Chapter 5
1 Als er die Volksmenge sah, ging er auf die Bergeshöhe.1 Dort setzte er sich nieder,2 und seine Jünger3 traten zu ihm.
Original Greek
- Nördlich vom See Genezaret.
- Der jüdische Lehrer saß bei seinem Vortrage. Mt 13:1-2, Lu 4:20, Apg 16:13
- Vgl. Mt 4:25.
2 Da tat er seinen Mund auf und lehrte sie also:
Original Greek
3 "Selig sind1 die Armen im Geist!2 Denn das Königreich der Himmel ist ihr Teil.
Original Greek
- D.h. glücklich zu preisen sind.
- Arm im Geist (wörtl. Bettler am Geist) sind alle, die einen zerschlagenen Geist und ein zerbrochenes Herz haben, Jes 57:15, 61:1, 66:2, Ps 51:17 die im Bewußtsein ihrer geistlichen Leere, in der Überzeugung, daß sie in ihrem Geiste, d.h. in ihrem inneren Menschen, arm sind an allem, was Gott gefallen könnte, und durchdrungen von dem Gefühle ihrer Unwürdigkeit und Sündenschuld als Bettler vor Gottes Angesicht stehen. Arm im Geist waren der Zöllner Lu 18:13 und der Apostel Paulus. 1Kor 15:9, Eph 3:8, 1Ti 1:15 Diese Armut im Geiste ist der Beweis einer aufrichtigen Sinnesänderung. Mt 3:2, 4:17
4 Selig sind die Trauernden!1 Denn sie sollen getröstet werden.
Original Greek
- Jes 61:2, Ps 126:5. Es ist hier zu denken an die Trauer über die Sünde und ihre Macht und Folgen.
5 Selig sind die stillen Dulder! Denn ihr Erbteil soll die Erde sein.1
Original Greek
- Ps 37:11, Off 5:10.
6 Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit! Denn sie sollen gesättigt werden.
Original Greek
7 Selig sind die Barmherzigen! Denn ihnen soll Erbarmen widerfahren.
Original Greek
8 Selig sind, die reines Herzens sind!1 Denn sie sollen Gott schauen.
Original Greek
- Ps 24:4.
9 Selig sind die Friedenstifter! Denn sie sollen Söhne Gottes heißen.
Original Greek
10 Selig sind, die um Gerechtigkeit willen Verfolgung gelitten haben!1 Denn das Königreich der Himmel ist ihr Teil.2
Original Greek
- 1Pe 3:14, 4:14.
- Das Königreich der Himmel, von dem in V3 und 10 die Rede ist, schließt die V4-9 genannten Verheißungen in sich.
11 Selig seid ihr, wenn man euch schmähet und verfolgt und um meinetwillen lügnerisch allerlei Böses von euch redet.
Original Greek
12 Freuet euch darüber und jubelt, denn euer Lohn dafür ist groß im Himmel! Ebenso hat man ja die Propheten verfolgt, die vor euch lebten.
Original Greek
13 Ihr seid das Salz der Erde.1 Wird aber das Salz fade, womit soll man ihm die Salzkraft wiedergeben? Es hat dann weiter keinen Wert; man muß es wegwerfen und von den Leuten zertreten lassen.2
Original Greek
- Die Erde ist die Menschheit. Wie das Salz die Speisen vor Fäulnis bewahrt, so sollen Jesu Jünger die Menschen vor geistlicher Verderbnis schützen.
- "Reines Kochsalz pflegt nicht schal zu werden; aber unreines Salz, wie es, aus dem Toten Meer gewonnen, in Palästina gebraucht wird, kann durch längeres Lagern am Strande oder in feuchten und dumpfen Räumen leicht seine Würzkraft verlieren." (A. Vezin: "Die Freudenbotschaft" usw., S. 331).
14 Ihr seid das Licht der Welt.1 Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben.2
Original Greek
- Php 2:15.
- Links am Ufer des Sees Genezaret lag auf steiler Höhe die Freistadt Hippos als "eine Stadt auf dem Berge".
15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie dann unter einen Scheffel;1 sondern man stellt sie auf den Leuchter;2 dann gibt sie allen Hausbewohnern Licht.
