) Modales Ptz. conj., als Nebensatz mit »während« und »[stattdessen (gleichzeitig)]« aufgelöst. Das Verb kann in diesem Kontext verschiedenes bedeuten: »außer Acht lassen« (NSS, NGÜ, MEN, ZÜR), »verlassen« (LUT), »preisgeben« (ELB, EÜ), oder sogar »ablehnen« (LN 31.63). GNB etwas freier, aber treffend »zur Seite schieben«. Es geht hier wenige um eine absichtliche Missachtung als um eine bewusste Ablehnung oder Umdeutung der Gebote (V. 9 und 13; France 2002, 285).

9 Und er fuhr fort (sagte) 1 {zu ihnen}: „Geschickt (meisterhaft, trefflich) setzt (hebt auf) ihr Gottes Gebot (Gesetz, Willen) außer Kraft, um eure Überlieferung aufrechtzuerhalten (zur Geltung zu bringen).

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
καλῶςkalōsNeatlyG2573ADV
ἀθετεῖτεatheteitedo you set asideG0114V-PAI-2P
τὴνtēntheG3588T-ASF
ἐντολὴνentolēncommandmentG1785N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
ἵναinathatG2443CONJ
τὴνtēntheG3588T-ASF
παράδοσινparadosintraditionG3862N-ASF
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
στήσητε.stēsēteyou may maintain.G2476V-AAS-2P
  1. er fuhr fort (V. 9 und 20) übersetzt das Imperfekt ἔλεγεν. Der durative Aspekt zeigt hier wohl an, dass Jesus weiterspricht. Vgl. die ähnliche Übersetzung des Imperfekts in V. 14.

10 Mose hat doch (ja) gesagt: »Ehre deinen Vater und deine Mutter!«,1 und: »Wer Vater oder Mutter verflucht (schmäht, schlechtmacht, herabsetzt), muss sterben 2.«3

Original Greek

ΜωϋσῆςMōusēsMosesG3475N-NSM-P
γὰρgarforG1063CONJ
εἶπεν·eipensaid;G2036V-2AAI-3S
τίμαtimado honorG5091V-PAM-2S
τὸνtontheG3588T-ASM
πατέραpateraFatherG3962N-ASM-T
σουsouof youG4771P-2GS
καὶkaiandG2532CONJ
τὴνtēntheG3588T-ASF
μητέραmēteramotherG3384N-ASF
σου,souof you,’G4771P-2GS
καὶkaiandG2532CONJ
ὁhoThe [one]G3588T-NSM
κακολογῶνkakologōnspeaking evil ofG2551V-PAP-NSM
πατέραpaterafatherG3962N-ASM
ἢēorG2228CONJ
μητέραmēteramotherG3384N-ASF
θανάτῳthanatōin deathG2288N-DSM
τελευτάτω.teleutatōshould end.’G5053V-PAM-3S
  1. Exodus 20,12; Deuteronomium 5,16
  2. muss sterben W. etwa »[dem] Tod sterben« (Dativ+Imperativ 3. Sg.). Der Dativ soll hier den hebräischen Inf. abs. nachbilden und in der gleichen Weise die Verstärkung der Aussage bewirken (Siebenthal 2011, §189c). Er lässt sich nicht direkt übersetzen, höchstens mit der etwas staubigen Formulierung »des Todes sterben« (LUT, ELB, MEN). Etwas freier, aber sinngemäß »muss mit dem Tod bestraft werden« (NSS, EÜ, GNB, NGÜ).
  3. Exodus 21,12; Levitikus 20,9

11 ''Ihr'' jedoch sagt: »Wenn ein Mann (Mensch) zu [seinem] Vater oder [seiner] Mutter sagt: Alles von mir, was dich unterstützen (helfen, nützen) würde, [ist] Korban!« 1, das heißt »Opfergabe (Geschenk)«,2

Original Greek

ὑμεῖςhumeisYou yourselvesG4771P-2NP
δὲdehoweverG1161CONJ
λέγετε·legetesay [that]:G3004GV-PAI-2P
ἐὰνeanifG1437COND
εἴπῃeipēmay sayG2036V-2AAS-3S
ἄνθρωποςanthrōposa manG0444N-NSM
τῷtōto theG3588T-DSM
πατρὶpatrifatherG3962N-DSM
ἢēorG2228CONJ
τῇtēato theG3588T-DSF
μητρί·mētrimother;G3384N-DSF
κορβᾶν,korban[It is] Corban,G2878N-NSM-T
ὅhothatG3739R-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
δῶρον,dōrona gift,G1435N-NSN
ὃhowhateverG3739R-ASN
ἐὰνeanifG1437COND
ἐξexfromG1537PREP
ἐμοῦemoumeG1473S-1SGSN
ὠφεληθῇς,ōphelēthēasyou shall be profited,G5623V-APS-2S
  1. Korban Dabei handelt es sich um ein aus dem AT geläufiges hebräisches Wort (קָרְבָּן), ein terminus technicus für »Opfergabe« (Guelich 1989, 368). Nach dem, was heute bekannt ist, war es nach der beschriebenen Sitte irgendwie möglich, das als Opfergabe Deklarierte am Ende selbst zu behalten. Offenbar war es nicht erforderlich, den Gegenstand direkt zu spenden. Das Gelübde wurde dann unter Verweis auf das Verbot im Gesetz, einen Schwur zu brechen, eingehalten (Num 30,2; Dtn 23,21-23; Lev 5,14-16). In der Praxis diente dieser Eid dann nur dazu, solche »Opfergaben« anderen vorzuenthalten. France erwähnt als Beispiel Grundbesitz, der auch nach der Korban-Weihe weiter im Besitz des Sohnes war, ohne dass der Vater ihn betreten durfte (France 2002, 286f.; Collins 2007, 351ff.).
  2. Anakoluth (z.B. Kleist 1937, S. 208). Jesus hat sich hier offenbar so in Rage geredet, dass er nicht einmal seinen begonnenen Satz zu Ende führt.

