reltext

Chapter 9

1 1 Und weiter 2 sagte er zu ihnen: „Amen (Wahrlich, Ja), ich sage euch: 3 Es gibt einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken (nicht sterben)4 werden, bis (bevor, ehe) sie gesehen haben, wie Gottes Reich (Herrschaft)5 mit Macht (Kraft) gekommen ist. 6“ 7

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
ἀμὴνamēnAmenG0281INJ-HEB
λέγωlegōI sayG3004GV-PAI-1S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
ὅτιhotithatG3754GCONJ
εἰσίνeisinthere areG1510V-PAI-3P
τινεςtinessomeG5100X-NPM
ὧδεhōdehereG5602ADV
τῶνtōnof thoseG3588T-GPM
ἑστηκότωνhestēkotōnalready standingG2476V-RAP-GPM
οἵτινεςoitineswhoG3748R-NPM
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
γεύσωνταιgeusōntaimay tasteG1089V-ADS-3P
θανάτουthanatouof deathG2288N-GSM
ἕωςhe'ōsuntilG2193PREP
ἂνanwhenG0302PRT
ἴδωσινidōsinthey may seeG1492HV-2AAS-3P
τὴνtēntheG3588T-ASF
βασιλείανbasileiankingdomG0932N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
ἐληλυθυῖανelēluthuianhaving comeG2064V-2RAP-ASF
ἐνenwithG1722PREP
δυνάμει.¶dunameipower.G1411N-DSF
  1. [Status: Zuverlässig]
  2. weiter sagte er - W. Und er sagte. Das καὶ schließt direkt an den vorangehenden Abschnitt an; das Impf. drückt die Fortsetzung der Rede aus; „sechs Tage später“ in V. 2 markiert einen Einschnitt zw. Vv. 1.2. V. 1 wird daher auch von nahezu allen Exegeten noch dem Abschnitt 8,34-38 zugeordnet; auch einige alte Manuskripte begannen das neue Kapitel erst bei V. 2. Zur Zuordnung vgl. bes. gut van Iersel 1998, S. 291f. Weiter soll diesen Zusammenhang zum Ausdruck bringen. So auch R-S; ähnlich CSB, NCV. Gut auch ALB, CEB, CJB, GN, GNT, MEN, NeÜ, NGÜ, NL, NLT, WNT: „Und er fuhr fort“ / „Und er fügte hinzu“.
  3. Amen, ich sage euch - nicht-responsorisches °Amen°: Jesus spricht als einer, der bevollmächtigt ist, Aussagen über das »Kommen des Reiches Gottes« zu machen und auch über das nötige Wissen verfügt. Zusammen mit der Konstruktion οὐ μὴ + Aorist Konjunktiv - der stärkstmöglichen Verneinung zukünftiger Geschehnisse im Griechischen (Wallace, S. 468) - in οὐ μὴ γεύσωνται sie werden garantiert nicht schmecken wird so das folgende als absolut sichere Aussage markiert.
  4. den Tod nicht schmecken - hebräisches Idiom für »sterben«; auch in Joh 8,52; Heb 2,9 und häufiger in der frühjüdischen Literatur (Stellen bei B/S I, S. 751f; vgl. auch BDAG 195). Verwandt ist vielleicht der Ausdruck »(bitterer) Kelch des Todes« für den Tod in TestAb 16,12; TgN zu Dtn 32,1 und TgN, TgJ, TgF zu Gen 40,23. BB, Camacho/Mateos 1994, CEB, GNT, GW, HfA, NCV, NGÜ, NIRV, NL, NLT, Pesch 1977, S. 66 einfach: »nicht sterben« - das ist wohl die einfachste Lösung.
  5. zu Reich Gottes vgl. Terminologie/Reich Gottes.
  6. gekommen ist - W. bis sie gesehen haben das Reich Gottes gekommen in Macht. Das Perfekt ἐληλυθυῖαν gekommen drückt hier aus, dass die Genannten das schon jetzt nahe Reich Gottes vollständig realisiert sehen werden, bevor sie sterben (vgl. Collins 2007, 413).
  7. Markus 13,26; Lukas 2,26; Johannes 8,52; Apostelgeschichte 1,6; Hebräer 2,9

2 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes (die Brüder Jakobus und Johannes?), und führte sie 1 für sich, allein, 2 auf einen hohen Berg, und er wurde vor ihnen (vor ihren Augen) 3 verwandelt (verwandelte sich): 45

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
μετὰmetaafterG3326PREP
ἡμέραςhēmerasdaysG2250N-APF
ἓξhexsixG1803A-NUI
παραλαμβάνειparalambaneitakes alongG3880V-PAI-3S
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
τὸνton<the>G3588T-ASM
ΠέτρονPetronPeterG4074GN-ASM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τὸνton<the>G3588T-ASM
ἸάκωβονIakōbonJamesG2385GN-ASM-P
καὶkaiandG2532CONJ
τὸνton<the>G3588T-ASM
ἸωάννηνIōannēnJohnG2491HN-ASM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἀναφέρειanaphereibrings upG0399V-PAI-3S
αὐτοὺςautousthemG0846P-APM
εἰςeisintoG1519PREP
ὄροςorosa mountainG3735N-ASN
ὑψηλὸνhupsēlonhighG5308A-ASN
κατ᾽kat᾽apartG2596PREP
ἰδίανidian[on their] ownG2398A-ASF
μόνους.monousalone.G3441A-APM
καὶkaiAndG2532CONJ
μετεμορφώθηmetemorphōthēHe was transfiguredG3339V-API-3S
ἔμπροσθενemprosthenbeforeG1715PREP
αὐτῶν,autōnthem,G0846P-GPM
  1. nahm mit und führte sie - Typisch markinische Redundanz (daher auch Lk 9,28: „Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und stieg auf den Berg.“); hier aber zweckmäßig eingesetzt: Zusammen mit dem folgenden, ebenfalls gedoppelten für sich, allein wird so das häufige Motiv der Privatoffenbarung an ausgewählte Jünger besonders betont. Sehr gut WIL: „er führte sie - nur sie allein - auf einen hohen Berg.“
  2. s. letzte FN
  3. vor ihnen - viele Üss. stilistisch gut: „vor ihren Augen“, aber Mk verwendet wohl bewusst „ihnen“: Die Geschehnisse der Perikope Mk 9,2-8 sind kein Selbstzweck, sondern für die Jünger bestimmt: Vor ihnen wird Jesus verwandelt; ihnen erscheinen Elija mit Mose, und ihnen („aus der Wolke“) deutet die „Stimme“ aus, was sie da eben gesehen haben.
  4. wurde verwandelt (verwandelte sich) - Entweder Passivum divinum wurde verwandelt, also sinngemäß „wurde von Gott verwandelt“ (so z.B. Dschulnigg 2007, S. 245; Kmiecik 1997, S. 134; Pesch 1977, S. 72; Wördemann 2008, S. 44) oder reflexives Passiv verwandelte sich (so z.B. Haenchen 1966, S. 308; Kleist 1937, S. 214). Die erste Variante ist wahrscheinlicher: In Mk 9,2-8 wurde vermutlich die Textsorte „Epiphanie“ (=Erscheinung Gottes) mit der hellenistischen Textsorte „Metamorphose“ (=Verwandlung) verschmolzen (vgl. gut Wördemann 2008, S. 37f), um die Epiphanie als Christophanie darstellen zu können: Christus offenbart sich auf dem Berg in seiner göttlichen Herrlichkeit. In der hellenistischen Textsorte Metamorphose ist es aber üblich(er), dass die Verwandelten von Göttern verwandelt werden. Auch ist es ja in V. 7 Gott, der den Jüngern die Geschehnisse ausdeutet.
  5. Exodus 24,13; 2 Petrus 1,16; 2 Korinther 3,18

3 {und} Seine Obergewänder {wurden} strahlten 1 [so] sehr (blendend) weiß 2 , wie sie kein Walker3 auf der [ganzen] Erde 4 {derart} 5 weiß färben könnte. 6

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
τὰtatheG3588T-NPN
ἱμάτιαhimatiagarmentsG2440N-NPN
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
ἐγένετοegenetowasG1096V-2ADI-3S
στίλβοντα,stilbontashiningG4744V-PAP-NPN
λευκὰleukawhiteG3022A-NPN
λίανlianexceedinglyG3029ADV
ὡςhōsasG5613PRT
χιών,chiōnsnowG5510N-NSF
οἷαhoiasuch asG3634K-APN
γναφεὺςgnapheusa laundererG1102N-NSM
ἐπὶepionG1909PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
γῆςgēsearthG1093GN-GSF
οὐounotG3756PRT-N
δύναταιdunataiis ableG1410V-PNI-3S
οὕτωςhoutōsthusG3779ADV
λευκᾶναι.leukanaito whiten.G3021V-AAN
  1. V. 3: wurden strahlten, V. 4: sprachen waren im Gespräch, V. 6: waren in Furcht geraten fürchteten sich, V. 7: Und eine Wolke entstand und überschattete sie - nicht: „wurden strahlend“ oder „begannen zu strahlend“, „waren im Gespräch“, „war in Furcht geraten“ und „es entstand eine Wolke und überschattete sie“: periphrastisches Tempus (vgl. Pryke 1978, S. 36). Hier höchst passend, da diese Konstruktion wohl expressiver ist als ein gewöhnlicher Aorist.
  2. strahlten so sehr weiß - W. strahlten, sehr weiß: Wieder: typisch markinische Redundanz (so auch Marcus 2009); auch hier wieder zweckmäßig verwendet zur Steigerung „Strahlend-heit“ und „Weiß-heit“. Im Deutschen zum Glück leicht übertragbar durch adverbiale Wiedergabe von „sehr weiß“: „Sie strahlten blendend weiß / erstrahlten in blendendem Weiß“. Übersetze: „und seine Kleider erstrahlen in einem solch blendendem Weiß, dass auf der ganzen Erde kein einziger Tuchfärber sie derart weiß hätte machen können.“ Weiße Kleider und Lichtherrlichkeit sind im neuen Testament und auch häufig in der altjüdischen und frühchristlichen Literatur Kennzeichen himmlischer Wesen (vgl. gut Gnilka 1979, S. 33; Lo 2012, S. 175). Das Motiv ist ähnlich aber auch im außerjüdischen und außerchristlichen Bereich verbreitet; vgl. Frenschkowski 1997, S. 185.
  3. zu Walker gut Dschulnigg 2007, S. 245: „Walker oder Tuchscherer krempelten Wolle, kratzten Tücher auf und reinigten schmutzige Gewänder. Der Vergleich verdeutlicht, dass die Kleider Jesu in himmlischem Glanz versetzt werden.“
  4. auf der [ganzen] Erde - eigentlich unnötig; natürlich geht es um irdische Walker. Der Sinn ist emphatisch (Cranfield 1959, S. 290), daher [ganzen].
  5. derart (οὕτως) - redundant nach οἷα so (Kleist 1937, S. 214). Kein Semitismus (gegen Grosvenor/Zerwick ad loc.); auch hier wieder zweckmäßige Redundanz zur Unterstreichung der „so unglaublichen Weißheit“.
  6. Exodus 34,29; Psalm 104,1; Daniel 7,9; Daniel 12,3; Maleachi 3,2; Johannes 1,14; Matthäus 28,3; Philipper 3,21; Offenbarung 3,5; Offenbarung 4,4; Offenbarung 7,9

4 Und es erschien ihnen Elija zusammen mit Mose1 , und sie sprachen ({waren im Gespräch}) mit Jesus.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὤφθηōphthēappearedG3700HV-API-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
ἨλίαςĒliasElijahG2243N-NSM-P
σὺνsunwithG4862PREP
Μωϋσεῖ,MōuseiMoses,G3475N-DSM-P
καὶkaiandG2532CONJ
ἦσανēsanthey wereG1510V-IAI-3P
συλλαλοῦντεςsullalountestalking withG4814V-PAP-NPM
τῷtō<the>G3588T-DSM
Ἰησοῦ.IēsouJesus.G2424GN-DSM-P
  1. Elija zusammen mit Mose - Der Ausdruck wird in der Exegese heftig diskutiert, weil doch Mose der wichtigere von beiden und daher die Reihenfolge von „Elija mit Mose“ merkwürdig sei (Kmiecik 1997, S. 138 glaubt sogar, dass die „falsche“ Reihenfolge der Nennung signalisieren soll, dass die Jünger nichts von dem verstehen, was sie sehen). In diesem Zhg. hat Heil 1999 den Vorschlag gemacht, dass durch die Konstruktion „X zusammen mit Y“ nicht X, sondern Y als das wichtigere Glied von beiden markiert würde. Folgte man dem, müsste man im Deutschen besser übersetzen: „Mose und Elija“. Allerdings sehe ich das Problem nicht. Man weiß schon lange, dass Mk sich stark am Elija-Elischa-Zyklus bedient hat, um sein Evangelium zu komponieren (vgl. z.B. van Iersel 1998, S. 64f): Elija ist schon im Mk-Ev. ein „Typos“ Christi; dass er daher auch als eine der beiden Figuren - selbst als die erstgenannte - in der Verklärungserzählung auftauchen sollte, scheint mir ganz natürlich. Ich sehe nicht, was gegen „Elija mit Mose“ spräche. Hier ist übrigens Mose ebenso wie Elija Typos Christi: Mose war deutlich das Vorbild für die Komposition der Perikope Mk 9,2-8; vgl. Ex 24; 34 (bes. auch die Interpretation dieser Stellen in Philo, VitMos II 66-76, bes. 69f.; dazu auch Wypadlo 2013, S. 393ff). Vermutlich ist dieses doppelte Typos-Verhältnis auch der Grund, warum es gerade Elija und Mose sind, die bei der Verklärung erscheinen. Das Auftreten von Elija und Mose macht aus V. 4 eine „Synkrisis“ (=Vergleich einer Person mit gleichrangigen historischen Größen und Vorläufern). Auch dies ist eine hellenistische Textsorte; auch sie ist hier integraler Bestandteil der Christophanie, die die Importanz Jesu - der sich gerade als Sohn Gottes offenbart - durch Vergleich mit Elija und Moses noch zusätzlich unterstreicht. Gut Berger 1984, S. 1175: „In den Evangelien halte ich den Teil der sogenannten 'Verklärung' (Mk 9) für eine σύνκρισις, in dem sich Jesus mit Elia und Mose unterhält, die erscheinen (Mk 9,4). Jesus wird damit als einer gekennzeichnet, der in diese Größenordnung von Menschen gehört: Er ist ihr Genosse, weil sie mit ihm reden. Was sonst durch Typologie erreicht wird (vgl. die Darstellung Jesu nach Art von Elia und Elisa), geschieht hier mit Hilfe einer Erscheinung.“

5 Da {antwortete und} 1 sprach Petrus zu Jesus: „Meister (Rabbi) 2 , es ist gut, dass wir hier sind! Und lass uns (so lass uns denn) 3 drei Hütten (Zelte) bauen - dir eine, Mose eine und Elija eine!“ 4