Original Greek
- Der Scheffel war ein in jedem Hause vorrätiges, zum Messen des Getreides dienendes Gefäß, womit die Öllampe ganz verdeckt werden konnte.
- Einen Ständer, der meist aus Metall bestand, und von dem aus die kleine Lampe einen größeren Raum erleuchten konnte.
16 Ebenso soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euern Vater im Himmel1 preisen.
Original Greek
- Der Ausdruck: "unser Vater im Himmel," der in nachchristlichen jüdischen Schriften häufig vorkommt, war wohl auch schon zu Jesu Zeit bei den Juden gebräuchlich.
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten1 aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.2
Original Greek
- D.h. die heiligen Schriften des Alten Bundes in ihrer Gesamtheit (vgl. zu dem Ausdruck Mt 7:12, 22:40, Lu 16:29, 31, 24:27, 44, Apg 24:14, 28:23).
- D.h. um Gottes Wort im Alten Testament in seinem vollen Sinne zur Geltung zu bringen, wozu dann auch namentlich die Erfüllung der Vorbilder und Weissagungen gehört.
18 Wahrlich,1 ich sage euch: Eher können Himmel und Erde vergehn, als daß auch nur der kleinste Buchstabe2 oder ein einziger Strich3 vom Gesetz abhanden kommt, ohne daß alles erfüllt wird.
Original Greek
- Wahrlich: wörtl. Amen. Alles Suchen in den jüdischen Schriften hat bisher noch kein entsprechendes Beispiel zu dem von Jesus gebrauchten einfachen oder doppelten "Wahrlich" (Amen) ans Licht gebracht.
- Wörtlich: "ein Jod." Das Jod war der kleinste Buchstabe der damaligen aramäischen Schrift.
- Durch einen kleinen Strich oder Haken unterscheiden sich sonst ähnliche hebräische Buchstaben voneinander.
19 Wer darum eins von diesen Geboten, und sei es das geringste,1 aufhebt und so die Leute lehrt, der wird der Geringste heißen im Königreich der Himmel; wer es aber erfüllt und lehrt, der wird ein Großer heißen im Königreich der Himmel.2
Original Greek
- Wie es durch das Jod oder den kleinen Strich (V18) bezeichnet wird.
- Es gibt also Stufen im Königreiche der Himmel. Von der Treue gegen das Gesetz hängt für Jesu Jünger ihre Stellung in dem zukünftigen Reiche ab. Es ist hier aber zu beachten, daß Jesus zu Israeliten redet, die auch als seine Jünger das Gesetz nicht eigenmächtig preisgeben sollen. Und die judenchristlichen Gemeinden, für die ja Matthäus in erster Linie schreibt, haben später auch wirklich das Gesetz treu gehalten. Auf die Frage, wie sich die Gläubigen aus den Heiden zum Gesetze Moses verhalten sollen, geht Jesus hier gar nicht ein. Für alle Jünger Jesu aber, sowohl die aus den Juden als auch die aus den Heiden, ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Mt 7:12, Rö 13:10, Ga 5:14
20 Denn ich versichere euch: Steht es bei euch mit der Gerechtigkeit nicht viel besser als bei den Schriftgelehrten1 und Pharisäern, so werdet ihr gewiß nicht eingehn ins Königreich der Himmel.2
Original Greek
- Vgl. über die Schriftgelehrten meine Geschichte des Volkes Israel, 3. Teil, S. 4ff.
- Die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und der Pharisäer war auf das Äußere gerichtet. Die Gerechtigkeit der Jünger Jesu aber soll aus der Liebe fließen.
21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten1 gesagt worden ist:2 Du sollst nicht morden!3 Wer aber einen Mord begeht, der soll dem Ortsgericht4 verfallen sein.5
Original Greek
- Den Israeliten der alten Zeit, die das Gesetz empfingen.
- Durch Mose.
- 2Mo 20:13.
- Wie es sich nach 5Mo 16:18 in allen jüdischen Städten fand.