12 dann erlaubt (lasst ihr zu, dass … nicht mehr; lasst) 1 ihr ihm nicht mehr, etwas 2 [für seinen] Vater oder [seine] Mutter 3 tun.

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
οὐκέτιouketino longerG3756PRT-N + G2089
ἀφίετεaphieteyou do allowG0863IV-PAI-2P
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
οὐδὲνoudenno [thing]G3762A-ASN
ποιῆσαιpoiēsaito doG4160GV-AAN
τῷtōfor theG3588T-DSM
πατρὶpatrifatherG3962N-DSM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ἢēorG2228CONJ
τῇtēafor theG3588T-DSF
μητρίmētrimotherG3384N-DSF
αὐτοῦ,autouof himG0846P-GSM
  1. erlaubt bzw. lasst zu, dass Der Satz lässt sich auf zwei Weisen übersetzen: (1) »Ihr lasst nicht zu, dass er...« oder (2) »Ihr lasst zu, dass er nicht...«. Im ersten Fall wäre gemeint, dass die Pharisäer dem Mann nicht erlauben würden, sein Gelübde rückgängig zu machen, um doch noch seinen Eltern zu helfen (EÜ, NGÜ, LUT, ELB, MEN; die meisten Kommentare). Im zweiten Fall wäre gemeint, dass sie den Mann damit davonkommen lassen, nicht mehr für seine Eltern zu sorgen (BB, B/N, KAM, NL, ZÜR; Thüsing 2011). GN kombiniert beide Möglichkeiten: »dann braucht er für seine Eltern nichts mehr zu tun. Ja, ihr erlaubt es ihm dann nicht einmal mehr.« Die gewählte Übersetzung scheint vom Griechischen her etwas wahrscheinlicher zu sein.
  2. nicht mehr, etwas W. »nicht mehr, nichts«, eine doppelte Verneinung, die den Effekt der Aussage (s. die vorige Fußnote) verstärkt.
  3. [für seinen] Vater oder [seine] Mutter Instr. Dat. (2x).

13 So (indem) hebt (macht nichtig) ihr Gottes Wort (Aussage) 1 auf 2 durch eure Überlieferung, die ihr weitergegeben (überliefert) habt, und ihr tut viele vergleichbare (ähnliche) solche [Dinge] (vergleichbare solche [Dinge] tut ihr häufig).“

Original Greek

ἀκυροῦντεςakurountesmaking voidG0208V-PAP-NPM
τὸνtontheG3588T-ASM
λόγονlogonwordG3056N-ASM
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
τῇtēafor theG3588T-DSF
παραδόσειparadoseitraditionG3862N-DSF
ὑμῶνhumōnof youG4771P-2GP
ᾗhēwhichG3739R-DSF
παρεδώκατε·paredōkateyou have handed down;G3860V-AAI-2P
καὶkaiAndG2532CONJ
παρόμοιαparomoialike [things]G3946A-APN
τοιαῦταtoiautasuchG5108D-APN
πολλὰpollamanyG4183A-APN
ποιεῖτε.¶poieiteyou do.G4160GV-PAI-2P
  1. Gottes Wort steht nicht für die Heilige Schrift, wie man aus der beliebten christlichen Wendung schließen könnte. Im NT ist sie noch nicht üblich. Jesus bezieht sich also auf eine bestimmte Aussage der Schrift. Dabei dürfte es sich um das zuvor zitierte 5. Gebot und die andere Stelle handeln, aus denen hervorgeht, wie Vater und Mutter zu behandeln sind (France 2002, 288).
  2. so hebt ihr auf bzw. indem ihr aufhebt Modales Ptz. conj., hier als separater Hauptsatz mit so aufgelöst. Dieser Satz dient wohl als zusammenfassende Wiederholung der nun begründeten Behauptung (so, »damit« o.ä.): »Dieses Beispiel zeigt, dass...« (so die meisten Übersetzungen). Die Aussage könnte auch angeben, auf welche Weise die Pharisäer den Mann nichts mehr für seine Eltern tun lassen (»indem«; so ELB).

14 Und (Dann) er rief die Menschenmenge wieder (noch einmal) zu sich und 1 sprach nun 2 zu ihnen: „Hört mir alle zu und versteht 3!

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
προσκαλεσάμενοςproskalesamenoshaving called to [Him]G4341V-ADP-NSM
πάλινpalinagainG3825ADV
τὸνtontheG3588T-ASM
ὄχλονochloncrowdG3793N-ASM
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
ἀκούσατέakousatedo listen toG0191V-AAM-2P
μουmouMeG3165P-1GS
πάντεςpantesallG3956A-NPM
καὶkaiandG2532CONJ
σύνετε.sunetedo understand.G4920V-2AAM-2P
  1. er rief ... und Ptz. conj. Aor., temporal-modal, beigeordnet übersetzt.
  2. sprach nun übersetzt das Imperfekt ἔλεγεν. Der durative Aspekt zeigt hier wohl an, dass Jesus weiterspricht, und zwar jetzt an die Menge gewandt. Vgl. die ähnliche Übersetzung des Imperfekts in V. 9 und 20.
  3. und versteht Möglich wäre eine finale Übersetzung des zweiten Imperativs wie NGÜ: »damit ihr versteht, [was ich sage]« Der Übersetzer hat das vielleicht als eine aus dem Semitischen entlehnte Formulierung verstanden. MEN übersetzt ebenso sinngemäß »und versucht zu verstehen«.