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἀποκριθεὶςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
ὁho<the>G3588T-NSM
ΠέτροςPetrosPeterG4074GN-NSM-P
λέγειlegeisaysG3004GV-PAI-3S
τῷtō<the>G3588T-DSM
Ἰησοῦ·Iēsouto Jesus;G2424GN-DSM-P
ῥαββί,rhabbiRabbi,G4461N-VSM-T
καλόνkalongoodG2570GA-NSN
ἐστινestinit isG1510V-PAI-3S
ἡμᾶςhēmasfor usG3165P-1AP
ὧδεhōdehereG5602ADV
εἶναι,einaito be,G1511V-PAN
καὶkaiAndG2532CONJ
ποιήσωμενpoiēsōmenlet us makeG4160GV-AAS-1P
τρεῖςtreisthreeG5140A-APF
σκηνάς,skēnastabernaclesG4633N-APF
σοὶsoifor YouG4771P-2DS
μίανmianoneG1520A-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
ΜωϋσεῖMōuseifor MosesG3475N-DSM-P
μίανmianoneG1520A-ASF
καὶkaiandG2532CONJ
ἨλίᾳĒliafor ElijahG2243N-DSM-P
μίαν·mianone;G1520A-ASF
  1. V. 5.19: antwortete und, V. 6: wie er reagieren (was er antworten) - Biblizismus: ἀποκρίνομαι antworten bedeutet in der Bibel häufiger nicht nur „erwiedern auf ein Angesprochen-sein“, sondern auch „reagieren auf einen Umstand“; vgl. Kleist 1937, S. 163; Wördemann 2008, S. 46. Denn Sinn treffen Camacho/Mateos 1994, CEB mit reagieren; im Deutschen aber besser schlicht: Vv. 5.19: „Da sprach Petrus/Jesus“; V. 5: „wie er reagieren sollte“.
  2. Meister (Rabbi) - »Rabbi« wurde in nachbiblischer Zeit v.a. als Ehrentitel für Torah-Lehrer verwendet. Zur Verfassungszeit des NT hatte sich der Begriff aber vermutlich noch nicht als dieser terminus technicus etabliert und es war bloß eine allgemeine Ehrenbezeichnung; Marcus 2009 schlägt daher vor: »Sir«. »Meister« nach ALB, BBE, HfA, H-R, HER, KAM, KAR, KJV, PAT, RSV, Taylor 1979, TMB, TYN, WBT, WYC
  3. Und lass uns (so lass uns denn) - konsekutives καὶ; »So lass uns denn...« gut nach Reiser 1983, S. 117.
  4. Von vielen Exegeten wird V. 5 theologisiert: Entweder heißt es dann, Petrus wolle unangemessenerweise den himmlischen Zustand dauerhaft festhalten (sozusagen: indem er die himmlischen Wesen an irdische Hütten bindet), oder er glaube, die Endzeit, in der die himmlischen Wesen mit den Erwählten zusammen wohnen werden (vgl. z.B. äthHen 39,1.4.7f*), sei nun da. V. 6 macht aber klar, dass alles andere als theologische Reflexion hinter Petrus Ausruf in V. 5 steckt: Sein Vorschlag wird von Mk als völliger Nonsens abqualifiziert, den er nur geäußert habe, weil er vor Angst nicht wusste, was er redete. Vv. 5f verdichten gemeinsam den Topos der „Epiphanie-Furcht, de[s] Gottesschrecken[s]“ (Pesch 1977, S. 76). Den Sinn trifft VOLX: „Petrus war völlig high. Er meinte nur: ... / Er war aber nicht klar in der Birne und hatte wohl einen Adrenalinkick, weil er so eine Angst hatte.“ * Weil äthHen nicht leicht zugänglich ist, will ich obige Stelle noch eben wörtlich wiedergeben: &lt;poem&gt;„In diesen Tagen werden auserwählte und heilige Kinder vom hohen Himmel herabsteigen und ihr Stamm wird sich mit den Menschenkindern vereinigen. [...] Hier sah ich ein anderes Gesicht: Die Wohnungen der Gerechten und die Ruhestätten der Heiligen. [...] Ich sah seine [=des Auserwählten] Wohnstätte unter den Fittichen des Herrn der Geister. Alle Gerechten und Auserwählten glänzen vor ihm wie Feuerschein; ihr Mund ist voll von Segensworten; ihre Lippen preisen den Namen des Herrn der Geister und Gerechtigkeit hört nicht mehr vor ihm auf. Hier wünschte ich zu wohnen und meine Seele trug nach jener Wohnstätte Verlangen. [...]“ (Üs.: Rießler)&lt;/poem&gt;

6 Er wusste nämlich nicht, wie er reagieren (was er antworten) sollte; denn (so sehr) sie fürchteten sich (waren in Furcht geraten) . 1

Original Greek

οὐouNotG3756PRT-N
γὰρgarforG1063CONJ
ᾔδειēdeihe knewG1492IV-2LAI-3S
τίtiwhatG5101I-ASN
ἀποκριθῇ,apokrithēahe may answer,G0611V-AOS-3S
ἔκφοβοιekphoboiterrifiedG1630A-NPM
γὰρgarforG1063CONJ
ἐγένοντο.¶egenontothey were.G1096V-2ADI-3P
  1. Markus 14,40

7 Und eine Wolke {entstand und} hüllte (verbarg, überschattete) 1 sie 2 ein, und eine Stimme kam aus der Wolke: „Dies ist mein geliebter (einziger) 3 Sohn, [darum] 4 hört auf ihn!“ 5

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐγένετοegenetothere cameG1096V-2ADI-3S
νεφέληnephelēa cloudG3507N-NSF
ἐπισκιάζουσαepiskiazousaovershadowingG1982V-PAP-NSF
αὐτοῖς,autoisthem,G0846P-DPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐγένετοegenetothere wasG1096V-2ADI-3S
φωνὴphōnēa voiceG5456GN-NSF
ἐκekout ofG1537PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
νεφέληςnephelēscloudG3507N-GSF
λέγουσα·legousasaying:G3004GV-PAP-NSF
οὗτόςhoutosThisG3778D-NSM
ἐστινestinisG1510V-PAI-3S
ὁhotheG3588T-NSM
υἱόςhuiosSonG5207N-NSM
μουmouof MineG3165P-1GS
ὁhotheG3588T-NSM
ἀγαπητός·agapētosbeloved;G0027A-NSM
ἀκούετεakouetedo listenG0191V-PAM-2P
αὐτοῦ.autouto Him.G0846P-GSM
  1. hüllte ein (verbarg, überschattete) - s. nächste Fußnote
  2. sie - Das „sie“ scheint sich hier auf die Jünger zu beziehen, da diese die letztmöglichen Referenten sind. („So sehr fürchteten sie sich. Und eine Wolke hüllte sie ein...“). So deshalb z.B. Ernst 1963, S. 258, Pesch 1977, S. 76; Kmiecik 1997, S. 139. Pronomina wie αὐτός müssen sich im Griechischen aber nicht notwendigerweise auf den letztmöglichen Referenten beziehen, sondern können auch auf die salientesten (-&gt;Salienz) Referenten verweisen (vgl. z.B. Dana/Mantey § 136; Wallace, S. 325f.; Zerwick § 214) - und die sind hier ohne Zweifel Jesus, Mose und Elija. Dass im folgenden Teilvers eine Stimme aus der Wolke spricht, impliziert, dass die Jünger sich außerhalb der Wolke befinden, und also bezieht das sie sich höchstwahrscheinlich auf Jesus, Mose und Elija. So z.B. auch Gnilka 1979; Marcus 2009. Richtig Cranfield 1959, S. 292: „Oepke hat wahrscheinlich recht damit, wenn er denkt, dass die Bedeutung von ἐπισκιάζω hier nicht »überschatten«, sondern »einhüllen«, »verbergen« ist [so auch Marcus 2009] und dass αὐτοῖς sich auf Jesus, Moses und Elija bezieht, die Jünger dagegen darin nicht inbegriffen sind.“ Das Einhüllen der Wolke entzieht das himmlische Erlebnis den Augen der Jünger, und als sie sich wieder verzieht, sind sie „plötzlich“ (V. 9) wieder allein mit Jesus.
  3. geliebter - ἀγαπητός meint hier wie z.B. auch Gen 22,2.16 LXX und Mk 1,11 wohl nicht (allein) »geliebt«, sondern »einzig«; vgl. z.B. Kleist 1937, S. 184; Kmiecik 1997, S. 139; Turner 1926b; Wördemann 2008, S. 47. Seine Bedeutung ist aber dennoch »geliebt«, gut daher Camacho/Mateos 1994: »Dieser ist mein Sohn, der Geliebte« (ähnlich Dschulnigg 2007, GREB, KAR, NIV, NRS, Pesch 1977, Stier, TNIV, WNT, YLT); GN: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe« (ähnlich CEB, CJB, GW, NCV, Taylor 1979, S. 462, WIL); BB: »Das ist mein Sohn, ihn hab ich lieb« (ähnlich NIRV).
  4. [darum] - »[darum]« gut nach Reiser 1983, S. 145.
  5. Exodus 16,10; Exodus 23,21; Exodus 24,15; Exodus 33,9; Exodus 40,34; Deuteronomium 5,22; Deuteronomium 18,15; 1 Könige 8,10; Psalm 2,7; Psalm 99,7; Jesaja 42,1; 2 Chronik 5,13; 2 Makkabäer 2,8; Markus 1,11; Markus 13,26; Markus 14,62; Apostelgeschichte 1,9; 2 Petrus 1,17

8 Und plötzlich, als sie sich umblickten, sahen sie niemanden {nicht} 1 mehr bei sich 2 als Jesus allein.

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐξάπιναexapinasuddenlyG1819ADV
περιβλεψάμενοιperiblepsamenoihaving looked aroundG4017V-AMP-NPM
οὐκέτιouketino longerG3756PRT-N + G2089
οὐδέναoudenano [one]G3762A-ASM
εἶδονeidonthey sawG1492HV-2AAI-3P
ἀλλὰallaexceptG0235CONJ
τὸνton<the>G3588T-ASM
ἸησοῦνIēsounJesusG2424GN-ASM-P
μόνονmononaloneG3441A-ASM
μεθ᾽meth᾽withG3326PREP
ἑαυτῶν.¶he'autōnthemselves.G1438F-3GPM
  1. niemanden nicht - typisch markinische doppelte Verneinung; vgl. Marcus 2009. Hier wieder gepaart mit weiterer Redundanz: μόνον allein in „außer Jesus allein“ ist überflüssig. Es wird so betont, dass das plötzliche Verschwinden von Elija und Moses genau so wunderbar ist wie ihr Erscheinen.
  2. bei sich - warum „bei sich“? Recht wahrscheinlich gehört dies zum in FN i beschriebenen Muster und unterstreicht noch einmal die Perikope abschließend, dass all das in Vv. 2-8 Geschehene ihnen, den Jüngern, gegolten hat. Es klingt aber etwas merkwürdig und wird daher auch von vielen kommunikativen Üss. ausgespart (z.B. BB, B/N, HfA, KAM). Vielleicht sollte man in der LF daher nach einem anderen Weg suchen, dieses Muster auszudrücken; gut vielleicht GN, GNT, NGÜ, NL, NLT: „...sahen sie niemanden mehr. Nur Jesus war noch bei ihnen“.

9 Während sie vom (aus dem) 1 Berg herabstiegen, befahl er ihnen {damit}, 2 niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten - erst (außer) 3 , wenn der Menschensohn 4 von den Toten 5 auferstanden sei. 6

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
καταβαινόντωνkatabainontōnwhen are descendingG2597V-PAP-GPM
δὲdenowG1161CONJ
αὐτῶνautōntheyG0846P-GPM
ἐκekfromG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSN
ὄρουςorousmountainG3735N-GSN
διεστείλατοdiesteilatoHe instructedG1291V-AMI-3S
αὐτοῖςautoisthemG0846P-DPM
ἵναinathatG2443CONJ
μηδενὶmēdenito no oneG3367A-DSM
ἃhawhatG3739R-APN
εἶδονeidonthey had seenG1492HV-2AAI-3P
διηγήσωνταιdiēgēsōntaithey may tellG1334V-ADS-3P
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēexceptG3361PRT-N
ὅτανhotanwhenG3752CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
ἐκekout fromG1537PREP
νεκρῶνnekrōn[the] deadG3498A-GPM
ἀναστῇ.anastēahe may rise.G0450V-2AAS-3S
  1. V. 9: vom (aus dem) - ἐκ verwendet wie ἀπό; vielleicht Semitismus - s. Turner 1929a, S. 282f. Daher auch Textvarianten.
  2. V. 9: dass,; V. 12.18.30: dass (damit) - ἵνα zur Einleitung von Objektsätzen (klassisch eigtl. nur zur Einleitung von Final- und Konsekutivsätzen). Entweder Latinismus (verwendet wie lat. ut (so Turner 1929b, S. 356f; van Iersel 1998, S. 34f.)) oder Semitismus (verwendet wie hebr. כִּי). Typisch für Mk; insgesamt 31x im Ev.
  3. erst (außer) - Exzeptivsatz temporal verwendet, wohl Semitismus; vgl. Beyer 1968, S. 132-34; Marcus 2009
  4. Menschensohn ist ein eschatologischer Terminus. Außer in Mk 2,10.28 verwendet Jesus dieses „biographische Ich-Idiom“ (Schenk 1997) ausschließlich, wenn er von seiner Rolle in Gottes Heilsplan spricht, also der, dass er - der Menschensohn - von den Menschen verworfen, ausgeliefert und getötet werden müsse, dann aber in großer Macht und Herrlichkeit wiederkehren werde. Vgl. besonders gut Danove 2003, S. 23-25.
  5. von den Toten - gemeint ist nicht das „Reich der Toten“, sondern die toten Menschen; vgl. BDAG 668; ad loc. Marcus 2009. Vor allen anderen Toten und als (vorerst) einziger unter den Toten wird der Menschensohn auferstehen.
  6. Matthäus 8,4; Markus 5,43; Markus 8,30; Markus 10,32; Lukas 24,46

10 Und sie behielten das Wort bei sich ({bei sich}), diskutierten (miteinander) 1 aber, was dies sei - „von den Toten Auferstehen“. 2 3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
τὸνtonthatG3588T-ASM
λόγονlogonsayingG3056N-ASM
ἐκράτησανekratēsanthey keptG2902V-AAI-3P
πρὸςprosamongG4314PREP
ἑαυτοὺςhe'autousthemselvesG1438F-3APM
συζητοῦντεςsuzētountesquestioningG4802V-PAP-NPM
τίtiwhatG5101I-NSN
ἐστινestinit isG1510V-PAI-3S
τὸto<the>G3588T-NSN
ἐκekout fromG1537PREP
νεκρῶνnekrōnthe deadG3498A-GPM
ἀναστῆναι.anastēnaito rise.G0450V-2AAN
  1. behielten das Wort bei sich (bei sich), diskutierten (miteinander) - πρὸς ἑαυτοὺς bei sich/miteinander lässt sich entweder ziehen zu τὸν λόγον ἐκράτησανsie hielten das Wort oder zu συζητοῦντες sie diskutierten; abhängig davon lässt der Satz sich auf zwei Weisen auflösen: (1) „Sie behielten das Wort bei sich [i.e., folgten Jesu Schweigegebot], diskutierten aber darüber“ - so z.B. Camacho/Mateos 1994, S. 172; Cranfield 1959, S. 297; Kleist 1937, S. 214 - oder (2) „Sie hielten das Wort [i.e. sie merkten es sich (so gut B/N)] und diskutierten miteinander“, so die meisten Üss. Rein syntaktisch gesehen sind beide Auflösungen gleich gut möglich, aber im aktuellen Kontext (s. V.9) macht Auflösung (1) mehr Sinn.
  2. „von den Toten Auferstehen“ - rätselhaft ist den Jüngern vermutlich nicht das Konzept „vom Tod auferstehen“ - das war in der nachexilischen Zeit in Israel sogar recht verbreitet -, sondern exakt das „als erster und vorerst einziger der Toten auferstehen“, vgl. FN ag; so gut Marcus 2009 ad loc..
  3. Johannes 12,16

11 Dann fragten sie ihn {und sagten}: „Warum sagen [dann] die Schriftgelehrten (fragten sie ihn, warum die Schriftgelehrten sagten), 1 dass zuerst Elija kommen müsse?“ 2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐπηρώτωνepērōtōnthey were askingG1905V-IAI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
λέγοντες·legontessaying:G3004GV-PAP-NPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
λέγουσινlegousinSayG3004GV-PAI-3P
οἱhoitheG3588T-NPM
γραμματεῖςgrammateisscribesG1122N-NPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἨλίανĒlianElijahG2243N-ASM-P
δεῖdeiit behoovesG1163V-PAI-3S
ἐλθεῖνeltheinto comeG2064V-2AAN
πρῶτον;prōtonfirst?G4413GA-ASN
  1. Warum sagen [dann] die Schriftgelehrten (fragten sie ihn, warum die Schriftgelehrten sagten) - im klassischen Griechisch leitet Ὅτι dass meist indirekte Fragen ein. Bes. im Mk-Ev. wird es aber dann auch gern als »reine« Interrogativpartikel verwendet; vgl. BDR §300.2; Turner 1925d, S. 59f.
  2. Maleachi 3,23

12 Und er sagte zu ihnen: „In der Tat (zwar) 1 kommt 2 Elija zuerst und stellt alles wieder her. 3 Aber [gleichzeitig] steht (und wie/warum steht) über den Menschensohn geschrieben(?), dass (damit) er vieles leiden und verachtet werden müsse.(?) 4