- Die Zusatzbestimmung: "wer aber einen Mord begeht" usw., die sich nirgends im Gesetze wörtlich so findet, fügten die Schriftgelehrten in ihrem Unterrichte dem göttlichen Gebote bei. Dabei machten sie aber keinen Unterschied zwischen dem Wortlaute des Gesetzes und ihren Zusätzen. Sie trugen diese vielmehr so vor, als hätte sie Mose selbst ausgesprochen; und das Volk mußte denken, daß Gott so und nicht anders zu Israel geredet habe.
22 Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder zürnt, der soll dem Ortsgericht verfallen; wer aber zu seinem Bruder mit Verachtung redet,1 der soll dem Hohen Rat verfallen;2 und wer das Scheltwort Narr gebraucht, der soll der Glut des Feuers3 verfallen.
Original Greek
- Wörtlich: "wer aber zu seinem Bruder Raka sagt." Die Bedeutung des Wortes Raka ist unsicher. Es heißt im Syrischen "gering, verächtlich." Der Kirchenvater Chrysostomus, der die syrische Volkssprache kannte, sagt, das Wort enthalte keine schwere Beleidigung, sondern drücke eine Verachtung und Geringschätzung aus.
- Ein Ausdruck der höheren Strafwürdigkeit. Der Hohe Rat war die höchste Gerichtsbehörde der Juden, die über die schwersten Verbrechen zu entscheiden hatte.
- Wörtlich: "Der Geenna des Feuers." Geenna ist das hebräische Gehinnóm, d.h. das Tal des Gestöhns. In diesem Tale, das südlich von Jerusalem lag, opferte man unter den götzendienerischen Königen dem Moloch kleine Kinder, die in die glühend gemachten Arme des Götzenbildes gelegt wurden. Von dem Schreien der unglücklichen Opfer erhielt dann, wie es scheint, das Tal seinen Namen. Nach der babylonischen Gefangenschaft wurde das Tal als Stätte für die Leichen von Verbrechern und Tieren benutzt, zu deren Verbrennung fortwährend ein Feuer unterhalten wurde. Der Herr will also sagen: Wer das Scheltwort "Narr" gebraucht, dem geschähe recht, wenn sein Leichnam, nach vollzogener Todesstrafe, an der Stätte der Greuel, im Tale Hinnom, verbrannt würde. — Dem Buchstaben nach spricht der Herr in V21 und 22 von drei Stufen irdischer Bestrafung. Er deutet damit hin auf den Ernst Gottes und auf das Gericht, das Gott an den Lieblosen vollziehen wird.
23 Wenn du also deine Opfergabe schon zum Altar1 gebracht hast, und es fällt dir dort2 ein, daß dein Bruder gegen dich einen Grund zur Klage hat,3
Original Greek
- Zum Brandopferaltar.
- Bei dem Gitter, das den Vorhof der Männer von dem Vorhof der Priester und dem Brandopferaltar trennte.
- Weil du ihn beleidigt hast.
24 so laß dort deine Opfergabe vor dem Altar stehn und geh zunächst hin und söhne dich mit deinem Bruder aus; dann erst komm und bring dein Opfer dar!1
Original Greek
- Durch den Dienst des Priesters.
25 Zeig dich beizeiten deinem Gläubiger1 entgegenkommend,2 solange du noch mit ihm auf dem Wege bist!3 Sonst könnte dich der Gläubiger vor den Richter bringen und der Richter4 dich dem Büttel übergeben, und man könnte dich ins Schuldgefängnis werfen.
Original Greek
- Das Verhältnis zu dem gekränkten Bruder wird hier als Schuldverhältnis gedacht.
- Damit der Gläubiger sieht, daß er es mit keinem böswilligen Schuldner zu tun hat.
- Gemeint ist wohl der Weg zum Richter.
- Nach der Gerichtsverhandlung und Verurteilung.
26 Wahrlich, ich sage dir: Du kommst dort nicht eher heraus, als bis du den letzten Pfennig1 bezahlt hast.
Original Greek
- Wörtlich: "den letzten Quadrant," ein Viertel eines römischen As, etwa 0,8 Pfennige.
27 Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen!1
Original Greek
- 2Mo 20:14. Hier fehlt ein Zusatz der Schriftgelehrten. Es ist aber hinzuzudenken, daß sie bei diesem Gebote nur die äußere Tatsünde des Ehebruchs im Auge hatten und dessen Quelle, die böse Lust, 2Mo 20:17, 5Mo 5:18 nicht beachten. Daher der Gegensatz (V28).