15 Nichts, was (wenn, indem) von außerhalb des Menschen in ihn hineingelangt, kann ihn verunreinigen (Es gibt nichts, was … hineingelangt, das … kann). 1 Es ist vielmehr, was aus dem Menschen herauskommt, das den Menschen verunreinigt 2.

Original Greek

οὐδένoudenNo [thing]G3762A-NSN
ἐστινestinthere isG1510V-PAI-3S
ἔξωθενexōthenoutsideG1855PREP
τοῦtouof theG3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpoumanG0444N-GSM
εἰσπορευόμενονeisporeuomenonenteringG1531V-PNP-NSN
εἰςeisintoG1519PREP
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
ὃhowhichG3739R-NSN
δύναταιdunataiis ableG1410V-PNI-3S
κοινῶσαιkoinōsaito defileG2840V-AAN
αὐτόν,autonhimG0846P-ASM
ἀλλὰallabutG0235CONJ
τὰtathe [things]G3588T-NPN
ἐκekout ofG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpoumanG0444N-GSM
ἐκπορευόμενάekporeuomenaproceedingG1607V-PNP-NPN
ἀπ᾽ap᾽fromG0575PREP
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
ἐκεῖνάekeinathatG1565D-NPN
ἐστινestinareG1510V-PAI-3S
τὰtathose whichG3588T-NPN
κοινοῦνταkoinountaare defilingG2840V-PAP-NPN
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄνθρωπον.¶anthrōponman.G0444N-ASM
  1. Nichts, was … hineingelangt Subst. oder umschreibendes Partizip, hier als umschr. Ptz. verstanden (wie die meisten Übersetzungen). Als subst. Ptz. übersetzt und folglich als Relativsatz aufgelöst (vgl. LUT, ELB), würde der Satz lauten: »Es gibt nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn hineingelangt, das ihn verunreinigen kann.« bzw. »Außerhalb des Menschen gibt es nichts, was...« (für den zweiten Versteil s. die folgende Fußnote). Von der Syntax her ist es auch möglich, das Ptz. wie die meisten englischen Übersetzungen als Ptz. conj. zu übersetzen. Das temporal-konditionale (wenn) oder modale (indem) Ptz. conj. wäre als Nebensatz aufzulösen: »Außerhalb des Menschen gibt es nichts, was ihn verunreinigen kann, wenn (indem) es in ihn hineingelangt« bzw. »Es gibt nichts, was …, wenn es von außen...« (vgl. z.B. ESV, NASB, ähnlich wohl SLT). (Vgl. NSS.)
  2. was herauskommt und das verunreinigt Subst. Ptz. (2x), als Relativsatz aufgelöst. Man könnte das zweite Partizip auch als umschreibendes Partizip übersetzen (dazu s. die vorige Fußnote): »Vielmehr verunreinigt den Menschen das, was aus dem Menschen herauskommt.«

16 Wer Ohren hat [zum] Hören, soll hören (höre)! “ 1

Original Greek

ΕἴEiifG1487GCOND
τιςtisanyoneG5100X-NSM
ἔχειecheihasG2192V-PAI-3S
ὦταōtaearsG3775N-APN
ἀκούεινakoueinto hearG0191V-PAN
ἀκουέτω.akouetōhe should hear.G0191V-PAM-3S
  1. Textkritik: Dieser Vers fehlt in den frühesten bekannten Handschriften; genaueres im Kommentar

17 Und als er ein Haus betrat, abseits der Menschenmenge, erkundigten sich seine Jünger bei ihm nach dem Gleichnis.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὅτεhotewhenG3753CONJ
εἰσῆλθενeisēlthenHe wentG1525V-2AAI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
οἶκονoikon[the] houseG3624GN-ASM
ἀπὸapofromG0575PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
ὄχλου,ochloucrowd,G3793N-GSM
ἐπηρώτωνepērōtōnwere askingG1905V-IAI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
περὶpericoncerningG4012PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
παραβολήν.parabolēnparable.G3850N-ASF

18 Und er sagte 1 zu ihnen: „Seid auch ihr so schwer von Begriff (unverständig)? Versteht (Merkt) ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen gelangt, ihn nicht verunreinigen kann,

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
οὕτωςhoutōsThusG3779ADV
καὶkaialsoG2532CONJ
ὑμεῖςhumeisyou yourselvesG4771P-2NP
ἀσύνετοίasunetoiwithout understandingG0801A-NPM
ἐστε;esteare?G1510V-PAI-2P
οὐouSurelyG3756PRT-N
νοεῖτεnoeiteyou understandG3539V-PAI-2P
ὅτιhotithatG3754GCONJ
πᾶνpaneverythingG3956A-NSN
τὸto<the>G3588T-NSN
ἔξωθενexōthenoutsideG1855PREP
εἰσπορευόμενονeisporeuomenonenteringG1531V-PNP-NSN
εἰςeisintoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄνθρωπονanthrōponmanG0444N-ASM
οὐounotG3756PRT-N
δύναταιdunataiis ableG1410V-PNI-3S
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
κοινῶσαι;koinōsaito defile?G2840V-AAN
  1. sagte Historisches Präsens.