Original Greek

ὁho<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἀποκριθείςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
ἔφηephēHe was sayingG5346V-IAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
ἨλίαςĒliasElijahG2243N-NSM-P
μὲνmenindeedG3303PRT
ἐλθὼνelthōnhaving comeG2064V-2AAP-NSM
πρῶτονprōtonfirstG4413GA-ASN
ἀποκαθιστάνειapokathistaneirestoresG0600V-PAI-3S
πάντα·pantaall things;G3956A-APN
καὶkaiandG2532CONJ
πῶςpōshowG4459PRT-I
γέγραπταιgegraptaihas it been writtenG1125V-RPI-3S
ἐπὶepiofG1909PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
υἱὸνhuionSonG5207N-ASM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
ἵναinathatG2443CONJ
πολλὰpollamany thingsG4183A-APN
πάθῃpathēHe may sufferG3958V-2AAS-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐξουδενηθῇ.exoudenēthēamay be set at naught.G1847V-APS-3S
  1. Schwieriger Vers. Der Zhg. von V. 12bc mit mit 12a ist nicht völlig klar. V. 12a wird eingeleitet von μέν, das meist vorkommt im Zhg. mit δὲ, dann: Zwar... aber. Fehlt dies δὲ, heißt μέν meist tatsächlich, in der Tat.... Hier folgt kein δὲ, sondern καὶ πῶς und wie...?, und warum...?; einige (z.B. Cranfield 1959, S. 298; Gundry 1993, S. 464; NSS) denken aber, dass dies καὶ πῶς hier als Ersatz für δὲ verwendet wird. Möglich ist also jede der folgenden Kombinationen: * (1) »[Zwar/in der Tat] kommt zuerst Elija, um alles wieder herzustellen[. Und wieso/, aber es] steht über den Menschensohn geschrieben, dass er leiden und verachtet werden müsse [?/.]« Problem bei diesen Varianten: Alle implizieren, dass irgendein Gegensatz besteht zwischen der Tatsache, dass zuerst - d.h., vor dem Ende - Elija wiederkommen müsse und der Tatsache, dass über den Menschensohn geschrieben stehe, dass er leiden und verachtet werden müsse. Ein solcher Gegensatz ist aber nicht erkennbar. Gnilka 1979 und Marcus 2009 verstehen 12a als Frage: * (2) »Kommt Elija zuerst, um alles wiederherzustellen? Wieso steht dann über den Menschensohn geschrieben...« (Gnilka) * (3) »Ist das wirklich so, dass Elija, wenn er zuerst wiederkommt, alles wiederherstellt?« (Marcus) Für drei weitere (verzweifelte) Lösungen vgl. Oke 1953; für eine alte textkritische (und textkritisch nicht haltbare) Linder 1862, S. 558f.. (2) ist unwahrscheinlich, weil in V. 13 die Wiederkunft Elija's ja sogar als bereits geschehen ausgesagt wird. Bei (3) bin ich nicht einmal sicher, ob diese Deutung von μέν überhaupt grammatisch möglich ist, aber selbst wenn, macht sie keinen Sinn: Die Jünger haben nicht danach gefragt, warum die Schriftgelehrten sagen, dass Elija alles wiederherstellt, sondern warum sie sagen, dass er zuerst kommen muss; Jesu Rückfrage wäre so also unsinnig (»Warum sagen die Schriftgelehrten, dass Elija zuerst kommen muss?« - »Ist das wirklich so, dass Elija alles wiederherstellt?«). Bleiben also wieder die Varianten in (1) und das Problem des nicht erkennbaren Widerspruchs. Vermutlich muss man die Verse so verstehen, dass dieser von uns nicht wahrnehmbare Widerspruch zwischen den Geschehnissen an Elija und denen am Menschensohn nur in der Wahrnehmung der Jünger bestand: Die Jünger haben Jesu Prophezeiung so aufgefasst, als würde sie bedeuten, dass der Menschensohn und nicht Elija vor dem Ende wiederkommen werde. Und Jesus antwortet darauf sinngemäß: »Nein nein, die Schriftgelehrten haben schon recht damit, wenn sie sagen, dass vor dem Ende der Welt Elija wiederkommen müsse. Aber gleichzeitig steht ja in der Schrift, dass der Menschensohn - ebenfalls noch vor dem Ende! - leiden und verachtet werden müsse. Das muss einfach beides geschehen. Und jetzt sage ich euch noch etwas: Was die Wiederkunft Elija's angeht: Der war schon da [- und nun steht nur noch das Leiden und Verachtet-Werden des Menschensohns aus].«
  2. kommt + stellt wieder her - Wenn wir Vv. 12f richtig gedeutet haben (vgl. FN ai, FN al), werden die Verbformen in V. 12 klug verwendet: ἐλθὼν kommt ist Partizip Aorist, ἀποκαθιστάνει stellt wieder her ist Indikativ Präsens. Partizip Aorist hat meist vorzeitige Bedeutung und wird so zeitlich relativ vor das Indikativ Präsens er stellt wieder her eingeordnet. Und Indikativ Präsens kann (1) gnomische Bedeutung haben; Jesus würde dann etwas über die überzeitliche Wahrheit dessen, was geschrieben steht, aussagen, ohne auf den exakten Zeitpunkt zu achten(»In der Tat: Das mit dem zuerst-Kommen und dem folgenden alles-Wiederherstellen Elija's stimmt«), es kann aber (2) auch effektive Bedeutung haben und so aussagen, dass es bereits geschehen ist und nun die Effekte dieses eingetreten-Seins in Kraft sind, also »er ist gekommen, hat alles wiederhergestellt und nun ist alles wiederhergestellt.« In V. 12 sind - wieder: wenn wir Vv. 12f richtig gedeutet haben - beide Bedeutungen aktiv: (1) macht V. 12 zu einer sinnvollen Antwort auf die Anfrage der Jünger in V. 11, (2) deckt sich mit der folgenden Richtigstellung in V. 13.
  3. stellt alles wieder her - Wieso stellt Elija »alles wieder her?« Elija war nach altjüdischem Glauben zwar der Vorläufer des Messias (wahrscheinlich jedenfalls - Faierstein 1981 und Fitzmyer 1985 haben gegen diesen exegetischen Konsens angeschrieben), aber davon, dass er »alles wiederherstellt« war nie die Rede. Zudem ist der wiedergekommene Elija im Mk-Ev. Johannes der Täufer (s. FNn zu Mk 1), und es ist nicht einzusehen, wie Johannes »alles wiederhergestellt« haben sollte. van Iersel 1998 und Black 2012 denken an Mk 1,4, wo steht, dass ganz Judäa und ganz Jerusalem sich bei Johannes taufen gelassen habe. Das scheint mir etwas weit hergeholt, aber es ist dennoch die bei Weitem sinnvollste Erklärung, die ich gefunden habe.
  4. Jesus Sirach 48,10; Maleachi 3,24; Lukas 1,16; Lukas 1,76; Apostelgeschichte 1,6

13 Aber ich sage euch (Ja, mehr noch:), 1 Elija ist auch (sogar) 2 [bereits] gekommen, und sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten - wie über ihn geschrieben steht.“ 3

Original Greek

ἀλλὰallaButG0235CONJ
λέγωlegōI sayG3004GV-PAI-1S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
ὅτιhotithatG3754GCONJ
καὶkaialsoG2532CONJ
ἨλίαςĒliasElijahG2243N-NSM-P
ἐλήλυθεν,elēluthenhas come,G2064V-2RAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐποίησανepoiēsanthey didG4160GV-AAI-3P
αὐτῷautōto himG0846P-DSM
ὅσαhosaas much asG3745K-APN
ἤθελονēthelonthey were desiringG2309V-IAI-3P
καθὼςkathōseven asG2531CONJ
γέγραπταιgegraptaiit has been writtenG1125V-RPI-3S
ἐπ᾽ep᾽ofG1909PREP
αὐτόν.¶autonhim.G0846P-ASM
  1. Aber ich sage euch (Ja, mehr noch:) - »ich sage euch« fungiert im NT genauso wie nicht-responsorisches °Amen°: Das Folgende wird als definitiv wahr markiert. V. 13 schließt an V. 12 mit ἀλλά an, das meist adversative Bedeutung hat (aber, stattdessen, nichtsdestotrotz,...). Wenn unsere Deutung von Vv. 12f (vgl. FN ai, FN al) richtig ist, wird mit V. 13 V. 12 aber nicht kontrastiert, sondern spezifiziert (vgl. auch Brannan 2008, S. 14f.): Die Position der Schriftgelehrten wird in V. 12 prinzipiell angenommen, in V. 13 aber durch die definitive Wahrheit genauer ausgeführt: Nicht nur muss Elija kommen - er ist sogar bereits gekommen. Vgl. auch WIL: »Elia ist schon gekommen.« Daher statt aber ich sage euch besser: Ja, mehr noch (so gut auch CJB: »There's more to it:...«). Das καὶ und, auch in V. 13 markiert noch zusätzlich, dass die beiden Verse keinen Kontrast bilden, sondern dass V. 12 mit V. 13 überstiegen wird, daher besser sogar. Nach Joüon wird von einigen Exegeten das ἀλλά auch mit »Eh bien!...«, »Well!...«, »Wohlan!...« übersetzt (z.B. Grosvenor/Zerwick; Kleist 1937; Pesch 1977); auch PAT, KAR: »Nun denn,...«. Ich bin nicht sicher, welche Diskursfunktion das haben soll (Joüon war mir noch nicht zugänglich), aber vermutlich soll auch dies markieren, dass im folgenden Satz V. 12 nicht kontrastiert, sondern weitergeführt wird.
  2. auch (sogar) - s. FN an
  3. Matthäus 11,14; Matthäus 17,13

14 Und als sie (er) zu den Jüngern kamen (kam), sahen sie (sah er), dass eine große Menschenmenge um sie [war] und Schriftgelehrte mit ihnen diskutierten. 1

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἐλθόντεςelthonteshaving comeG2064V-2AAP-NPM
πρὸςprostoG4314PREP
τοὺςtoustheG3588T-APM
μαθητὰςmathētasdisciplesG3101N-APM
εἶδονeidonthey sawG1492HV-2AAI-3P
ὄχλονochlona crowdG3793N-ASM
πολὺνpolungreatG4183A-ASM
περὶperiaroundG4012PREP
αὐτοὺςautousthemG0846P-APM
καὶkaiandG2532CONJ
γραμματεῖςgrammateisscribesG1122N-APM
συζητοῦνταςsuzētountasarguingG4802V-PAP-APM
πρὸςproswithG4314PREP
αὐτούς.autousthem.G0846P-APM
  1. Lukas 11,53

15 Und sofort, als die ganze Menschenmenge ihn sah, erschrak sie (staunte sie, geriet sie in Ehrfurcht), 1 rannte auf ihn zu und begrüßte ihn [freudig] 2. 3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
πᾶςpasallG3956A-NSM
ὁhotheG3588T-NSM
ὄχλοςochloscrowdG3793N-NSM
ἰδόντεςidonteshaving seenG1492HV-2AAP-NPM
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ἐξεθαμβήθησανexethambēthēsanthey marvelledG1568V-API-3P
καὶkaiandG2532CONJ
προστρέχοντεςprostrechontesrunning to [Him]G4370V-PAP-NPM
ἠσπάζοντοēspazontothey were greetingG0782V-INI-3P
αὐτόν.autonHim.G0846P-ASM
  1. erschrak sie (staunte sie) - ἐκθαμβέομαι im NT nur in Mk. (hier; Mk 14,33; 16,5.16). In Mk 9,15 differieren Lexika und Üss deutlich. In dt. Üss meist „wurde ganz aufgeregt“ (aber wohl nur, weil dies die bedeutungsoffenste Üs. ist); danach „erschrak sie“; auch „war überrascht“ (H-R; so auch die meisten englischen Üss); „waren außer sich vor Freude“ (B/N, ähnlich ALB, MEN); „sie erschauderten“ (Pesch 1977; Stier); „erfaßte alle ein großes Erstaunen“ (KAR); „überkam die gesamte Volksmenge heilige Scheu“ (KNO). Es handelt sich hier um ein „vorgezogenes Admirationsmotiv“ (so z.B. Dschulnigg 2007, S. 253; Pesch 1977, S. 87; Theißen 1990, S. 80): Für gewöhnlich am Ende von Wundergeschichten (am Anfang nur hier und Mk 1,22) reagieren die Zuschauer angemessen auf dieses Wunder; es handelt sich also wohl um eine Mischung aus Bewunderung, Erstaunen und tatsächlich „heiliger Scheu“ (KNO). Gut daher van Iersel 1998, Marcus 2009, NLT, NRS: „were overcome with awe“; sehr gut WNT: „astonished and awe-struck“. Ich würde empfehlen: „Kaum hatte die ganze Menge ihn erblickt, lief sie ehrfürchtig staunend zu ihm hin und begrüßte ihn freudig.“
  2. begrüßte ihn [freudig] - [freudig] nach EWNT I, S. 416: ἀσπάζομαι „als Ausdruck der Zuneigung, der freudigen Aufnahme“.
  3. Exodus 34,30

16 Da fragte er sie: 1 „Worüber (warum) diskutiert ihr mit ihnen ?“

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐπηρώτησενepērōtēsenHe askedG1905V-AAI-3S
αὐτούςautousthoseG0846P-APM
γραμματεῖς·grammateisscribes:G1122N-APM
τίtiWhatG5101I-ASN
συζητεῖτεsuzēteiteare you disputingG4802V-PAI-2P
πρὸςproswithG4314PREP
αὐτούς;¶autousthem?G0846P-APM
  1. sie + ihr + mit ihnen - Das αὐτούς sie wirkt, als würde es sich auf die Volksmenge beziehen: Sie ist der letztmögliche Referent und es ist auch einer aus der Volksmenge, der antwortet. So klar ist die Sache aber nicht (vgl. wieder FN x): Die „sie“ werden gefragt, warum „sie“ mit „ihnen“ diskutieren. Weil - so der übliche Argumentationsgang - von den drei Parteien Jünger, Volksmenge und Schriftgelehrte die Volksmenge die einzige Partei ist, die in V. 14 nicht als diskutierend dargestellt wird, muss sich das sie entweder auf die Jünger (z.B. Gnilka 1979) oder auf die Schriftgelehrten (z.B. Lührmann 1987) beziehen. Ich glaube, das ist falsch gesehen - V. 14 schildert nicht drei Parteien, sondern zwei: 14c schildert das Setting - da sind (a) die Jünger und (b) die Volksmenge -, 14d das Geschehen: Schriftgelehrte und Jünger diskutieren miteinander. Die Schriftgelehrten sind also in 14c in die Volksmenge inkludiert, und also ist es auch kein Problem, wenn Jesus seine Frage an die Volksmenge richtet. Sinngemäß also: „Jesus fragte in die Menge: Worüber diskutiert ihr mit meinen Jüngern?“

17 Einer 1 aus (aus heraus) 2 der Menschenmenge antwortete ihm: „Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht (wollte ihn zu dir bringen), 3 weil 4 er einen stummen Geist (einen Geist, der ihn stumm macht) 5 hat (von einem stummen Geist besessen ist). 6

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἀπεκρίθηapekrithēansweredG0611V-ADI-3S
αὐτῷautōHimG0846P-DSM
εἷςheisoneG1520A-NSM
ἐκekout ofG1537PREP
τοῦtoutheG3588T-GSM
ὄχλουochloucrowdG3793N-GSM
εἶπεν·eipensaid:G2036V-2AAI-3S
διδάσκαλε,didaskaleTeacher,G1320N-VSM-T
ἤνεγκαēnegkaI broughtG5342V-AAI-1S
τὸνtontheG3588T-ASM
υἱόνhuionsonG5207N-ASM
μουmouof mineG3165P-1GS
πρὸςprostoG4314PREP
σὲseYouG4771P-2AS
ἔχονταechontahavingG2192V-PAP-ASM
πνεῦμαpneumaa spiritG4151GN-ASN
ἄλαλον.alalonmute.G0216A-ASN
  1. einer Das Zahlwort εἷς eins, einer steht hier für das Indefinitpronomen τις jemand, irgendeiner; vgl. Grosvenor/Zerwick 1993. Das ist kein Semitismus; diese Verwendung findet sich z.B. auch bei Aristoteles; vgl. Pape, S. 738.
  2. aus (aus heraus) - vgl. FN ac: ἐκ verwendet wie ἀπό; vielleicht Semitismus - s. Turner 1929a, S. 282f.
  3. habe zu dir gebracht (wollte zu dir bringen) offensichtlich hat er ihn ja nicht zu Jesus gebracht - denn der war nicht da. Es war nur seine Intention, ihn zu Jesus zu bringen; vgl. Cranfield 1959, S. 301 - daher besser modal zu übersetzen: »Ich wollte meinen Sohn zu dir bringen«.
  4. weil - adv. Ptc., kausal aufgelöst.
  5. einen stummen Geist (einen Geist, der ihn stumm macht) - welches von beidem gemeint ist, ist nicht ganz klar. Natürlich heißt es wörtlich »stummer Geist«, aber es ist auffällig, dass der Geist gerade im Zhg. mit der Schilderung der Krankheitssymptome als »stumm« bezeichnet wird, und selbst wenn es wirklich auf den Geist zu beziehen ist, könnte das ja auch gerade deshalb auf den Geist zu beziehen sein, weil er den Jungen stumm macht. Was zum Krankheitsbild passt; eine steife Zunge gehört zum Krankheitsbild der Epilepsie. Deshalb »ein Geist, der ihn stumm macht« z.B. bei BB, BBE, Camacho/Mateos 1994, CEB, CJB, CSB, ESV, GN, GNT, GW, HfA, KAM, LEB, NAS, NCV, NeÜ, NIRV, NIV, NL, NLT, NRS, TNIV. Ohne das ausschließen zu wollen, würde ich dennoch »stummer Geist« empfehlen - allein schon, weil in V. 25 »Du Geist, der stumm und taub macht« unglücklich klingen würde.
  6. Matthäus 12,22; Markus 7,26; Lukas 11,14

18 Und wo auch immer [er ist, wenn] 1 er ihn anfällt (packt), 2 zerrt er ihn hin und her (wirft er ihn zu Boden) 3 und ihm tritt Schaum vor den Mund (er schäumt) 4 er knirscht mit den Zähnen und er wird [ganz] starr. Und ich sagte zu deinen Jüngern, dass (damit) sie ihn vertreiben sollen (bat deine Jünger, ihn auszutreiben), und (aber) 5 sie konnten es nicht (sie waren zu schwach dafür). 6“ 7