28 Ich aber sage euch: Wer ein Weib1 begehrlich anblickt, der hat schon in seinem Herzen Ehebruch mit ihr getrieben.
Original Greek
- Eines andern Eheweib.
29 Wenn dich nun dein rechtes Auge1 zur Sünde verführt, so reiß es aus und wirf es von dir!2 Denn es ist dir besser, eins von deinen Gliedern geht dir verloren, als daß dein ganzer Leib in die Hölle3 geworfen werde.4
Original Greek
- Das rechte Auge ist als das stärkere gedacht.
- D.h. kämpfe gegen die Sünde, auch wenn es schmerzliche Opfer kostet.
- Wörtlich: "in die Geenna" (vgl. V22). Die Geenna mit ihrem Feuer war für die Juden ein Bild des Ortes der Qual im Totenreich. Lu 16:23, 24, 28 Darum übersetze ich "Geenna" mit "Hölle;" es kommt außer Mt 5:22, 29, 30 noch vor Mt 10:28, 18:9, 23:15, 33, Mr 9:43, 45, 47, Lu 12:5, Jak 3:6.
- Damit wird deutlich ausgesprochen, daß nicht nur die Seele, sondern auch der Leib der Hölle, dem Orte der Qual anheimfällt.
30 Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde verführt, haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist dir besser, eins von deinen Gliedern geht dir verloren, als daß dein ganzer Leib in die Hölle fahre.
Original Greek
31 Ferner ist gesagt worden: Wer sein Weib entläßt, der soll ihr einen Scheidebrief geben.1
Original Greek
- 5Mo 24:1 in freier Wiedergabe.
32 Ich aber sage euch: Wer sein Weib entläßt — abgesehn von dem Falle, daß sie Unzucht getrieben1 —, der setzt sie der Gefahr aus, daß sie Ehebruch begeht;2 und wer eine (von ihrem Mann) entlassene Frau zum Weibe nimmt, der begeht damit einen Ehebruch.3
Original Greek
- Die Stelle ist schwierig; vielleicht ist hier an den Fall in 5Mo 22:13-21 zu denken. vgl. Mt 19:9
- Indem sie sich mit einem andern Manne einläßt oder sich mit ihm verheiratet; denn das erste Band besteht noch fort.
- Denn die Ehe ist unauflöslich.
33 Weiterhin habt ihr gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst vielmehr dem Herrn deine Eide (und Gelübde) erfüllen.1
Original Greek
- Dieser Ausspruch ist aus verschiedenen alttestamentlichen Stellen zusammengesetzt. vgl. 2Mo 20:7, 3Mo 19:12, 4Mo 30:2, 5Mo 23:21, Ps 50:14 Es ist hier zu beachten, daß die Schriftgelehrten willkürliche Unterschiede machten zwischen verbindlichen Eiden (bei Gott selbst) und unverbindlichen (bei dem Himmel, bei der Erde usw.); vgl. V34-36.
34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören:1 weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron,2
Original Greek
- Hier handelt es sich um das leichtfertige Schwören im täglichen Leben, nicht um den feierlichen Eid vor Gericht, den Jesus selbst geleistet hat. Mt 26:63-64 Aber auch der Eid vor Gericht wird nur durch den jetzigen unvollkommenen Zustand der Christenheit erforderlich.
- Jes 66:1.
35 noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel,1 noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt.2
Original Greek
- Auch Jes 66:1.
- Ps 48:2. Der große König ist Gott.
36 Du sollst auch nicht bei deinem Haupte schwören; denn du bist nicht imstande, ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.1
Original Greek
- Ein Ausdruck der menschlichen Ohnmacht und völligen Abhängigkeit von Gott.
37 In eurer Rede sei vielmehr das Ja ein Ja, das Nein ein Nein;1 was dem hinzugefügt wird,2 stammt von dem Bösen.3
Original Greek
- Eure Rede sei in jeder Hinsicht einfach und wahr. Jak 5:12, 2Kor 1:18
- Durch alle möglichen Beteuerungen, die oft nur die Unwahrheit bemänteln sollen.