19 weil es nicht in sein Herz gelangt, sondern in seinen Magen (Bauch), und [dann] in den Abtritt (Senkgrube, Latrine) 1 ausgeschieden wird (hinausgelangt)?“ So erklärte [Jesus] alle Speisen für rein. 2

Original Greek

ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
εἰσπορεύεταιeisporeuetaiit entersG1531V-PNI-3S
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
καρδίανkardianheartG2588N-ASF
ἀλλ᾽all᾽butG0235CONJ
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
κοιλίανkoilianbellyG2836N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
εἰςeisintoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
ἀφεδρῶναaphedrōnasewerG0856N-ASM
ἐκπορεύεταιekporeuetaigoes out,G1607V-PNI-3S
καθαρίζωνkatharizōnpurifyingG2511V-PAP-NSM
πάνταpantaallG3956A-APN
τὰtatheG3588T-APN
βρώματα.brōmatafood.G1033N-APN
  1. Abtritt (Senkgrube, Latrine) Dieser Begriff bezeichnet die Vorläufer heutiger Toiletten. Einige Übersetzungen gehen sehr delikat vor und glätten die Ausdrucksweise: »wird wieder ausgeschieden« (EÜ, GNB, NGÜ), MEN, SLT »auf dem natürlichen Wege«. ELB »in den Abort«, LUT, ZÜR »in die Grube«.
  2. So erklärte [Jesus] alle Speisen für rein Alternativ „...ausgeschieden wird, was alle Speisen rein macht.“ Dieser abhängige Satz hat keinen offensichtlichen Bezug zum Kontext. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich das modale Ptz. conj. auf λέγει „er sagte“ (V. 18) bezieht (so alle herangezogenen Ausleger und die meisten Übersetzungen). Es ist dann ein Kommentar des Evangelisten. Nach dem alternativen Verständnis handelt es sich um eine syntaktisch schwierige Ergänzung zu dem Vergleich des Essens, das den Körper durchläuft und so rein wird. Allerdings würde Jesus dann vom Neutrum Plural in den Nominativ Plural wechseln (France 2002, 291f.). Diese Deutung findet sich in der Interpunktion von NA28 sowie bei SLT und MEN. Diese Übersetzungen beziehen das Partizip offenbar attributiv auf „Abtritt“ und geben dieses Wort dann sehr frei wieder. MEN: „...und auf dem natürlichen Wege, der alle Speisen reinigt, wieder ausgeschieden wird?“

20 {und} Er fuhr fort (sagte) : „Was aus dem Menschen herauskommt, 1 ''das'' verunreinigt den Menschen.

Original Greek

ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
ὅτιhotithatG3754GCONJ
τὸtoThatG3588T-NSN
ἐκekout ofG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpoumanG0444N-GSM
ἐκπορευόμενον,ekporeuomenongoing forth,G1607V-PNP-NSN
ἐκεῖνοekeinothat [is what]G1565D-NSN
κοινοῖkoinoidefilesG2840V-PAI-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄνθρωπον.anthrōponman.G0444N-ASM
  1. Was … herauskommt Subst. Ptz., als Relativsatz aufgelöst.

21 Denn von innen her, aus dem Herzen der Menschen, kommen die üblen Vorsätze (Gedanken, Absichten): sexuelle Eskapaden (Unzüchtigkeiten), 1 Diebstähle, Morde,

Original Greek

ἔσωθενesōthenWithinG2081ADV
γὰρgarforG1063CONJ
ἐκekfromG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
καρδίαςkardiasheartG2588N-GSF
τῶνtōn<the>G3588T-GPM
ἀνθρώπωνanthrōpōnof menG0444N-GPM
οἱhoi<the>G3588T-NPM
διαλογισμοὶdialogismoithoughtsG1261N-NPM
οἱhoi<the>G3588T-NPM
κακοὶkakoievilG2556GA-NPM
ἐκπορεύονταιekporeuontaigo forthG1607V-PNI-3P
πορνεῖαι,porneiaisexual immoralityG4202N-NPF
κλοπαί,klopaitheftsG2829N-NPF
φόνοι,phonoimurders,G5408N-NPM
  1. sexuelle Eskapaden (Unzüchtigkeiten), Diebstähle, Morde, V. 22 Seitensprünge (Ehebrüche), Begehrlichkeiten (Gelüste, Machthunger), Bosheiten Diese ersten sechs Begriffe stehen im Plural. Der Plural von abstrakten Begriffen bezeichnet im Griechischen oft deren konkrete Erscheinungsformen (BDR §142; ad loc. Grosvenor/Zerwick); sehr gut Dschulnigg 2007: »Hurereien, Diebereien, Morde, Ehebrüche, Habgierigkeiten, Schlechtigkeiten...« Auf diese Weise folgen hier in Vv. 21f aufeinander sechs konkrete Ausprägungen der Schlechtigkeit und sechs »moralische Defekte« (vgl. Cranfield 1959, S. 241).

22 Seitensprünge (Ehebrüche), Begehrlichkeiten (Gelüste, Machthunger) 1, Bosheiten, Arglist (Hinterlist), Zügellosigkeit (Ausschweifung), ein böses Auge 2, Verleumdung (Gotteslästerung, Beleidigung), Überheblichkeit [und] Unvernunft –