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
ὅπουhopouwheneverG3699CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
καταλάβῃ,katalabēit may grasp,G2638V-2AAS-3S
ῥήσσειrhēsseiit throws downG4486V-PAI-3S
αὐτόν·autonhim;G0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀφρίζειaphrizeihe foamsG0875V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
τρίζειtrizeihe gnashesG5149V-PAI-3S
τοὺςtous<the>G3588T-APM
ὀδόνταςodontashis teethG3599N-APM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
ξηραίνεται.xērainetaiis withering away.G3583V-PPI-3S
καὶkaiAndG2532CONJ
εἶπαeipaI spokeG2036V-2AAI-1S
τοῖςtoisto theG3588T-DPM
μαθηταῖςmathētaisdisciplesG3101N-DPM
σουsouof YouG4771P-2GS
ἵναinathatG2443CONJ
αὐτὸautoitG0846P-ASN
ἐκβάλωσιν,ekbalōsinthey may cast out,G1544V-2AAS-3P
καὶkaiandG2532CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἴσχυσαν.¶ischusanthey had power.G2480V-AAI-3P
  1. wo auch immer [er ist, wenn] - das »wo auch immer« bezieht sich nicht auf den Körperteil, an dem der Geist den Jungen jeweils packt (so z.B. B/N: »Wo immer er ihn an seinem Leib zu packen kriegt«) - obwohl bei Epileptikern bei sogenannten »fokalen Anfällen« in der Tat nur einzelne Körperteile betroffen sein können -, sondern auf den Ort, an dem der Junge sich jeweils bei einem seiner epileptischen Anfälle befindet (so z.B. Marcus 2009: »Wo immer er ist, wenn es ihn packt«; ähnlich GW, GNT, MSG, NAS, NIV, NLT, NRS, TNIV, TYN: »Wann immer der Geist ihn packt«)
  2. anfällt (packt) - meist »packt«. καταλαμβάνω kommt von der selben Wurzel wie ἐπιλαμβάνομαι, das gleichzeitig terminus technicus für Besessenheit und für den epileptischen Anfall ist (und sogar das Etymon des deutschen »Epilepsie« ist). In »anfallen« kommt dieser Zhg. auch im Deutschen zum Ausdruck.
  3. zerrt er ihn hin und her (wirft er ihn zu Boden) - W.: reißt er ihn. Nicht: »Wirft er ihn zu Boden«; ῥήσσω hin und her zerren (EWNT III, S. 508) steht hier für die epileptischen Konvulsionen des Knaben.
  4. er hat Schaum vor dem Mund (er schäumt) + er knirscht mit den Zähnen + er wird [ganz] starr stehen für diverse Symptome der Epilepsie; in den Klammern steht die wörtliche Übersetzung. Mit dem »Schäumen« ist schaumiger Speichelfluss gemeint, mit dem Zähneknirschen das Verkrampfen der Gesichtsmuskulatur, das so stark sein kann, dass Epileptiker sich dabei sogar selbst den Kiefer brechen können. Starr werden gut nach Louw/Nida 23.172.; gemeint ist der Ganzkörperkrampf. Treffender: »Er hat Schaum vor dem Mund, sein Gesicht verzerrt sich und er krampft am ganzen Körper«.
  5. und (aber) - »und« zur Verknüpfung von Gegensätzen. So z.B. auch in Platon, Lach 183 - kein Semitismus. Hier deshalb gesetzt, weil die καὶ-Häufung die lebendige, dramatische Rede nachbilden sollen (»καὶ wo auch immer [er ist, wenn] er ihn anfällt, zerrt er ihn hin und her καὶ ihm tritt Schaum vor den Mund καὶ sein Kiefer verkrampft sich καὶ er wird ganz starr. καὶ ich sagte zu deinen Jüngern, dass sie ihn vertreiben sollen καὶ sie konnten es nicht.«); vgl. Reiser 1983, S. 103.114.
  6. sie konnten es nicht (sie waren zu schwach dafür) - besser nicht »sie konnten es nicht« - ἰσχύω hat die Grundbedeutung stark sein, wird im ntl häufiger als nicht theologisch verwendet und steht öfter z.B. für die Kraft/Macht, die einem Christus/der Glaube/das Gebet verleiht (vgl. EWNT II, S. 512f). Das ist auch hier im Blick; vgl. V. 29. Gut daher EÜ; GW, Marcus 2009, R-S, WNT: »sie hatten nicht die Kraft/Macht dazu«.
  7. Markus 5,3

19 Da {antwortete und} sagte er ihnen (fuhr er sie an): 1 „Oh, [du] ungläubiges Geschlecht (Pack)! Bis wann (wie lange) werde (muss) 2 ich [denn noch] bei euch sein? Bis wann werde (muss) ich euch [denn noch] ertragen? Bringt ihn zu mir!“ 3

Original Greek

ὉHo<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἀποκριθεὶςapokritheisansweringG0611V-AOP-NSM
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
λέγει·legeiHe says;G3004GV-PAI-3S
ὦōOG5599INJ
γενεὰgeneagenerationG1074N-VSF
ἄπιστος,apistosunbelieving!G0571A-VSF
ἕωςhe'ōsUntilG2193PREP
πότεpotewhenG4219PRT-I
πρὸςproswithG4314PREP
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ἔσομαι,esomaiwill I be?G1510V-FDI-1S
ἕωςhe'ōsUntilG2193PREP
πότεpotewhenG4219PRT-I
ἀνέξομαιanexomaiwill I bear withG0430V-FDI-1S
ὑμῶν;humōnyou?G4771P-2GP
φέρετεpheretedo bringG5342V-PAM-2P
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
πρόςprostoG4314PREP
με.meMe.G3165P-1AS
  1. sagte er ihnen (fuhr er sie an) + Oh, [du] ungläubiges Geschlecht (Pack)! - überraschend starkes Scheltwort. Das „Geschlecht“ ist in Mk fast ausnahmslos negativ konnotiert und damit beinahe ein Schimpfwort; „ungläubig“ ebenso, da diese Ungläubigkeit geradezu ein moralischer Mangel ist (vgl. die Erweiterung von V. 19 in Mt 17,17; Lk 9,41: „ungläubiges und verkehrtes Geschlecht!“; auch EWNT I, S. 294). Diese Schärfe wird durch die Hinzufügung der Interjektion „Oh!...“ sogar noch zusätzlich verstärkt (vgl. Zerwick §35: „Tatsächlich wird ὦ im neuen Testament - außer in Apg - nur in Kontexten verwendet, die eine starke Emotion des Sprechers nahelegen.“). Dieses starke Scheltwort richtet sich hier deutlich (mindestens: auch) an die Jünger, deshalb gab es in der Exegese einige Versuche, das Wort in seiner Referenz „umzubiegen“. Z.B. ist für Pesch 197, S. 90 diese überraschende Schärfe „das sicherste Indiz dafür, daß in der Erzählung ursprünglich vom exorzistischen Unvermögen der Schriftgelehrten und nicht der Jünger Jesu die Rede war.“ - aber dafür gibt es keine Indizien. So schockierend das auch sein mag: Im Text, wie er uns vorliegt, beschimpft Jesus seine Jünger als „ungläubiges Pack“ (so sehr gut B/N). Wegen der Schärfe auch besser fuhr sie an als sagte zu ihnen.
  2. werde (muss) - sicher modales Futur
  3. Numeri 14,11; Numeri 14,27; Psalm 4,3; Sprichwörter 1,22; Jeremia 4,21; Jeremia 23,26; Markus 16,14; Lukas 24,25

20 Sie brachten ihn zu ihm. Und als ihn der Geist sah (Kaum hatte der Geist ihn gesehen - da...), 1 schüttelte er ihn sofort in [heftigen] Krämpfen, 2 und die Erde gefallen wälzte er sich schäumend (so dass der Knabe sich mit Schaum vor dem Mund auf der Erde wälzte). 3

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἤνεγκανēnegkanthey broughtG5342V-AAI-3P
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
πρὸςprostoG4314PREP
αὐτόν.autonHim.G0846P-ASM
καὶkaiAndG2532CONJ
ἰδὼνidōnhaving seenG1492HV-2AAP-NSM
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
τὸtotheG3588T-NSN
πνεῦμαpneumaspiritG4151GN-NSN
εὐθὺςeuthusimmediatelyG2112ADV
συνεσπάραξενsunesparaxenthrew into convulsionsG4952V-AAI-3S
αὐτόν,autonhim,G0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
πεσὼνpesōnhaving fallenG4098V-2AAP-NSM
ἐπὶepiuponG1909PREP
τῆςtēstheG3588T-GSF
γῆςgēsgroundG1093IN-GSF
ἐκυλίετοekulietohe was rolling aroundG2947V-IEI-3S
ἀφρίζων.aphrizōnfoaming.G0875V-PAP-NSM
  1. Und als der Geist ihn sah, sofort (Kaum hatte der Geist in gesehen - da) - Das Adverb εὐθύς sofort in „zerrte er ihn sofort in Krämpfen hin und her“ hat im Griechischen die Funktion, Spannung zu erzeugen (vgl. Pryke 1987, S. 87). Daher treffender die in der Klammer angegebene Übersetzung.
  2. schüttelte er ihn in [heftigen] Krämpfen ist unsere Wiedergabe des einen Wortes συνεσπάραξεν; „in Krämpfen schütteln“ gut nach EWNT III, S. 748. συσπαράσσω steht ebenso wie das obige ῥήσσω (V. 18) für die epileptischen Konvulsionen des Knaben (Lukas kombiniert die beiden Worte in Lk 9,42); es ist eine Steigerungsform des gleichbedeutenden σπαράσσω (V. 26): Angesichts Jesu bäumt der Geist sich auf und ruft einen besonders heftigen Anfall hervor.
  3. und auf die Erde gefallen wälzte er sich schäumend (so dass der Knabe sich mit Schaum vor dem Mund auf der Erde wälzte) - Der Satz drückt die Folgen der heftigen Konvulsionen aus; besser daher konsekutives καί: so dass. „Auf die Erde gefallen“ ist Partizip Aorist und drückt so das dem „Wälzen“ zeitlich relativ Vorangehende aus; schöner effektiv zu übersetzen: auf der Erde (liegend).

21 Da fragte er dessen Vater: „Wieviel Zeit ist es, seit [der] ihm dies passiert? (Wie lange geht das schon so mit ihm?)“ Und er sagte: „[Schon] von [frühester] Kindheit an. 1 2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐπηρώτησενepērōtēsenHe askedG1905V-AAI-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
πατέραpaterafatherG3962N-ASM
αὐτοῦ·autouof him;G0846P-GSM
πόσοςpososHow longG4214Q-NSM
χρόνοςchronosa timeG5550N-NSM
ἐστὶνestinis itG1510V-PAI-3S
ὡςhōsthatG5613PRT
τοῦτοtoutothisG3778D-NSN
γέγονενgegonenhas beenG1096V-2RAI-3S
αὐτῷ;autōwith him?G0846P-DSM
ὁho<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
εἶπεν·eipenhe said;G2036V-2AAI-3S
ἐκekFromG1537PREP
παιδιόθεν.paidiothenchildhood.G3812ADV
  1. [Schon] von [frühester] Kindheit an; w. von von Kindheit an (kein Schreibfehler): παιδιόθεν meint schon selbst von Kindheit an; ἐκ seit ist damit redundant; vgl. Grosvenor/Zerwick; Marcus 2009. Diese typisch markinische Redundanz hat Mk in diesem Kapitel bisher immer zu Zwecken der Emphase angewendet (s. FNn g.l.y) - wie ja pleonastische Konstruktionen ganz allgemein häufig auf den »Wunsch des Sprechenden, sich kräftiger auszudrücken« (Hillen 1989, S. 4) zurückführbar sind; daher auch hier besser »schon von frühester Kindheit an« (ähnlich WNT). Das passt zum Text: Wundererzählungen heben häufig die Dauer der Krankheit hervor, da besonders »veraltete Fälle von vornherein als unheilbar galten« (Pesch 1977, S. 91) und so das Wunder in seiner Wunderbarkeit noch zusätzlich unterstrichen wird; so ad loc. auch Marcus 2009; vgl. die Parallelstellen. Es passt auch zum folgenden Vers, der durch die Hervorhebung der Gefährlichkeit der Krankheit das selbe leistet.
  2. Markus 5,25; Lukas 8,43; Johannes 5,6; Johannes 9,1; Apostelgeschichte 3,2; Apostelgeschichte 9,33; Apostelgeschichte 14,8

22 Ja (und), 1 mehrfach hat er ihn sogar (sowohl) ins Feuer oder (als auch) ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Ich flehe dich an (aber),2 wenn du etwas vermagst (wenn etwas in deiner Macht steht), 3 dann hilf uns und hab Mitleid mit uns (erbarme dich unser)! 4“ 5

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
πολλάκιςpollakisoftenG4178ADV
καὶkaibothG2532CONJ
εἰςeisintoG1519PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
πῦρpurfireG4442N-ASN
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
ἔβαλενebalenit castsG0906GV-2AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
εἰςeisintoG1519PREP
ὕδαταhudatawatersG5204N-APN
ἵναinathatG2443CONJ
ἀπολέσῃapolesēit may destroyG0622V-AAS-3S
αὐτόν·autonhim;G0846P-ASM
ἀλλ᾽all᾽ButG0235CONJ
εἴeiifG1487GCOND
τιtianythingG5100X-ASN
δύνῃ,dunēYou are able [to do],G1410V-PNI-2S
βοήθησονboēthēsondo helpG0997V-AAM-2S
ἡμῖν,hēminus,G3165P-1DP
σπλαγχνισθεὶςsplagchnistheishaving compassionG4697V-AOP-NSM
ἐφ᾽eph᾽onG1909PREP
ἡμᾶς.¶hēmasus.G3165P-1AP
  1. sogar (und) + sogar (sowohl) - sicher emphatisches καὶ; hierzu gut Dana/Mantey §221.3; zur Funktion im Text siehe bl
  2. Ich flehe dich an (aber) - kohortatives ἀλλά (Pesch 1977, S. 92). BDAG und EWNT empfehlen bei dieser Verwendung (»Bei Aufforderungen [...] zur Verstärkung«, EWNT I, S. 147) die Übersetzung mit »nun denn« oder »wohl an«, aber ich sehe nicht, wie das eine Aufforderung verstärken sollte. Besser frei: »Ich flehe dich an!«
  3. wenn du etwas vermagst (wenn etwas in deiner Macht steht) kontrastiert hier Jesus mit den Jüngern, die »zu schwach« waren, um den Knaben zu heilen. Jesus wird es in V. 23 umdeuten: »Wer glaubt, vermag alles!« Er greift dort des Vaters εἴ τι δύνῃ »wenn du etwas vermagst« auf und übersteigert das »etwas« zu »alles«. Nicht weniger ist hier ausgesagt, als dies: »Die Glaubenden partizipieren an Gottes Allmacht, dem allein das πάντα δυνατὰ (alles [vermag]) eigentlich zusteht (Mk 10,27; 14,36).« (Dschulnigg 2007, S. 253). Man könnte V. 23 beinahe übersetzen mit »Wer glaubt, ist allmächtig«; vgl. Theißen 1990, S. 140: »πάντα δυνατὰ ist göttliches Attribut im strengsten Sinn«. Vielleicht sollte man daher wirklich zu den vorgeschlagenen Alternativübersetzungen greifen; ich bin aber nicht ganz sicher, ob das nicht doch etwas zu weit geht.
  4. hilf uns und hab Mitleid mit uns (erbarme dich unser)! - W. hilf uns, dich unser erbarmend. Dass Jesus sich der beiden erbarmt, ist natürlich die Bedingung dafür, dass er ihnen auch hilft; und es ist durch Partizip Aorist auch so markiert (dich [zuvor] unser erbarmend); vgl. Grosvenor/Zerwick. Dennoch steht es hier in der Reihenfolge helfen -&gt; erbarmen. Vielleicht soll diese durcheinandergeratene Reihenfolge die Verzweiflung des Vaters unterstreichen; immerhin ist dies sicher auch die Funktion der καὶ-Häufung in der Rede des Vaters (wie bereits in V. 18, s. FN ba): »καὶ mehrfach καὶ hat er ihn ins Feuer geworfen καὶ ins Wasser, um ihn zu töten.«
  5. Matthäus 8,2; Matthäus 15,22

23 Jesus antwortete ihm: {Das} 1 „'Wenn du es vermagst (Wenn es in deiner Macht steht)'... - Wer glaubt, vermag ''alles'' (ist allmächtig)! 2“ 3