- Von dem Teufel, dem Vater der Lüge. Joh 8:44
38 Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn!1
Original Greek
- 2Mo 21:24, 3Mo 24:19-20. In diesen Stellen wird durch das Strafrecht das Gesetz der strengen Wiedervergeltung ausgesprochen.
39 Ich aber sage euch: Setzt einem bösen Menschen1 keinen Widerstand entgegen!2 Im Gegenteil: Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andre hin!
Original Greek
- Der euch Schaden zufügen will.
- D.h. verzichtet ihm gegenüber auf eine richterliche Klage. Hier ist 1Kor 6:1-8 zu vergleichen. Daß man aber widerstandslos alles über sich ergehen lassen solle, wir in diesen und den folgenden Worten keineswegs verlangt. Jesus selbst hat ja auch anders gehandelt und ebenso sein Apostel Paulus. Joh 18:22-23, Apg 23:1-3, 25:9-11 Der Sinn von V38-42 ist vielmehr, daß Jesu Jünger in ihrem ganzen Verhalten gegen den Nächsten nicht das strenge Recht, sondern die sanftmütige und opferwillige Liebe walten lassen sollen. Jes 50:4-7, 1Pe 2:18-21, 3:9, Rö 12:19-21
40 Und wer dir durch eine Klage vor Gericht dein Unterkleid entreißen will, dem gib freiwillig auch dein Oberkleid.1
Original Greek
- Das Oberkleid (der Mantel) war wertvoller als das Unterkleid (der Leibrock); es diente dem Armen auch als Decke. 2Mo 22:26-27
41 Und wer dein Geleit für eine Meile haben will, mit dem gehe zwei!1
Original Greek
- Ein rabbinischer Ausspruch lautet: Wer einem Reisenden nicht das Geleit (durch eine unsichere Gegend) gibt, der ist, als ober er einen Mord beginge.
42 Wer dich um etwas bittet, dem gib; und wer etwas von dir borgen will, von dem wende dich nicht ab!1
Original Greek
- Als Borgender ist hier der Arme gedacht. 2Mo 22:25, 3Mo 25:35-38 Sir 4,4 29,8-10
43 Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen!1
Original Greek
- Hier handelt es sich um einen Satz der mündlichen Überlieferung zur Zeit Jesu. Der Pharisäer sollte seinen Nächsten, d.h. seinen Genossen, lieben, aber seinen Feind, d.h. den Juden, der nicht zu seiner Gemeinschaft gehörte, und der deshalb das Gesetz nicht kannte und nicht hielt, hassen. Lu 18:9, Joh 7:49
44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger!
Original Greek
45 Dann zeigt ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehn über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Original Greek
46 Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was für eine Belohnung habt ihr da zu erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?1
Original Greek
- Die Zöllner oder Steuerpächter wurden von den Pharisäern als besonders große Sünder angesehen, weil sie den Römern bei der Einziehung der Steuern dienten und sich dabei nicht selten durch Betrug bereicherten.
47 Und wenn ihr nur mit euern Volksgenossen verkehrt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
Original Greek
48 Darum1 sollt ihr vollkommen sein,2 wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.3
Original Greek
- Weil eine solche Liebe, wie sie in V46f. geschildert wird, in Gottes Augen keinen Wert hat.
- Vollkommen in Liebe und Barmherzigkeit.
- In 5,21-48 schildert Jesus die Gerechtigkeit, die für den Eingang in das Königreich der Himmel nötig ist, im Gegensatz zu der Gesetzesauslegung der Schriftgelehrten, indem er seine Jünger in den eigentlichen Sinn des göttlichen Gesetzes einführt. Von 6,1 ab beschreibt er dann diese Gerechtigkeit in Gegensatz zu der Frömmigkeit der Pharisäer, in dem er von der Mildtätigkeit gegen die Armen (V2-4), vom Gebet (V5-15) und vom Fasten (V16-18) redet; denn gerade diese drei Stücke gehörten bei den Juden hauptsächlich zu der in 6,1 erwähnten Gerechtigkeit (vgl. Sir 3:30f,29:11-13; Tobias 12,8f.).