Original Greek

μοιχεῖαι,moicheiaiadulteriesG3430N-NPF
πλεονεξίαι,pleonexiaicovetous desires,G4124N-NPF
πονηρίαι,ponēriaiwickednesses,G4189N-NPF
δόλος,dolosdeceit,G1388N-NSM
ἀσέλγεια,aselgeiasensuality,G0766N-NSF
ὀφθαλμὸςophthalmosan eyeG3788N-NSM
πονηρός,ponērosevil,G4190A-NSM
βλασφημία,blasphēmiaslander,G0988N-NSF
ὑπερηφανία,huperēphaniapride,G5243N-NSF
ἀφροσύνη·aphrosunēfoolishness;G0877N-NSF
  1. Begehrlichkeiten (Gelüste, Machthunger) »Habgier/Gier« oder neutraler »Begehren« oder »Ehrgeiz« ist die normale Bedeutung dieses Worts. Im Markusevangelium bezeichnet es vielleicht gerade (negativ konnotierten) Ehrgeiz, also Machthunger (Collins 2007, 358f.).
  2. ein böses Auge Oder »ein schlimmes (d.h. erkranktes) Auge« (Collins 2007, 361). Meist: Neid, neidische Blicke, Missgunst (LN 88.165); alternativ Geiz (LN 57.108). Collins glaubt, aus Mk 15,10 könne man schließen, dass die erste Deutung im Blick ist (Collins 2007, 361). Dem wird man sich anschließen müssen; das »böse Auge« i.S.v. »Missgunst« ist im Rabbinischen ein häufiges Idiom (Stellen: B/S S. 14

23 all diese bösen (schlechten) [Auswüchse] (All dieses Böse) kommen von innen her und verunreinigen den Menschen.“

Original Greek

πάνταpantaAllG3956A-NPN
ταῦταtautatheseG3778D-NPN
τὰta<the>G3588T-NPN
πονηρὰponēraevilsG4190A-NPN
ἔσωθενesōthenfrom withinG2081ADV
ἐκπορεύεταιekporeuetaigo forthG1607V-PNI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
κοινοῖkoinoiit defilesG2840V-PAI-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄνθρωπον.¶anthrōponman.G0444N-ASM

24 Und von dort brach (stand) er auf und ging weg in das Gebiet von Tyrus 1. Und er begab sich in ein Haus und 2 wollte, dass niemand [davon] erfuhr, und er schaffte es nicht, [seine Anwesenheit] verborgen zu halten.

Original Greek

ΚαὶKaiandG2532CONJ
ἘκεῖθενEkeithenFrom thereG1564ADV
δὲdealsoG1161CONJ
ἀναστὰςanastashaving risen upG0450V-2AAP-NSM
ἀπῆλθενapēlthenHe went awayG0565V-2AAI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
τὰtatheG3588T-APN
ὅριαhoriaregionG3725N-APN
ΤύρουTurouof TyreG5184N-GSF-L
καὶkaiandG2532CONJ
Σιδῶνος.SidōnosSidon.G4605N-GSF-L
καὶkaiAndG2532CONJ
εἰσελθὼνeiselthōnhaving enteredG1525V-2AAP-NSM
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
οἰκίανoikiana houseG3614GN-ASF
οὐδέναoudenano [one]G3762A-ASM
ἤθελενēthelenHe was wishingG2309V-IAI-3S
γνῶναιgnōnaito know [it]G1097V-2AAN
καὶkaiandG2532CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἠδυνήθηēdunēthēHe was ableG1410V-AOI-3S
λαθεῖν.latheinto be hidden.G2990V-2AAN
  1. Tyrus war ein Stadtstaat, der im Norden an Galiläa angrenzte. Die Bewohner der Region waren Nichtjuden. Ein zeitgenössischer jüdischer Autor beschreibt sie sinngemäß als „unsere Intimfeinde“ (France 2002, 297).
  2. brach er auf und sowie er begab sich … und Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst.

25 Stattdessen kam gleich, als sie von ihm hörte, eine Frau zu ihm, deren kleine Tochter von einem unreinen Geist besessen war 1, und 2 warf sich vor seine Füße.

Original Greek

ἀλλ᾽all᾽ButG0235CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
ἀκούσασαakousasahaving heardG0191V-AAP-NSF
γὰρgarforG1063CONJ
γυνὴgunēa womanG1135GN-NSF
περὶperiaboutG4012PREP
αὐτοῦautouHimG0846P-GSM
ἧςhēsof whomG3739R-GSF
εἶχενeichenhadG2192V-IAI-3S
τὸtotheG3588T-NSN
θυγάτριονthugatrionlittle daughterG2365N-NSN
αὐτῆςautēsof herG0846P-GSF
πνεῦμαpneumaspiritG4151GN-ASN
ἀκάθαρτον,akathartonunclean,G0169A-ASN
ἐλθοῦσαelthousahaving comeG2064V-2AAP-NSF
προσέπεσενprosepesenshe fellG4363V-2AAI-3S
πρὸςprosatG4314PREP
τοὺςtoustheG3588T-APM
πόδαςpodasfeetG4228N-APM
αὐτοῦ·autouof Him;G0846P-GSM
  1. von einem unreinen Geist besessen war W. „einen unreinen Geist hatte“
  2. kam … und Ptz. conj., temporal, beigeordnet aufgelöst.

26 {aber} – Die Frau war Nichtjüdin (Griechin), der Herkunft [nach] eine Syrophönizierin. 1 – Und sie bat ihn hartnäckig (immer wieder) 2 darum, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben.