Original Greek

ὉHo<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
εἶπενeipensaidG2036V-2AAI-3S
αὐτῷ·autōto him;G0846P-DSM
τὸto<the>G3588T-ASN
εἰeiIfG1487GCOND
δύνῃdunēYou are ableG1410V-PNI-2S
πιστεῦσαι,pisteusaito believeG4100V-AAN
πάνταpantaAll thingsG3956A-NPN
δυνατὰdunataare possibleG1415A-NPN
τῷtōto the [one]G3588T-DSM
πιστεύοντι.pisteuontibelieving.G4100V-PAP-DSM
  1. Das „wenn du vermagst“ - Τὸ das macht aus der Phrase „wenn du vermagst“ ein Nomen (Cranfield 1959, S. 302); auf diese Weise wird es als ein Zitat markiert (Grosvenor/Zerwick). Gut B/N: „Was das &gt;Wenn du kannst...&lt; betrifft“; noch besser BB: „Was heißt hier: 'Wenn du kannst'?“
  2. vermag Alles (ist allmächtig) - s. FN bk.
  3. Matthäus 17,20; Matthäus 21,22; Markus 11,23; Lukas 17,6

24 Sofort (Da) 1 schrie (schluchzte) 2 der Vater des Jungen und sagte: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“ 3

Original Greek

καὶkaiandG2532CONJ
εὐθὺςeuthusImmediatelyG2112ADV
κράξαςkraxashaving cried outG2896V-AAP-NSM
ὁhotheG3588T-NSM
πατὴρpatērfatherG3962N-NSM
τοῦtouof theG3588T-GSN
παιδίουpaidiouchildG3813N-GSN
μετὰmetawithG3326PREP
δακρύωνdakruōntearsG1144N-GPN
ἔλεγεν·elegenwas saying;G3004GV-IAI-3S
πιστεύωpisteuōI believeG4100V-PAI-1S
κύριε·kurieLord;G2962GN-VSM-T
βοήθειboētheido helpG0997V-PAM-2S
μουmoumeG3165P-1GS
τῇtēawith theG3588T-DSF
ἀπιστίᾳ.¶apistiaunbelief!G0570N-DSF
  1. Sofort (Da) - εὐθύς sofort meint oft auch einfach „dann“, „danach“ (vgl. Taylor 1979, S. 172; daher ad loc.: „Entonces el padre del muchacho gritó“). Hier ist das εὐθύς als sofort aber sinnvoll; es unterstreicht das dramatische Hervorbrechen des verzweifelten Schreis (B/N: „Kaum hatte Jesus das gesagt, da schrie...“). Wirkungstreuer aber daher eine Üs. mit „Da schrie/schluchzte...“; so z.B. BB, EÜ, GN, KAR, NGÜ, NeÜ, Schenke 2005.
  2. schrie (schluchzte) - W. Sofort sagte der Vater des Jungen schreiend. Viele Manuskripte ergänzen: „unter Tränen schreiend“. Das ist zweifellos ein späterer Zusatz, dient hier aber wohl nicht nur der „Steigerung der Dramatik“ (z.B. Pesch 1977, S. 85), sondern ist eine Erläuterung des „schreiend“ - die Erweiterung des „sagte“ durch „schreiend“ dient dem Ausdruck der Verzweiflung des Vaters (Partizip Aorist hier nicht vorzeitig, sondern pleonastisch: Ausdruck der selben Handlung durch zwei Worte; vgl. Zerwick §262; Grosvenor/Zerwick ad loc.); die Ergänzung „unter Tränen“ macht das nur noch expliziter. Einige Üss. haben es daher sogar dennoch beibehalten, z.B. HNV, TMB, WEB. Sehr gut daher KAR: „Da schluchzte der Vater des Knaben laut auf:...“
  3. Lukas 17,5; Hebräer 12,2

25 Als Jesus sah, dass eine Menschenmenge zusammenlief (herandrängte) 1, 2 gebot er dem unreinen Geist {und sagte zu ihm}: „Du stummer und tauber Geist, 3 ich befehle dir, komm aus ihm heraus (fahre aus ihm aus) und geh nie mehr in ihn hinein (fahre nie mehr in ihn hinein)!“ 4

Original Greek

ἸδὼνIdōnHaving seenG1492HV-2AAP-NSM
δὲdenowG1161CONJ
ὁho<the>G3588T-NSM
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἐπισυντρέχειepisuntrecheiwas running togetherG1998V-PAI-3S
ὄχλος,ochlosa crowd,G3793N-NSM
ἐπετίμησενepetimēsenHe rebukedG2008V-AAI-3S
τῷtōtheG3588T-DSN
πνεύματιpneumatispiritG4151GN-DSN
τῷtō<the>G3588T-DSN
ἀκαθάρτῳakathartōuncleanG0169A-DSN
λέγωνlegōnsayingG3004GV-PAP-NSM
αὐτῷ·autōto it;G0846P-DSN
τὸtoOG3588T-VSN
ἄλαλονalalonMuteG0216A-VSN
καὶkaiandG2532CONJ
κωφὸνkōphondeafG2974A-VSN
τὸtoOG3588T-VSN
πνεῦμα,pneumaspirit,G4151GN-VSN
ἐγὼegōI myselfG1473P-1NS
ἐπιτάσσωepitassōcommandG2004V-PAI-1S
σοι·soiyou:G4771P-2DS
ἔξελθεexelthedo comeG1831V-2AAM-2S
ἐξexout ofG1537PREP
αὐτοῦ,autouhim,G0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
μηκέτιmēketino moreG3371ADV-N
εἰσέλθῃςeiselthēsshall you enterG1525V-2AAS-2S
εἰςeisintoG1519PREP
αὐτόν.autonhim.G0846P-ASM
  1. zusammenlief (herandrängte) - ἐπισυντρέχω ist ein Hapax Legomenon im gesamten Griechisch; Wortbildung: τρέχω laufen -&gt; συν-τρέχω zusammen-laufen -&gt; ἐπι-συντρέχω heran-zusammenlaufen; gut Louw/Nida 15.134: „eilig an einen Ort zusammenlaufen“. Redundante Wortbildung („an einen Ort“ ist in „zusammenlaufen“ bereits enthalten); besser daher gesteigert: „herandrängen“.
  2. Als Jesus sah, dass eine Menschenmenge zusammenlief - Der Satz wirkt merkwürdig - als wäre Jesus ein „Showoff“. Jesus handelt aber nicht, weil sein Publikum nun groß genug ist, sondern es handelt sich hier um ein Geheimhaltungsmotiv: Jesus möchte im Gegenteil ein möglichst kleines Publikum (so Cranfield 1959, S. 303; Dschulnigg 2007, S. 255; Pesch 1977, S. 93). Vielleicht steht aber auch dies im Hintergrund: In der Antike (und noch bis ins 19. Jh.) war der Glaube verbreitet, Epilepsie sei hochansteckend. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass der Junge in V. 14-19 nicht anwesend ist und dass die Menschenmenge nach dem Herbeibringen des Jungen erst von Neuem zusammenlaufen muss. Vielleicht beeilt sich Jesus also angesichts der zusammenlaufenden Menge deshalb so mit dem Exorzismus, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.
  3. Du stummer und tauber Geist - W. der stumme und taube Geist; Nominativ für Vokativ (Grosvenor/Zerwick). Kein Semitismus; vgl. Doudna 1961, S. 78.
  4. Markus 1,25; Markus 5,8; Lukas 4,35

26 Und schreiend und [den Jungen] in heftigen Krämpfen schüttelnd 1 kam er heraus (fuhr der Geist aus). Und er wurde (war) 2 wie tot, daher (sodass) 3 die Meisten (die Menge) 4 sagten, er sei gestorben. 5

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
κράξαςkraxashaving cried outG2896V-AAP-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
πολλὰpollamuchG4183A-APN
σπαράξαςsparaxasthrowing into convulsionsG4682V-AAP-NSM
αὐτόνautonhimG0846P-ASM
ἐξῆλθεν,exēlthenit came out,G1831V-2AAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ἐγένετοegenetohe becameG1096V-2ADI-3S
ὡσεὶhōseias ifG5616PREP
νεκρὸςnekrosdeadG3498A-NSM
ὥστεhōstein order forG5620CONJ
τοὺςtous<the>G3588T-APM
πολλοὺςpollousmanyG4183A-APM
λέγεινlegeinto sayG3004GV-PAN
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ἀπέθανεν.apethanenhe was dead.G0599V-2AAI-3S
  1. schreiend und [den Jungen] in heftigen Krämpfen schüttelnd - W. „schreiend und heftig schüttelnd“. Vielleicht dienen die beiden Partizipien hier als Vollverbersatz; so zumindest Pryke 1978, S. 119f.123; daher BB, B/N, GN, Gnilka 1979, HER, HfA, KAM, LUT, MEN, NeÜ, NGÜ, NL, R-S, SLT , TAF: „Und er schrie, schüttelte ihn heftig hin und her und fuhr aus“. Hier auch dadurch erklärlich, dass durch den Einsatz von Partizipien ein Gleichklang entsteht: kraxas kai sparaxas. Aber vermutlich ist die Stelle so zu erklären: Beim Exorzismus ist der Moment der Ausfahrt des Dämons einer der gefährlichsten, da der Dämon dem Besessenen hier noch ein letztes Mal großen Schaden zufügen kann. Vgl. Theißen 1990, S. 96: „Der Exorzismus ist so oft das Gegenteil einer Heilung: eine Gefährdung, die eine folgende Heilung notwendig macht (Mk 9,27).“ Das ist es wohl, dass die Modifikation des „er fuhr aus“ durch „schreiend und heftig schüttelnd“ hier ausdrücken soll. Vielleicht sollte man daher besser frei übersetzen: „Da schüttelten den Jungen so heftige Krämpfe wie nie zuvor und mit einem schrecklichen Schrei fuhr der Geist aus.“
  2. wurde (war) - Nicht: „er wurde wie tot“; γίνομαι als Ersatz von εἶναι - vgl. Louw/Nida 13.3: „to possess certain characteristics, with the implication of their having been acquired“. Übersetze: „... fuhr der Geist aus. Und der Junge lag da wie tot.“
  3. daher (sodass) - resultatives ὥστε (Pryke 1978, S. 115) -&gt; „sodass“
  4. die Meisten (die Menge) - „die Meisten“ i.S.v. „die Menge“; vgl. Pape 671, Bed. 3
  5. Markus 1,26; Lukas 4,41

27 Doch Jesus ergriff seine Hand und hieß ihn aufstehen (richtete ihn auf, weckte ihn auf, heilte ihn) 1 - und er stand auf. 2

Original Greek

ὁho<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
κρατήσαςkratēsashaving takenG2902V-AAP-NSM
τῆςtēsby theG3588T-GSF
χειρὸςcheiroshandG5495N-GSF
αὐτοῦautouhimG0846P-GSM
ἤγειρενēgeirenraised upG1453V-AAI-3S
αὐτόν,autonhim,G0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀνέστη.¶anestēhe arose.G0450V-2AAI-3S
  1. hieß ihn aufstehen nach Louw/Nida 17.10 („to cause to stand up“); in Anbetracht des Folgesatzes sinnvoller als „weckte ihn auf“ oder gar „erweckte ihn“. Das häufige „richtete ihn auf“ oder „zog ihn hoch“ ist gut; wäre aber eine Doppelung mit dem Folgesatz.
  2. Matthäus 8,15; Apostelgeschichte 9,41

28 Und nachdem er ins Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger für sich: 1 „Dass wir ihn nicht austreiben konnten (Warum konnten wir ihn nicht austreiben)?“ 2 3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
εἰσελθόντοςeiselthontoswhen was enteringG1525V-2AAP-GSM
αὐτοῦautouHeG0846P-GSM
εἰςeisintoG1519PREP
οἶκονoikona houseG3624GN-ASM
οἱhoitheG3588T-NPM
μαθηταὶmathētaidisciplesG3101N-NPM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
κατ᾽kat᾽inG2596PREP
ἰδίανidianprivateG2398A-ASF
ἐπηρώτωνepērōtōnwere askingG1905V-IAI-3P
αὐτόν·autonHim;G0846P-ASM
ὅτιhotiWhyG3754GCONJ
ἡμεῖςhēmeiswe ourselvesG3165P-1NP
οὐκouknotG3756PRT-N
ἠδυνήθημενēdunēthēmenwere ableG1410V-AOI-1P
ἐκβαλεῖνekbaleinto cast outG1544V-2AAN
αὐτό;autoit?G0846P-ASN
  1. für sich - versprachlicht hier das Motiv der Sonderbelehrung (siehe Parallelstellen); besser: „Und nachdem er ins Haus gegangen war und sie unter sich waren, fragten ihn seine Jünger“.
  2. Dass (warum) - ὅτι zur Einleitung von Warum-Fragen; vgl. Turner 1925d, S. 58. So auch fast alle Üss.
  3. Matthäus 13,36; Markus 4,10; Markus 4,34; Markus 9,33; Markus 10,10

29 Da sagte er zu ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren (ausgetrieben werden) 1 außer durch Gebet.“ 2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
εἶπενeipenHe saidG2036V-2AAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
τοῦτοtoutoThisG3778D-NSN
τὸto<the>G3588T-NSN
γένοςgenoskindG1085HN-NSN
ἐνenbyG1722PREP
οὐδενὶoudenino [thing]G3762A-DSN
δύναταιdunataiis ableG1410V-PNI-3S
ἐξελθεῖνexeltheinto go outG1831V-2AAN
εἰeionlyG1487HCOND
μὴmēexceptG3361PRT-N
ἐνenbyG1722PREP
προσευχῇproseuchēaprayerG4335N-DSF
καὶkaiandG2532CONJ
νηστείᾳ.¶nēsteiawith fastings.G3521N-DSF
  1. ausfahren (ausgetrieben werden) - ἐξέρχομαι ausfahren verwendet als Äquivalent des Passivs ἐκβάλλω austreiben; vgl. Symth §1752; ad loc. Cranfield 1959, S. 304; Kleist 1937, S. 214. So auch die meisten Üss.
  2. Daniel 9,3; Jakobus 5,15

30 Von dort aus (gingen sie fort und) 1 reisten sie durch Galiläa, und er wollte nicht, dass (damit) jemand es erführe,

Original Greek

ΚἀκεῖθενKakeithenAnd from thereG2532CONJ + G1564
ἐξελθόντεςexelthonteshaving gone forthG1831V-2AAP-NPM
παρεπορεύοντοpareporeuontothey were passing throughG3899V-INI-3P
διὰdiathroughG1223PREP
τῆςtēs<the>G3588T-GSF
Γαλιλαίας,GalilaiasGalilee,G1056GN-GSF-L
καὶkaiandG2532CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἤθελενēthelenwas He wantingG2309V-IAI-3S
ἵναinathatG2443CONJ
τιςtisanyoneG5100X-NSM
γνοῖ·gnoimay know [it];G1097V-2AAS-3S
  1. aus (gingen sie fort und) - W. „Von dort fortgegangen seiend“

31 denn er lehrte (wollte lehren) 1 seine Jünger und sagte zu ihnen: „Der Menschensohn ist in die Hände der Menschen 2 ausgeliefert (wird ausgeliefert werden), 3 und sie werden ihn töten, und nachdem (obwohl) 4 er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen.“ 5

Original Greek

ἐδίδασκενedidaskenHe was teachingG1321V-IAI-3S
γὰρgarforG1063CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
μαθητὰςmathētasdisciplesG3101N-APM
αὐτοῦautouof HimG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
ἔλεγενelegenHe was sayingG3004GV-IAI-3S
αὐτοῖςautoisto themG0846P-DPM
ὅτιhotithatG3754GCONJ
ὁhoTheG3588T-NSM
υἱὸςhuiosSonG5207N-NSM-T
τοῦtou<the>G3588T-GSM
ἀνθρώπουanthrōpouof ManG0444N-GSM-T
παραδίδοταιparadidotaiis deliveredG3860V-PPI-3S
εἰςeisinto [the]G1519PREP
χεῖραςcheirashandsG5495N-APF
ἀνθρώπων,anthrōpōnof men,G0444N-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀποκτενοῦσινapoktenousinthey will killG0615V-FAI-3P
αὐτόν,autonHim,G0846P-ASM
καὶkaiandG2532CONJ
ἀποκτανθεὶςapoktantheishaving been killedG0615V-APP-NSM
μετὰmetaon [the]G3326PREP
τρεῖςtreisthirdG5140A-APF
ἡμέραςhēmerasdayG2250N-APF
ἀναστήσεται.anastēsetaiHe will arise.G0450V-FMI-3S
  1. lehrte (wollte belehren) - W. „lehren“, aber dies Lehren ist die Intention, die hinter dem nicht-Wollen v. V. 30 steht, daher im Dt. besser „denn er wollte seine Jünger belehren. Er sagte ihnen:...“ Schön KAR: „Denn er dachte seine Jünger zu unterweisen. / So sprach er zu ihnen:...“.
  2. in die Hände der Menschen - Biblizismus, »in die Hand von X« entspricht »an X«, »in die Gewalt von X«.
  3. ist ausgeliefert (wird ausgeliefert werden) - futurisches Präsens, um zu betonen, dass das hier Prophezeite sicher feststeht (vgl. Smyth §1879; ad loc. Cranfield 1959; Kleist 1937; Marcus 2009). Zudem passivum divinum; sinngemäß also »wird [von Gott] in die Hände der Menschen ausgeliefert werden«; vgl. Dschulnigg 2007; Pesch 1977; Schenke 2005.
  4. nachdem (obwohl) - beide Deutungen des Partizips sind möglich; »nachdem« z.B. Gnilka 1979; Marcus 2009; Schenke 2005; »obwohl« Camacho/Mateos 1994; Kleist 1937. Beides trifft die gern gewählte Übersetzung »drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen«
  5. Matthäus 16,21; Matthäus 20,18; Markus 8,31; Markus 10,33; Markus 14,21; Markus 14,41; Lukas 18,31; Johannes 3,14

32 Sie verstanden das Wort (diesen Ausspruch) jedoch nicht, und 1 sie fürchteten sich, ihn zu fragen. 2

Original Greek

οἱhoi<the>G3588T-NPM
δὲdeAndG1161CONJ
ἠγνόουνēgnoounthey were not understandingG0050V-IAI-3P
τὸtotheG3588T-ASN
ῥῆμαrhēmadeclarationG4487N-ASN
καὶkaiandG2532CONJ
ἐφοβοῦντοephobountothey were afraidG5399V-INI-3P
αὐτὸνautonHimG0846P-ASM
ἐπερωτῆσαι.¶eperōtēsaito ask.G1905V-AAN
  1. und - vielleicht besser: Deutung als καὶ zur Markierung schwacher Gegensätzlichkeit (so auch Reiser 1983, S. 115); dann: „Sie verstanden diesen Ausspruch nicht, fürchteten sich aber,...“
  2. Markus 7,18; Markus 8,17; Markus 9,10; Lukas 2,50; Lukas 9,45; Johannes 16,18

33 Sie kamen nach Kafarnaum. Als er im Haus war (ankam), 1 fragte er sie: „Worüber (Was) habt ihr auf dem Weg (unterwegs) diskutiert (überlegt)?“

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
ἦλθονēlthonthey cameG2064V-2AAI-3P
εἰςeistoG1519PREP
Καφαρναούμ·KapharnaoumCapernaum;G2584N-ASF-L
καὶkaiAndG2532CONJ
ἐνeninG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
οἰκίᾳoikiahouseG3614GN-DSF
γενόμενοςgenomenoshaving beenG1096V-2ADP-NSM
ἐπηρώταepērōtaHe was askingG1905V-IAI-3S
αὐτούς·autousthem;G0846P-APM
τίtiWhatG5101I-ASN
ἐνenonG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ὁδῷhodōwayG3598N-DSF
πρὸςprostoG4314PREP
ἑαυτοὺςhe'autousyourselvesG1438F-2APM
διελογίζεσθε;dielogizesthewere you discussing?G1260V-INI-2P
  1. war - nicht: „ankam“; γίνομαι als Ersatz von εἶναι - vgl. Louw/Nida 85.6: „to be in a place, with the possible implecation of having come to be in such a place“. Auch hier dient die Erwähnung des nicht näher spezifischen Hauses nur der Verdichtung des Motivs der Privatoffenbarung an die Jünger (wie oft in Mk).

34 Sie aber schwiegen, denn sie hatten auf dem Weg (unterwegs) miteinander [darüber] diskutiert, wer der Größte (größer) 1 [sei]. 2

Original Greek

οἱhoi<the>G3588T-NPM
δὲdeAndG1161CONJ
ἐσιώπων·esiōpōnthey were silent;G4623V-IAI-3P
πρὸςproswithG4314PREP
ἀλλήλουςallēlousone anotherG0240C-APM
γὰρgarforG1063CONJ
διελέχθησανdielechthēsanthey had been discussingG1256V-AOI-3P
ἐνenalongG1722PREP
τῇtēatheG3588T-DSF
ὁδῷhodōroadG3598N-DSF
τίςtiswhich [was]G5101I-NSM
μείζων.¶meizōngreatest.G3173A-NSM-C
  1. der Größte (größer) - Komparativ als Superlativ; vgl. Cranfield 1959, S. 307.
  2. Matthäus 18,1

35 Da setzte er sich, rief (wandte sich an) die Zwölf und sagte zu ihnen: 1 „Wenn jemand der Erste sein will, wird (muss) 2 er der Letzte von Allen und der Diener von Allen sein.“ 3

Original Greek

ΚαὶKaiAndG2532CONJ
καθίσαςkathisashaving sat downG2523V-AAP-NSM
ἐφώνησενephōnēsenHe calledG5455V-AAI-3S
τοὺςtoustheG3588T-APM
δώδεκαdōdekaTwelveG1427A-NUI
καὶkaiandG2532CONJ
λέγειlegeiHe saysG3004GV-PAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
εἴeiIfG1487GCOND
τιςtisanyoneG5100X-NSM
θέλειtheleidesiresG2309V-PAI-3S
πρῶτοςprōtosfirstG4413GA-NSM
εἶναι,einaito be,G1511V-PAN
ἔσταιestaihe will beG1510V-FDI-3S
πάντωνpantōnof allG3956A-GPM
ἔσχατοςeschatoslastG2078A-NSM
καὶkaiandG2532CONJ
πάντωνpantōnof allG3956A-GPM
διάκονος.diakonosservant.G1249N-NSM
  1. rief (wandte sich an) die Zwölf und sagte zu ihnen - Offensichtlich sind die Zwölf bereits bei ihm; eine Übersetzung mit „rufen“ macht daher keinen Sinn. ἐφώνησεν meint hier „sich wenden an“; s. Pape 1322; Thayer; ad loc. auch Cranfield 1959, S. 307f. Daher: „Da setzte er sich und wandte sich an die Zwölf und sagte:...“
  2. wird (soll) - modales Futur; vgl. Smyth 1910a; Zerwick §94; ad loc. auch Grosvenor/Zerwick; Kleist 1937; Marcus 2009. So fast alle Üss. Theoretisch wäre die futurische Übersetzung aber genau so möglich; »Wenn jemand der Erste sein will, wird er der Letzte von Allen und der Diener von Allen sein« hieße dann etwa »Wer hoch hinaus will, wird tief fallen«. Zur modalen Deutung vgl. die Parallelstellen, zur futurischen Spr 29,23; Mt 23,11f; Lk 14,11; 18,14
  3. Matthäus 11,11; Matthäus 20,26; Markus 10,43; Römer 12,10; Philipper 2,3

36 Und er nahm 1 ein Kind, stellte es in ihre Mitte, umarmte es und sagte zu ihnen: 2

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
λαβὼνlabōnhaving takenG2983V-2AAP-NSM
παιδίονpaidiona childG3813N-ASN
ἔστησενestēsenHe setG2476V-2AAI-3S
αὐτὸautoitG0846P-ASN
ἐνeninG1722PREP
μέσῳmesōmidstG3319A-DSN
αὐτῶν,autōnof them,G0846P-GPM
καὶkaiandG2532CONJ
ἐναγκαλισάμενοςenagkalisamenoshaving taken in [His] armsG1723V-ADP-NSM
αὐτὸautoitG0846P-ASN
εἶπενeipenHe saidG2036V-2AAI-3S
αὐτοῖς·autoisto them;G0846P-DPM
  1. Er nahm ein Kind, stelltes es in ihre Mitte, nahm es in die Arme - Was macht Jesus hier mit dem Kind? Wörtlich übersetzt klingt der Text so, als stünde im Haus irgendwo ein Kind herum. Das „nimmt“ Jesus, „stellt es“ in der Mitte der Jünger wieder „ab“' nur, um es direkt darauf wieder zu sich heranzuziehen, um es „in die Arme zu schließen“. „Das arme Kind“, möchte man beinahe sagen - fast schon eine kleine Achterbahnfahrt, die es da mitmacht. Vermutlich darf man dies nahm und umarmte aber nicht (nur) wörtlich verstehen, sondern es ist dies eine „Handlungsmetapher“: Jemanden „nehmen und umarmen“ sind symbolische Handlungen, mit der (quasi-)verwandschaftliche Verhältnisse bestätigt oder sogar geschaffen werden (z.B. als Adoptionsvorgang); vgl. Derrett 1983; Grassi 1992; Marcus 2009. Zu „nehmen“ vgl. z.B. Ex 2,9 (auch: LXX); zu „umarmen“ Gen 29,13; 33,4. Diese Adoptionssymbolik ist wohl auch hier im Blick; s. den nächsten Vers.
  2. Markus 10,16

37 „Wer eines von solchen Kindern (ein solches Kind) in meinem Namen (mir zuliebe, um meinetwillen) 1 aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern (vielmehr) 2 den, der mich gesandt hat.“ 3

Original Greek

ὃςhosWho[ever]G3739R-NSM
ἂνanmaybeG0302PRT
ἓνhenoneG1520A-ASN
τῶνtōn<the>G3588T-GPN
τοιούτωνtoioutōnof suchG5108D-GPN
παιδίωνpaidiōnlittle childrenG3813N-GPN
δέξηταιdexētaishall receiveG1209V-ADS-3S
ἐπὶepiinG1909PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὀνόματίonomatinameG3686N-DSN
μου,mouof Me,G3165P-1GS
ἐμὲemeMe myselfG1473P-1AS
δέχεται·dechetaireceives;G1209V-PNI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
ὃςhoswho[ever]G3739R-NSM
ἂνanmaybeG0302PRT
ἐμὲemeMe myselfG1473P-1AS
δέχηται,dechētaishall receive,G1209V-PNS-3S
οὐκouknotG3756PRT-N
ἐμὲemeMe myselfG1473P-1AS
δέχεταιdechetaireceivesG1209V-PNI-3S
ἀλλὰallabutG0235CONJ
τὸνtonthe [One]G3588T-ASM
ἀποστείλαντάaposteilantahaving sentG0649V-AAP-ASM
με.¶meMe.G3165P-1AS
  1. in meinem Namen (mir zuliebe, um meinetwillen) - vgl. dazu Heitmüller 1903, S. 50, der Beispiele für dieses Idiom in Demosthenes, Isaeus, Josephus, Lukian, Demosthenes und Dio Cassius bringt und kommentiert mit: »An diesen Stellen giebt unsere Formel den Titel, die Kategorie, den Grund bzw. Vorwand an, unter dem, mit Bezug auf den dies oder das geschieht.« Viel besser als die wörtliche Übersetzung daher B/N, NGÜ, NL: »um meinetwillen«; HfA, KAM: »Mir zuliebe«. Vgl. auch Grosvenor/Zerwick: »for my sake, out of devotion to me«.
  2. nicht mich, sondern (vielmehr) den - vgl. dazu Zerwick §445; ad loc. Grosvenor/Zerwick: »nicht A, sondern B« ist nach Zerwick ein Idiom, das die Betonung auf B legt: »viel mehr B als A«. Ich denke aber, dass dieses Idiom hier nicht zur Anwendung kommt; es ist hier ja keine Frage von »X mehr als Y«, sondern »X statt Y« oder genauer »X gleichzeitig mit Y«. Den Sinn trifft eher: »Wer ein solches Kind aufnimmt, nimmt damit gleichzeitig mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt damit gleichzeitig Gott auf.« - aber in der wörtlichen Übersetzung im Fließtext ist das wohl erkennbar genug.
  3. Matthäus 10,40; Matthäus 25,40; Lukas 9,48; Lukas 10,16; Johannes 5,23; Johannes 12,44; 1 Thessalonicher 4,8

38 Johannes sagte zu ihm: „Lehrer, wir haben gesehen, wie jemand Dämonen austrieb mit deinem Namen (und dabei deinen Namen verwendete). 1 Wir hinderten ihn daran (haben versucht, ihn daran hindern), 2 weil er uns nicht folgt (nicht zu uns gehört). 3“ 4

Original Greek

ἜφηEphēwas speakingG5346V-IAI-3S
δὲdenowG1161CONJ
αὐτῷautōto HimG0846P-DSM
ὁho<the>G3588T-NSM
Ἰωάννης·IōannēsJohn;G2491HN-NSM-P
λέγωνlegōnsayingG3004GV-PAP-NSM
διδάσκαλε,didaskaleTeacher,G1320N-VSM-T
εἴδομένeidomenwe sawG1492HV-2AAI-1P
τιναtinasomeoneG5100X-ASM
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὀνόματίonomatinameG3686N-DSN
σουsouof YouG4771P-2GS
ἐκβάλλονταekballontacasting outG1544V-PAP-ASM
δαιμόνιαdaimoniademonsG1140N-APN
ὃςhoswhoG3739R-NSM
οὐκouknotG3756PRT-N
ἀκολουθεῖakoloutheifollowsG0190V-PAI-3S
ἡμῖνhēminto usG3165P-1DP
καὶkaiandG2532CONJ
ἐκωλύομενekōluomenwe were forbiddingG2967V-IAI-1P
αὐτὸνautonhimG0846P-ASM
ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἠκολούθειēkoloutheihe was followingG0190V-IAI-3S
ἡμῖν.¶hēminus.G3165P-1DP
  1. mit deinem Namen (und dabei deinen Namen verwendete) - Hier sicher instrumentales ἐν; die Alternativübersetzung soll das deutlicher machen. Im antiken Israel war es üblich, den Namen von Göttern, Dämonen und Personen, denen eine enge Bindung zu Gott nachgesagt wurde, für Exorzismen zu verwenden. Besonders häufig wurde der Name Salomo gewählt, aber auch von Jesu Namen ist uns mehrfach überliefert, dass er in Exorzismen benutzt wurde (vgl. z.B. Apg 4,7-11.30). Daraus folgte nicht, dass diese Exorzisten auch Anhänger Jesu waren; vgl. z.B. Mt 7,22; Apg 19,13-17; auch in einigen heidnischen magischen Texten findet sich Jesu Name derart verwendet, s. PGM 3.420; 4.1233; 4.3020; 12.192; vgl. Marcus 2009 ad loc.. Dass der fremde Exorzist kein Jesusjünger ist, wird schon aus diesem Vers klar; dass er ihm ggü. nicht einmal wohlwollend eingestellt sein musste, V. 39; vgl. ebd.
  2. Wir hinderten ihn daran (haben versucht, ihn daran zu hindern; wollten ihn daran hindern) - hier sicher konatives Imperfekt, sonst machte Jesu Aufforderung in V. 39 nicht viel Sinn - der Schaden wäre schon angerichtet. Zum konativen Imperfekt vgl. BDR §326, Dana §177; ad loc. Cranfield 1959, S. 310, Grosvenor/Zerwick, Taylor 1979, S. 485; ähnlich Kleist 1937, S. 215; so auch viele Üss.
  3. weil er uns nicht folgt (nicht zu uns gehört) - sicher wollen die Jünger dem Exorzisten das nicht verbietet, weil er kein Anhänger der Jünger ist. ἀκολουθέω meint hier - wie schon Mk 8,34 (s. dort FN ba) - »zugehörig sein«; vgl. Pryke 1978, S. 41. Vielleicht hier gewählt wegen dem Gleichklang von wir wollten ihn daran hindern und [zu uns] gehört: ekolüomen - äkoluthei.
  4. Numeri 11,27

39 Jesus aber sagte: „Hindert ihn nicht [daran], denn es gibt niemanden, der Wunder mit meinem Namen 1 wirkt und schnell 2 schlecht von mir zu sprechen vermag (von mir sprechen kann). 3

Original Greek

ὉHo<the>G3588T-NSM
δὲdeAndG1161CONJ
ἸησοῦςIēsousJesusG2424GN-NSM-P
εἶπεν·eipensaid;G2036V-2AAI-3S
μὴmēNotG3361PRT-N
κωλύετεkōluetedo forbidG2967V-PAM-2P
αὐτόν·autonhim;G0846P-ASM
οὐδεὶςoudeisNo [one]G3762A-NSM
γάρgarforG1063CONJ
ἐστινestinthere isG1510V-PAI-3S
ὃςhoswhoG3739R-NSM
ποιήσειpoiēseiwill doG4160GV-FAI-3S
δύναμινdunamina work of powerG1411N-ASF
ἐπὶepiinG1909PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὀνόματίonomatinameG3686N-DSN
μουmouof MineG3165P-1GS
καὶkaiandG2532CONJ
δυνήσεταιdunēsetaiwill be ableG1410V-FDI-3S
ταχὺtachureadilyG5035ADV
κακολογῆσαίkakologēsaito speak evil ofG2551V-AAN
με.meMe.G3165P-1AS
  1. mit meinem Namen - ἐπὶ τῷ ὀνόματί verwendet wie oben ἐν τῷ ὀνόματί (s. FN cp); vgl. BDAG: »der Machttaten vollbringt, indem er meinen Namen nennt«. So auch viele Üss.
  2. schnell - Abwandlung eines jüdischen Sprichwortes; vgl. B/S I, S. 19; Dschulnigg 2007, S. 262; Pesch 197, S. 109. Eine Variante dieses Sprichworts lautet etwa: »Wem man Übles getan, dem tut man nicht so schnell Gutes; und wem man Gutes getan, dem tut man nicht so schnell Übles«. Hier entspricht ihm ungefähr das dänische Sprichwort »Man kann nicht gleichzeitig pusten und Mehl im Mund haben«: Wem die positive Nennung des Namens Jesu nutzt, wird ihn so bald nicht negativ verwenden. Übersetze vielleicht: »Hindert ihn nicht daran - wer mit meinem Namen Wunder tut, wird ihn nicht gleichzeitig schmähen.« Wenn der Sentenzen-charakter dieses abgewandelten Sprichworts in der LF noch besser herauskommen könnte, wäre das aber noch besser.
  3. schlecht von mir zu sprechen vermag (von mir sprechen kann) - δύναμαι vermögen verwendet als Hilfsverb, besser einfach »verfluchen kann«. Vgl. Turner 1927a, S. 355.