Original Greek

ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdeNowG1161CONJ
γυνὴgunēthe womanG1135GN-NSF
ἦνēnwasG1510V-IAI-3S
ἙλληνὶςHellēnisGentileG1674N-NSF-LG
ΣυροφοινίκισσαSurophoinikissaSyrophoenicianG4949N-NSF-LG
τῷtō<the>G3588T-DSN
γένει,geneiby race,G1085GN-DSN
καὶkaiandG2532CONJ
ἠρώταērōtawas askingG2065V-IAI-3S
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ἵναinathatG2443CONJ
τὸtotheG3588T-ASN
δαιμόνιονdaimoniondemonG1140N-ASN
ἐκβάλῃekbalēHe may cast forthG1544V-2AAS-3S
ἐκekout ofG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
θυγατρὸςthugatrosdaughterG2364N-GSF
αὐτῆς.autēsof her.G0846P-GSF
  1. Nichtjüdin (Griechin), der Herkunft [nach] eine Syrophönizierin Im Griechischen steht zwar Griechin, aber das ist hier gemeint als Abgrenzung von den Juden (vgl. Guelich 1989, 385). Das zeigt auch die weitere Einordnung in die Gegend Syrophönizien. Das war damals die Bezeichnung für Südsyrien (Collins 2007, 366) und meint hier „einheimisch“ (Gnilka 1989, S. 291f; Theißen 1990, S. 130). Der Herkunft [nach]: Dat. respectus.
  2. sie bat ihn hartnäckig (immer wieder) Das Verb steht im Imperfekt und wird deshalb hier entweder durativ („bat ihn fortwährend“; d.h. „hartnäckig“) oder iterativ („bat ihn immer wieder“) verwendet. Es steht häufig bei (zunächst) erfolglosen Bitten oder Forderungen (Siebenthal 2001, §195g). Etwas freier könnte man die Funktion des Imperfekts auch mit „sie ließ nicht locker“ oder „sie drängte auf ihn ein“ ausdrücken.

27 Aber (Und) er sagte zu ihr: „Lass zunächst die Kinder satt werden, denn es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden hinzuwerfen.“

Original Greek

ὁho<the>G3588T-NSM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτῇ·autēato her;G0846P-DSF
ἄφεςaphesdo permitG0863IV-2AAM-2S
πρῶτονprōtonfirstG4413GA-ASN
χορτασθῆναιchortasthēnaito be satisfiedG5526V-APN
τὰtatheG3588T-APN
τέκνα·teknachildren;G5043N-APN
οὐounotG3756PRT-N
γάρgarforG1063CONJ
ἐστινestinit isG1510V-PAI-3S
καλὸνkalongoodG2570GA-NSN
λαβεῖνlabeinto takeG2983V-2AAN
τὸνtontheG3588T-ASM
ἄρτονartonbreadG0740N-ASM
τῶνtōnof theG3588T-GPN
τέκνωνteknōnchildrenG5043N-GPN
καὶkaiandG2532CONJ
τοῖςtoisto theG3588T-DPN
κυναρίοιςkunarioisdogsG2952N-DPN
βαλεῖν.baleinto cast [it].G0906GV-2AAN

28 Doch sie entgegnete {und sagte zu ihm}: „Ja, Herr (Herr), auch die Hunde unter dem Tisch fressen die Krümel 1 (Reste) der Kinder.“

Original Greek

ἡhē<the>G3588T-NSF
δὲdeButG1161CONJ
ἀπεκρίθηapekrithēshe answeredG0611V-ADI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
λέγειlegeishe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷ·autōto Him;G0846P-DSM
ναὶnaiyesG3483PRT
κύριε,kurieLord,G2962GN-VSM-T
καὶkaievenG2532CONJ
γὰρgarforG1063CONJ
τὰtatheG3588T-NPN
κυνάριαkunariadogsG2952N-NPN
ὑποκάτωhupokatōunderG5270PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
τραπέζηςtrapezēstableG5132N-GSF
ἐσθίουσινesthiousineatG2068V-PAI-3P
ἀπὸapoofG0575PREP
τῶνtōntheG3588T-GPN
ψιχίωνpsichiōncrumbsG5589N-GPN
τῶνtōnof theG3588T-GPN
παιδίων.¶paidiōnchildren.G3813N-GPN
  1. die Krümel W. »von den Krümeln«, eine Präpositionalphrase, die den partitiven Genitiv ersetzt (NSS).

29 Und er sagte zu ihr: „Weil du das gesagt hast 1, geh 2! Der Dämon hat deine Tochter verlassen.“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἶπενeipenHe saidG2036V-2AAI-3S
αὐτῇ·autēato her;G0846P-DSF
διὰdiaBecause ofG1223PREP
τοῦτονtoutonthisG3778D-ASM
τὸνton<the>G3588T-ASM
λόγονlogonwordG3056N-ASM
ὕπαγε,hupagedo go,G5217V-PAM-2S
ἐξελήλυθενexelēluthenhas gone forthG1831V-2RAI-3S
ἐκekout ofG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
θυγατρόςthugatrosdaughterG2364N-GSF
σουsouof youG4771P-2GS
τὸtotheG3588T-NSN
δαιμόνιον.daimoniondemon.G1140N-NSN
  1. Weil du das gesagt hast W. »Aufgrund dieses Wortes/dieser Äußerung bzw. Antwort«
  2. geh D.h. »Du kannst gehen« (NGÜ) oder »Geh nach Hause« (EÜ, GNB). Vgl. 10,52.

30 Und sie ging zurück in ihr Haus und 1 stellte fest, dass das Kind im Bett lag und der Dämon weg (ausgefahren) war.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἀπελθοῦσαapelthousahaving gone awayG0565V-2AAP-NSF
εἰςeistoG1519PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
οἶκονoikonhomeG3624GN-ASM
αὐτῆςautēsof herG0846P-GSF
εὗρενheurenshe foundG2147V-2AAI-3S
τὸtotheG3588T-ASN
παιδίονpaidionchildG3813N-ASN
βεβλημένονbeblēmenonlaidG0906HV-RPP-ASN
ἐπὶepionG1909PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
κλίνηνklinēnbedG2825N-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
τὸtotheG3588T-ASN
δαιμόνιονdaimoniondemonG1140N-ASN
ἐξεληλυθός.¶exelēluthoshaving left.G1831V-2RAP-ASN
  1. ging zurück … und W. „ging weg“. Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst.