40 Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns 1 (steht über uns).“ 2

Original Greek

ὃςhosWho[ever]G3739R-NSM
γὰρgarforG1063CONJ
οὐκouknotG3756PRT-N
ἔστινestinisG1510V-PAI-3S
καθ᾽kath᾽againstG2596PREP
ἡμῶνhēmōnusG3165P-1GP
ὑπὲρhuperforG5228PREP
ἡμῶνhēmōnusG3165P-1GP
ἐστιν.estinis.G1510V-PAI-3S
  1. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns - auch dies ist ein Sprichwort; s. Cicero, Lig 11 (vgl. Cranfield 1959, S. 310).
  2. Matthäus 12,30; Lukas 11,23

41 1 „{Denn} 2 Wer euch [auch nur] 3 einen Becher Wasser zu trinken gibt, 4 weil (im Namen, dass) 5 ihr zu Christus gehört - Amen, ich sage euch 6 - der wird seinen Lohn nicht verlieren (wird ihn bekommen). 7

Original Greek

ὃςhosWho[ever]G3739R-NSM
γὰρgarforG1063CONJ
ἂνanmaybeG0302PRT
ποτίσῃpotisēmay give to drinkG4222V-AAS-3S
ὑμᾶςhumasyouG4771P-2AP
ποτήριονpotēriona cupG4221N-ASN
ὕδατοςhudatosof waterG5204N-GSN
ἐνeninG1722PREP
τῷtōtheG3588T-DSN
ὀνόματιonomatinameG3686N-DSN
μουmouof meG3165P-1GS
ὅτιhotibecauseG3754HCONJ
ΧριστοῦChristouof Christ’sG5547N-GSM-T
ἐστε,esteyou are,G1510V-PAI-2P
ἀμὴνamēnAmenG0281INJ-HEB
λέγωlegōI sayG3004GV-PAI-1S
ὑμῖνhuminto youG4771P-2DP
ὅτιhotithatG3754GCONJ
οὐoucertainlyG3756PRT-N
μὴmēnotG3361PRT-N
ἀπολέσῃapolesēmay loseG0622V-AAS-3S
τὸνtontheG3588T-ASM
μισθὸνmisthonrewardG3408N-ASM
αὐτοῦ.autouof him.G0846P-GSM
  1. Zur Strukturellen Zuordnung von Vv. 41f siehe Kommentar.
  2. Denn - γάρ denn muss nicht immer eine Begründung für vorangehende Textteile einleiten, sondern kann auch einfach einen neuen Textabschnitt markieren (vgl. z.B. Smyth §2808; Kleist 1932, S. 164f.; ad loc. Kleist 1937, S. 215). Von dieser zweiten Verwendung ist schon länger der Spezialfall bekannt, dass Mk γάρ gelegentlich auch nur verwendet, um in einer Spruchsammlung einzelne Sprüche voneinander abzugrenzen (also exakt das, was wir in Mk 9 vermutlich vor uns haben, s. den Kommentar); vgl. Pryke 1978, S. 128.
  3. [auch nur] - »einen Becher Wasser zu trinken geben« ist das geringste Werk der Gastfreundschaft (Pesch 1977, S. 110); es wird hier für die sprichwörtlich kleinstmögliche gute Tat verwendet - daher »[auch nur]«.
  4. einen Becher Wasser zu trinken gibt - im Griechischen figura etymologica: ποτίσῃ ποτήριον [Wer euch] tränkt mit einem Trunk (»Trunk« aber w. »Becher«).
  5. weil (im Namen, dass) - W. »im Namen, dass«, aber gr. Idiom für »weil«; vgl. BDAG, Heitmüller 1903, S. 48.50; ad loc. Cranfield 1959, S. 312; Grosvenor/Zerwick; Taylor 1979, S. 486. So auch viele Üss. Allerdings seltenes Idiom; daher die Varianten.
  6. Amen, ich sage euch - nicht-responsives °Amen°. Zusammen mit der Konstruktion οὐ μὴ + Partizip Aorist - der stärkstmöglichen Verneinung zukünftiger Geschehnisse im Griechischen (Wallace, S. 468) - in »wird nicht verlieren« markiert dies den hierigen Spruch als autoritativ ausgesprochene, absolut gültige Heilszusage.
  7. wird seinen Lohn nicht verlieren (wird ihn bekommen) - ἀπόλλυμι meint nicht nur »verlieren«, sondern auch »nicht bekommen« (vgl. Louw/Nida 57.67). Das ist hier - in einer Heilszusage - sinnvoller, denn »der wird seinen Lohn nicht verlieren« würde implizieren, dass er den Lohn bereits erhalten hat. »Nicht nicht-bekommen« ist damit eine Art doppelte Verneinung, die stärker ist als eine bloße Bejahung und so zusammenwirkt mit dem »Amen, ich sage euch« und der Konstruktion οὐ μὴ + Partizip Aorist (s. letzte Fußnote).

42 Wer aber (und) 1 [auch nur] einen dieser Kleinen (einen der Geringen), 2 die an mich ({an mich}) glauben, ärgert (vom Glauben abbringt) 3 - für den ist (wäre) 4 es gut (besser), 5 wenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde. 6“ 7

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ὃςhoswho[ever]G3739R-NSM
ἂνanmaybeG0302PRT
σκανδαλίσῃskandalisēshall cause to stumbleG4624V-AAS-3S
ἕναhenaoneG1520A-ASM
τῶνtōnof theG3588T-GPM
μικρῶνmikrōnlittle onesG3398A-GPM
τούτωνtoutōntheseG3778D-GPM
τῶνtōnwhoG3588T-GPM
πιστευόντωνpisteuontōnare believingG4100V-PAP-GPM
εἰςeisinG1519PREP
ἐμέ,emeMe myself,G1473P-1AS
καλόνkalonbetterG2570GA-NSN
ἐστινestinit isG1510V-PAI-3S
αὐτῷautōfor himG0846P-DSM
μᾶλλονmallonratherG3123HADV
εἰeiifG1487GCOND
περίκειταιperikeitaiis putG4029V-PNI-3S
μύλοςmulosa millstoneG3458N-NSM
ὀνικὸςonikosheavyG3684A-NSM
περὶperiaroundG4012PREP
τὸνtontheG3588T-ASM
τράχηλονtrachēlonneckG5137N-ASM
αὐτοῦautouof himG0846P-GSM
καὶkaiandG2532CONJ
βέβληταιbeblētaihe has been castG0906GV-RPI-3S
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
θάλασσαν.thalassansea.G2281N-ASF
  1. aber (und) - »und« zur Verknüpfung von Gegensätzen.
  2. einen dieser Kleinen (einen der Geringen) - Auf wen »diese Kleinen« verweist, ist in der Exegese umstritten. Einige denken, dass es sich bei »diesen Kleinen« um eine Ehrenbezeichnung Jesu für die Jünger handle (s. z.B. Jeremias 1971, S. 113 zu dieser Stelle; Mt 10,42; 18,10.14; 25,40.45). Das ist mindestens schwierig. Mt 18,10.14 verweist es zweifellos auf Kinder; vgl. Mt 18,5f (also die Parallelstelle von Mk 9,42). Und Mt 25,40.45 ist nicht von »einem dieser Kleinen« die Rede, sondern von »einem meiner kleinsten Brüder« und die Referenz wird weiter dadurch aufgeklärt, dass diese als hungernde, dürstende, obdachlose, nackte, kranke und gefangene Menschen näher bestimmt werden - man kann diese Stelle also nicht ohne Weiteres mit Mk 9,42 par. parallelisieren. Bleiben Mt 10,42 und Mk 9,42. Auch an unserer Stelle deckt sich ἕνα τῶν μικρῶν einer dieser Kleinen nicht mit ὑμᾶς euch (3. Pers. vs. 2. Pers., außerdem werden die beiden Gruppen »diese Kleinen« und »ihr« hier ja offensichtlich miteinander kontrastiert). Zudem kann das Demonstrativpronomen »dies« in »dieser Kleinen« nur meinen »solche Kinder wie das, von dem ich in Vv. 33-37 geredet habe« - wenn man es nicht (wie z.B. Pesch 1977, S. 92) als (bedeutungsloses) redundantes Pronomen deutet (ein Aramäismus; vgl. Dalman 1905, S. 113f; Torrey 1933, S. 290 zu Mt 5,19 - mit dieser Verwendung dürfte man vielleicht auch die Textvarianten erklären können, in denen das Demonstrativpronomen fehlt). Man wird daher hier besser davon ausgehen müssen, dass »diese Kleinen« wieder die Kinder meint (so z.B. auch Collins 2007, S. 450, Evans 2001, S. 70; Gundry 1993, S. 512.524, van Iersel 1998, S. 312f; gut auch Loader 2012, S. 121f.), was noch wahrscheinlicher wird, wenn man (wie viele) davon ausgeht, dass entweder Vv. 41f oder nur Vv. 42 ursprünglich direkt an V. 37 angeschlossen haben.
  3. ärgert (vom Glauben abbringt) - σκανδαλίζω kann sowohl »vom Glauben abbringen« meinen als auch »ärgern« (außerdem »zur Sünde verführen«, aber das ist hier sehr wahrscheinlich nicht im Blick). Liest man - wie wir, vgl. wieder den Kommentar - Vv.41-42 als zusammenhängend und berücksichtigt die parallele Struktur der beiden Verse, erkennt man, dass ὃς ἂν σκανδαλίσῃ Wer [auch nur einen dieser Kleinen] ärgert/vom Glauben abbringt parallel ist zu ὃς ἂν ποτίσῃ ὑμᾶς ποτήριον ὕδατος Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt. σκανδαλίζω wird also mit der »sprichwörtlich kleinstmöglichen guten Tat« parallelisiert. Entweder, man geht davon aus, dass dies nichts bedeutet, lässt sich deshalb in der Deutung von σκανδαλίζω leiten von dem »die Kleinen, die glauben« und übersetzt daher »vom Glauben abbringt«. So z.B. BB, GN, HfA, KAM, LUT, NL. Oder aber man hält Vv. 41f für eine Art »verdrehtes argumentum a maiore ad minus«: Kinder werden in der Antike allgemein - und auch im NT - eher mit Niedrigkeit und Schwachheit konnotiert (vgl. z.B. Aasgaard 2006; Grassi 1992). Erst recht solche, die »aufgenommen« werden müssen, also Waisenkinder: Sie gehören zu den schwächsten Gliedern der Gesellschaft und stehen so sozial weit unter den Jüngern. In den Vv. 33-37 nimmt aber Jesus eine seiner häufigen »Umwertungen der Werte« vor: Wer von den Jüngern der Erste sein will, soll der Diener aller sein - selbst »solchen Kindern« sollen sie dienen (Vv. 36f). In Vv. 41f wird diese Umwertung wieder aufgegriffen: Wer den Jüngern eine kleine Wohltat erweist, wird seinen Lohn erhalten (V. 41). Wer aber ein solches Kind »ärgert« - d.h., ihm eine kleine Übeltat erweist - für den wäre es besser..., und es folgt die Beschreibung einer der grausamstmöglichen Strafen der Antike (s.u.). Heißt: Handlungen an christusgläubigen Kindern wiegen schwerer als an den christusgläubigen Jüngern: Wenn schon denen, die an den Jüngern handeln, vergolten wird - um wieviel mehr wird dann erst denen vergolten werden, die an Kindern handeln (ähnlich analysiert Stein 2008, S. 447). Dieses argumentum a maiore ad minus funktioniert gerade deshalb - ist gerade deshalb so überraschend und radikal - weil in der opinio communis die Verhältnisse eigentlich umgekehrt sind. Lässt man sich von dieser Deutung leiten, sollte man übersetzen mit »ärgern«; so z.B. BEN, ELB, FREE, Gnilka 1979, H-R, KNO, Marcus 2009, MEISTER, MEN, MNT, PAT, TAF, TEXT. Seit Deming 1990 glauben außerdem einige, dass sich das σκανδαλίζω auf sexuelle Vergehen gegenüber Kindern bezieht, und es ist dies vermutlich auch möglich, wenn man V. 42 isoliert liest - im aktuellen Kontext macht es aber nicht viel Sinn. Ich persönlich würde durchaus Deutung 2 den Vorzug geben und habe sie daher auch als Primärübersetzung angegeben, weil sie den Text kohärenter sein lässt; davon abgesehen spricht aber nicht viel gegen Deutung 1.
  4. ist (wäre) - modales Indikativ; vgl. Kleist 1937, S. 216. So fast alle Üss.
  5. gut (besser) - sicher Positiv als Komparativ; vgl. Zerwick §145. So auch alle Üss. Kein Semitismus; vgl. z.B. Herodot IX.26.7; auch BDR §245.
  6. wenn ein Eselsmühlstein um seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde - Die Hinrichtungsart, die hier beschrieben wird, nennt sich »Katapontismus«; sie ist in der Antike v.a. deshalb gefürchtet, weil sie dem Toten die Bestattung verwehren sollte (vgl. Pauly X,2, Sp. 2480-2482; ad loc. gut Pesch 1977, S. 114). Derrett 1985 denkt hier an ein Wortspiel: Nicht nur die durch Katapontismos hingerichteten wurden im Alten Israel nicht begraben, sondern auch Esel (vgl. z.B. TDOT IV, S. 469 - daher in Jer 22,19 auch die Rede vom »Eselsbegräbnis« i.S.v. »gar kein Begräbnis«). Wenn also jemand gerade mit einem Eselsmühlstein um den Hals ins Meer geworfen wird, unterstreicht das noch mal den »Eselsbegräbnis-charakter« des Katapontismos. Dem folgend hält es auch Henderson 2001, S. 49 für eine weitere - diesmal aber missglückte - Abwandlung einer jüdischen Redensart.
  7. Matthäus 25,40; Matthäus 26,24

43 „{Und} Wenn deine Hand dich zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt), 1 hau sie ab! [Denn] 2 es ist gut (besser), dass du verstümmelt in das Leben 3 eingehst, als die zwei Hände habend (mit beiden Händen) in die Gehenna (Hölle) 4 einzugehen (geworfen zu werden): 5 in das unauslöschliche Feuer, 6 7

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
σκανδαλίζῃskandalizēshall cause to stumbleG4624V-PAS-3S
σεseyouG4771P-2AS
ἡhētheG3588T-NSF
χείρcheirhandG5495N-NSF
σου,souof you,G4771P-2GS
ἀπόκοψονapokopsondo cut offG0609V-AAM-2S
αὐτήν·autēnit;G0846P-ASF
καλόνkalonbetterG2570GA-NSN
ἐστίνestinit isG1510V-PAI-3S
σεsefor youG4771P-2AS
κυλλὸνkulloncrippledG2948A-ASM
εἰσελθεῖνeiseltheinto enterG1525V-2AAN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ζωὴνzōēnlifeG2222N-ASF
ἢēthanG2228CONJ
τὰςtas<the>G3588T-APF
δύοduotwoG1417A-NUI
χεῖραςcheirashandsG5495N-APF
ἔχονταechontahavingG2192V-PAP-ASM
ἀπελθεῖνapeltheinto go awayG0565V-2AAN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
γέεννανgeennanhellG1067N-ASF-T
εἰςeisintoG1519PREP
τὸtotheG3588T-ASN
πῦρpurfireG4442N-ASN
τὸto<the>G3588T-ASN
ἄσβεστον.asbestonunquenchable.G0762A-ASN
  1. zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt) - auch die Deutung von Vv. 43.45.47 hängt davon ab, wie man Vv. 42 zuordnet. Geht man davon aus, dass die Verse mit V. 42 zusammengehören, ist wahrscheinlich, dass σκανδαλίζω in allen vier Versen das selbe meint; dann wäre in allen vier Versen am Wahrscheinlichsten: »vom Glauben abbringt«. Die drei Verse sind aber ws. unabhängig von V. 42 zu lesen (s. den Kommentar). Dann ist unser wichtigstes Indiz für die Deutung von σκανδαλίζω, dass es dasjenige ist, wegen dem man »in die Gehenna geworfen wird«, also sehr wahrscheinlich »zur Sünde verführt«. Deutung als konatives Präsens (»verführen will«) gut nach Grosvenor/Zerwick: Das Abhauen soll gerade verhindern, dass der Plan der Hand/des Fußes/des Auges gelingt, das zur-Sünde-verführt-Werden ist also noch nicht Realität. Wegen den Subjekten Hand, Fuß und Auge aber wohl besser »zur Sünde zu verführen droht«.
  2. [Denn] - Asyndese zum Ausdruck kausaler Verhältnisse, so gut Reiser 1983, S. 143.
  3. Leben wird hier als Wechselbegriff für das »Reich Gottes« verwendet; so eigtl. alle. »Reich Gottes« steht ja denn auch statt »Leben« in V. 47.
  4. Gehenna (Hölle) - »Gehenna « war ursprünglich eine griechische Ortsbezeichnung für das Hinnomtal (גֵּי הִנּׂם gê hinnom) im Süden Jerusalems. Wohl, weil (s. 2Kön 16,3; 21,6) dort unter Ahas und Manasse Kinder geopfert wurden, wurde es nach und nach mythisiert, bis »Gehenna« als Wechselbegriff für die Feuerhölle verwendet werden konnte.
  5. einzugehen (geworfen zu werden) - ähnlich wie in V. 29 fungiert hier das Aktiv ἀπελθεῖν wie das Passiv βληθῆναι geworfen werden (s. V. 46; vgl. Smyth §1752; ad loc. Grosvenor/Zerwick; Kleist 1937, S. 216). Hier deshalb, weil so das Eingehen ins Leben (εἰσελθεῖν) sprachlich parallel laufen kann mit dem Geworfen-Werden in die Gehenna (ἀπελθεῖν). In V. 45 dagegen steht merkwürdigerweise überall βληθῆναι, und, noch verrückter, auch in fast allen Mss. in V. 47; einige wenige aber ändern hier (nicht aber in V. 45!) wieder zu ἀπελθεῖν.
  6. in die Gehenna, in das unauslöschliche Feuer - wahrscheinlich: deskriptive Apposition (vgl. Smyth §987; Wallace, S. 48): »ins unauslöschliche Feuer der Gehenna«. Ähnlich Kleist 1937, S. 216; so gut auch HfA, KAM, NL. Hier würde diese Übersetzung aber den Parallelismus von Vv. 43.45.47 zerstören, so dass man wohl bei der (etwas unschönen?) appositiven Übersetzung bleiben muss.
  7. Jesaja 33,14; Matthäus 3,12; Matthäus 25,41; Offenbarung 14,10; Offenbarung 20,15; Offenbarung 21,8

44 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. 1

Original Greek

ὅπουhopouwhereG3699CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
σκώληξskōlēxwormG4663N-NSM
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
οὐounotG3756PRT-N
τελευτᾷteleutadiesG5053V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
τὸto<the>G3588T-ASN
πῦρpurfireG4442N-ASN
οὐounotG3756PRT-N
σβέννυταιsbennutaiis quenchedG4570V-PPI-3S
  1. Textkritik: Vv. 44.46 sind eine Doppelung von V. 48 und fehlen in einigen wichtigen Mss.; daher werden sie heute fast einheitlich als sekundär erklärt.

45 Und wenn dein Fuß dich zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt), dann hau ihn ab! [Denn] es ist gut (besser), dass du lahm in das Leben eingehst, als die zwei Füße habend (mit beiden Füßen) in die Gehenna (Hölle) geworfen zu werden,

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
ὁhotheG3588T-NSM
πούςpousfootG4228N-NSM
σουsouof youG4771P-2GS
σκανδαλίζῃskandalizēshall cause to stumbleG4624V-PAS-3S
σε,seyou,G4771P-2AS
ἀπόκοψονapokopsondo cut offG0609V-AAM-2S
αὐτόν·autonit;G0846P-ASM
καλόνkalonbetterG2570GA-NSN
ἐστίνestinit isG1510V-PAI-3S
σεsefor youG4771P-2AS
εἰσελθεῖνeiseltheinto enterG1525V-2AAN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
ζωὴνzōēnlifeG2222N-ASF
χωλὸνchōlonlameG5560A-ASM
ἢēthanG2228CONJ
τοὺςtoustheG3588T-APM
δύοduotwoG1417A-NUI
πόδαςpodasfeetG4228N-APM
ἔχονταechontahavingG2192V-PAP-ASM
βληθῆναιblēthēnaito be castG0906GV-APN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēn<the>G3588T-ASF
γέεννανgeennanhellG1067N-ASF-T
εἰςeisintoG1519PREP
τὸto<the>G3588T-ASN
πῦρpurfireG4442N-ASN
τὸto<the>G3588T-ASN
ἄσβεστον.asbestonunquenchable.G0762A-ASN

46 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

Original Greek

ὅπουhopouwhereG3699CONJ
ὁhotheG3588T-NSM
σκώληξskōlēxwormG4663N-NSM
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
οὐounotG3756PRT-N
τελευτᾷteleutadiesG5053V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
τὸto<the>G3588T-NSN
πῦρpurfireG4442N-NSN
οὐounotG3756PRT-N
σβέννυται.sbennutaiis quenched.G4570V-PPI-3S

47 Und wenn dein Auge dich zur Sünde verführen will (zur Sünde verführt, ärgert, vom Glauben abbringt), reiß es aus! [Denn] es ist gut (besser), dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als zwei Augen habend (mit zwei Augen) in die Gehenna (Hölle) geworfen zu werden,

Original Greek

καὶkaiAndG2532CONJ
ἐὰνeanifG1437COND
ὁhotheG3588T-NSM
ὀφθαλμόςophthalmoseyeG3788N-NSM
σουsouof youG4771P-2GS
σκανδαλίζῃskandalizēshall cause to stumbleG4624V-PAS-3S
σε,seyou,G4771P-2AS
ἔκβαλεekbaledo cast outG1544V-2AAM-2S
αὐτόν·autonit;G0846P-ASM
καλόνkalonbetterG2570GA-NSN
σέsefor youG4771P-2AS
ἐστινestinit isG1510V-PAI-3S
μονόφθαλμονmonophthalmonwith one eyeG3442A-ASM
εἰσελθεῖνeiseltheinto enterG1525V-2AAN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
βασιλείανbasileiankingdomG0932N-ASF
τοῦtou<the>G3588T-GSM
θεοῦtheouof GodG2316N-GSM-T
ἢēthanG2228CONJ
δύοduotwoG1417A-NUI
ὀφθαλμοὺςophthalmouseyesG3788N-APM
ἔχονταechontahavingG2192V-PAP-ASM
βληθῆναιblēthēnaito be castG0906GV-APN
εἰςeisintoG1519PREP
τὴνtēntheG3588T-ASF
γέεννανgeennanhellG1067N-ASF-T
τοῦtouof theG3588T-GSN
πυρόςpurosfireG4442N-GSN

48 'wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt'. 1 2

Original Greek

ὅπουhopouwhereG3699PREP
ὁhotheG3588T-NSM
σκώληξskōlēxwormG4663N-NSM
αὐτῶνautōnof themG0846P-GPM
οὐounotG3756PRT-N
τελευτᾷteleutadiesG5053V-PAI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
πῦρpurfireG4442N-NSN
οὐounotG3756PRT-N
σβέννυται.sbennutaiis quenched.’G4570V-PPI-3S
  1. wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. - Mit diesem Zitat von Jes 66,24 endet die Spruchtrias Vv. 43.45.47. Jes 66,24 lautet: »Sie werden hinausgehen und auf die Leichen der mir untreuen/gegen mich sündigenden Menschen sehen, denn ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht verlöschen [...].« In vielen Kommentaren wird auch dies ins Hinnomtal lokalisiert, weil der Ort, von dem »sie« »hinausgehen« werden, Jerusalem ist; »ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht verlöschen« dient also bereits dort zur Charakterisierung der Strafe, die Apostaten/Sünder in der Feuerhölle Gehenna zu ertragen haben werden. Ähnlich Sir 7,17 LXX: »Die Strafe des Gottfernen ist Feuer und Wurm.«; Jdth 16,17 »Am Tag des Gerichts straft sie der allmächtige Herr, er schickt Feuer und Würmer in ihr Gebein; in Ewigkeit sollen sie heulen vor Schmerzen« (EÜ). Der Wurm symbolisiert dabei vermutlich die ewigwährende Verwesung (so z.B. Gnilka 1979, S. 65; Pesch 1977, S. 115). Marcus 2009 fühlt sich dabei mit Dale Allison an Prometheus erinnert, dem Tag auf Tag bei lebendigen Leibe ein Adler die Leber aus dem Leib frisst, die über Nacht stets wieder nachwächst. Das ist natürlich Eisegese, aber ich finde sie hier ziemlich passend.
  2. Römer 8,13; 1 Korinther 9,27; Galater 5,24; Kolosser 3,5; Titus 2,12

49 {Denn} (Denn) 1 Jeder wird mit Feuer gesalzen werden. 2

Original Greek

πᾶςpasEveryoneG3956A-NSM
γὰρgarforG1063CONJ
πυρὶpuriwith fireG4442N-DSN
ἁλισθήσεταιhalisthēsetaiwill be saltedG0233V-FPI-3S
καὶkaiandG2532CONJ
πᾶσαpasaallG3956A-NSF
θυσίαthusiasacrificeG2378N-NSF
ἁλὶhaliwith saltG0251N-DSM
ἁλισθήσεται.halisthēsetaiwill be salted.G0233V-FPI-3S
  1. Denn (Denn) - Vv. 49f gehören sehr sicher nicht mit dem vorangehenden Abschnitt zusammen; gemeinsam ist ihnen nur das ominöse »Feuer«, dass hier aber nicht das obige Höllenfeuer meint, sondern etwas Gutes, das zum »Gesalzen-sein« führt. Zu denn siehe FN cx.
  2. Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden - einer der schwierigsten Verse im ganzen NT. Weil er »völliger Nonsens« (Torrey 1933, S. 302) ist, konnten Bratcher/Nida 1961, S. 304 schon 1961 über 15 verschiedene Deutungen dieses Verses zusammengetragen; mittlerweile sind noch mehr hinzugekommen. Selbst den alten Schreibern war der Sinn des Verses schon nicht mehr klar (vgl. Metzgers Referat der verschiedenen Textvarianten in Metzger 1994, S. 87). Ernst 1963, S. 284 denkt sogar, dass der Vers überhaupt keinen Sinn machen soll, sondern als »als schillernde[s] und vieldeutige[s] Rätselwort nur zum Nachdenken« anregen will. Heute sind vor allem zwei Erklärungsansätze verbreitet: (1) Der erste versucht, den Vers in der Form zu erklären, in der er überliefert ist. Am verbreitetsten ist die Variante dieses Ansatzes, den Vers mit Lev 2,13 (vielleicht besser: Ez 43,24) zusammenzulesen und in Zusammenhang zu bringen mit Feueropfern, die vor dem Entzündet-Werden gesalzen werden müssen. Das aber funktioniert nicht; die Crux am Vers ist ja gerade, dass (a) Menschen (b) mit Feuer gesalzen werden. In Lev 2 und Ez 43,24 ist zwar von Feuer und Salz die Rede, aber weder werden dort »Menschen« gesalzen, noch wird »mit Feuer« gesalzen. (2) Der zweite versucht, den Sinn des Verses durch eine Rückübersetzung ins Hebräische/Aramäische zu klären. Man rekonstruiert dabei entweder כִּי כָל אִיש בָּאֵש יָמְלָח denn jeder Mensch wird/muss im/mit Feuer gesalzen werden oder כִּי כָל בָּאֵש יָמְלָח denn jeder/alles wird/muss im/mit Feuer gesalzen werden. Zu den bekannteren Vorschlägen zählt dann (ich ordne an nach steigender Plausibilität): * Statt אִיש Mensch habe im Urtext ursprünglich אֵש Feuer gestanden: Jedes Feuer wird durch Feuer gesalzen werden (Chajes 1899, S. 53f.) - aber das ist ja noch sinnloser als der griechische Text. Trotzdem ist das offenbar der bekannteste Vorschlag dieser Art - wohl, weil er auch der erste dieser Art war. * Hebr. מלח salzen habe auch die Bedeutung zerstören - das ist allerdings mindestens zweifelhaft -: Alles wird durch Feuer zerstört werden. (Fields 1985, S. 302f.). Ähnlich Carmignac 1967, der מלח nicht als מלח II salzen, sd. מלח I auflösen (wie Rauch) deutet: Alles wird sich im Feuer auflösen (wie Rauch) (so kürzlich auch wieder Manns 1998, S. 130). * Baarda 1959 denkt bei der Rekonstruktion nicht an hebr. מלח salzen, sondern an aram תבל salzen, und schlägt vor, im ursprünglichen Text habe aber nicht תבל, sondern טבל taufen gestanden: Jeder wird im Feuer getauft werden (so auch kürzlich wieder Frayer-Griggs 2009). * Statt איש באש Mensch im/mit Feuer habe ursprünglich אשר יבאש gestanden: Alles, was verfault, wird gesalzen (Bergmann 1904, nach einem ähnlichen Vorschlag von Halévy 1903). Ähnlich schlägt Torrey 1933, S. 300 vor, בָּאֵש im/mit Feuer als das Partizip von aram באש verderben zu deuten: Alles Verderbliche wird gesalzen. Von diesen vier Vorschlägen ist der Beste zweifellos der von Torrey. Im Unterschied zur Standard-Deutung macht er außerdem Sinn, aber er ist in dem Maße Sondermeinung, dass wir uns dieser Deutung in der LF recht sicher nicht anschließen können. Wir werden daher wohl bei der rätselhaften Standard-übersetzung bleiben müssen.

50 Gut [ist] das Salz. 1 Aber wenn das Salz unsalzig (salzlos, geschmacklos) geworden ist - womit werdet (wollt) 2 ihr es würzen? Habt (teilt) Salz unter (in) 3 euch, und haltet [so] 4 untereinander Frieden!“ 5

Original Greek

καλὸνkalonGood [is]G2570GA-NSN
τὸtotheG3588T-NSN
ἅλας·halassalt;G0217N-NSN
ἐὰνeanifG1437COND
δὲdehoweverG1161CONJ
τὸtotheG3588T-NSN
ἅλαςhalassaltG0217N-NSN
ἄναλονanalonunsaltyG0358A-NSN
γένηται,genētaimay become,G1096V-2ADS-3S
ἐνenwithG1722PREP
τίνιtiniwhatG5101I-DSN
αὐτὸautoitG0846P-ASN
ἀρτύσετε;artusetewill you season?G0741V-FAI-2P
ἔχετεechetedo haveG2192V-PAM-2P
ἐνeninG1722PREP
ἑαυτοῖςhe'autoisyourselvesG1438F-2DPM
ἅλαhalasaltG0217N-ASN
καὶkaiandG2532CONJ
εἰρηνεύετεeirēneuetedo be at peaceG1514V-PAM-2P
ἐνenwithG1722PREP
ἀλλήλοις.¶allēloisone another.G0240C-DPM
  1. Gut [ist] das Salz - Adjektiv in Prädikatsstellung. Diese Konstruktion legt ein wenig mehr Betonung auf das Adjektiv als die häufigere »Das Salz [ist]/ist gut« (vgl. Smyth §1168a; Wallace, S. 307), ist aber dennoch oft - und wohl auch hier - einfach zu übersetzen mit »Salz ist gut« (so auch Wallace, S. 308).
  2. werdet (wollt) - wahrscheinlich deliberatives Futur, um die Frage als rhetorische Frage zu markieren (vgl. Dana/Mantey §178.4; Wallace, S. 570 u.ö.). »wollt« auch in vielen Üss.
  3. Habt (teilt) Salz unter (in) - Fast einheitlich: »Habt Salz in euch«, als sollte man Salz »in seinem Körper« haben. Wie merkwürdig der Satz ist, wird erst deutlich, wenn man es in einer etwas verfremdeten Form sieht: KAR: »In euch selber sollt ihr 'Salz' haben«. Kürzlich aber Lattke 1984, S. 54: »Habt (=teilt) unter euch Salz«. Das macht wesentlich mehr Sinn; vielleicht darf man hierbei sogar an eine Abwandlung des alten Sprichwortes (das schon bei Aristoteles, NE VIII.4 und Cicero, Laelius 19 (67) überliefert ist) denken, man kenne einander erst, wenn man einen Scheffel Salz miteinander gegessen habe. Ein Ausdruck gegenseitiger Liebe ist das gemeinsame Essen von Salz auch in Pseudo-Clemens Brief an Jakobus: »Denn ich weiß, dass ihr diese Dinge tun werdet, wenn ihr die Liebe in eurem Geist verfestigt, und als Einstieg gibt es da nur einen sinnvollen Weg: Das gemeinsame Essen von Salz.« (Ps.Clem., Ep.Jac. 9,1f)
  4. und haltet [so] - [so] gut nach Cranfield 1959, S. 317, der den ersten Imperativ als Bedingung für den zweiten liest.
  5. Römer 12,18; 2 Korinther 13,11; Kolosser 4,6; Hebräer 12,14