31 Und (Später) er verließ das Gebiet von Tyrus wieder und 1 reiste (kam) durch Sidon ans Meer (See) von Galiläa, mitten durch (in) das Gebiet der Dekapolis (Zehnstädtegebiet) 2.

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
πάλινpalinagainG3825ADV
ἐξελθὼνexelthōnhaving departedG1831V-2AAP-NSM
ἐκekfromG1537PREP
τῶνtōntheG3588T-GPN
ὁρίωνhoriōnregionG3725N-GPN
ΤύρουTurouof TyreG5184N-GSF-L
ἦλθενēlthenHe cameG2064V-2AAI-3S
διὰdiathroughG1223PREP
ΣιδῶνοςSidōnosSidonG4605N-GSF-L
εἰςeistoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θάλασσανthalassanSeaG2281N-ASF
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
ΓαλιλαίαςGalilaiasof GalileeG1056HN-GSF-L
ἀνὰanathroughG0303PREP
μέσονmeson[the] midstG3319A-ASN
τῶνtōnof theG3588T-GPN
ὁρίωνhoriōnregionG3725N-GPN
Δεκαπόλεως.Dekapoleōsof [the] Decapolis.G1179N-GSF-L
  1. reiste … und Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst.
  2. Die beschriebene Route ist sehr merkwürdig. Blickt man einmal auf diese Karte, reist Jesus von Tyrus („Tyre“; sehr weit im Nordwesten am Meeresufer) über Sidon (ganz im Norden) an den See Gennesareth („Sea of Galilee“); ein gewaltiger Umweg also. Noch dazu liegt laut dem Text entweder (1) der See Gennesaret „mitten im“ Gebiet der Dekapolis (Zentrum der Karte) - was geographisch falsch wäre - oder Jesus zieht (2) „mitten durch das Gebiet der Dekapolis“ an den See, macht also einen noch gewaltigerer Umweg. Am wahrscheinlichsten ist daher (3), dass Markus mit „Gebiet der Dekapolis“ vage auf die (überwiegend heidnische) Ostseite des Sees Bezug nimmt und daher Jesus also „an den See Gennesaret, mitten in das Gebiet der Dekapolis“ ziehen lässt, also „an die Ostseite des Sees Gennesaret“ (Reuber 2007, S. 112; Schenke 2005, S. 190 u.a.). Die Route bleibt dennoch merkwürdig; es ist häufig vorgeschlagen worden, dass dies ein Indiz für Markus' mangelhafte Ortskenntnis sei.

32 Und [die Leute] brachten einen Taubstummen 1 zu ihm und baten (forderten auf) ihn, ihm die Hand aufzulegen 2.3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
φέρουσινpherousinthey bringG5342V-PAI-3P
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
κωφὸνkōphona deaf manG2974A-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
μογιλάλονmogilalonwho spoke with difficultyG3424A-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
παρακαλοῦσινparakalousinthey imploreG3870V-PAI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ἵναinathatG2443CONJ
ἐπιθῇepithēaHe may layG2007V-2AAS-3S
αὐτῷautōon himG0846P-DSM
τὴνtēntheG3588T-ASF
χεῖρα.cheirahand.G5495N-ASF
  1. einen Taubstummen W. „einen Tauben/Taubstummen und Sprachgestörten/Stummen“. Der Mann war wohl taub geboren. Für Menschen mit dieser Behinderung ist es kaum möglich, normal sprechen zu lernen. Das Wort μογιλάλος „sprachgestört, stumm“ ist sehr selten. Da der Mann nach der Heilung in V. 35 „richtig zu sprechen“ beginnt, heißt es hier „sprachgestört“. Dieser Begriff kommt in der Bibel nur noch in Jes 35,6 LXX vor. Diese Prophezeiung wird auch in V. 37 wieder in den Blick kommen. Markus spielt mit diesem Heilungsbericht also darauf an, dass diese Prophetie mit Jesus in Erfüllung gehen könnte (vgl. Guelich 1989, 394; Collins 2007, 370).
  2. ihm die Hand aufzulegen bedeutet offenbar, ihn dadurch zu heilen (Collins 2007, 370).
  3. Jesaja 35,6; Markus 8,22

33 Und er nahm ihn beiseite, abseits der Menschenmenge, [wo sie] unter sich [waren], und steckte ihm seine Finger in die Ohren. Dann (und) spuckte er und 1 berührte seine Zunge.2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἀπολαβόμενοςapolabomenoshaving taken awayG0618V-2AMP-NSM
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
ἀπὸapofromG0575PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
ὄχλουochloucrowdG3793N-GSM
κατ᾽kat᾽asideG2596PREP
ἰδίανidianprivatelyG2398A-ASF
ἔβαλενebalenHe putG0906HV-2AAI-3S
τοὺςtoustheG3588T-APM
δακτύλουςdaktulousfingersG1147N-APM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
εἰςeistoG1519PREP
τὰtatheG3588T-APN
ὦταōtaearsG3775N-APN
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
πτύσαςptusashaving spitG4429V-AAP-NSM
ἥψατοhēpsatoHe touchedG0681V-ADI-3S
τῆςtēstheG3588T-GSF
γλώσσηςglōssēstongueG1100N-GSF
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
  1. nahm beiseite … und sowie spuckte er und Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst. Markus überliefert nicht, wozu Jesus spuckte. Die Vorstellung vom Speichel als Heilmittel ist in der Antike aber sehr weit verbreitet (einige schöne Beispiele aus der arabischen Welt gibt Reinfried 1915, S. 39.60. Für die römische Welt vgl. Sueton, Vesp. VII und Tacitus, Hist. IV,81; für das NT vergleiche Mk 8,22-26 und Joh 9,1-7). In Israel war der Brauch verbreitet, dass man, wenn man eine Wunde heilen wollte, zuerst (a) eine Schriftstelle oder einen Zauberspruch rezitierte, manchmal zusätzlich (b) den Gottesnamen aussprach und dann (c) direkt auf den kranken Körperteil ausspie (s. B/S S. 15-17). Hier liegt wohl eine Variante dieses Brauchs vor: Jesus speit sich (c) auf den Finger, berührt damit den kranken Körperteil, blickt dann zum Himmel (Gnilka 1978, S. 297: „Der Aufblick zum Himmel [...] ist in einer Wundergeschichte stilgemäßer Ausdruck für das Einholen von übermenschlicher Kraft, ebenso das Seufzen des Thaumaturgen.“; ebenso Pesch 1976; vgl. auch Marcus 2008) und (a) rezitiert dann noch einen Spruch (Theißen 1990, S. 252: „Machtwort“). Das Ptz. conj. hat dann modale Sinnrichtung (NSS).
  2. Markus 8,23

34 Schließlich (und) blickte er zum Himmel auf und 1 seufzte (stöhnte), dann (und) sagte er zu ihm: „Effata!“ 2, das heißt: „Öffne dich!“

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
ἀναβλέψαςanablepsashaving looked upG0308V-AAP-NSM
εἰςeistoG1519PREP
τὸνton<the>G3588T-ASM
οὐρανὸνouranonheavenG3772N-ASM
ἐστέναξενestenaxenHe sighed deeplyG4727V-AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
εφφαθα,ephphathaEphphatha!G2188V-APM-2S
ὅhothatG3739R-NSN
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
διανοίχθητι.dianoichthētido be openedG1272V-APM-2S
  1. blickte er ... auf und Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst.
  2. „Effata!“ Das ist wahrscheinlich eine nicht 100% genau überlieferte aramäische Form (France 2002, 304; Guelich 1989, 395f.).

35 Und sofort öffneten sich seine Ohren (Hörgänge), und die Hemmung (Fessel) 1 seiner Zunge löste sich, und er konnte richtig sprechen 2.3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθέωςeutheōsimmediatelyG2112ADV
ἠνοίγησανēnoigēsanwere openedG0455V-2API-3P
αὐτοῦautouhisG0846P-GSM
αἱhai<the>G3588T-NPF
ἀκοαί,akoaiears,G0189N-NPF
καὶkaiandG2532CONJ
ἐλύθηeluthēwas loosedG3089V-API-3S
ὁhotheG3588T-NSM
δεσμὸςdesmosbandG1199N-NSM
τῆςtēsof theG3588T-GSF
γλώσσηςglōssēstongueG1100N-GSF
αὐτοῦ,autouof him,G0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐλάλειelaleihe was speakingG2980V-IAI-3S
ὀρθῶς.orthōsplainly.G3723ADV
  1. Hemmung W. „Fessel“ (so die meisten Übersetzungen), MEN: „Gebundenheit“. Es handelt sich um eine übertragene Bedeutungserweiterung von „Fessel“, die hier die Einschränkung der Sprachfertigkeit bezeichnet (LN 23.156).
  2. konnte richtig sprechen (Imperfekt) Das Verb bezeichnet hier die Fähigkeit, sprechen zu können (BA λαλέω, 2aα; NSS).
  3. Markus 8,25

36 Und er schärfte [den Leuten] ein (ordnete an, verbot), mit niemandem zu sprechen. Aber je mehr er es ihnen einschärfte (verbot, darauf bestand), desto mehr machten (predigten, verkündeten) sie [es] bekannt.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
διεστείλατοdiesteilatoHe instructedG1291V-AMI-3S
αὐτοῖςautoisthemG0846P-DPM
ἵναinathatG2443CONJ
μηδενὶmēdenito no oneG3367A-DSM
λέγωσιν·legōsinthey may speak;G3004GV-PAS-3P
ὅσονhosonAs much asG3745K-ASN
δὲdehoweverG1161CONJ
αὐτὸςautosHe himselfG0846P-NSM
αὐτοῖςautoisthemG0846P-DPM
διεστέλλετο,diestelletowas instructing,G1291V-IMI-3S
αὐτοὶautoithey themselvesG0846P-NPM
μᾶλλονmallonmoreG3123GADV
περισσότερονperissoteronexcessiveG4054ADV-C
ἐκήρυσσον.ekērussonwere proclaiming [it].G2784V-IAI-3P

37 Und sie waren zutiefst (maßlos) erstaunt (überwältigt, beeindruckt) und sagten 1: „Er hat alles gut gemacht, und er befähigt (macht, [dass]) die Tauben zu hören und die Stummen zu sprechen!“

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὑπερπερισσῶςhuperperissōsabove measureG5228PREP + G4057
ἐξεπλήσσοντοexeplēssontothey were astonishedG1605V-IPI-3P
λέγοντες·legontessaying;G3004GV-PAP-NPM
καλῶςkalōsWellG2573ADV
πάνταpantaall thingsG3956A-APN
πεποίηκενpepoiēkenHe has doneG4160GV-RAI-3S
καὶkaibothG2532CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
κωφοὺςkōphousdeafG2974A-APM
ποιεῖpoieiHe makesG4160GV-PAI-3S
ἀκούεινakoueinto hearG0191V-PAN
καὶkaiandG2532CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
ἀλάλουςalalousmuteG0216A-APM
λαλεῖν.¶laleinto speak.G2980V-PAN
  1. und sagten Ptz. conj., beigeordnet aufgelöst.